American Heart Association (AHA) warnt – Kokosöl ist ungesund

Kokosöl, Kokosnuss… Und sie haben es wieder getan. Man kommt sich fast vor wie in den 70ger Jahren als gesättigte Fettsäuren plötzlich verteufelt wurden, weil sie angeblich Herz-Kreislauferkrankungen verursachen. Kokosöl wurde damals absolut verteufelt- zusammen mit Butter und anderen tierischen Fetten. Jetzt hat die AHA ein Statement herausgebracht, dass sich in diese Behauptung nahtlos einpasst, obwohl die Wissenschaft ein ganz anderes Bild malt.

In USA Today fand sich am 16. Juni die Überschrift: Kokosöl ist nicht gesund. Es war niemals gesund (1).

Hier läuft doch irgendetwas total verkehrt. Wenn wir uns Völker ansehen, die viel Kokosöl konsumieren, so stellen wir immer wieder fest, dass sie keine Zeichen für Herzerkrankungen aufweisen. Nehmen wir zum Beispiel die Tokelau aus dem Südpazifik, die 50 Prozent ihrer täglichen Kalorien durch den Verzehr von Kokosnüssen erhalten (2).  Diese Population wurde erst fett und herzkrank als sie Weizen, Zucker und Pflanzenöle in ihre Ernährung einführten.

Auch die Kitaver, die gerne als Beispiel für Gesundheit und langes Leben herangezogen werden, essen viel Kokosöl und viele stärkehaltige Gemüse und leben sehr gut damit (3).

Tja, eigentlich ist damit schon alles gesagt, oder? Keine Herzerkrankungen bei Personen, die 50 % ihrer Kalorien durch Kokosöl abdecken? Dafür ein riesiges Ausmaß an Herzerkrankungen bei Menschen, die nicht 50 % ihrer Kalorien durch Kokosöl erhalten…Da hat die AHA doch irgendetwas falsch verstanden.

Na, gucken wir uns mal an, was da gerade wieder abläuft.

Der Kampf gegen gesättigte Fette

Letzten Endes läuft es darauf hinaus, dass die AHA wieder einmal eine Salve gegen den Konsum von gesättigten Fetten feuert. Seit Ancel Keys haben sich ja alle auf gesättigte Fette und Cholesterin eingeschossen. In ihrer Untersuchung stürzen sie sich nur auf den Fakt, dass Kokosöl das LDL Cholesterin („schlechtes“ Cholesterin) erhöht und ignorieren alles, was es sonst noch tut. Im Gegenteil, sie behaupten sogar, dass Kokosöl keine „ausgleichenden günstigen Eigenschaften“ habe.

Wie bitte?

Okay, LDL hat irgendwie etwas mit Herzerkrankungen zu tun, aber das machen wir bitte nicht an einem Wert fest.

Beim LDL kommt es durchaus auf die Größe an. Wirklich gefährlich ist oxidiertes LDL, während große, fluffige LDL Partikel eher eine schützende Wirkung haben. Geht die AHA auf diesen Unterschied ein. Natürlich nicht!

Es wäre so schön, wenn sie mal von ihrem Kurs abweichen würden. Natürlich ist es peinlich, nach all diesen Jahren zugeben zu müssen, dass man mit seinen Empfehlungen völlig falsch lag (und damit womöglich den Tod von Millionen Menschen verursacht hat), aber ich denke irgendwann wird einfach der Tag kommen, wo sie aus dieser Sache nicht mehr anders rauskommen. Aber bis dahin hängt ihre Existenz davon ab, dass sie die „ausgleichenden günstigen Eigenschaften“ nicht sehen.

Man würde denken, dass die Tatsache, dass Stoffwechselprodukte der PUFAs (mehrfach ungesättigte Fettsäuren aus Pflanzenölen) tatsächlich als Biomarker für die nichtalkoholische Fettleberentzündung (also eine Entzündung, die bei der nichtalkoholischen Fettleber auftritt) genutzt werden, bei ihnen den ein oder anderen Gedanken auslösen sollte. Aber vielleicht haben sie diese Studien ja auch gar nicht gesehen…

Positive Effekte von Kokosöl

Sehen wir uns diese fehlenden „ausgleichenden günstigen Eigenschaften“ doch einmal genauer an.

  • Anhebung von HDL (gutes Cholesterin). Dieser Effekt tritt bei allen Menschen auf, die Kokosöl konsumieren (4). Höhere Konzentrationen an HDL werden allgemein als protektiv gegen Herzerkrankungen angesehen. Es gibt zwei Quotienten, die das Risiko für einen Herzinfarkt anzeigen, Gesamtcholesterin/HDL und LDL/HDL. Je kleiner der Wert für den Gesamtcholesterin/HDL Quotienten, desto geringer das Infarktrisiko. Dieser Quotient schlägt den LDL/HDL Quotienten in seinem Voraussagewert (5).
  • Verbesserter cardiometabolischer Status bei Patienten mit Herzerkrankungen. Huch, genau diese Leute sollten laut AHA um Himmels Willen ja kein Kokosöl essen. Aber bei ihnen führte der Konsum des Öls zu einer Abnahme des Taillenumfangs und einer Zunahme des HDL.
  • Weitere Studien zeigen ebenfalls auf, dass Kokosöl zu einer Abnahme des Taillenumfangs und Körpergewichts führte – sowohl bei Männern (6) als auch bei Frauen (7).

Was man sonst noch so mit Kokosöl machen kann

Immerhin wird in diesem USA Today Artikel ein Arzt zitiert, der sagt

„Sie können es auf Ihren Körper tun, aber tun Sie es nicht in Ihren Körper hinein.“

Sie haben also den Segen der AHA Kokosöl als Lotion, Deodorant, Seife oder Shampoo zu benutzen. Ich darf Ihnen versichern, davon mache ich ausgiebig Gebrauch.

Und auch bei diesen Anwendungen zeigen sich die positiven Eigenschaften von Kokosöl.

  • Als Haarpflegemittel kann das Kokosöl durch seine mittelkettigen Triglyceride leichter zu den Haarproteinen durchdringen. Diese schützen sie vor Schäden durch Sonneneinstrahlung und führen zu geringerem Haarausfall als bei Verwendung von Pflegemitteln auf Basis von Mineralöl oder Sonnenblumenöl (8).
  • Hautpflege. Bei schuppiger Haut sowie bei Patienten mit entzündlichen Veränderungen der Haut wirkt Kokosöl deutlich besser als Mineralöl Produkte (9).
  • Auch zum Ölziehen können Sie Kokosöl verwenden. Dadurch werden Karies-verursachende Bakterien reduziert ebenso wie Bakterien, die in den atherosklerotischen Plaques von Patienten mit Herzinfarkt gefunden werden (10). Aber bitte nicht runterschlucken.
  • Die im Kokosöl enthaltene Laurinsäure wirkt antimikrobiell (11). Diesen Effekt kann ich nur bestätigen. Ich habe meinen Fuß, der nach einer Operation infiziert war, ganz ohne Antibiotikum – einfach nur mit Kokosöl geheilt.

Nachteile

Um fair zu sein, muss man auch anmerken, dass Kokosöl einige Nachteile hat.

Wenn Sie den Geschmack von Kokosnuss nicht mögen, sollten Sie auf keinen Fall Ihre Spiegeleier in diesem Fett braten (Fleisch und Fisch nehmen den Geschmack nicht an).

Man muss sich auch klar darüber sein, dass Kokosöl nicht dasselbe ist wie eine ganze Kokosnuss. Die Bevölkerungen, die infolge des Konsums von Kokosfett so gesund sind, essen natürlich nicht esslöffelweise raffiniertes oder sogar Virgin Kokosöl, sondern essen im Allgemeinen die gesamte Kokosnuss – Fleisch, Saft, Ballaststoffe und alles. Deshalb ist Kokosbutter (oder Kokosmus) vielleicht sogar eine bessere Alternative, denn sie beinhaltet tatsächlich nicht nur das Fett sondern auch das Fleisch und die Ballaststoffe.

Und ja, es erhöht das LDL. Aber ob das tatsächlich schlecht ist, können Sie nur herausfinden, wenn Sie die Partikelgröße bestimmen lassen. Ich persönlich mache mir darüber keine Sorgen, denn es erhöht auch das HDL, und wenn ich mir meine Fettwerte ansehe, dann kann ich trotz (oder gerade wegen) des Konsums gesättigter Fettsäuren sehr zufrieden sein.

Aber Vorsicht, fangen Sie jetzt nicht an Kokosöl oder -butter gleich löffelweise zu essen. Wenn Sie Ihre Ernährung drastisch umstellen, ist es immer eine gute Idee, sich mittels einiger Labortests anzusehen wie Ihr Körper darauf reagiert.

Ist die AHA wirklich objektiv?

Was die AHA angeht möchte ich nur noch anmerken, dass wir eine gewisse Voreingenommenheit vielleicht nicht ganz von der Hand weisen können. Immerhin haben sie im März von der Sojabohnen-Industrie eine Spende von USD 500.000,- bekommen (und schon drei Monate später bekommt Kokosöl einen Schuss vor den Bug geknallt) (12).  Und ich wette, Sie sind jetzt auch nicht wirklich überrascht darüber, dass die AHA Sojaöl (das in den USA aus genetisch modifizierten Sojabohnen hergestellt wird) als sehr gesundes Fett einstuft (13).

Ich denke, dazu gibt es dann nichts mehr zu sagen.

 

(1) https://www.usatoday.com/story/news/nation-now/2017/06/16/coconut-oil-isnt-healthy-its-never-been-healthy/402719001/

(2) http://wholehealthsource.blogspot.de/2009/01/tokelau-island-migrant-study-final-word.html

(3) Apparent absence of stroke and ischaemic heart disease in a traditional Melanesian island: a clinical study in Kitava. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8450295

(4) A COCONUT EXTRA VIRGIN OIL-RICH DIET INCREASES HDL CHOLESTEROL AND DECREASES WAIST CIRCUMFERENCE AND BODY MASS IN CORONARY ARTERY DISEASE PATIENTS.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26545671

(5) Total Cholesterol/HDL Cholesterol Ratio vs LDL Cholesterol/HDL Cholesterol Ratio as Indices of Ischemic Heart Disease Risk in Men. http://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/752318

(6) An open-label pilot study to assess the efficacy and safety of virgin coconut oil in reducing visceral adiposity. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22164340

(7) Effects of dietary coconut oil on the biochemical and anthropometric profiles of women presenting abdominal obesity. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19437058

(8) Effect of mineral oil, sunflower oil, and coconut oil on prevention of hair damage.   https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12715094

(9) The effect of topical virgin coconut oil on SCORAD index, transepidermal water loss, and skin capacitance in mild to moderate pediatric atopic dermatitis https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24320105

(10) Oral inflammation and infection, and chronic medical diseases: implications for the elderly. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27501498

(11) Novel antibacterial activity of monolaurin compared with conventional antibiotics against organisms from skin infections: an in vitro study. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17966176

(12) https://www.cropscience.bayer.us/news/press-releases/2017/03022017-bayer-and-libertylink-soybeans-help-protect-hearts-in-americas-heartland

(13) https://www.usatoday.com/story/news/nation-now/2017/06/20/coconut-oil-out-these-oils-you-should-using-experts-say/412393001/

Mit der Paleo-Diät gegen das metabolisches Syndrom

In Deutschland sind ca. 12 Millionen Menschen an einem metabolischen Syndrom erkrankt (1). Es ist bekannt, dass das metabolische Syndrom ein wichtiger Risikofaktor für die Entstehung eines Diabetes mellitus ist. Aktuell leben in Deutschland mehr als 6 Millionen Menschen mit Diabetes (2). Dies ist eine Steigerung um 38 Prozent seit 1998. Altersbereinigt beträgt die Steigerung immer noch 24 Prozent. Die Dunkelziffer noch nicht diagnostizierter Diabeteserkrankungen wird auf etwa die gleiche Höhe geschätzt.

Die Diagnose eines metabolischen Syndroms wird gestellt, wenn folgende Kriterien vorliegen:

Abdominales Übergewicht, d.h. das Fettgewebe ist hauptsächlich im Bauchraum angesiedelt. Abdominales Übergewicht bezeichnet einen Taillenumfang von:

  • mehr als 94 cm bei Männern
  • mehr als 80 cm bei Frauen.

Für Personen nicht kaukasischer Abstammung liegen andere Grenzwerte vor.

Zusätzlich zum abdominalen Übergewicht müssen mindestens zwei der folgenden vier Faktoren vorliegen:

  • Triglyceridwerte über 150 mg/dL (bzw. 1,7 mmol/L) oder bestehende Therapie dieser Fettstoffwechselstörung
  • HDL-Cholesterin unter 40 mg/dl (bzw. 1,0 mmol/L) bei Männern und unter 50 mg/dl (bzw. 1,3 mmol/L) bei Frauen  oder derzeitige Therapie dieser Fettstoffwechselstörung
  • systolischer Blutdruck ab 130 mmHg oder diastolischer Blutdruck ab 85 mmHg oder bestehende Therapie eines festgestellten Bluthochdrucks
  • Nüchternplasmaglucose ab 100 mg/dL (5,6 mmol/L) oder bereits festgestellter Typ 2 Diabetes. (Bei einer Nüchternplasmaglucose über den oben genannten Werten wird ein oraler Glukosetoleranztest empfohlen, um einen Diabetes oder dessen Vorstufen feststellen zu können. Zur Bestimmung des metabolischen Syndroms ist dies allerdings nicht notwendig.)

Es wird immer noch darüber diskutiert, welche Faktoren zu einem metabolischen Syndrom führen. Die meisten Mediziner sind sich jedoch inzwischen im Klaren darüber, dass Insulinresistenz (3) und chronische Entzündungen (4) als Hauptverursacher anzusehen sind.

Es ist ja kein Zufall, dass die moderne westliche Diät, die voller industriell gefertigter „Nahrungsmittel“ und Omega-6 Fettsäuren aus Pflanzenölen steckt, einen großen Beitrag bei der Entwicklung einer Insulinresistenz und von chronischen Entzündungen spielt. Die Frage ist, wie wirkt sich eine anders geartete Ernährung, die diese entzündungsauslösenden Komponenten nicht beinhaltet, im Vergleich auf die Marker für ein metabolisches Syndrom aus?

Verändern kohlenhydratreiche Nahrungsmittel in der westlichen Diät den Darm und verursachen Entzündungen?

Wir können feststellen, dass die Marker für das metabolische Syndrom in der westlichen Welt völlig aus dem Ruder laufen. Bei Naturvölkern (den wenigen, die es noch gibt) kommen diese modernen Krankheiten aber praktisch nicht vor. Wenn diese Naturvölker allerdings die westliche Ernährung übernehmen, dann kommt es auch bei ihnen sehr schnell zum Auftreten der uns nur allzu gut bekannten Krankheiten (5, 6).

Wenn wir also die traditionelle Ernährungsweise dieser Volksgruppen mit unserer modernen „herzgesunden“ Ernährung (viel Kohlenhydrate, wenig Fett) vergleichen, dann können wir herausfinden, welche Faktoren zum metabolischen Syndrom beitragen.

Unterschiede zwischen Jäger/Sammler- und westlichen Diäten

Einige Volksgruppen – wie die Kitaver – konsumieren über 60 – 70 Prozent ihrer Kalorien als Kohlenhydrate, haben aber trotzdem keine Zivilisationskrankheiten (7). Daraus können wir also schließen, dass kohlenhydratreiche Ernährungsformen nicht an sich für die erhöhte Rate an metabolischem Syndrom und chronischen Entzündungen in der westlichen Welt verantwortlich gemacht werden können (auch wenn das einigen Leuten jetzt überhaupt nicht passt).

Wir müssen uns also überlegen, ob die Quelle der Kohlenhydrate der Faktor ist, der tatsächlich wichtig ist. So konsumieren zum Beispiel die Kitaver, Masai, Machiguenga und !Kung Stämme – wenn überhaupt – nur sehr wenige raffinierte Kohlenhydrate oder verarbeitete Zucker (8, 9).

Seit Kurzem wird die Hypothese vertreten, dass die Art von Kohlenhydraten, die sich in der westlichen Ernährung findet, die chronische Entzündung durch Veränderungen des Darmmikrobioms hervorruft (10).

In dem Artikel wird angenommen, dass bei den traditionellen Ernährungsformen die Nahrungsmittel auch beim Kochen zellulär bleiben im Gegensatz zu den azellulären (frei liegenden) Kohlenhydraten in moderner Industrienahrung. Das heißt in anderen Worten: Die Bearbeitung der Nahrungsmittel reißt ihre zelluläre Struktur bei Produktionsschritten, die hohe Temperaturen oder Drücke beinhalten, auseinander. Und wo findet man diese Prozesse? Nun, bei der Herstellung von Pflanzenölen, raffiniertem Zucker und Mehl und eigentlich mehr oder weniger bei allen industriell gefertigten Lebensmitteln.

Bei einem zellulären, kohlenhydratreichen Nahrungsmittel (wie zum Beispiel einer Süßkartoffel) bekommt der obere Gastrointestinaltrakt nicht besonders viel von dieser „Kohlenhydratlast“ mit, da sie noch in Zellen eingeschlossen ist und erst weiter unten im Verdauungstrakt aufgespalten wird.

Im Gegensatz dazu werden azelluläre, raffinierte Nahrungsmittel bereits im oberen Gastrointestinaltrakt und im Mund verdaut. Diese Kohlenhydratmenge ist in der menschlichen Ernährung bis auf die letzten 100 – 150 Jahre nie dagewesen. Sie verändert das Mikrobiom und führt dadurch zu chronischen Entzündungen.

Ich finde, dass das eine absolut überzeugende Theorie ist, die viele unserer heutigen Probleme erklärt. Aber schauen wir uns auch mal Daten an, die ganz speziell traditionelle und moderne Ernährungsformen miteinander vergleichen.

Zurück zur Paleo-Ernährung

Im letzten Jahrzehnt erschienen einige randomisierte, kontrollierte Studien (RCT), die Stammes-Diäten (oder „paleolithische“/Jäger-Sammler Diäten) mit der westlichen Diät vergleichen.

Wie Sie sich sicher vorstellen können, haben unsere paleolithischen Vorfahren überhaupt keinen raffinierten Zucker, verarbeitetes Mehl und viele andere azelluläre Lebensmittel gegessen. Die meisten experimentellen „Steinzeitdiäten“ schlossen Milchprodukte und Hülsenfrüchte aus und inkludierten mageres Fleisch, Fisch, Eier, Gemüse, Obst, Nüsse und Samen. Diese Studien zeigten auf, dass die Paleo-Diät Menschen mit gestörtem Fettstoffwechsel, metabolischem Syndrom und Diabetes eine Menge zu bieten hat.

Die Paleo-Diät zeigte sich vielen „herzgesunden“ Ernährungsformen als überlegen.

Wie nun sahen die Ergebnisse für einzelne Erkrankungen aus?

Typ II Diabetes

Eine kleine Studie fand 2015 heraus, dass die Paleo-Diät den Nüchtern-Blutzuckerwert, das Gesamtcholesterin und beide HDL- und LDL- Cholesterinwerte in nur 14 Tagen verbesserte. Die Diät der American Diabetes Association, die von der Kontrollgruppe gegessen wurde, konnte da nicht mithalten (11).

Beide Gruppen zeigten ähnliche positive Veränderungen, was den Nüchtern-Blutzucker und das Körpergewicht anging. Interessanterweise verbesserten sich die Probanden mit den höchsten Nüchtern-Blutzucker-werten bei der Paleo-Diät, nicht aber bei der ADA-Diät.

In einer längeren Crossover-Studie aßen Typ II Diabetiker zunächst drei Monate eine Paleo-Diät und dann weitere drei Monate eine Diabetes-Diät (12). Bei der Paleo-Diät zeigten sich größere Verbesserungen in den Triglyzeridspiegeln (logisch, weniger Kohlenhydrate), im diastolischen Blutdruck, Gewicht, Taillenumfang und HDL-Cholesterin.

Bei Patienten, die sowohl eine Herzerkrankung als auch einen Typ-II Diabetes oder eine gestörte Glucosetoleranz hatten wurde die Paleo-Diät gegen eine Mediterrane Diät getestet. Die Paleo Diät führte nach 12 Wochen zu einer größeren Reduktion des Taillenumfangs, der Nüchtern-Blutzuckerwerte und der Blutzuckerwerte 2 Stunden nach einer Mahlzeit als die Mediterrane Diät (13). Die Blutfette und der Blutdruck änderten sich in beiden Gruppen ähnlich.

Ich würde sagen, das ist ein glattes 1 : 0 für die Paleo-Diät.

Metabolisches Syndrom

Untersuchungen haben gezeigt, dass die Paleo-Diät Anzeichen eines metabolischen Syndroms rückgängig machen kann, sodass es gar nicht erst zum Typ-II Diabetes oder zu Herzerkrankungen kommt.

2014 kam eine kleine Pilotstudie zu dem Ergebnis, dass die Paleo-Diät den Blutdruck, das Gesamtcholesterin und die Triglyzeride senkt, während es zu einer Anhebung des HDL-Cholesterins kommt (14). Sie tat dies besser als die vom niederländischen Gesundheitsrat empfohlene Diät. Bei Beendigung der 14-tägigen Studie war die Anzahl von Personen mit metabolischem Syndrom durch Intervention mittels Paleo-Diät tatsächlich sogar reduziert.

Eine Studie testete die Paleo-Diät gegen die von der American Heart Association empfohlene Diät (15). Diese Studie lief über vier Monate und schloss Patienten ein, die bereits erhöhte Cholesterinwerte aufwiesen. Und das Ergebnis? Die Paleo-Gruppe hatte deutlich bessere Gesamtcholesterin-Werte, LDL- und HDL-Cholesterinwerte und Triglyzeride. Eigentlich ein Grund zum Weinen, wenn man bedenkt, welche der beiden Ernährungsformen empfohlen wird (ein Tipp: Es ist nicht die Paleo-Diät).

In einer zwei Jahre dauernden Ernährungsstudie zeigte sich, dass die Paleo-Diät nach sechs Monaten zu deutlich besseren LDL-, Triglyzerid- und Cholesterinwerten führte als die fettarme Diät, mit der sie verglichen wurde (16). Diese Unterschiede glichen sich nach dem Zweijahrszeitraum an, nur die Triglyzeride waren in der Paleo-Gruppe weiterhin deutlich niedriger. Kein schlechtes Ergebnis, wenn man bedenkt welche Rolle Triglyzeride in der Entstehung einer Fettleber und von kardiovaskulären (Herz-Kreislauf) Erkrankungen spielen.

Zum gleichen Ergebnis kam eine weitere 2-jährige Studie, in der die Paleo-Diät gegen die Nordic Nutrition Recommendations getestet wurde (17). Während beide Ernährungsformen sich positiv auf den Blutdruck, die Herzfrequenz und das LDL-Cholesterin auswirkten, zeigte auch hier die Paleo-Diät signifikant niedrigere Triglyzeridwerte.

Ich würde sagen: 2 : 0 für die Paleo-Diät.

Vorteile der Paleo-Diät bei gesunden Personen

Eine kleine 3-wöchige Studie zeigte 2008 positive Effekte auf das Gewicht, den Taillenumfang und systolischen Blutdruck (18).  Eine weitere Studie, an der nicht-übergewichtige Personen mit einem sitzenden Lebensstil teilnahmen, zeigte, dass schon nach 10 Tagen mit der Paleo-Diät positive Änderungen im Blutdruck, Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin und den Triglyzeriden auftraten (19).

3 : 0 für die Paleo-Diät.

Wenn man sich diese Sammlung an Studien ansieht, würde man glauben, dass die Paleo-Diät von Medizinern empfohlen würde wie warme Semmeln (das war jetzt extra doppeldeutig, denn Semmeln kommen in der Paleo-Diät natürlich nicht vor, in der Diabetes Diät und „herzgesunden“ Diäten aber natürlich schon).

Finden Sie es da nicht auch überraschend, dass die Paleo-Diät immer als schlechteste Diät abschneidet (20). Sie belegt Platz 34 von 38 weit hinter solchen Loser Diäten wie der Biggest Loser Diät (die nachweislich überhaupt nicht funktioniert).  Aber natürlich haben da die Mainstream-Medien einen großen Anteil dran, und die verdienen natürlich sehr gut an der Werbung der Pharma- und Nahrungsmittelindustrie.

 

Einschränkungen bisheriger Studien zur Paleo-Diät

RCTs, die die Paleo-Diät mit anderen Ernährungsformen vergleichen sind sowohl von der Anzahl als auch vom Umfang her bisher sehr eingeschränkt. Einige Studien dauerten nur ein paar Wochen. Sehr wenige hatten einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten. Da diese ersten Daten vorteilhafte Effekte auf den Fettstoffwechsel und Symptome des metabolischen Syndroms aufweisen, werden hoffentlich bald Studien mit längerer Dauer und größeren Teilnehmerzahlen folgen.

Verminderte Kalorienaufnahme mit der Paleo-Diät

Kritiker der Paleo-Diät führen gern ins Feld, dass Patienten, die einer ad libitum (ohne Beschränkung) Paleo-Diät folgen, normalerweise weniger Kalorien zu sich nehmen und dadurch mehr Gewicht abhnehmen als Patienten, die eine Kontrolldiät konsumieren. Und sie stellen die Frage, ob die positiven Effekte der Paleo-Diät zuzuschreiben sind oder der Restriktion von Kalorien. Diese Frage ist natürlich irgendwie schon berechtigt.

In ihrer Untersuchung berücksichtigten Boer et al. genau diesen Punkt, indem sie für die Paleo-Gruppe erlaubte Snacks vorhielten, um die Teilnehmer auf einem vergleichbaren Gewicht wie die Kontrollgruppe zu halten (14). Die Paleo-Gruppe nahm trotzdem mehr Gewicht ab, weshalb die gruppenvergleichende statistische Auswertung entsprechend korrigiert wurde.

Lindeberg et al. stellten 2007 in ihrer Untersuchung ebenfalls fest, dass die verbesserte Glucosetoleranz unabhängig vom Taillenumfang war, das heißt nicht unbedingt durch eine Gewichtsabnahme hervorgerufen wurde (13). Pastore et al. rechneten ebenfalls Unterschiede in der Gewichtsabnahme zwischen den beiden Diäten in ihrer Studie mit ein (15). Es bleibt ein unumstößlicher Fakt, dass die Paleo-Diät – auch wenn die Gewichtsabnahme korrigiert wird – trotzdem mehr Vorteile hatte.

Und außerdem muss ich zugeben, dass ich die ganze Diskussion nicht verstehe. Die Diätindustrie versucht ständig, neue Diäten zu verkaufen, die für ein müheloses Abnehmen ohne Hungern sorgen sollen. Leider stellt sich immer wieder heraus, dass sie ihre Versprechungen nicht halten können.

Ist es also der Paleo-Diät negativ anzurechnen, dass sie es möglich macht, dass Individuen tatsächlich mühelos abnehmen können? Dass die Nährstoffdichte in dieser Diät so hoch ist, dass der Körper spontan sagt, ich brauche keine leeren Kalorien mehr? Das bedeutet, abnehmen ohne zu hungern.

Die Diätindustrie würde sich für ein solches Wundermittel ein Bein ausreißen. Was könnte man da für Geld mit verdienen. Nur leider können sie Vollkost nicht in Tüten abfüllen. Sie haben kein Patent auf Kokosöl und Avocados oder auf Weiderinder. Und das ist der Grund, warum die Paleo-Diät so verdammt wird.

Führt die Paleo-Diät zu einem Calciummangel?

Ein zweiter Kritikpunkt der gerne angeführt wird, ist, dass die Paleo-Diät angeblich zu wenig Calcium enthält (weil Milchprodukte ausgeschlossen werden) und damit zur Osteoporose führt.

Nun, es gibt genug Studien, die belegen, dass Milchkonsum Schenkelhalsfrakturen durch Osteoporose nicht verhindert (21). In dieser Studie wird eher dazu geraten, für einen ausreichenden Vitamin D Spiegel zu sorgen. Und außerdem wird bei der Paleo-Diät dazu geraten, viel grünes Blattgemüse zu essen, das eh eine höhere Calciumkonzentration aufweist als Milch, und dessen Calcium vom menschlichen Körper zudem auch viel besser verwertet werden kann. Milch als Calciumlieferant ist zudem sehr in die Diskussion geraten, weil ein hoher Milchkonsum zur Übersäuerung des Körpers führt, die durch Calcium wieder abgepuffert werden muss.

Und schlussendlich wurde dann noch nachgewiesen, dass bei Menschen, die einer Paleo-Diät folgen, die Calciumkonzentration im Urin wesentlich niedriger liegt als bei Personen einer Kontrolldiät. Dies bedeutet, dass auch wenn die Aufnahme geringer sein sollte (was ich nicht glaube), die Absorptionsrate einfach höher ist, sodass die Calcium/Magnesium Balance nicht beeinflusst wird (1114). Nicht die Milch macht starke Knochen, sondern Vitamin D und Krafttraining.

 Fazit:

Wenn Sie Ihre Gesundheit erhalten oder wiedergewinnen wollen, dann sollten Sie die Paleo-Diät zumindest einmal ausprobieren. Sie werden von den Effekten überrascht sein.

 

(1) http://www.assmann-stiftung.de/praevention/herzinfarkt/metabolisches-syndrom/

(2) http://www.diabetesde.org/ueber_diabetes/was_ist_diabetes_/diabetes_in_zahlen

(3) Lifestyle and nutritional imbalances associated with Western diseases: causes and consequences of chronic systemic low-grade inflammation in an evolutionary context.  http://www.jnutbio.com/article/S0955-2863(13)00054-5/abstract

(4) Inflammatory mechanisms in obesity. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21219177

(5) The global epidemiology of non-insulin-dependent diabetes mellitus and the metabolic syndrome. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9101389

(6) Traditional versus agricultural lifestyle among Shuar women of the Ecuadorian Amazon: effects on leptin levels. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15375794

(7) Apparent absence of stroke and ischaemic heart disease in a traditional Melanesian island: a clinical study in Kitava. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8450295

(8) Cardiovascular risk factors in a Melanesian population apparently free from stroke and ischaemic heart disease: the Kitava study. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8077891

(9) http://www.jstor.org/stable/4602645?seq=1#page_scan_tab_contents

(10) Comparison with ancestral diets suggests dense acellular carbohydrates promote an inflammatory microbiota, and may be the primary dietary cause of leptin resistance and obesity. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22826636

(11) Metabolic and physiologic effects from consuming a hunter-gatherer (Paleolithic)-type diet in type 2 diabetes. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25828624

(12) Beneficial effects of a Paleolithic diet on cardiovascular risk factors in type 2 diabetes: a randomized cross-over pilot study. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19604407

(13) A Palaeolithic diet improves glucose tolerance more than a Mediterranean-like diet in individuals with ischaemic heart disease. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17583796

(14) Favourable effects of consuming a Palaeolithic-type diet on characteristics of the metabolic syndrome: a randomized controlled pilot-study.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25304296

(15) Paleolithic nutrition improves plasma lipid concentrations of hypercholesterolemic adults to a greater extent than traditional heart-healthy dietary recommendations. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26003334

(16) Strong and persistent effect on liver fat with a Paleolithic diet during a two-year intervention. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26786351

(17) Long-term effects of a Palaeolithic-type diet in obese postmenopausal women: a 2-year randomized trial http://www.nature.com/ejcn/journal/v68/n3/full/ejcn2013290a.html

(18) Effects of a short-term intervention with a paleolithic diet in healthy volunteers.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17522610

(19) Metabolic and physiologic improvements from consuming a paleolithic, hunter-gatherer type diet. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19209185

(20) http://health.usnews.com/best-diet/best-diets-overall

(21) Calcium, vitamin D, milk consumption, and hip fractures: a prospective study among postmenopausal women. http://ajcn.nutrition.org/content/77/2/504.long

Paracetamol – nicht so harmlos wie gedacht?

Ich  möchte wetten, dass Sie auch schon Paracetamol genommen haben, um Ihre Kopfschmerzen loszuwerden. Das haben wohl die meisten von uns. In Deutschland nehmen rund 3,8 Millionen Menschen regelmäßig Kopfschmerztabletten.

Paracetamol ist ein weit verbreitetes Schmerzmittel aus der Gruppe der Cyclooxygenasehemmstoffe (Nichtopioid-Analgetika) und wird bei leichten bis mäßig starken Schmerzen unterschiedlicher Ursache eingesetzt. Zudem wird es als Fieber senkendes Medikament (Antipyretikum) eingesetzt.

Handelsnamen sind unter anderem:

  • Paracetamol 500 Hexal ®
  • Ben-u-ron ® 500 mg von Novartis
  • Benuron ® Captin
  • Enelfa ®
  • Gelonida ®
  • Grippostad ® C
  • Neopyrin ® forte
  • Thomapyrin ® C Schmerztabletten

Die meisten Menschen schmeißen Schmerztabletten ein, als wären es Lutschbonbons. Der Kopf tut weh? Hier ist eine Pille. Im Rücken zieht’s? Da kann man was gegen einnehmen.

Frei verkäufliche Schmerztabletten haben ein gutes Image, gelten inzwischen fast schon als Lifestyle-Produkte und nicht mehr als Medikamente. Suggeriert doch die Werbung, dass diese Pillen generell fit machen – auch vorbeugend und in jeder erdenklichen Lebenslage. Sportler nehmen sie auch gerne mal prophylaktisch (vorbeugend).

Paracetamol wird von den meisten Menschen als harmlos eingestuft. Dies ist aber leider nicht der Fall. Selbst unter einer Dosierung von 2000 mg pro Tag, die noch völlig im therapeutischen Bereich liegt, berichten niedergelassene Ärzte über Leberschäden.

Für die USA wird laut ProPublica die Anzahl von Verletzungen und Todesfällen durch Paracetamol auf etwas über 110000 Fälle pro Jahr geschätzt (1).

 

Was aber macht Paracetamol so schädlich?

Überraschenderweise weiß man eigentlich nicht so genau, wie Paracetamol tatsächlich wirkt (2), aber man weiß, dass diese Substanz Glutathion verbraucht (3), ein Antioxidans, das für die Gesundheit des gesamten Körpers sehr wichtig ist. Unser Körper benötigt Antioxidantien, um oxidative Schäden und Entzündungen auszugleichen.

Wenn Sie also morgens eine Tablette Paracetamol mit Ihrem Antioxidantien-reichen Smoothie trinken, dann kann es passieren, dass Sie die positive Wirkung des Smoothies deutlich herabsetzen.

Man geht inzwischen davon aus, dass die Nebenwirkungen, die bei der Einnahme von Paracetamol auftreten können, vor allem dem Mangel an Glutathion zuzuschreiben sind.

Nebenwirkungen von Paracetamol

1. Leberschädigung

Bekannt ist, dass Paracetamol die Leber schädigt, und es bei Überdosierung zum Leberversagen kommen kann, dass im ungünstigsten Fall auch tödlich enden kann. Bei Erwachsenen tritt dieser Fall wahrscheinlich nur auf, wenn Paracetamol in suizidaler Absicht genommen wird. Bei Kindern sind die benötigten Dosen deutlich geringer, sodass es tatsächlich auch unbeabsichtigt zu einer Vergiftung kommen kann.

Da unser Körper aber ein verbundenes System ist, ist es nicht verwunderlich, dass Paracetamol auch noch andere unerwünschte Nebenwirkungen hat.

2. Erhöhtes Mortalitätsrisiko

Eine Studie, die 2013 in Annals of the Rheumatic Diseases erschienen ist (4), untersuchte welche Nebenwirkungen bei der Einnahme von Paracetamol auftraten. Sie fanden einen dosisabhängigen Zusammenhang mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko (Risiko zu Versterben). Während bei wiederholter Einnahme von Paracetamol in niedriger Dosierung die relative Sterberate nicht erhöht war, lag sie bei langanhaltendem Gebrauch hoher Dosen bei 1,63 (95%-Konfidenz-IntervalI: 1,58-1,68) – war damit also um 63% erhöht. Herz-Toxizität, gastro-intestinalen Blutungen (Blutungen im Magen-Darm-Trakt) und Nierenschäden (ja, auch bei Paracetamol!).

3. Störungen der Affektivität

Erschreckend ist auch, wie Paracetamol sich auf die Stimmung auswirkt. Nach der Einnahme von 1000 mg Paracetamol zeigten betroffene Personen eine deutliche Abnahme der Empathie (Mitgefühl) und abgeschwächte positive wie auch negative Gefühle (5). Nur damit Sie das richtig einordnen können: 1000 mg (2 Tabletten) ist die empfohlene Dosis bei Schmerzen. Die Tageshöchstdosis beträgt 4000 mg.

Gleich mit der ersten Dosis kommt es also zu Störungen der Emotionalität. Ich muss zugeben, für mich klingt das wie der Zombie-Effekt.

4. ADHS

Mehrere Studien sehen einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft und dem Auftreten eines ADHS (Aufmerksamkeit-Defizit-Hyperaktivität-Syndrom) bei den Kindern dieser Schwangeren (6, 7).  Dabei stieg das Risiko mit der Einnahme in späteren Trimestern.

Selbst eine Assoziation mit Autismus wird diskutiert, da Paracetamol einen neurotoxischen (nervenschädigenden) Effekt aufweist. Wohlgemerkt, aufgefallen ist ein Zusammenhang – keine Kausalität. Aber ganz ehrlich, wollen Sie dieses Risiko eingehen?

5. Blutdruckerhöhung

In einer prospektiven Studie wurde untersucht, ob Paracetamol bei Patienten mit Erkrankungen der Herzkranzgefäße den Blutdruck verändert (8). Die Probanden erhielten über zwei Wochen 3 x täglich 1000 mg Paracetamol. Es zeigte sich, dass sowohl der systolische als auch der diastolische Blutdruck signifikant anstiegen. Nach Meinung der Autoren, sollte die kardiovaskuläre Sicherheit des Analgetikums überprüft werden.

6. Erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko

Bei Einnahme von Paracetamol über längere Zeit oder in höherer Dosierung ist das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko deutlich erhöht wie eine Studie aufgezeigt hat (9).

 

Wie sieht es mit anderen Schmerzmitteln aus?

Da kommen wir dann zur Gruppe der Nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). NSAR wirken schmerzstillend und entzündungshemmend. Sie hemmen ein körpereigenes Enzym, die so genannten Cyclooxygenasen, COX-1 und COX-2. Diese Enzyme sind an der Bildung des Schmerzstoffes Prostaglandin beteiligt. Durch die Hemmung der Cyclooxygenase, kurz COX genannt, werden also auch alle Prostaglandine in ihrer Funktion gehemmt. Prostaglandine wiederum sind hormonähnliche Substanzen (auch Gewebehormone genannt),die in verschiedenen Formen in fast allen Organen im menschlichen Körper vorkommen.

Handelsnamen dieser Medikamentengruppe sind unter anderem:

  • Ibuprofen®
  • Voltaren® (Diclofenac)
  • Indomet® (Indometacin)
  • Felden® (Piroxicam)
  • Celebrex® (Celecoxib).

Wenn Sie jetzt aber glauben, dass Sie mit denen dann vielleicht besser bedient sind, haben Sie sich getäuscht.

Frauen mit Kinderwunsch sollten lieber die Finger von diesen Medikamenten lassen. NSARs können den Eisprung verhindern, indem sie die Progesteronkonzentration beeinflussen. Dieser Effekt tritt schon nach einer 10-tägigen Einnahme von 100 mg Diclofenac auf (10). Bei nur 6,3 Prozent der Frauen unter Diclofenac konnten die Forscher per Ultraschall einen Eisprung nachweisen. Unter Naproxen ovulierten 25 Prozent und unter Etoricoxib 27,3 Prozent der Teilnehmerinnen im Vergleich zu 100 Prozent in der Kontrollgruppe. Tatsächlich wird diskutiert, ob Diclofenac als Verhütungsmittel eingesetzt werden könnte.

Zudem schädigen NSARs den Dünndarm (11) und können zu einem Leaky Gut (12) führen. Dieser wiederum wird mit Depressionen, ADHS und Allergien in Zusammenhang gebracht. Außerdem wird durch NSARs das Mikrobiom angegriffen (13). Das Mikrobiom besteht aus Billionen Lebewesen in unserem Darm (Bakterien, Viren, Pilze). Das Problem ist, dass Störungen in unserem Mikrobiom sich sehr negativ auf unsere Gesundheit auswirken können.

 

Und nun…?

Tja, was sollen Sie denn nun tun, wenn Sie Schmerzen haben? Die überraschende Antwort ist: Greifen Sie zu Kurkuma. Kurkuma oder Gelbwurz ist die Substanz, die Curry seine gelbe Farbe verleiht. Sie enthält als aktiven Wirkstoff Kurkumin, das eine starke antientzündliche und schmerzstillende Wirkung hat (14). Und als sehr willkommenen Nebeneffekt sorgt es auch noch dafür, dass eine kaputte Darmschleimhaut wieder aufgebaut wird (15).

Aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen sagen, dass Kurkumin genauso gut schmerzlindernd wirkt wie Ibuprofen oder Paracetamol, aber ohne diese hässlichen Nebenwirkungen.

Beim nächsten Kopfschmerz probieren Sie vielleicht einfach einmal einen TL Kurkuma mit etwas schwarzem Pfeffer (für eine bessere Resorption) in einem Glas Tee oder Milch.

 

(1) https://www.propublica.org/article/tylenol-mcneil-fda-behind-the-numbers

(2) http://cen.acs.org/articles/92/i29/Does-Acetaminophen-Work-Researchers-Still.html

(3) Dose-dependent pharmacokinetics of acetaminophen: Evidence of glutathione depletion in humans. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1038/clpt.1987.50/abstract

(4) Paracetamol: not as safe as we thought? A systematic literature review of observational studies.  http://ard.bmj.com/content/75/3/552.short

(5) Over-the-Counter Relief From Pains and Pleasures Alike. http://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/0956797615570366

(6) Acetaminophen Use During Pregnancy, Behavioral Problems, and Hyperkinetic Disorders http://jamanetwork.com/journals/jamapediatrics/fullarticle/1833486

(7) Antenatal acetaminophen use and attention-deficit/hyperactivity disorder.  http://jamanetwork.com/journals/jamapediatrics/article-abstract/1833483

(8) https://www.aerzteblatt.de/archiv/79493/Schmerzstillung-bei-Herzkranken-Paracetamol-erhoeht-den-Blutdruck

(9) Nonsteroidal antiinflammatory drugs, acetaminophen, and the risk of cardiovascular events.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16534006

(10) https://www.sciencedaily.com/releases/2015/06/150611082124.htm

(11) Visible small-intestinal mucosal injury in chronic NSAID users. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15645405

(12) Intestinal permeability and inflammation in patients on NSAIDs. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1727292/

(13) Anti-inflammatory drug and gut bacteria have a dynamic interplay. https://www.sciencedaily.com/releases/2016/01/160104132151.htm

(14) Some Important Dietary Polyphenolic Compounds: An Anti-inflammatory and Immunoregulatory Perspective. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28183265

(15) Curcumin improves intestinal barrier function: Modulation of intracellular signaling and organization of tight junctions. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28249988

Gute Mundhygiene – nicht nur für ein strahlendes Lächeln

 

zaehne

Viele wissen wie wichtige gute Mundhygiene ist (eigentlich alle, aber das ist eine ganz andere Geschichte). Schon unseren Kindern sagen wir von klein auf, dass sie sich zweimal täglich die Zähne putzen müssen, damit keine Löcher entstehen. Auch aus Höflichkeit unseren Mitmenschen gegenüber ist eine gute Zahnpflege wichtig. Wir alle kennen Menschen, die unter Parodontitis (Zahnfleischentzündung) leiden und einen entsprechenden Mundgeruch aufweisen. Unschön ist da noch der freundlichste Kommentar.

Neuere Forschung gibt Hinweise darauf, dass mangelnde Mundhygiene nicht nur im zwischenmenschlichen Bereich zu Problemen führen kann, sondern auch einen nicht mehr von der Hand zu weisenden Einfluss auf die Gesundheit hat. Eine Studie der University of Central Lancashire in Großbritannien zeigte 2013 auf, dass ein Zusammenhang zwischen fehlender Mundhygiene und der Alzheimer Demenz wahrscheinlich ist (1,2). Sie untersuchten Verstorbene, die an Alzheimer Demenz erkrankt waren und fanden in den Amyloid Ablagerungen im Gehirn das Bakterium Prophyromonas Gingivalis. Der gleiche Erreger findet sich bei Patienten mit Parodontose. Man geht davon aus, dass das Bakterium durch alltägliche Verrichtungen wie Kauen und Zähneputzen (Zahnfleischbluten) in den Blutstrom und dann ins Gehirn gelangt. Bei einer Kontrollgruppe, die die Forscher ebenfalls untersuchte, und die keine Alzheimer Erkrankung aufwies, konnte dieser Erreger nicht im Gehirn nachgewiesen werden. Auch 2010 hatte schon eine Studie der NYU unter Leitung von Dr. Angela Kamer auf einen Zusammenhang zwischen Mundhygiene und Alzheimer hingewiesen (3).

Eine weitere Korrelation, die uns aufschrecken sollte, besteht zwischen Zahnfleischentzündungen und atheromatösen Plaques (der sog. Arteriosklerose). In den letzten Jahrzehnten war man davon ausgegangen, dass erhöhtes Cholesterin die Plaques verursacht. Diese Annahme hat sich jedoch als falsch herausgestellt. Nun gibt es immer mehr Hinweise dafür, dass Herzerkrankungen eine entzündliche Genese haben (was dann auch die erhöhten Cholesterinkonzentrationen erklärt, da Cholesterin bei Entzündungen praktisch als „Feuerwehr“ agiert). Neuere Untersuchungen haben nachweisen können, dass in den atheromatösen Plaques der Herzkranzgefäße die gleichen Bakterien gefunden werden können, die auch Patienten mit Parodontitis aufweisen (4). Diese Koronare Herzkrankheit (KHK) kann letzten Endes zum Herzinfarkt führen. Dabei zeigte sich, dass das Maß der Zerstörung des Parodontiums (Zahnhalteapparates) signifikant mit der Schwere der KHK korreliert (5). Das Ausmaß der Entzündung kann übrigens nicht über das CRP bestimmt werden (6), das vom Hausarzt sonst gerne als Entzündungsmarker verwendet wird.

Es werden aber von der Arteriosklerose nicht nur die Herzkranzgefäße angegriffen, sondern auch andere Blutgefäße im Körper wie zum Beispiel die Hirngefäße. Hierdurch kann dann ein Schlaganfall ausgelöst werden (7).

Wohlgemerkt, ich will damit nicht sagen, dass Sie mit optimaler Mundhygiene vor diesen Krankheiten geschützt sind. Schließlich haben alle oben genannten Krankheiten mehrere auslösende Faktoren. Aber einer davon besteht nun mal in der Zahnpflege und ist damit sehr einfach zu ändern. Die anderen Faktoren wie schlechte Ernährung, Übergewicht, Rauchen, Bewegungsmangel etc. können Sie nicht so einfach beeinflussen (na ja, den Bewegungsmangel eigentlich schon). Aber jede Reise beginnt mit einem ersten Schritt, und womöglich sollten Sie Ihre Mundhygiene einmal genauer unter die Lupe nehmen.

 

(1)http://www.medicalnewstoday.com/articles/264164.php

(2)Sim K. Singhrao, Alice Harding, Sophie Poole, Lakshmyya Kesavalu, and StJohn Crean, “Porphyromonas gingivalis Periodontal Infection and Its Putative Links with Alzheimer’s Disease,” Mediators of Inflammation, vol. 2015, Article ID 137357, 10 pages, 2015. doi:10.1155/2015/137357

(3)http://www.medicalnewstoday.com/articles/196804.php

(4)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3084572/

(5)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17470018

(6)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2812915/

(7)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10539842