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Was Ihre Diagnose tatsächlich besagt

Es gibt Patienten, die haben Symptome, die sich ganz einfach einer Diagnose zuordnen lassen. Und dann gibt es solche, die haben Symptome, die überhaupt keinen Sinn ergeben. Letztere müssen häufig eine Vielzahl von Ärzten aufsuchen, alle möglichen Untersuchungen über sich ergehen lassen und wenn Sie Glück haben, finden sie vielleicht am Ende ihrer Odyssee einen Arzt, der ihnen erklärt – Sie haben die Krankheit XY, die Therapie sieht folgendermaßen aus…

Jetzt kann man sich die Frage stellen, ist die Diagnose tatsächlich so wichtig? Sicher, es ist sehr praktisch, wenn man dem Kind einen Namen geben kann und dann auch noch einen Leitfaden hat, wie die Behandlung aussehen soll. Aber sagt uns die Diagnose eigentlich etwas darüber aus, warum die Krankheit entstanden ist?

Um das mal zu veranschaulichen: Wenn jemand Masern hat, dann wissen wir, dass diese Krankheit durch eine Infektion mit dem Masernvirus entstanden ist – Punkt. Die Ursache ist absolut klar und muss nicht diskutiert werden. Und die allgemeine Behandlung sieht für jeden Betroffenen gleich aus.

Nehmen wir ein anderes Beispiel: Dieses Mal hat der Betroffene Migräne. Inzwischen ist der weit verbreitete Konsensus, dass der Migräneanfall durch eine Fehlsteuerung der Blutgefäße im Gehirn ausgelöst wird – zunächst kommt es zu einem Spasmus (einem krampfhaften Zusammenziehen), gefolgt von einer starken Erweiterung der Gefäße. Die Behandlung sind Medikamente, die die Gefäße wieder verengen, oder die eine entzündungshemmende Wirkung haben. Das Problem ist nur – diese Gefäßreaktion ist lediglich ein Symptom der Migräne, aber nicht die Ursache.

Die Diagnose sagt überhaupt nichts darüber aus, was bei Ihnen nicht in Ordnung ist

Leider gehen die im Gesundheitssystem Tätigen und auch die Patienten davon aus, dass wenn man weiß welche Krankheit vorliegt, man auch weiß welche Tablette, Operation oder sonstige Heilmaßnahme (nur bitte keine Ernährungsumstellung) notwendig ist. Und genau diese Überzeugung führt dazu, dass in unserem Gesundheitssystem so viel verkehrt läuft.

Aber es ist ja auch wirklich verführerisch einfach: Sie haben eine Depression, dann brauchen Sie ein Antidepressivum, Sie haben zu hohen Blutdruck, dann brauchen Sie einen Blutdrucksenker, Sie haben Sodbrennen, weil Sie (angeblich) zu viel Magensäure produzieren, dann brauchen Sie einen Säureblocker. Sie verstehen das Spiel, diese Liste ließe sich unendlich fortsetzen.

Leider ist dieser Behandlungsansatz nicht nur falsch, sondern inzwischen auch total überholt, zunehmend sinnlos und teilweise sogar gefährlich. Mal ganz abgesehen von dem Stigma. Haben Sie erst einmal eine Diagnose, dann wirft man Sie in einen Topf mit allen anderen, die auch diese Diagnose haben und nimmt an, dass auf Sie die gleichen Merkmale zutreffen wie auf alle anderen aus der Gruppe. Und selbst wenn sich Hinweise finden, dass Sie nicht die gleichen Probleme haben wie der Rest der Gruppe, so werden diese  häufig nicht zur Kenntnis genommen.

Dabei sollte eigentlich jedem klar sein, dass eine Diagnose nur ein Name ist, den wir mit einem oder mehreren Symptom(en) in Verbindung bringen. Sie sagt überhaupt nichts darüber aus, warum Sie diese Symptome haben – also was die Ursache Ihrer Erkrankung ist.

Wir brauchen eine personalisierte Medizin, die auf die Ursachen von Krankheiten eingeht

Was wir tatsächlich brauchen, ist eine auf den Einzelnen zugeschnittene Medizin, nicht dieser „One Size Fits All“ Ansatz, den wir im Moment verfolgen. Es wird Zeit, dass mehr Leute verstehen, dass der Ansatz „wir geben der Erkrankung einen Namen und behandeln dann mit einem genau festgelegten Therapieschema“ einfach nicht funktioniert. Leider bestimmt aber genau diese Herangehensweise unsere Medizin.

Dabei ist es eigentlich ganz einfach. Es gibt einige grundlegende Probleme in unserem modernen Lebensstil, die die Entstehung der meisten Krankheiten erklären können – und dabei ist es egal, in welches medizinische Fachgebiet diese Krankheiten fallen. Diese Probleme stellen die Verbindungen zwischen den meisten chronischen Erkrankungen dar.

Wenn wir nach dem „Warum“ fragen, so stellen wir fest, dass die meisten Krankheiten auf die gleichen Ursachen zurückzuführen sind. Es handelt sich dabei unter anderem um bestimmte Umweltfaktoren und Toxine, Ernährungsfehler, Schädigung des Darmmikrobioms, hormonelle Imbalancen und Schädigung der Mitochondrien (unserer Energielieferanten) durch oxidativen Stress. Diese Ursachen sind alle miteinander vernetzt und beeinflussen sich gegenseitig.

Eine Erkrankung, viele Ursachen

Infektionskrankheiten machen es uns relativ leicht. In den meisten Fällen können wir einen Erreger ausmachen und uns Wege zurechtlegen, ihn zu bekämpfen.

Ganz anders sieht es bei chronischen Erkrankungen aus. Hier haben wir es in der Regel nicht mit einer einzigen Ursache zu tun – auch wenn Schulmediziner gerne diese Sichtweise vertreten.

Sehen wir uns das mal am Beispiel der Depression an. Eine Depression kann durch viele Dinge ausgelöst werden, führt aber immer zu den gleichen Symptomen. Das ist dann der Grund dafür, dass Patienten, bei denen die Diagnose einer Depression gestellt wird, mit einem Antidepressivum behandelt werden. Wie gesagt – klingt logisch, ist aber falsch.

Weder die Diagnose noch die Behandlung gehen in irgendeiner Weise auf die genetischen Unterschiede dieser Patienten ein – und sie suchen schon gar nicht nach einer Ursache. Dummerweise werden aber die wahren Ursachen einer Depression nicht durch Antidepressiva behandelt.

Ich möchte hier nur mal einige Ursachen nennen, die zum klinischen Bild einer Depression führen können:

  • Nährstoffmangel (Folsäure, Vitamin B6, Vitamin B12)
  • Schilddrüsenunterfunktion (häufig!)
  • Nahrungsmittelallergien, die Entzündungen im Gehirn hervorrufen (Gluten)
  • Quecksilbervergiftung
  • Infektionen
  • Blutzuckerschwankungen
  • Testosteronmangel
  • Omega-3 Fettsäuren Mangel
  • Nebennierenermüdung (Adrenal Fatigue)

Sie sehen also, die Diagnose Depression sagt zunächst einmal überhaupt nichts aus. Und Ihnen ist sicherlich auch klar, dass bei diesen Ursachen die Behandlung mit einem Antidepressivum der total falsche Weg ist. Leider ist es ein Weg, der von zu vielen Ärzten beschritten wird.

Eine Ursache, viele Erkrankungen

Auf der anderen Seite haben wir nun das Problem, dass eine einzige Ursache einen ganzen Haufen Erkrankungen hervorrufen kann.

Ein super gutes Beispiel hierfür ist die Glutenunverträglichkeit (und ich spreche noch nicht einmal von Zöliakie). Wenn Sie nicht extra Anstrengungen unternehmen, sondern sich ganz „normal“ ernähren, dann kommen Sie an Gluten nicht vorbei. Für die, die es noch nicht wissen, Gluten ist ein Protein, das in Getreide vorkommt. Es handelt sich um eine große Familie von Eiweißen mit mehr als 400 Mitgliedern. Normalerweise werden nur die Getreidesorten als glutenhaltig bezeichnet, die eine spezielle Unterform von Gluten – das α-Gliadin – beinhalten. Tatsache ist jedoch, es gibt keine glutenfreien Getreide, und auch andere Glutenunterformen können bei entsprechend veranlagten Personen große Probleme hervorrufen.

Gluten ist nun so ein Faktor, der bei sensitiven Menschen eine Vielzahl an Erkrankungen hervorrufen kann, die nicht einmal etwas mit dem Verdauungstrakt zu tun haben müssen. Wenn Ihr Arzt Ihnen also erzählt, dass Gluten für Sie kein Thema ist, weil Sie ja keine Zöliakie (oder auch nur Verdauungsprobleme) haben, so ist das einfach falsch. Vielleicht manifestiert sich Ihre Glutensensitivität als Migräne, als Gangstörung (Gluten Ataxie) oder als Autoimmunerkrankung wie Multiple Sklerose. Googeln Sie mal Gluten und Folgeerkrankungen – Sie werden erstaunt sein. Bisher ist man bei über 200 Erkrankungen – und die Liste wächst.

Es gibt dafür viele Gründe. Einer davon ist, dass wir genetisch nicht dafür ausgelegt sind Grassamen und hier vor allem Gluten zu essen. Jesus hat keinen Weizen gegessen. Bis zum 11. Jahrhundert wurde als Getreide vor allem Einkorn, Emmer und Gerste konsumiert. Danach mit Einführung des Weißbrotes auch Weizen. Das sind also gerade mal 1000 Jahre. Hinzu kommt, dass der heutige Weizen durch entsprechende Hybridisierung einen wesentlich höheren Glutenanteil hat als noch vor 50 Jahren. Kein guter Zustand für unseren Darm.

30 – 40 Prozent der Bevölkerung tragen die genetische Veranlagung für eine Zöliakie (die Gene HLA DQ2 und/oder HLA DQ8) (1). Sicher, es entwickelt sich nur bei einer geringen Zahl dieser Genträger eine Zöliakie, aber die anderen sind auf jeden Fall anfälliger für Erkrankungen, die mit Gluten in Zusammenhang stehen.

Zu den Erkrankungen, die durch den Konsum von Gluten hervorgerufen werden, gehören sehr viele neurologische Krankheitsbilder inklusive Ansgststörungen, Depression, Schizophrenie, Demenz, Migräne, Epilepsie und Neuropathien (2). Hand aufs Herz, hat Ihnen Ihr Arzt mal erzählt, dass Ihre Migräne durch Gluten hervorgerufen werden könnte? Meine Ärzte haben das mit keinem Wort erwähnt, was der Grund dafür ist, dass ich fast 40 Jahre lang einen Haufen Schmerztabletten geschluckt habe.

Aber Gluten sorgt nicht nur für eine Entzündungsreaktion im Gehirn, sondern es kann im Darm auch in kleinere Eiweißteile gespalten werden, die so ähnlich wirken wie psychedelische Drogen (daher das Suchtpotential). Es handelt sich dabei um Opium-ähnliche Peptide, sogenannte Gluteomorphine. Diese führen zu Änderungen der Hirnfunktion und des Verhaltens.

Und das ist noch nicht alles. Gluten enthält auch sehr viel Glutamat. Das ist doch die Substanz, die für das China-Restaurant Syndrom verantwortlich gemacht wird. Nun, Glutamat hat auf jeden Fall starke Auswirkungen auf das Gehirn. Es aktiviert, beschleunigt, reizt und schädigt Hirnzellen durch einen speziellen Rezeptor (den sogenannten NMDA Rezeptor). Eine überschießende Aktivierung dieses Rezeptors durch Glutamat wird für viele psychiatrische Erkrankungen verantwortlich gemacht.

Wer jetzt glaubt, dass Antidepressiva, Beruhigungsmittel oder Schmerzmittel eingesetzt werden sollten, um eine Erkrankung zu behandeln, die auf eine Überempfindlichkeit gegen Gluten zurückzuführen ist, der ist doch ganz offensichtlich auf dem Holzweg und kann nur scheitern. Und – Überraschung – genau das passiert bei vielen Therapien der Schulmedizin.

Wir brauchen keine Diagnosen, wir müssen die Ursachen ergründen

Tja, eine Krankheit, die viele Ursachen haben kann, eine Ursache, die viele Krankheiten auslösen kann. Wenn das so ist, dann spielt die Diagnose doch eine eher untergeordnete Rolle. Und genau diesen Ansatz sollten wir verfolgen!

Wir dürfen eins nicht vergessen. Menschen kommen nicht vom Fließband und haben 100-prozentig die gleiche Anatomie und Physiologie. Jeder von uns ist ein Unikum (selbst Eineiige Zwillinge sind nicht  zu 100 Prozent gleich). Und das bedeutet, dass wir auf schädliche Einflüsse auch unterschiedlich reagieren.

Bei dem Einen löst der Konsum von Gluten eine Depression aus, der Nächste bekommt Gelenkschmerzen. Die Depression wiederum kann bei einer Person durch Gluten verursacht werden, und bei einer anderen durch einen Vitamin B12 Mangel.

Wir dürfen uns nicht an einem Begriff (der Diagnose) festhalten und alle über einen Kamm scheren. Stattdessen müssen wir sehr viel weiter über den Tellerrand hinausschauen und alle diese Faktoren berücksichtigen. Das ist der Ansatz der funktionellen Medizin. Wir dürfen uns nicht damit zufrieden geben, dem Kind einen Namen zu geben und nach festgelegten Leitlinien zu behandeln. Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte – und die sollten wir doch bitte berücksichtigen.

 

(1) https://www.aerzteblatt.de/archiv/150736/Diagnostik-und-Therapie-der-Zoeliakie

(2) Celiac Sprue  https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMra010852

Frühaufsteher leben länger – was Ihr Chronotyp über Ihr Krankheitsrisiko aussagt

Menschen sind unterschiedlichen Chronotypen zuzuordnen. Der Chronotyp ist praktisch die innere Uhr, die unseren Tag-Nacht Rhythmus bestimmt. Auf der einen Seite haben wir die Frühaufsteher – oder Lerchen -, die morgens zeitig aufstehen, dafür abends aber auch früh müde werden. Zu diesen gehören meist Kinder und ältere Menschen. Am anderen Ende des Spektrums befinden sich die Langschläfer – oder Eulen – die gar nicht spät genug ins Bett kommen können, dafür aber morgens auch nicht aus den Federn finden. In diese Gruppe fallen besonders Jugendliche und junge Erwachsene. Chronotypen  bilden ein Spektrum mit fließenden Übergängen und sind nicht nur angeboren, sondern werden auch durch Umwelteinflüsse gesteuert. Frühaufsteher leben länger – was Ihr Chronotyp über Ihr Krankheitsrisiko aussagt weiterlesen

Können Statine eine ALS auslösen?

Können Statine eine ALS auslösen? weiterlesen

Sinn und Unsinn von Nahrungsergänzungsmitteln

Immer mehr Menschen wollen ihrer Gesundheit etwas gutes tun und greifen deshalb zu Nahrungsergänzungsmitteln. Sollten wir nicht eigentlich alle Nährstoffe, die wir brauchen, einfach aus unserer Nahrung bekommen? Reicht es nicht aus, wenn die Ernährung aus richtigen Nahrungsmitteln besteht (also nicht industriell verarbeitet) und viele Ballaststoffe und wenig Zucker enthält?

Reichen die in der Nahrung enthaltenen Nährstoffe nicht aus?

Natürlich sollten wir darauf achten, möglichst viele frische Lebensmittel in ausreichender Auswahl zu uns zu nehmen. Wenn Sie immer nur drei Sorten Obst und vier Sorten Gemüse essen, können Sie nicht davon ausgehen, dass diese alle Nährstoffe enthalten, die Sie benötigen.

Ein weiterer Punkt ist aber, dass unser Obst- und Gemüse bei weitem nicht mehr die Nährstoffdichte hat, die es noch vor 50 Jahren besaß. Grund dafür ist unsere moderne Landwirtschaft mit einem hohen Einsatz chemischer „Hilfsmittel“, sei es Dünger, Pestizide oder Herbizide. Hinzu kommen längere Transportzeiten und die Tatsache, dass Obst und Gemüse häufig unreif geerntet werden, damit sie sich länger halten.

Wie dramatisch dieser Nährstoffverlust tatsäclich ist, zeigen Studien aus den Jahren 1985, 1996 und 2002:

Mineralien und Vitamine in mg je 100g Lebensmittel untersuchte Inhaltsstoffe Ergebnis 1985 Ergebnis 1996 Ergebnis 2002 Verlust 1985-1996 Verlust 1985-2002
Brokkolie Calzium
Folsäure
Magnesium
103
47
24
33
23
18
28
18
11
-68 %
-52 %
-25 %
-73 %
-62 %
-55 %
Bohnen Calzium
Folsäure
Magnesium
Vitamin B6
56
39
26
140
34
34
22
55
22
30
18
32
-38 %
-12 %
-15 %
-61 %
-51 %
-23 %
-31 %
-77 %
Kartoffeln Calzium
Magnesium
14
27
4
18
3
14
-70 %
-33 %
-78 %
-48 %
Möhren Calzium
Magnesium
37
21
31
9
28
6
-17 %
-57 %
-24 %
-75 %
Spinat Magnesium
Vitamin C
62
51
19
21
15
18
-68 %
-58 %
-76 %
-65 %
Apfel Vitamin C 5 1 2 -80 % -60 %
Banane Calzium
Folsäure
Magnesium
Vitamin B6
Kalium
8
23
31
330
420
7
3
27
22
327
7
5
24
18
-*
-12 %
-84 %
-13 %
-92 %
-24 %
-12 %
-79 %
-23 %
-95 %
Erdbeeren Calzium
Vitamin C
21
60
18
13
12
8
-14 %
-67 %
-43 %
-87 %

Quellen: 1985 Pharmakonzern Geigy (Schweiz), 1996/2002 Lebensmittellabor Karlsruhe/Sanatorium Oberthal
*nicht untersucht

Dies ist auch der Grund dafür, dass die empfohlenen fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag bei weitem nicht ausreichend sind (1).

Auf der anderen Seite sind Nahrungsergänzungsmittel keine „Wunderpillen“. Sie können aber schon in der Nahrung fehlende Vitamine, Mineralstoffe und Antioxidantien ersetzen. Sie sollten allerdings nur als Ergänzung zu einer gesunden Ernährung eingenommen werden.

Nahrungsergänzungsmittel, die jeder nehmen sollte

Diese grundlegenden NEMs bieten die Basis für Nährstoffe, die Sie aus der Nahrung wahrscheinlich nicht in ausreichender Menge bekommen. Durch sie können Sie Ihren Ernährungszustand optimieren, Entzündungen reduzieren und sich generell gesund halten.

1. Ein Vollspektrum Multivitamin/Mineralstoffpräparat

Ein qualitativ hochwertiges Präparat enthält optimale Nährstoffe in der Form, die der Körper am besten aufnehmen kann, und in einem korrekten Verhältnis. Normalerweise sind die Vitamine A, C, D, E , K und alle B Vitamine enthalten. Außerdem die Mineralstoffe Calcium, Eisen, Phosphor, Jodid, Magnesium, Zink, Selen, Kupfer, Mangan, Chrom, Molybdän und Kalium. Sehr gute Multis können zudem Stoffe wie Alpha Liponsäure, Traubenkernextrakt, Gingko biloba und N-acetyl-L–Cystein enthalten. Studien zeigen, dass diese Präparate mit zur Vorbeugung von Krebs (2) und Osteoporose (3) beitragen können.

Und bitte greifen Sie jetzt nicht zur billigsten Tablette, die Sie in Ihrem Discounter finden. Wichtig ist, dass hochwertige Inhaltsstoffe enthalten sind, mit denen Ihr Körper auch wirklich etwas anfangen kann, und möglichst auf Füll – und Farbstoffe sowie auch Zucker verzichtet wird. Ein Präparat, das Ihnen eine ausreichende Versorgung mit einer Tablette pro Tag verspricht, ist auch eher zweifelhaft.

 

2. Fischöl

Inzwischen wissen wir, dass Entzündungen bei fast allen Erkrankungen eine Rolle spielen – inklusive Adipositas (4).  Essentielle Fettsäuren (FS) sind deshalb „essentiell“, weil unser Körper sie nicht selbst herstellen kann. Es gibt zwei Kategorien von essentiellen FS: Omega-3 FS und Omega-6 FS.  Omega-3 FS wirken vor allem entzündungshemmend während Omega-6 FS in der Regel proinflammatorisch wirken (mit ein paar Ausnahmen). Unsere Vorfahren haben zu ihrer Zeit als Jäger und Sammler ungefähr gleiche Mengen von Omega-3 und Omega-6 FS gegessen. Heute beträgt die Relation zwischen Omega-3 und Omega-6 FS eher  1:25 (5).

Fisch aus Wildfang ist eine gute Quelle für diese essentiellen FS. Leider essen die meisten Menschen nicht regelmäßig Fisch, und selbst wenn profitieren sie meistens durch zusätzliche Einnahme eines guten Fischöls. Die im Fischöl enthaltenen FS Eicosapentaen-säute (EPA) und Docosahesaensäure (DHA) haben unter anderem positive Auswirkungen auf das Gehirn (6), das Herz (7) und die Gelenke  (8).

Bei Fischölen kommt es besonders auf die Qualität an, denn sie können sehr schnell ranzig werden (9). Dieses Problem können Sie umgehen, indem Sie frischen Fisch essen. Sie sollten dabei unbedingt kleine Fische, die am unteren Ende der Nahrungskette angesiedelt sind essen (Anchovis, Sardinen, Wildlachs), da sie weniger mit Quecksilber belastet sind.

 

3. Vitamin D

Der Großteil der deutschen Bevölkerung hat einen Vitamin D Mangel (je nach Gruppe 50 – 80 Prozent) (10). Ob Sie zu dieser Gruppe gehören, können Sie durch einen Bluttest leicht feststellen lassen. Stellt sich heraus, dass Ihr Vitamin D Level zu gering ist, so sollten Sie entweder mehr in die Sonne gehen oder ein Vitamin D Supplement einnehmen. Zu Beginn der Therapie eines Vitamin D Mangels werden Dosierungen von 10.000 IU empfohlen (11).  Befinden Sie sich wieder im normalen Bereich, können Sie die Einnahme auf 2500 – 5000 IU pro Tag reduzieren. Es empfiehlt sich, den Vitamin D Spiegel ein- bis zweimal pro Jahr kontrollieren zu lassen.

 

4. Probiotika

Wenn man sich umhört, dann stellt man fest, dass sehr viele Menschen  Probleme mit dem Darm haben. Seit einiger Zeit weiß man, dass die allgemeine Gesundheit sehr von einem gesunden Darm abhängig ist (Stichwort: Darmmikrobiom). Danach hat ein gesunder Darm unter anderem Auswirkungen auf die Hirnfunktion, Verdauung, Vitamin- und Mineralstoffaufnahme und Immunfunktion  (12).

Es gibt einige Faktoren, die dazu führen können, dass Ihre Darmflora nicht mehr in der optimalen Zusammensetzung  vorliegt. Antibiotikaeinnahme und Stress sind hier nur zwei Beispiele. Da sich bei Stress eigentlich niemand ausnehmen kann, rate ich eigentlich immer zur Einnahme eines Probiotikums.

Wichtig ist, dass Sie ein Probiotikum einnehmen, dass eine Reihe verschiedener Bakterienstämme beinhaltet. Sie müssen bedenken, dass Sie hunderte Bakterienstämme in Ihrem Darm haben. Die wollen Sie nicht durcheinanderbringen, indem Sie eine hohe Konzentration nur eines oder zweier Stämme einnehmen.

Sollten Sie zu den Menschen gehören, die gerne fermentierte Lebensmittel essen, dann können Sie sich das Probiotikum allerdings sparen. Nichts ist besser geeignet als fermentierte Lebensmittel, um ein gesundes Darmmikrobiom aufzubauen. Achten Sie nur darauf, viele verschiedene Fermente zu essen, damit Sie unterschiedliche Bakterien aufnehmen. Und wichtig: Wenn Sie fermentierte Lebensmittel im Supermarkt kaufen, dürfen sie keinen Essig enthalten (dann sind sie nicht fermentiert) und nicht pasteurisiert sein (dann sind die Bakterien tot).

 

5. Magnesium

Über 300 enzymatische Reaktionen in unserem Körper benötigen Magnesium. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der deutschen Bevölkerung leidet unter einem Magnesiummangel – und der macht sich nicht nur durch Muskelkrämpfe bemerkbar. Er kann auch zu Erkrankungen wie Bluthochdruck , Schlaganfall, Diabetes, Migräne und Osteoporose führen.

In der Regel wird der Magnesiumgehalt im Serum bestimmt. Dies ist aber wenig hilfreich, weil sich der Großteil des Magnesiums innerhalb der Zellen befindet. Eine auftretende Magnesium Mangelversorgung wird zunächst vom Körper durch eine Aktivierung von Magnesium aus anderen Körperkompar-timenten (vor allem Knochen) ausgeglichen. Ein Schwund des Gesamt-Magnesiumbestandes des Körpers macht sich deshalb nicht unmittelbar in einer verminderten Konzentration des Serum-magnesiums bemerkbar.  Will heißen, wenn Ihr  Magnesium im Serum zu niedrig ist, dann haben Sie einen ganz ordentlichen Mangel.

Multivitaminpräparate beinahlten zwar auch immer Magnesium, die Menge ist aber wahrscheinlich nicht ausreichend, weshalb man extra supplementieren sollte. Ich empfehle hierfür Magnesiumglycinat.

 

Nahrungsergänzungsmittel, die bei bestimmten Symptomen Abhilfe schaffen

Es gibt einige Zustände, bei denen über die Basissupplementierung hinaus Nahrungsergänzungsmittel einen Vorteil bringen können. Bei entsprechenden Symptomen sollten Sie mit Ihrem Arzt abklären, ob die Einnahme dieser Präparate für Sie in Frage kommen könnte.

Verdauungsenzyme

Leiden Sie nach dem Essen an Völlegefühl, Blähungen und Verdauungsproblemen, so können diese Symptome ein Hinweis darauf sein, dass Ihr Verdauungstrakt nicht in der Lage ist, Ihre Nahrung in ihre Bestandteile zu zerlegen. In diesem Fall kann die Einnahme von Verdauungsenzymen unter Umständen Abhilfe schaffen. Studien zeigen, dass der Einsatz von Verdauungsenzymen bei Verdauungs- und Absorptionsstörungen helfen kann (13).

Sie können aber auch versuchen, Ihre körpereigene Enzymproduktion anzukurbeln, indem  Sie Nahrungsmittel, die Sie nicht vertragen, nicht mehr essen und indem Sie Ihre Nahrung richtig kauen und langsam essen.

L-Glutamin

Bekannt ist die heilende Wirkung von L-Glutamin bei einem Leaky Gut. Diese semiessentielle Aminosäure kann für Patienten mit einem geschwächten Immunsystem Vorteile haben, denn sie stärkt die Immunabwehr (14). Bei einer Verletzung oder bei größeren Operationen kann L-Glutamin womöglich die Heilung  beschleunigen (15).  Eventuell kann L-Glutamin auch die Erholungszeit von Athleten günstig beeinflussen.

Coenzyme Q10 (CoQ10)

Coenzym Q10 wird vor allem vom Herzmuskel benötigt. Es sollte inzwischen eigentlich bei allen Ärzten bekannt sein, dass Statine (Medikamente zur Senkung erhöhter Cholesterinwerte) in die Produktion der Mevalonsäre eingreifen, die ein Vorläufer von CoQ10 ist und so einen CoQ10 Mangel verursachen. Deshalb ist es extrem wichtig, dass Menschen, die Statine einnehmen, CoQ10 supplementieren (16).

Da auch unsere Energieproduzenten – die Mitochondrien – CoQ10 benötigen, könnte es auch für Menschen, die unter chronischer Erschöpfung leiden, von Nutzen sein, ebenso wie für Sportler, die hart trainieren (17).

 

Kurkuma

Kurkuma  ist die Hauptsubstanz in Gelbwurz. Es hat eine starke antientzündliche und antikanzerogene ((gegen Krebs gerichtete) Wirkung (18).  Kurkuma ist bei vielen chronischen Erkrankungen von Nutzen, so bei Erkrankungen des Gehirns, des Herz-Kreislaufsystems, der Lunge sowie bei Stoffwechsel- und Autoimmunerkrankungen (19).

Nahrungsergänzungsmittel, die Sie besser nicht kaufen sollten

In diese Gruppe gehören Dinge wie Multivitamintabletten, die Süß- und Farbstoffe enthalten. Es gehören hierhin auch die diversen Nahrungsergänzungsmittel, die Ihnen eine schnelle Gewichtsabnahme (natürlich ohne Ernährungsumstellung) versprechen. Und auch die Pille für den Muskelaufbau würde ich in diese Kategorie packen.

Machen Sie auch einen großen Bogen um die billigen Nahrungsergänzungsmittel, die Sie im Supermarkt finden. Ein Blick auf die Zutatenliste zeigt meistens, dass sie eine Menge Müll enthalten.

Machen Sie sich schlau, bevor Sie etwas kaufen. Und lesen Sie die Zutatenliste sehr aufmerksam. Ihre Supplemente sollten weder Maltodextrin, noch Magnesiumstearat oder Titandioxid enthalten. Und überlegen Sie, was Sie tatsächlich brauchen, und was Sie über Ihre Nahrung abdecken können. Wahrscheinlich brauchen Sie nicht tonnenweise Nahrungsergänzungsmittel, sondern nur einige wenige – und diese dann aber in wirklich hochwertiger Qualität.

(1)http://www.imperial.ac.uk/news/177778/eating-more-fruits-vegetables-prevent-millions/

(2) Multivitamin/mineral supplements and prevention of chronic disease.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17764205

(3) Addressing nutritional gaps with multivitamin and mineral supplements.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4109789/

(4) Inflammatory links between obesity and metabolic disease  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3104776/

(5) Unsaturated fatty acids omega-3. I. Structure, sources, determination, metabolism in the organism.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9562807

(6) Omega-3 and Omega-6 Polyunsaturated Fatty Acid Levels and Correlations with Symptoms in Children with Attention Deficit Hyperactivity Disorder, Autistic Spectrum Disorder and Typically Developing Controls.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27232999

(7) Fatty acid facts, Part III: Cardiovascular disease, or, a fish diet is not fishy   https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19221636

(8)Omega-3 fatty acids and inflammatory processes: from molecules to man.   https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28900017

(9) Fishing for answers: is oxidation of fish oil supplements a problem?  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4681158/

(10) https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GesundAZ/Content/V/Vitamine/Inhalt/vitamind3_inhalt.html

(11) Effect of high dose vitamin D3 therapy on serum vitamin D3 levels in vitamin D insufficient adults with cystic fibrosis.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29460819

(12) Involvement of gut microbiome in human health and disease: brief overview, knowledge gaps and research opportunities.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29416567

(13) The role of enzyme supplementation in digestive disorders.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19152478

(14) Why is L-glutamine metabolism important to cells of the immune system in health, postinjury, surgery or infection?  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11533304

(15) Amino acid composition in parenteral nutrition: what is the evidence?  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3071792/

(16) Coenzyme Q10 and Statin-Induced Mitochondrial Dysfunction  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3096178/

(17) Coenzyme Q10: The essential nutrient  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3178961/

(18) Anti-inflammatory properties of curcumin, a major constituent of Curcuma longa: a review of preclinical and clinical research.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19594223

(19) Potential Therapeutic Effects of Curcumin, the Anti-inflammatory Agent, Against Neurodegenerative, Cardiovascular, Pulmonary, Metabolic, Autoimmune and Neoplastic Diseases  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2637808/