Paracetamol – nicht so harmlos wie gedacht?

Ich  möchte wetten, dass Sie auch schon Paracetamol genommen haben, um Ihre Kopfschmerzen loszuwerden. Das haben wohl die meisten von uns. In Deutschland nehmen rund 3,8 Millionen Menschen regelmäßig Kopfschmerztabletten.

Paracetamol ist ein weit verbreitetes Schmerzmittel aus der Gruppe der Cyclooxygenasehemmstoffe (Nichtopioid-Analgetika) und wird bei leichten bis mäßig starken Schmerzen unterschiedlicher Ursache eingesetzt. Zudem wird es als Fieber senkendes Medikament (Antipyretikum) eingesetzt.

Handelsnamen sind unter anderem:

  • Paracetamol 500 Hexal ®
  • Ben-u-ron ® 500 mg von Novartis
  • Benuron ® Captin
  • Enelfa ®
  • Gelonida ®
  • Grippostad ® C
  • Neopyrin ® forte
  • Thomapyrin ® C Schmerztabletten

Die meisten Menschen schmeißen Schmerztabletten ein, als wären es Lutschbonbons. Der Kopf tut weh? Hier ist eine Pille. Im Rücken zieht’s? Da kann man was gegen einnehmen.

Frei verkäufliche Schmerztabletten haben ein gutes Image, gelten inzwischen fast schon als Lifestyle-Produkte und nicht mehr als Medikamente. Suggeriert doch die Werbung, dass diese Pillen generell fit machen – auch vorbeugend und in jeder erdenklichen Lebenslage. Sportler nehmen sie auch gerne mal prophylaktisch (vorbeugend).

Paracetamol wird von den meisten Menschen als harmlos eingestuft. Dies ist aber leider nicht der Fall. Selbst unter einer Dosierung von 2000 mg pro Tag, die noch völlig im therapeutischen Bereich liegt, berichten niedergelassene Ärzte über Leberschäden.

Für die USA wird laut ProPublica die Anzahl von Verletzungen und Todesfällen durch Paracetamol auf etwas über 110000 Fälle pro Jahr geschätzt (1).

 

Was aber macht Paracetamol so schädlich?

Überraschenderweise weiß man eigentlich nicht so genau, wie Paracetamol tatsächlich wirkt (2), aber man weiß, dass diese Substanz Glutathion verbraucht (3), ein Antioxidans, das für die Gesundheit des gesamten Körpers sehr wichtig ist. Unser Körper benötigt Antioxidantien, um oxidative Schäden und Entzündungen auszugleichen.

Wenn Sie also morgens eine Tablette Paracetamol mit Ihrem Antioxidantien-reichen Smoothie trinken, dann kann es passieren, dass Sie die positive Wirkung des Smoothies deutlich herabsetzen.

Man geht inzwischen davon aus, dass die Nebenwirkungen, die bei der Einnahme von Paracetamol auftreten können, vor allem dem Mangel an Glutathion zuzuschreiben sind.

Nebenwirkungen von Paracetamol

1. Leberschädigung

Bekannt ist, dass Paracetamol die Leber schädigt, und es bei Überdosierung zum Leberversagen kommen kann, dass im ungünstigsten Fall auch tödlich enden kann. Bei Erwachsenen tritt dieser Fall wahrscheinlich nur auf, wenn Paracetamol in suizidaler Absicht genommen wird. Bei Kindern sind die benötigten Dosen deutlich geringer, sodass es tatsächlich auch unbeabsichtigt zu einer Vergiftung kommen kann.

Da unser Körper aber ein verbundenes System ist, ist es nicht verwunderlich, dass Paracetamol auch noch andere unerwünschte Nebenwirkungen hat.

2. Erhöhtes Mortalitätsrisiko

Eine Studie, die 2013 in Annals of the Rheumatic Diseases erschienen ist (4), untersuchte welche Nebenwirkungen bei der Einnahme von Paracetamol auftraten. Sie fanden einen dosisabhängigen Zusammenhang mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko (Risiko zu Versterben). Während bei wiederholter Einnahme von Paracetamol in niedriger Dosierung die relative Sterberate nicht erhöht war, lag sie bei langanhaltendem Gebrauch hoher Dosen bei 1,63 (95%-Konfidenz-IntervalI: 1,58-1,68) – war damit also um 63% erhöht. Herz-Toxizität, gastro-intestinalen Blutungen (Blutungen im Magen-Darm-Trakt) und Nierenschäden (ja, auch bei Paracetamol!).

3. Störungen der Affektivität

Erschreckend ist auch, wie Paracetamol sich auf die Stimmung auswirkt. Nach der Einnahme von 1000 mg Paracetamol zeigten betroffene Personen eine deutliche Abnahme der Empathie (Mitgefühl) und abgeschwächte positive wie auch negative Gefühle (5). Nur damit Sie das richtig einordnen können: 1000 mg (2 Tabletten) ist die empfohlene Dosis bei Schmerzen. Die Tageshöchstdosis beträgt 4000 mg.

Gleich mit der ersten Dosis kommt es also zu Störungen der Emotionalität. Ich muss zugeben, für mich klingt das wie der Zombie-Effekt.

4. ADHS

Mehrere Studien sehen einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft und dem Auftreten eines ADHS (Aufmerksamkeit-Defizit-Hyperaktivität-Syndrom) bei den Kindern dieser Schwangeren (6, 7).  Dabei stieg das Risiko mit der Einnahme in späteren Trimestern.

Selbst eine Assoziation mit Autismus wird diskutiert, da Paracetamol einen neurotoxischen (nervenschädigenden) Effekt aufweist. Wohlgemerkt, aufgefallen ist ein Zusammenhang – keine Kausalität. Aber ganz ehrlich, wollen Sie dieses Risiko eingehen?

5. Blutdruckerhöhung

In einer prospektiven Studie wurde untersucht, ob Paracetamol bei Patienten mit Erkrankungen der Herzkranzgefäße den Blutdruck verändert (8). Die Probanden erhielten über zwei Wochen 3 x täglich 1000 mg Paracetamol. Es zeigte sich, dass sowohl der systolische als auch der diastolische Blutdruck signifikant anstiegen. Nach Meinung der Autoren, sollte die kardiovaskuläre Sicherheit des Analgetikums überprüft werden.

6. Erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko

Bei Einnahme von Paracetamol über längere Zeit oder in höherer Dosierung ist das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko deutlich erhöht wie eine Studie aufgezeigt hat (9).

 

Wie sieht es mit anderen Schmerzmitteln aus?

Da kommen wir dann zur Gruppe der Nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). NSAR wirken schmerzstillend und entzündungshemmend. Sie hemmen ein körpereigenes Enzym, die so genannten Cyclooxygenasen, COX-1 und COX-2. Diese Enzyme sind an der Bildung des Schmerzstoffes Prostaglandin beteiligt. Durch die Hemmung der Cyclooxygenase, kurz COX genannt, werden also auch alle Prostaglandine in ihrer Funktion gehemmt. Prostaglandine wiederum sind hormonähnliche Substanzen (auch Gewebehormone genannt),die in verschiedenen Formen in fast allen Organen im menschlichen Körper vorkommen.

Handelsnamen dieser Medikamentengruppe sind unter anderem:

  • Ibuprofen®
  • Voltaren® (Diclofenac)
  • Indomet® (Indometacin)
  • Felden® (Piroxicam)
  • Celebrex® (Celecoxib).

Wenn Sie jetzt aber glauben, dass Sie mit denen dann vielleicht besser bedient sind, haben Sie sich getäuscht.

Frauen mit Kinderwunsch sollten lieber die Finger von diesen Medikamenten lassen. NSARs können den Eisprung verhindern, indem sie die Progesteronkonzentration beeinflussen. Dieser Effekt tritt schon nach einer 10-tägigen Einnahme von 100 mg Diclofenac auf (10). Bei nur 6,3 Prozent der Frauen unter Diclofenac konnten die Forscher per Ultraschall einen Eisprung nachweisen. Unter Naproxen ovulierten 25 Prozent und unter Etoricoxib 27,3 Prozent der Teilnehmerinnen im Vergleich zu 100 Prozent in der Kontrollgruppe. Tatsächlich wird diskutiert, ob Diclofenac als Verhütungsmittel eingesetzt werden könnte.

Zudem schädigen NSARs den Dünndarm (11) und können zu einem Leaky Gut (12) führen. Dieser wiederum wird mit Depressionen, ADHS und Allergien in Zusammenhang gebracht. Außerdem wird durch NSARs das Mikrobiom angegriffen (13). Das Mikrobiom besteht aus Billionen Lebewesen in unserem Darm (Bakterien, Viren, Pilze). Das Problem ist, dass Störungen in unserem Mikrobiom sich sehr negativ auf unsere Gesundheit auswirken können.

 

Und nun…?

Tja, was sollen Sie denn nun tun, wenn Sie Schmerzen haben? Die überraschende Antwort ist: Greifen Sie zu Kurkuma. Kurkuma oder Gelbwurz ist die Substanz, die Curry seine gelbe Farbe verleiht. Sie enthält als aktiven Wirkstoff Kurkumin, das eine starke antientzündliche und schmerzstillende Wirkung hat (14). Und als sehr willkommenen Nebeneffekt sorgt es auch noch dafür, dass eine kaputte Darmschleimhaut wieder aufgebaut wird (15).

Aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen sagen, dass Kurkumin genauso gut schmerzlindernd wirkt wie Ibuprofen oder Paracetamol, aber ohne diese hässlichen Nebenwirkungen.

Beim nächsten Kopfschmerz probieren Sie vielleicht einfach einmal einen TL Kurkuma mit etwas schwarzem Pfeffer (für eine bessere Resorption) in einem Glas Tee oder Milch.

 

(1) https://www.propublica.org/article/tylenol-mcneil-fda-behind-the-numbers

(2) http://cen.acs.org/articles/92/i29/Does-Acetaminophen-Work-Researchers-Still.html

(3) Dose-dependent pharmacokinetics of acetaminophen: Evidence of glutathione depletion in humans. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1038/clpt.1987.50/abstract

(4) Paracetamol: not as safe as we thought? A systematic literature review of observational studies.  http://ard.bmj.com/content/75/3/552.short

(5) Over-the-Counter Relief From Pains and Pleasures Alike. http://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/0956797615570366

(6) Acetaminophen Use During Pregnancy, Behavioral Problems, and Hyperkinetic Disorders http://jamanetwork.com/journals/jamapediatrics/fullarticle/1833486

(7) Antenatal acetaminophen use and attention-deficit/hyperactivity disorder.  http://jamanetwork.com/journals/jamapediatrics/article-abstract/1833483

(8) https://www.aerzteblatt.de/archiv/79493/Schmerzstillung-bei-Herzkranken-Paracetamol-erhoeht-den-Blutdruck

(9) Nonsteroidal antiinflammatory drugs, acetaminophen, and the risk of cardiovascular events.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16534006

(10) https://www.sciencedaily.com/releases/2015/06/150611082124.htm

(11) Visible small-intestinal mucosal injury in chronic NSAID users. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15645405

(12) Intestinal permeability and inflammation in patients on NSAIDs. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1727292/

(13) Anti-inflammatory drug and gut bacteria have a dynamic interplay. https://www.sciencedaily.com/releases/2016/01/160104132151.htm

(14) Some Important Dietary Polyphenolic Compounds: An Anti-inflammatory and Immunoregulatory Perspective. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28183265

(15) Curcumin improves intestinal barrier function: Modulation of intracellular signaling and organization of tight junctions. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28249988

Statine – wenig Wirkung, viel Nebenwirkung

Millionen Menschen nehmen Medikamente, die einen erhöhten Cholesterinspiegel senken sollen. Die meisten davon gehören in die Klasse der Statine (zum Beispiel Simvastatin). Ursache dieser Verschreibungswelle ist die inzwischen eigentlich überholte Ansicht, dass ein zu hoher Cholesterinspiegel zu Herzerkrankungen (namentlich einem Herzinfarkt) führen kann.

Das Problem ist, dass diese Statine auch Patienten verschrieben werden, für die sie überhaupt keine Wirksamkeit haben. Die einzige Gruppe, für die eine gewisse – wenn auch sehr geringe – Wirksamkeit in Studien nachgewiesen werden konnte, sind Männer zwischen 40 und 50 Jahren, die bereits einen Herzinfarkt gehabt haben (also als sogenannte Sekundärprävention). In der Primärprävention (also bei Personen, die noch keinen Herzinfarkt gehabt haben) versagen sie vollkommen (1). Vor allem bei Patienten über 70 Jahre führen sie zu einer erhöhten Gesamtmortalität (Tod jeglicher Ursache).

Ich sehe täglich Patienten, die über 70 Jahre alt sind, und die definitiv keinen Herzinfarkt gehabt haben, an die diese Tabletten ausgegeben werden wie Lutschbonbons. Besonders ärgerlich werde ich, wenn es sich dann auch noch um Frauen handelt. Für Frauen gibt es nicht eine einzige Studie, die eine Wirksamkeit der Statine belegen würde.

Tatsächlich ist die sogenannte Wirksamkeit der Statine nur auf einen statistischen Trick zurückzuführen. Eine im Expert Review of Clinical Pharmacology veröffentlichte Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Verfechter einer Statintherapie ein statistisches Mittel namens relatives Risiko verwendet haben, um die geringe Wirksamkeit dieser Medikamente in ein deutlich besseres Licht zu setzen (2).

Sieht man sich das absolute Risiko an, so profitiert nur 1 % der Bevölkerung vom Einsatz der Statine. Das bedeutet genau, wenn Sie 100 Personen mit Statinen behandeln, so wird gerade mal ein Herzinfarkt vermieden. In 99 % der Fälle haben die Patienten nur die Nebenwirkungen, aber keinen Vorteil. Da diese Zahlen nicht besonders eindrucksvoll sind (beziehungsweise auf Seiten der Nebenwirkungen schon), verwenden die Befürworter einfach das relative Risiko und kommen so auf eine Erfolgsrate von 36 – 50 %. Wie STATS von der George Mason Universität erklärt:

„Ein wichtiger Faktor beim relativen Risiko ist, dass es überhaupt nichts über das aktuelle Risiko aussagt.“

Dieser Trick wird übrigens nicht nur bei Statinen angewendet, sondern auch bei anderen Medikamenten, die – wenn man das absolute Risiko heranzieht – nur eine sehr begrenzte Wirksamkeit haben. Dummerweise lassen sich aber viele Ärzte durch diesen Zahlentrick beeindrucken und sind überzeugt, dass sie ihren Patienten tatsächlich etwas Gutes tun.

Wie funktionieren Statine?

Statine blockieren ein Enzym, die sogenannte HMGCoA-Reduktase. Dieses Enzym wird für die Cholesterinsynthese in der Leber benötigt. Durch die Blockade wird das Gesamtcholesterin gesenkt. Ich habe schon in einem anderen Post darüber geschrieben, warum das Gesamtcholesterin kein Marker für das Herzinfarktrisiko ist, und welche Laborwerte besser geeignet sind.

Nun schauen wir uns doch mal an, was Statine im Körper anrichten.

Statine blockieren Coenzym Q10

Die Blockierung der HMGCoA-Reduktase führt nicht nur zu einem reduzierten Gesamtcholesterin, sondern auch zu einem CoQ10 Mangel. Laut Meinung vieler Wissenschaftler ist es genau dieser Mechanismus, der zu den gravierenden Nebenwirkungen der Statine führt.

CoQ10 (Ubiquinon) wird von jeder einzelnen Körperzelle benötigt und ist lebensnotwendig für Ihre Gesundheit und ausreichende Energie. Die reduzierte Form des CoQ10 (Ubiquinol) ist ein extrem wichtiger Bestandteil der Atmungskette und für die Produktion von ATP (Adenosintriphosphat), eines Energielieferanten für die Körperzellen (mit der dazugehörigen Biochemie möchte ich Sie jetzt nicht langweilen).

Wir halten fest: CoQ10 Mangel führt zu einem Energiemangel. Wenn Sie sich jetzt noch überlegen, dass Ihr Herz, als ständig pumpender Muskel, dasjenige Organ im Körper mit dem höchsten Energiebedarf ist, dann ist es leicht vorstellbar, dass Statine absolut verheerende Nebenwirkungen haben können.

Und während von den Unterstützern ins Feld geführt wird, dass Statine Herzinfarkte vermeiden helfen (wie gesagt mit Unterstützung eines statistischen Tricks), so führt der Einsatz dieser Medikamente tatsächlich in vielen Fällen zum Auftreten einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche) (3). UUUPS!

Wenn Sie also unbedingt ein Statin nehmen müssen (und das ist eine Frage, die Sie auf jeden Fall mit Ihrem behandelnden Arzt klären sollten), so ist es unumgänglich, dass Sie zusätzlich CoQ10 einnehmen. Und da Ubiquinol deutlich besser vom Körper aufgenommen wird, würde ich Ihnen dieses als Nahrungsergänzungsmittel empfehlen. Die Dosierung beträgt 100 – 200 mg täglich.

Eine Studie im European Journal of Pharmacology hat aufgezeigt, dass Ubiquinol die Zellschäden, die durch den Gebrauch von Simvastatin auftreten, reparieren und so bei Muskelzellen die Ausbildung einer Myopathie (Muskelerkrankung) verhindern konnte (4).

Übrigens, nur mal angemerkt: CoQ10 und Ubiquinol sind fettlösliche Substanzen. Der Träger, an den sie gebunden werden, ist Cholesterin, also diese wahnsinnig schädliche Substanz, vor der uns alle warnen. Was ist die Natur doch für ein Witzbold (oder haben wir einfach etwas nicht richtig verstanden?).

Tatsächlich sorgt Ubiquinol als sehr starkes Antioxidans dafür, dass Ihr LDL (das sogenannte „schlechte“ Cholesterin) in reduziertem Zustand bleibt (im Gegensatz zu dem tatsächlich schädlichen oxidierten LDL). Wenn Sie also durch Statine Ihre CoQ10 Konzentration senken, dann kann es mangels Antioxidans zur Bildung von oxidiertem LDL kommen. Und dann haben Sie tatsächlich ein Problem.

Es kommt aber noch besser.

Statine führen zu einem Vitamin K2 Mangel

Im März 2015 wurde eine neue Studie im Expert Review of Clinical Pharmacology veröffentlicht, die aufdeckte, dass im Gegensatz zur vorherrschenden Meinung – dass der Einsatz von Statinen die Arteriosklerose (Arterienverkalkung) vermindern kann- es sein kann, dass die Medikamente tatsächlich zu vermehrter Arteriosklerose und Herzversagen führen (5).

In der Studie werden mehrere physiologische Mechanismen diskutiert, wie es zur Entwicklung einer Herzinsuffizienz kommen kann. Einer davon liegt in der Hemmung der Synthese von Vitamin K2 durch die Statine.

Vitamin K2 beugt einer Arterienverkalkung vor, indem es Calcium aus den Gefäßen entfernt und stattdessen in Knochen und Zähnen einlagert (wo wir es auch haben wollen). Laut einer holländischen Studie aus dem Jahr 2009 besteht ein Zusammenhang zwischen reduzierter Kalkablagerung in Gefäßen und mit der Nahrung zugeführtem Vitamin K2 (6).

Da Statine die Funktion von Vitamin K2 im Körper hemmen, können folgende Mangelerscheinungen auftreten:

  • Osteoporose
  • Herzerkrankungen
  • Herzinfarkt
  • Schlaganfall
  • Kalzifizierungen an ungewollten Stellen (Fersensporn, Nierensteine)
  • Hirnerkrankungen
  • Krebs.

Statine könnnen neuromuskuläre Erkrankungen hervorrufen

Eine sehr häufige Nebenwirkung von Statinen sind Muskelschmerzen und -schwäche. Was weniger bekannt ist, ist dass eine Verbindung zwischen Statinen und einem progressiven Muskelschwund namens Amyotrope Lateralsklerose (ALS) bestehen kann. Im Uppsala Monitoring Center (Center for International Drug Monitoring), einer Organisation, die mit der WHO zusammenarbeitet, wurde eine große Anzahl von Patienten mit Schädigung des oberen Motoneurons gemeldet, die Statine einnahmen (7).

Obwohl dieser Zusammenhang vielen Wissenschaftlern bekannt ist, raten sie meistens trotzdem dazu, die Statine einzunehmen, da sie der weit verbreiteten Meinung anhängen, dass diese Medikamente zig Tausende Leben retten.

Erhöhtes Krebsrisiko durch Statine

Frauen, die mehr als 10 Jahre lang ein Statin einnehmen, haben ein mehr als doppelt so hohes Risiko an Brustkrebs zu erkranken (8). Es handelt sich dabei um Invasive Ductale Karzinome und Invasive Lobuläre Karzinome.

Auch das Risiko für das Auftreten von Prostatakarzinomen ist erhöht (9). Dieses Risiko stieg mit einer höheren kumulativen Dosis noch weiter an.

Hinzu kommt, dass man schon seit langer Zeit weiß, dass niedrige Cholesterinwerte mit dem Auftreten von Krebserkrankung in Verbindung stehen (10).

 

Statine erhöhen das Risiko an einem Typ II Diabetes zu erkranken

Eine finnische Studie kam 2015 zu dem Schluss, dass die Einnahme von Statinen das Auftreten eines Typ II Diabetes deutlich erhöhen kann (11). Untersucht wurden 8749 Männer ohne Diabetes über einen Zeitraum von 5,9 Jahren. Während dieser Zeit kam es bei 625 Probanden zur Diagnose eines neu aufgetretenen Typ II Diabetes.

Probanden, die ein Statin einnahmen hatten ein 46 % höheres Risiko an einem Typ II Diabetes zu erkranken. Das Risiko war für Simvastatin und Atorvastatin dosisabhängig. Die Statintherapie erhöhte die 2 Stunden Glucose Werte eines oralen Glucose Toleranztestes (OGTT) signifikant. Die Insulinsensitivität war um 24 % und die Insulinsekretion um 12 % erniedrigt.

 

Statine verhindern die Zellreparatur, rufen Nervenerkrankungen hervor und führen zu Gedächtnisschwund

Als ob das alles noch nicht genug wäre, berichtet eine Studie aus dem American Journal of Physiology, dass „die Wirkung von Statinen auf andere biologische Eigenschaften von Stammzellen eine neue Erklärung für die klinischen Nebenwirkungen gibt“ (12).

In der Studie wird ausgeführt, dass diese Nebenwirkungen zu einer schnelleren Alterung führen und die „Langzeitanwendung von Statinen mit Nebenwirkungen wie Myopathie, neurologischen Symptomen und einem erhöhten Diabetesrisiko in Zusammenhang gebracht wird (also wie oben schon angeführt).

Die Wissenschaftler der Studie gehen davon aus, dass die Gesundheitsprobleme, die durch die Statintherapie hervorgerufen werden können, heruntergespielt wurden. Tatsächlich traten bei Patienten, die diese Cholesterinsenker einnahmen, folgende Symptome auf:

  • Katarakt (Grauer Star)
  • Müdigkeit (Fatigue)
  • Leberprobleme
  • Muskelschmerzen
  • Gedächtnisschwund

Ganz einfach ausgedrückt, verhindern Statine die normale Zellfunktion derart, dass die Zellerneuerung und Reparaturleistungen vereitelt werden. Zusätzlich kommt es zu neu auftretenden Gesundheitsproblemen oder einer Verschlimmerung bereits bestehender Probleme.

Stammzellforscher und Hauptautor der Studie, Professor Reza Izadpanah, kommt zu dem Schluss, dass „die Studie aufzeigt, dass Statine den Alterungsprozess beschleunigen. Individuen, die Statine zur Vorbeugung nehmen, sollten dies überdenken, da sie gravierende unerwünschte Nebenwirkungen auf den Körper haben können.“

Schnellere Alterung? Wenn Sie mich fragen, klingt das nicht nach einem Medikament, das ich einnehmen möchte.

 

Und noch einige weitere Nebenwirkungen

Auch eine Studie der London School of Hygiene and Tropical Medicine kommt zu dem Schluss, dass Forschungsergebnisse für Statine selktiert werden, damit sie möglichst gut für die Pharmafirmen aussehen. Laut Pacific Standard werden „negative Nebenwirkungen von Statinen heruntergespielt und Resultate durch die begrenzten Parameter der Studien verzerrt“ (13).

Wie bereits angemerkt, treten die Nebenwirkungen dosisabhängig auf und können durch eine Reihe von Faktoren verstärkt werden, zum Beispiel die Einnahme weiterer Medikamente, eine Schilddrüsenerkrankung oder das Vorhandensein eines metabolischen Syndroms (und was beinhaltet das metabolische Syndrom? Eine Fettstoffwechselstörung – genau!).

Zusätzlich zu den bereits angemerkten, werden noch folgende Nebenwirkungen berichtet:

  • Kopfschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Verdauungsstörungen
  • Bluthochdruck
  • Atembeschwerden
  • Anämie (Blutarmut)
  • gestörte Sexualfunktion (durch gestörte Synthese von Sexualhormonen)
  • Immunschwäche

Wie bereits angemerkt gibt es nur eine Gruppe, für die Statine einen Vorteil zeigen, und das sind Männer mittleren Alters, die eine kardiovaskuläre Erkrankung haben. Für die Vorbeugung eines Herzinfarkts und in der Wirkung auf die Gesamtmortalität schneiden sie sehr schlecht ab (14, 15).

Die Idee der Amerikaner, Statine auch Kindern zu verschreiben (deren Hirnentwicklung auf Cholesterin angewiesen ist), ist absolut verantwortungslos. Genauso verantwortungslos ist es aber, Medikamente, die zu einem Gedächtnisverlust und Muskelschwund führen können, älteren Patienten zu verschreiben, ohne dass für diesen Personenkreis eine Wirksamkeit belegt wäre. Und genau das ist bei uns tägliche Praxis.

 

(1) http://www.arznei-telegramm.de/html/2004_06/0406056_02.html

(2) How statistical deception created the appearance that statins are safe and effective in primary and secondary prevention of cardiovascular disease.   https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25672965

(3) http://www.express.co.uk/life-style/health/633160/Cholesterol-drug-statins-cause-heart-disease-experts

(4) Ubiquinol rescues simvastatin-suppression of mitochondrial content, function and metabolism: Implications for statin-induced rhabdomyolysis. http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0014299913003026

(5) Statins stimulate atherosclerosis and heart failure: pharmacological mechanisms.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25655639

(6) A high menaquinone intake reduces the incidence of coronary heart disease. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19179058

(7) Statins, Neuromuscular Degenerative Disease and an Amyotrophic Lateral Sclerosis-Like Syndrome. http://link.springer.com/article/10.2165%2F00002018-200730060-00005

(8) Long-term statin use and risk of ductal and lobular breast cancer among women 55 to 74 years of age. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23833125

(9) Statins increase the risk of prostate cancer: a population-based case-control study. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21480313

(10) The statin-low cholesterol-cancer conundrum. https://academic.oup.com/qjmed/article-lookup/doi/10.1093/qjmed/hcr243

(11) Increased risk of diabetes with statin treatment is associated with impaired insulin sensitivity and insulin secretion: a 6 year follow-up study of the METSIM cohort. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25754552

(12) The Impact of Statins on Biological Characteristics of Stem Cells Provides a Novel Explanation for Their Pleotropic Beneficial and Adverse Clinical Effects. http://ajpcell.physiology.org/content/early/2015/07/23/ajpcell.00406.2014

(13) Statins, Lou Gehrig and Big Questions.  https://psmag.com/statins-lou-gehrig-and-big-questions-1b8a86c39783#.1zowc4cgu

(14) Statins are not associated with a decrease in all cause mortality in a high-risk primary prevention setting. http://ebm.bmj.com/content/16/1/8.full?keytype=ref&siteid=bmjjournals&ijkey=2O5HDIwLeaWMI

(15) Cholesterol confusion and statin controversy.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4513492/

Gute Mundhygiene – nicht nur für ein strahlendes Lächeln

 

zaehne

Viele wissen wie wichtige gute Mundhygiene ist (eigentlich alle, aber das ist eine ganz andere Geschichte). Schon unseren Kindern sagen wir von klein auf, dass sie sich zweimal täglich die Zähne putzen müssen, damit keine Löcher entstehen. Auch aus Höflichkeit unseren Mitmenschen gegenüber ist eine gute Zahnpflege wichtig. Wir alle kennen Menschen, die unter Parodontitis (Zahnfleischentzündung) leiden und einen entsprechenden Mundgeruch aufweisen. Unschön ist da noch der freundlichste Kommentar.

Neuere Forschung gibt Hinweise darauf, dass mangelnde Mundhygiene nicht nur im zwischenmenschlichen Bereich zu Problemen führen kann, sondern auch einen nicht mehr von der Hand zu weisenden Einfluss auf die Gesundheit hat. Eine Studie der University of Central Lancashire in Großbritannien zeigte 2013 auf, dass ein Zusammenhang zwischen fehlender Mundhygiene und der Alzheimer Demenz wahrscheinlich ist (1,2). Sie untersuchten Verstorbene, die an Alzheimer Demenz erkrankt waren und fanden in den Amyloid Ablagerungen im Gehirn das Bakterium Prophyromonas Gingivalis. Der gleiche Erreger findet sich bei Patienten mit Parodontose. Man geht davon aus, dass das Bakterium durch alltägliche Verrichtungen wie Kauen und Zähneputzen (Zahnfleischbluten) in den Blutstrom und dann ins Gehirn gelangt. Bei einer Kontrollgruppe, die die Forscher ebenfalls untersuchte, und die keine Alzheimer Erkrankung aufwies, konnte dieser Erreger nicht im Gehirn nachgewiesen werden. Auch 2010 hatte schon eine Studie der NYU unter Leitung von Dr. Angela Kamer auf einen Zusammenhang zwischen Mundhygiene und Alzheimer hingewiesen (3).

Eine weitere Korrelation, die uns aufschrecken sollte, besteht zwischen Zahnfleischentzündungen und atheromatösen Plaques (der sog. Arteriosklerose). In den letzten Jahrzehnten war man davon ausgegangen, dass erhöhtes Cholesterin die Plaques verursacht. Diese Annahme hat sich jedoch als falsch herausgestellt. Nun gibt es immer mehr Hinweise dafür, dass Herzerkrankungen eine entzündliche Genese haben (was dann auch die erhöhten Cholesterinkonzentrationen erklärt, da Cholesterin bei Entzündungen praktisch als „Feuerwehr“ agiert). Neuere Untersuchungen haben nachweisen können, dass in den atheromatösen Plaques der Herzkranzgefäße die gleichen Bakterien gefunden werden können, die auch Patienten mit Parodontitis aufweisen (4). Diese Koronare Herzkrankheit (KHK) kann letzten Endes zum Herzinfarkt führen. Dabei zeigte sich, dass das Maß der Zerstörung des Parodontiums (Zahnhalteapparates) signifikant mit der Schwere der KHK korreliert (5). Das Ausmaß der Entzündung kann übrigens nicht über das CRP bestimmt werden (6), das vom Hausarzt sonst gerne als Entzündungsmarker verwendet wird.

Es werden aber von der Arteriosklerose nicht nur die Herzkranzgefäße angegriffen, sondern auch andere Blutgefäße im Körper wie zum Beispiel die Hirngefäße. Hierdurch kann dann ein Schlaganfall ausgelöst werden (7).

Wohlgemerkt, ich will damit nicht sagen, dass Sie mit optimaler Mundhygiene vor diesen Krankheiten geschützt sind. Schließlich haben alle oben genannten Krankheiten mehrere auslösende Faktoren. Aber einer davon besteht nun mal in der Zahnpflege und ist damit sehr einfach zu ändern. Die anderen Faktoren wie schlechte Ernährung, Übergewicht, Rauchen, Bewegungsmangel etc. können Sie nicht so einfach beeinflussen (na ja, den Bewegungsmangel eigentlich schon). Aber jede Reise beginnt mit einem ersten Schritt, und womöglich sollten Sie Ihre Mundhygiene einmal genauer unter die Lupe nehmen.

 

(1)http://www.medicalnewstoday.com/articles/264164.php

(2)Sim K. Singhrao, Alice Harding, Sophie Poole, Lakshmyya Kesavalu, and StJohn Crean, “Porphyromonas gingivalis Periodontal Infection and Its Putative Links with Alzheimer’s Disease,” Mediators of Inflammation, vol. 2015, Article ID 137357, 10 pages, 2015. doi:10.1155/2015/137357

(3)http://www.medicalnewstoday.com/articles/196804.php

(4)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3084572/

(5)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17470018

(6)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2812915/

(7)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10539842