Warum die Schulmedizin chronische Erkrankungen nicht heilen kann

Schulmedizin gegen ErnährungZu den chronischen Krankheiten zählen unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie koronare Herzkrankheit und Schlaganfall, Diabetes, Krebs und chronische Atemwegs-erkrankungen sowie Allergien.

Sie verkürzen das Leben, zerstören die Lebensqualität, belasten das Gesundheitssystem und bedrohen die Gesundheit kommender Generationen. Leider bietet die Schulmedizin in Bezug auf chronische Krankheiten keine wirkliche Therapie.

Oh ja, sie ist gut darin, Symptome zu unterdrücken, aber sie tut absolut nichts dafür, die Ursachen chronischer Erkrankungen zu behandeln. Und diese sind stark auf dem Vormarsch und betreffen immer jüngere Individuen. Gruselig? Auf jeden Fall!

Ich möchte Ihnen in diesem Blog erklären, warum wir uns momentan in so einer prekären Situation befinden und durch welche Herangehensweise wir der Bedrohung durch chronische Krankheiten entgegentreten können.

Chronische Krankheiten sind mit Abstand die größte Herausforderung im Gesundheitssystem. Betrachten wir uns nur mal folgende Zahlen:

  • Bei den über 65-Jährigen geben über die Hälfte der Männer und 60% der Frauen an, eine chronische Krankheit zu haben (1).
  • Einer von vier Deutschen hat mehrere chronische Krankheiten. Bei den über 65-jährigen steigt dieser Anteil sogar auf nahezu 40 % (2).
  • Unter den 10 häufigsten Todesursachen befinden sich 9 chronische Krankheiten

  •  15 % der Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig, immerhin 6,3 % gelten als adipös. Alarmierend ist die Verdoppelung dieser Zahlen in den vergangenen 10 – 15 Jahren sowie die Zunahme an Typ II Diabetikern im Kindes- und Jugendalter (3).
  • In den USA entfielen 84 % der 3,8 Billionen Dollar, die für Gesundheitskosten ausgegeben werden auf die Behandlung chronischer Krankheiten. In Deutschland sieht dieses Verhältnis wohl ähnlich aus.

Wir sind inzwischen an einem Punkt angekommen, an dem chronische Krankheiten so alltäglich sind, dass wir sie für normal halten. Es besteht aber ein riesen Unterschied zwischen alltäglich und normal.

Wie es früher aussah

Die Lebensbedingungen im vorindustriellen Europa waren durch häufigen Nahrungsmangel, ansteckende Krankheiten und Seuchen sowie unzureichende hygienische Verhältnisse geprägt. Aufgrund dieser Bedingungen waren infektiöse und parasitäre Erkrankungen die Haupttodesursachen. Genaue Daten für Deutschland und Österreich liegen nicht vor. Aber eine englische Statistik für die Jahre 1848 bis 1854 belegt, dass Infektionskrankheiten für 60 Prozent der Todesfälle verantwortlich waren.

Es wird immer wieder das Argument angeführt, dass die Menschen früher einfach nicht lange genug gelebt haben, um chronische Erkrankungen zu bekommen. Natürlich hat die durchschnittliche Lebenserwartung in den letzten 100 Jahren deutlich zugenommen, wir müssen aber auch sehen, dass chronische Erkrankungen immer früher im Leben auftreten, und dass heutige Jäger und Sammler, die noch ihren traditionellen Lebensstil haben, nur extrem selten an chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Alzheimer Demenz oder Herzerkrankungen leiden, die in den Industrienationen so weit verbreitet sind.

Nehmen wir zum Beispiel die Tsimané, eine Population von Bauern, Jägern und Sammlern, die in Bolivien lebt. Sie essen Fleisch, Fisch, Früchte, Gemüse, Nüsse, Samen und einige stärkehaltige Pflanzen. Sie laufen täglich durchschnittlich 17.000 Schritte (∼ 8 Meilen), verbringen viel Zeit an der frischen Luft, schlafen viel und sind nachts keinen größeren künstlichen Lichtquellen ausgesetzt.

In einer kürzlich erschienenen Studie fanden die Forscher heraus, dass die Prävalenz der Arteriosklerose bei den Tsimané um 80 Prozent geringer ist als bei der Bevölkerung der USA. Annähernd neun von 10 Tsimané im Alter von 40 – 94 Jahren hatten freie Arterien und praktisch kein Risiko für eine Herzerkrankung. Darüber hinaus wurden in diese Studie auch ältere Individuen einbezogen. Im Vergleich hatte der durchschnittliche 80-jährige in der Tsimané Gruppe das gleiche vaskuläre (Blutgefäß) Alter wie ein Amerikaner in den Fünfzigern (4).

Konsequenzen chronischer Erkrankungen

Chronische Erkrankungen stellen ein großes Problem dar. Die Konsequenzen für die Patienten sind offensichtlich:

  • In Deutschland sind 53 Prozent der Frauen und 67,1 Prozent der Männer übergewichtig. 23,9 Prozent der Frauen und 23,3 Prozent der Männer sind adipös, d. h. ihr Body Mass Index (BMI) ist größer als 30 (5). Nach Einschätzung von Forschern des Rostocker Zentrum zur Erforschung des Demografischen Wandels wird die Zahl der Fettleibigen hierzulande bis 2030 um 80 Prozent steigen (6).
  • In den USA hat sich die Prävalenz von Autismus Spektrum Erkrankungen seit 2000 fast verdoppelt, was nicht nur auf eine bessere Diagnostik zurückzuführen ist (7).
  • Die Anzahl der Autoimmunerkrankungen hat sich in den letzten 50 Jahren mehr als verdoppelt. Es wird mit einem weiteren Anstieg gerechnet.
  • Mehr als die Hälfte der Erwachsenen nehmen verschreibungsplichtige Arzneimittel ein, und 40 Prozent der Senioren nehmen mehr als fünf verschiedene Medikamente (8). Die Ärzte fangen tatsächlich an, sich über die Interaktionen dieses Medikamentencocktails Gedanken zu machen.

Über die Auswirkungen auf betroffene Individuen hinaus, verursachen chronische Erkrankungen enorme Kosten.

  • In Deutschland belaufen sich die jährlichen Gesundheitsausgaben auf 344.153 Millionen Euro – das sind 4.213 Euro je Einwohner, die einem Anteil von 11,3 Prozent am Bruttoinlandsprodukt entsprechen. Experten gehen davon aus, dass unser Gesundheitssystem ohne grundlegende Änderungen in der Zukunft nicht mehr finanzierbar ist (9).
  • In den USA wird damit gerechnet, dass bei weiterhin steigenden Gesundheitskosten, die Vereinigten Staaten im Jahr 2035 bankrott sein werden.
  • Die weltweiten Ausgaben für chronische Krankheiten werden 2030 47 Billionen USD betragen, ein Betrag, der höher ist als die Bruttosozialprodukte der sechs größten Wirtschaftsnationen der Welt.

Man kann also sicherlich behaupten, dass chronische Krankheiten die Welt in die Knie zwingen und dass unsere Bemühungen, damit umzugehen, nicht so wirklich fruchten.

Aber woran liegt das?

Warum die Schulmedizin keine Lösung für chronische Krankheiten bietet

Es gibt viele Gründe, warum die Schulmedizin keine Lösungen für die Epidemie an chronischen Krankheiten hat, aber zwei Gründe stechen besonders hervor:

1. Die falsche Herangehensweise

Die Schulmedizin entwickelte sich in einer Zeit, in der akute Infektionen die Haupttodesursache waren. Eigentlich waren die meisten Gründe, warum jemand einen Arzt aufsuchte, akuter Natur wie zum Beispiel eine Blinddarmentzündung oder Gallenkoliken.

In diesen Fällen war eine Behandlung relativ einfach: Der Patient hatte eine Infektion, ging zum Arzt, bekam ein Antibiotikum (als diese erfunden worden waren) und erholte sich oder verstarb. Also: ein Problem, ein Arzt, eine Behandlung.

Heute gestaltet sich das Ganze etwas komplizierter. Der Durchschnittspatient kommt nicht wegen eines akuten Problems zum Arzt sondern wegen einer chronischen Erkrankung (oder manchmal auch mehrerer). Chronische Erkrankungen sind schwerer zu behandeln, kosten viel Geld, beschäftigen teilweise mehr als einen Arzt und halten sich normalerweise bis zum Lebensende. Die ein Problem, ein Arzt, eine Behandlung Vorgehensweise der Vergangenheit greift hier also nicht.

Leider hat die Schulmedizin (mit sehr viel Unterstützung der pharmazeutischen Industrie) ein System entwickelt, dass die Betonung der Behandlung darauf legt, Symptome mit Medikamenten (und manchmal Operationen) zu unterdrücken, anstatt die zugrunde liegenden Ursachen zu behandeln.

Wenn ein Patient mit zu hohem Blutdruck oder einem zu hohen Cholesterinwert zum Arzt kommt, bekommt er Medikamente verschrieben, die er normalerweise für den Rest seines Lebens nehmen soll. Das ist nun wirklich keine ernsthafte Bemühung abzuklären, warum der Cholesterinwert oder der Blutdruck zu hoch sind.

Stellen Sie sich mal ein Spektrum vor, bei dem totale Gesundheit auf der linken Seite steht und der Tod auf der rechten Seite. Die Interventionen der Schulmedizin setzen ziemlich weit auf der rechten Seite des Spektrums an.

Was meine ich damit? Nun, ihr Blutzucker ist 120 mg/dl. Super, Sie haben noch keinen Diabetes. Wir beobachten das mal. Oh, jetzt ist er 126 mg/dl, da verschreibe ich Ihnen mal Metformin.

Damit Sie mich richtig verstehen, wenn ich einen Unfall habe, möchte ich sicherlich im Krankenhaus behandelt werden, denn akute Ereignisse sind etwas, das die Schulmedizin richtig gut behandeln kann. Aber chronische Krankheiten – nicht so wirklich.

Dabei wäre es so einfach (wenn auch nicht leicht). Neuere Studien zeigen auf, dass mehr als 85 Prozent der chronischen Krankheiten durch Umweltfaktoren wie Ernährung, Verhalten, Umweltgifte und den Lebensstil verursacht werden (10).

Genau genommen entstehen chronische Erkrankungen durch ein Missverhältnis zwischen unseren Genen und unserer Biologie auf der einen Seite und der modernen Umwelt auf der anderen Seite. Für diese Behauptung gibt es viele Beispiele.

So hatten 1980 nur 1 Prozent der chinesischen Bevölkerung Diabetes. In nur einer Generation stieg dieser Anteil um erstaunliche 1.160 Prozent (11). Und was war passiert? Gab es auf einmal eine Genmutation in einem Großteil der Bevölkerung, die diese Erkrankung hervorrief?

Natürlich nicht. Was tatsächlich passiert war, war dass die Chinesen während dieser Zeitspanne ihre Ernährung von einer traditionellen Diät auf einen mehr westlich orientierten Ernährungsstil (inklusive Softdrinks) umgestellt hatten.

Fazit: Wenn wir chronische Erkrankungen verhindern und heilen wollen, dann brauchen wir ein medizinisches Modell, das das Missverhältnis zwischen unseren Genen und unserer Umwelt als Triebfeder für chronische Erkrankungen versteht und sich darauf konzentriert, die zugrunde liegenden Ursachen zu verhindern oder zu behandeln anstatt nur Symptome zu kaschieren.

 

Ein dominantes Arzt-Patienten Verhältnis

Auch das Verhältnis zwischen Arzt und Patient bereitet Probleme. Warum? Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Auf die wichtigsten Maßnahmen wird gar nicht eingegangen. Wie gesagt, sind die Hauptursachen für chronische Krankheiten nicht genetisch bedingt, sondern liegen in einem falschen Verhalten. Die Leute treffen einfach die falsche Wahl was Essen, körperliche Aktivität, Schlaf und Stressmanagement angeht – und das immer wieder, ihr Leben lang.

Und genau hier müssten Ärzte ansetzen und ihre Patienten dabei unterstützen, die richtigen Entscheidungen für ihre Gesundheit zu treffen. Nicht besonders sexy, ich weiß.

Allerdings macht das System der Schulmedizin dieses Vorgehen auch sehr schwer. Ein Arzt hat pro Patient ungefähr 8 Minuten Zeit. Wenn ein Patient mehrere chronische Krankheiten hat, mehrere Medikamente einnimmt und nun neue Symptome aufweist, dann ist es in der Zeit fast unmöglich, mehr zu tun als ein weiteres Rezept auszuschreiben.

Wie sollte der Arzt auch innerhalb von vielleicht 4 Minuten, die ihm nach der Schilderung der Symptome durch den Patienten noch verbleiben, auch eine detaillierte Diskussion über Ernährung und Lebensstil führen. Und stellen Sie sich mal vor, wie lange er bei durchschnittlich 45 Patienten pro Tag da wohl arbeiten sollte (12).

Und selbst wenn der Arzt dem Patienten beim Hinausgehen noch den Vorschlag macht, die Ernährung oder den Lebensstil umzustellen, glauben Sie das hilft so auf die Schnelle? Wir wissen doch alle, dass Wissen nicht vor schlechten Entscheidungen schützt, oder wie erklären Sie sich rauchende Ärzte und geschiedene Eheberater. Viele Ärzte sind auch einfach frustriert, weil sie genau wissen, dass diese Vorschläge sowieso nicht angenommen werden. Wie könnten sie auch – Patienten brauchen sehr viel Untersützung dabei, wenn sie ihr Leben und ihre Ernährung tatsächlich langfristig und erfolgreich umstellen sollen.

Man muss auch mal überlegen, wenn 90 Prozent des Termins damit zugebracht werden, über Symptome und die entsprechenden Medikamente zu sprechen und vielleicht 10 Prozent für Lebensstil Ursachen und Lösungen übrig bleiben – was glauben Sie nimmt der Patient ernster?

Wenn wir chronische Erkrankungen wirklich behandeln wollen, dann brauchen wir eine Systemänderung im Gesundheitswesen, die dazu führt dass:

  • Dem Arzt sehr viel mehr Zeit für den einzelnen Patienten gegeben wird, damit er eine detaillierte Anamnese (Krankengeschichte) erheben kann, Zeit hat, diese mit dem Patienten zu besprechen und ihm Chancen für Änderungen aufzuzeigen. Der 8-Minuten Termin mag ja zum Verschreiben von Medikamenten ausreichend sein, aber für eine wirklich ausführliche Erstanamnese können Sie mal locker 1 -2 Stunden veranschlagen.
  • Zwischen Arzt und Patient eine Zusammenarbeit zustande kommt, bei der der Arzt mit dem Patienten als Partner zusammenarbeitet – und der Patient eine sehr aktive Rolle in seiner Genesung übernehmen muss -, anstatt des in unserem Gesundheitssystem vorherrschenden „Expertenmodells“, in dem der Arzt die Marschrichtung bestimmt, und der Patient alles nur passiv mit sich geschehen lässt.
  • Zusätzlich erhält der Patient Zugang zu einem Betreuungsteam aus Arzthelfern, Krankenschwestern, Ernährungsberatern, Gesundheitscoaches und anderen Berufsgruppen, die die Pflege und Unterstützung zwischen den einzelnen Arztbesuchen aufrecht erhalten.

Integrative Medizin in einigen Ländern schon auf dem Vormarsch

Die gute Nachricht ist, dass genau dieses Modell in einigen Ländern schon praktiziert wird. In Amerika werden Abteilungen für Integrative Medizin (oder Funktionelle Medizin) bereits an einigen großen Kliniken betrieben – unter anderem an der Cleveland Clinic, und die ist nicht so ganz unbekannt.

In England hat es die Integrative Medizin sogar schon ins Fernsehen geschafft mit der Dokuserie Doctor in the House der BBC, in der Dr. Rangan Chatterjee zeigt, wie chronische Erkrankungen durch einfache Änderungen der Ernährung und des Lebensstils geheilt werden können.

Es ist wirklich höchste Zeit, dass wir etwas ändern.

 

(1) http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsB/Geda09/chronisches_kranksein.pdf?__blob=publicationFile

(2) Herausforderungen an die Gesundheitsforschung für eine alternde Gesellschaft am Beispiel „Multimorbidität“ http://edoc.rki.de/oa/articles/re050fIYfPO4E/PDF/21AvGqmVr4ryo.pdf

(3) http://www.bundesaerztekammer.de/aerztetag/beschlussprotokolle-ab-1996/110-daet-2007/punkt-iii/chronische-erkrankungen/

(4) Coronary atherosclerosis in indigenous South American Tsimane: a cross-sectional cohort study http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(17)30752-3/fulltext?elsca1=tlpr

(5) https://de.statista.com/themen/1468/uebergewicht-und-adipositas/

(6) Projections of Trends in Overweight in the Elderly Population in Germany until 2030 and International Comparison https://www.karger.com/Article/FullText/358738

(7) https://www.cdc.gov/ncbddd/autism/data.html

(8) http://www.newsweek.com/prescription-drugs-rise-new-estimates-suggest-60-americans-take-least-one-390354

(9) Neue Wege in der ambulanten Versorgung https://www.kvsh.de/db2b/upload/downloads/nordlicht_04_2013_web.pdf

(10) Genetic Factors Are Not the Major Causes of Chronic Diseases http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0154387

(11) https://medium.com/@drjasonfung/the-deadly-effects-of-fructose-b4d0128f3b39

(12) https://www.tz.de/welt/acht-minuten-patient-596912.html

Transfette – die heimlichen Killer

chicken-nuggets-246179_1920Jeder hat den Begriff schon mal gehört, und die meisten wissen, dass Transfette wohl nicht so gesund sind. In Amerika sind sie inzwischen sogar verboten. Das wäre doch mal eine Maßnahme, die wir uns von den Amerikanern abgucken könnten!

Transfettsäuren entstehen in einem Prozess, den man partielle Hydrierung nennt. Dabei wird ein Wasserstoffatom in einer flüssigen ungesättigten Fettsäure (FS) an eine andere Stelle „verrückt“, sodass eine FS mit mindestens einer trans-konfigurierten Kohlenstoff-Doppelbindung entsteht. Durch die Einbringung von Wasserstoffatomen werden aus flüssigen Pflanzenölen gehärtete streichfähige Fette. Natürliche ungesättigte FS wie beispielsweise die Ölsäure (Oleinsäure) sind bei Raumtemperatur flüssig. Ihnen fehlen an der Stelle, wo die Kohlenstoffatome durch eine Doppelbindung verbunden sind zwei Wasserstoffatome. Die Wassermoleküle an der Doppelbindung befinden sich auf der gleichen Seite (also in cis-Konfiguration). Durch die partielle Hydrierung wird ein Wasserstoffatom auf die andere Seite der Doppelbindung verschoben, und es entsteht die trans-Konfiguration. Zur Bildung von Transfettsäuren kommt es übrigens auch, wenn man Pflanzenöle auf über 130° C erhitzt.

 

Ölsäure                                         Elaidinsäure

cisfett transfett

 

cis-Fettsäure                             trans-Fettsäure

 

In der Lebensmittelindustrie wird dieser Vorgang gerne eingesetzt, um aus flüssigen ungesättigten FS Fettsäuren zu machen, die sich praktisch wie gesättigte FS verhalten, also bei Raumtemperatur fest sind (wie z.B. Butter oder Kokosöl). Die Fette, die durch dieses Verfahren hergestellt werden, sind nicht nur sehr billig sondern auch sehr viel länger haltbar als natürliche Fette.

Transfette kommen vor allem in teilgehärteten Pflanzenfetten (Backfett), mit ihnen hergestellten Lebensmitteln und frittierten Lebensmitteln vor (Pommes, Chips, Schmalzgebäck). Auch Backwaren enthalten häufig diese schädlichen Fette. Bei industriell gefertigten Lebensmitteln kann man relativ sicher davon ausgehen, dass die meisten Transfette enthalten. Die Hersteller müssen diese übrigens nur bei Lebensmitteln deklarieren, die der Diät-Verordnung unterliegen (z.B. Säuglings- und Diabetikernahrung), ansonsten ist die Deklaration freiwillig.

Unser Körper kann diese Transfette nicht verarbeiten, da sie keine Wasserstoffatome in cis-Kofiguration aufweisen, die für die Bindung in der Zellmembran benötigt werden. So bilden die Transfette eine klebrige Masse und lagern sich an Zellwände, Blutgefäße und Nerven an. Dadurch kommt es zu Fehlfunktionen auf zellulärer Ebene.

Welchen Schaden richten die Transfette nun im Einzelnen an?

  1. Sie wirken sich negativ auf den Cholesterinspiegel aus. Sie erhöhen das „schlechte“ LDL, die Triglyceride und das atherogene (Arteriosklerose auslösende) Lipoprotein (a) und senken das „gute“ HDL.  Es wird empfohlen, nicht mehr als 1 % der täglichen Kalorien in Form von Transfetten aufzunehmen. Das entspricht bei 2000 kcal pro Tag einem Anteil von 2,2 g Transfetten. Wenn Sie viel Fast Food und industriell gefertigte Nahrung essen, kommen Sie da locker drüber. Ihr Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen erhöht sich dabei je nach aufgenommener Menge um das 2,5 – 10-fache.
  2. Transfette stören den Insulinrezeptor in der Zellmembran und führen zu Insulinresistenz. Laut der Nurses Health Study haben Menschen, die viel Fast Food essen, ein 40 % höheres Risiko, an Diabetes zu erkranken.
  3. Transfette führen verstärkt zur Ansammlung von Bauchfett, also gerade dem Fett, das als besonders gefährlich eingestuft wird (1).  Dieses trifft vor allem bei Frauen zu.
  4. Transfette können das Krebsrisiko erhöhen – vor allem für Darmkrebs. Hier konnte in Untersuchungen gezeigt werden, dass Krebspatienten deutlich höhere Transfettwerte aufweisen (2). Die Fette verhindern, dass Enzyme des Körpers diesen gegen Krebszellen schützen können.
  5. In der Schwangerschaft können Transfettsäuren das ungeborene Kind schädigen. Sie gelangen über die Plazenta in den fetalen Kreislauf und führen zu vermindertem Geburtsgewicht und Motorikstörungen beim Baby. Auch der Gehalt an langkettigen ungesättigten Fettsäuren wie der Arachidonsäure wurde negativ beeinflusst. Ein ausreichender Arachidon-säurestatus wird als wichtig für das normale Wachstum und eine gesunde Entwicklung von Kindern eingeschätzt. Auch die Ausbildung bestimmter Gehirnfunktionen bei Säuglingen scheint abhängig vom Stoffwechsel der Arachidonsäure zu sein.
  6. Sie verursachen Chronische systemische Entzündungen. Die Entzündungsmarker Interleukin-6 und C-reaktives Protein (CRP) steigen unter dem Einfluss der Transfettsäuren an. Weiterhin blockieren Transfette die Produktion antiinflammatorischer langkettiger Omega-3-Fettsäuren und verstärken den oxidativen Stress in den Zellen.
  7. Forscher vom Deutschen Institut für Demenzprävention in Homburg fanden heraus, dass Transfettsäuren zu einer vermehrten Bildung von    β-Amyloid führen und damit das Alzheimerrisiko erhöhen.
  8. Transfettsäuren können bei Frauen zur Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten und Endometriose führen (3).
  9. Bei Männern kann die erhöhte Aufnahme von Transfetten zu verminderter Spermienkonzentration führen (4).
  10. Depression: Prof. Miguel Martinez-Gonzalez und Kollegen untersuchten in ihrer SUN-Studie die Essgewohnheiten von 20.000 Probanden. Sie fanden heraus, dass die Personen, die sich mehr im Sinne einer mediterranen Diät ernährten, also viele frische Zutaten, Obst und Gemüse aßen, psychisch stabiler war als die Gruppe, die eher zu Fast Food, Snacks und Süßigkeiten griff. Bei diesen Probanden gab es fünf Prozent Depressionsfälle, die auf den Genuss von Transfetten zurückzuführen waren (5).
  11. Transfette stören sowohl die B- als auch die T-Zellfunktion und führen dadurch zu einer geschwächten Inmunabwehr.
  12. Aufgrund der aufgezeigten negativen Effekte der Transfettsäuren überrascht es nicht, dass Untersuchungen gezeigt haben, dass der Konsum von Transfetten zu einem vorzeitigen Tod führt (6).

In Milch und Milchprodukten natürlich vorkommende Transfettsäuren sind übrigens gesundheitlich nicht bedenklich sondern wahrscheinlich im Gegenteil eher gesund. So wurde gezeigt, dass die von Wiederkäuern gebildete trans-Palmitoleinsäure das Auftreten eines Typ II Diabetes senken kann (7). In Metaanalysen wurde festgestellt, dass die natürlichen Transfette im Gegensatz zu den industriell gefertigten Transfetten das cardiovaskuläre Risiko nicht erhöhen (8)(9). In Tierversuchen konnte eine positive Wirkung nicht nur gegen Diabetes sondern auch gegen Krebs und Osteoporose nachgewiesen werden.

Im Endeffekt lässt sich festhalten, dass Sie dem Problem der Transfette nur beikommen, wenn Sie den Verzehr von industriell gefertigter Nahrung stark einschränken. Am besten bereiten Sie sich Ihre Nahrung selber zu, dann wissen Sie, was in Ihrem Körper landet. Ich würde auf jeden Fall davon Abstand nehmen, in Restaurants oder Imbissbuden frittierte Produkte zu essen.

 

(1)http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=1451

(2)http://www.sprechzimmer.ch/sprechzimmer/News/Gesundheit_allgemein/Transfettsaeuren_koennen_das_Risiko_fuer_Darmkrebs_erhoehen.php

(3)http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/50751

(4)http://www.springermedizin.at/artikel/31219-ein-loefferl-fuer-den-papa

(5)http://www.unav.edu/departamento/preventiva/sun

(6)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9322581

(7)http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/44007

(8)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4301193/

(9)http://jn.nutrition.org/content/140/1/18.abstract