Cannabis kehrt Alterungsprozesse im Gehirn um

 

Cannabis PflanzeEine Studie des Instituts für Molekulare Psychiatrie der Universität Bonn in Zusammenarbeit mit der Hebrew University (Israel) hat aufgezeigt, dass die Medikation mit niedrig dosiertem THC – eines der Wirkstoffe der Hanfpflanze (Cannabis) – die Funktion des Gehirns „verjüngen“ kann – jedenfalls im Tierexperiment (1). Sind diese Ergebnisse auf den Menschen übertragbar, so könnte diese Substanz eventuell altersbedingten Demenzen entgegenwirken.

Heilwirkung von Cannabis – keine neue Entdeckung

Schon im Jahr 2737 v. Chr. beschreibt der chinesische Kaiser Shen Nung Hanf als medizinisches Heilmittel (2). Die berühmte Naturforscherin und Heilerin, Hildegard von Bingen (1098-1179), gilt als Pionierin der Heilkunde in Verbindung mit Cannabis. In ihren Schriften lobt sie die Heilkraft der Hanfsamen bei Magenbeschwerden und befürwortet ein aus Hanf gefertigtes Tuch zur Wundbehandlung.

Hanf hat in seiner Geschichte eine Menge Höhen und Tiefen durchlebt. Im 20. Jahrhundert war über lange Strecken sowohl der Anbau als auch der Konsum von Cannabis (Marihuana) verboten. Doch seit Ende der 90-ger Jahre hat sich das Blatt gewendet, und die Forschung in Sachen Cannabis läuft auf Hochtouren.

Inzwischen weiß man, dass Cannabis eine Vielzahl an positiven Effekten für die Gesundheit aufweist. Diese Effekte werden vor allem durch den Inhaltsstoff Cannabidiol (CBD) hervorgerufen, aber wie in dieser Studie gezeigt wurde, hat auch Tetrahydrocannabinol (THC) nicht nur eine berauschende Wirkung.

Wie entfaltet Cannabis seine Wirkung?

Man muss wissen, dass unser Körper über eigene Endocannabinoide verfügt, zum Beispiel PEA – Palmitoylethanolamid. Das Endocannabinoidsystem hat eine Entzündungshemmende Wirkung. Damit sie ihre Wirkung entfalten können, besetzen die Endocannabinoide an der Zelloberfläche vorhandene Rezeptoren. Dieselben Rezeptoren können auch von CBD und THC besetzt werden. So sorgen sie dafür, dass Schmerzen gelindert, Muskelkrämpfe gelöst und zum Beispiel auch die bei Chemotherapie häufig auftretende Übelkeit vermindert wird. Aber sie können noch viel, viel mehr.

Cannabis als anti-aging Substanz

Wie beim Menschen kommt es auch bei Mäusen mit zunehmenden Alter zu einem kognitiven Abbau. Da aber im Gegensatz zum Menschen, Mäuse nur eine sehr begrenzte Lebenserwartung von ca. 2 Jahren haben, tritt bei ihnen dieses kognitive Defizit sehr schnell auf – nämlich schon im Alter von 12 Monaten.

Die Bonner Forscher gingen von der Hypothese aus, dass Cannabinoide eine Wirkung auf homöostatische Mechanismen entfalten, die das Fortschreiten der Alterung bestimmen – das heißt, dass sie einen anti-aging Effekt haben.

Diesen Effekt untersuchten sie, indem sie den Mäusen im Alter von zwei, zwölf oder 18 Monaten jeweils über einen Zeitraum von vier Wochen eine geringe Menge THC verabreichten, die keine berauschende Wirkung hatte.

 

Danach testeten sie das Lernvermögen und die Gedächtnisleistungen der Tiere – darunter zum Beispiel das Orientierungsvermögen und das Wiedererkennen von Artgenossen.

Die Mäuse der Kontrollgruppe, die nur ein Placebo verabreicht bekommen hatten, zeigten natürliche altersabhängige Lern- und Gedächtnisverluste. Die kognitiven Funktionen der mit Cannabis behandelten Tiere waren hingegen genauso gut wie die von zwei Monate alten Kontrolltieren.

„Die Behandlung kehrte den Leistungsverlust der alten Tiere wieder komplett um“,

Studienautor Prof. Dr. Andreas Zimmer.

 

Hirnalterung durch Mangel an Cannabinoid 1 Rezeptor (CB1)

Erklären lässt sich der Effekt über die Entdeckung der Forscher, dass das Gehirn viel schneller altert, wenn Mäuse keinen funktionsfähigen Rezeptor für das THC  (CB1) besitzen. Prof. Zimmer erklärt hierzu:

„Mit steigendem Alter verringert sich die Menge der im Gehirn natürlich gebildeten Cannabinoide. Wenn die Aktivität des Cannabinoid-Systems abnimmt, dann stellen wir ein rasches Altern des Gehirns fest.“

THC wirkt ähnlich wie die körpereigenen Cannabinoide, die wichtige Funktionen im Gehirn erfüllen. Sie docken an die Cannabinoid Rezeptoren an, die dann Signalketten auslösen. Dieses System ist auch der Grund für die berauschende Wirkung von THC in Cannabis-Produkten, wie Haschisch oder Marihuana.

THC setzt die molekulare Uhr zurück

Die Wissenschaftler untersuchten das Gehirngewebe und die Genaktivität der behandelten Tiere und machten eine erstaunliche Entdeckung. Die molekulare Struktur entsprach nicht mehr der von alten Tieren, sondern ähnelte vielmehr derjenigen von Jungtieren. Sogar die Zahl der Verknüpfungen der Nervenzellen im Gehirn nahm wieder zu. Eine ausreichende Menge an Verknüpfungen ist eine wichtige Voraussetzung für das Lernvermögen.

 „Es sah so aus, als hätte die THC-Behandlung die molekulare Uhr wieder zurückgesetzt.“

Und beim Menschen?

Zugegeben, das ist ein Lichtblick am Ende eines sehr dunklen Tunnels, denn bisher stehen wir – was eine Therapie angeht – der Demenz recht hilflos gegenüber. Zum jetzigen Zeitpunkt muss man eigentlich sagen, dass Vorbeugung deutlich effektiver ist als Heilung.

Nach diesem ersten sehr erfolgreichen Tierversuch müssen weitere Untersuchungen folgen, die zeigen müssen, ob das menschliche Gehirn genauso oder ähnlich auf zugeführtes THC reagiert.

Sollten sich die Effekte, die bei den Mäusen auftraten, allerdings bei Menschen wiederholen lassen, dann wäre das natürlich unglaublich. Und ein weiterer Skalp am Gürtel von Cannabis.

(1) Cannabis kehrt Alterungsprozess im Gerhirn um.  https://www.uni-bonn.de/neues/128-2017/

(2) http://www.hanfkultur.com/hanf-und-seine-lange-geschichte/

HIIT zum Abnehmen und für ein längeres Leben

HIIT SprinterInzwischen haben die meisten wahrscheinlich von HIIT gehört und wissen, dass sich hinter diesem Akronym das High-Intensity Interval Training verbirgt. Häufig ist es ja so, dass Menschen, die mehr Sport treiben wollen, sofort beim Joggen oder Radfahren hängen bleiben, weil sie der Meinung sind, dass nur ein Sport, der über längere Zeit ausgeübt wird, auch Ergebnisse bringt.

Und was soll ich sagen – und sage ich den betreffenden Personen auch immer wieder… das ist total falsch! Wer wirklich etwas für sich tun will, der lässt das klassische Ausdauertraining bleiben und legt lieber 2 – 3 High-Intensity Trainingseinheiten pro Woche ein.

Hier kommen zwei Gründe, warum auch Sie das tun sollten.

HIIT verlängert das Leben

Im Journal of the American Medical Association Internal Medicine wurde 2015 eine Studie veröffentlicht, die feststellte, dass HIIT die Mortalitätsrate (Sterberate) deutlich mehr senkt als „klassisches“ Ausdauertraining – eben genau jenes Joggen, Radfahren, Schwimmen (1).

Die Studie lief von 2006 bis 2014 und untersuchte 204.542 Erwachsene im Alter von 45 – 75 Jahren. Die Teilnehmer wurden zu ihrer sportlichen Aktivität befragt, und es wurde festgehalten wie häufig und mit welchem Schweregrad sie Sport betrieben (mäßig bis sehr kraftvoll). Die so erhaltenen Daten wurden dann mit den Mortalitätsraten der Probanden verglichen.

Die Ergebnisse sprechen für sich. Im Vergleich moderate sportliche Aktivität zu keine sportliche Aktivität, konnten die Teilnehmer ihr Risiko für einen frühen Tod deutlich reduzieren, und zwar wie folgt:

  •  10 – 149 Min. pro Woche 34 Prozent Reduktion
  • 150 – 299 Min. pro Woche 47 Prozent Reduktion
  • über 300 Min. pro Woche 54 Prozent Reduktion.

Das ist ja schon sehr beachtlich, aber noch besser schnitten die Teilnehmer ab, die nicht nur Ausdauertraining betrieben, sondern einen Teil ihres Trainings als HIIT durchführten. Für diese Probanden ergab sich folgendes Bild in Bezug auf die zusätzliche Reduktion der Sterblichkeit gegenüber der mäßig trainierenden Gruppe. Bei Anteil des HIIT am Gesamttraining:

  • ≤ 30 Prozent – 9 Prozent Reduktion
  • > 30 Prozent – 13 Prozent Reduktion.

Dieser Zusammenhang bestand sowohl für Männer als auch für Frauen und über alle Kategorien hinweg wie Body Mass Index (BMI), Volumen der sportlichen Betätigung und bestehende Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Herz-Kreislauferkrankungen.

HIIT ist das beste Trainingsregime, wenn es um schnelles Abnehmen geht

Ich muss hier gleich vorwegschicken, dass ich kein Freund vom schnellen Abnehmen bin. Außerdem sollte Ihnen klar sein, dass Sie auch mit HIIT nicht schnell abnehmen, wenn Sie sich nach dem Training die Pizza und das Bier schmecken lassen.

Wenn Sie aber eine gesunde Ernährung mit viel Gemüse, qualitativ hochwertigem tierischen Eiweiß und wenig Kohlenhydraten haben, dann kann HIIT eine angestrebte Gewichtsreduktion deutlich ankurbeln. Für die Gewichtsabnahme gilt: 80 Prozent macht die Ernährung aus und 20 Prozent der Sport. Oder anders ausgedrückt:

„Sie können eine schlechte Ernährung nicht einfach wegtrainieren.“

Es gibt diverse Studien, die aufzeigen, dass HIIT dem Ausdauertraining in Puncto Gewichtsabnahme überlegen ist (2) und zu einer Leistungssteigerung bei aerobem Training – also dem heißgeliebten Cardiotraining – führt (3).

Und überlegen Sie mal, was nach so einem langen Cardiotraining passiert. Richtig – Sie kriegen wahnsinnigen Hunger. Ich darf Ihnen versichern, dass das beim HIIT nicht passiert. Ist Ihnen übrigens schon mal aufgefallen, dass Sprinter deutlich weniger Fett am Körper haben als Marathonläufer? Sehen Sie.

Warum HIIT  das beste Training zum Abnehmen ist

Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Sehen wir uns mal verschiedene an:

Physiologische Gründe

HIIT beansprucht Ihren Körper deutlich mehr als klassisches Cardiotraining, da Sie einen ständigen Wechsel zwischen größtmöglicher Anstrengung und Pausen (eventuell mit niedriger Anstrengung) haben. Durch die Phasen mit größtmöglicher Anstrengung wird Ihr Stoffwechsel für 48 Stunden in einen höheren Gang geschaltet (4).

In Studien konnte auch immer wieder gezeigt werden, dass HIIT eine bestehende Insulinresistenz (Risikofaktor für Typ II Diabetes) verbessern kann und eine günstige Auswirkung auf den Blutzuckerspiegel hat (5). Dadurch kommt es zu einer Abnahme der Fettspeicherung und Freisetzung von abdominellem Fett (also dem Fett um die Mitte).

Fast jedes Workout kann in ein HIIT umgewandelt werden

Egal, welches Cardiotraining Sie zur Zeit verfolgen, Sie können ganz leicht ein HIIT daraus machen. Wie? Indem Sie Ihr Grundtraining mit Phasen durchsetzen, in denen Sie sprinten. Wichtig ist nur, dass Sie in diesen kurzen Phasen wirklich alles geben.

Übrigens ist HIIT nicht nur Training für gut Trainierte wie immer wieder behauptet wird. Natürlich sieht das HIIT eines übergewichtigen 70-gers anders aus als dasjenige eines gut trainierten 20-jährigen. Für jemanden, der jahre- oder jahrzehntelang nie Sport getrieben hat, ist ein Sprint womöglich schon 30 Sekunden schnelles Gehen. Wichtig ist, dass Sie an Ihre persönliche Grenze gehen.

HIIT benötigt nur wenig Zeit

Das ist für viele Menschen vielleicht sogar der wichtigste Punkt. HIIT spart einfach Zeit. Ein 10-minütiges HIIT ist mindestens so effektiv wie 45 Minuten Ausdauertraining (6). Das heißt im günstigsten Fall brauchen Sie gerade einmal 30 Minuten pro Woche. Und damit ist ein „ich habe keine Zeit dafür“ auch keine Ausrede, die ich gelten lasse. Außerdem brauchen Sie für ein HIIT nicht einmal Equipment. Ihr eigener Körper reicht für ein sehr effektives Training aus.

Wie Sie HIIT in Ihren Tagesablauf integrieren

Es ist total einfach. Das Programm besteht aus einem 2-minütigem Aufwärmen. Für den Anfang dauern die Sprintelemente 30 Sekunden, gefolgt von 90 Sekunden Pause (mit moderater Bewegung). Diesen Zyklus wiederholen Sie 5 – 7 mal.

Mit steigender Fitness kann die Pause langsam reduziert bzw. die Sprintzeit verlängert werden. Sie können auch einfach mehr Wiederholungen machen.

Sind Sie mit Ihrem Training durch folgt noch ein Cool down mit Dehnübungen.

Sie können das HIIT nach Ihren eigenen Vorlieben ausrichten. Sprintelemente sind beim Cardiotraining für:

  • Gehen – Laufen
  • Joggen – Sprints
  • Schwimmen – Kraulen, Delphin
  • Fahrradfahren – Sprints und/oder höchster Gang
  • Bergauf laufen, Treppensprints usw. usw.

Sie werden sehen, HIIT bringt Ihnen nicht nur einen schnellen Trainingserfolg, sondern es macht auch richtig gute Laune zu wissen, dass man etwas tut, das auf die Lebensqualität wie auch -quantität positive Auswirkungen hat.

 

 

 

(1) Effect of Moderate to Vigorous Physical Activity on All-Cause Mortality in Middle-aged and Older Australians. http://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/2212268

(2) Diet, exercise or diet with exercise: comparing the effectiveness of treatment options for weight-loss and changes in fitness for adults (18–65 years old) who are overfat, or obese; systematic review and meta-analysis.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4429709/

(3) Metabolic adaptations to short-term high-intensity interval training: a little pain for a lot of gain? https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18362686

(4) https://www.lesmills.com/knowledge/fitness-research/feel-the-afterburn/

(5) The effects of high-intensity interval training on glucose regulation and insulin resistance: a meta-analysis. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26481101

(6) https://www.marathonfitness.de/hochintensives-intervalltraining-hiit-high-intensity-interval-training-fettverbrennung-fettabbau/

Studie zeigt: Magnesium hilft, Knochenbrüche zu vermeiden

Magnesium gegen KnochenbrücheEine Osteoporose führt bei älteren Menschen häufig zu Knochenbrüchen und ist einer der Hauptgründe für eine Invalidität bei Senioren. Wie wir alle wissen spielen natürlich Calcium und Vitamin D eine ganz wichtige Rolle für gesunde Knochen. In neueren Untersuchungen stellt sich jetzt jedoch heraus, dass die Supplementierung mit Magnesium genauso wichtig sein könnte.

Wissenschaftlern ist schon seit geraumer Zeit bewusst, dass Magnesium ein essentieller Nährstoff  und Bestandteil für gesunde Knochen ist. Jedoch wurde erst jetzt in einer neuen Studie gezeigt, dass Magnesium das Risiko von Knochenbrüchen reduzieren kann (1). Die Untersuchung, die von den Universitäten in Bristol und Ost-Finnland durchgeführt wurde, hat ergeben, dass dieser Mineralstoff eine Schlüsselrolle in der Vermeidung der Invalidität bei älteren Personen spielen könnte, die durch einen Verlust an gesunder Knochenmasse und -integrität verursacht werden.

Studie zeigt: Je mehr Magnesium im Blut, desto geringer das Risiko für Knochenbrüche

In der Studie wurden 2245 Männer mittleren Alters über eine Zeit von 25 Jahren untersucht. Es zeigte sich, dass diejenigen, die niedrige Magnesium Blutspiegel hatten, ein höheres Risiko für Knochenbrüche aufwiesen – und zwar insbesonders für Schenkelhalsfrakturen (die sogenannte gebrochene Hüfte).

Bei Personen, deren Magnesiumspiegel höher lag reduzierte sich das Risiko für Knochenbrüche um sehr beachtliche 44 Prozent. Von den 22 Männern mit den höchsten Magnesium Blutspiegeln (> 2,3 mg/dl) erlitt nicht einer während der 25-jährigen Beobachtungszeit eine Fraktur.

Interessanterweise fanden die Forscher heraus, dass mit der Nahrung zugeführtes Magnesium keine Auswirkung auf das Frakturrisiko hatte. Zu diesem Ergebnis sind auch schon vorhergehende Studien gekommen. Natürlich hat das mit der Nahrung aufgenommene Magnesium im Prinzip eine Auswirkung auf die Blutspiegel, aber gerade bei älteren Menschen, scheint es häufig Resorptionsstörungen zu geben, die zum Beispiel durch bestimmte Medikamente oder auch Darmerkrankungen ausgelöst werden. Medikamente, die häufig einen Magnesiummangel auslösen, sind zum Beispiel:

  • Protonenpumpenhemmer (bei Sodbrennen)
  • Insulin
  • Wassertabletten (bei Bluthochdruck)
  • Abführmittel
  • Cortison
  • Antibiotika.

Man muss auch bedenken, dass unsere Nahrung nicht mehr den Magnesiumgehalt hat, den sie noch vor 50 Jahren hatte. Die folgende Tabelle, stellt die Ergebnisse von drei Studien gegenüber, die zu verschiedenen Zeiten den Nährstoffgehalt einiger Lebensmittel gemessen haben.

NÄHRSTOFFVERLUSTE VON GEMÜSE UND OBST

Studien aus dem Jahre 1985, 1996 und 2002

Mineralien und Vitamine in mg je 100g Lebensmittel untersuchte Inhaltsstoffe Ergebnis 1985 Ergebnis 1996 Ergebnis 2002 Verlust 1985 -1996 Verlust 1985 – 2002
Brokkoli Calzium
Folsäure
Magnesium
103
47
24
33
23
18
28
18
11
-68 %
-52 %
-25 %
-73 %
-62 %
-55 %
Bohnen Calzium
Folsäure
Magnesium
Vitamin B6
56
39
26
140
34
34
22
55
22
30
18
32
-38 %
-12 %
-15 %
-61 %
-51 %
-23 %
-31 %
-77 %
Kartoffeln Calzium
Magnesium
14
27
4
18
3
14
-70 %
-33 %
-78 %
-48 %
Möhren Calzium
Magnesium
37
21
31
9
28
6
-17 %
-57 %
-24 %
-75 %
Spinat Magnesium
Vitamin C
62
51
19
21
15
18
-68 %
-58 %
-76 %
-65 %
Apfel Vitamin C 5 1 2 -80 % -60 %
Banane Calzium
Folsäure
Magnesium
Vitamin B6
Kalium
8
23
31
330
420
7
3
27
22
327
7
5
24
18
-*
-12 %
-84 %
-13 %
-92 %
-24 %
-12 %
-79 %
-23 %
-95 %
Erdbeeren Calzium
Vitamin C
21
60
18
13
12
8
-14 %
-67 %
-43 %
-87 %

Quellen: 1985 Pharmakonzern Geigy (Schweiz), 1996/2002 Lebensmittellabor Karlsruhe/Sanatorium Oberthal
*nicht untersucht

Wie die  Untersuchungsergebnisse zeigen, gibt es teilweise drastische Nährstoffverluste in Gemüse und Obst.

Einen Beitrag leistet hier auch der vermehrte Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat sowohl im Ackerbau wie auch durchaus im Freizeitbereich (auf einem Golfplatz hier in der Nähe wurde letztens wieder eine satte Dosis verteilt). Da Glyphosat die Aufnahme von Mineralstoffen blockiert, können die Pflanzen weniger Magnesium aufnehmen – und übrigens auch weniger Calcium, Mangan und Eisen (2).

Magnesium als Nahrungsergänzungsmittel

Selbstverständlich sollten zunächst einmal alle Störungen, die zu einem Magnesiummangel führen, abgestellt werden. Danach sollte über einen sinnvollen Einsatz von Magnesiumpräparaten nachgedacht werden.

Reines Magnesium können Sie nicht kaufen, denn es ist äußerst explosionsfreudig. Sie bekommen also immer eine Magnesiumverbindung.

Für die Supplementation stehen anorganische Mg-Verbindungen (Oxid, Carbonat, Sulfat, Phosphat) und organische Mg-Verbindungen (Citrat, Aspartat, Aspartat-hydrochlorid, Glycinat, Orotat) zur Verfügung. Untersuchungen zeigen, dass bei ihrer Bioverfügbarkeit teilweise erhebliche Unterschiede existieren – das bedeutet, sie werden unterschiedlich gut vom Körper aufgenommen und verwertet.

Aus den bisherigen Untersuchungen, die mit gesunden Probanden durchgeführt wurden, lässt sich ableiten, dass die gut löslichen organischen Magnesiumverbindungen eine deutlich höhere Bioverfügbarkeit aufweisen als Magnesiumoxid, -hydroxid und -sulfat (3).

Sie können auch einen Teil der Dosis schlucken (orales Magnesium) und einen weiteren Teil über die Haut aufnehmen (= transdermales Magnesium – zum Beispiel in Form eines Epsom Salz Bades oder als Magnesium Öl).

Von vielen Leuten wird angeführt, dass Magnesium die Hautbarriere nicht durchbrechen kann und deshalb gar nicht in den Körper gelangt. Tatsache ist, diese Studien zeigen etwas anderes (4, 5). Eine Wirksamkeit für transdermales Magnesium wurde sogar bei Fibromyalgie Patienten gefunden.

Ich persönlich nehme sowohl Magnesiumcitrat als auch nachts ein Magnesiumöl.

Magnesium ist für gesunde Knochen genauso wichtig wie Calcium, Vitamin D und regelmäßige Bewegung

Schulmediziner schenken dem Magnesiumspiegel häufig nicht viel Beachtung. Aber angesichts dieser Ergebnisse sollte eine Bestimmung des Serum Magnesiums einen festen Platz in Laboruntersuchungen von älteren Menschen haben. Auf dieses Weise können jene herausgefiltert werden, die die größte Gefahr laufen, Knochenbrüche zu erleiden und insgesamt einen größeren Knochenschwund zu haben (6).

Was brauchen Sie noch für gesunde Knochen?

Natürlich das althergebrachte Vitamin D. Dieses kann Ihr Körper im Sommer selbst herstellen, wenn Sie sich nur kurze Zeit (ca. 20 Minuten in der Mittagszeit) ungeschützt in der Sonne aufhalten. Je nach Hauttyp variiert die Dauer, die benötigt wird, damit Sie einen Sonnenbrand bekommen. Sind Sie also rothaarig mit sehr heller Haut, so empfiehlt es sich, den Aufenthalt auf 10 Minuten zu begrenzen. Haben Sie schwarze Haare und werden leicht braun, können es vielleicht auch 30 Minuten sein. Sie sollten unbedingt darauf achten, auf keinen Fall einen Sonnenbrand zu bekommen. Und wenn Ihnen die Sonne gar nicht gefällt – oder eben auch im Winter – kann es durchaus auch ein Vitamin D Supplement sein.

Nehmen Sie Vitamin D als Supplement, dann sollten Sie auch Vitamin K2 einnehmen. Dieses Vitamin sorgt dafür, dass das vermehrt aufgenommene Calcium auch wirklich in Ihren Knochen und nicht in Ihren Gefäßen landet.

Was Sie außerdem tun können

Für gesunde Knochen ist es extrem wichtig, dass Sie immer in Bewegung bleiben. Wenn Sie Krafttraining in Ihre Trainingsroutine mit einbauen, so hilft dieses, Ihren Körper stark und gesund zu erhalten.

High-Intensity Krafttraining hat im Gegensatz zu traditionellen pharmakologischen oder diätetischen Herangehensweisen den Vorteil, dass bei älteren Menschen nicht nur die Knochengesundheit gefördert wird, sondern es zusätzlich viele Risikofaktoren für Osteoporose beeinflusst, denn es sorgt für größerer Stärke, besserer Balance und vermehrter Muskelmasse (7).

Diese neue Studie hat für unsere immer älter werdende Bevölkerung eine große Bedeutung. Jeder von uns sollte aktiv für seine Gesundheit tätig werden, um Probleme wie Osteoporose oder Knochenbrüche gar nicht erst entstehen zu lassen.

Achten Sie auf Ihren Magnesiumspiegel und unternehmen Sie entsprechende Schritte, um den Blutspiegel  immer im optimalen Bereich zu halten. Damit ist schon viel gewonnen, um auch im Alter fit zu bleiben.

 

(1) Low serum magnesium levels are associated with increased risk of fractures: a long-term prospective cohort study. https://link.springer.com/article/10.1007/s10654-017-0242-2

(2) Glyphosate reduced seed and leaf concentrations of calcium, manganese, magnesium, and iron in non-glyphosate resistant soybean. http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1161030109000665

(3) /www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2008/daz-36-2008/magnesium-und-mg-verbindungen-in-supplementen

(4) Effect of transdermal magnesium cream on serum and urinary magnesium levels in humans: A pilot study. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28403154

(5) Effects of transdermal magnesium chloride on quality of life for patients with fibromyalgia: a feasibility study. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26343101

(6) Magnesium intake from food and supplements is associated with bone mineral density in healthy older white subjects. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16274367?dopt=Abstract

(7) The effects of progressive resistance training on bone density: a review.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9927006

Kokos-Bananen-Kekse

Kokos-Bananen KekseDiese getreidefreien Kokos-Bananen Kekse sind einfach und super schnell gemacht.

Die verwendeten Zutaten machen sie zu einer gesünderen Alternative als die Kekse aus dem Supermarkt. Aber Vorsicht! Es gibt keine gesunden Kekse.

Die Kokosnuss ist eine deutlich gesündere Alternative zu herkömmlichen Getreidemehlen. Ihr Fruchtfleisch enthält viele Ballaststoffe, mittelkettige Triglyceride und Mineralstoffe wie Kalium, Kalzium, Natrium, Kupfer, Eisen und Phosphor. Durch ihre gesunden Fette wirkt sie sich positiv auf das Herz-Kreislaufsystem aus. Positiv ist auch der deutlich geringere Kohlenhydratanteil (4,6 g gegen 70,9 g), der nicht zu einer Wahnsinns Insulinausschüttung führt (und damit bleibt auch der Heißhunger auf weitere Kohlenhydrate aus).

Bananen enthalten unter anderem die Mineralstoffe Kalium und Magnesium, welche für die Funktion von Muskeln und Nerven sowie für die Energiegewinnung und den Elektrolyt-Haushalt wichtig sind. Außerdem enthalten sie Vitamin B6, das eine Rolle im Eiweißstoffwechsel spielt. Sie eignen sich super als natürliches Süßungsmittel.

Ich habe bei diesem Rezept Honig verwendet, da die Kekse auch für Leute, die Zucker essen, süß schmecken sollten. Wer wenig oder keinen Zucker isst, wird sie womöglich ein wenig zu süß finden. In diesem Fall den Honig einfach weglassen. 

Zutaten:

Zubereitung:

  1. Alle Zutaten in einen Mixer geben und gut mischen.
  2. Den Teig mittels eines Eisportionierers (ein Esslöffel geht auch) auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech verteilen (die Menge reicht für ca. 20 Kekse).
  3. Die so geformten Häufchen mit der Hand ein wenig platt drücken.
  4. Ofen auf 170° C vorheizen.
  5. Die Kekse ca. 20 Minuten backen. Nach 10 Minuten wenden, da sie sonst von unten zu braun werden.

Abkühlen lassen und genießen.

Zucchini Chips mit Essig und Salz

Immer wenn ich in England Urlaub gemacht habe, habe ich mich besonders auf die Kartoffelchips mit Essig und Salz gefreut. Man merkt schon, das ist jetzt eine Weile her, denn heute kann man die ja auch hier kaufen.

Nach England fahre ich immer noch, aber die Kartoffelchips esse ich schon lange nicht mehr. Und dafür gibt es gute Gründe – zum Beispiel die krebserregenden Stoffe, die sie beherbergen.

Selbstgemachte Chips sind eine super Alternative.

Sie wissen, was drin ist. Selbst die besseren Chips Varianten – ich spreche hier von Grünkohl oder Roter Bete – beinhalten in der Regel Pflanzenöle. Da diese große Mengen entzündungsauslösende Omega-6 FS enthalten, möchte ich sie lieber nicht essen.

Wenn Sie stärkehaltige Gemüsesorten vermeiden, haben Sie einen kohlenhydratarmen Snack, den Sie sogar im Zuge einer ketogenen Diät (Kohlenhydratanteil 20 – 50 g pro Tag) essen könnten.

Ich persönlich liebe Zucchini. Halt, das stimmt so nicht ganz. Ich liebe eigentlich so ziemlich jedes Gemüse. Aber da die Zucchini so einfach zu verarbeiten ist, bietet sie sich für die Chipsherstellung einfach an. Außerdem wuchert sie gerade in meinem Garten im Hochbeet.

Die Zucchini enthält Mineralstoffe wie Kalzium, das für die Knochen wichtig ist, sowie Spurenelemente wie Eisen, das für die Blutbildung benötigt wird. In Zucchini findet sich zudem Beta-Carotin, eine Vorstufe von Vitamin A, das der Körper zum Beispiel für das Sehen braucht. Allerdings sollte sich Ihre Begeisterung hierüber in Grenzen halten – unser Körper ist nicht besonders gut in der Umwandlung von Provitamin A in Vitamin A (also doch lieber Leber essen). Auch Vitamin C ist in Zucchini enthalten.

Zum Olivenöl muss ich wohl nicht viel sagen. Reich in einfach ungesättigten Fettsäuren ist es das Öl der Mediterranen Diät, der ja bekanntermaßen große Vorteile für das Herz-Kreislaufsystem zugesprochen werden.

Apfelessig ist ein ganz besonderer Saft. Hier finden Sie 10 Gründe, warum er in Ihrer Ernährung nicht fehlen sollte.

Zutaten:

  • 3 mittelgroße Zucchini
  • 2 EL Olivenöl
  • 2 EL Apfelessig
  • Himalaya- oder Meersalz

Zubereitung:

  1. Die Zucchini in dünne Scheiben schneiden. Ich benutze dafür einen Gemüsehobel, wenn Sie eine Küchenmaschine haben, geht die natürlich auch.
  2. Olivenöl und Essig in einer großen Schüssel vermengen und die Zucchini hinzufügen.
  3. Alle Zutaten gut mischen (ich benutze dazu die Hände).
  4. Zucchini Scheiben in einer Lage auf den Sieben eines Dörrgerätes verteilen.
  5. Die Zucchini mit Salz bestreuen.
  6. Dörrgerät auf 60° C einschalten. Es dauert je nach Gerät zwischen 12 und 16 Stunden bis die Chips gut durchgetrocknet sind.

Richtig getrocknet, sind sie sehr knusprig und extrem lecker!

Neue Krebsmedikamente sind nicht wirklich effektiv

KrebsmedikamenteEs hat eine wahre Euphorie eingesetzt, was neue Krebsmedikamente betrifft. Die Presse ist voll von Meldungen über neue Therapien, die Krebspatienten Hoffnung auf Heilung geben. Für den einzelnen Betroffenen ist das natürlich ein Lichtblick, aber können die Medikamente tatsächlich halten, was die Pharmaindustrie uns verspricht?

Das Geschäft boomt. Die Preise für Krebsmedikamente sind stark gestiegen. Zur Zeit werden weltweit 100 Milliarden Dollar pro Jahr ausgegeben. Diese Kosten sollen bis zum Jahr 2020 auf 150 Milliarden Dollar steigen. Das ruft bei führenden Wissenschaftlern durchaus Kritik hervor. Die jährlichen Kosten für neue Medikamente liegen zur Zeit bei über 100.000 Dollar. In Amerika sind die Therapiekosten für eine Krebsbehandlung der führende Grund für Konkurse bei Privatleuten, da dort die Krankenversicherungen die Kosten nicht übernehmen und diese durch den Patienten abgedeckt werden müssen (1).

Einige Leute behaupten, dass diese hohen Preise angemessen sind. Schließlich müsse ja die Forschung und Entwicklung bezahlt werden. Es bleibt aber die Tatsache bestehen, dass bei einer Gegenüberstellung von Ausgaben und Einnahmen die Pharmakonzerne immer noch satte Gewinne einfahren.

Hohe Profite mögen ja auch irgendwie gerechtfertigt sein, wenn die neuen Krebsmedikamente den Patienten signifikante Vorteile bringen oder wenigstens signifikante Fortschritte gegenüber den alten Medikamenten aufweisen – zum Beispiel neue Funktionsweisen.

Sind teure, neue Krebsmedikamente wirklich besser?

Ein Kritiker der neuen Krebsmedikamente ist Dr. Vinay Prasad, Hämatologe und Onkologe an der Oregon Health & Science University (OHSU). Er bestätigt, dass viele neue, teure Krebsmedikamente teilweise nur sehr bescheidene Vorteile bieten und keine Beweise vorliegen, dass sie das Überleben oder die Lebensqualität verbessern.

So zeigt zum Beispiel eine Studie, die in JAMA Otolaryngology – Head and Neck Surgery veröffentlicht wurde, dass innerhalb von 12 Jahren – von 2002 bis 2014 – 72 neue Krebstherapien zugelassen wurden. Alle diese neuen Therapien führten dazu, dass die Lebenserwartung von Krebspatienten um 2,1 Monate anstieg (2). Das finde ich nicht besonders beeindruckend. Sie sicherlich auch nicht.

Tatsächlich hat die American Society of Clinical Oncology für neue Krebsmedikamente als Ziel ausgegeben, dass sie das Leben um 2,5 Monate verlängern müssen oder in dieser Zeit ein Tumorwachstum einschränken sollen (3). 2,5 Monate für Krebsmedikamente, die mit 100.000 Dollar zu Buche schlagen, klingt nach einem wirklich guten Deal für Pharmakonzerne.

Laut Dr. Prasad bieten 2/3 der Krebsmedikamente, die in den letzten zwei Jahren zugelassen wurden, überhaupt keine Überlebensvorteile.

Auch andere kritische Stimmen weisen auf diesen Missstand hin. Diana Zuckerman, Ph.D, Präsidentin des National Center for Health Research in Washington, D.C. veröffentlichte in JAMA Internal Medicine eine Studie, die belegt, dass 18 verschiedene zur Therapie zugelassene Krebsmedikamente, keine Lebensverlängerung erreichen konnten (4). Außerdem zeigte sich, dass nur ein Medikament die Lebensqualität der Patienten verbessern konnte, während zwei andere Medikamente sie sogar verschlechterten indem sie Nebenwirkungen verschlimmerten wie Durchfall, Müdigkeit, Schlafprobleme und Vergesslichkeit.

Übrigens zeigte die Studie auch, dass der Preis eines Medikaments nicht mit der Wirksamkeit zusammenhing. Viele der teuersten Medikationen waren auch die ineffektivsten.

In die Irre führende Werbung und gehypte Studienergebnisse erwecken unrealistische Hoffnungen

Manchen Therapien werden größere Effekte nachgesagt als sie tatsächlich liefern.

Nehmen wir das Beispiel Immuntherapie. Sie soll das Immunsystem des Patienten anregen, den Krebs zu bekämpfen, und wird als absoluter Durchbruch gefeiert. In Wirklichkeit profitieren aber nur 8 Prozent der Patienten von diesem Ansatz (5).

Zu bedenken ist auch, dass die Immuntherapie dazu führen kann, dass das Immunsystem verschiedene körpereigene Organe angreift und zerstört (6). Klingt für mich nicht wie eine „Wundertherapie“.

Ein weiterer neuer Ansatz ist die Präzisionsonkologie – oder auch personalisierte Onkologie. Sie beinhaltet einen genetischen Test und soll dafür sorgen, dass Krebsmedikamente speziell auf die genetischen Mutationen des jeweiligen Patienten zugeschnitten werden können. Klingt in der Theorie gut, funktioniert aber in der Praxis nicht.

In einem 2016 in Nature erschienenen Artikel erklärt Dr. Prasad, dass die personalisierte Onkologie zur Zeit bei etwa 1,5 Prozent der Krebspatienten einen Vorteil zeigt (7). Ein Problem dabei könnte sein, dass Krebs nicht auf einzelne Genmutationen zurückzuführen ist, die man schnell mal eben reparieren kann. Das ist die vereinfachte Erklärung, der alle hinterherjagen.

Tatsache aber ist, dass es eine ganz andere Erklärung für die Krebsentstehung gibt, die in einem veränderten Stoffwechsel der Krebszellen liegt (8). Dieses Phänomen wurde schon vor knapp 100 Jahren von Otto Warburg entdeckt und ist als Warburg Effekt bekannt. Es ist viel geschickter – und die sogenannte Alternativmedizin tut das auch – in diese Stoffwechselprozesse einzugreifen, um den Krebs zu zerstören, anstatt an Genen herumzuschrauben, die in ihrem Zusammenspiel von uns überhaupt nicht verstanden werden.

In diesem Zusammenhang kann ich Ihnen das Buch Paradigmenwandel von Travis Christofferson nur wärmstens empfehlen, in dem er beschreibt, warum die Suche nach mutierten Genen niemals zur Heilung von Krebserkrankungen führen wird.

Der Status Quo, wie er sich zur Zeit darstellt

Die Wahrheit ist – auch wenn wir in der Behandlung früher Krebsformen Fortschritte gemacht haben – werden die meisten Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen am Krebs oder den begleitenden Therapien sterben. Ja, Patienten versterben auch aufgrund der Therapie! Pharmafirmen und Krankenhäuser nutzen die Hoffnungslosigkeit der Krebspatienten aus, indem sie im Endeffekt unwirksame Therapien anbieten, um einen möglichst großen Gewinn einzustreichen.

Man muss aber auch sehen, dass es inzwischen schon einige Wissenschaftler und Ärzte gibt, die auf diese Missstände hinweisen. So erklärte Otis Brawley von der American Cancer Society (9):

„Ich höre immer öfter, dass wir besser sind als ich glaube. Wir fangen an, unsere eigene Sch…e zu glauben.“

Schnellzulassungsverfahren für Medikamente – wie sollte es weitergehen?

Die Pharmafirmen, aber auch einige Ärztevertreter drängen inzwischen darauf, neue Medikamente im Schnellzulassungsverfahren zuzulassen, damit schwerkranke Patienten schneller von ihnen profitieren können. In Amerika ist dies bereits Realität.

Ein Schnellzulassungsverfahren führt dazu, dass Medikamente angewandt werden dürfen, die noch nicht abschließend auf Wirkungen und Nebenwirkungen untersucht worden sind. Da in Europa das Vorsorgeprinzip gilt, stellen sich einige Behörden einem verkürzten Zulassungsverfahren in den Weg.

Das Vorsorgeprinzip ermöglicht eine schnelle Reaktion angesichts möglicher Gefahren für die Gesundheit von Menschen, Tieren oder Pflanzen oder aus Gründen des Umweltschutzes. Insbesondere in den Fällen, in denen die verfügbaren wissenschaftlichen Daten keine umfassende Risikobewertung zulassen, ermöglicht der Rückgriff auf dieses Prinzip beispielsweise die Verhängung eines Vermarktungsverbots oder sogar den Rückruf etwaig gesundheitsgefährdender Produkte.

Mir ist klar, dass es für den einzelnen Krebspatienten eine furchtbare Situation ist, aber in Anbetracht der geringen Wirkung der neuen Krebsmedikamente würde ich doch lieber bei dem Grundsatz „auf jeden Fall nicht schaden“ (Hippokrates) bleiben. Und ganz ehrlich, es gibt deutlich bessere Therapien für Krebs als die von der Pharmaindustrie angebotenen.

 

 

(1) Five Years of Cancer Drug Approvals. Innovation, Efficacy, and Costs http://jamanetwork.com/journals/jamaoncology/fullarticle/2212206

(2) Unintended Consequences of Expensive Cancer Therapeutics—The Pursuit of Marginal Indications and a Me-Too Mentality That Stifles Innovation and Creativity. http://jamanetwork.com/journals/jamaotolaryngology/article-abstract/1891387

(3) Raising the Bar for Clinical Trials by Defining Clinically Meaningful Outcomes.  http://ascopubs.org/doi/full/10.1200/JCO.2013.53.8009

(4) Quality of Life, Overall Survival, and Costs of Cancer Drugs Approved Based on Surrogate Endpoints. http://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/article-abstract/2589085

(5) https://www.statnews.com/2017/03/08/immunotherapy-cancer-breakthrough/

(6) http://blog.dana-farber.org/insight/2016/02/what-are-the-side-effects-of-immunotherapy/

(7) Perspective: The precision-oncology illusion. https://www.nature.com/nature/journal/v537/n7619_supp/full/537S63a.htm

(8) http://www.nature.com/oncsis/focus/cm/index.html

(9) http://edition.cnn.com/2017/04/26/health/hope-vs-hype-cancer-treatment-partner/index.html

Bekommen Sie genug Schlaf?

Schlaf - schlafender WelpeGesunde Gewohnheiten machen für die Lebensqualität einen großen Unterschied. Sehen wir uns doch mal die wohl mit wichtigste Gewohnheit an und fragen uns – wie viel Schlaf ist genug Schlaf?

Wenn man genug schläft, so wird dieser Zustand auch als gute Schlafhygiene bezeichnet. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihre Schlafhygiene nicht so gut ist wie sie sein könnte und dieser Zustand schon über einen Monat anhält, dann sollten Sie sich die folgenden Fragen stellen:

1. Fühlen Sie sich gestört, oder haben Sie sich gestört gefühlt, weil Sie nicht genug Schlaf bekommen?
2. Haben Sie beim Schlafen eines der folgenden Probleme gehabt?
  • Schwierigkeiten beim Einschlafen
  • Nächtliches Aufwachen
  • Zu frühes Erwachen
  • Das Gefühl morgens müde und unausgeschlafen zu sein
3. Haben Sie regelmäßig Schlafprobleme (mindestens einmal pro Woche)?
4. Passiert es Ihnen häufiger, dass Sie tagsüber wegnicken oder sogar einschlafen, ohne dass Sie das wollen. Haben Sie Probleme sich wachzuhalten?
5. Haben Sie seit mehr als einem Monat Schlafprobleme?
6. Haben Sie als Kind Schlafprobleme gehabt?

Wenn Sie mehr als eine dieser Fragen mit ja beantwortet haben, dann sollten Sie sich Gedanken darüber machen, warum Sie Schlafprobleme haben.

Welche Ursachen können dazu führen, dass Sie nicht genug Schlaf bekommen?

Da gibt es eine ganze Palette von Gründen:

  • Schnarchen: Manchmal wird Schnarchen durch Allergien, Asthma oder Deformitäten der Nasenmuscheln hervorgerufen. Wenn Sie einschlafen entspannen sich viele Muskeln im Körper. Entspannen sich aber die Muskeln im Rachen zu sehr (zum Beispiel auch unter dem Einfluss von Alkohol), so werden die Luftwege eingeengt, und es kommt zum Schnarchen.
  • Schlafapnoe: Diese manifestiert sich nicht nur in Schnarchen, sondern auch in Atemaussetzern, während des Schlafes. Mit steigendem BMI nimmt die Inzidenz (Auftretenshäufigkeit) der Schlafapnoe zu, aber sie kommt in Einzelfällen auch bei normalgewichtigen Personen vor. Sie tritt auf, wenn die oberen Luftwege zeitweise zum Teil oder vollständig blockiert sind und führt dazu, dass der Betreffende aufwacht. Eine Folge davon ist eine – häufig sehr stark ausgeprägte – Tagesmüdigkeit. Wird sie nicht behandelt, kann die schwere Schlafapnoe zu Bluthochdruck und einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall führen (1). Das Undine Syndrom ist eine seltene Form der Schlafapnoe, die auftritt, weil die Signale vom Gehirn zur Atemmuskulatur abnehmen oder sogar für kurze Zeit ganz aufhören.
  • Alpträume: Diese treten im REM Schlaf auf. Sie werden häufig durch Ängste, Stress oder auch Medikamente ausgelöst.
  • Nachtangst (Pavor nocturnus):  Nachtangst und Schlafwandeln treten ebenfalls im REM Schlaf auf und scheinen am häufigsten bei Kindern im Alter von 3 – 5 Jahren aufzutreten. Diejenigen, die daran leiden, wachen häufig schreiend auf, ohne dass Sie sagen könnten, was ihnen solche Angst einjagt.
  • Angst und Depressionen: Zu wenig Schlaf ist ein Hauptsymptom der Depression aber auch von Angststörungen (2).
  • Melatoninmangel: Melatonin macht uns müde und wird normalerweise mit der Dämmerung ausgeschüttet. Bei Schichtarbeitern kann dieser Zyklus empfindlich gestört sein. Auch ältere Menschen produzieren weniger Melatonin, weshalb Sie häufig über gestörten Schlaf klagen (3).
  • Stress: Stress sorgt für einen hohen Cortisolspiegel. Cortisol ist der Gegenspieler von Melatonin und verhindert dessen Ausschüttung. Stressbedingt kann es also zu einem Melatoninmangel kommen (4).
  • Schichtarbeit: Wie oben angeführt greift Schichtarbeit (jedenfalls im 3-Schicht-System) massiv in den Tag-Nacht Rhythmus ein und führt häufig zu Schlafproblemen (5).
  • Restless Legs Syndrom: Die unruhigen Beine machen sich durch eine quälende Unruhe, ein Kribbeln oder Ziehen in den Beinen bemerkbar.Die unangenehmen Empfindungen treten fast ausschließlich in Ruhe, insbesondere abends sowie in der Nacht auf und rauben den Erkrankten nicht selten den Schlaf (6). In schweren Fällen sind die Betroffenen tagsüber so müde, dass sie sich kaum noch konzentrieren können. Das beeinträchtigt ihr Alltagsleben stark. Das RLS beeinträchtigt natürlich nicht nur den Betroffenen, sondern auch Partner, die mit ihm im Bett liegen. Als Ursachen kommen zum Beispiel Nervenerkrankungen, Nierenversagen, Vitamin- und Mineralienmangelzustände und Medikamente (z. B. Antidepressiva) in Frage.

 

Wie sieht gesunder Schlaf aus?

Der Schlaf eines gesunden Erwachsenden ist gekennzeichnet durch einen 90-minütigen Wechsel von verschiedenen Schlafphasen. Nach einer Einschlafzeit (Latenz), tritt die erste Tiefschlafphase auf, nach 70 bis 80 Minuten beobachtet man eine weitere Schlafphase, die mit Träumen verbunden ist, die erste REM-Phase (REM = rapid eye movement, weil im Schlaf die Augen schnell hin und her bewegt werden). Die Dauer der Tiefschlafphasen wird im Verlauf der Nacht kürzer; die Dauer der REM-Schlafepisoden im Verlauf der Nacht länger.

Bei einem Gesunden werden etwa 4 bis 5 REM-Episoden im Verlauf einer Nacht durchlaufen. Fehlen einzelne Schlafphasen oder ist der Schlaf unterbrochen, liegt eine Schlafstörung vor.

Im Schlaf laufen aktiv geregelte Prozesse ab. Diese Prozesse betreffen insbesondere das Gehirn, das Herz-Kreislaufsystem, die Atmung sowie hormonelle Regulationsvorgänge. Die Erkenntnisse der modernen Schlafmedizin machen verständlich, dass Schlafstörungen zu einer Beeinträchtigung einzelner Funktionen oder ganzer Systeme/Regelkreise führen und dadurch für eine ganze Reihe von Krankheiten von ursächlicher oder aber zumindest beeinflussender Bedeutung sind.

Laut Harvard Medical School kumulieren die Folgen eines Schlafmangels und lösen so chronische Erkrankungen aus.

Tipps für besseren Schlaf

Ich habe schon einmal darüber geschrieben, welche Gewohnheiten für einen guten Schlaf zuträglich sind. Hier also nur die extreme Kurzfassung:

  1. Halten Sie einen zirkadianen Rhythmus ein.
  2. Kaffee oder andere koffeinhaltige Getränke nur bis 16:00.
  3. Alkohol kann bis zu 3 Stunden vor dem Schlafengehen getrunken werden.
  4. 1 – 2 Stunden vor dem Schlafengehen den Fernseher oder digitale Medien ausschalten.
  5. Entfernen Sie alle elektronischen Geräte aus dem Schlafzimmer.
  6. Wenn es draußen dunkel wird, dimmen Sie die Lichter in Ihrer Wohnung.
  7. Benutzen Sie Blaulicht filternde Brillen (Computerbrillen oder Amber glasses).
  8. Verdunkeln Sie Ihr Schlafzimmer.
  9. Das Schlafzimmer sollte kühl sein. Ein heißes Bad vor dem Schlafengehen sorgt ebenfalls für einen Temperaturunterschied.
  10. Bauen Sie Stress ab.
  11. White noise (z. B. Regen, Wellen, ein Ventilator) kann beim Einschlafen helfen.
  12. Ätherische Öle, vor allem Lavendel, wirken sehr beruhigend und helfen einzuschlafen.
  13. Magnesium wirkt bei Stress und entspannt.
  14. Bleiben Sie tagsüber in Bewegung am besten an der frischen Luft!
  15. Führen Sie ein abendliches Entspannungsritual ein (Meditation, Tagebuch..).

Probieren Sie den einen oder anderen Tipp doch mal aus und berichten Sie über Ihre Erfahrungen.

 

 

 

(1) http://www.heidelberger-schlaflabor.de/schlaefstoerungen/obstruktive-schlafapnoe-osa/

(2) https://www.schlafzentrum.med.tum.de/index.php/page/schlafstoerungen-bei-psychischen-erkrankungen

(3) http://www.schlafmedizin-berlin.de/material/38-43_CME_0112_Melatonin%20und%20Schlaf_Kunz.pdf

(4) http://www.dbu-online.de/fileadmin/redakteur/Dokumente/JT_2013_Vortraege/04_DrHuesker_Schlafmangel_und_chronischer_Stress.pdf

(5)Schlafprobleme bei Schichtarbeit.   http://www.dgsm.de/downloads/dgsm/arbeitsgruppen/ratgeber/neu-Nov2011/Schichtarbeit_A4.pdf

(6) https://www.aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/neurologie_psychiatrie/article/422795/schlafmangel-plagt-rls-patienten-besonders.html

Vitamin D – auf die richtige Dosierung kommt es an

Vitamin D, Sonne, BlumeWas Vitamin D (Cholecalciferol) angeht sind sich eigentlich alle einig, ob Schulmediziner, Naturheilkundler, Ernährungsberater oder Wissenschaftler. Das „Sonnenschein-Vitamin“ ist unverzichtbar für starke Knochen, gesunde Zähne, ein gut funktionierendes Immunsystem und ein gesundes Herz. Ja, sogar gegen Krebs ist es hilfreich.

Wenn man dann aber wissen möchte, wie viel Vitamin D denn wohl die richtige Menge ist, dann hat jeder seine eigene Meinung. Aber zum Glück gibt uns eine neue Studie Aufschluss darüber, welche Dosierung als Nahrungsergänzung eingenommen werden sollte, um optimale Konzentrationen im Körper zu haben.

Natürlich könnte Vitamin D3 auch in unserer Haut gebildet werden, wenn sie mit UVB Strahlen (Sonne!) in Kontakt käme. Vitamin D ist nämlich gar kein richtiges Vitamin, denn wir können es tatsächlich selber herstellen. Da aber schon seit vielen Jahren davon abgeraten wird, sich in der Sonne aufzuhalten – und wenn doch, dann nur unter Einsatz eines Sonnenschutzmittels mit einem hohen Lichtschutzfaktor (womit die Vitamin D Synthese in der Haut dann unterbunden wird) – sind wir auf die Zuführung dieses Stoffes mit der Nahrung angewiesen.

Derzeitige Empfehlungen zur Vitamin D Supplementierung unterscheiden sich gravierend

Laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung reicht das mit der Nahrung aufgenommene Vitamin D3 nicht aus, um eine optimale Blutkonzentration von über 50nmol/l (= 20 ng/ml) zu erreichen. Sie empfiehlt deshalb ein Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Für Säuglinge bis zu einem Jahr werden 10 μg (400 IE) und für Kinder und Erwachsene 20 μg (800 IE) pro Tag empfohlen (1).

Nur mal so zum Vergleich: Wenn Sie sich 15 – 20 Minuten ohne Sonnenschutz in der Mittagssonne aufhalten, produziert Ihr Körper ca. 10.000 IE Vitamin D. Noch Fragen?

Wie lächerlich diese Empfehlung ist, zeigt der Vergleich mit anderen Organisationen.

Laut Institute of Medicine – einer amerikanischen Non-Profit Organisation – ist eine tolerierbare Höchstdosis im Bereich von 4000 IE pro Tag anzusiedeln. Tolerierbar bedeutet, dass bei dieser Dosierung nicht mit negativen Nebenwirkungen gerechnet werden muss.

Der Vitamin D Council – ebenfalls eine amerikanische Non-Profit Organisation empfiehlt für Erwachsene sogar eine Tagesdosis von 5000 IE.

Die US-amerikanische Fachgesellschaft für Endokrinologie empfiehlt in ihren neuen Leitlinien für Erwachsene eine tägliche Zufuhr von 1500 bis 2000 IE Cholecalciferol zur Vorbeugung eines Mangels. Die maximale Dosierung gemäß der amerikanischen Leitlinie liegt bei 10 000 IE pro Tag. Das wäre dann die zwölffache Menge der von der DGE empfohlenen Tageshöchstdosis.

Es ist also verständlich, dass diese verwirrenden Empfehlungen es nicht leicht machen, die richtige Dosierung zu treffen. Hier kann eine neue Studie Abhilfe schaffen, die im April in der Zeitschrift Dermatoendocrinology erschienen ist (2).

Nicht jeder Körper reagiert auf die gleiche Weise auf Vitamin D

Die ein Jahr dauernde Studie beinhaltete 3882 Teilnehmer mit einem Durchschnittsalter von 60 Jahren. 27,5 Prozent waren adipös (fettleibig), 37 Prozent waren übergewichtig, 35,5 Prozent hatten einen normalen BMI (Body Mass Index) und weniger als 1 Prozent war untergewichtig – also ungefähr repräsentativ für die normale Bevölkerung.

Die Teilnehmer sollten Cholecalciferol (D3) einnehmen. Dies ist die Form des Vitamin D, das der Körper unter dem Einfluss von Sonnenstrahlen herstellt. Die durchschnittliche Dosis wurde über das Jahr langsam erhöht – von 2.106 IE auf 6.767 IE – wodurch die durchschnittliche Vitamin D3 Konzentration im Blut von 34,8 ng/ml auf 50,4 ng/l anstieg.

Entgegen der Meinung der DGE sollten gesunde Vitamin D Konzentrationen über 40 ng/ml liegen, während Konzentrationen zwischen 50 und 80 ng/ml als optimal angesehen werden (diese Konzentrationen erreichen Sie nie, wenn Sie nur mit 800 IE supplementieren).

Die Untersucher fanden heraus, dass die Konzentrationsänderungen von der Dosierung, dem BMI und der Konzentration des Vitamins am Anfang der Studie abhängig waren. So kamen Sie zum Beispiel zu dem Resultat, dass mit steigendem Körpergewicht, die Reaktion auf zugeführtes Cholecalciferol abnahm. Das heißt in anderen Worten, dass fettleibige Menschen eine deutlich höhere Dosierung benötigen, um ausreichende Blutkonzentrationen zu erreichen, als Menschen mit Normal- oder Untergewicht.

Ein weiteres Ergebnis war, dass Individuen mit einem Vitaminmangel einen deutlicheren Anstieg der Konzentration verzeichneten als Personen, die schon zu Beginn des Versuchs ausreichende Vitamin D Spiegel besaßen.

Welche Dosierungen waren nötig, um die Konzentration von Vitamin D3 im Blut auf über 40 ng/ml anzuheben?

  • Normalgewichtige (BMI < 25): 6000 IE pro Tag
  • Übergewichtige: 7000 IE pro Tag
  • Adipöse (BMI > 30): 8000 IE pro Tag

Übrigens wurden in dieser Studie trotz der hohen Dosierung keine Nebenwirkungen gesehen, die sich zum Beispiel in einem erhöhten Calciumspiegel im Blut (Hypercalcämie), Müdigkeit, Appettitlosigkeit, Bauchschmerzen, häufigem Wasserlassen oder starkem Durst bemerkbar machen würden.

Ein Vitamin D Mangel erhöht das Risiko für Alzheimer

Laut neuester Untersuchungen haben Personen mit einem Vitamin D Spiegel unter 10 ng/ml ein 122 Prozent höheres Risiko für eine Alzheimer Demenz (3). Andere Erkrankungen, die auch mit einem Vitaminmangel zusammenhängen, sind unter anderem:

  • Morbus Parkinson (Schüttellähmung)
  • Multiple Sclerose
  • Krebs
  • Depression
  • Atemwegsinfekte.

Außerdem zeigte eine Studie auf, dass Menschen mit Spiegeln unter 20 ng/ml ein erhöhtes Risiko für Muskelverletzungen aufweisen – inklusive Hernien (Brüchen) und Überlastungen (4).

Auf der anderen Seite kann ein optimaler Vitamin D Spiegel einen protektiven Effekt vor vielen Erkrankungen haben.

So ist zum Beispiel ein Spiegel von über 40 ng/ml verglichen mit einem Spiegel von über 20 ng/ml mit einem 67 Prozent geringeren Krebsrisiko vergesellschaftet. Der empfohlene Spiegel ist also mehr als ungenügend, wenn es um diese doch sehr ernst zu nehmende Erkrankung geht.

Andere Studien zeigen auf, dass das Risiko für Darm- und Prostatakrebs um 30 bis 50 Prozent reduziert wird, wenn der Vitamin D Status verbessert wird.

Vitamin D statt Grippeimpfung

Ich habe schon in einem anderen Post darüber geschrieben, dass Vitamin D die Grippeimpfung allemal schlägt. Dies ist auf seine über 200 antimikrobiellen Peptide zurückzuführen. Für das Immunsystem ist es einfach eine unverzichtbare Stütze.

Im Februar wurde eine Studie der Queen Mary Universität, London im British Medical Journal veröffentlicht, die wieder einmal belegt, dass die Einnahme von Vitamin D3 gegen akute Atemwegsinfekte schützt (5).

Lassen Sie Ihren Vitamin D Spiegel bestimmen

Es ist eine ganz normale Blutentnahme, die Ihnen sagt, ob Sie zu der Hälfte der Deutschen gehören, die an einem Vitaminmangel leiden. Es ist inzwischen tatsächlich jeder zweite betroffen.

Sollte ein Mangel vorliegen, wird es für Sie extrem wichtig, diesen auszugleichen. Und auch wenn Sie sich im Normbereich befinden, aber vielleicht nicht im optimalen Bereich, haben Sie mehrere Möglichkeiten.

So kommt Ihr Vitamin D Spiegel wieder auf die Beine

  • Sonnenlicht. Die absolute Nr. 1. Es braucht gar nicht viel, und natürlich sollten Sie einen Sonnenbrand unbedingt vermeiden. Ca. dreimal die Woche 15 – 20 Minuten in der Mittagszeit reichen schon aus. Im Winter werden Sie aber in den meisten Gegenden in Deutschland nicht um ein Nahrungsergänzungsmittel herumkommen.
  • Vitamin D3 Supplements. Ich nehme am liebsten Tropfen, weil sich in ihnen normalerweise keine unerwünschten Zusatzstoffe verstecken. Bitte immer daran denken, dass ab einer Dosierung von 2000 IE auch immer Vitamin K2 mit eingenommen werden muss, damit das vermehrt aufgenommene Calcium sich nicht in den Arterien ablagert, sondern in den Knochen, wo es hingehört.
  • Nahrungsmittel mit hohem Vitamin D Gehalt. Natürlich kann man Vitamin D auch einfach essen. Die besten Quellen sind Eier von freilaufenden Hühnern, Fisch aus Wildfang, Leber, Pilze und Avocados. Wenn Sie die Sonne vermeiden, werden Sie es aber nicht schaffen, Ihren Vitaminbedarf nur durch diese Lebensmittel zu decken.

Wie die Studie aufzeigt, ist die richtige Dosierung vom Körpergewicht abhängig, aber auch von Lebensstilfaktoren, Ihrer Krankengeschichte und sogar Ihrer genetischen Veranlagung. Sie sollten mit einem Arzt, der sich mit dem Thema auskennt, die für Sie richtige Vorgehensweise erarbeiten.

Fazit

Wie uns neue Studien zeigen ist Vitamin D3 nicht einfach nur irgendein Vitamin, sondern spielt im Körper eine immens wichtige Rolle. Aus diesem Grund sollten Sie auf eine Ausreichende Zufuhr dieses Vitamins achten. Wenn Sie sich wirklich fit fühlen wollen, kommen Sie um eine Einstellung in den optimalen Bereich nicht herum.

 

 

(1) http://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/vitamin-d/

(2) Evaluation of vitamin D3 intakes up to 15,000 international units/day and serum 25-hydroxyvitamin D concentrations up to 300 nmol/L on calcium metabolism in a community setting. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28458767

(3) https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/59657/Studie-sieht-Vitamin-D-Mangel-als-Demenzrisiko

(4) More than half of college football athletes have inadequate levels of vitamin D. https://www.sciencedaily.com/releases/2017/03/170317102355.htm

(5) Vitamin D supplementation to prevent acute respiratory tract infections: systematic review and meta-analysis of individual participant data.  http://www.bmj.com/content/356/bmj.i6583

Wie europäische Behörden das Krebsrisiko durch Glyphosat herunterspielen

Krebsrisiko durch GlyphosatIch gebe zu, wenn Monsanto behauptet, dass ein Krebsrisiko durch Glyphosat nicht besteht, dann kann ich das ja noch verstehen. Diese Menschen machen immerhin durch ihre Skrupellosigkeit massive Gewinne. Man muss sich allerdings schon fragen, welche Vorteile Mitarbeiter von EU-Behörden davon haben, dieses Spielchen mitzumachen.

In den USA gibt es als Belohnung für diese Mitarbeit von Monsanto sehr lukrative Posten. Bisher bin ich – wie blauäugig auch immer – davon ausgegangen, dass das bei uns (noch) nicht der Fall ist – oder jedenfalls nicht so offensichtlich. Es bleibt die Frage, was treibt einen Menschen dazu, dabei mitzuwirken, dass Monsanto durch sein Ackergift die Umwelt, Menschen und Tiere weiterhin vergiften darf? Und wie kommt er auf die abstruse Idee, dass sein Tun für ihn selber keine Auswirkungen hat. Es bleibt dabei, Geld kann man nicht essen.

In Global 2000 (Friends of the Earth, Austria) wurde gerade eine Studie des Toxikologen Dr. Peter Clausing veröffentlicht (1), die aufzeigt, wie EU Behörden ihre eigenen Gesetze mit Füßen treten und Beweise für eine karzinogene (krebserregende) Wirkung von Glyphosat einfach missachten, um weiterhin behaupten zu können, dass diese Substanz keine Karzinogen ist.

Dr. Clausing hat als Abteilungsleiter der Toxikologie in der pharmazeutischen Industrie gearbeitet und ist jetzt Vorstandsmitglied des Pesticide Action-Networks Deutschland. In der ZDF Sendung WISO wurde er Anfang Juli zum Thema Glyphosat interviewt.

 

Wie EU Behörden Risiken durch Glyphosat herunterspielen

Die EU Behörden kamen zu dem Ergebnis, dass Glyphosat nicht krebserregend ist, indem sie Tierexperimente, die die Karzinogenität von Glyphosat bestätigten, einfach nicht zur Kenntnis nahmen oder die Ergebnisse herunterspielten. Sie haben dabei laut Dr. Clausing ihre eigenen Richtlinien verletzt.

Der Report zeigt auf, dass nach EU Standards eigentlich kein Weg darum herum geführt hätte, Glyphosat als Karzinogen einzustufen. Das würde dann ganz automatisch bedeuten, dass Glyphosat in der EU verboten werden müsste. Und damit Zulassungverlängerung ade.

Zu den Ergebnissen seiner Untersuchung befragt, erklärte Dr. Clausing:

„Was mich am meisten überrascht hat, war wie offensichtlich und weitreichend die Behörden ihre eigenen Leitlinien verletzt haben. Das herauszufinden, hat mich sehr wütend gemacht. Die Behörden sollten für ihr Versagen verantwortlich gemacht werden. Die Beweise dafür, dass Glyphosat eine krebserregende Substanz ist, sind so überwältigend, dass es einfach verboten werden müsste.“

Welche Behörden sind involviert?

In der Schusslinie stehen das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und die Europäische Chemikalienagentur (ECHA).

Die Einschätzung dieser drei Behörden, dass Glyphosat nicht karzinogen ist, steht in klarem Widerspruch zu derjenigen der Weltgesundheits-organisaton (WHO). Die ihr zugeordnete International Agency for Research on Cancer (IARC) klassifizierte Glyphosat 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“. Diese Einstufung basierte auf Ergebnissen von Tierstudien und Hinweisen aus Studien am Menschen. Die IARC ist dafür bekannt, dass sie absolut unabhängig arbeitet und ihre Forschungsarbeit von hoher Qualität ist.

Es zeigt sich, dass die drei oben genannten Behörden, das von sich wohl nicht behaupten können.

Welche Fehler unterliefen BfR, EFSA und ECHA?

Die Untersuchung zeigt, dass relevante Leitlinien der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) und der ECHA selbst nicht angewendet wurden. Die OECD erlässt die Standards für chemische Tests. Es finden sich Hinweise darauf, dass die Behörden Fakten und Daten manipuliert haben, um das Krebsrisiko durch Glyphosat zu verschleiern.

Dr. Clausing ist beunruhigt, dass das Vorgehen der Behörden ein großes Risiko für die öffentliche Gesundheit darstellen könnte.

„Die Inzidenz von Krebserkrankungen hat sich in den letzten Jahrzehnten je nach Tumorart verzwei- bis verdreifacht. Ich mache mir Sorgen darüber, dass der explosionsartige Anstieg des Gebrauchs von Glyphosat dazu beigetragen hat und dies auch weiterhin tun wird, wenn wir nichts dagegen unternehmen. Wir brauchen mehr Transparenz im Zulassungsverfahren. Aber mehr Transparenz ohne nachfolgende Konsequenzen, wenn sich Risiken abzeichnen, ist absolut nutzlos .“

Am 19. und 20. Juli soll auf einer Sitzung des Standing Committee on Plants, Animals, Food and Feed (ScoPAFF) die Neuzulassung von Glyphosat diskutiert werden (Punkt 21 der Agenda – doch so wichtig). Mit seinem Bericht hat Dr. Clausing jetzt die Vertreter der EU Mitgliedsstaaten dazu aufgefordert, sich zu diesem Thema noch einmal Gedanken zu machen.

 

„Wenn die Vertreter diesen Bericht vor der Diskussion lesen und die wissenschaftlichen Beweise zugrunde legen, dann bleibt ihnen gar nichts anderes übrig als die Neuzulassung von Glyphosat abzulehnen.“

Wie Tatsachen über Glyphosat verdreht werden

Wenn man sich in dem Bericht durchliest, wie Betonungen und Auslassungen verwendet wurden, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen, dann kann es einen eigentlich nur noch grausen. Und es macht wirklich wahnsinnig wütend!

Laut EU Pestizidverordnung ist eine Substanz als karzinogen einzustufen, wenn zwei unabhängig voneinander durchgeführte Tierversuchsstudien eine höhere Tumorrate bei Tieren der Verumgruppe (also der Gruppe, die die Substanz erhalten) aufweisen. Im Fall von Glyphosat kamen sieben von zwölf Versuchsreihen zu diesem Ergebnis.

Am Anfang hat das BfR Daten für das Tumorwachstum einfach nicht erkannt, weil nicht die von OECD und ECHA festgelegten statistischen Tests angewendet wurden. Das BfR verließ sich stattdessen auf statistische Testergebnisse, die es von der Industrie erhielt (wahrscheinlich weil die viel unparteiischer sind als die anderen Organisationen). Diese statistischen Verfahren lieferten nur in einer Studie und nur für einen Tumortyp einen Hinweis darauf, dass Glyphosat einen signifikanten karzinogenen Effekt hat.

Aufgrund der IARC Monographie über Glyphosat, die 2015 veröffentlicht wurde, bewertete das BfR dann seine Einschätzung neu und kam zu dem Schluss, dass tatsächlich – wie oben erwähnt – sieben von zwölf Studien einen Zusammenhang aufzeigten.

Und trotzdem haben weder die BfR noch die EFSA und ECHA, die sich auf die grundlegende Arbeit der BfR stützten, weitere acht signifikante Tumoreffekte bemerkt (2), die vor kurzem von Professor Christopher Portier identifiziert wurden, dem ehemaligen Direktor des National Institute of Environmental Health Sciences (NIEHS) in den USA.

BfR, EFSA und ECHA benutzten nur eine Auswahl von Studien für ihre Einschätzung von Glyphosat. Sie übernahmen zwei Studien zu 100 %, die keinen Hinweis darauf fanden, dass Glyphosat ein malignes Lymphom verursachen kann. Diese Studien weisen so offensichtliche Mängel auf, dass sie eigentlich hätten ausgeschlossen werden müssen.

Aber da minus und plus ja auch irgendwie null ergibt, spielten sie im Gegenzug eine Studie herunter, die aufzeigte, dass Glyphosat ein malignes Lymphom verursacht, indem sie diese Erkrankung auf eine angebliche virale Infektion der Tiere schoben. Für diese virale Infektion gibt es laut ECHA nicht den geringsten Beweis. Der einzige, der jemals von dieser Infektion gesprochen hat, ist Jess Rowland, ein früherer EPA Mitarbeiter, der diese Behauptung in einer Telefonkonferenz mit EFSA Mitarbeitern aufstellte.

Eine Untersuchung bestätigte, dass die EFSA nur Rowlands Bemerkung als Beweis für die Infektion angeben konnte. Nun ist Jess Rowland aber ein ganz besonderer Fall. Monsantos interne Emails, die in einem amerikanischen Gerichtsverfahren offengelegt werden mussten, geben Hinweise darauf, dass Rowland ein fleißiger Helfer des Chemiekonzerns war, der damit angab, dass er „eine Medaille bekommen sollte“, wenn er es schafft, dass die EPA ihre Untersuchung in Bezug auf die gesundheiltichen Effekte von Glyphosat einstellt.

BfR, EFSA und ECHA spielten verschiedene statistische Tests gegeneinander aus und behaupteten, dass Glyphosat nicht karzinogen wirke, weil ein Signifikanzniveau nur in einem statistischen Test erreicht wurde und nicht in beiden. Dies ist eine klare Verletzung der OECD Richtlinien, denn diese besagen, dass ein Signifikanzniveau in einem Test ausreicht, die Vorstellung von einem zufällig auftretenden Krebsereignis von der Hand zu weisen.

Außerdem verstießen die Behörden gegen Einschränkungen für den Gebrauch historischer Kontrolldaten (also der Daten von unbehandelten Kontrolltieren in vorhergehenden Studien), die die OECD vorgibt, um den karzinogenen Effekt von Glyphosat zu minimieren.

Und letztlich haben sie es auch vermieden, Dosis-Wirkungs-Kurven zu veröffentlichen, die den Beweis dafür erbrachten, dass das Tumorwachstum durch Glyphosat verursacht wurde und nicht etwa ein Zufallsbefund war.

Brauchen wir eigentlich noch mehr Beweise dafür, dass die mit unserer Sicherheit beauftragten Behörden versucht haben, eine krebserregende Substanz als völlig harmlos hinzustellen?

 

(1) Glyphosate and cancer: Authorities systematically breach regulations. http://www.gmwatch.org/files/GLO_02_Glyphosat_EN.pdf
(2) Review of the Carcinogenicity of Glyphosate by EChA, EFSA and
BfR.  https://www.nrdc.org/sites/default/files/open-letter-from-dr-christopher-portier.pdf

Studie belegt Zusammenhang zwischen Cholesterinsenkern und Parkinson

Cholesterinsenker und ParkinsonDer Morbus Parkinson gehört zu den häufigsten Krankheiten des Nervensystems weltweit. In Deutschland geht man von einer Gesamtzahl von ca. 280.000 Parkinson-Patienten aus. Experten schätzen, dass in Deutschland künftig jährlich rund 13 000 neue Parkinson-Erkrankungen hinzukommen werden (1).
Neue Studien untersuchen nun den Effekt von Statinen für das Risiko diese neurodegenerativen Erkrankung zu entwickeln.

Statine- eine weitere Ursache für den Morbus Parkinson?

Statine werden Personen verschrieben, die ein zu hohes LDL-Colesterin aufweisen, da davon ausgegangen wird, dass dieses „schlechte“ Cholesterin die Gefahr für Herz-Kreislauferkrankungen erhöht. Ich habe schon an anderer Stelle darüber geschrieben, warum LDL-Cholesterin für sich allein genommen als Marker für das Infarktrisiko nicht taugt, und warum ich die Verschreibung von Statinen in den meisten Fällen für völlig sinnlos halte. Hier kommt jetzt noch ein weiterer Grund.
Seit einiger Zeit gibt es vermehrtes Interesse an der Fragestellung, ob Statine Gehirnzellen schützen und so die Ausbildung von neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Parkinson und Alzheimer Demenz verhindern können. Die Studienergebnisse, die neuroprotektive Rolle der Statine betreffend, waren widersprüchlich und bezogen sich nur auf Tierversuche und Untersuchungen an Zellkulturen (2).
Jetzt erschien eine Studie in der Zeitschrift Movement Disorders, die allerdings in eine ganz andere Richtung geht (3). Sie kommt zu dem Schluss, dass Statine womöglich Mitverursacher von neurodegenerativen Erkrankungen sind.
Xuemei Huang, Ph.D. – Professor für Neurologie am Penn State College in Hershey und Autor der Studie – beschreibt einen anderen Grund, warum die Ergebnisse für die neuroprotektive Rolle der Statine bisher widersprüchlich sind:

„Ein erhöhter Cholesterinspiegel, die Hauptindikation für die Verordnung von Statinen, steht mit einem verminderten Auftreten des Morbus Parkinson in  Zusammenhang. Deshalb war es schwierig herauszufinden, ob der schützende Effekt auf die Gehirnzellen durch die Medikamente zustande kam oder durch den erhöhten Cholesterinspiegel.“

Die Studie, die Professor Huang nun durchgeführt hat, berücksichtigt jedoch dieses Problem.

Co-Autor Guodong Liu, Ph.D. erklärt hierzu:

„Die Diagnose einer Hyperlipidämie – eines Markers eines zu hohen Cholesterinspiegels, stand mit einer verminderten Prävalenz (Häufigkeit) der Parkinson Erkrankung in Zusammenhang. Dies war auch in älteren Untersuchungen bestätigt worden. Wir stellten nun sicher, dass dieser Faktor in unserer Analyse berücksichtigt wurde.“

Fettlösliche Statine können das Risiko einer Parkinson Erkrankung erhöhen

Das Team untersuchte die Daten medizinischer Schadensfälle von 50 Millionen Patienten. Aus diesen Fällen wählten sie 22.000 Patienten aus, die an Morbus Parkinson erkrankt waren und von denen 2.322 neu diagnostiziert wurden.

Diesen Patienten wurde eine Kontrollgruppe gegenübergestellt, die nicht an Parkinson erkrankt war. Dann wurden die Patienten identifiziert, die Statine einnahmen und die Länge der Einnahme vor dem Auftreten erster Parkinson Symptome ermittelt

Die Untersucher fanden heraus, dass die Einnahme von Statinen mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten einer Parkinson Erkrankung korrelierte. Dieser Effekt trat vor allem zu Beginn der Statintherapie auf – ganz besonders in den ersten 2,5 Jahren der Behandlung.

Außerdem fand sich ein stärkerer Zusammenhang für lipophile (fettliebende) Statine. Die meisten Statine sind lipophil. In diese Gruppe gehören Atorvastatin, Fluvastatin, Lovastatin, Cerivastatin, Pitavastatin und Simvastatin. Sie werden als lipophil bezeichnet, weil sie fettlöslich sind, während hydrophile (wasserliebende) Statine (Pravastatin, Rosuvastatin) sich in Wasser lösen.

Erstere können sich besser in verschiedenen Geweben verteilen, da sie leichter in die Zellen diffundieren können. Fettlösliche Statine können auch das Gehirn erreichen. Diese Fähigkeit besitzen wasserlösliche Statine nicht.

Professor Huang weist darauf hin, dass diese Ergebnisse im Widerspruch zur früheren Annahme stehen, dass lipophile Statine einen neuroprotektiven (Nerven schützenden) Effekt haben könnten.

„Die Statineinnahme stand in Zusammenhang mit einem erhöhten – nicht erniedrigtem – Risiko für eine Parkinson Erkrankung, und die Assoziation war bei lipophilen Statinen ausgeprägter. Diese Beobachtung steht im Widerspruch zur derzeitigen Hypothese, dass diese Statine die Nervenzellen schützen.“

Schließlich weist Professor Huang noch auf ältere Studien hin, die andeuteten, dass die Beendigung der Statintherapie zur Parkinson Erkrankung geführt haben könnte. Stattdessen geht sie aufgrund der Erkenntnisse der neuen Studie davon aus, dass es wahrscheinlich eher so ist, dass die Statineinnahme zu Symptomen führt, die mit der Parkinson Erkrankung in Zusammenhang stehen, und die Patienten aufgrund dessen die Statine nicht mehr einnehmen.

Selbstverständlich werden noch mehr Untersuchungen benötigt, um die Resultate dieser Studie zu verstehen. Professor Huang spricht sich aber dafür aus, bei der Verordnung von Statinen Vorsicht walten zu lassen – vor allem bei Patienten mit einem erhöhten Risiko für ein Parkinson Erkrankung.

„Wir behaupten nicht, dass Statine einen Morbus Parkinson verursachen, sondern dass (…) Statine nicht unter der Annahme verschrieben werden sollten, dass sie diese Erkrankung verhindern können. Die Leute haben ein individuelles Risiko für Herzprobleme und die Parkinson Erkrankung.“

 

(1) http://www.focus.de/gesundheit/news/tausende-neue-faelle-pro-jahr-zahl-der-parkinson-erkrankungen-waechst_aid_956660.html

(2) Statins and neuroprotection: basic pharmacology needed. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24474514

(3) Statins may facilitate Parkinson’s disease: Insight gained from a large, national claims database. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/mds.27006/full