Sinn und Unsinn von Nahrungsergänzungsmitteln

Immer mehr Menschen wollen ihrer Gesundheit etwas gutes tun und greifen deshalb zu Nahrungsergänzungsmitteln. Sollten wir nicht eigentlich alle Nährstoffe, die wir brauchen, einfach aus unserer Nahrung bekommen? Reicht es nicht aus, wenn die Ernährung aus richtigen Nahrungsmitteln besteht (also nicht industriell verarbeitet) und viele Ballaststoffe und wenig Zucker enthält?

Reichen die in der Nahrung enthaltenen Nährstoffe nicht aus?

Natürlich sollten wir darauf achten, möglichst viele frische Lebensmittel in ausreichender Auswahl zu uns zu nehmen. Wenn Sie immer nur drei Sorten Obst und vier Sorten Gemüse essen, können Sie nicht davon ausgehen, dass diese alle Nährstoffe enthalten, die Sie benötigen.

Ein weiterer Punkt ist aber, dass unser Obst- und Gemüse bei weitem nicht mehr die Nährstoffdichte hat, die es noch vor 50 Jahren besaß. Grund dafür ist unsere moderne Landwirtschaft mit einem hohen Einsatz chemischer „Hilfsmittel“, sei es Dünger, Pestizide oder Herbizide. Hinzu kommen längere Transportzeiten und die Tatsache, dass Obst und Gemüse häufig unreif geerntet werden, damit sie sich länger halten.

Wie dramatisch dieser Nährstoffverlust tatsäclich ist, zeigen Studien aus den Jahren 1985, 1996 und 2002:

Mineralien und Vitamine in mg je 100g Lebensmittel untersuchte Inhaltsstoffe Ergebnis 1985 Ergebnis 1996 Ergebnis 2002 Verlust 1985-1996 Verlust 1985-2002
Brokkolie Calzium
Folsäure
Magnesium
103
47
24
33
23
18
28
18
11
-68 %
-52 %
-25 %
-73 %
-62 %
-55 %
Bohnen Calzium
Folsäure
Magnesium
Vitamin B6
56
39
26
140
34
34
22
55
22
30
18
32
-38 %
-12 %
-15 %
-61 %
-51 %
-23 %
-31 %
-77 %
Kartoffeln Calzium
Magnesium
14
27
4
18
3
14
-70 %
-33 %
-78 %
-48 %
Möhren Calzium
Magnesium
37
21
31
9
28
6
-17 %
-57 %
-24 %
-75 %
Spinat Magnesium
Vitamin C
62
51
19
21
15
18
-68 %
-58 %
-76 %
-65 %
Apfel Vitamin C 5 1 2 -80 % -60 %
Banane Calzium
Folsäure
Magnesium
Vitamin B6
Kalium
8
23
31
330
420
7
3
27
22
327
7
5
24
18
-*
-12 %
-84 %
-13 %
-92 %
-24 %
-12 %
-79 %
-23 %
-95 %
Erdbeeren Calzium
Vitamin C
21
60
18
13
12
8
-14 %
-67 %
-43 %
-87 %

Quellen: 1985 Pharmakonzern Geigy (Schweiz), 1996/2002 Lebensmittellabor Karlsruhe/Sanatorium Oberthal
*nicht untersucht

Dies ist auch der Grund dafür, dass die empfohlenen fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag bei weitem nicht ausreichend sind (1).

Auf der anderen Seite sind Nahrungsergänzungsmittel keine „Wunderpillen“. Sie können aber schon in der Nahrung fehlende Vitamine, Mineralstoffe und Antioxidantien ersetzen. Sie sollten allerdings nur als Ergänzung zu einer gesunden Ernährung eingenommen werden.

Nahrungsergänzungsmittel, die jeder nehmen sollte

Diese grundlegenden NEMs bieten die Basis für Nährstoffe, die Sie aus der Nahrung wahrscheinlich nicht in ausreichender Menge bekommen. Durch sie können Sie Ihren Ernährungszustand optimieren, Entzündungen reduzieren und sich generell gesund halten.

1. Ein Vollspektrum Multivitamin/Mineralstoffpräparat

Ein qualitativ hochwertiges Präparat enthält optimale Nährstoffe in der Form, die der Körper am besten aufnehmen kann, und in einem korrekten Verhältnis. Normalerweise sind die Vitamine A, C, D, E , K und alle B Vitamine enthalten. Außerdem die Mineralstoffe Calcium, Eisen, Phosphor, Jodid, Magnesium, Zink, Selen, Kupfer, Mangan, Chrom, Molybdän und Kalium. Sehr gute Multis können zudem Stoffe wie Alpha Liponsäure, Traubenkernextrakt, Gingko biloba und N-acetyl-L–Cystein enthalten. Studien zeigen, dass diese Präparate mit zur Vorbeugung von Krebs (2) und Osteoporose (3) beitragen können.

Und bitte greifen Sie jetzt nicht zur billigsten Tablette, die Sie in Ihrem Discounter finden. Wichtig ist, dass hochwertige Inhaltsstoffe enthalten sind, mit denen Ihr Körper auch wirklich etwas anfangen kann, und möglichst auf Füll – und Farbstoffe sowie auch Zucker verzichtet wird. Ein Präparat, das Ihnen eine ausreichende Versorgung mit einer Tablette pro Tag verspricht, ist auch eher zweifelhaft.

 

2. Fischöl

Inzwischen wissen wir, dass Entzündungen bei fast allen Erkrankungen eine Rolle spielen – inklusive Adipositas (4).  Essentielle Fettsäuren (FS) sind deshalb „essentiell“, weil unser Körper sie nicht selbst herstellen kann. Es gibt zwei Kategorien von essentiellen FS: Omega-3 FS und Omega-6 FS.  Omega-3 FS wirken vor allem entzündungshemmend während Omega-6 FS in der Regel proinflammatorisch wirken (mit ein paar Ausnahmen). Unsere Vorfahren haben zu ihrer Zeit als Jäger und Sammler ungefähr gleiche Mengen von Omega-3 und Omega-6 FS gegessen. Heute beträgt die Relation zwischen Omega-3 und Omega-6 FS eher  1:25 (5).

Fisch aus Wildfang ist eine gute Quelle für diese essentiellen FS. Leider essen die meisten Menschen nicht regelmäßig Fisch, und selbst wenn profitieren sie meistens durch zusätzliche Einnahme eines guten Fischöls. Die im Fischöl enthaltenen FS Eicosapentaen-säute (EPA) und Docosahesaensäure (DHA) haben unter anderem positive Auswirkungen auf das Gehirn (6), das Herz (7) und die Gelenke  (8).

Bei Fischölen kommt es besonders auf die Qualität an, denn sie können sehr schnell ranzig werden (9). Dieses Problem können Sie umgehen, indem Sie frischen Fisch essen. Sie sollten dabei unbedingt kleine Fische, die am unteren Ende der Nahrungskette angesiedelt sind essen (Anchovis, Sardinen, Wildlachs), da sie weniger mit Quecksilber belastet sind.

 

3. Vitamin D

Der Großteil der deutschen Bevölkerung hat einen Vitamin D Mangel (je nach Gruppe 50 – 80 Prozent) (10). Ob Sie zu dieser Gruppe gehören, können Sie durch einen Bluttest leicht feststellen lassen. Stellt sich heraus, dass Ihr Vitamin D Level zu gering ist, so sollten Sie entweder mehr in die Sonne gehen oder ein Vitamin D Supplement einnehmen. Zu Beginn der Therapie eines Vitamin D Mangels werden Dosierungen von 10.000 IU empfohlen (11).  Befinden Sie sich wieder im normalen Bereich, können Sie die Einnahme auf 2500 – 5000 IU pro Tag reduzieren. Es empfiehlt sich, den Vitamin D Spiegel ein- bis zweimal pro Jahr kontrollieren zu lassen.

 

4. Probiotika

Wenn man sich umhört, dann stellt man fest, dass sehr viele Menschen  Probleme mit dem Darm haben. Seit einiger Zeit weiß man, dass die allgemeine Gesundheit sehr von einem gesunden Darm abhängig ist (Stichwort: Darmmikrobiom). Danach hat ein gesunder Darm unter anderem Auswirkungen auf die Hirnfunktion, Verdauung, Vitamin- und Mineralstoffaufnahme und Immunfunktion  (12).

Es gibt einige Faktoren, die dazu führen können, dass Ihre Darmflora nicht mehr in der optimalen Zusammensetzung  vorliegt. Antibiotikaeinnahme und Stress sind hier nur zwei Beispiele. Da sich bei Stress eigentlich niemand ausnehmen kann, rate ich eigentlich immer zur Einnahme eines Probiotikums.

Wichtig ist, dass Sie ein Probiotikum einnehmen, dass eine Reihe verschiedener Bakterienstämme beinhaltet. Sie müssen bedenken, dass Sie hunderte Bakterienstämme in Ihrem Darm haben. Die wollen Sie nicht durcheinanderbringen, indem Sie eine hohe Konzentration nur eines oder zweier Stämme einnehmen.

Sollten Sie zu den Menschen gehören, die gerne fermentierte Lebensmittel essen, dann können Sie sich das Probiotikum allerdings sparen. Nichts ist besser geeignet als fermentierte Lebensmittel, um ein gesundes Darmmikrobiom aufzubauen. Achten Sie nur darauf, viele verschiedene Fermente zu essen, damit Sie unterschiedliche Bakterien aufnehmen. Und wichtig: Wenn Sie fermentierte Lebensmittel im Supermarkt kaufen, dürfen sie keinen Essig enthalten (dann sind sie nicht fermentiert) und nicht pasteurisiert sein (dann sind die Bakterien tot).

 

5. Magnesium

Über 300 enzymatische Reaktionen in unserem Körper benötigen Magnesium. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der deutschen Bevölkerung leidet unter einem Magnesiummangel – und der macht sich nicht nur durch Muskelkrämpfe bemerkbar. Er kann auch zu Erkrankungen wie Bluthochdruck , Schlaganfall, Diabetes, Migräne und Osteoporose führen.

In der Regel wird der Magnesiumgehalt im Serum bestimmt. Dies ist aber wenig hilfreich, weil sich der Großteil des Magnesiums innerhalb der Zellen befindet. Eine auftretende Magnesium Mangelversorgung wird zunächst vom Körper durch eine Aktivierung von Magnesium aus anderen Körperkompar-timenten (vor allem Knochen) ausgeglichen. Ein Schwund des Gesamt-Magnesiumbestandes des Körpers macht sich deshalb nicht unmittelbar in einer verminderten Konzentration des Serum-magnesiums bemerkbar.  Will heißen, wenn Ihr  Magnesium im Serum zu niedrig ist, dann haben Sie einen ganz ordentlichen Mangel.

Multivitaminpräparate beinahlten zwar auch immer Magnesium, die Menge ist aber wahrscheinlich nicht ausreichend, weshalb man extra supplementieren sollte. Ich empfehle hierfür Magnesiumglycinat.

 

Nahrungsergänzungsmittel, die bei bestimmten Symptomen Abhilfe schaffen

Es gibt einige Zustände, bei denen über die Basissupplementierung hinaus Nahrungsergänzungsmittel einen Vorteil bringen können. Bei entsprechenden Symptomen sollten Sie mit Ihrem Arzt abklären, ob die Einnahme dieser Präparate für Sie in Frage kommen könnte.

Verdauungsenzyme

Leiden Sie nach dem Essen an Völlegefühl, Blähungen und Verdauungsproblemen, so können diese Symptome ein Hinweis darauf sein, dass Ihr Verdauungstrakt nicht in der Lage ist, Ihre Nahrung in ihre Bestandteile zu zerlegen. In diesem Fall kann die Einnahme von Verdauungsenzymen unter Umständen Abhilfe schaffen. Studien zeigen, dass der Einsatz von Verdauungsenzymen bei Verdauungs- und Absorptionsstörungen helfen kann (13).

Sie können aber auch versuchen, Ihre körpereigene Enzymproduktion anzukurbeln, indem  Sie Nahrungsmittel, die Sie nicht vertragen, nicht mehr essen und indem Sie Ihre Nahrung richtig kauen und langsam essen.

L-Glutamin

Bekannt ist die heilende Wirkung von L-Glutamin bei einem Leaky Gut. Diese semiessentielle Aminosäure kann für Patienten mit einem geschwächten Immunsystem Vorteile haben, denn sie stärkt die Immunabwehr (14). Bei einer Verletzung oder bei größeren Operationen kann L-Glutamin womöglich die Heilung  beschleunigen (15).  Eventuell kann L-Glutamin auch die Erholungszeit von Athleten günstig beeinflussen.

Coenzyme Q10 (CoQ10)

Coenzym Q10 wird vor allem vom Herzmuskel benötigt. Es sollte inzwischen eigentlich bei allen Ärzten bekannt sein, dass Statine (Medikamente zur Senkung erhöhter Cholesterinwerte) in die Produktion der Mevalonsäre eingreifen, die ein Vorläufer von CoQ10 ist und so einen CoQ10 Mangel verursachen. Deshalb ist es extrem wichtig, dass Menschen, die Statine einnehmen, CoQ10 supplementieren (16).

Da auch unsere Energieproduzenten – die Mitochondrien – CoQ10 benötigen, könnte es auch für Menschen, die unter chronischer Erschöpfung leiden, von Nutzen sein, ebenso wie für Sportler, die hart trainieren (17).

 

Kurkuma

Kurkuma  ist die Hauptsubstanz in Gelbwurz. Es hat eine starke antientzündliche und antikanzerogene ((gegen Krebs gerichtete) Wirkung (18).  Kurkuma ist bei vielen chronischen Erkrankungen von Nutzen, so bei Erkrankungen des Gehirns, des Herz-Kreislaufsystems, der Lunge sowie bei Stoffwechsel- und Autoimmunerkrankungen (19).

Nahrungsergänzungsmittel, die Sie besser nicht kaufen sollten

In diese Gruppe gehören Dinge wie Multivitamintabletten, die Süß- und Farbstoffe enthalten. Es gehören hierhin auch die diversen Nahrungsergänzungsmittel, die Ihnen eine schnelle Gewichtsabnahme (natürlich ohne Ernährungsumstellung) versprechen. Und auch die Pille für den Muskelaufbau würde ich in diese Kategorie packen.

Machen Sie auch einen großen Bogen um die billigen Nahrungsergänzungsmittel, die Sie im Supermarkt finden. Ein Blick auf die Zutatenliste zeigt meistens, dass sie eine Menge Müll enthalten.

Machen Sie sich schlau, bevor Sie etwas kaufen. Und lesen Sie die Zutatenliste sehr aufmerksam. Ihre Supplemente sollten weder Maltodextrin, noch Magnesiumstearat oder Titandioxid enthalten. Und überlegen Sie, was Sie tatsächlich brauchen, und was Sie über Ihre Nahrung abdecken können. Wahrscheinlich brauchen Sie nicht tonnenweise Nahrungsergänzungsmittel, sondern nur einige wenige – und diese dann aber in wirklich hochwertiger Qualität.

(1)http://www.imperial.ac.uk/news/177778/eating-more-fruits-vegetables-prevent-millions/

(2) Multivitamin/mineral supplements and prevention of chronic disease.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17764205

(3) Addressing nutritional gaps with multivitamin and mineral supplements.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4109789/

(4) Inflammatory links between obesity and metabolic disease  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3104776/

(5) Unsaturated fatty acids omega-3. I. Structure, sources, determination, metabolism in the organism.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9562807

(6) Omega-3 and Omega-6 Polyunsaturated Fatty Acid Levels and Correlations with Symptoms in Children with Attention Deficit Hyperactivity Disorder, Autistic Spectrum Disorder and Typically Developing Controls.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27232999

(7) Fatty acid facts, Part III: Cardiovascular disease, or, a fish diet is not fishy   https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19221636

(8)Omega-3 fatty acids and inflammatory processes: from molecules to man.   https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28900017

(9) Fishing for answers: is oxidation of fish oil supplements a problem?  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4681158/

(10) https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GesundAZ/Content/V/Vitamine/Inhalt/vitamind3_inhalt.html

(11) Effect of high dose vitamin D3 therapy on serum vitamin D3 levels in vitamin D insufficient adults with cystic fibrosis.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29460819

(12) Involvement of gut microbiome in human health and disease: brief overview, knowledge gaps and research opportunities.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29416567

(13) The role of enzyme supplementation in digestive disorders.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19152478

(14) Why is L-glutamine metabolism important to cells of the immune system in health, postinjury, surgery or infection?  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11533304

(15) Amino acid composition in parenteral nutrition: what is the evidence?  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3071792/

(16) Coenzyme Q10 and Statin-Induced Mitochondrial Dysfunction  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3096178/

(17) Coenzyme Q10: The essential nutrient  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3178961/

(18) Anti-inflammatory properties of curcumin, a major constituent of Curcuma longa: a review of preclinical and clinical research.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19594223

(19) Potential Therapeutic Effects of Curcumin, the Anti-inflammatory Agent, Against Neurodegenerative, Cardiovascular, Pulmonary, Metabolic, Autoimmune and Neoplastic Diseases  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2637808/

Wie Protonenpumpen-inhibitoren Ihre Gesundheit ruinieren können

Es vergeht leider kein Tag im OP, ohne dass ich nicht mindestens einen Patienten treffe, der schon seit ewigen Zeiten Medikamente gegen Sodbrennen und Reflux einnimmt. Meistens handelt es sich dabei um einen sogenannte Protonenpumpeninhibitoren – abgekürzt PPIs. Wenn Sie sich jetzt fragen, welche das sind, es handelt sich um Medikamente wie Omeprazol, Pantoprazol und Nexium.

Diese Medikamente sind absolut nicht dafür gedacht, über längere Zeit eingenommen zu werden. Im Gegenteil. Bei ihrer Einführung wurde darauf hingewiesen, dass sie nur für maximal 6 Wochen und auch nur bei Vorliegen eines Magengeschwürs oder von Patienten mit einem Zollinger-Ellison Syndrom (ein Gastrin produzierender Tumor im Magen) genommen werden sollten. Und heute? Jeder, der unter Sodbrennen leidet – ganz egal welche Ursache dahinter steckt (und es ist häufig nicht ein Exzess an Magensäure) – schluckt die Tabletten als wenn sie Bonbons wären

Und das ist wirklich keine gute Idee!

Welche Aufgaben hat die Magensäure?

Bevor Sie Tabletten nehmen, die die Magensäureproduktion ziemlich lahmlegen, ist es vielleicht ganz gut, sich einmal klarzumachen, wozu Sie die Magensäure überhaupt brauchen.

Zerkleinerung von Nahrungsbestandteilen

Die Magensäure ist ein Verdauungssaft, der im Magen gebildet wird. Sie besteht aus Salzsäure (HCl), Kaliumchlorid und Natriumchlorid. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Verdauung von Proteinen. Sie stimuliert die Ausschüttung von Verdauungsenzymen, die dann die langen Ketten der Proteine in ihre einzelnen Bausteine – die Aminosäuren – zerlegen.  Diese Ausschüttung spielt eine Schlüsselrolle in der Verdauung, bei der verschiedene Flüssigkeiten in unterschiedlichen Phasen hinzugefügt werden, um unsere Nahrung chemisch zu verändern.

An diesem Vorgang ist ein Enzym mit Namen H+/K+– ATPase beteiligt, das die Aktion eines Proteins in Gang setzt, das als Protonenpumpe arbeitet (und Salzsäure freisetzt). Diese Protonenpumpe befindet sich in den Belegzellen des Magens.

Neutralisierung von Krankheitserregern

Mit der Nahrung gelangen aber nicht nur Nährstoffe in den Körper, sondern auch  viele Krankheitserreger. Auch hier erfüllt die Magensäure eine wichtige Funktion.  Durch  den hohen Säuregehalt wirkt der Magensaft bakterizid, tötet also aufgenommene Bakterien ab, bevor sie im Körper großen Schaden anrichten können.

Wirkmechanismus der Protonenpumpeninhibitoren

PPIs unterdrücken die Sekretion der Magensäure, indem sie an die H+/K+-ATPase binden und diese irreversibel in ihrer Funktion als Protonenpumpe blockieren. Protonenpumpenhemmer senken die Salzsäureausschüttung um mehr als 90 Prozent!

Wie bitte?

Also auf den Punkt gebracht bedeutet das: Es gibt Substanzen in Ihrem Magen, die für eine normale Verdauung benötigt werden, und diese werden durch PPIs an ihrer Arbeit gehindert.

 

Welche Folgen hat die Langzeitanwendung von PPIs?

Da gibt es einige:

  • Vitamin B12 Mangel (die B12 Aufnahme erfolgt nur bei intakter Magenschleimhaut)
  • Eisenmangel (desgleichen)
  • weitere Nährstoffmangelzustände, inklusive Folsäure, Calcium , Magnesium und Zink
  • erhöhtes Risiko für Nahrungsmittelallergien, weil im Darm Nahrungsbestandteile ankommen, die im Magen nicht genug in ihre Einzelteile zerlegt wurden (dieses Problem tritt vor allem bei einem Leaky Gut auf)
  • Müdigkeit und fehlende Energie
  • Magen-Darm Infektionen (unter anderem Clostridium difficile) und Verdauungsprobleme (1).

Das sind nur die Probleme, die durch die gestörte Nährstoffaufnahme und die Anhebung des pH Wertes des Magens (durch die fehlende Salzsäure), auftreten.

Weitere Risiken, die mit der Langzeitanwendung von PPIs einhergehen, sind:

  • Nierenerkrankungen (2)
  • Demenz (2)
  • Herzinfarkt (2)
  • Osteoporose/Knochenbrüche (3)
  • vorzeitiger Tod (4).

Fazit:

Wie gesagt, PPIs waren ursprünglich nicht für längerfristige Therapien vorgesehen, und wie Sie gesehen haben, greifen sie ganz erheblich in einen der wichtigsten Prozesse unseres Körpers ein – der Verdauung unserer Nahrung.sod

Man ist also sicherlich gut beraten, die Indikation für die Anwendung eines Protonenpumpenhemmers gut zu überlegen. Bei älteren Menschen sind Sodbrennen und GERD (gastroösophagealer Reflux) meist nicht auf erhöhte Säurespiegel zurückzuführen, sondern ganz im Gegenteil sind die Säurespiegel sogar zu niedrig. Das führt dazu, dass der untere Schließmuskel der Speiseröhre (am Übergang zum Magen) aufgrund des zu hohen Magen pHs nicht richtig schließt, und es dann zum Zurückfließen des Magensafts in die Speiseröhre kommt.

Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass im Falle von Sodbrennen durch zu wenig Magensäure die Therapie mit einem Protonenpumpeninhibitor absolut daneben geht. Sie haben zwar keine Symptome mehr (weil jetzt überhaupt keine Säure mehr im Magen ist), aber fangen sich damit einen ganzen Sack neuer Probleme ein.

 

(1) Continuous Proton Pump Inhibitor Therapy and the Associated Risk of Recurrent Clostridium difficile Infection.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25730198

(2) https://www.laboratoryequipment.com/news/2016/05/common-antacid-linked-accelerated-vascular-aging

(3) Proton pump inhibitors and osteoporosis.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27224743

(4) Risk of death among users of Proton Pump Inhibitors: a longitudinal observational cohort study of United States veterans  http://bmjopen.bmj.com/content/7/6/e015735

 

 

Calcium für starke Knochen – das Ende eines Mythos

 

Sicher haben Sie auch davon gehört, dass Calcium für gesunde Knochen ein absolutes Muss ist. Mediziner jedenfalls wissen das, und so kommt es, dass Leute über 50 – speziell wenn es sich bei ihnen auch noch um Frauen handelt – gerne auf Calcium Supplemente gesetzt werden. Der Gedankengang ist folgender: Älter Menschen haben ein höheres Risiko für Knochenbrüche – sei es durch eine bestehende Osteoporose oder weil sie einfach leichter stürzen. Da Knochen ja aus Calcium besteht, ergibt es Sinn, Calcium zuzuführen, damit die Knochen gestärkt und somit diese Frakturen verhindert werden. Hört sich in der Theorie erstmal gut an, wirkt in der Praxis aber nicht. Calcium für starke Knochen – das Ende eines Mythos weiterlesen

HIIT Bodyweight Training – Wenn der Körper zum Gym wird

 

Ich kann nur immer wiederholen, die Ausrede „ich habe keine Zeit ins Fitnessstudio zu gehen“, lasse ich nicht gelten. Sie brauchen keine großen Maschinen, Mengen an Kurz- und Langhanteln, TRX-Bänder oder Bälle in verschiedenen Formen und Größen. Ja, Sie brauchen nicht einmal ein Fitnessstudio. HIIT Training können Sie auf kleinstem Raum durchführen.

Alles, was Sie brauchen, ist Ihr eigener Körper – keine Zusatzmittel (oder jedenfalls nur optional), keine Ausreden. Ach ja, und die Tabata App auf dem Handy, die wäre auch noch sehr vorteilhaft, damit Sie die Zeit für die einzelnen Übungen stoppen können. HIIT Bodyweight Training – Wenn der Körper zum Gym wird weiterlesen

Gesunde Fette können Schmerzen lindern

Die meisten Menschen haben ein sehr zwiespältiges Verhältnis zu Fett. Zu lange ist uns erzählt worden, dass Fett dick macht und zu Herz-Kreislauferkrankungen führt. Lebensmittel, die viel Fett enthalten, gelten meist als nicht besonders gesund, während fettreduzierte Lebensmittel immer noch als gesündere Alternative angepriesen werden.
Tatsächlich brauchen wir aber mehr gesunde Fette in unserer Ernährung und weniger Fette, die Schmerzen verursachen können.  Der Grund, warum die richtigen Fette Schmerzen lindern können, liegt in ihrer antientzündlichen Wirkung. Zwar brauchen wir sowohl Omega-3 als auch Omega-6 Fette, aber auf das richtige Verhältnis kommt es an. Essen wir zu viele Omega-6 Fette, so führt das zu einer Entzündungsreaktion im Körper. Eine weitere Sorte von Fetten, die Entzündungen hervorrufen können, sind die Transfette. Diese Fette wollen Sie eigentlich überhaupt nicht in Ihrer Nahrung haben, denn sie fördern nicht nur Entzündungen, sondern haben eine ganze Reihe gesundheitsschädigender Auswirkungen.

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Rote Beete Salat mit Fetakäse

Als Kind fand ich rote Beete absolut eklig. Labskaus – ein typisch hamburgisches Gericht – habe ich allein aus diesem Grund nicht gegessen. Zum Glück habe ich meine Einstellung roter Beete gegenüber inzwischen geändert. Ich vermute ja, dass es etwas damit zu tun hat, dass ich keinen Zucker mehr esse und diese Tatsache meine Geschmacksnerven ganz schön umgepolt hat. Rote Beete Salat mit Fetakäse weiterlesen

Kann man medizinischen Studien wirklich trauen?

Medizinische Studien bilden das Rückgrad für Therapieleitlinien, therapeutische Empfehlungen und die Entscheidung darüber, was als gute Praxis zu gelten hat.  Sie gelten als Grundstein der Evidenzbasierten Medizin.

Im besten Fall soll es sich bei diesen Untersuchungen um doppelblind, randomisierte Studien handeln. Randomisiert bedeutet, es gibt eine Verumgruppe, die zum Beispiel mit einem Medikament behandelt wird, und eine Plazebogruppe, die nur die inzwischen wohlbekannte „Zuckerpille“ erhält.  Die Zuteilung zu einer dieser Gruppen erfolgt zufällig. Um unverfälschte Ergebnisse zu erhalten, wissen weder der Untersucher noch der Proband, ob das Medikament oder der Plazebo verabreicht wird (deshalb doppelblind).

Das klingt ja zunächst mal sehr gut und sollte dafür sorgen, dass die so erzielten Ergebnisse unvoreingenommen und richtig sind. Das ist aber leider nicht der Fall. Kann man medizinischen Studien wirklich trauen? weiterlesen

Saunieren reduziert das Risiko an Alzheimer zu erkranken

Zurzeit leben ca. 1,6 Millionen Demenzkranke in Deutschland. 2/3 von ihnen leiden unter Alzheimer Demenz. Bis zum Jahr 2030 wird diese Zahl voraussichtlich auf 3 Millionen ansteigen (1).  Die Zahl der Todesfälle durch die Alzheimer Erkrankung nimmt von Jahr zu Jahr zu. Die Pharmaindustrie erforscht neue Substanzen, die diese Erkrankung in Schach halten könnten – bisher aber ohne Erfolg. Eigentlich ist das auch nicht verwunderlich, denn die Alzheimer Demenz ist eine sehr vielschichtige Erkrankung, der nicht einfach mit einer Pille beizukommen ist.

Und so werden auch sehr unkonventionelle Therapien untersucht – mit teilweise verblüffenden Ergebnissen.

Eine neue Studie zeigt jetzt, dass das Schwitzen in einer Sauna das Risiko für eine Alzheimer Demenz drastisch reduzieren kann (2). Saunieren reduziert das Risiko an Alzheimer zu erkranken weiterlesen

Vier Lügen, mit denen die Nahrungsmittelindustrie Sie über den Tisch zieht

Wenn es um Umsatzsteigerungen geht, greift die Nahrungsmittelindustrie gerne mal zu dem einen oder anderen Trick (man kann es auch als Lüge bezeichnen), um Ihre Produkte in ein besseres Licht zu rücken.

Ärgerlich ist dabei, dass durchaus auch Verbraucher, die auf ihre Gesundheit achten und sich nicht von Junkfood ernähren möchten, auf diese Schönfärberei hereinfallen.

Ich möchte hier nur einmal vier Beispiele dafür anfügen, wie die Nahrungsmittelindustrie versucht, Sie hinters Licht zu führen. Vier Lügen, mit denen die Nahrungsmittelindustrie Sie über den Tisch zieht weiterlesen