Wie Bauchfett Ihr Krebsrisiko erhöht

Bauchfett und KrebsMan weiß schon seit längerer Zeit, dass Fettleibigkeit das Krebsrisiko erhöht, bisher war aber nicht bekannt, welche Faktoren ursächlich für diesen Zusammenhang sind.
Im August erschien jetzt eine Studie der Michigan State University in der Zeitschrift Oncogene, die aufzeigt, dass ein Protein, das aus dem Fettgewebe freigesetzt wird, die Ursache dafür ist, dass sich aus einer normalen Zelle eine Krebszelle entwickelt. Die Untersuchung fand auch Hinweise darauf, dass tiefere Schichten von abdominellem Fett (Bauchfett) eher als Verursacher dieser Umwandlung gesehen werden müssen als Fettgewebe, das sich unter der Haut befindet (subkutanes Fett).
Jamie Bernard, Dozentin für Pharmakologie und Toxikologie und Hauptautor der Studie erklärt hierzu: „Obwohl es einige Fortschritte in der Behandlung von Krebserkrankungen gegeben hat, die zu einer Verbesserung der Lebensqualität geführt haben, steigt die Zahl der Neuerkrankungen ständig. Es ist wichtig, dass wir die Ursachen verstehen, damit wir durch Ernährungsumstellungen oder therapeutische Interventionen die Anzahl von Krebsfällen reduzieren können.“

Fett ist nicht gleich Fett

Amerika ist uns bei der Anzahl der Fettleibigen (BMI > 30) noch etwas voraus. Dort ist jeder Dritte adipös, während bei uns jeder Vierte betroffen ist. Adipositas wird mit verschiedenen Krebserkrankungen in Zusammenhang gebracht, unter anderem Brust-, Darm-, Prostata-, Gebärmutter- und Nierenkrebs. Bernard führt jedoch an, dass einfach die Tatsache, dass jemand übergewichtig ist, nichts über sein Risiko an Krebs zu erkranken aussagt.
„Unsere Studie spricht dafür, dass der BMI nicht der beste Indikator ist. Besser eignet sich das Bauchfett und hier ganz spezifisch die Konzentration eines Proteins namens Fibroblast Growth Factor -2 (Fibroblasten-Wachstumsfaktor), die ein wesentlich besserer Indikator für das Risiko einer Zelle zu entarten darstellt.

 

Beim Bauchfett gibt es zwei unterschiedliche Schichten. Zum einen die obere Schicht, die als Subkutanfett bezeichnet wird, und die direkt unter der Haut liegt, zum anderen die Schicht, die unter dem Subkutanfett liegt, das sogenannte viszerale Fett. Dieses wurde in der Studie als der gefährliche Anteil identifiziert.

Das Studiendesign

Es handelt sich um eine Tierversuchsstudie, in der Mäusen eine fettreiche Diät gefüttert wurde. Dann wurde untersucht, wie sich die beiden unterschiedlichen Fettschichten verhalten. Es zeigte sich, dass das viszerale Fett deutlich größere Mengen an Fibroblast Growth Factor-2 (FGF2) produzierte als das subkutane Fett. Außerdem fanden die Untersucher heraus, dass das FGF2 bestimmte Zellen stimulierte, die sich bereits als anfällig für das Protein gezeigt hatten. Diese Zellen entwickelten sich zu Tumorzellen.

Es wurde auch viszerales Fettgewebe von Frauen untersucht, bei denen eine Gebärmutterentfernung vorgenommen wurde. Dabei fand man heraus, dass diese Fettzelllen – wenn sie eine hohe Sekretionsrate von FGF2 aufwiesen – eher zur Krebsentstehung beitrugen, wenn sie Mäusen transplantiert wurden.

Die Untersucher gehen davon aus, dass dieses Ergebnis zeigt, dass Fettzellen sowohl von Menschen als auch von Mäusen dazu führen können, dass eine normale Zelle sich in eine Krebszelle verwandelt.

Bernard erklärte außerdem, dass es noch einige andere Faktoren gibt, die aus dem Fettgewebe freigesetzt werden und das Krebsrisiko erhöhen können – wie zum Beispiel das Hormon Östrogen. Allerdings konnten bisher viele der durchgeführten Studien nur einen Zusammenhang, aber keine Ursächlichkeit aufzeigen. Bei einigen Krebsarten spielen zudem genetische Ursachen eine Rolle.

Sicherlich treffen manchmal auch ungünstige Zufälle aufeinander, aber insgesamt ist Bernard überzeugt, dass „die Leute die Chancen zu ihrem Vorteil verschieben können, wenn sie bessere Entscheidungen in Bezug auf ihre Ernährung und sportliche Betätigung treffen und auf schädliche Gewohnheiten wie Rauchen verzichten.

Bernard und ihr Team suchen nun nach neuen anti-Krebs Substanzen, die die Effekte von FGF2 unterbinden. Meiner Meinung nach ist das ein deutlich besserer Ansatz als der Versuch, durch Genmanipulationen Krebs zu heilen.

 

(1) Fibroblast growth factor receptor is a mechanistic link between visceral adiposity and cancer. http://www.nature.com/onc/journal/vaop/ncurrent/full/onc2017278a.html?foxtrotcallback=true

Ingwer zur Migränetherapie genauso wirksam wie ein Triptan

 

Ingwer bei MigräneUnd wieder ein Schlag ins Kontor der Pharmaindustrie. Da hat man nun schon diese teuren Migränemedikamente entwickelt, die pro Dosis bis zu 10 Euro kosten, und dann wir in einer Studie belegt, dass Ingwer (4,95 Euro/kg) genauso gut wirkt wie Triptane .

Einige Fakten zur Migräne

Zwei von drei Erwachsenen in Deutschland (etwa 66 Millionen) leiden zumindest zeitweilig unter Kopfschmerzen. Das sind rund 47 Millionen Menschen. Von diesen wiederum sind fast 18 Millionen von Migräne betroffen, weitere 25 Millionen von Kopfschmerzen des Spannungstyps, der Rest mit knapp vier Millionen leidet unter anderen Formen wie beispielsweise dem Cluster-Kopfschmerz und vielen weiteren Formen (1).

Zum Cluster Kopfschmerz kann ich (zum Glück) keine eigenen Erfahrungen beitragen – zur Migräne und zum Spannungskopfschmerz schon. Für jemanden, der nie unter Migräne gelitten hat, ist es schwer verständlich, warum Kopfschmerzen zu einem totalen Zusammenbruch führen können.

Der Migräne Kopfschmerz wird durch eine Erweiterung der Hirngefäße hervorgerufen und besteht in einem pochenden, scharfen Schmerz. Ich habe meine Migräne immer so erklärt:

„Stellen Sie sich vor, jemand hat Ihnen ein Schwert durch das Auge in den Schädel gerammt und dreht es mit jedem Pulsschlag einmal um.“

Das gibt einen ungefähren Eindruck davon, welche Stärke eine Migräne entwickeln kann. Die Schmerzen sind dann häufig mit weiteren Symptomen gepaart wie Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheu, erhöhter Empfindlichkeit für Geräusche und Gerüche.

Was hat die Schulmedizin in diesem Fall anzubieten? Eine Menge Medikamente – sowohl verschreibungspflichtig als auch rezeptfrei.

Mit Triptanen kam eine Substanzklasse auf den Markt, die bei Einführung total gefeiert wurde. Endlich gab es Mittel, die den Migräneanfall (meistens?, häufig?) aufhalten konnten. Und die Pharmaindustrie ließ sich das richtig gut bezahlen.

Triptane können während der Migräneattacke die erhöhte Nervenaktivität in verschiedenen Gehirnzentren normalisieren und erweiterte Kurzschlüsse zwischen den Arterien und Venen des Gehirns (Anastomosen) wieder verengen. Außerdem blockieren sie die Freisetzung von Nervenbotenstoffen (Neuropeptiden und Neurotransmittern), die eine lokale neurogene Entzündung an den Blutgefäßen des Gehirns auslösen können

Als Goldstandard gilt immer noch Sumatriptan, das 1993 als erstes Triptan auf den Markt gebracht wurde. Diese Substanz bewirkt bei vielen Patienten eine sofortige Schmerzabnahme. Allerdings berichten etwa 40 Prozent der Betroffenen, dass die Migräne innerhalb von 24 Stunden wieder auftritt, sodass eine zweite (oder dritte, oder vierte) Dosis genommen werden muss.

Zu den weniger gravierenden Nebenwirkungen zählen: Übelkeit, Schwindel, Schläfrigkeit und Muskelschwäche/-schmerzen. Sie weisen aber auch einige schwerwiegende Nebenwirkungen auf wie unter anderem: Spasmen der Herzkranzgefäße (mit vermindertem Blutfluss zum Herzen), Herzinfarkte, Schlaganfälle, Herzrhythmusstörungen und epileptische Anfälle.

Das klingt ja nicht so gut, aber im Migräneanfall denkt man da nicht weiter drüber nach.

Sollte man aber, denn es gibt zahlreiche alternative Methoden, die teilweise sogar wirksamer sind als die medikamentöse Therapie. Eine neuere Studie hat Ingwerpulver direkt gegen Sumatriptan getestet (2). Das Ergebnis: Ingwer war genauso effektiv, aber ohne die gravierenden Nebenwirkungen.

Ingwer ist schon lange als Heilmittel bekannt

Als Heilpflanze blickt Ingwer auf eine lange Geschichte zurück. So wurde er bereits in altertümlichen chinesischen Schriften erwähnt. Später fand er sich auch in mittelalterlichen Kräuterbüchern. Er wurde vor allem für Erkrankungen des Magen-Darm Trakts eingesetzt, so zum Beispiel gegen Blähungen und Bauchkrämpfe.

Auch bei Schmerzen und Entzündungen fand Ingwer Verwendung. In vielen Studien wird aufgezeigt, dass er positive Auswirkungen auf chronische Rückenschmerzen, Gelenkentzündungen (Arthritis), schmerzhafte Regelblutungen und Muskelschmerzen hat. Zu den Inhaltsstoffen des Ingwers, die für diese Wirkungen verantwortlich sind, gehören unter anderem Gingerol und Shogaol.

Diese Substanzen entfalten Wirkungen, die für die Therapie von lebensbedrohlichen Erkrankungen genutz werden könnten – vor allem für die Krebstherapie. Wird Ingwer als Nutraceutical (medizinisch wirksames Lebensmittel) eingesetzt, so könnte er einen wirksamen Schutz gegen Diabetes, Herz- und Lebererkrankungen bieten (3).

Es gibt schon einige Studien, die eine positive Wirkung von Ingwer für die Migränetherapie nachweisen. Hierbei wurde allerdings meist eine Kombination von Ingwer mit Mutterkraut getestet (4).

Ingwer gegen Sumatriptan

2014 untersuchten Neurologen im Iran an 100 Probanden, die seit durchschnittlich sieben Jahren an Migräne litten, die Wirksamkeit von Ingwer und Sumatriptan.

Es handelte sich um eine doppel-blind, randomisierte Studie. Dies ist der Goldstandard. Weder der Patient noch der Untersucher weiß, ob der Patient in der Verum- (erhält die Wirksubstanz) oder der Placebogruppe ist. Die Patienten werden zufällig auf die beiden Gruppen aufgeteilt.

Jede Gruppe erhielt 5 gleich aussehende Kapseln mit der Testmedikation (entweder 250 mg Ingwerpulver oder 50 mg Sumatriptan). Die Probanden wurden aufgefordert, eine Kapsel zu nehmen, sobald sie bemerkten, dass ein Migräneanfall im Anzug war.

Die Probanden führten einen Monat lang Buch darüber, wann die Migräne begann, wie stark die Schmerzen waren, bevor sie eine Kapsel nahmen und wie weit die Schmerzen nach 30, 60, 90 und 120 Minuten sowie 24 Stunden später zurückgegangen waren.

Das Ergebnis zeigte, dass Ingwer genauso effektiv war wie Sumatriptan. Die Teilnehmer berichteten, dass die Schmerzen innerhalb von zwei Stunden nach der Einnahme um 90 Prozent geringer waren. In der Ingwergruppe traten bei 4 Prozent der Probanden geringe Nebenwirkungen in Form von Verdauungsbeschwerden auf, während in der Sumatriptangruppe 20 Prozent der Patienten über Schwindel, Schläfrigkeit und Sodbrennen berichteten.

Was bedeutet das für Sie?

Zunächst möchte ich vorausschicken, dass die Dosierung des Ingwerpulvers mit 250 mg eher im niedrigen Bereich lag. Viele klinische Studien benutzen Dosierungen von 1000 mg täglich. Ich würde schon deshalb eher zu einer höheren Dosierung raten, weil ich persönlich immer 100 mg Sumatriptan eingenommen habe.

Eine weitere Überlegung ist, ob eventuell der Einsatz von frischem Ingwer noch zu einer Wirkungsverbesserung führen könnte. Wir wissen bei vielen Pflanzenwirkstoffen, dass sie in frischer Form (also nicht getrocknet und gemahlen) eine deutlich bessere Wirkung zeigen. Die Äquivalenzdosis würde 10 g Ingwer betragen. Das ist wirklich nicht viel.

Ingwer ist sehr vielseitig verwendbar, so zum Beispiel als Tee, Ginger Ale, in Suppen und Dressings. Wenn Sie Ingwer kaufen, achten Sie darauf, dass er frisch aussieht und sich fest anfühlt. Die Schale sollte nicht trocken und runzelig sein. Am besten bewahren Sie frischen Ingwer im Kühlschrank auf. Und dann sind Ihrer Kreativität keine Grenzen gesetzt.

 

(1) http://www.schmerzklinik.de/service-fuer-patienten/migraene-wissen/wer-leidet/

(2) Comparison between the efficacy of ginger and sumatriptan in the ablative treatment of the common migraine. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23657930

(3) Gingerols and shogaols: Important nutraceutical principles from ginger.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26228533

(4) A double-blind placebo-controlled pilot study of sublingual feverfew and ginger (LipiGesic™ M) in the treatment of migraine. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21631494

Cannabis kehrt Alterungsprozesse im Gehirn um

 

Cannabis PflanzeEine Studie des Instituts für Molekulare Psychiatrie der Universität Bonn in Zusammenarbeit mit der Hebrew University (Israel) hat aufgezeigt, dass die Medikation mit niedrig dosiertem THC – eines der Wirkstoffe der Hanfpflanze (Cannabis) – die Funktion des Gehirns „verjüngen“ kann – jedenfalls im Tierexperiment (1). Sind diese Ergebnisse auf den Menschen übertragbar, so könnte diese Substanz eventuell altersbedingten Demenzen entgegenwirken.

Heilwirkung von Cannabis – keine neue Entdeckung

Schon im Jahr 2737 v. Chr. beschreibt der chinesische Kaiser Shen Nung Hanf als medizinisches Heilmittel (2). Die berühmte Naturforscherin und Heilerin, Hildegard von Bingen (1098-1179), gilt als Pionierin der Heilkunde in Verbindung mit Cannabis. In ihren Schriften lobt sie die Heilkraft der Hanfsamen bei Magenbeschwerden und befürwortet ein aus Hanf gefertigtes Tuch zur Wundbehandlung.

Hanf hat in seiner Geschichte eine Menge Höhen und Tiefen durchlebt. Im 20. Jahrhundert war über lange Strecken sowohl der Anbau als auch der Konsum von Cannabis (Marihuana) verboten. Doch seit Ende der 90-ger Jahre hat sich das Blatt gewendet, und die Forschung in Sachen Cannabis läuft auf Hochtouren.

Inzwischen weiß man, dass Cannabis eine Vielzahl an positiven Effekten für die Gesundheit aufweist. Diese Effekte werden vor allem durch den Inhaltsstoff Cannabidiol (CBD) hervorgerufen, aber wie in dieser Studie gezeigt wurde, hat auch Tetrahydrocannabinol (THC) nicht nur eine berauschende Wirkung.

Wie entfaltet Cannabis seine Wirkung?

Man muss wissen, dass unser Körper über eigene Endocannabinoide verfügt, zum Beispiel PEA – Palmitoylethanolamid. Das Endocannabinoidsystem hat eine Entzündungshemmende Wirkung. Damit sie ihre Wirkung entfalten können, besetzen die Endocannabinoide an der Zelloberfläche vorhandene Rezeptoren. Dieselben Rezeptoren können auch von CBD und THC besetzt werden. So sorgen sie dafür, dass Schmerzen gelindert, Muskelkrämpfe gelöst und zum Beispiel auch die bei Chemotherapie häufig auftretende Übelkeit vermindert wird. Aber sie können noch viel, viel mehr.

Cannabis als anti-aging Substanz

Wie beim Menschen kommt es auch bei Mäusen mit zunehmenden Alter zu einem kognitiven Abbau. Da aber im Gegensatz zum Menschen, Mäuse nur eine sehr begrenzte Lebenserwartung von ca. 2 Jahren haben, tritt bei ihnen dieses kognitive Defizit sehr schnell auf – nämlich schon im Alter von 12 Monaten.

Die Bonner Forscher gingen von der Hypothese aus, dass Cannabinoide eine Wirkung auf homöostatische Mechanismen entfalten, die das Fortschreiten der Alterung bestimmen – das heißt, dass sie einen anti-aging Effekt haben.

Diesen Effekt untersuchten sie, indem sie den Mäusen im Alter von zwei, zwölf oder 18 Monaten jeweils über einen Zeitraum von vier Wochen eine geringe Menge THC verabreichten, die keine berauschende Wirkung hatte.

 

Danach testeten sie das Lernvermögen und die Gedächtnisleistungen der Tiere – darunter zum Beispiel das Orientierungsvermögen und das Wiedererkennen von Artgenossen.

Die Mäuse der Kontrollgruppe, die nur ein Placebo verabreicht bekommen hatten, zeigten natürliche altersabhängige Lern- und Gedächtnisverluste. Die kognitiven Funktionen der mit Cannabis behandelten Tiere waren hingegen genauso gut wie die von zwei Monate alten Kontrolltieren.

„Die Behandlung kehrte den Leistungsverlust der alten Tiere wieder komplett um“,

Studienautor Prof. Dr. Andreas Zimmer.

 

Hirnalterung durch Mangel an Cannabinoid 1 Rezeptor (CB1)

Erklären lässt sich der Effekt über die Entdeckung der Forscher, dass das Gehirn viel schneller altert, wenn Mäuse keinen funktionsfähigen Rezeptor für das THC  (CB1) besitzen. Prof. Zimmer erklärt hierzu:

„Mit steigendem Alter verringert sich die Menge der im Gehirn natürlich gebildeten Cannabinoide. Wenn die Aktivität des Cannabinoid-Systems abnimmt, dann stellen wir ein rasches Altern des Gehirns fest.“

THC wirkt ähnlich wie die körpereigenen Cannabinoide, die wichtige Funktionen im Gehirn erfüllen. Sie docken an die Cannabinoid Rezeptoren an, die dann Signalketten auslösen. Dieses System ist auch der Grund für die berauschende Wirkung von THC in Cannabis-Produkten, wie Haschisch oder Marihuana.

THC setzt die molekulare Uhr zurück

Die Wissenschaftler untersuchten das Gehirngewebe und die Genaktivität der behandelten Tiere und machten eine erstaunliche Entdeckung. Die molekulare Struktur entsprach nicht mehr der von alten Tieren, sondern ähnelte vielmehr derjenigen von Jungtieren. Sogar die Zahl der Verknüpfungen der Nervenzellen im Gehirn nahm wieder zu. Eine ausreichende Menge an Verknüpfungen ist eine wichtige Voraussetzung für das Lernvermögen.

 „Es sah so aus, als hätte die THC-Behandlung die molekulare Uhr wieder zurückgesetzt.“

Und beim Menschen?

Zugegeben, das ist ein Lichtblick am Ende eines sehr dunklen Tunnels, denn bisher stehen wir – was eine Therapie angeht – der Demenz recht hilflos gegenüber. Zum jetzigen Zeitpunkt muss man eigentlich sagen, dass Vorbeugung deutlich effektiver ist als Heilung.

Nach diesem ersten sehr erfolgreichen Tierversuch müssen weitere Untersuchungen folgen, die zeigen müssen, ob das menschliche Gehirn genauso oder ähnlich auf zugeführtes THC reagiert.

Sollten sich die Effekte, die bei den Mäusen auftraten, allerdings bei Menschen wiederholen lassen, dann wäre das natürlich unglaublich. Und ein weiterer Skalp am Gürtel von Cannabis.

(1) Cannabis kehrt Alterungsprozess im Gerhirn um.  https://www.uni-bonn.de/neues/128-2017/

(2) http://www.hanfkultur.com/hanf-und-seine-lange-geschichte/

Neue Krebsmedikamente sind nicht wirklich effektiv

KrebsmedikamenteEs hat eine wahre Euphorie eingesetzt, was neue Krebsmedikamente betrifft. Die Presse ist voll von Meldungen über neue Therapien, die Krebspatienten Hoffnung auf Heilung geben. Für den einzelnen Betroffenen ist das natürlich ein Lichtblick, aber können die Medikamente tatsächlich halten, was die Pharmaindustrie uns verspricht?

Das Geschäft boomt. Die Preise für Krebsmedikamente sind stark gestiegen. Zur Zeit werden weltweit 100 Milliarden Dollar pro Jahr ausgegeben. Diese Kosten sollen bis zum Jahr 2020 auf 150 Milliarden Dollar steigen. Das ruft bei führenden Wissenschaftlern durchaus Kritik hervor. Die jährlichen Kosten für neue Medikamente liegen zur Zeit bei über 100.000 Dollar. In Amerika sind die Therapiekosten für eine Krebsbehandlung der führende Grund für Konkurse bei Privatleuten, da dort die Krankenversicherungen die Kosten nicht übernehmen und diese durch den Patienten abgedeckt werden müssen (1).

Einige Leute behaupten, dass diese hohen Preise angemessen sind. Schließlich müsse ja die Forschung und Entwicklung bezahlt werden. Es bleibt aber die Tatsache bestehen, dass bei einer Gegenüberstellung von Ausgaben und Einnahmen die Pharmakonzerne immer noch satte Gewinne einfahren.

Hohe Profite mögen ja auch irgendwie gerechtfertigt sein, wenn die neuen Krebsmedikamente den Patienten signifikante Vorteile bringen oder wenigstens signifikante Fortschritte gegenüber den alten Medikamenten aufweisen – zum Beispiel neue Funktionsweisen.

Sind teure, neue Krebsmedikamente wirklich besser?

Ein Kritiker der neuen Krebsmedikamente ist Dr. Vinay Prasad, Hämatologe und Onkologe an der Oregon Health & Science University (OHSU). Er bestätigt, dass viele neue, teure Krebsmedikamente teilweise nur sehr bescheidene Vorteile bieten und keine Beweise vorliegen, dass sie das Überleben oder die Lebensqualität verbessern.

So zeigt zum Beispiel eine Studie, die in JAMA Otolaryngology – Head and Neck Surgery veröffentlicht wurde, dass innerhalb von 12 Jahren – von 2002 bis 2014 – 72 neue Krebstherapien zugelassen wurden. Alle diese neuen Therapien führten dazu, dass die Lebenserwartung von Krebspatienten um 2,1 Monate anstieg (2). Das finde ich nicht besonders beeindruckend. Sie sicherlich auch nicht.

Tatsächlich hat die American Society of Clinical Oncology für neue Krebsmedikamente als Ziel ausgegeben, dass sie das Leben um 2,5 Monate verlängern müssen oder in dieser Zeit ein Tumorwachstum einschränken sollen (3). 2,5 Monate für Krebsmedikamente, die mit 100.000 Dollar zu Buche schlagen, klingt nach einem wirklich guten Deal für Pharmakonzerne.

Laut Dr. Prasad bieten 2/3 der Krebsmedikamente, die in den letzten zwei Jahren zugelassen wurden, überhaupt keine Überlebensvorteile.

Auch andere kritische Stimmen weisen auf diesen Missstand hin. Diana Zuckerman, Ph.D, Präsidentin des National Center for Health Research in Washington, D.C. veröffentlichte in JAMA Internal Medicine eine Studie, die belegt, dass 18 verschiedene zur Therapie zugelassene Krebsmedikamente, keine Lebensverlängerung erreichen konnten (4). Außerdem zeigte sich, dass nur ein Medikament die Lebensqualität der Patienten verbessern konnte, während zwei andere Medikamente sie sogar verschlechterten indem sie Nebenwirkungen verschlimmerten wie Durchfall, Müdigkeit, Schlafprobleme und Vergesslichkeit.

Übrigens zeigte die Studie auch, dass der Preis eines Medikaments nicht mit der Wirksamkeit zusammenhing. Viele der teuersten Medikationen waren auch die ineffektivsten.

In die Irre führende Werbung und gehypte Studienergebnisse erwecken unrealistische Hoffnungen

Manchen Therapien werden größere Effekte nachgesagt als sie tatsächlich liefern.

Nehmen wir das Beispiel Immuntherapie. Sie soll das Immunsystem des Patienten anregen, den Krebs zu bekämpfen, und wird als absoluter Durchbruch gefeiert. In Wirklichkeit profitieren aber nur 8 Prozent der Patienten von diesem Ansatz (5).

Zu bedenken ist auch, dass die Immuntherapie dazu führen kann, dass das Immunsystem verschiedene körpereigene Organe angreift und zerstört (6). Klingt für mich nicht wie eine „Wundertherapie“.

Ein weiterer neuer Ansatz ist die Präzisionsonkologie – oder auch personalisierte Onkologie. Sie beinhaltet einen genetischen Test und soll dafür sorgen, dass Krebsmedikamente speziell auf die genetischen Mutationen des jeweiligen Patienten zugeschnitten werden können. Klingt in der Theorie gut, funktioniert aber in der Praxis nicht.

In einem 2016 in Nature erschienenen Artikel erklärt Dr. Prasad, dass die personalisierte Onkologie zur Zeit bei etwa 1,5 Prozent der Krebspatienten einen Vorteil zeigt (7). Ein Problem dabei könnte sein, dass Krebs nicht auf einzelne Genmutationen zurückzuführen ist, die man schnell mal eben reparieren kann. Das ist die vereinfachte Erklärung, der alle hinterherjagen.

Tatsache aber ist, dass es eine ganz andere Erklärung für die Krebsentstehung gibt, die in einem veränderten Stoffwechsel der Krebszellen liegt (8). Dieses Phänomen wurde schon vor knapp 100 Jahren von Otto Warburg entdeckt und ist als Warburg Effekt bekannt. Es ist viel geschickter – und die sogenannte Alternativmedizin tut das auch – in diese Stoffwechselprozesse einzugreifen, um den Krebs zu zerstören, anstatt an Genen herumzuschrauben, die in ihrem Zusammenspiel von uns überhaupt nicht verstanden werden.

In diesem Zusammenhang kann ich Ihnen das Buch Paradigmenwandel von Travis Christofferson nur wärmstens empfehlen, in dem er beschreibt, warum die Suche nach mutierten Genen niemals zur Heilung von Krebserkrankungen führen wird.

Der Status Quo, wie er sich zur Zeit darstellt

Die Wahrheit ist – auch wenn wir in der Behandlung früher Krebsformen Fortschritte gemacht haben – werden die meisten Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen am Krebs oder den begleitenden Therapien sterben. Ja, Patienten versterben auch aufgrund der Therapie! Pharmafirmen und Krankenhäuser nutzen die Hoffnungslosigkeit der Krebspatienten aus, indem sie im Endeffekt unwirksame Therapien anbieten, um einen möglichst großen Gewinn einzustreichen.

Man muss aber auch sehen, dass es inzwischen schon einige Wissenschaftler und Ärzte gibt, die auf diese Missstände hinweisen. So erklärte Otis Brawley von der American Cancer Society (9):

„Ich höre immer öfter, dass wir besser sind als ich glaube. Wir fangen an, unsere eigene Sch…e zu glauben.“

Schnellzulassungsverfahren für Medikamente – wie sollte es weitergehen?

Die Pharmafirmen, aber auch einige Ärztevertreter drängen inzwischen darauf, neue Medikamente im Schnellzulassungsverfahren zuzulassen, damit schwerkranke Patienten schneller von ihnen profitieren können. In Amerika ist dies bereits Realität.

Ein Schnellzulassungsverfahren führt dazu, dass Medikamente angewandt werden dürfen, die noch nicht abschließend auf Wirkungen und Nebenwirkungen untersucht worden sind. Da in Europa das Vorsorgeprinzip gilt, stellen sich einige Behörden einem verkürzten Zulassungsverfahren in den Weg.

Das Vorsorgeprinzip ermöglicht eine schnelle Reaktion angesichts möglicher Gefahren für die Gesundheit von Menschen, Tieren oder Pflanzen oder aus Gründen des Umweltschutzes. Insbesondere in den Fällen, in denen die verfügbaren wissenschaftlichen Daten keine umfassende Risikobewertung zulassen, ermöglicht der Rückgriff auf dieses Prinzip beispielsweise die Verhängung eines Vermarktungsverbots oder sogar den Rückruf etwaig gesundheitsgefährdender Produkte.

Mir ist klar, dass es für den einzelnen Krebspatienten eine furchtbare Situation ist, aber in Anbetracht der geringen Wirkung der neuen Krebsmedikamente würde ich doch lieber bei dem Grundsatz „auf jeden Fall nicht schaden“ (Hippokrates) bleiben. Und ganz ehrlich, es gibt deutlich bessere Therapien für Krebs als die von der Pharmaindustrie angebotenen.

 

 

(1) Five Years of Cancer Drug Approvals. Innovation, Efficacy, and Costs http://jamanetwork.com/journals/jamaoncology/fullarticle/2212206

(2) Unintended Consequences of Expensive Cancer Therapeutics—The Pursuit of Marginal Indications and a Me-Too Mentality That Stifles Innovation and Creativity. http://jamanetwork.com/journals/jamaotolaryngology/article-abstract/1891387

(3) Raising the Bar for Clinical Trials by Defining Clinically Meaningful Outcomes.  http://ascopubs.org/doi/full/10.1200/JCO.2013.53.8009

(4) Quality of Life, Overall Survival, and Costs of Cancer Drugs Approved Based on Surrogate Endpoints. http://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/article-abstract/2589085

(5) https://www.statnews.com/2017/03/08/immunotherapy-cancer-breakthrough/

(6) http://blog.dana-farber.org/insight/2016/02/what-are-the-side-effects-of-immunotherapy/

(7) Perspective: The precision-oncology illusion. https://www.nature.com/nature/journal/v537/n7619_supp/full/537S63a.htm

(8) http://www.nature.com/oncsis/focus/cm/index.html

(9) http://edition.cnn.com/2017/04/26/health/hope-vs-hype-cancer-treatment-partner/index.html

Vitamin D – auf die richtige Dosierung kommt es an

Vitamin D, Sonne, BlumeWas Vitamin D (Cholecalciferol) angeht sind sich eigentlich alle einig, ob Schulmediziner, Naturheilkundler, Ernährungsberater oder Wissenschaftler. Das „Sonnenschein-Vitamin“ ist unverzichtbar für starke Knochen, gesunde Zähne, ein gut funktionierendes Immunsystem und ein gesundes Herz. Ja, sogar gegen Krebs ist es hilfreich.

Wenn man dann aber wissen möchte, wie viel Vitamin D denn wohl die richtige Menge ist, dann hat jeder seine eigene Meinung. Aber zum Glück gibt uns eine neue Studie Aufschluss darüber, welche Dosierung als Nahrungsergänzung eingenommen werden sollte, um optimale Konzentrationen im Körper zu haben.

Natürlich könnte Vitamin D3 auch in unserer Haut gebildet werden, wenn sie mit UVB Strahlen (Sonne!) in Kontakt käme. Vitamin D ist nämlich gar kein richtiges Vitamin, denn wir können es tatsächlich selber herstellen. Da aber schon seit vielen Jahren davon abgeraten wird, sich in der Sonne aufzuhalten – und wenn doch, dann nur unter Einsatz eines Sonnenschutzmittels mit einem hohen Lichtschutzfaktor (womit die Vitamin D Synthese in der Haut dann unterbunden wird) – sind wir auf die Zuführung dieses Stoffes mit der Nahrung angewiesen.

Derzeitige Empfehlungen zur Vitamin D Supplementierung unterscheiden sich gravierend

Laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung reicht das mit der Nahrung aufgenommene Vitamin D3 nicht aus, um eine optimale Blutkonzentration von über 50nmol/l (= 20 ng/ml) zu erreichen. Sie empfiehlt deshalb ein Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Für Säuglinge bis zu einem Jahr werden 10 μg (400 IE) und für Kinder und Erwachsene 20 μg (800 IE) pro Tag empfohlen (1).

Nur mal so zum Vergleich: Wenn Sie sich 15 – 20 Minuten ohne Sonnenschutz in der Mittagssonne aufhalten, produziert Ihr Körper ca. 10.000 IE Vitamin D. Noch Fragen?

Wie lächerlich diese Empfehlung ist, zeigt der Vergleich mit anderen Organisationen.

Laut Institute of Medicine – einer amerikanischen Non-Profit Organisation – ist eine tolerierbare Höchstdosis im Bereich von 4000 IE pro Tag anzusiedeln. Tolerierbar bedeutet, dass bei dieser Dosierung nicht mit negativen Nebenwirkungen gerechnet werden muss.

Der Vitamin D Council – ebenfalls eine amerikanische Non-Profit Organisation empfiehlt für Erwachsene sogar eine Tagesdosis von 5000 IE.

Die US-amerikanische Fachgesellschaft für Endokrinologie empfiehlt in ihren neuen Leitlinien für Erwachsene eine tägliche Zufuhr von 1500 bis 2000 IE Cholecalciferol zur Vorbeugung eines Mangels. Die maximale Dosierung gemäß der amerikanischen Leitlinie liegt bei 10 000 IE pro Tag. Das wäre dann die zwölffache Menge der von der DGE empfohlenen Tageshöchstdosis.

Es ist also verständlich, dass diese verwirrenden Empfehlungen es nicht leicht machen, die richtige Dosierung zu treffen. Hier kann eine neue Studie Abhilfe schaffen, die im April in der Zeitschrift Dermatoendocrinology erschienen ist (2).

Nicht jeder Körper reagiert auf die gleiche Weise auf Vitamin D

Die ein Jahr dauernde Studie beinhaltete 3882 Teilnehmer mit einem Durchschnittsalter von 60 Jahren. 27,5 Prozent waren adipös (fettleibig), 37 Prozent waren übergewichtig, 35,5 Prozent hatten einen normalen BMI (Body Mass Index) und weniger als 1 Prozent war untergewichtig – also ungefähr repräsentativ für die normale Bevölkerung.

Die Teilnehmer sollten Cholecalciferol (D3) einnehmen. Dies ist die Form des Vitamin D, das der Körper unter dem Einfluss von Sonnenstrahlen herstellt. Die durchschnittliche Dosis wurde über das Jahr langsam erhöht – von 2.106 IE auf 6.767 IE – wodurch die durchschnittliche Vitamin D3 Konzentration im Blut von 34,8 ng/ml auf 50,4 ng/l anstieg.

Entgegen der Meinung der DGE sollten gesunde Vitamin D Konzentrationen über 40 ng/ml liegen, während Konzentrationen zwischen 50 und 80 ng/ml als optimal angesehen werden (diese Konzentrationen erreichen Sie nie, wenn Sie nur mit 800 IE supplementieren).

Die Untersucher fanden heraus, dass die Konzentrationsänderungen von der Dosierung, dem BMI und der Konzentration des Vitamins am Anfang der Studie abhängig waren. So kamen Sie zum Beispiel zu dem Resultat, dass mit steigendem Körpergewicht, die Reaktion auf zugeführtes Cholecalciferol abnahm. Das heißt in anderen Worten, dass fettleibige Menschen eine deutlich höhere Dosierung benötigen, um ausreichende Blutkonzentrationen zu erreichen, als Menschen mit Normal- oder Untergewicht.

Ein weiteres Ergebnis war, dass Individuen mit einem Vitaminmangel einen deutlicheren Anstieg der Konzentration verzeichneten als Personen, die schon zu Beginn des Versuchs ausreichende Vitamin D Spiegel besaßen.

Welche Dosierungen waren nötig, um die Konzentration von Vitamin D3 im Blut auf über 40 ng/ml anzuheben?

  • Normalgewichtige (BMI < 25): 6000 IE pro Tag
  • Übergewichtige: 7000 IE pro Tag
  • Adipöse (BMI > 30): 8000 IE pro Tag

Übrigens wurden in dieser Studie trotz der hohen Dosierung keine Nebenwirkungen gesehen, die sich zum Beispiel in einem erhöhten Calciumspiegel im Blut (Hypercalcämie), Müdigkeit, Appettitlosigkeit, Bauchschmerzen, häufigem Wasserlassen oder starkem Durst bemerkbar machen würden.

Ein Vitamin D Mangel erhöht das Risiko für Alzheimer

Laut neuester Untersuchungen haben Personen mit einem Vitamin D Spiegel unter 10 ng/ml ein 122 Prozent höheres Risiko für eine Alzheimer Demenz (3). Andere Erkrankungen, die auch mit einem Vitaminmangel zusammenhängen, sind unter anderem:

  • Morbus Parkinson (Schüttellähmung)
  • Multiple Sclerose
  • Krebs
  • Depression
  • Atemwegsinfekte.

Außerdem zeigte eine Studie auf, dass Menschen mit Spiegeln unter 20 ng/ml ein erhöhtes Risiko für Muskelverletzungen aufweisen – inklusive Hernien (Brüchen) und Überlastungen (4).

Auf der anderen Seite kann ein optimaler Vitamin D Spiegel einen protektiven Effekt vor vielen Erkrankungen haben.

So ist zum Beispiel ein Spiegel von über 40 ng/ml verglichen mit einem Spiegel von über 20 ng/ml mit einem 67 Prozent geringeren Krebsrisiko vergesellschaftet. Der empfohlene Spiegel ist also mehr als ungenügend, wenn es um diese doch sehr ernst zu nehmende Erkrankung geht.

Andere Studien zeigen auf, dass das Risiko für Darm- und Prostatakrebs um 30 bis 50 Prozent reduziert wird, wenn der Vitamin D Status verbessert wird.

Vitamin D statt Grippeimpfung

Ich habe schon in einem anderen Post darüber geschrieben, dass Vitamin D die Grippeimpfung allemal schlägt. Dies ist auf seine über 200 antimikrobiellen Peptide zurückzuführen. Für das Immunsystem ist es einfach eine unverzichtbare Stütze.

Im Februar wurde eine Studie der Queen Mary Universität, London im British Medical Journal veröffentlicht, die wieder einmal belegt, dass die Einnahme von Vitamin D3 gegen akute Atemwegsinfekte schützt (5).

Lassen Sie Ihren Vitamin D Spiegel bestimmen

Es ist eine ganz normale Blutentnahme, die Ihnen sagt, ob Sie zu der Hälfte der Deutschen gehören, die an einem Vitaminmangel leiden. Es ist inzwischen tatsächlich jeder zweite betroffen.

Sollte ein Mangel vorliegen, wird es für Sie extrem wichtig, diesen auszugleichen. Und auch wenn Sie sich im Normbereich befinden, aber vielleicht nicht im optimalen Bereich, haben Sie mehrere Möglichkeiten.

So kommt Ihr Vitamin D Spiegel wieder auf die Beine

  • Sonnenlicht. Die absolute Nr. 1. Es braucht gar nicht viel, und natürlich sollten Sie einen Sonnenbrand unbedingt vermeiden. Ca. dreimal die Woche 15 – 20 Minuten in der Mittagszeit reichen schon aus. Im Winter werden Sie aber in den meisten Gegenden in Deutschland nicht um ein Nahrungsergänzungsmittel herumkommen.
  • Vitamin D3 Supplements. Ich nehme am liebsten Tropfen, weil sich in ihnen normalerweise keine unerwünschten Zusatzstoffe verstecken. Bitte immer daran denken, dass ab einer Dosierung von 2000 IE auch immer Vitamin K2 mit eingenommen werden muss, damit das vermehrt aufgenommene Calcium sich nicht in den Arterien ablagert, sondern in den Knochen, wo es hingehört.
  • Nahrungsmittel mit hohem Vitamin D Gehalt. Natürlich kann man Vitamin D auch einfach essen. Die besten Quellen sind Eier von freilaufenden Hühnern, Fisch aus Wildfang, Leber, Pilze und Avocados. Wenn Sie die Sonne vermeiden, werden Sie es aber nicht schaffen, Ihren Vitaminbedarf nur durch diese Lebensmittel zu decken.

Wie die Studie aufzeigt, ist die richtige Dosierung vom Körpergewicht abhängig, aber auch von Lebensstilfaktoren, Ihrer Krankengeschichte und sogar Ihrer genetischen Veranlagung. Sie sollten mit einem Arzt, der sich mit dem Thema auskennt, die für Sie richtige Vorgehensweise erarbeiten.

Fazit

Wie uns neue Studien zeigen ist Vitamin D3 nicht einfach nur irgendein Vitamin, sondern spielt im Körper eine immens wichtige Rolle. Aus diesem Grund sollten Sie auf eine Ausreichende Zufuhr dieses Vitamins achten. Wenn Sie sich wirklich fit fühlen wollen, kommen Sie um eine Einstellung in den optimalen Bereich nicht herum.

 

 

(1) http://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/vitamin-d/

(2) Evaluation of vitamin D3 intakes up to 15,000 international units/day and serum 25-hydroxyvitamin D concentrations up to 300 nmol/L on calcium metabolism in a community setting. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28458767

(3) https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/59657/Studie-sieht-Vitamin-D-Mangel-als-Demenzrisiko

(4) More than half of college football athletes have inadequate levels of vitamin D. https://www.sciencedaily.com/releases/2017/03/170317102355.htm

(5) Vitamin D supplementation to prevent acute respiratory tract infections: systematic review and meta-analysis of individual participant data.  http://www.bmj.com/content/356/bmj.i6583

Studie belegt Zusammenhang zwischen Cholesterinsenkern und Parkinson

Cholesterinsenker und ParkinsonDer Morbus Parkinson gehört zu den häufigsten Krankheiten des Nervensystems weltweit. In Deutschland geht man von einer Gesamtzahl von ca. 280.000 Parkinson-Patienten aus. Experten schätzen, dass in Deutschland künftig jährlich rund 13 000 neue Parkinson-Erkrankungen hinzukommen werden (1).
Neue Studien untersuchen nun den Effekt von Statinen für das Risiko diese neurodegenerativen Erkrankung zu entwickeln.

Statine- eine weitere Ursache für den Morbus Parkinson?

Statine werden Personen verschrieben, die ein zu hohes LDL-Colesterin aufweisen, da davon ausgegangen wird, dass dieses „schlechte“ Cholesterin die Gefahr für Herz-Kreislauferkrankungen erhöht. Ich habe schon an anderer Stelle darüber geschrieben, warum LDL-Cholesterin für sich allein genommen als Marker für das Infarktrisiko nicht taugt, und warum ich die Verschreibung von Statinen in den meisten Fällen für völlig sinnlos halte. Hier kommt jetzt noch ein weiterer Grund.
Seit einiger Zeit gibt es vermehrtes Interesse an der Fragestellung, ob Statine Gehirnzellen schützen und so die Ausbildung von neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Parkinson und Alzheimer Demenz verhindern können. Die Studienergebnisse, die neuroprotektive Rolle der Statine betreffend, waren widersprüchlich und bezogen sich nur auf Tierversuche und Untersuchungen an Zellkulturen (2).
Jetzt erschien eine Studie in der Zeitschrift Movement Disorders, die allerdings in eine ganz andere Richtung geht (3). Sie kommt zu dem Schluss, dass Statine womöglich Mitverursacher von neurodegenerativen Erkrankungen sind.
Xuemei Huang, Ph.D. – Professor für Neurologie am Penn State College in Hershey und Autor der Studie – beschreibt einen anderen Grund, warum die Ergebnisse für die neuroprotektive Rolle der Statine bisher widersprüchlich sind:

„Ein erhöhter Cholesterinspiegel, die Hauptindikation für die Verordnung von Statinen, steht mit einem verminderten Auftreten des Morbus Parkinson in  Zusammenhang. Deshalb war es schwierig herauszufinden, ob der schützende Effekt auf die Gehirnzellen durch die Medikamente zustande kam oder durch den erhöhten Cholesterinspiegel.“

Die Studie, die Professor Huang nun durchgeführt hat, berücksichtigt jedoch dieses Problem.

Co-Autor Guodong Liu, Ph.D. erklärt hierzu:

„Die Diagnose einer Hyperlipidämie – eines Markers eines zu hohen Cholesterinspiegels, stand mit einer verminderten Prävalenz (Häufigkeit) der Parkinson Erkrankung in Zusammenhang. Dies war auch in älteren Untersuchungen bestätigt worden. Wir stellten nun sicher, dass dieser Faktor in unserer Analyse berücksichtigt wurde.“

Fettlösliche Statine können das Risiko einer Parkinson Erkrankung erhöhen

Das Team untersuchte die Daten medizinischer Schadensfälle von 50 Millionen Patienten. Aus diesen Fällen wählten sie 22.000 Patienten aus, die an Morbus Parkinson erkrankt waren und von denen 2.322 neu diagnostiziert wurden.

Diesen Patienten wurde eine Kontrollgruppe gegenübergestellt, die nicht an Parkinson erkrankt war. Dann wurden die Patienten identifiziert, die Statine einnahmen und die Länge der Einnahme vor dem Auftreten erster Parkinson Symptome ermittelt

Die Untersucher fanden heraus, dass die Einnahme von Statinen mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten einer Parkinson Erkrankung korrelierte. Dieser Effekt trat vor allem zu Beginn der Statintherapie auf – ganz besonders in den ersten 2,5 Jahren der Behandlung.

Außerdem fand sich ein stärkerer Zusammenhang für lipophile (fettliebende) Statine. Die meisten Statine sind lipophil. In diese Gruppe gehören Atorvastatin, Fluvastatin, Lovastatin, Cerivastatin, Pitavastatin und Simvastatin. Sie werden als lipophil bezeichnet, weil sie fettlöslich sind, während hydrophile (wasserliebende) Statine (Pravastatin, Rosuvastatin) sich in Wasser lösen.

Erstere können sich besser in verschiedenen Geweben verteilen, da sie leichter in die Zellen diffundieren können. Fettlösliche Statine können auch das Gehirn erreichen. Diese Fähigkeit besitzen wasserlösliche Statine nicht.

Professor Huang weist darauf hin, dass diese Ergebnisse im Widerspruch zur früheren Annahme stehen, dass lipophile Statine einen neuroprotektiven (Nerven schützenden) Effekt haben könnten.

„Die Statineinnahme stand in Zusammenhang mit einem erhöhten – nicht erniedrigtem – Risiko für eine Parkinson Erkrankung, und die Assoziation war bei lipophilen Statinen ausgeprägter. Diese Beobachtung steht im Widerspruch zur derzeitigen Hypothese, dass diese Statine die Nervenzellen schützen.“

Schließlich weist Professor Huang noch auf ältere Studien hin, die andeuteten, dass die Beendigung der Statintherapie zur Parkinson Erkrankung geführt haben könnte. Stattdessen geht sie aufgrund der Erkenntnisse der neuen Studie davon aus, dass es wahrscheinlich eher so ist, dass die Statineinnahme zu Symptomen führt, die mit der Parkinson Erkrankung in Zusammenhang stehen, und die Patienten aufgrund dessen die Statine nicht mehr einnehmen.

Selbstverständlich werden noch mehr Untersuchungen benötigt, um die Resultate dieser Studie zu verstehen. Professor Huang spricht sich aber dafür aus, bei der Verordnung von Statinen Vorsicht walten zu lassen – vor allem bei Patienten mit einem erhöhten Risiko für ein Parkinson Erkrankung.

„Wir behaupten nicht, dass Statine einen Morbus Parkinson verursachen, sondern dass (…) Statine nicht unter der Annahme verschrieben werden sollten, dass sie diese Erkrankung verhindern können. Die Leute haben ein individuelles Risiko für Herzprobleme und die Parkinson Erkrankung.“

 

(1) http://www.focus.de/gesundheit/news/tausende-neue-faelle-pro-jahr-zahl-der-parkinson-erkrankungen-waechst_aid_956660.html

(2) Statins and neuroprotection: basic pharmacology needed. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24474514

(3) Statins may facilitate Parkinson’s disease: Insight gained from a large, national claims database. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/mds.27006/full

American Heart Association (AHA) warnt – Kokosöl ist ungesund

Kokosöl, Kokosnuss… Und sie haben es wieder getan. Man kommt sich fast vor wie in den 70ger Jahren als gesättigte Fettsäuren plötzlich verteufelt wurden, weil sie angeblich Herz-Kreislauferkrankungen verursachen. Kokosöl wurde damals absolut verteufelt- zusammen mit Butter und anderen tierischen Fetten. Jetzt hat die AHA ein Statement herausgebracht, dass sich in diese Behauptung nahtlos einpasst, obwohl die Wissenschaft ein ganz anderes Bild malt.

In USA Today fand sich am 16. Juni die Überschrift: Kokosöl ist nicht gesund. Es war niemals gesund (1).

Hier läuft doch irgendetwas total verkehrt. Wenn wir uns Völker ansehen, die viel Kokosöl konsumieren, so stellen wir immer wieder fest, dass sie keine Zeichen für Herzerkrankungen aufweisen. Nehmen wir zum Beispiel die Tokelau aus dem Südpazifik, die 50 Prozent ihrer täglichen Kalorien durch den Verzehr von Kokosnüssen erhalten (2).  Diese Population wurde erst fett und herzkrank als sie Weizen, Zucker und Pflanzenöle in ihre Ernährung einführten.

Auch die Kitaver, die gerne als Beispiel für Gesundheit und langes Leben herangezogen werden, essen viel Kokosöl und viele stärkehaltige Gemüse und leben sehr gut damit (3).

Tja, eigentlich ist damit schon alles gesagt, oder? Keine Herzerkrankungen bei Personen, die 50 % ihrer Kalorien durch Kokosöl abdecken? Dafür ein riesiges Ausmaß an Herzerkrankungen bei Menschen, die nicht 50 % ihrer Kalorien durch Kokosöl erhalten…Da hat die AHA doch irgendetwas falsch verstanden.

Na, gucken wir uns mal an, was da gerade wieder abläuft.

Der Kampf gegen gesättigte Fette

Letzten Endes läuft es darauf hinaus, dass die AHA wieder einmal eine Salve gegen den Konsum von gesättigten Fetten feuert. Seit Ancel Keys haben sich ja alle auf gesättigte Fette und Cholesterin eingeschossen. In ihrer Untersuchung stürzen sie sich nur auf den Fakt, dass Kokosöl das LDL Cholesterin („schlechtes“ Cholesterin) erhöht und ignorieren alles, was es sonst noch tut. Im Gegenteil, sie behaupten sogar, dass Kokosöl keine „ausgleichenden günstigen Eigenschaften“ habe.

Wie bitte?

Okay, LDL hat irgendwie etwas mit Herzerkrankungen zu tun, aber das machen wir bitte nicht an einem Wert fest.

Beim LDL kommt es durchaus auf die Größe an. Wirklich gefährlich ist oxidiertes LDL, während große, fluffige LDL Partikel eher eine schützende Wirkung haben. Geht die AHA auf diesen Unterschied ein. Natürlich nicht!

Es wäre so schön, wenn sie mal von ihrem Kurs abweichen würden. Natürlich ist es peinlich, nach all diesen Jahren zugeben zu müssen, dass man mit seinen Empfehlungen völlig falsch lag (und damit womöglich den Tod von Millionen Menschen verursacht hat), aber ich denke irgendwann wird einfach der Tag kommen, wo sie aus dieser Sache nicht mehr anders rauskommen. Aber bis dahin hängt ihre Existenz davon ab, dass sie die „ausgleichenden günstigen Eigenschaften“ nicht sehen.

Man würde denken, dass die Tatsache, dass Stoffwechselprodukte der PUFAs (mehrfach ungesättigte Fettsäuren aus Pflanzenölen) tatsächlich als Biomarker für die nichtalkoholische Fettleberentzündung (also eine Entzündung, die bei der nichtalkoholischen Fettleber auftritt) genutzt werden, bei ihnen den ein oder anderen Gedanken auslösen sollte. Aber vielleicht haben sie diese Studien ja auch gar nicht gesehen…

Positive Effekte von Kokosöl

Sehen wir uns diese fehlenden „ausgleichenden günstigen Eigenschaften“ doch einmal genauer an.

  • Anhebung von HDL (gutes Cholesterin). Dieser Effekt tritt bei allen Menschen auf, die Kokosöl konsumieren (4). Höhere Konzentrationen an HDL werden allgemein als protektiv gegen Herzerkrankungen angesehen. Es gibt zwei Quotienten, die das Risiko für einen Herzinfarkt anzeigen, Gesamtcholesterin/HDL und LDL/HDL. Je kleiner der Wert für den Gesamtcholesterin/HDL Quotienten, desto geringer das Infarktrisiko. Dieser Quotient schlägt den LDL/HDL Quotienten in seinem Voraussagewert (5).
  • Verbesserter cardiometabolischer Status bei Patienten mit Herzerkrankungen. Huch, genau diese Leute sollten laut AHA um Himmels Willen ja kein Kokosöl essen. Aber bei ihnen führte der Konsum des Öls zu einer Abnahme des Taillenumfangs und einer Zunahme des HDL.
  • Weitere Studien zeigen ebenfalls auf, dass Kokosöl zu einer Abnahme des Taillenumfangs und Körpergewichts führte – sowohl bei Männern (6) als auch bei Frauen (7).

Was man sonst noch so mit Kokosöl machen kann

Immerhin wird in diesem USA Today Artikel ein Arzt zitiert, der sagt

„Sie können es auf Ihren Körper tun, aber tun Sie es nicht in Ihren Körper hinein.“

Sie haben also den Segen der AHA Kokosöl als Lotion, Deodorant, Seife oder Shampoo zu benutzen. Ich darf Ihnen versichern, davon mache ich ausgiebig Gebrauch.

Und auch bei diesen Anwendungen zeigen sich die positiven Eigenschaften von Kokosöl.

  • Als Haarpflegemittel kann das Kokosöl durch seine mittelkettigen Triglyceride leichter zu den Haarproteinen durchdringen. Diese schützen sie vor Schäden durch Sonneneinstrahlung und führen zu geringerem Haarausfall als bei Verwendung von Pflegemitteln auf Basis von Mineralöl oder Sonnenblumenöl (8).
  • Hautpflege. Bei schuppiger Haut sowie bei Patienten mit entzündlichen Veränderungen der Haut wirkt Kokosöl deutlich besser als Mineralöl Produkte (9).
  • Auch zum Ölziehen können Sie Kokosöl verwenden. Dadurch werden Karies-verursachende Bakterien reduziert ebenso wie Bakterien, die in den atherosklerotischen Plaques von Patienten mit Herzinfarkt gefunden werden (10). Aber bitte nicht runterschlucken.
  • Die im Kokosöl enthaltene Laurinsäure wirkt antimikrobiell (11). Diesen Effekt kann ich nur bestätigen. Ich habe meinen Fuß, der nach einer Operation infiziert war, ganz ohne Antibiotikum – einfach nur mit Kokosöl geheilt.

Nachteile

Um fair zu sein, muss man auch anmerken, dass Kokosöl einige Nachteile hat.

Wenn Sie den Geschmack von Kokosnuss nicht mögen, sollten Sie auf keinen Fall Ihre Spiegeleier in diesem Fett braten (Fleisch und Fisch nehmen den Geschmack nicht an).

Man muss sich auch klar darüber sein, dass Kokosöl nicht dasselbe ist wie eine ganze Kokosnuss. Die Bevölkerungen, die infolge des Konsums von Kokosfett so gesund sind, essen natürlich nicht esslöffelweise raffiniertes oder sogar Virgin Kokosöl, sondern essen im Allgemeinen die gesamte Kokosnuss – Fleisch, Saft, Ballaststoffe und alles. Deshalb ist Kokosbutter (oder Kokosmus) vielleicht sogar eine bessere Alternative, denn sie beinhaltet tatsächlich nicht nur das Fett sondern auch das Fleisch und die Ballaststoffe.

Und ja, es erhöht das LDL. Aber ob das tatsächlich schlecht ist, können Sie nur herausfinden, wenn Sie die Partikelgröße bestimmen lassen. Ich persönlich mache mir darüber keine Sorgen, denn es erhöht auch das HDL, und wenn ich mir meine Fettwerte ansehe, dann kann ich trotz (oder gerade wegen) des Konsums gesättigter Fettsäuren sehr zufrieden sein.

Aber Vorsicht, fangen Sie jetzt nicht an Kokosöl oder -butter gleich löffelweise zu essen. Wenn Sie Ihre Ernährung drastisch umstellen, ist es immer eine gute Idee, sich mittels einiger Labortests anzusehen wie Ihr Körper darauf reagiert.

Ist die AHA wirklich objektiv?

Was die AHA angeht möchte ich nur noch anmerken, dass wir eine gewisse Voreingenommenheit vielleicht nicht ganz von der Hand weisen können. Immerhin haben sie im März von der Sojabohnen-Industrie eine Spende von USD 500.000,- bekommen (und schon drei Monate später bekommt Kokosöl einen Schuss vor den Bug geknallt) (12).  Und ich wette, Sie sind jetzt auch nicht wirklich überrascht darüber, dass die AHA Sojaöl (das in den USA aus genetisch modifizierten Sojabohnen hergestellt wird) als sehr gesundes Fett einstuft (13).

Ich denke, dazu gibt es dann nichts mehr zu sagen.

 

(1) https://www.usatoday.com/story/news/nation-now/2017/06/16/coconut-oil-isnt-healthy-its-never-been-healthy/402719001/

(2) http://wholehealthsource.blogspot.de/2009/01/tokelau-island-migrant-study-final-word.html

(3) Apparent absence of stroke and ischaemic heart disease in a traditional Melanesian island: a clinical study in Kitava. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8450295

(4) A COCONUT EXTRA VIRGIN OIL-RICH DIET INCREASES HDL CHOLESTEROL AND DECREASES WAIST CIRCUMFERENCE AND BODY MASS IN CORONARY ARTERY DISEASE PATIENTS.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26545671

(5) Total Cholesterol/HDL Cholesterol Ratio vs LDL Cholesterol/HDL Cholesterol Ratio as Indices of Ischemic Heart Disease Risk in Men. http://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/752318

(6) An open-label pilot study to assess the efficacy and safety of virgin coconut oil in reducing visceral adiposity. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22164340

(7) Effects of dietary coconut oil on the biochemical and anthropometric profiles of women presenting abdominal obesity. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19437058

(8) Effect of mineral oil, sunflower oil, and coconut oil on prevention of hair damage.   https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12715094

(9) The effect of topical virgin coconut oil on SCORAD index, transepidermal water loss, and skin capacitance in mild to moderate pediatric atopic dermatitis https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24320105

(10) Oral inflammation and infection, and chronic medical diseases: implications for the elderly. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27501498

(11) Novel antibacterial activity of monolaurin compared with conventional antibiotics against organisms from skin infections: an in vitro study. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17966176

(12) https://www.cropscience.bayer.us/news/press-releases/2017/03022017-bayer-and-libertylink-soybeans-help-protect-hearts-in-americas-heartland

(13) https://www.usatoday.com/story/news/nation-now/2017/06/20/coconut-oil-out-these-oils-you-should-using-experts-say/412393001/

Zucchini Spaghetti mit Knoblauch und Olivenöl

Zucchini SpaghettiIch will gar nicht mal unbedingt sagen, dass ich Nudeln vermisse, aber ich bin häufiger auf der Suche nach einer Grundlage zu meinen Saucen. Früher waren das Nudeln und Reis, heute sind es Zucchini Spaghetti und Blumenkohl Reis (in England kann man die tatsächlich im Supermarkt kaufen). Die gute Nachricht ist, dass man durch diese Alternativen eine ganze Menge Kohlenhydrate weniger isst. Und rein nährstofftechnisch haben sie natürlich auch einiges zu bieten. Sie enthalten unter anderem Calcium, Eisen und β-Carotin.

Olivenöl ist natürlich jedermanns Liebling, denn es verfügt über große Mengen von pflanzlichen Antioxidantien, Phytosterolen und Vitaminen. Es schützt die Haut, pflegt die Haare und senkt den Cholesterinspiegel. Die in ihm enthaltenen Antioxidantien, reduzieren zelluläre Entzündungen und die Omega 3 Fettsäuren, schützen das Herz und steigern die Konzentration. Olivenöl hilft auch beim Abnehmen und kann als Hautpflegemittel, in einer natürlichen Haarkur oder eben als Zutat in verschiedenen Gerichten verwendet werden.

Achten Sie beim Kauf darauf, dass Sie ein hochwertiges Olivenöl bekommen, denn seine Beliebtheit bringt es mit sich, dass sehr gerne gepanscht wird. Und dann essen Sie plötzlich doch ein minderwertiges Raps- oder Sojaöl. Ich bestelle mir inzwischen immer das Öl von Agia Triada im 5 Liter Kanister, da ich auch viele Kosmetikprodukte damit herstelle.

 

Zutaten:

  • 4 Zucchini
  • 3 Knoblauchzehen
  • 5 EL Olivenöl
  • Petersilie
  • Salz und Pfeffer

 

Zubereitung:

  1. Die Zucchini mit einem Julienne Schäler in Streifen schneiden.
  2. Die Knoblauchzehen schälen und in kleine Stücke schneiden oder durch eine Knoblauchpresse drücken.
  3. Etwas Fett (ich nehme Butter oder Ghee) in einer Pfanne erhitzen und die Zucchini und den Knoblauch bei niedriger Temperatur 3 – 4 Minuten erhitzen.
  4. Pfanne vom Herd nehmen und das Olivenöl unter die Zucchini mischen.
  5. Das ganze mit Salz und Pfeffer abschmecken und mit Petersilie garnieren.

Wer Milchprodukte isst, kann frischen Parmesan dazugeben. Sehr lecker ist das Ganze auch mit einem Stück Räucherlachs.

Warum die Schulmedizin chronische Erkrankungen nicht heilen kann

Schulmedizin gegen ErnährungZu den chronischen Krankheiten zählen unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie koronare Herzkrankheit und Schlaganfall, Diabetes, Krebs und chronische Atemwegs-erkrankungen sowie Allergien.

Sie verkürzen das Leben, zerstören die Lebensqualität, belasten das Gesundheitssystem und bedrohen die Gesundheit kommender Generationen. Leider bietet die Schulmedizin in Bezug auf chronische Krankheiten keine wirkliche Therapie.

Oh ja, sie ist gut darin, Symptome zu unterdrücken, aber sie tut absolut nichts dafür, die Ursachen chronischer Erkrankungen zu behandeln. Und diese sind stark auf dem Vormarsch und betreffen immer jüngere Individuen. Gruselig? Auf jeden Fall!

Ich möchte Ihnen in diesem Blog erklären, warum wir uns momentan in so einer prekären Situation befinden und durch welche Herangehensweise wir der Bedrohung durch chronische Krankheiten entgegentreten können.

Chronische Krankheiten sind mit Abstand die größte Herausforderung im Gesundheitssystem. Betrachten wir uns nur mal folgende Zahlen:

  • Bei den über 65-Jährigen geben über die Hälfte der Männer und 60% der Frauen an, eine chronische Krankheit zu haben (1).
  • Einer von vier Deutschen hat mehrere chronische Krankheiten. Bei den über 65-jährigen steigt dieser Anteil sogar auf nahezu 40 % (2).
  • Unter den 10 häufigsten Todesursachen befinden sich 9 chronische Krankheiten

  •  15 % der Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig, immerhin 6,3 % gelten als adipös. Alarmierend ist die Verdoppelung dieser Zahlen in den vergangenen 10 – 15 Jahren sowie die Zunahme an Typ II Diabetikern im Kindes- und Jugendalter (3).
  • In den USA entfielen 84 % der 3,8 Billionen Dollar, die für Gesundheitskosten ausgegeben werden auf die Behandlung chronischer Krankheiten. In Deutschland sieht dieses Verhältnis wohl ähnlich aus.

Wir sind inzwischen an einem Punkt angekommen, an dem chronische Krankheiten so alltäglich sind, dass wir sie für normal halten. Es besteht aber ein riesen Unterschied zwischen alltäglich und normal.

Wie es früher aussah

Die Lebensbedingungen im vorindustriellen Europa waren durch häufigen Nahrungsmangel, ansteckende Krankheiten und Seuchen sowie unzureichende hygienische Verhältnisse geprägt. Aufgrund dieser Bedingungen waren infektiöse und parasitäre Erkrankungen die Haupttodesursachen. Genaue Daten für Deutschland und Österreich liegen nicht vor. Aber eine englische Statistik für die Jahre 1848 bis 1854 belegt, dass Infektionskrankheiten für 60 Prozent der Todesfälle verantwortlich waren.

Es wird immer wieder das Argument angeführt, dass die Menschen früher einfach nicht lange genug gelebt haben, um chronische Erkrankungen zu bekommen. Natürlich hat die durchschnittliche Lebenserwartung in den letzten 100 Jahren deutlich zugenommen, wir müssen aber auch sehen, dass chronische Erkrankungen immer früher im Leben auftreten, und dass heutige Jäger und Sammler, die noch ihren traditionellen Lebensstil haben, nur extrem selten an chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Alzheimer Demenz oder Herzerkrankungen leiden, die in den Industrienationen so weit verbreitet sind.

Nehmen wir zum Beispiel die Tsimané, eine Population von Bauern, Jägern und Sammlern, die in Bolivien lebt. Sie essen Fleisch, Fisch, Früchte, Gemüse, Nüsse, Samen und einige stärkehaltige Pflanzen. Sie laufen täglich durchschnittlich 17.000 Schritte (∼ 8 Meilen), verbringen viel Zeit an der frischen Luft, schlafen viel und sind nachts keinen größeren künstlichen Lichtquellen ausgesetzt.

In einer kürzlich erschienenen Studie fanden die Forscher heraus, dass die Prävalenz der Arteriosklerose bei den Tsimané um 80 Prozent geringer ist als bei der Bevölkerung der USA. Annähernd neun von 10 Tsimané im Alter von 40 – 94 Jahren hatten freie Arterien und praktisch kein Risiko für eine Herzerkrankung. Darüber hinaus wurden in diese Studie auch ältere Individuen einbezogen. Im Vergleich hatte der durchschnittliche 80-jährige in der Tsimané Gruppe das gleiche vaskuläre (Blutgefäß) Alter wie ein Amerikaner in den Fünfzigern (4).

Konsequenzen chronischer Erkrankungen

Chronische Erkrankungen stellen ein großes Problem dar. Die Konsequenzen für die Patienten sind offensichtlich:

  • In Deutschland sind 53 Prozent der Frauen und 67,1 Prozent der Männer übergewichtig. 23,9 Prozent der Frauen und 23,3 Prozent der Männer sind adipös, d. h. ihr Body Mass Index (BMI) ist größer als 30 (5). Nach Einschätzung von Forschern des Rostocker Zentrum zur Erforschung des Demografischen Wandels wird die Zahl der Fettleibigen hierzulande bis 2030 um 80 Prozent steigen (6).
  • In den USA hat sich die Prävalenz von Autismus Spektrum Erkrankungen seit 2000 fast verdoppelt, was nicht nur auf eine bessere Diagnostik zurückzuführen ist (7).
  • Die Anzahl der Autoimmunerkrankungen hat sich in den letzten 50 Jahren mehr als verdoppelt. Es wird mit einem weiteren Anstieg gerechnet.
  • Mehr als die Hälfte der Erwachsenen nehmen verschreibungsplichtige Arzneimittel ein, und 40 Prozent der Senioren nehmen mehr als fünf verschiedene Medikamente (8). Die Ärzte fangen tatsächlich an, sich über die Interaktionen dieses Medikamentencocktails Gedanken zu machen.

Über die Auswirkungen auf betroffene Individuen hinaus, verursachen chronische Erkrankungen enorme Kosten.

  • In Deutschland belaufen sich die jährlichen Gesundheitsausgaben auf 344.153 Millionen Euro – das sind 4.213 Euro je Einwohner, die einem Anteil von 11,3 Prozent am Bruttoinlandsprodukt entsprechen. Experten gehen davon aus, dass unser Gesundheitssystem ohne grundlegende Änderungen in der Zukunft nicht mehr finanzierbar ist (9).
  • In den USA wird damit gerechnet, dass bei weiterhin steigenden Gesundheitskosten, die Vereinigten Staaten im Jahr 2035 bankrott sein werden.
  • Die weltweiten Ausgaben für chronische Krankheiten werden 2030 47 Billionen USD betragen, ein Betrag, der höher ist als die Bruttosozialprodukte der sechs größten Wirtschaftsnationen der Welt.

Man kann also sicherlich behaupten, dass chronische Krankheiten die Welt in die Knie zwingen und dass unsere Bemühungen, damit umzugehen, nicht so wirklich fruchten.

Aber woran liegt das?

Warum die Schulmedizin keine Lösung für chronische Krankheiten bietet

Es gibt viele Gründe, warum die Schulmedizin keine Lösungen für die Epidemie an chronischen Krankheiten hat, aber zwei Gründe stechen besonders hervor:

1. Die falsche Herangehensweise

Die Schulmedizin entwickelte sich in einer Zeit, in der akute Infektionen die Haupttodesursache waren. Eigentlich waren die meisten Gründe, warum jemand einen Arzt aufsuchte, akuter Natur wie zum Beispiel eine Blinddarmentzündung oder Gallenkoliken.

In diesen Fällen war eine Behandlung relativ einfach: Der Patient hatte eine Infektion, ging zum Arzt, bekam ein Antibiotikum (als diese erfunden worden waren) und erholte sich oder verstarb. Also: ein Problem, ein Arzt, eine Behandlung.

Heute gestaltet sich das Ganze etwas komplizierter. Der Durchschnittspatient kommt nicht wegen eines akuten Problems zum Arzt sondern wegen einer chronischen Erkrankung (oder manchmal auch mehrerer). Chronische Erkrankungen sind schwerer zu behandeln, kosten viel Geld, beschäftigen teilweise mehr als einen Arzt und halten sich normalerweise bis zum Lebensende. Die ein Problem, ein Arzt, eine Behandlung Vorgehensweise der Vergangenheit greift hier also nicht.

Leider hat die Schulmedizin (mit sehr viel Unterstützung der pharmazeutischen Industrie) ein System entwickelt, dass die Betonung der Behandlung darauf legt, Symptome mit Medikamenten (und manchmal Operationen) zu unterdrücken, anstatt die zugrunde liegenden Ursachen zu behandeln.

Wenn ein Patient mit zu hohem Blutdruck oder einem zu hohen Cholesterinwert zum Arzt kommt, bekommt er Medikamente verschrieben, die er normalerweise für den Rest seines Lebens nehmen soll. Das ist nun wirklich keine ernsthafte Bemühung abzuklären, warum der Cholesterinwert oder der Blutdruck zu hoch sind.

Stellen Sie sich mal ein Spektrum vor, bei dem totale Gesundheit auf der linken Seite steht und der Tod auf der rechten Seite. Die Interventionen der Schulmedizin setzen ziemlich weit auf der rechten Seite des Spektrums an.

Was meine ich damit? Nun, ihr Blutzucker ist 120 mg/dl. Super, Sie haben noch keinen Diabetes. Wir beobachten das mal. Oh, jetzt ist er 126 mg/dl, da verschreibe ich Ihnen mal Metformin.

Damit Sie mich richtig verstehen, wenn ich einen Unfall habe, möchte ich sicherlich im Krankenhaus behandelt werden, denn akute Ereignisse sind etwas, das die Schulmedizin richtig gut behandeln kann. Aber chronische Krankheiten – nicht so wirklich.

Dabei wäre es so einfach (wenn auch nicht leicht). Neuere Studien zeigen auf, dass mehr als 85 Prozent der chronischen Krankheiten durch Umweltfaktoren wie Ernährung, Verhalten, Umweltgifte und den Lebensstil verursacht werden (10).

Genau genommen entstehen chronische Erkrankungen durch ein Missverhältnis zwischen unseren Genen und unserer Biologie auf der einen Seite und der modernen Umwelt auf der anderen Seite. Für diese Behauptung gibt es viele Beispiele.

So hatten 1980 nur 1 Prozent der chinesischen Bevölkerung Diabetes. In nur einer Generation stieg dieser Anteil um erstaunliche 1.160 Prozent (11). Und was war passiert? Gab es auf einmal eine Genmutation in einem Großteil der Bevölkerung, die diese Erkrankung hervorrief?

Natürlich nicht. Was tatsächlich passiert war, war dass die Chinesen während dieser Zeitspanne ihre Ernährung von einer traditionellen Diät auf einen mehr westlich orientierten Ernährungsstil (inklusive Softdrinks) umgestellt hatten.

Fazit: Wenn wir chronische Erkrankungen verhindern und heilen wollen, dann brauchen wir ein medizinisches Modell, das das Missverhältnis zwischen unseren Genen und unserer Umwelt als Triebfeder für chronische Erkrankungen versteht und sich darauf konzentriert, die zugrunde liegenden Ursachen zu verhindern oder zu behandeln anstatt nur Symptome zu kaschieren.

 

Ein dominantes Arzt-Patienten Verhältnis

Auch das Verhältnis zwischen Arzt und Patient bereitet Probleme. Warum? Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Auf die wichtigsten Maßnahmen wird gar nicht eingegangen. Wie gesagt, sind die Hauptursachen für chronische Krankheiten nicht genetisch bedingt, sondern liegen in einem falschen Verhalten. Die Leute treffen einfach die falsche Wahl was Essen, körperliche Aktivität, Schlaf und Stressmanagement angeht – und das immer wieder, ihr Leben lang.

Und genau hier müssten Ärzte ansetzen und ihre Patienten dabei unterstützen, die richtigen Entscheidungen für ihre Gesundheit zu treffen. Nicht besonders sexy, ich weiß.

Allerdings macht das System der Schulmedizin dieses Vorgehen auch sehr schwer. Ein Arzt hat pro Patient ungefähr 8 Minuten Zeit. Wenn ein Patient mehrere chronische Krankheiten hat, mehrere Medikamente einnimmt und nun neue Symptome aufweist, dann ist es in der Zeit fast unmöglich, mehr zu tun als ein weiteres Rezept auszuschreiben.

Wie sollte der Arzt auch innerhalb von vielleicht 4 Minuten, die ihm nach der Schilderung der Symptome durch den Patienten noch verbleiben, auch eine detaillierte Diskussion über Ernährung und Lebensstil führen. Und stellen Sie sich mal vor, wie lange er bei durchschnittlich 45 Patienten pro Tag da wohl arbeiten sollte (12).

Und selbst wenn der Arzt dem Patienten beim Hinausgehen noch den Vorschlag macht, die Ernährung oder den Lebensstil umzustellen, glauben Sie das hilft so auf die Schnelle? Wir wissen doch alle, dass Wissen nicht vor schlechten Entscheidungen schützt, oder wie erklären Sie sich rauchende Ärzte und geschiedene Eheberater. Viele Ärzte sind auch einfach frustriert, weil sie genau wissen, dass diese Vorschläge sowieso nicht angenommen werden. Wie könnten sie auch – Patienten brauchen sehr viel Untersützung dabei, wenn sie ihr Leben und ihre Ernährung tatsächlich langfristig und erfolgreich umstellen sollen.

Man muss auch mal überlegen, wenn 90 Prozent des Termins damit zugebracht werden, über Symptome und die entsprechenden Medikamente zu sprechen und vielleicht 10 Prozent für Lebensstil Ursachen und Lösungen übrig bleiben – was glauben Sie nimmt der Patient ernster?

Wenn wir chronische Erkrankungen wirklich behandeln wollen, dann brauchen wir eine Systemänderung im Gesundheitswesen, die dazu führt dass:

  • Dem Arzt sehr viel mehr Zeit für den einzelnen Patienten gegeben wird, damit er eine detaillierte Anamnese (Krankengeschichte) erheben kann, Zeit hat, diese mit dem Patienten zu besprechen und ihm Chancen für Änderungen aufzuzeigen. Der 8-Minuten Termin mag ja zum Verschreiben von Medikamenten ausreichend sein, aber für eine wirklich ausführliche Erstanamnese können Sie mal locker 1 -2 Stunden veranschlagen.
  • Zwischen Arzt und Patient eine Zusammenarbeit zustande kommt, bei der der Arzt mit dem Patienten als Partner zusammenarbeitet – und der Patient eine sehr aktive Rolle in seiner Genesung übernehmen muss -, anstatt des in unserem Gesundheitssystem vorherrschenden „Expertenmodells“, in dem der Arzt die Marschrichtung bestimmt, und der Patient alles nur passiv mit sich geschehen lässt.
  • Zusätzlich erhält der Patient Zugang zu einem Betreuungsteam aus Arzthelfern, Krankenschwestern, Ernährungsberatern, Gesundheitscoaches und anderen Berufsgruppen, die die Pflege und Unterstützung zwischen den einzelnen Arztbesuchen aufrecht erhalten.

Integrative Medizin in einigen Ländern schon auf dem Vormarsch

Die gute Nachricht ist, dass genau dieses Modell in einigen Ländern schon praktiziert wird. In Amerika werden Abteilungen für Integrative Medizin (oder Funktionelle Medizin) bereits an einigen großen Kliniken betrieben – unter anderem an der Cleveland Clinic, und die ist nicht so ganz unbekannt.

In England hat es die Integrative Medizin sogar schon ins Fernsehen geschafft mit der Dokuserie Doctor in the House der BBC, in der Dr. Rangan Chatterjee zeigt, wie chronische Erkrankungen durch einfache Änderungen der Ernährung und des Lebensstils geheilt werden können.

Es ist wirklich höchste Zeit, dass wir etwas ändern.

 

(1) http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsB/Geda09/chronisches_kranksein.pdf?__blob=publicationFile

(2) Herausforderungen an die Gesundheitsforschung für eine alternde Gesellschaft am Beispiel „Multimorbidität“ http://edoc.rki.de/oa/articles/re050fIYfPO4E/PDF/21AvGqmVr4ryo.pdf

(3) http://www.bundesaerztekammer.de/aerztetag/beschlussprotokolle-ab-1996/110-daet-2007/punkt-iii/chronische-erkrankungen/

(4) Coronary atherosclerosis in indigenous South American Tsimane: a cross-sectional cohort study http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(17)30752-3/fulltext?elsca1=tlpr

(5) https://de.statista.com/themen/1468/uebergewicht-und-adipositas/

(6) Projections of Trends in Overweight in the Elderly Population in Germany until 2030 and International Comparison https://www.karger.com/Article/FullText/358738

(7) https://www.cdc.gov/ncbddd/autism/data.html

(8) http://www.newsweek.com/prescription-drugs-rise-new-estimates-suggest-60-americans-take-least-one-390354

(9) Neue Wege in der ambulanten Versorgung https://www.kvsh.de/db2b/upload/downloads/nordlicht_04_2013_web.pdf

(10) Genetic Factors Are Not the Major Causes of Chronic Diseases http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0154387

(11) https://medium.com/@drjasonfung/the-deadly-effects-of-fructose-b4d0128f3b39

(12) https://www.tz.de/welt/acht-minuten-patient-596912.html

Was Sie über Antibiotika wissen sollten

Antibiotika TablettenWas Antibiotika angeht, so besteht inzwischen Alarmstufe Rot. Zeitungsmeldungen wie „Die Rückkehr der Seuchen“, „Multiresistente Keime nehmen zu“, „Antibiotikaresistenzen“ häufen sich. Der Grund dafür ist, dass Antibiotika sowohl beim Menschen als auch in der Tiermedizin viel zu häufig verordnet werden.

Sie werden für Husten, Schnittwunden, Harnwegsinfekte, vorsorglich bei Operationen und oftmals „für alle Fälle“ verschrieben, selbst bei viralen Infektionen, für die sie überhaupt nicht wirken (denn es könnte ja zu einer bakteriellen Superinfektion kommen). „Infektionen können tödlich sein“ ist das Mantra derjenigen, die immer noch nicht begriffen haben, dass es nicht wir gegen die Bakterien sind, sondern dass wir einen Großteil dieser kleinen Lebewesen tatsächlich brauchen, damit wir überleben.

Es mag Sie jetzt überraschen, aber die wirkliche Gefahr könnte darin bestehen, dass Sie Ihrem Körper eine „gegen das Leben“ (anti bios) gerichtete Chemikalie zuführen, die unbeabsichtigte Kollateralschäden verursachen kann. Einige dieser Schäden sind so schwerwiegend, dass sie Ihr gesamtes Leben verändern können. Klingt dramatisch? Das ist es auch! Und ich bin überzeugt, dass Sie die nächste Einnahme eines Antibiotikums stark überdenken werden, wenn Sie erfahren, dass es sicherere Methoden gibt, mit Infektionen fertig zu werden.

In der Medizin gilt, dass der Patient eine „informierte Einwilligung“ geben muss.  Dies bedeutet, dass Sie rechtmäßig nur dann in eine Behandlung einwilligen können, wenn Sie sämtliche Vor- und Nachteile der Behandlung sowie etwaige Alternativen kennen. Sind Sie schon mal umfassend über die Vor- und Nachteile von Antibiotika aufgeklärt worden? – Dachte ich mir.

In der Regel greifen Ärzte bei Infektionen weiterhin reflexartig zum Rezeptblock, und – seien wir mal ganz ehrlich – ist es auch genau das, was die Patienten erwarten. Schließlich wollen sie sich möglichst schnell wieder besser fühlen und diese lästige Infektion weg haben.

Nun, sehen wir uns doch mal die Vor- und Nachteile einer Antibiotikabehandlung sowie die Alternativen an.

Die Vorteile der Antibiotika

Offensichtlich wirken Antibiotika, oder? Na ja, wir sehen inzwischen, dass unsere Annahmen diese Substanzgruppe betreffend auf sehr wackeligen Füßen stehen. Tatsache ist, dass Infektionen einen natürlichen Verlauf haben. Sicher gibt es Infektionen, die tödlich verlaufen (und in diesem Fall – danke Antibiotikum), aber viele heilen auch ohne Folgen aus (und das auch, wenn man kein Antibiotikum nimmt). Sie wissen schon, der Schnupfen dauert mit Behandlung 2 Wochen und ohne Behandlung 14 Tage (ja, und ich weiß, dass das ein blödes Beispiel ist, weil Antibiotika bei Schnupfen nicht indiziert sind – sie werden aber trotzdem verschrieben).

Mit steigenden Zahlen von Antibiotika resistenten Keimen (durch häufig unnötige Verordnungen) und weniger neu entwickelten Substanzen in der Pipeline (mit anderen Medikamenten lässt sich so viel mehr Geld verdienen), müssen wir uns jetzt ernsthaft fragen, ob das Vorgehen, Leben einfach auf breiter Fläche auszurotten (und genau das tut ein Breitband-Antibiotikum) wirklich der Weg zu mehr Gesundheit ist.

Die Risiken der Antibiotika

Eine Aufklärung über die Risiken der Antibiotikaeinnahme könnte ungefähr so aussehen:

„Sie haben einen oberen Atemwegsinfekt. Ich bin mir nicht sicher, ob der bakteriell bedingt ist, aber nehmen Sie auf jeden Fall mal dieses Antibiotikum, damit Sie nicht womöglich eine Superinfektion bekommen und dann mit einer Lungenentzündung dasitzen… Ach ja, es ist zwar unwahrscheinlich, aber es kann durch dieses Antibiotikum passieren, dass Sie hinterher bettlägerig sind, weil neurologische Schäden aufgetreten sind, Sie könnten auch eine Infektion durch opportunistische Keime (Keime, die die Immunschwäche durch die Infektion ausnutzen, um sich zu vermehren) bekommen und wenn es ganz blöd läuft, dann haben Sie hinterher vielleicht eine brandneue psychiatrische Diagnose wie zum Beispiel eine manisch-depressive Störung. Ich hoffe, es geht Ihnen bald besser.“

Mikrobiom abhängige Risiken

Als das Mikrobiom entdeckt wurde, hätte die Schulmedizin eigentlich ihre therapeutischen Ansätze neu überdenken müssen. Die Ansicht, dass der Körper eine Maschine ist, die nur gut gewartet und geschmiert werden muss, damit sie funktioniert, ist völlig obsolet. Wir wissen jetzt, dass ein inneres Ökosystem unsere Gene an- und abschaltet (epigenetische Expression) und damit Auswirkungen unter anderem auf die Nährstoffproduktion, den Stoffwechsel, die hormonelle Balance, das Immunsystem und entzündliche Reaktionen hat. Es wird höchste Zeit, dass wir uns damit beschäftigen, was unser Mikrobiom gesund erhält und was ihm schadet.

Bisher haben wir viele Fragen und nur wenige Antworten (1).

Das Mikrobiom moderner Jäger und Sammler wurde untersucht, denn diese sind in der Regel gesund (solange die Zivilisation sie in Ruhe lässt). Es zeigte sich, dass vor allem die Diversität der Darmbakterien bei ihnen wesentlich höher ist als in der zivilisierten Welt (2). Inzwischen ist man sich einig, dass diese Diversität zur Gesundheit beiträgt. Zu dieser Einsicht passt so gar nicht, dass jede Antibiotikaeinname die Diversität der Bakterien im Darm vermindert. Uups.

Man weiß inzwischen auch, dass Probiotika sich vorteilhaft auf die Gesundheit auswirken, während Chemikalien wie das Ackergift Glyphosat für unsere Darmbakterien ein Desaster sind. Außerdem haben wir erfahren, dass die Übertragung von Bakterien schon vor der Geburt anfängt, bei gestillten Kindern durch die Muttermilch weitergeführt wird und so im Alter von 2 Jahren den Grundstein für die spätere Gesundheit legt. Es ist auch jedem klar, dass das wahllose Abtöten von Bakterien womöglich seinen Preis hat. Die Frage ist nur, ist dieser Preis höher als eine Pilzinfektion oder Durchfall?

Wahrscheinlich schon. Wir haben inzwischen genug Hinweise dafür, dass Antibiotika die „guten“ Darmbakterien genauso wie die „schlechten“ abtöten und dadurch zu einer Dysbiose führen, die den Betroffenen verletzlich macht. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2017 (3) zeigt auf, dass Reisende, die Antibiotika einnahmen, ein erhöhtes Risiko für Lebensmittelvergiftungen hatten – inklusive Infektionen durch Antibiotika resistente Bakterienstämme. Die Heilungsraten waren nicht vorhersehbar und wurden mit jeder weiteren Antibiotikaeinnahme schlechter.

„Selbst kurzzeitige Antibiotikagaben können das Mikrobiom für ein Jahr oder sogar länger stören. Bei wiederholten Einnahmen scheint eine Wiederherstellung des Mikrobioms nicht mehr statt zu finden.“

In einer weiteren Studie wurde gezeigt, dass selbst nach einem kurzen Einsatz von Ciprobay (häufig verschrieben bei Harnwegsinfekten) das Mikrobiom nach mehr als selchs Monaten noch eine Abnahme der Diversität um ca. ein Drittel aufwies (4).  Schon diese Verminderung der Diversität kann die Ursache einer weiteren Erkrankung sein.

Das Reizdarmsyndrom ist zum Beispiel so eine Erkrankung, die mit einer geringeren Anzahl „guter“ Bakterien in Zusammenhang gebracht wird. Ebenso ist eine Dysbiose der Vorläufer für Autoimmunerkrankungen (5), Adipositas und Gewichtszunahme (6).

Es ist also ziemlich klar, dass wir alle weniger Antibiotika nehmen sollten. Lässt es sich aber trotzdem nicht umgehen, dann sollten Sie wenigstens schon während der Einnahme zusätzlich ein Probiotikum nehmen und fermentierte Lebensmittel essen, um die Darmflora wieder aufzubauen.

Vom Mikrobiom nicht abhängige Risiken

Wenn Sie von den Mikrobiom abhängigen Risiken nicht schon die Nase voll haben, es gibt auch immer mehr Literatur zum Thema von Mikrobiom unabhängigen Antibiotikarisiken.

Diese Risiken gehen von verlangsamter Knochenheilung (7) bis zu akuten Leberschäden (8). Es sind Effekte auf zellulärer Ebene, die weit über das Auslösen einer Dysbiose hinausgehen. Diese Effekte beinhalten auch Veränderungen in den Stoffwechselprodukten der Darmbakterien, Schäden an den Mitochondrien (9) (die Energielieferanten der Zelle) und Schäden an der Darmschleimhaut.

Sehr beunruhigend finde ich auch die gut dokumentierten psychiatrischen Risiken der Antibiotika. Diese treten auf, da Antibiotika in klinisch relevanten Konzentrationen mit den gleichen Molekülen interagieren, die normalerweise für die Wirkung psychotroper Medikamente verantwortlich gemacht werden.

In einer gerade erschienen Arbeit (10) wird vorgeschlagen, dass Patienten über diese Risiken informiert werden sollten. Es ist also darauf hinzuweisen, dass Antibiotika zu Störungen wie Reizbarkeit, Verwirrung, Enzephalopathie (Hirnerkrankungen), Suizidalität (Selbstmordgefährdung), Psychose und Manie führen können. Die Forscher bemerken abschließend:

„Die neuropsychiatrischen Effekte von antimikrobiell wirksamen Medikamenten sind in der Literatur dokumentiert. Eine Anzahl dieser Substanzen haben das Potential Effekte am ZNS (Zentralnervensystem) auszuüben und viele werden mit stimulierenden, psychotomimetischen* und epileptogenen** Eigenschaften in Verbindung gebracht, die über einen GABA Antagonismus (β-Lactame, Quinolone und Clarithromycin), NMDA Agonismus (D-Cycloserin, Aminoglykoside, evtl. Quinolone), MAO Inhibition (Metronidazol und Isoniazid) ausgeübt werden.“

 *Psychotischen Reaktionen ähnelnd, ** Krampfanfall fördernd

Tatsächlich wird teilweise der Terminus „Antibiomanie“ verwendet, um das Vermögen der Antibiotika zu beschreiben, manische Symptome zu verursachen. Es scheint so als wären Männer häufiger von dieser Nebenwirkung betroffen als Frauen. Es gibt auch Untersuchungen, die einen dosisabhängigen Zusammenhang zwischen einer Antibiotikagabe und dem Auftreten einer Depression sehen (11).

Wenn Sie diese Zusammenhänge nicht kennen, könnten Sie überzeugt sein, dass Ihre neu aufgetretene „psychische Erkrankung“ eine völlig neue Diagnose ist, die eine lebenslange Behandlung bedingt.

Die Alternativen

Glücklicherweise gibt es zum Einsatz eines Antibiotikums aber viele Alternativen. Noch besser – Sie können viele dieser pflanzlichen Therapien täglich in Ihre Mahlzeiten integrieren.

Botanische Kräuter

Schon seit Jahrhunderten werden Kräuter als Antibiotika verwendet. Wenn Sie das Internet durchsuchen, werden Sie für fast alle Beschwerden entsprechende Heilkräuter finden. Ich gebe hier nur einige Beispiele:

  • Inula helenium (Echter Alant) ist 100 Prozent effektiv gegen 200 Isolate von Staphylococcus aureus (verursacht u. a. Furunkel, Abszesse) (12).
  • Alpinia galanga (Thai Ingwer) ist eine Pflanze aus der Familie der Ingwergewächse, die traditionell in asiatischen Ländern benutzt wird. Sie wirkt effektiv gegen Salmonella typhi und E. coli sowie andere Antibiotika resistente Bakterienstämme (13).
  • Nigella sativa (Echter Schwarzkümmel) Extrakt tötet MRSA Bakterien
  • Zimt und Oregano wirken ebenfalls gegen viele resistente Bakterien (14).
  • Kümmel und Rosmarin haben eine starke antibakterielle Wirkung, ebenso wie Holunderbeeren.
  • Nicht zu vergessen Echinacea (Sonnenhut), der das Immunsystem kräftig ankurbelt (15).
Probiotika

Probiotika bieten eine gute Möglichkeit, eine Dysbiose auszugleichen, indem sie die „guten“ Bakterien vermehren. Wenn Sie Probiotika konsumieren, verbessern Sie die Funktion Ihres Stoffwechsels und Ihres Immunsystems und sorgen außerdem dafür, dass unerwünschte Bakterien unterdrückt werden.

Studien haben gezeigt, dass Probiotika bakterielle Infektionen von Zahnfleischentzündungen über durch H. pylori hervorgerufene Infektionen des Magens bis zur bakteriellen Vaginose (Ungleichgewicht der Scheidenflora) bereinigen können.

Natürlich können Sie Probiotika in Pillenform einnehmen, aber fermentierte Nahrungsmittel erledigen den Job eigentlich wesentlich besser (und billiger), da sie sehr viel mehr unterschiedliche Bakterienstämme enthalten. Also essen Sie am besten täglich eine Portion Sauerkraut oder bereiten Sie zuhause Kefir oder Kombucha zu.

Knoblauch

Hippokrates, dem das Zitat „Lass Nahrung deine Medizin sein“ zugesprochen wird, hätte Knoblauch sicherlich als ein medizinisch sehr wertvolles Nahrungsmittel angesehebn. Diverse Studien belegen den antimikrobiellen Effekt von Knoblauch, unter anderem auch eine, in der Knoblauchwasser gegen 133 Bakterienstämme mit Resistenzen gegen verschiedene Antibiotika getestet wurde, und die aufzeigte, dass das Knoblauchwasser beachtliche antimikrobielle Eigenschaften hat (16).

Eine randomisierte kontrollierte Studie kam zu dem Ergebnis, dass Knoblauch dem Antibiotikum Metronidazol in der Behandlung der bakteriellen Vaginosis überlegen ist. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Knoblauch sowohl eine bessere therapeutische Effektivität als auch geringere Nebenwirkungen aufwies (17).

Knoblauch stellt eine effektive Therapie für Infektionen durch H. pylori und Clostridium difficile dar. Ebenso kann er für die Therapie der Lungenentzündung eingesetzt werden (18). Und der Konsum von Knoblauch schützt nicht nur vor bakteriellen Infektionen, sondern führt außerdem zu einer Blutdrucksenkung, stabilisiert den Blutzucker und senkt das Krebsrisiko. Das macht Knoblauch zu einem meiner Lieblingsnahrungsmittel.

 Manuka Honig

Manuka Honig ist wahrscheinlich eine der leckersten Möglichkeiten, gesund zu bleiben. Dieser Honig kommt aus Neuseeland und stammt aus den Pollen des Manuka Busches. Er wird schon seit Tausenden von Jahren angewendet.

Dieser Antioxidantien-reiche Honig wird gerne in teurer Kosmetik verwendet, da er eine antientzündliche und antimikrobielle Wirkung hat. Innerlich angewandt kann er Antibiotika-resistente C. difficile Infektionen heilen (19), ebenso Halsentzündungen, Harnwegsinfekte und MRSA (20).

Ein weiterer Bonus, den Sie durch den Verzehr von Honig erhalten, ist, dass er Propolis enthält. Das ist eine Mischung aus Bienenspeichel und Wachs, die als Bienenkittharz, bekannt ist. Es enthält über 300 therapeutische Substanzen, die sowohl schädliche Bakterien als auch Krebszellen bekämpfen (21).

Kolloidales Silber

Bei kolloidalem Silber handelt es sich um äußerst kleine, feine, positiv geladene Silberpartikel, so genannte Nanopartikel, die tief in das Körpergewebe des menschlichen Organismus eindringen und schädliche Krankheitserreger abtöten können. Es wurde bereits in der Antike als „natürliches“ Wunder- und Heilmittel verwendet, um Infektionen und Entzündungen wirksam zu behandeln, die durch schädliche Bakterien, Viren, Parasiten oder Pilze verursacht wurden.

Silber wird häufig in intravenösen Kathetern, Zahnfüllungen, Verbandmatierial und Knochenimplantaten verwendet. Der genaue Mechanismus der amtimikrobiellen Wirkung wird noch diskutiert. Der Wirkmechanismus scheint auf einer Schädigung der Zellmembranen pathogener (krankmachender) Bakterien zu beruhen. Je nach Oberflächenladung der Silber Nanopartikel und der Bakterienart, können die Bakterien durch die Bildung freier Radikale, die Ansammlung von Nanopartikeln in der Bakterienzellwand oder den Verlust von Zellmembrankomponenten getötet werden (22).

Kolloidales Silber kann sowohl als topische Behandlung bei Hautinfektionen wie MRSA angewendet werden als auch als orales Antibiotikum.

Vitamine

Natürlich dürfen auch Vitamine nicht in der Aufzählung fehlen. Hier ist besonders Vitamin C zu nennen, dessen Effektivität sogar bei einer Blutvergiftung (Sepsis) nachgewiesen ist (23). Unverständlich ist nur der Tageshöchstwert den die Deutsche Gesellschaft für Ernährung angibt. Dieser beträgt zwischen 100 und 150 mg/Tag für einen Erwachsenen. Selbst ein Meerschwein stellt mehr Vitamin C pro Tag her!

Das zweite Vitamin (oder eigentlich besser Hormon), das ich Ihnen ans Herz legen möchte, ist Vitamin D3. Es steuert praktisch das gesamte Immunsystem (24).

Vielleicht ist es Zeit für einen Waffenstillstand

Wir sind alle darauf eingeschworen, dass Bakterien unbedingt bekämpft werden müssen, alles muss klinisch sauber und am besten steril sein. Aber vielleicht ist es Zeit, diesen Kampf zu beenden. Und wenn wir schon dabei sind, sollten wir vielleicht auch Frieden mit unserem Körper schließen. Wie schon öfter gesagt: Unser Körper tut alles, um uns am Leben zu erhalten. Es wäre zur Abwechslung vielleicht einmal ganz nett, ihn dabei zu unterstützen.

Das heißt, dass wir unsere Einstellung überdenken müssen und zu dem Schluss kommen sollten, dass wir nicht die Alleinherrscher sind, die mit der Natur machen können, was sie wollen. Mit dieser Einstellung können wir nur verlieren. Es wird Zeit einzusehen, dass eine natürliche Geburt (im Gegensatz zu einem Kaiserschnitt) und die Ernährung mit Muttermilch (statt industrieller Säuglingsnahrung) der Grundstein für unsere gesundheitliche Widerstandskraft ist und nicht irgendwelche Pillen, die schlau vermarktet werden.

Das Mikrobiom zeigt uns auf, dass wir mit der Natur enger verwoben sind, als es die meisten von uns wahrhaben wollen. Man kann nicht einfach einen Faden aus diesem Netz ziehen und glauben, dass es schon weiterhin halten wird. Denken Sie daran, dass Symptome einfach die Art sind, wie Ihr Körper auf Missstände aufmerksam macht. Es ist allemal besser, die Ursache dieser Missstände abzustellen als blind mit einer Schrotflinte zu schießen und zu hoffen, dass man schon irgendetwas treffen wird.

(1) The effects of antibiotics on the microbiome throughout development and alternative approaches for therapeutic modulation https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4831151/

(2) http://www.iflscience.com/health-and-medicine/tremendously-diverse-microbiome-found-hunter-gatherers-living-amazon/

(3) Effects of short- and long-course antibiotics on the lower intestinal microbiome as they relate to traveller’s diarrhea. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28520993

(4) The pervasive effects of an antibiotic on the human gut microbiota, as revealed by deep 16S rRNA sequencing. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19018661

(5) Commensal bacteria (normal microflora), mucosal immunity and chronic inflammatory and autoimmune diseases. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15158604

(6) An obesity-associated gut microbiome with increased capacity for energy harvest http://www.nature.com/nature/journal/v444/n7122/abs/nature05414.html

(7) A comparison of effects of fluoroquinolones on fracture healing (an experimental study in rats). https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15688263

(8) Fluoroquinolone therapy and idiosyncratic acute liver injury: a population-based study. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22891208

(9) Bactericidal Antibiotics Induce Mitochondrial Dysfunction and Oxidative Damage in Mammalian Cells https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3760005/

(10) Neuropsychiatric Effects of Antimicrobial Agents. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28197902

(11) Antibiotic exposure and the risk for depression, anxiety, or psychosis: a nested case-control study. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26580313

(12) In vitro activity of Inula helenium against clinical Staphylococcus aureus strains including MRSA. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20095126

(13) Antiplasmid activity of 1′-acetoxychavicol acetate from Alpinia galanga against multi-drug resistant bacteria. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19501283

(14) Plant-derived compounds inactivate antibiotic-resistant Campylobacter jejuni strains. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18592739

(15) In vitro effects of echinacea and ginseng on natural killer and antibody-dependent cell cytotoxicity in healthy subjects and chronic fatigue syndrome or acquired immunodeficiency syndrome patients.   https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9043936

(16) In vitro antimicrobial properties of aqueous garlic extract against multidrug-resistant bacteria and Candida species from Nigeria. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15383227

(17) Comparing the Therapeutic Effects of Garlic Tablet and Oral Metronidazole on Bacterial Vaginosis: A Randomized Controlled Clinical Trial. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4166107/#A19118R8

(18) Investigation on the antibacterial properties of garlic (Allium sativum) on pneumonia causing bacteria. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12602248

(19) Antibacterial effect of Manuka honey on Clostridium difficile. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23651562

(20) Manuka honey inhibits cell division in methicillin-resistant Staphylococcus aureus.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21903658

(21) In vitro antiproliferative/cytotoxic activity on cancer cell lines of a cardanol and a cardol enriched from Thai Apis mellifera propolis. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22458642

(22) Antimicrobial effects of silver nanoparticles. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17379174

(23) Mechanism of action of vitamin C in sepsis. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2767105/

(24) Vitamin D macht das Immunsystem scharf. http://www.wissenschaft.de/home/-/journal_content/56/12054/994522/