Alle Beiträge von Simone Bendig

2013 stieß ich auf die Paleo-Diät und damit auf einen völlig neuen Lebensstil. Durch die Paleo Ernährung konnte ich meine seit Jahrzehnten bestehende Migräne heilen. Meine ständige Müdigkeit verschwand, und ich habe heute mehr Energie und fühle mich sehr viel gesünder als mit 30 Jahren. Mein Ziel ist es, möglichst vielen Menschen zu zeigen, wie sie ihren Lebensstil ändern können, um ebenfalls optimale Gesundheit zu erreichen.

Rapsöl erhöht das Risiko für eine Alzheimer Demenz

Rapsöl ist eines der beliebtesten Pflanzenöle und wird im Allgemeinen als gesund fürs Herz bezeichnet. Allerdings gibt es auch mehr und mehr kritische Stimmen. Und wie Sie natürlich wissen, bedeutet „beliebt“ nicht gleich „gesund“.

Ja, und da überrascht es auch nicht wirklich, dass jetzt eine neue Studie, die im Dezember im Magazin Scientific Reports veröffentlicht wurde, einen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Rapsöl und einer Abnahme der Gedächtnisleistung und der Lernfähigkeit aufzeigt (1). Beides sind Anzeichen einer Alzheimer Demenz, die die häufigste Demenzform überhaupt darstellt.

Ganz nebenbei fanden die Forscher auch noch heraus, dass Rapsöl zu einer signifikanten Gewichtszunahme führt. Gewichtszunahme und Alzheimer? Für mich klingt das nicht nach einem „gesunden“ Öl. Schauen wir uns die Sache doch mal an.

Rapsöl verstärkt Risikofaktoren, die mit einer Alzheimer Demenz in Zusammenhang stehen

Der Hauptgrund, warum Rapsöl so an Beliebtheit gewonnen hat, ist, dass es relativ günstig ist. Und es wurde uns natürlich immer als besonders „gesund“ verkauft. Denken Sie nur mal an die Kerrygold (gute Weidebutter), die mit „gesundem“ Rapsöl verfeinert wurde, damit man sie besser streichen kann. Ein Graus!

Tatsächlich gibt es aber wenig Beweise für diese Marketingaussage. Außerdem wird immer wieder darauf gepocht, dass Rapsöl ein Pflanzenöl ist, als wäre damit hinsichtlich der Gesundheit alles gesagt (puh, es ist zum Glück kein Herzinfarkt auslösendes tierisches Fett).

Bisher wird in den wenigen Studien, die existieren, immer nur untersucht, inwieweit Rapsöl die Blutfette beeinflusst und ausgelobt, dass es das Gesamtcholesterin sowie das LDL Cholesterin senkt. So wurde es berühmt, berüchtigt als „herzgesundes“ Öl.

Ich habe schon mehrfach darauf hingewiesen, dass das Gesamtcholesterin, aber auch das LDL Cholesterin als Marker für das Herzinfarktrisiko nicht geeignet sind. Somit halte ich diese Wirkung von Rapsöl auch nicht für einen Pluspunkt.

Die Effekte aufs Gehirn wurden bisher noch nicht untersucht. Diese Lücke schließt die vorliegende Studie.

Untersucht wurden die Auswirkungen in Bezug auf Gedächtnisstörungen und die Bildung von Tau Neurofibrillen und Amyloid Plaques bei Mäusen. Dabei müssen Sie bedenken, dass Neurofibrillen und Amyloid Plaques als Risikofaktoren für eine Demenz vom Alzheimertyp angesehen werden (2). Natürlich gibt es auch noch andere Risikofaktoren wie zum Beispiel einen hohen Zuckerkonsum oder Belastung mit Giftstoffen.

Der Versuchsaufbau war so angelegt, dass er den Verlauf der Alzheimer Demenz beim Menschen  nachahmen sollte – von der asymptomatischen Phase bis zum vollen Ausbruch. Interessanterweise hatten die Forscher einen gleichen Versuchsaufbau mit Olivenöl durchgeführt und waren dabei zu dem Schluss gekommen, dass dieses die Bildung von Neurofibrillen und Amyloid Plaques reduziert und zu einer Verbesserung der Gedächtnisleistung führt (3).

Ein ziemlich schlechtes Studienergebnis für Rapsöl

In der Studie wurden die 6 Monate alten Mäuse in zwei Gruppen aufgeteilt. Der Studienarm erhielt Rapsöl in einer Menge, die 2 EL pro Tag entsprach, die Kontrollgruppe erhielt normales Mäusefutter.

Mit 6 und 12 Monaten wurden die Tiere untersucht. Augenfällig war dabei, dass die Mäuse, die das Rapsöl bekamen, deutlich an Gewicht zugelegt hatten.

Dann wurden die Tiere durch einen Irrgarten geschickt, um das Kurzzeitgedächtnis, das Arbeitsgedächtnis und die Lernfähigkeit zu prüfen. Auch hier zeigten sich signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen. Die Rapsöl Mäuse wiesen deutliche Störungen im Arbeitsgedächtnis auf.

Die Untersuchung des Hirngewebes ergab eine niedrige Konzentration von Amyloid beta 1-40. Dies ist eine lösliche Form des β-Amyloid Proteins, das normalerweise die schädliche unslösliche Form des Proteins abpuffert.

Das Gehirn der Rapsöl Mäuse zeigte höhere Ansammlungen von Amyloid Plaques sowie einen verminderten Kontakt zwischen den Neuronen auf, der auf eine Schädigung der Synapsen hinweist. Da die Synapsenfunktion wichtig für die Nervenleitung ist und eine große Rolle in der Bildung und dem Abruf von Gedächtnisinhalten spielt, ist das wirklich keine gute Nachricht.

Fazit

Weder Ihrem Gehirn noch Ihrem Gewicht ist mit dem Verzehr von Rapsöl irgendetwas Gutes zu tun. Also lassen Sie es das nächste Mal am besten im Supermarktregal stehen und nehmen Sie ein Öl, das tatsächlich gesundheitliche Vorteile bringt. Zum Braten und Kochen sind Kokosöl, Butter oder andere Fette von artgerecht gehaltenen Tieren eine wirklich gute Alternative. Na, und für kalte Speisen sollten Sie unbedingt auf Olivenöl zurückgreifen.

Und Achtung! Rapsöl ist weit verbreitet – auch in sogenannten „gesunden“ Lebensmitteln. Lesen Sie also unbedingt die Etiketten. Auch in Restaurants wird gerne mit Rapsöl gekocht.

 

(1) https://medicine.temple.edu/news/canola-oil-linked-worsened-memory-and-learning-ability-alzheimers-disease-temple-researchers

(2) Fibrillen und Plaques https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=29536

(3) Extra-virgin olive oil ameliorates cognition and neuropathology of the 3xTg mice: role of autophagy  http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/acn3.431/abstract

Rotkohlsuppe – zum Durchwärmen an kalten Tagen

Jetzt im Winter futter ich mich durch sämtliche Kohlsorten, aber ich muss zugeben, dass ich Rotkohl wirklich am liebsten mag.

Und zudem ist er durch seinen hohen Anteil an sekundären Pflanzenstoffen, Antioxidantien, Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen auch noch super gesund. Um hier nur einige Inhaltsstoffe zu nennen, er enthält Folsäure, Calcium, Magnesium, Eisen und Kalium. Außerdem die Vitamine A, C, E, K und B-Vitamine. Und wie alle Kohlsorten hat er auch eine Menge Ballaststoffe.

Auch die gesundheitlichen Auswirkungen können sich durchaus sehen lassen:

  • Durch seinen hohen Polyphenolgehalt schützt er vor Alzheimer Demenz und anderen kognitiven Störungen.
  • Er vermindert Alterungserscheinungen wie Falten und Altersflecken
  • Er hilft beim Abnehmen
  • Er stärkt das Immunsystem
  • Er schützt vor Maculadegeneration und Katarakten
  • Er senkt das Risiko für Brust- und Lungenkrebs
  • Außerdem sorgt er für eine gesunde Haut und schützt vor Schäden durch Sonneneinstrahlung.

 

Ich finde, das ist schon ziemlich beeindruckend für so einen Kohl. Und dazu kommt noch, er schmeckt auch hervorragend.

So, nun aber zum Rezept.

Zutaten:

 

  • 1 kleiner Rotkohl
  • 1 große Zwiebel
  • 3 EL Ghee
  • Salz/Pfeffer
  • 1 EL Knoblauch
  • 2 Tassen gewürfelte Karotten
  • 1 Tasse gewürfelter Sellerie
  • 1 Tasse gewürfelter grüner Paprika
  • 1 1/4 l Knochenbrühe
  • 240 ml Kokosmilch
  • 3 EL Dill zum Garnieren

 

Zubereitung:

 

Ofen auf 180 ° C vorheizen.

  1. Rotkohl und Zwiebel raspeln, mit 2 EL Ghee verrühren und auf Backblech ausbreiten.
  2. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
  3. 30 Minuten braten lassen, dabei einmal wenden.
  4. Knoblauch und 1 EL Ghee erhitzen (1 Minute).
  5. Die Karotten dazugeben und 5 Minuten kochen.
  6. Sellerie und Paprika dazugeben und nochmals 3 Minuten kochen.
  7. Die Gemüsebrühe hinzugeben und aufkochen
  8. Den Kohl dazugeben und abgedeckt 15 Minuten köcheln lassen.
  9. Zum Schluss mit Kokosmilch andicken und mit Dill garnieren.

 

Getreide – worauf Sie beim Etikettenlesen achten müssen

Beim Einkaufen muss man schon sehr aufpassen, wenn man sich glutenfrei ernähren möchte, denn Getreide – vor allem Weizen und Mais – verbergen sich sehr häufig in industriell gefertigten Lebensmitteln. Sie werden nicht nur als Zutaten, sondern oft auch als Zusatzstoffe eingesetzte, so zum Beispiel als Verdickungsmittel, Überzüge oder einfach billige Füllstoffe.

Es kann sich also als extrem schwierig gestalten, Lebensmittel mit verstecktem Getreide zu vermeiden. Erschwerend kommt hinzu, dass Weizen und Mais natürlich nicht einfach mit diesen Namen auf dem Etikett stehen, sondern sich unter einer Vielzahl von Namen verstecken, die Sie so vielleicht gar nicht mit Getreide assoziieren würden.

Industriell gefertigte Nahrungsmittel enthalten sehr häufig Getreide

Sie können mal davon ausgehen, dass die meisten der industriell gefertigten Nahrungsmittel Getreide enthalten. Das geht über Tiefkühlgerichte, Salatsaucen, Ketchup, fertige Salatkräuter- und Gewürzmischungen zu Dosensuppen, Instant Suppen, Schokoriegeln und Lakritz.

Und deshalb ist es so wichtig, dass Sie die Namen kennen, hinter denen Getreide sich versteckt, denn ansonsten haben Sie nicht die geringste Chance, eine glutenfreie Ernährung durchzuführen.

Am besten ist es natürlich, wenn Sie einfach „richtige“ Lebensmittel kaufen – also diejenigen, die nur aus einer Zutat bestehen (Gemüse, Eier, Fleisch etc.). Diese haben in der Regel keine Etiketten, denn Sie können ja sehen, worum es sich handelt. Sollten Sie aber eben doch mal zu Fertignahrung greifen (zum Beispiel Kräuter- oder Gewürzmischungen), dann ist es wichtig, dass Sie sich darüber im Klaren sind, dass diese Getreide enthalten können. Und auch die Tabletten und Nahrungsergänzungsmittel, die Sie einnehmen, sollten Sie auf verstecktes Getreide überprüfen. Hier wird es gerne als Füllstoff verwendet. Besonders ärgerlich ist es dann, wenn plötzlich die Tabletten gegen die Schilddrüsenunterfunktion Gluten enthalten.

Pseudonyme für Weizen

Ich habe hier mal einige nicht so offensichtliche Nahrungsmittel und Inhaltsstoffe zusammengestellt, bei denen es sich in Wahrheit um Weizen handelt. Artikel mit einem Stern bedeuten, es ist je nach Hersteller unterschiedlich, ob sie Weizen enthalten.

  • Caramel coloring*, Caramellfarbe
  • Caramellgeschmack*
  • Emulgatoren
  • Fu (Gluten in asiatischen Lebensmitteln)
  • Bratensauce
  • Hydrolyzed vegetable protein, hydrolysiertes Pflanzenprotein
  • Maltodextrin
  • Modifizierte Stärke*
  • Panko (eine Brotkrumenmischung, die in der japanischen Küche verwendet wird)
  • Seitan (besteht fast ausschließlich aus Gluten)
  • Stabilisatoren
  • Textured vegetable protein*, texturiertes Pflanzenprotein (wird häufig als „Hack“ verwendet).

Pseudonyme für Mais

Es gibt Hunderte ganz normaler Nahrungsmittelzusatzstoffe, die aus Mais hergestellt werden. Hierzu gehören:

  • Dextrose
  • Dextrin
  • Maltodextrin
  • Maissirup (High Fructose Corn Syrup)
  • Maltitol
  • Polydextrose
  • Ethanol
  • Caramellfarbe
  • künstliche Geschmacksstoffe.

Mais wird immer wieder als glutenfrei klassifiziert. Richtig ist jedoch, dass Mais kein α-Gliadin enthält wie Weizen, wohl aber andere Proteine aus der Glutenfamilie (Zein). Sensitive Patienten reagieren auf diese Proteine mit einer erhöhten Antikörperproduktion (1). Da Maisbestandteile sehr häufig in industriell gefertigten Lebensmitteln verarbeitet werden, sollten sehr sensitive Personen besser auf den Konsum verzichten.

 

(1) Maize prolamins resistant to peptic-tryptic digestion maintain immune-recognition by IgA from some celiac disease patients.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22298027

Der Präsident der American Heart Association erleidet im Alter von 52 Jahren einen Herzinfarkt

Ausgerechnet der Präsident der American Heart Association, John Warner, erleidet im Alter von 52 Jahren einen Herzinfarkt und muss mit einem Stent versorgt werden (1). Tja, da ist er sich natürlich der Häme aller derjenigen sicher, die sagen, dass die American Heart Association im Kampf gegen den Herzinfarkt die falsche Marschrichtung vorgibt. Der Präsident der American Heart Association erleidet im Alter von 52 Jahren einen Herzinfarkt weiterlesen

Paleo Weihnachtskekse – natürlich ohne Getreide und Zucker

Was gibt es Schöneres in der Vorweihnachtszeit als Kekse zu backen. Bei uns ist das Tradition, seit die Kinder klein waren (und das ist schon ziemlich lange her). Natürlich wollte ich darauf nicht verzichten, nur weil ich Getreide und Zucker aus meiner Ernährung gestrichen habe. Aber zum Glück gibt es ja sehr leckere getreidefreie Alternativen. Paleo Weihnachtskekse – natürlich ohne Getreide und Zucker weiterlesen

24 Tipps, die gegen Stress helfen

Jeder von uns erfährt Stress – der eine mehr, der andere weniger. Wenn Sie mal wieder völlig gestresst sind, probieren Sie diese 24 einfachen Tipps, um wieder Ruhe zu finden.

Passiert Ihnen das auch? Sie wachen erfrischt auf, aber schon bald stellen sich die täglichen Sorgen wieder ein – ausgelöst von den neueseten Katastrophen, dem Stau auf dem Weg zur Arbeit oder auch den Sorgen um Leute, die Sie lieben. Und es dauert gar nicht lange, dann sind Sie schon wieder voll im Stressmodus, Ihr Herz fängt an zu jagen und Sie vergessen tief zu atmen.

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Wie Luftverschmutzung Ihre Gesundheit kaputt macht

Wenn wir an häufige Todesursachen denken, dann fallen uns als erstes Erkrankungen wie Krebs, Herz-Kreislaufkrankheiten oder vielleicht auch Infektionen ein. Umweltverschmutzung verbinden da nur wenigen Menschen mit. Eine Gruppe von mehr als 40 Forschern hat nun die Auswirkung der Umweltverschmutzung auf Todesfälle untersucht und kommt zu dem Schluss, dass „Verschmutzung die Hauptursache von umweltbedingten Erkrankungen und Todesfällen darstellt“. Die Untersucher werteten Daten von 130 Ländern aus. Die Studie, die im Lancet veröffentlicht wurde, zeigt auf, dass im Jahr 2015 9 Millionen vorzeitige Todesfälle durch Umweltverschmutzung verursacht wurden (1). Das sind 16 Prozent aller Todesfälle weltweit – dreimal mehr als die Todesfälle durch AIDS, Tuberkulose und Malaria zusammen genommen und 15-mal mehr als die Todesfälle, die auf Kriege und andere gewaltsame Auseinandersetzungen zurückgeführt werden. Wie Luftverschmutzung Ihre Gesundheit kaputt macht weiterlesen

Wie das Sterben der Insekten unser Leben beeinflusst

InsektenErinnern Sie sich noch – wenn man früher mit dem Auto über Land gefahren ist, dann war die Windschutzscheibe hinterher voller Insekten. Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass das heute nicht mehr der Fall ist? Jetzt kann man sagen: „Super, dann braucht man hinterher die Scheibe nicht mehr zu putzen.“, aber so toll ist das eigentlich gar nicht. Tatsächlich handelt es sich bei diesem „Windschutzscheiben Phänomen“ – wie es von Entomologen genannt wird, um eine Warnung, dass unsere Umwelt in großer Gefahr ist. Die Insekten verschwinden direkt vor unseren Augen in einer Anzahl, die eigentlich jedem einen gehörigen Schreck einjagen sollte.

76 Prozent der Fluginsekten sind in den letzten 27 Jahren verschwunden

Abnahmen in der Anzahl von bestimmten Insektengruppen wie Bienen, Schmetterlingen und sogar Motten sind schon seit einiger Zeit beobachtet worden berichten Forscher einer Studie, die im Oktober in PLOS 1 veröffentlicht wurde (1).

In ihrer Studie untersuchten sie jedoch die gesamte Biomasse der Fluginsekten in Naturschutzgebieten in Deutschland über einen Zeitraum von 27 Jahren, um einen größeren Überblick zu erhalten. Sie benutzten Malaise Fallen – zeltähnliche Fallen, die zum Fangen von Fluginsekten eingesetzt werden – um die Insektenzahlen in den Jahren von 1989 – 2016 zu bestimmen.

Das erschreckende Ergebnis – über das Jahr bestand ein 76 prozentiger Rückgang, während in den Sommermonaten der Abfall sogar 82 % betrug. Der Rückgang bestand unabhängig vom Lebensraumtyp und konnte nicht nur durch eine Änderung der Wetterbedingungen, der Landnutzung oder unterschiedlicher Lebensraumcharakteristika erklärt werden. Die Untersucher kommen zu dem Schluss:

„Der Verlust der Insektenvielfalt wird erwartungsgemäß einen Kaskadeneffekt auf die Nahrungskette haben und Ökosystem Dienstleistungen gefährden… Dieser bisher unerkannte Verlust an Insektenbiomasse muss berücksichtigt werden, wenn Rückgänge in der Artenvielfalt bewertet werden, die auf Insekten als Nahrungsquelle angewiesen sind.“

Also sind saubere Windschutzscheiben absolut kein Grund zur Freude. Es wird angenommen, dass 80 Prozent der Wildpflanzen für ihre Befruchtung auf Insekten angewiesen sind und für 60 Prozent der Vögel bilden sie die Nahrungsgrundlage. Die „Ökosystem Dienstleistungen“ der Insekten erreichen allein in den USA eine Summe von 57 Milliarden Dollar. Es sollte also im allgemeinen Interesse liegen die Insektenvielfalt und -fülle zu bewahren.

Und es sind eben nicht nur die Bienen und Schmetterlinge, die verschwinden. Die Studienautoren beschreiben den Rückgang als „alarmierend“ vor allem deshalb, weil die Probensammlung in Naturschutzgebieten stattfand, die eigentlich ein funktionierendes Ökosystem und die Artenvielfalt bewahren sollen. Und doch waren fast alle (94 Prozent) der Naturschutzgebiete von landwirtschaftlichen Nutzflächen umgeben. Ein Umstand, der uns sicherlich einen Hinweis darauf gibt, warum die Insekten verschwinden.

Intensivierter Ackerbau könnte dafür verantwortlich sein, dass Insekten in alarmierenden Zahlen sterben

Die Untersucher versuchten Gründe für das massive Insektensterben zu finden. Es zeigte sich, dass Landschafts- und Klimaänderungen keine starke Korrelation zur Abnahme der Insektenbiomasse aufwiesen. Daraufhin kamen sie zu der Vermutung, dass andere umfangreiche Faktoren – wie zum Beispiel ein intensivierter Ackerbau – mit dazu beigetragen haben könnten.

„Intensivierter Ackerbau (d.h. Pestizideinsatz, ganzjährige Bodenbearbeitung, vermehrter Einsatz von Düngemitteln), den wir nicht in unserer Analyse berücksichtigen konnten, könnte ein plausibler Grund sein…. Ein Teil der Erklärung könnte daher sein, dass die Naturschutzgebiete durch die Ackerflächen beeinflusst werden , indem sie als Abflüsse oder ökologische Fallen dienen. Die intensivierte Landwirtschaft ist mit einer Abnahme in der Artenvielfalt von Pflanzen, Insekten, Vögeln und anderen Spezies in der heutigen Landschaft assoziiert.“

Die Studie war zwar nicht darauf angelegt herauszufinden, was den Rückgang bei den Insekten hervorruft, aber der zunehmende Einsatz von landwirtschaftlichen Chemikalien zählt sicherlich zu den Hauptverdächtigen.

So reduzierte sich zum Beispiel die Anzahl des Monarch Schmetterlings seit 1996 um 90 Prozent. Seit der Einsatz von Glyphosat stark angestiegen ist, gingen die Seidenpflanzen zurück, die die einzige Pflanze sind, auf der der Schmetterling seine Eier ablegt. 2013 wurde berechnet, dass im Vergleich zum Jahr 1999 nur noch 1 Prozent der gemeinen Seidenpflanze in Mais- und Sojafeldern vorkam. Diese Pflanze wird nämlich dummerweise durch Glyphosat abgetötet (2).

Neonicotinoid Pestizide werden für die Abnahme von Bienen, Schmetterlingen und Raubinsekten verantwortlich gemacht

Neonicotinoide, die bei intensiviertem Ackerbau großflächige Verwendung finden, werden schon seit längerem für den Tod von Bienen verantwortlich gemacht. Betroffen sind vor allem die kommerziell gezüchteten Bienen wie Honigbienen und Hummeln, aber auch Wildvölker könnten negativ beeinflusst werden (3).

Neonicotinoide sind die weltweist meistgebrauchten Insektizide. Sie befinden sich in allen Pflanzenteilen. Man geht davon aus, dass sie ein unakzeptables Risiko für Bienen darstellen. Die EU Kommission beratschlagt deshalb über ein Verbot dieser Stoffe (4).

Forscher der Universität Nevada untersuchten 67 Schmetterlingsarten an vier Orten über 20 Jahre (5). An allen untersuchten Orten waren Abnahmen der Schmetterlingszahlen deutlicher mit dem Einsatz von Neonicotinoiden verbunden als mit irgendwelchen anderen Faktoren.

Auch die Zahl der Raubinsekten ist rückläufig. Und auch diese spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem indem sie der Landwirtschaft Milliarden Dollar pro Jahr sparen, weil sie Ernteschädlinge ausmerzen (6).

Was passiert, wenn Honigbienen und andere Fluginsekten verschwinden?

Es ist extrem wichtig, dass wir Schritte unternehmen, um die Bienen, Schmetterlinge und andere Bestäuber zu schützen. Immerhin sind sie notwendig, um 80 Prozent der blühenden Pflanzen zu bestäuben. Das heißt umgerechnet, sie sorgen für etwa 1/3 unserer Nahrungsmittel (und wenn Sie viel Obst und Gemüse essen sogar noch mehr).

Zu den Pflanzen, die auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen sind, gehören unter anderem:

  • Äpfel
  • Karotten
  • Limetten, Zitronen
  • Zucchini
  • Gurken
  • Blumenkohl, Brokkoli
  • Zwiebeln
  • Auberginen
  • Mangos
  • Melonen
  • Grünkohl
  • Sellerie, Lauch.

Wollen Sie also nährstoffreiche Gemüse essen, dann sind Sie absolut auf Insekten angewiesen. Und wenn Sie gerne Lachs essen, so verdankt dieser sein Wachstum einer kleinen Fliege, die er frisst, wenn er jung ist. Unser ganzer Planet baut auf Pflanzen und Insekten auf. So einfach ist das. Und deshalb sollten wir langsam mal anfangen uns Gedanken zu machen.

Der Einsatz von Chemikalien in der Landwirtschaft muss deutlich reduziert werden

Chemikalien werden großflächig angewendet, aber ihr Einsatz kann vermindert werden – ohne den Ertrag zu schmälern. Laut einer Untersuchung der amerikanischen Umweltbehörde (EPA) bringt der Einsatz von Neonicotinoiden auf Sojafeldern keinen signifikanten finanziellen oder Ertragsvorteil für die Bauern (7).  Es gibt andere Blattinsektizide, die Schädlinge genauso gut bekämpfen wie die Neonicotinoide, mit denen die Samen behandelt werden, und mit weniger Risiken.
Andere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass eine Reduzierung der Pestizide sogar dazu führen könnte, dass Ernteausfälle vermieden werden (8). Der Grund dafür ist, dass Neonicotinoide Insekten töten, die ansonsten die Fressfeinde der Pflanzen fressen würden. Wenn es also unter dem Einsatz von Pestiziden zum Befall kommt, so ist dieser häufig deutlich schwerer.
Noch besser, eine Studie zeigt auf, dass eine ökologisch-basierte Landwirtschaft, die Sojabohnen Blattläuse ohne Pestizide behandelt, den Farmern in vier US Staaten fast 240 Millionen Dollar  jährliche Verluste einsparen würde (9). Dummerweise ist es für Bauern aber schwierig, Samen zu kaufen, die nicht mit Neonicotinoiden behandelt wurden.
Soll der Einsatz von Pestiziden abgebaut werden, so ist eine integrierte Schädlingsbekämpfung (Integrative Pest Management = IPM) notwendig. 2015 zeigte eine Studie, dass IPM den Pestizideinsatz verringerte und gleichzeitig die Ernteerträge erhöhte (10). Einige der 24 untersuchten Staaten konnten auf den Einsatz von Pestiziden sogar komplett verzichten.

Aufbau von Grasland und der Konsum von Weidetieren sind essentiell für die Artenvielfalt und den Schutz der Insekten

Jeder weiß, dass die Rodung, die zum Verlust großer Teile des Regenwaldes führt, katastrophale Auswirkungen auf die Umwelt hat. Weniger bekannt ist, dass zum Beispiel die amerikanischen Prärien genauso artenreich und wichtig für das Ökosystem sind wie die Regenwälder – und sie sind genauso bedroht. Seit den frühen 1800-er Jahren, sehen wir einen Verlust von 79 Prozent der Präriefläche – in einigen Gegenden sogar 99,9 Prozent (11). Und wer hat sich auf dieser Fläche angesiedelt? Nun, vorwiegend handelt es sich um große Felder mit gentechnisch verändertem Soja und Mais, die immer auch mit entsprechend vielen Chemikalien behandelt werden (können sie ja schließlich ab). Ein Bericht des US Geographical Survey erklärt, warum das so tragisch ist (12):
„Grasländer gehören zu den biologisch produktivsten Gemeinschaften. Ihre hohe Produktivität beruht auf der hohen Speicherung von Nährstoffen, effizientem biologischen Recycling und einer Struktur, die aus einer Vielzahl von tierischen und pflanzlichen Lebensformen besteht…
Grasländer sind auch sehr wertvoll für Wasserscheiden und stellen Nahrungs- und Lebensgrundlage für viele Haus- und Wildtiere dar. Allerdings übertreffen die jetzigen Erosionen in Nordamerika die Kapazität der Prärieerde den Boden- und Nährstoffverlust auszugleichen, und stellen damit eine Bedrohung für einen Rohstoff dar, der unabdingbar für das Leben künftiger Generationen ist.“

Wahnsinn, dass der Spiegel schon vor 35 Jahren darauf hingewiesen hat, dass die amerikanischen Landwirte massiv dazu beitragen, dass fruchtbares Ackerland verödet (13) – und es ist nur noch schlimmer geworden. Im amerikanischen Mittelwesten werden im Wechsel GE Mais und Soja angebaut und in riesigen Mastbetrieben Fleisch erzeugt – mit katastrophalen Folgen für Mensch und Umwelt.

Diesen Teufelskreis durchbrechen wir nur, wenn der Konsument sich wieder Gedanken über die Herkunft seiner Nahrung macht. Lassen Sie die Massenware im Supermarkt. Schweinefleisch für 3,99 Euro das Kilo ist nicht gesund, genauso wenig wie die chemiebeladenen Gemüse, die Sie zu Schleuderpreisen hinterher geworfen bekommen. Gehen Sie auf den Markt und unterhalten Sie sich dort mit den Bauern. Finden Sie einen, der vielleicht nicht bio-zertifiziert ist, aber trotzdem nach ökologischen Maßstäben anbaut. Und dann unterstützen Sie ihn, damit wir auch weiterhin noch eine ökologische Landwirtschaft haben. Unternehmen wie Monsanto setzen gerade alles daran, uns diese Wahl zu nehmen. Wenn es nach ihnen ginge, würden wir uns unsere Umwelt im Labor heranziehen. Was für ein grausiger Gedanke!

 

 

(1)  More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas   http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0185809

(2) Monarchs in Peril. http://www.centerforfoodsafety.org/files/cfs-monarch-report_2-4-15_design_05341.pdf

(3) Impacts of neonicotinoid use on long-term population changes in wild bees in England.   https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27529661

(4) https://www.topagrar.com/news/Acker-Agrarwetter-Ackernews-Neonicotinoide-EU-Kommission-fuer-vollstaendiges-Verbot-8336514.html

(5) Increasing neonicotinoid use and the declining butterfly fauna of lowland California  http://rsbl.royalsocietypublishing.org/content/12/8/20160475

(6)  http://news.psu.edu/story/440914/2016/12/07/research/common-insecticides-are-riskier-thought-predatory-insect

(7) https://www.epa.gov/sites/production/files/2014-10/documents/benefits_of_neonicotinoid_seed_treatments_to_soybean_production_2.pdf

(8) http://civileats.com/2015/04/29/how-seed-and-pesticide-companies-push-farmers-to-use-bee-killing-insecticides/

(9) Increasing corn for biofuel production reduces
biocontrol services in agricultural landscapes http://www.pnas.org/content/105/51/20552.full.pdf?with-ds=yes

(10) Integrated Pest Management for Sustainable Intensification of Agriculture in Asia and Africa   http://www.mdpi.com/2075-4450/6/1/152

(11) https://undark.org/article/saving-americas-broken-prairie/

(12) U.S. Geological Survey, Status and Trends of the Nation’s Biological Resources, Volume 2    https://www.nwrc.usgs.gov/sandt/Grasslnd.pdf

(13) Akt der Dummheit  http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14347277.html