Archiv der Kategorie: Allgemein

Evidence Based Medicine – alles nur Betrug?

Eine häufige Kritik, die Ärzte an sogenannten alternativen Therapien haben, ist, dass diese ja nicht Evidenz basiert, also durch Fakten belegt, seien. In der Schulmedizin ist die Evidenz Basierte Medizin (EBM) praktisch der heilige Gral, und ein Großteil der Ärzte ist überzeugt davon, dass sie dafür sorgt, dass die moderne Medizin ganz fest in der Wissenschaft verankert ist und weit über der Quacksalberei von Heilpraktikern und anderen medizinisch tätigen Berufsgruppen steht, die nicht auf diesen Prinzipien basiert.

Aber Moment – es sind nicht alle von dieser Aussage überzeugt.  Es gibt sogar Ärzte an exponierter Stelle, die die EBM für absolut wertlos halten. Zu diesen gehört zum Beispiel Richard Horton, der Chefredakteur einer der weltweit angesehensten medizinischen Zeitschriften, des Lancet, der 2015 erklärte:

„Was die Wissenschaft angeht, ist es ganz einfach: vieles in der wissenschaftlichen Literatur – möglicherweise die Hälfte davon – ist einfach nicht wahr.“

Und Dr. Marcia Angell, die frühere Chefredakteurin des New England Journal of Medicine, schriebe schon 2009:

„Es ist einfach nicht mehr möglich, vielen der klinischen Studien zu glauben, die veröffentlicht werden, oder sich auf die Urteile von vertrauenswürdigen Ärzten  oder autoritären medizinischen Leitlinien zu verlassen. Diese Feststellung, zu der ich langsam und zögerlich während meiner 20-jährigen Tätigkeit als Redakteurin gekommen bin, macht mir wirklich keine Freude.“

Tja, da können Sie als Patient doch nur hoffen, dass Ihr Arzt die richtigen Studien gelesen hat. Aber die Wahrscheinlichkeit ist relativ gering.

Die Pharmaindustrie hat die Ärzteschaft und die Universitäten fest im Griff

Das Bild ist nicht gerade hübsch. Wir haben eine Entwicklung, in der Pharmaunternehmen mit Ärzten und medizinischen Institutionen fest verwoben sind. Dies führt dazu, dass nicht nur ärztliche Behandlungen, sondern auch die Lehre und Forschung von der Pharmaindustrie bestimmt werden.

Die zitierten Chefredakteure mussten im Laufe ihres Berufslebens feststellen, dass ihr Lebenswerk langsam aber beständig korrumpiert wurde. Ärzte und Universitäten lassen sich von der Pharmaindustrie bezahlen. Wir haben jetzt zwar ein Antikorruptionsgesetz, das genau diese Auswüchse verhindern soll, aber glauben Sie mir, die werden dadurch nicht abgestellt.

Nur um hier ein Beispiel zu nennen. Die Forschung wird zu einem großen Teil von der Pharmaindustrie bezahlt. Und Überraschung – diese Studien haben häufiger positive Ergebnisse als Studien, die von pharmaunabhängigen Stellen durchgeführt werden (1).

Verzerrung der Effektivität von Therapien durch selektive Veröffentlichung von Studien

Und dann ist da noch das Problem, dass durchaus nicht jede durchgeführte Studie auch veröffentlicht wird. Stellt sich nämlich heraus, dass das Ergebnis für die Industrie eher negativ ist, so wird die Studie halt nicht zur Veröffentlichung eingereicht. Das Problem, das sich daraus ergibt, ist, dass die Wirksamkeit von Therapien völlig falsch eingeschätzt wird, weil das negative Feedback fehlt.

So berichtet ein Artikel im New England Journal of Medicine, dass 36 von 37 Studien zu Antidepressiva zur Veröffentlichung eingereicht wurden, die ein positives Ergebnis hatten, während bei einem negativen Ergebnis nur 3 von 36 Studien eingereicht wurden (2). Und wer entscheidet, ob eine Studie veröffentlicht wird oder nicht – eben, die Pharmaunternehmen. Mal ehrlich, die wären doch total blöd, wenn sie Studien veröffentlichen, die ihren Produkten schaden. Schließlich haben sie eine Verpflichtung gegenüber ihren Aktionären. Sie sind keine Wohltäter für Patienten. Das sollten Sie sich klar machen.

Und das wirft dann die Frage auf, warum wir die Evidence Based Medicine immer noch für unantastbar halten, wo doch eigentlich jedem klar sein muss, dass die Ergebnisse zum großen Teil einfach völlig verzerrt dargestellt werden. Denn wenn nur positive Ergebnisse veröffentlicht werden und negative unter den Tisch fallen, ergibt sich natürlich für den Erfolg der Behandlung ein völlig falsches Bild. Und doch werden Personen, die diesen Kult um die EBM anzweifeln als „unwissenschaftlich“ abgestempelt.

Manipulierte Ergebnisse

Bis zum Jahr 2000 brauchten Firmen bei medizinischen Tests nicht vorher festlegen, was eigentlich getestet werden sollte. Frei nach dem Motto: Wir testen unterschiedliche Endpunkte,  gucken mal, was sich so ergibt, und das veröffentlichen wir dann. Und da immer viele verschiedene Endpunkte gemessen wurden, ließ sich auch immer irgendein positives Ergebnis finden.

Welches Ausmaß dieses Rosinenpicken hatte, zeigt sich darin, dass bis zum Jahr 2000 57 Prozent der Studien ein positives Resultat aufwiesen, während es danach gerade einmal 8 Prozent waren. Wissenschaft sollte doch wohl anders aussehen.

Als Studien getarnte Werbung

Besonders infam sind wahrscheinlich Veröffentlichungen in angesehenen medizinischen Zeitschriften, die eigentlich nur als Werbung für Medikamente angesehen werden können. Wenn Angestellte und Ärzte, die von Pharmaunternehmen größere Summen erhalten, bei Untersuchungen zu dem Schluss kommen, dass die Medikamente dieser Unternehmen nur sehr geringe Nebenwirkungen haben, dann muss man sich schon fragen, wie objektiv diese Aussagen wohl sind. Als Beispiel sei hier nur eine Übersichtsarbeit über das Risiko einen Bruch des Oberschenkelhalses unter der Einnahme von Bisphosphonaten zu erleiden (Medikamente, die zur Erhaltung der Knochendichte verabreicht werden), genannt. Sieht man sich die Interessenkonflikte der Autoren an, kann man dem Ergebnis eigentlich keinen Glauben mehr schenken (3). Dummerweise sehen sich die meisten Ärzte aber nicht an, wer welche Interessenkonflikte hat, sondern gehen davon aus, dass Artikel in medizinischen Zeitschriften objektiv sind. Schließlich gehen sie durch ein Peer-Review Verfahren, das bedeutet, sie werden von einem Gutachtergremium gegen gelesen, das aus Wissenschaftlern des gleichen Fachgebiets besteht. Genau genommen ist diese Annahme aber natürlich lachhaft, denn die Zeitschriften finanzieren sich unter anderem durch die Werbung der Pharmaunternehmen. Womit wir wieder beim Geld wären.

Bestechung von Redakteuren medizinischer Zeitschriften

In Deutschland wird ja inzwischen angeprangert, dass viele Ärzte Geld und andere Geschenke von Pharmaunternehmen annehmen. Was aber eigentlich niemand auf dem Radar hat, ist dass auch Redakteure medizinischer Zeitschriften teilweise hohe Geldzuwendungen von der Pharmaindustrie erhalten (4). Und diese Redakteure spielen wiederum eine wichtige Rolle bei der Frage, welche Manuskripte veröffentlicht werden sollen, und sie bestimmen auch, wer als Peer Reviewer eingesetzt wird. Nun ja, wie meine Oma schon immer sagte: „Wer gut schmiert, der gut fährt.“

Evidence Based Medicine – der Verfall eines hohen Anspruchs

Ich denke, dass die Angehörigen von Gesundheitsberufen nach diesen Ausführungen verstehen, warum das System – so wie es jetzt läuft – nicht funktioniert. Und auch dem Laien sollte das klar sein. Evidence Based Medicine ist absolut abhängig von einer seriösen Faktenbasis (Studien). Wie die obigen Beispiele aber belegen, existiert diese nicht (oder nicht mehr). Es wechselt einfach zu viel Geld den Besitzer, und deshalb wäre es verkehrt unsere sogenannte auf  Fakten basierende Medizin als allein glückselig machend anzusehen. Hinterfragen Sie also wenn Ihr Arzt Ihnen erklärt, dass Studien beweisen, dass das Medikament, das er Ihnen verschreiben will, die wirksamste Behandlung Ihrer Erkrankung darstellt. Die Chefredakteure des Lancet und des NEJM stellen diese Evidence Based Medicine in Frage, und das sollten Sie auch tun. Und vielleicht weisen Sie Ihren Arzt einfach mal auf die Schwachstellen hin. Wer weiß, vielleicht bringen Sie damit sogar einen Stein ins Rollen.

Die Tatsache, dass wir jetzt ein Antikorruptionsgesetz für Ärzte haben, spricht Bände (allerdings würden mir da einige andere Berufsgruppen einfallen, die das auch mehr als nötig hätten). Es wäre aber sehr naiv zu glauben, dass mit diesem Gesetz die Missstände abgestellt werden. Es wird halt nur nicht mehr so offensichtlich bestochen. Die Unternehmen finden auf jeden Fall einen Weg, Ärzte dafür zu bezahlen, dass sie mehr Tabletten verschreiben, mehr Prothesen einbauen etc. Im Zweifelsfall geht es auch nur darum, sich mit seinem Produkt an die vorderste Stelle der Nahrungskette zu stellen. Der Hauptantrieb ist jedenfalls nur eins: Mehr Geld. Es ist eine traurige, aber durchaus bekannte Wahrheit: Keiner beißt die Hand, die ihn füttert (5).

Und die Ärzte, die nicht am großen Futtertrog sitzen, weil ihre Namen nicht bekannt genug sind und sie nicht als Meinungsbildner auf Kongressen auftreten, nun, von denen sind wirklich die meisten noch überzeugt, dass unser System der Evidence Based Medicine funktioniert.

Wer mehr über die Machenschaften der Pharmaunternehmen, aber auch der Nahrungsmittelindustrie erfahren möchte, der sollte sich diese Aussprache vor dem Europäischen Parlament ansehen: Killing for Profit. Ich verspreche Ihnen, das wird Ihren Blickwinkel auf zwei große Industriezweige, die unser Leben beherrschen, völlig verändern.

 

(1) Outcome reporting among drug trials registered in ClinicalTrials.gov.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20679560

(2)Selective Publication of Antidepressant Trials and Its Influence on Apparent Efficacy  https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMsa065779#t=abstract

(3)Bisphosphonates and Fractures of the Subtrochanteric
or Diaphyseal Femur  https://www.nejm.org/doi/pdf/10.1056/NEJMoa1001086

(4) Payments by US pharmaceutical and medical device manufacturers to US medical journal editors: retrospective observational study   https://www.bmj.com/content/359/bmj.j4619

(5) Association between industry affiliation and position on cardiovascular risk with rosiglitazone: cross sectional systematic review.   https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20299696

Spielen mit Statistik – wie Ärzte und Patienten getäuscht werden

Ich muss zugeben, dass die medizinische Informatik während des Studiums nicht gerade zu meinen Lieblingsfächern gehört hat. Und so ging die Statistik über weite Strecken an mir – wie auch an meinen Kommilitonen – vorbei. Das ist – wie sich jetzt herausstellt – ein echtes Problem, denn es führt dazu, dass in Statistik Bewanderte, uns ziemlich einfach über den Tisch ziehen können. Spielen mit Statistik – wie Ärzte und Patienten getäuscht werden weiterlesen

Höhere Vitamin D Spiegel schützen vor Brustkrebs

Ich habe ja schon häufiger darüber geschrieben wie wichtig Vitamin D für die Gesundheit ist. Die meisten Menschen denken ja bei Vitamin D nur an gesunde Knochen, die Wirkungen dieses Hormons (es handelt sich nämlich gar nicht um ein Vitamin) sind aber vielfältiger. Unter anderem sorgt Vitamin D auch für ein gesundes Immunsystem.

Und damit sind wir auch schon beim Thema. Wenn Sie Ihr Risiko für  Krebserkrankungen senken möchten, dann brauchen Sie unbedingt ein gut funktionierendes Immunsystem. Höhere Vitamin D Spiegel schützen vor Brustkrebs weiterlesen

Sind Leute, die Statine ablehnen, gefährliche Spinner?

Steve Nissen, ein Cardiologe an der Cleveland Clinic schrieb vor einiger Zeit ein Editorial in Annals of Internal Medicine, in dem er die Leugnung der Wirksamkeit von Statinen als Internetkult mit tödlichen Konsequenzen anprangert (1). Seiner Meinung nach handelt es sich bei Leuten, die solche Artikel schreiben, um Laien, die überhaupt keine Ahnung haben, die aber Patienten dazu verleiten, Ihre lebensnotwendigen Statine abzusetzen.

Tatsache ist, dass es sich bei vielen Leute, die Statinen ihre Wirksamkeit abstreiten, durchaus nicht um Laien handelt. Sind Leute, die Statine ablehnen, gefährliche Spinner? weiterlesen

Was versteht man unter Lifestyle Medizin?

Konventionelle Medizin hat ihren festen Platz in der Behandlung akuter Ereignisse also Unfälle und Infektionen. Keine Frage, wenn ich einen Verkehrsunfall hätte, würde ich bei entsprechenden Verletzungen die Möglichkeit einer Operation oder einer intensivmedizinischen Versorgung durchaus zu schätzen wissen.

Keine Heilung sondern allenfalls Symptomkontrolle

Wenn es aber um chronische Erkrankungen geht, hat die Schulmedizin in Bezug auf Heilung relativ wenig anzubieten. Sicher, durch Tabletten kann man Symptome unter Kontrolle bringen, sodass sie weniger störend sind oder überhaupt ganz verschwinden. Das Problem ist nur, dass an den Ursachen für diese Symptome nicht gearbeitet wird. Bei vielen Krankheiten wird nicht einmal darüber nachgedacht, was die Ursache sein könnnte (sog. idiopathische Krankheiten). Das ist jedoch ein großer Fehler. Ein genauso großer Fehler wäre es, wenn wir bei unserem Auto eine Warnleuchte einfach überkleben und uns freuen, dass uns die Leuchte nicht mehr irritiert. Dieses Verhalten wird dazu führen, dass der Schaden am Auto zunimmt, und es irgendwann überhaupt nicht mehr funktioniert. Was versteht man unter Lifestyle Medizin? weiterlesen

Was Ihre Diagnose tatsächlich besagt

Es gibt Patienten, die haben Symptome, die sich ganz einfach einer Diagnose zuordnen lassen. Und dann gibt es solche, die haben Symptome, die überhaupt keinen Sinn ergeben. Letztere müssen häufig eine Vielzahl von Ärzten aufsuchen, alle möglichen Untersuchungen über sich ergehen lassen und wenn Sie Glück haben, finden sie vielleicht am Ende ihrer Odyssee einen Arzt, der ihnen erklärt – Sie haben die Krankheit XY, die Therapie sieht folgendermaßen aus…

Jetzt kann man sich die Frage stellen, ist die Diagnose tatsächlich so wichtig? Sicher, es ist sehr praktisch, wenn man dem Kind einen Namen geben kann und dann auch noch einen Leitfaden hat, wie die Behandlung aussehen soll. Aber sagt uns die Diagnose eigentlich etwas darüber aus, warum die Krankheit entstanden ist?

Um das mal zu veranschaulichen: Wenn jemand Masern hat, dann wissen wir, dass diese Krankheit durch eine Infektion mit dem Masernvirus entstanden ist – Punkt. Die Ursache ist absolut klar und muss nicht diskutiert werden. Und die allgemeine Behandlung sieht für jeden Betroffenen gleich aus.

Nehmen wir ein anderes Beispiel: Dieses Mal hat der Betroffene Migräne. Inzwischen ist der weit verbreitete Konsensus, dass der Migräneanfall durch eine Fehlsteuerung der Blutgefäße im Gehirn ausgelöst wird – zunächst kommt es zu einem Spasmus (einem krampfhaften Zusammenziehen), gefolgt von einer starken Erweiterung der Gefäße. Die Behandlung sind Medikamente, die die Gefäße wieder verengen, oder die eine entzündungshemmende Wirkung haben. Das Problem ist nur – diese Gefäßreaktion ist lediglich ein Symptom der Migräne, aber nicht die Ursache.

Die Diagnose sagt überhaupt nichts darüber aus, was bei Ihnen nicht in Ordnung ist

Leider gehen die im Gesundheitssystem Tätigen und auch die Patienten davon aus, dass wenn man weiß welche Krankheit vorliegt, man auch weiß welche Tablette, Operation oder sonstige Heilmaßnahme (nur bitte keine Ernährungsumstellung) notwendig ist. Und genau diese Überzeugung führt dazu, dass in unserem Gesundheitssystem so viel verkehrt läuft.

Aber es ist ja auch wirklich verführerisch einfach: Sie haben eine Depression, dann brauchen Sie ein Antidepressivum, Sie haben zu hohen Blutdruck, dann brauchen Sie einen Blutdrucksenker, Sie haben Sodbrennen, weil Sie (angeblich) zu viel Magensäure produzieren, dann brauchen Sie einen Säureblocker. Sie verstehen das Spiel, diese Liste ließe sich unendlich fortsetzen.

Leider ist dieser Behandlungsansatz nicht nur falsch, sondern inzwischen auch total überholt, zunehmend sinnlos und teilweise sogar gefährlich. Mal ganz abgesehen von dem Stigma. Haben Sie erst einmal eine Diagnose, dann wirft man Sie in einen Topf mit allen anderen, die auch diese Diagnose haben und nimmt an, dass auf Sie die gleichen Merkmale zutreffen wie auf alle anderen aus der Gruppe. Und selbst wenn sich Hinweise finden, dass Sie nicht die gleichen Probleme haben wie der Rest der Gruppe, so werden diese  häufig nicht zur Kenntnis genommen.

Dabei sollte eigentlich jedem klar sein, dass eine Diagnose nur ein Name ist, den wir mit einem oder mehreren Symptom(en) in Verbindung bringen. Sie sagt überhaupt nichts darüber aus, warum Sie diese Symptome haben – also was die Ursache Ihrer Erkrankung ist.

Wir brauchen eine personalisierte Medizin, die auf die Ursachen von Krankheiten eingeht

Was wir tatsächlich brauchen, ist eine auf den Einzelnen zugeschnittene Medizin, nicht dieser „One Size Fits All“ Ansatz, den wir im Moment verfolgen. Es wird Zeit, dass mehr Leute verstehen, dass der Ansatz „wir geben der Erkrankung einen Namen und behandeln dann mit einem genau festgelegten Therapieschema“ einfach nicht funktioniert. Leider bestimmt aber genau diese Herangehensweise unsere Medizin.

Dabei ist es eigentlich ganz einfach. Es gibt einige grundlegende Probleme in unserem modernen Lebensstil, die die Entstehung der meisten Krankheiten erklären können – und dabei ist es egal, in welches medizinische Fachgebiet diese Krankheiten fallen. Diese Probleme stellen die Verbindungen zwischen den meisten chronischen Erkrankungen dar.

Wenn wir nach dem „Warum“ fragen, so stellen wir fest, dass die meisten Krankheiten auf die gleichen Ursachen zurückzuführen sind. Es handelt sich dabei unter anderem um bestimmte Umweltfaktoren und Toxine, Ernährungsfehler, Schädigung des Darmmikrobioms, hormonelle Imbalancen und Schädigung der Mitochondrien (unserer Energielieferanten) durch oxidativen Stress. Diese Ursachen sind alle miteinander vernetzt und beeinflussen sich gegenseitig.

Eine Erkrankung, viele Ursachen

Infektionskrankheiten machen es uns relativ leicht. In den meisten Fällen können wir einen Erreger ausmachen und uns Wege zurechtlegen, ihn zu bekämpfen.

Ganz anders sieht es bei chronischen Erkrankungen aus. Hier haben wir es in der Regel nicht mit einer einzigen Ursache zu tun – auch wenn Schulmediziner gerne diese Sichtweise vertreten.

Sehen wir uns das mal am Beispiel der Depression an. Eine Depression kann durch viele Dinge ausgelöst werden, führt aber immer zu den gleichen Symptomen. Das ist dann der Grund dafür, dass Patienten, bei denen die Diagnose einer Depression gestellt wird, mit einem Antidepressivum behandelt werden. Wie gesagt – klingt logisch, ist aber falsch.

Weder die Diagnose noch die Behandlung gehen in irgendeiner Weise auf die genetischen Unterschiede dieser Patienten ein – und sie suchen schon gar nicht nach einer Ursache. Dummerweise werden aber die wahren Ursachen einer Depression nicht durch Antidepressiva behandelt.

Ich möchte hier nur mal einige Ursachen nennen, die zum klinischen Bild einer Depression führen können:

  • Nährstoffmangel (Folsäure, Vitamin B6, Vitamin B12)
  • Schilddrüsenunterfunktion (häufig!)
  • Nahrungsmittelallergien, die Entzündungen im Gehirn hervorrufen (Gluten)
  • Quecksilbervergiftung
  • Infektionen
  • Blutzuckerschwankungen
  • Testosteronmangel
  • Omega-3 Fettsäuren Mangel
  • Nebennierenermüdung (Adrenal Fatigue)

Sie sehen also, die Diagnose Depression sagt zunächst einmal überhaupt nichts aus. Und Ihnen ist sicherlich auch klar, dass bei diesen Ursachen die Behandlung mit einem Antidepressivum der total falsche Weg ist. Leider ist es ein Weg, der von zu vielen Ärzten beschritten wird.

Eine Ursache, viele Erkrankungen

Auf der anderen Seite haben wir nun das Problem, dass eine einzige Ursache einen ganzen Haufen Erkrankungen hervorrufen kann.

Ein super gutes Beispiel hierfür ist die Glutenunverträglichkeit (und ich spreche noch nicht einmal von Zöliakie). Wenn Sie nicht extra Anstrengungen unternehmen, sondern sich ganz „normal“ ernähren, dann kommen Sie an Gluten nicht vorbei. Für die, die es noch nicht wissen, Gluten ist ein Protein, das in Getreide vorkommt. Es handelt sich um eine große Familie von Eiweißen mit mehr als 400 Mitgliedern. Normalerweise werden nur die Getreidesorten als glutenhaltig bezeichnet, die eine spezielle Unterform von Gluten – das α-Gliadin – beinhalten. Tatsache ist jedoch, es gibt keine glutenfreien Getreide, und auch andere Glutenunterformen können bei entsprechend veranlagten Personen große Probleme hervorrufen.

Gluten ist nun so ein Faktor, der bei sensitiven Menschen eine Vielzahl an Erkrankungen hervorrufen kann, die nicht einmal etwas mit dem Verdauungstrakt zu tun haben müssen. Wenn Ihr Arzt Ihnen also erzählt, dass Gluten für Sie kein Thema ist, weil Sie ja keine Zöliakie (oder auch nur Verdauungsprobleme) haben, so ist das einfach falsch. Vielleicht manifestiert sich Ihre Glutensensitivität als Migräne, als Gangstörung (Gluten Ataxie) oder als Autoimmunerkrankung wie Multiple Sklerose. Googeln Sie mal Gluten und Folgeerkrankungen – Sie werden erstaunt sein. Bisher ist man bei über 200 Erkrankungen – und die Liste wächst.

Es gibt dafür viele Gründe. Einer davon ist, dass wir genetisch nicht dafür ausgelegt sind Grassamen und hier vor allem Gluten zu essen. Jesus hat keinen Weizen gegessen. Bis zum 11. Jahrhundert wurde als Getreide vor allem Einkorn, Emmer und Gerste konsumiert. Danach mit Einführung des Weißbrotes auch Weizen. Das sind also gerade mal 1000 Jahre. Hinzu kommt, dass der heutige Weizen durch entsprechende Hybridisierung einen wesentlich höheren Glutenanteil hat als noch vor 50 Jahren. Kein guter Zustand für unseren Darm.

30 – 40 Prozent der Bevölkerung tragen die genetische Veranlagung für eine Zöliakie (die Gene HLA DQ2 und/oder HLA DQ8) (1). Sicher, es entwickelt sich nur bei einer geringen Zahl dieser Genträger eine Zöliakie, aber die anderen sind auf jeden Fall anfälliger für Erkrankungen, die mit Gluten in Zusammenhang stehen.

Zu den Erkrankungen, die durch den Konsum von Gluten hervorgerufen werden, gehören sehr viele neurologische Krankheitsbilder inklusive Ansgststörungen, Depression, Schizophrenie, Demenz, Migräne, Epilepsie und Neuropathien (2). Hand aufs Herz, hat Ihnen Ihr Arzt mal erzählt, dass Ihre Migräne durch Gluten hervorgerufen werden könnte? Meine Ärzte haben das mit keinem Wort erwähnt, was der Grund dafür ist, dass ich fast 40 Jahre lang einen Haufen Schmerztabletten geschluckt habe.

Aber Gluten sorgt nicht nur für eine Entzündungsreaktion im Gehirn, sondern es kann im Darm auch in kleinere Eiweißteile gespalten werden, die so ähnlich wirken wie psychedelische Drogen (daher das Suchtpotential). Es handelt sich dabei um Opium-ähnliche Peptide, sogenannte Gluteomorphine. Diese führen zu Änderungen der Hirnfunktion und des Verhaltens.

Und das ist noch nicht alles. Gluten enthält auch sehr viel Glutamat. Das ist doch die Substanz, die für das China-Restaurant Syndrom verantwortlich gemacht wird. Nun, Glutamat hat auf jeden Fall starke Auswirkungen auf das Gehirn. Es aktiviert, beschleunigt, reizt und schädigt Hirnzellen durch einen speziellen Rezeptor (den sogenannten NMDA Rezeptor). Eine überschießende Aktivierung dieses Rezeptors durch Glutamat wird für viele psychiatrische Erkrankungen verantwortlich gemacht.

Wer jetzt glaubt, dass Antidepressiva, Beruhigungsmittel oder Schmerzmittel eingesetzt werden sollten, um eine Erkrankung zu behandeln, die auf eine Überempfindlichkeit gegen Gluten zurückzuführen ist, der ist doch ganz offensichtlich auf dem Holzweg und kann nur scheitern. Und – Überraschung – genau das passiert bei vielen Therapien der Schulmedizin.

Wir brauchen keine Diagnosen, wir müssen die Ursachen ergründen

Tja, eine Krankheit, die viele Ursachen haben kann, eine Ursache, die viele Krankheiten auslösen kann. Wenn das so ist, dann spielt die Diagnose doch eine eher untergeordnete Rolle. Und genau diesen Ansatz sollten wir verfolgen!

Wir dürfen eins nicht vergessen. Menschen kommen nicht vom Fließband und haben 100-prozentig die gleiche Anatomie und Physiologie. Jeder von uns ist ein Unikum (selbst Eineiige Zwillinge sind nicht  zu 100 Prozent gleich). Und das bedeutet, dass wir auf schädliche Einflüsse auch unterschiedlich reagieren.

Bei dem Einen löst der Konsum von Gluten eine Depression aus, der Nächste bekommt Gelenkschmerzen. Die Depression wiederum kann bei einer Person durch Gluten verursacht werden, und bei einer anderen durch einen Vitamin B12 Mangel.

Wir dürfen uns nicht an einem Begriff (der Diagnose) festhalten und alle über einen Kamm scheren. Stattdessen müssen wir sehr viel weiter über den Tellerrand hinausschauen und alle diese Faktoren berücksichtigen. Das ist der Ansatz der funktionellen Medizin. Wir dürfen uns nicht damit zufrieden geben, dem Kind einen Namen zu geben und nach festgelegten Leitlinien zu behandeln. Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte – und die sollten wir doch bitte berücksichtigen.

 

(1) https://www.aerzteblatt.de/archiv/150736/Diagnostik-und-Therapie-der-Zoeliakie

(2) Celiac Sprue  https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMra010852

Können Statine eine ALS auslösen?

Können Statine eine ALS auslösen? weiterlesen

Warum Sie die erste Zigarette einfach nicht rauchen sollten

Inzwischen ist eigentlich jedem klar, dass Rauchen nicht gesund ist und unter anderem Herzinfarkte, Schlaganfälle und auch Krebs verursacht.  Sieben Millionen Menschen sterben weltweit jährlich an den Folgen des Tabakkonsums (1). Dazu kommen noch Milliardenbeträge, die für chronische Erkrankungen bezahlt werden, die direkt mit dem Zigarettenkonsum in Zusammenhang stehen.

Wie aber sieht es mit denjenigen Menschen aus, die nur ab und zu zur Zigarette greifen? Befinden sie sich auf der sicheren Seite? Gibt es die beim Rauchen überhaupt? Warum Sie die erste Zigarette einfach nicht rauchen sollten weiterlesen

Sinn und Unsinn von Nahrungsergänzungsmitteln

Immer mehr Menschen wollen ihrer Gesundheit etwas gutes tun und greifen deshalb zu Nahrungsergänzungsmitteln. Sollten wir nicht eigentlich alle Nährstoffe, die wir brauchen, einfach aus unserer Nahrung bekommen? Reicht es nicht aus, wenn die Ernährung aus richtigen Nahrungsmitteln besteht (also nicht industriell verarbeitet) und viele Ballaststoffe und wenig Zucker enthält?

Reichen die in der Nahrung enthaltenen Nährstoffe nicht aus?

Natürlich sollten wir darauf achten, möglichst viele frische Lebensmittel in ausreichender Auswahl zu uns zu nehmen. Wenn Sie immer nur drei Sorten Obst und vier Sorten Gemüse essen, können Sie nicht davon ausgehen, dass diese alle Nährstoffe enthalten, die Sie benötigen.

Ein weiterer Punkt ist aber, dass unser Obst- und Gemüse bei weitem nicht mehr die Nährstoffdichte hat, die es noch vor 50 Jahren besaß. Grund dafür ist unsere moderne Landwirtschaft mit einem hohen Einsatz chemischer „Hilfsmittel“, sei es Dünger, Pestizide oder Herbizide. Hinzu kommen längere Transportzeiten und die Tatsache, dass Obst und Gemüse häufig unreif geerntet werden, damit sie sich länger halten.

Wie dramatisch dieser Nährstoffverlust tatsäclich ist, zeigen Studien aus den Jahren 1985, 1996 und 2002:

Mineralien und Vitamine in mg je 100g Lebensmittel untersuchte Inhaltsstoffe Ergebnis 1985 Ergebnis 1996 Ergebnis 2002 Verlust 1985-1996 Verlust 1985-2002
Brokkolie Calzium
Folsäure
Magnesium
103
47
24
33
23
18
28
18
11
-68 %
-52 %
-25 %
-73 %
-62 %
-55 %
Bohnen Calzium
Folsäure
Magnesium
Vitamin B6
56
39
26
140
34
34
22
55
22
30
18
32
-38 %
-12 %
-15 %
-61 %
-51 %
-23 %
-31 %
-77 %
Kartoffeln Calzium
Magnesium
14
27
4
18
3
14
-70 %
-33 %
-78 %
-48 %
Möhren Calzium
Magnesium
37
21
31
9
28
6
-17 %
-57 %
-24 %
-75 %
Spinat Magnesium
Vitamin C
62
51
19
21
15
18
-68 %
-58 %
-76 %
-65 %
Apfel Vitamin C 5 1 2 -80 % -60 %
Banane Calzium
Folsäure
Magnesium
Vitamin B6
Kalium
8
23
31
330
420
7
3
27
22
327
7
5
24
18
-*
-12 %
-84 %
-13 %
-92 %
-24 %
-12 %
-79 %
-23 %
-95 %
Erdbeeren Calzium
Vitamin C
21
60
18
13
12
8
-14 %
-67 %
-43 %
-87 %

Quellen: 1985 Pharmakonzern Geigy (Schweiz), 1996/2002 Lebensmittellabor Karlsruhe/Sanatorium Oberthal
*nicht untersucht

Dies ist auch der Grund dafür, dass die empfohlenen fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag bei weitem nicht ausreichend sind (1).

Auf der anderen Seite sind Nahrungsergänzungsmittel keine „Wunderpillen“. Sie können aber schon in der Nahrung fehlende Vitamine, Mineralstoffe und Antioxidantien ersetzen. Sie sollten allerdings nur als Ergänzung zu einer gesunden Ernährung eingenommen werden.

Nahrungsergänzungsmittel, die jeder nehmen sollte

Diese grundlegenden NEMs bieten die Basis für Nährstoffe, die Sie aus der Nahrung wahrscheinlich nicht in ausreichender Menge bekommen. Durch sie können Sie Ihren Ernährungszustand optimieren, Entzündungen reduzieren und sich generell gesund halten.

1. Ein Vollspektrum Multivitamin/Mineralstoffpräparat

Ein qualitativ hochwertiges Präparat enthält optimale Nährstoffe in der Form, die der Körper am besten aufnehmen kann, und in einem korrekten Verhältnis. Normalerweise sind die Vitamine A, C, D, E , K und alle B Vitamine enthalten. Außerdem die Mineralstoffe Calcium, Eisen, Phosphor, Jodid, Magnesium, Zink, Selen, Kupfer, Mangan, Chrom, Molybdän und Kalium. Sehr gute Multis können zudem Stoffe wie Alpha Liponsäure, Traubenkernextrakt, Gingko biloba und N-acetyl-L–Cystein enthalten. Studien zeigen, dass diese Präparate mit zur Vorbeugung von Krebs (2) und Osteoporose (3) beitragen können.

Und bitte greifen Sie jetzt nicht zur billigsten Tablette, die Sie in Ihrem Discounter finden. Wichtig ist, dass hochwertige Inhaltsstoffe enthalten sind, mit denen Ihr Körper auch wirklich etwas anfangen kann, und möglichst auf Füll – und Farbstoffe sowie auch Zucker verzichtet wird. Ein Präparat, das Ihnen eine ausreichende Versorgung mit einer Tablette pro Tag verspricht, ist auch eher zweifelhaft.

 

2. Fischöl

Inzwischen wissen wir, dass Entzündungen bei fast allen Erkrankungen eine Rolle spielen – inklusive Adipositas (4).  Essentielle Fettsäuren (FS) sind deshalb „essentiell“, weil unser Körper sie nicht selbst herstellen kann. Es gibt zwei Kategorien von essentiellen FS: Omega-3 FS und Omega-6 FS.  Omega-3 FS wirken vor allem entzündungshemmend während Omega-6 FS in der Regel proinflammatorisch wirken (mit ein paar Ausnahmen). Unsere Vorfahren haben zu ihrer Zeit als Jäger und Sammler ungefähr gleiche Mengen von Omega-3 und Omega-6 FS gegessen. Heute beträgt die Relation zwischen Omega-3 und Omega-6 FS eher  1:25 (5).

Fisch aus Wildfang ist eine gute Quelle für diese essentiellen FS. Leider essen die meisten Menschen nicht regelmäßig Fisch, und selbst wenn profitieren sie meistens durch zusätzliche Einnahme eines guten Fischöls. Die im Fischöl enthaltenen FS Eicosapentaen-säute (EPA) und Docosahesaensäure (DHA) haben unter anderem positive Auswirkungen auf das Gehirn (6), das Herz (7) und die Gelenke  (8).

Bei Fischölen kommt es besonders auf die Qualität an, denn sie können sehr schnell ranzig werden (9). Dieses Problem können Sie umgehen, indem Sie frischen Fisch essen. Sie sollten dabei unbedingt kleine Fische, die am unteren Ende der Nahrungskette angesiedelt sind essen (Anchovis, Sardinen, Wildlachs), da sie weniger mit Quecksilber belastet sind.

 

3. Vitamin D

Der Großteil der deutschen Bevölkerung hat einen Vitamin D Mangel (je nach Gruppe 50 – 80 Prozent) (10). Ob Sie zu dieser Gruppe gehören, können Sie durch einen Bluttest leicht feststellen lassen. Stellt sich heraus, dass Ihr Vitamin D Level zu gering ist, so sollten Sie entweder mehr in die Sonne gehen oder ein Vitamin D Supplement einnehmen. Zu Beginn der Therapie eines Vitamin D Mangels werden Dosierungen von 10.000 IU empfohlen (11).  Befinden Sie sich wieder im normalen Bereich, können Sie die Einnahme auf 2500 – 5000 IU pro Tag reduzieren. Es empfiehlt sich, den Vitamin D Spiegel ein- bis zweimal pro Jahr kontrollieren zu lassen.

 

4. Probiotika

Wenn man sich umhört, dann stellt man fest, dass sehr viele Menschen  Probleme mit dem Darm haben. Seit einiger Zeit weiß man, dass die allgemeine Gesundheit sehr von einem gesunden Darm abhängig ist (Stichwort: Darmmikrobiom). Danach hat ein gesunder Darm unter anderem Auswirkungen auf die Hirnfunktion, Verdauung, Vitamin- und Mineralstoffaufnahme und Immunfunktion  (12).

Es gibt einige Faktoren, die dazu führen können, dass Ihre Darmflora nicht mehr in der optimalen Zusammensetzung  vorliegt. Antibiotikaeinnahme und Stress sind hier nur zwei Beispiele. Da sich bei Stress eigentlich niemand ausnehmen kann, rate ich eigentlich immer zur Einnahme eines Probiotikums.

Wichtig ist, dass Sie ein Probiotikum einnehmen, dass eine Reihe verschiedener Bakterienstämme beinhaltet. Sie müssen bedenken, dass Sie hunderte Bakterienstämme in Ihrem Darm haben. Die wollen Sie nicht durcheinanderbringen, indem Sie eine hohe Konzentration nur eines oder zweier Stämme einnehmen.

Sollten Sie zu den Menschen gehören, die gerne fermentierte Lebensmittel essen, dann können Sie sich das Probiotikum allerdings sparen. Nichts ist besser geeignet als fermentierte Lebensmittel, um ein gesundes Darmmikrobiom aufzubauen. Achten Sie nur darauf, viele verschiedene Fermente zu essen, damit Sie unterschiedliche Bakterien aufnehmen. Und wichtig: Wenn Sie fermentierte Lebensmittel im Supermarkt kaufen, dürfen sie keinen Essig enthalten (dann sind sie nicht fermentiert) und nicht pasteurisiert sein (dann sind die Bakterien tot).

 

5. Magnesium

Über 300 enzymatische Reaktionen in unserem Körper benötigen Magnesium. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der deutschen Bevölkerung leidet unter einem Magnesiummangel – und der macht sich nicht nur durch Muskelkrämpfe bemerkbar. Er kann auch zu Erkrankungen wie Bluthochdruck , Schlaganfall, Diabetes, Migräne und Osteoporose führen.

In der Regel wird der Magnesiumgehalt im Serum bestimmt. Dies ist aber wenig hilfreich, weil sich der Großteil des Magnesiums innerhalb der Zellen befindet. Eine auftretende Magnesium Mangelversorgung wird zunächst vom Körper durch eine Aktivierung von Magnesium aus anderen Körperkompar-timenten (vor allem Knochen) ausgeglichen. Ein Schwund des Gesamt-Magnesiumbestandes des Körpers macht sich deshalb nicht unmittelbar in einer verminderten Konzentration des Serum-magnesiums bemerkbar.  Will heißen, wenn Ihr  Magnesium im Serum zu niedrig ist, dann haben Sie einen ganz ordentlichen Mangel.

Multivitaminpräparate beinahlten zwar auch immer Magnesium, die Menge ist aber wahrscheinlich nicht ausreichend, weshalb man extra supplementieren sollte. Ich empfehle hierfür Magnesiumglycinat.

 

Nahrungsergänzungsmittel, die bei bestimmten Symptomen Abhilfe schaffen

Es gibt einige Zustände, bei denen über die Basissupplementierung hinaus Nahrungsergänzungsmittel einen Vorteil bringen können. Bei entsprechenden Symptomen sollten Sie mit Ihrem Arzt abklären, ob die Einnahme dieser Präparate für Sie in Frage kommen könnte.

Verdauungsenzyme

Leiden Sie nach dem Essen an Völlegefühl, Blähungen und Verdauungsproblemen, so können diese Symptome ein Hinweis darauf sein, dass Ihr Verdauungstrakt nicht in der Lage ist, Ihre Nahrung in ihre Bestandteile zu zerlegen. In diesem Fall kann die Einnahme von Verdauungsenzymen unter Umständen Abhilfe schaffen. Studien zeigen, dass der Einsatz von Verdauungsenzymen bei Verdauungs- und Absorptionsstörungen helfen kann (13).

Sie können aber auch versuchen, Ihre körpereigene Enzymproduktion anzukurbeln, indem  Sie Nahrungsmittel, die Sie nicht vertragen, nicht mehr essen und indem Sie Ihre Nahrung richtig kauen und langsam essen.

L-Glutamin

Bekannt ist die heilende Wirkung von L-Glutamin bei einem Leaky Gut. Diese semiessentielle Aminosäure kann für Patienten mit einem geschwächten Immunsystem Vorteile haben, denn sie stärkt die Immunabwehr (14). Bei einer Verletzung oder bei größeren Operationen kann L-Glutamin womöglich die Heilung  beschleunigen (15).  Eventuell kann L-Glutamin auch die Erholungszeit von Athleten günstig beeinflussen.

Coenzyme Q10 (CoQ10)

Coenzym Q10 wird vor allem vom Herzmuskel benötigt. Es sollte inzwischen eigentlich bei allen Ärzten bekannt sein, dass Statine (Medikamente zur Senkung erhöhter Cholesterinwerte) in die Produktion der Mevalonsäre eingreifen, die ein Vorläufer von CoQ10 ist und so einen CoQ10 Mangel verursachen. Deshalb ist es extrem wichtig, dass Menschen, die Statine einnehmen, CoQ10 supplementieren (16).

Da auch unsere Energieproduzenten – die Mitochondrien – CoQ10 benötigen, könnte es auch für Menschen, die unter chronischer Erschöpfung leiden, von Nutzen sein, ebenso wie für Sportler, die hart trainieren (17).

 

Kurkuma

Kurkuma  ist die Hauptsubstanz in Gelbwurz. Es hat eine starke antientzündliche und antikanzerogene ((gegen Krebs gerichtete) Wirkung (18).  Kurkuma ist bei vielen chronischen Erkrankungen von Nutzen, so bei Erkrankungen des Gehirns, des Herz-Kreislaufsystems, der Lunge sowie bei Stoffwechsel- und Autoimmunerkrankungen (19).

Nahrungsergänzungsmittel, die Sie besser nicht kaufen sollten

In diese Gruppe gehören Dinge wie Multivitamintabletten, die Süß- und Farbstoffe enthalten. Es gehören hierhin auch die diversen Nahrungsergänzungsmittel, die Ihnen eine schnelle Gewichtsabnahme (natürlich ohne Ernährungsumstellung) versprechen. Und auch die Pille für den Muskelaufbau würde ich in diese Kategorie packen.

Machen Sie auch einen großen Bogen um die billigen Nahrungsergänzungsmittel, die Sie im Supermarkt finden. Ein Blick auf die Zutatenliste zeigt meistens, dass sie eine Menge Müll enthalten.

Machen Sie sich schlau, bevor Sie etwas kaufen. Und lesen Sie die Zutatenliste sehr aufmerksam. Ihre Supplemente sollten weder Maltodextrin, noch Magnesiumstearat oder Titandioxid enthalten. Und überlegen Sie, was Sie tatsächlich brauchen, und was Sie über Ihre Nahrung abdecken können. Wahrscheinlich brauchen Sie nicht tonnenweise Nahrungsergänzungsmittel, sondern nur einige wenige – und diese dann aber in wirklich hochwertiger Qualität.

(1)http://www.imperial.ac.uk/news/177778/eating-more-fruits-vegetables-prevent-millions/

(2) Multivitamin/mineral supplements and prevention of chronic disease.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17764205

(3) Addressing nutritional gaps with multivitamin and mineral supplements.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4109789/

(4) Inflammatory links between obesity and metabolic disease  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3104776/

(5) Unsaturated fatty acids omega-3. I. Structure, sources, determination, metabolism in the organism.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9562807

(6) Omega-3 and Omega-6 Polyunsaturated Fatty Acid Levels and Correlations with Symptoms in Children with Attention Deficit Hyperactivity Disorder, Autistic Spectrum Disorder and Typically Developing Controls.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27232999

(7) Fatty acid facts, Part III: Cardiovascular disease, or, a fish diet is not fishy   https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19221636

(8)Omega-3 fatty acids and inflammatory processes: from molecules to man.   https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28900017

(9) Fishing for answers: is oxidation of fish oil supplements a problem?  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4681158/

(10) https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GesundAZ/Content/V/Vitamine/Inhalt/vitamind3_inhalt.html

(11) Effect of high dose vitamin D3 therapy on serum vitamin D3 levels in vitamin D insufficient adults with cystic fibrosis.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29460819

(12) Involvement of gut microbiome in human health and disease: brief overview, knowledge gaps and research opportunities.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29416567

(13) The role of enzyme supplementation in digestive disorders.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19152478

(14) Why is L-glutamine metabolism important to cells of the immune system in health, postinjury, surgery or infection?  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11533304

(15) Amino acid composition in parenteral nutrition: what is the evidence?  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3071792/

(16) Coenzyme Q10 and Statin-Induced Mitochondrial Dysfunction  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3096178/

(17) Coenzyme Q10: The essential nutrient  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3178961/

(18) Anti-inflammatory properties of curcumin, a major constituent of Curcuma longa: a review of preclinical and clinical research.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19594223

(19) Potential Therapeutic Effects of Curcumin, the Anti-inflammatory Agent, Against Neurodegenerative, Cardiovascular, Pulmonary, Metabolic, Autoimmune and Neoplastic Diseases  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2637808/

Wie Protonenpumpen-inhibitoren Ihre Gesundheit ruinieren können

Es vergeht leider kein Tag im OP, ohne dass ich nicht mindestens einen Patienten treffe, der schon seit ewigen Zeiten Medikamente gegen Sodbrennen und Reflux einnimmt. Meistens handelt es sich dabei um einen sogenannte Protonenpumpeninhibitoren – abgekürzt PPIs. Wenn Sie sich jetzt fragen, welche das sind, es handelt sich um Medikamente wie Omeprazol, Pantoprazol und Nexium.

Diese Medikamente sind absolut nicht dafür gedacht, über längere Zeit eingenommen zu werden. Im Gegenteil. Bei ihrer Einführung wurde darauf hingewiesen, dass sie nur für maximal 6 Wochen und auch nur bei Vorliegen eines Magengeschwürs oder von Patienten mit einem Zollinger-Ellison Syndrom (ein Gastrin produzierender Tumor im Magen) genommen werden sollten. Und heute? Jeder, der unter Sodbrennen leidet – ganz egal welche Ursache dahinter steckt (und es ist häufig nicht ein Exzess an Magensäure) – schluckt die Tabletten als wenn sie Bonbons wären

Und das ist wirklich keine gute Idee! Wie Protonenpumpen-inhibitoren Ihre Gesundheit ruinieren können weiterlesen