Übertraining schädigt den Darm

Übertraining

Ich höre von Leuten, die viel trainieren immer wieder: „Ich mache doch alles richtig, aber ich fühle mich trotzdem lausig.“ Besonders häufig hört man diesen Ausspruch von Menschen in mittleren Jahren und darüber. Und die Leute haben absolut keine Ahnung, warum das so ist. Sie treiben doch Sport (eine Menge sogar), sie essen „gesund“ (was auch immer das für den Einzelnen bedeutet) – immerhin verzichten sie meist auf Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel – mit Glück schlafen sie sogar ausreichend (wobei es immer wieder Leute gibt, für die es eine Auszeichnung ist, wenig zu schlafen). Ja, und Nahrungsergänzungsmittel nehmen sie natürlich auch.

Aber wie sehr sie sich auch anstrengen, sie ärgern sich trotzdem darüber, dass sie einfach nicht abnehmen, ständig müde sind und sie hier und da das Zipperlein plagt. Und ab und an (oder auch häufiger) müssen sie schon einen recht großen inneren Schweinehund überwinden, um das Training überhaupt durchzuhalten.

Viele dieser Athleten erklären ihre Symptome damit, dass sie halt einfach älter werden. Das Problem liegt aber häufig ganz woanders.

Diese Leute wollen mit 40 oder 50 immer noch auf die gleiche Weise trainieren wie mit 20, ohne sich darüber klar zu sein, dass sie ihren Trainingsplan möglicherweise doch ein wenig modifizieren müssen. Und ja, der Begriff Übertraining erntet bei den meisten Leuten nur Kopfschütteln. Wie könnte Training schlecht sein in einer Welt, in der die meisten Leute nicht mehr von ihrem Hintern hochkommen. Beim Training gilt für viele Menschen: mehr ist besser, und sie werden in dieser Überzeugung von anderen häufig unterstützt. Ich kenne einige Leute, die stolz darauf sind, dass sie nach einem langen Arbeitstag täglich noch 15 – 20 km joggen. Was soll ich sagen, von mir gibt es für solche Aktionen keinen Applaus, denn mit Pech können die ganz schön nach hinten losgehen.

Übertraining und der Darm

Es gibt einige interessante Studien zu diesem Thema. So zum Beispiel eine, die 2012 in Medicine and Sport Science veröffentlicht wurde (1).  Durch ein Übertraining kommt es zu einer Veränderung in der Durchlässigkeit der Darmschleimhaut und einer Verminderung der Barrierefunktion des Darms. Dieses Zustand bezeichnet man auch als Leckenden Darm bzw. Neuhochdeutsch Leaky Gut.

Ein Leaky Gut verursacht eine Aktivierung des Immunsystems, die zu einer entzündlichen Reaktion führt  und Symptomen wie  Bauchkrämpfe, Durchfall, Blähungen, Übelkeit und in Extremfällen sogar Blutbeimengungen zum Stuhl hervorruft. Ist die Barrierefunktion gestört, können Giftstoffe, die Bakterien im Darm freisetzen, in den Blutstrom gelangen. Dies führt dazu, dass Betroffene sehr viel anfälliger für Infekte aber auch für Autoimmunerkrankungen sind (2). Weitere Erkrankungen, die durch einen Leaky Gut getriggert werden sind Typ II Diabetes (3) und Depressionen (4). Nur mal so als Fakt nebenbei: Unser Glückshormon Serotonin wird nicht etwa im Gehirn sondern im Darm hergestellt.

Halten wir also fest: Übertraining führt nicht nur zu Muskelkater und Ermüdungsbrüchen, sondern hat auch eine Menge anderer unerwünschter Nebenwirkungen. Ziel sollte es also sein, den Darm wieder auf Vordermann zu bringen, um die Immunantwort und die dadurch hervorgerufene Entzündung zu normalisieren.

Was müssen Sie dazu tun?

Strategien, die den Darm heilen

1. Entzündungshemmug

Übertraining führt zu einem Leaky Gut sowie zu einer chronischen Entzündung. Die Basisbehandlung dieses Problems besteht zunächst in einer entzündungshemmenden Ernährung, das heißt einer Ernährung, die zuckerarm dafür aber reich an Nahrungsmitteln mit antientzündlichen Omega-3 Fetten ist. Ich spreche hier von Nahrungsmitteln wie Wildlachs, Gemüse, aber auch Fischöl. Desweiteren finden Nährstoffe wie Quercetin (Flavonoid zum Beispiel in Zwiebeln, Äpfeln und Brokkoli) und Kurkuma Anwendung, die eine starke antientzündliche Wirkung haben.

Knochenbrühe ist durch das enthaltene Glutamin DAS Heilmittel gegen einen leckenden Darm.

2. Genug Schlaf

Entgegen der Meinung vieler Menschen ist Schlaf keine vertane Zeit. Er ist unter anderem wichtig für

  • die Entgiftung (vor allem auch des Gehirns),
  • die Zellreparatur,
  • die Erholung,
  • das Immunsystem.

Gerade in der Fitnesswelt wird zwar viel von Erholung und Reparatur gesprochen, diesen Prozeduren aber nicht die nötige Zeit eingeräumt. Doch gerade für Menschen in den besten Jahren und darüber werden sie absolut entscheidend für Spitzenleistungen. Ich meine, jeder profitiert von ausreichend Schlaf, aber wenn Sie ein Sportler mit Darmproblemen sind, dann werden sie aus acht Stunden oder mehr Schlaf pro Nacht (jede Nacht) einen großen Gewinn ziehen.

3. Unterstützen Sie Ihre guten Darmbakterien

Sowohl die Ernährung als auch Ihr täglicher Stresslevel haben einen großen Einfluss auf die Zusammensetzung Ihres Darmmikrobioms (Bakterien, Pilze und andere Lebewesen). Zwar haben Sie auch immer einige „schlechte“ Bakterien, die „guten“ Bakterien sollten allerdings im Regelfall in der Überzahl sein. Das Mikrobiom spielt eine entscheidende Rolle in der Regulierung der Durchlässigkeit der Darmschleimhaut.

Sorgen Sie dafür, dass die „guten“ Bakterien durch Probiotika Verstärkung bekommen. Hierzu gehören fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut oder Kefir, aber auch Probiotika, die Sie in Kapselform kaufen können. Und füttern Sie Ihre Darmbakterien mit Präbiotika, also ballaststoffreichen Lebensmitteln wie Topinambur, Zwiebeln und Spargel.

4. Stressmanagement

Chronischer Stress hat eine verheerende Wirkung auf Ihr Darmmikrobiom, führt zur Überlastung der Nebenniere und einem höheren Entzündungslevel. Stress können Sie nicht abschalten, aber Sie können wenigstens dafür sorgen, dass Ihr Training nicht zu einem Stressmarathon wird. Legen Sie sich also einen Plan zurecht. Ersetzen Sie stundenlanges Cardiotraining einfach durch ein kurzes HIIT (High Intensity Interval Training). Das ist genauso effektiv, bedeutet aber für Ihren Körper deutlich weniger Stress.

Und natürlich dürfen hier auch die Praktiken nicht fehlen, die zum Stressmanagement angewendet werden – also Yoga, Meditation, Atemübungen und nicht zuletzt einfach eine optimistische Einstellung. Finden Sie etwas, mit dem Sie sich anfreunden können, und führen Sie es regelmäßig aus.

5. Verzichten Sie auf Zucker und Nahrungsmittel, die Sie nicht vertragen

Ich liebe diesen Punkt. Zucker hatte ich schon unter Punkt 1 angemerkt. Ich möchte es noch einmal sagen: Zuckerkonsum führt zu einer systemischen Entzündungsreaktion im Körper, und die macht krank und alt (im Sinne von vorzeitig gealtert). Zu hoher Zuckerkonsum führt zu einer Insulinresistenz (Vorläufer des Typ II Diabetes) und verändert das Darmmikrobiom (5).

Zu den Nahrungsmitteln, die von vielen Menschen nicht vertragen werden, gehören Getreide und Milchprodukte. Sie können einen Leaky Gut verursachen, die „schlechten“ Bakterien füttern und auch sonst viel Schaden anrichten.

Leider sind vor allem viele Freizeitsportler immer noch der Meinung, dass sie zuckerhaltige Energy Bars oder Drinks konsumieren müssen, um ihre Leistung zu erbringen. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Im Gegenteil, in Amerika gehen inzwischen viele Profisportler zu einer Ketogenen Diät über (60 – 80 Prozent gesunde Fette, sehr wenig Kohlenhydrate), um ihre Leistung zu steigern. Übrigens mit super Erfolg.

Fazit: Gönnen Sie Ihrem Körper Ruhe, damit er sich regenerieren kann. Manchmal ist weniger tatsächlich mehr.

 

 

(1) Exercise, intestinal barrier dysfunction and probiotic supplementation.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23075554

(2) Leaky Gut As a Danger Signal for Autoimmune Diseases.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28588585

(3) Type 2 Diabetes and Bacteremia.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28950280

(4) Breaking down the barriers: the gut microbiome, intestinal permeability and stress-related psychiatric disorders.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26528128

(5) Diet-Induced Dysbiosis of the Intestinal Microbiota and the Effects on Immunity and Disease  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3448089/

Ist Quinoa eine sichere Alternative zu Getreide

Von Leuten, die sich glutenfrei ernähren wollen, werde ich häufig gefragt, ob Quinoa eigentlich eine gute Alternative für Getreide ist.

Was genau ist Quinoa?

Quinoa ist eine Pflanzenart, die zur Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae) gehört (zusammen mit Amaranth). Es handelt sich bei Quinoa um ein sogenanntes Pseudogetreide. Dies sind Körnerfrüchte von Pflanzenarten, die nicht zur Familie der Süßgräser (Poaceae = alle echten Getreidearten) gehören, aber ähnlich wie Getreide verwendet werden.

In Südamerika gehört es zu den Grundnahrungsmitteln und wird vor allem in den Anden angebaut. Quinoa hat einen anständigen Proteingehalt und enthält außerdem  eine Anzahl Mineralien und B-Vitamine.

Das Angebot an glutenfreien Produkten hat ja in letzter Zeit sehr zugenommen, und damit ist auch die Nachfrage nach Quinoa stark gestiegen. Es wird als sichere und gesunde Alternative zu Weizen, Gerste und Roggen und anderen glutenhaltigen Getreide (also eigentlich alle Getreide) vermarktet. Die Leute stellen sich also zu Recht die Frage, ob Quinoa ein sicheres, glutenfreies Nahrungsmittel ist.

Da gibt es einige Probleme

Technisch gesehen ist Quinoa kein Getreide und damit glutenfrei. Es wird allerdings häufig in Industrieanlagen verarbeitet, die auch Getreideprodukte herstellen. Dadurch kann es zu einer Kreuzkontamination (also einer ungewollten Verunreinigung) kommen. In einer US Studie wurden 22 Produkte, die von Natur aus glutenfrei sein sollten (z. B. Hirse), zufällig aus dem Supermarktregal genommen und auf einen eventuellen Glutengehalt getestet. Es zeigte sich, dass 41 Prozent dieser Proben genug Gluten enthielten, um jemandem mit einer Gluten-unverträglichkeit ernste Probleme zu bereiten (1).

Und dann ist da noch der Punkt, dass es sich bei Quinoa um Samen handelt. Diese sind von Haus aus schwer zu verdauen. Viele Samen enthalten zudem glutenähnliche Proteine und chemische Verbindungen, die sogenannten Lektine. Viele dieser lektin- und glutenbasierten Substanzen haben sich als sehr ungesund erwiesen, da sie zu Verdauungsbeschwerden (Leaky Gut) und Entzündungen sowie zur Ausbildung von Autoimmunerkrankungen führen können.

Die Sache mit den Speicherproteinen

Wie schon gesagt ist Quinoa glutenfrei, wenn man die Definition von Gluten in Bezug auf die Zöliakie heranzieht. Die sieht folgendermaßen aus:

„Gluten setzt sich aus verschiedenen Proteinen, Glutelinen und Gliadinen oder anderen Prolaminen zusammen. Die Gliadinfraktion ist für die Unverträglichkeit von Gluten im Rahmen der Zöliakie und vermutlich auch für die Glutensensitivität verantwortlich. Gluten ist natürlicherweise in Weizen, Gerste, Roggen, Dinkel, Hafer, Spelt, Triticale, Emmer, Kamut und Grünkern enthalten.“  (2)

Quinoa besitzt jedoch „glutenartige“ Speicherproteine, die ähnliche Auswirkungen haben können wie diejenigen aus Weizen, Roggen und Gerste. Es stellt sich also die Frage: Sind diese Speicherproteine dem traditionellen Gluten (α-Gliadin) ähnlich genug, um eine Immunreaktion bei Zöliakie Patienten oder Menschen mit Glutenunverträglichkeit auslösen zu können. Und nach einer Studie, die 2014 im American Journal of Gastroenterology veröffentlicht wurde,  ist die Antwort darauf ein klares Ja.

 

Studie identifiziert Quinoa als potentiell gefährlich

In ihrer Studie untersuchten V.F. Zevallos et al. 15 verschiedene Quinoasorten, um ihre Sicherheit für Menschen mit Zöliakie zu testen (3).

Die Quinoa Proteine wurden daraufhin untersucht, ob sie eine vermehrte Produktion von IFN-Gamma (Interferon) oder IL-15 (Interleukin) hervorrufen. Diese entzündungsauslösenden Substanzen – auch als Cytokine – bezeichnet, spielen eine wichtige Rolle bei der Immunantwort auf Gluten.

Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass zwei der fünfzehn getesteten Quinoasorten („Ayacuchana“ und „Pansakalla“) die Immunantwort genauso stark aktivierten wie Gluten.

Das bedeutet also, dass Quinoa für Menschen mit Zöliakie oder Glutenunverträglichkeit womöglich kein so sicheres Nahrungsmittel ist wie bisher angenommen. Und außerdem zeigt diese Studie wieder einmal auf, wie falsch die Annahme ist, dass nur Proteine in Weizen, Roggen und Gerste problematisch für Menschen mit Glutenunverträglichkeit sind.

Brauchen wir eine andere Definition von Gluten?

Der derzeit gebräuchliche Test zum Nachweis von Gluten nennt sich ELISA (Enzyme Linked Immunosorbent Assay). Es handelt sich um eine Methode zur Bestimmung der Konzentration von Antigenen oder Antikörpern. In Bezug auf Gluten misst der Test die Menge von α-Gliadin im Nahrungsmittel (denn das ist das Gluten, das in Weizen, Roggen und Gerste vorkommt).

Dummerweise misst dieser Test aber nicht, ob andere Glutene (und davon gibt es hunderte) oder glutenähnliche Proteine vorhanden sind, die den Patienten Probleme bereiten könnten. Auf dieses Problem wurde schon häufig hingewiesen.

Man muss bedenken, dass  für Reis, Mais, Soja und Milchprodukte nachgewiesen wurde, dass sie Entzündungen und/oder Mikrovilli-Atrophie (= der Gewebebefund bei Zöliakie) hervorrufen können. Trotzdem wird dem gefährdeten Personenkreis immer noch empfohlen, auf Quinoa auszuweichen. Wie Sie jetzt wissen, kann das ein fataler Fehler sein.

 Noch einige Worte zu Kohlenhydraten

Ich persönlich benutze kein Quinoa, da es sehr viele Kohlenhydrate enthält. Ich würde immer dazu tendieren, Backwaren mit Mandel- oder Nussmehlen herzustellen, da diese gerade mal 1/10 der Menge an Kohlenhydraten haben. Ja, sie enthalten auch die 10-fache Menge Fette, aber darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich esse nur geringe Mengen Backwaren, da Nuss- und Mandelmehl extrem satt machen (aufgrund des höheren Proteingehalts). Und im Salat bevorzuge ich Kürbiskerne.

Ganz ehrlich, ich finde, wir können auf eine Menge Kohlenhydrate in unserer Ernährung verzichten. Unser Körper wird es uns danken.

 

(1) Gluten Contamination of Grains, Seeds, and Flours in the United States: A Pilot Study.  http://www.andjrnl.org/article/S0002-8223(10)00234-8/abstract

(2) http://flexikon.doccheck.com/de/Gluten

(3) Variable activation of immune response by quinoa (Chenopodium quinoa Willd.) prolamins in celiac disease. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22760575

Paracetamol – nicht so harmlos wie gedacht?

Ich  möchte wetten, dass Sie auch schon Paracetamol genommen haben, um Ihre Kopfschmerzen loszuwerden. Das haben wohl die meisten von uns. In Deutschland nehmen rund 3,8 Millionen Menschen regelmäßig Kopfschmerztabletten.

Paracetamol ist ein weit verbreitetes Schmerzmittel aus der Gruppe der Cyclooxygenasehemmstoffe (Nichtopioid-Analgetika) und wird bei leichten bis mäßig starken Schmerzen unterschiedlicher Ursache eingesetzt. Zudem wird es als Fieber senkendes Medikament (Antipyretikum) eingesetzt.

Handelsnamen sind unter anderem:

  • Paracetamol 500 Hexal ®
  • Ben-u-ron ® 500 mg von Novartis
  • Benuron ® Captin
  • Enelfa ®
  • Gelonida ®
  • Grippostad ® C
  • Neopyrin ® forte
  • Thomapyrin ® C Schmerztabletten

Die meisten Menschen schmeißen Schmerztabletten ein, als wären es Lutschbonbons. Der Kopf tut weh? Hier ist eine Pille. Im Rücken zieht’s? Da kann man was gegen einnehmen.

Frei verkäufliche Schmerztabletten haben ein gutes Image, gelten inzwischen fast schon als Lifestyle-Produkte und nicht mehr als Medikamente. Suggeriert doch die Werbung, dass diese Pillen generell fit machen – auch vorbeugend und in jeder erdenklichen Lebenslage. Sportler nehmen sie auch gerne mal prophylaktisch (vorbeugend).

Paracetamol wird von den meisten Menschen als harmlos eingestuft. Dies ist aber leider nicht der Fall. Selbst unter einer Dosierung von 2000 mg pro Tag, die noch völlig im therapeutischen Bereich liegt, berichten niedergelassene Ärzte über Leberschäden.

Für die USA wird laut ProPublica die Anzahl von Verletzungen und Todesfällen durch Paracetamol auf etwas über 110000 Fälle pro Jahr geschätzt (1).

 

Was aber macht Paracetamol so schädlich?

Überraschenderweise weiß man eigentlich nicht so genau, wie Paracetamol tatsächlich wirkt (2), aber man weiß, dass diese Substanz Glutathion verbraucht (3), ein Antioxidans, das für die Gesundheit des gesamten Körpers sehr wichtig ist. Unser Körper benötigt Antioxidantien, um oxidative Schäden und Entzündungen auszugleichen.

Wenn Sie also morgens eine Tablette Paracetamol mit Ihrem Antioxidantien-reichen Smoothie trinken, dann kann es passieren, dass Sie die positive Wirkung des Smoothies deutlich herabsetzen.

Man geht inzwischen davon aus, dass die Nebenwirkungen, die bei der Einnahme von Paracetamol auftreten können, vor allem dem Mangel an Glutathion zuzuschreiben sind.

Nebenwirkungen von Paracetamol

1. Leberschädigung

Bekannt ist, dass Paracetamol die Leber schädigt, und es bei Überdosierung zum Leberversagen kommen kann, dass im ungünstigsten Fall auch tödlich enden kann. Bei Erwachsenen tritt dieser Fall wahrscheinlich nur auf, wenn Paracetamol in suizidaler Absicht genommen wird. Bei Kindern sind die benötigten Dosen deutlich geringer, sodass es tatsächlich auch unbeabsichtigt zu einer Vergiftung kommen kann.

Da unser Körper aber ein verbundenes System ist, ist es nicht verwunderlich, dass Paracetamol auch noch andere unerwünschte Nebenwirkungen hat.

2. Erhöhtes Mortalitätsrisiko

Eine Studie, die 2013 in Annals of the Rheumatic Diseases erschienen ist (4), untersuchte welche Nebenwirkungen bei der Einnahme von Paracetamol auftraten. Sie fanden einen dosisabhängigen Zusammenhang mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko (Risiko zu Versterben). Während bei wiederholter Einnahme von Paracetamol in niedriger Dosierung die relative Sterberate nicht erhöht war, lag sie bei langanhaltendem Gebrauch hoher Dosen bei 1,63 (95%-Konfidenz-IntervalI: 1,58-1,68) – war damit also um 63% erhöht. Herz-Toxizität, gastro-intestinalen Blutungen (Blutungen im Magen-Darm-Trakt) und Nierenschäden (ja, auch bei Paracetamol!).

3. Störungen der Affektivität

Erschreckend ist auch, wie Paracetamol sich auf die Stimmung auswirkt. Nach der Einnahme von 1000 mg Paracetamol zeigten betroffene Personen eine deutliche Abnahme der Empathie (Mitgefühl) und abgeschwächte positive wie auch negative Gefühle (5). Nur damit Sie das richtig einordnen können: 1000 mg (2 Tabletten) ist die empfohlene Dosis bei Schmerzen. Die Tageshöchstdosis beträgt 4000 mg.

Gleich mit der ersten Dosis kommt es also zu Störungen der Emotionalität. Ich muss zugeben, für mich klingt das wie der Zombie-Effekt.

4. ADHS

Mehrere Studien sehen einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft und dem Auftreten eines ADHS (Aufmerksamkeit-Defizit-Hyperaktivität-Syndrom) bei den Kindern dieser Schwangeren (6, 7).  Dabei stieg das Risiko mit der Einnahme in späteren Trimestern.

Selbst eine Assoziation mit Autismus wird diskutiert, da Paracetamol einen neurotoxischen (nervenschädigenden) Effekt aufweist. Wohlgemerkt, aufgefallen ist ein Zusammenhang – keine Kausalität. Aber ganz ehrlich, wollen Sie dieses Risiko eingehen?

5. Blutdruckerhöhung

In einer prospektiven Studie wurde untersucht, ob Paracetamol bei Patienten mit Erkrankungen der Herzkranzgefäße den Blutdruck verändert (8). Die Probanden erhielten über zwei Wochen 3 x täglich 1000 mg Paracetamol. Es zeigte sich, dass sowohl der systolische als auch der diastolische Blutdruck signifikant anstiegen. Nach Meinung der Autoren, sollte die kardiovaskuläre Sicherheit des Analgetikums überprüft werden.

6. Erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko

Bei Einnahme von Paracetamol über längere Zeit oder in höherer Dosierung ist das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko deutlich erhöht wie eine Studie aufgezeigt hat (9).

 

Wie sieht es mit anderen Schmerzmitteln aus?

Da kommen wir dann zur Gruppe der Nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). NSAR wirken schmerzstillend und entzündungshemmend. Sie hemmen ein körpereigenes Enzym, die so genannten Cyclooxygenasen, COX-1 und COX-2. Diese Enzyme sind an der Bildung des Schmerzstoffes Prostaglandin beteiligt. Durch die Hemmung der Cyclooxygenase, kurz COX genannt, werden also auch alle Prostaglandine in ihrer Funktion gehemmt. Prostaglandine wiederum sind hormonähnliche Substanzen (auch Gewebehormone genannt),die in verschiedenen Formen in fast allen Organen im menschlichen Körper vorkommen.

Handelsnamen dieser Medikamentengruppe sind unter anderem:

  • Ibuprofen®
  • Voltaren® (Diclofenac)
  • Indomet® (Indometacin)
  • Felden® (Piroxicam)
  • Celebrex® (Celecoxib).

Wenn Sie jetzt aber glauben, dass Sie mit denen dann vielleicht besser bedient sind, haben Sie sich getäuscht.

Frauen mit Kinderwunsch sollten lieber die Finger von diesen Medikamenten lassen. NSARs können den Eisprung verhindern, indem sie die Progesteronkonzentration beeinflussen. Dieser Effekt tritt schon nach einer 10-tägigen Einnahme von 100 mg Diclofenac auf (10). Bei nur 6,3 Prozent der Frauen unter Diclofenac konnten die Forscher per Ultraschall einen Eisprung nachweisen. Unter Naproxen ovulierten 25 Prozent und unter Etoricoxib 27,3 Prozent der Teilnehmerinnen im Vergleich zu 100 Prozent in der Kontrollgruppe. Tatsächlich wird diskutiert, ob Diclofenac als Verhütungsmittel eingesetzt werden könnte.

Zudem schädigen NSARs den Dünndarm (11) und können zu einem Leaky Gut (12) führen. Dieser wiederum wird mit Depressionen, ADHS und Allergien in Zusammenhang gebracht. Außerdem wird durch NSARs das Mikrobiom angegriffen (13). Das Mikrobiom besteht aus Billionen Lebewesen in unserem Darm (Bakterien, Viren, Pilze). Das Problem ist, dass Störungen in unserem Mikrobiom sich sehr negativ auf unsere Gesundheit auswirken können.

 

Und nun…?

Tja, was sollen Sie denn nun tun, wenn Sie Schmerzen haben? Die überraschende Antwort ist: Greifen Sie zu Kurkuma. Kurkuma oder Gelbwurz ist die Substanz, die Curry seine gelbe Farbe verleiht. Sie enthält als aktiven Wirkstoff Kurkumin, das eine starke antientzündliche und schmerzstillende Wirkung hat (14). Und als sehr willkommenen Nebeneffekt sorgt es auch noch dafür, dass eine kaputte Darmschleimhaut wieder aufgebaut wird (15).

Aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen sagen, dass Kurkumin genauso gut schmerzlindernd wirkt wie Ibuprofen oder Paracetamol, aber ohne diese hässlichen Nebenwirkungen.

Beim nächsten Kopfschmerz probieren Sie vielleicht einfach einmal einen TL Kurkuma mit etwas schwarzem Pfeffer (für eine bessere Resorption) in einem Glas Tee oder Milch.

 

(1) https://www.propublica.org/article/tylenol-mcneil-fda-behind-the-numbers

(2) http://cen.acs.org/articles/92/i29/Does-Acetaminophen-Work-Researchers-Still.html

(3) Dose-dependent pharmacokinetics of acetaminophen: Evidence of glutathione depletion in humans. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1038/clpt.1987.50/abstract

(4) Paracetamol: not as safe as we thought? A systematic literature review of observational studies.  http://ard.bmj.com/content/75/3/552.short

(5) Over-the-Counter Relief From Pains and Pleasures Alike. http://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/0956797615570366

(6) Acetaminophen Use During Pregnancy, Behavioral Problems, and Hyperkinetic Disorders http://jamanetwork.com/journals/jamapediatrics/fullarticle/1833486

(7) Antenatal acetaminophen use and attention-deficit/hyperactivity disorder.  http://jamanetwork.com/journals/jamapediatrics/article-abstract/1833483

(8) https://www.aerzteblatt.de/archiv/79493/Schmerzstillung-bei-Herzkranken-Paracetamol-erhoeht-den-Blutdruck

(9) Nonsteroidal antiinflammatory drugs, acetaminophen, and the risk of cardiovascular events.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16534006

(10) https://www.sciencedaily.com/releases/2015/06/150611082124.htm

(11) Visible small-intestinal mucosal injury in chronic NSAID users. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15645405

(12) Intestinal permeability and inflammation in patients on NSAIDs. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1727292/

(13) Anti-inflammatory drug and gut bacteria have a dynamic interplay. https://www.sciencedaily.com/releases/2016/01/160104132151.htm

(14) Some Important Dietary Polyphenolic Compounds: An Anti-inflammatory and Immunoregulatory Perspective. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28183265

(15) Curcumin improves intestinal barrier function: Modulation of intracellular signaling and organization of tight junctions. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28249988

Knochenbrühe für die Seele – und noch einige andere Dinge

Gute Brühe erweckt Tote zum Leben (südamerikanisches Sprichwort)

Na ja, ganz soweit geht es vielleicht nicht, aber tatsächlich enthält Knochenbrühe viele heilende Substanzen und kann somit den Körper bei der Bekämpfung von manch einer Krankheit unterstützen.

 

Knochenbrühe erlaubte es unseren Vorfahren absolut alle Teile eines Tieres zu verwerten. Knochen, Mark, Haut, Füße, Sehnen und Bänder, die man nicht direkt essen kann, wurden über einige Tage geköchelt. Dadurch werden Stoffe wie Kollagen, Prolin, Glycin und Glutamin freigesetzt, die für Ihre Gesundheit sehr wichtig sind.

Knochenbrühe enthält Mineralien in einer Form, die von unserem Körper sehr leicht aufgenommen werden kann: Calcium, Magnesium, Silizium, Schwefel und andere. Sie enthält Chondroitinsulfat und Glucosamin; Verbindungen, die als teure Nahrungsergänzungsmittel gegen Entzündungen und Gelenkschmerzen verkauft werden.

 

Welche gesundheitlichen Wirkungen können Sie von Knochenbrühe erwarten?

1. Stärkung des Immunsystems

In der Brühe vorkommende Aminosäuren (AS) wie Arginin, Glutamin und Cystein stärken das Immunsystem sowohl bei Menschen als auch bei Tieren. 

2. Linderung von Erkältungssymptomen

Ich oute mich hier jetzt altersmäßig, aber als ich ein Kind war, wurde bei Erkältungen selbst gekochte Hühnersuppe getrunken. In der Zeitschrift Chest wurde im Jahr 2000 eine Studie veröffentlicht, die aufzeigte, dass Hühnersuppe tatsächlich Erkältungssymptome lindern kann, indem sie die Schleimauflösung unterstützt, die Atemwege freimacht und leicht verdauliche Nährstoffe bereitstellt (1). 

Die in der Hühnersuppe enthaltene Aminosäure Cystein ähnelt übrigens chemisch dem Schleimlöser Acetylcystein (ACC), den Sie in der Apotheke kaufen können.

3. Antientzündliche Wirkung

Studien haben gezeigt, dass viele AS, die in Knochenbrühe vorkommen, wie zum Beispiel Cystein, Histidin und Glycin entzündungshemmend wirken. L-Glutamin wirkt spezifisch im Darm antientzündlich.

4. Reparatur eines Leaky Gut

Gelatine hat eine positive Wirkung auf die Integrität der Darmschleimhaut, kann die Symptome von Nahrungsmittelallergien vermindern, unterstützt das Wachstum von guten Darmbakterien und hält ein gesundes Entzündungsniveau im Darm aufrecht. Das Journal of Clinical Gastroenterology veröffentlichte eine Untersuchung, die bestätigte, dass Gelatine die Darmgesundheit und -integrität unterstützt (2).

Knochenbrühe ist leicht verdaulich und wirkt beruhigend auf das Verdauungssystem im Gegensatz zu anderen Nahrungsmitteln, die häufig schwer in ihre Bestandteile zu zerlegen sind. Und letztendlich kommt es ja darauf an, dass wir die Nährstoffe, die in einem Nahrungsmittel enthalten sind, auch aufnehmen können.

Studien zeigen, dass Menschen mit einem aus dem Gleichgewicht geratenen Verdauungssystem häufig eine verminderte Konzentration von Kollagen im Serum haben (3). Da die im Kollagen enthaltenen AS das Gewebe aufbauen, das den Dickdarm und den gesamten Verdauungstrakt auskleidet, kann die Zufuhr von Kollagen eine gesunde Verdauungs-funktion unterstützen.

5. Vorbeugung und Linderung von Gelenkbeschwerden

Knochenbrühe ist eine der besten Quellen für natürliches Kollagen. Kollagen ist ein Protein, das in Knochen, Haut, Knorpel, Bändern, Sehnen und im Knochenmark vorkommt. Wenn wir älter werden, kommt es zu einem Verlust an Knorpelsubstanz. Das in der Brühe enthaltene Kollagen wirkt hier praktisch wie ein Nahrungsergänzungsmittel zur Unterstützung der Knorpelwiederherstellung.

Einer der wertvollsten Bestandteile der Knochenbrühe ist Gelatine. Sie wirkt in den Gelenken praktisch wie ein Kissen und verhindert, das Aufeinanderprallen von Knochen. Gelatine versorgt uns auch mit Bauteilen, die für die Aufrechterhaltung von starken Knochen und einer ausreichenden Knochenmineralisierung wichtig sind.

Eine Studie der Abteilung für Ernährung und Sporternährung der Penn State University untersuchte die Auswirkung einer Kollagensubstitution bei Sportlern. Nach nur 24 Wochen wiesen die meisten von ihnen signifikante Verbesserungen in der Gelenkbeweglichkeit und eine Verminderung in Faktoren wie zum Beispiel Schmerzen, die die sportliche Leistung negativ beeinflussen (4).

7. Knochenbrühe unterstützt den Wasserhaushalt

Die Brühe sorgt für eine höhere Zufuhr von Elektrolyten (Mineralien) und Kohlenhydraten (Gemüse). Studien haben gezeigt, dass das Trinken von Brühe den Körper bessert rehydriert als das Trinken von Wasser.

 9. Sorgt für gesunde Haut

Das in der Brühe enthaltene Kollagen unterstützt die Synthese von Elastin und anderen Stoffen in der Haut, die dafür verantwortlich sind, dass die Haut ihr jugendliches Aussehen und ihre Struktur behält. Funktionierendes Kollagen vermindert Falten, reduziert Schwellungen und bekämpft andere Zeichen des Alterns. Viele Menschen berichten, dass Cellulitis verschwindet, wenn sie Nahrungsmittel essen, die viel Kollagen enthalten. 

Diesen Effekt haben Sie übrigens nur, wenn Sie Kollagen essen. Eine Kollagencreme bringt Ihnen überhaupt nichts, weil Kollagen als Molekül zu groß ist, um die Haut zu durchdringen. Sparen Sie sich also lieber das Geld. Cremes enthalten zudem meist eine Menge Toxine.

Eine doppelblinde, placebo-kontrollierte Studie untersuchte 2013 welchen Effekt die tägliche Zufuhr von 2,5 – 5 g Kollagen Hydrolisat auf das Hautbild von Frauen im Alter von 35 – 55 Jahren hat. Zu Beginn und nach 4 und 8 Wochen wurde die Hautelastizität, Hautfeuchtigkeit, der transepidermale Wasserverlust (Trockenheit) und die Rauheit der Haut objektiv gemessen (5).

Schon nach 4 Wochen zeigte sich in der Kollagengruppe eine signifikant bessere Hautfeuchtigkeit und Verdunstungsleistung als in der Placebogruppe und sogar eine erkennbare Abnahme von Zeichen der Hautalterung. Und das alles ohne Nebenwirkungen.

10. Muskelaufbau

Die AS der Knochenbrühe können die Muskelproteinsynthese anregen. Diese ist essentiell für Wachstum, Reparatur und Aufrechterhaltung der Muskelmasse (6). Das im Kollagen enthaltene Glycin hilft beim Muskelaufbau indem es Glucose in verwertbare Energie umwandelt. Außerdem verlangsamt es den Knochen-, Gebewebe- und Muskelschwund, der mit dem Altern vergesellschaftet ist, indem es die Nutzung von Antioxidantien verbessert. Studien haben gezeigt, dass Glycin vor Muskelschwund schützt und die Expression (das Anschalten) von Genen für den altersbedingten Muskelabbau stoppen kann (7).

11. Unterstützt den Stoffwechsel

Brühe ist eine großartige Möglichkeit, die Menge an Glutathion in Ihrem Körper zu vergrößern. Glutathion ist unser Master-Antioxidans und an vielen Entgiftungsreaktionen im Körper beteiligt. Eine 2004 im Journal of Nutrition erschienene Untersuchung führte aus, dass Glutathion an der Regulierung von Genexpressionen, DNA- und Proteinsynthese, Zellwachstum und Apoptose (Zelluntergang), Signalübersetzungen, Cytokin-Produktion (= Proteine, die das Wachstum und die Differenzierung von Zellen regulieren) und der Immunantwort beteiligt ist (8).

Die in Knochenbrühe enthaltenen Nährstoffe

1. Glycosaminoglykane (GAG)

Zur Aufrechterhaltung und Unterstützung von Kollagen und Elastin. Unterstützen eine gesunde Verdauung durch Hilfe beim Wiederaufbau der Darmschleimhaut. Ein GAG-Mangel wurde mit Verdauungsproblemen in Zusammenhang gebracht (9). Wichtige GAGs, die in Knochenbrühe vorkommen sind: Glucosamin, Hyaluronsäure und Chondroitinsulfat.

2. Mineralien und Elektrolyte

Elektrolyte in Knochenbrühe beinhalten unter anderem Calcium, Magnesium und Kalium, die wichtig sind für eine gute Durchblutung, Knochendichte, Nervenimpulse, Herzgesundheit und ein gesundes Verdauungssystem. 

3. Collagen

Collagen ist das Hauptstrukturprotein des menschlichen Körpers, hilft bei der Ausbildung von Bindegewebe und „versiegelt“ die Schutzschicht des Darmtraktes. Es ist auch die gelförmige, weiche Struktur die unsere Knochen bedeckt und zusammenhält.

Durch seine Wirkung auf den Verdauungstrakt kann Collagen zur Therapie bei IBS, M. Crohn, Colitis Ulcerosa und Refluxerkrankungen (Sodbrennen) eingesetzt werden.

4. Gelatine

Gelatine, ein Abbauprodukt des Collagens, wurde schon im alten China als Medizin eingesetzt.

Da Gelatine beim Proteinabbau hilft und die Darmschleimhaut beruhigt, kann es als Therapeutikum beim Leaky Gut Syndrom und den damit verbundenen Autoimmunerkrankungen eingesetzt werden. Die Heilung eines Leaky Guts führt auch zu einem Rückgang in Nahrungsmittel-allergien.

Es fördert eine gesundes Microbiom (Darmflora) und sorgt durch einfach aufzunehmende Mineralien für gesunde Knochen.

5. Semiessentielle AS

Gelatine enthält die Semiessentiellen AS Arginin, Glycin, Glutamin und Prolin. Unser Körper kann diese AS eigentlich selber herstellen, aber unter bestimmten Umständen kann die Synthese zu gering werden, wodurch diese AS essentiell werden und dann mit der Nahrung zugeführt werden müssen. Hierzu kommt es unter anderem durch Stress und unsere wundervolle westliche Ernährung mit großen Mengen an raffinierten Kohlenhydraten und zu wenig hochwertigem Protein.

Wofür benötigen wir diese AS?

Arginin

  • Immunsystem und Wundheilung
  • Produktion und Freisetzung von Wachstumshormon
  • Regeneration kaputter Leberzellen
  • Spermienproduktion

Glycin

  • Verhindert den Abbau von Muskelgewebe
  • Produktion von Gallensäuren und Glutathion
  • Entgiftung von Chemikalien und antioxidative Wirkung
  • Verbessert als Neurotransmitter den Schlaf, das Gedächtnis und die Leistung

Prolin

  • Knorpelregeneration und Gelenkheilung
  • Vermindert Cellulitis, macht die Haut geschmeidig
  • Reparatur eines Leaky Gut

Glutamin

  • Schützt die Darmschleimhaut
  • Metabolischer Brennstoff für Zellen im Dünndarm
  • Verbessert den Stoffwechsel und den Muskelaufbau

Selbst gemacht oder gekauft?

Bevor Sie jetzt in den nächsten Laden laufen und sich dort die sogenannte Brühe als Konzentrat oder vielleicht sogar im Glas abgefüllt kaufen, hier noch einige Hinweise.

Die normale Brühe aus dem Laden besteht zu über 90 % der Fälle nicht wirklich aus einer Brühe, die auf Knochen unter Hinzufügen von sonstigen Tierbestandteilen und Gemüse gekocht wurde. Die großen Nahrungs-mittelkonzerne benutzen im Labor hergestellte Fleischgeschmacksstoffe in Bouillon-Würfeln, Suppen- und Soßenmischungen. Sie nehmen auch gerne Monosodium-Glutamat (MSG), das zwar als Geschmacksverstärker und Fleischgeschmacksstoff deklariert wird, aber in Wirklichkeit ein Neurotoxin (Nervengiftstoff) ist.

Meine Empfehlung – und Sie haben es sicher schon geahnt: Machen Sie Ihre eigene Knochenbrühe. Es ist super einfach und soviel gesünder als alles, was Sie kaufen können. Ein Rezept finden Sie hier.

 

(1)Chicken soup inhibits neutrophil chemotaxis in vitro.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/m/pubmed/11035691/)

(2) Gelatin tannate reduces the proinflammatory effects of lipopolysaccharide in human intestinal epithelial cells.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3358810/

(3) Serum laminin and collagen IV in inflammatory bowel disease.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14600124

(4) 24-Week study on the use of collagen hydrolysate as a dietary supplement in athletes with activity-related joint pain.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18416885

(5) Oral supplementation of specific collagen peptides has beneficial effects on human skin physiology: a double-blind, placebo-controlled study.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23949208

(6)Dietary Protein Considerations to Support Active Aging.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4213379/

(7) Glycine administration attenuates skeletal muscle wasting in a mouse model of cancer cachexia. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23835111

(8) Glutathione metabolism and its implications for health.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14988435

(9)http://www.naturalmedicinejournal.com/journal/2015-04/n-acetylglucosamine-treatment-inflammatory-bowel-disease

12 Schritte wie Sie Ihr Immunsystem wieder unter Kontrolle bringen

Mehr als vier Millionen Deutsche leiden an einer Autoimmunerkrankung, das heißt ihr Immunsystem wendet sich gegen den eigenen Körper. Diabetes Typ I, Morbus Crohn, rheumatoide Arthritis, Multiple Sklerose und Hashimoto Thyreoiditis sind die bekanntesten Autoimmunerkrankungen. Aber auch bei Schizophrenie und Autismus vermutet man inzwischen autoimmune Ursachen.

Wenn Sie ebenfalls betroffen sind, ist es unabdingbar, dass Sie die Ursache für diese Autoimmunerkrankung herausfinden. Diese Ursache muss behandelt werden, damit die Symptome gestoppt und im besten Fall sogar wieder rückgängig gemacht werden können.

Schulmediziner behandeln nur die Symptome – zum Beispiel mit Medikamenten, die entzündungshemmend wirken oder das Immunsystem unterdrücken. In der Regel werden Sie Ihnen erzählen, dass es keine Möglichkeit gibt, diese Erkrankungen zu heilen und dass Sie die Medikamente Ihr Leben lang einnehmen werden müssen.

Das ist aber schlichtweg die falsche Herangehensweise, denn die auslösenden Faktoren werden nicht behandelt. Kurzfristig verschafft Ihnen so eine Therapie vielleicht Erleichterung, aber langfristig hilft sie Ihnen nicht weiter. Wenn Sie nur Symptome behandeln und die Ursache nicht abstellen, laufen Sie Gefahr, noch weitere Autoimmunerkrankungen zu entwickeln. Außerdem kann die längerfristige Behandlung mit immunsuppressiven Medikamenten (Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken) dazu führen, dass Sie an schweren Infektionen oder Krebs erkranken.

Es kann ein schwieriger Prozess sein, herauszufinden an welcher Autoimmunerkrankung Sie leiden. Die Symptome können unspezifisch sein – Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen, Depression, Verdauungsprobleme – und die Schilddrüse, das Gehirn, die Haut oder andere Organe betreffen. Sie und Ihr Arzt müssen eine Menge Detektivarbeit leisten, um die mögliche(n) Ursache(n) herauszufinden. Welche Infektionen, Toxine, Nahrungsmittelallergien könnten ursächlich sein. Und wie sieht es mit einem Leaky Gut aus?

12 Schritte zur Diagnose und Therapie einer Autoimmunerkrankung:

  1. Prüfen Sie, ob versteckte Infektionen vorliegen – Pilze, Viren, Bakterien, Borelliose. Hierzu muss Ihr Arzt einige Labortests veranlassen. Bestehende Infektionen müssen natürlich behandelt werden.
  2. Verzichten Sie auf Nahrungsmittel, die Sie nicht vertragen. Entweder lassen Sie einen Allergietest durchführen oder Sie nehmen die Sache selbst in die Hand und machen für 30 Tage eine Eliminationsdiät. Bei dieser Diät verzichten Sie auf 8 Nahrungsmittel, die bei sehr vielen Menschen Unverträglichkeiten hervorrufen. Es handelt sich dabei um: Getreide, Milch und Milchprodukte, Nachtschattengewächse (Kartoffeln, Tomaten, Paprika u.a.), Eier, Soja, Zucker und Süßstoffe, Erdnüsse und Mais. Und keine Angst, es ist noch genug übrig, das Sie essen können.
  3. Lassen Sie sich auf Zöliakie testen. Ein Problem hierbei ist allerdings, dass eigentlich nur ein positiver Test Ihnen wirklich weiterhilft. Ein negativer Test schließt eine Glutenunverträglichkeit nicht aus. Ein Test auf Glutenunverträglichkeit wird nur von Cyrex Labs in den USA angeboten und ist für Deutschland nicht verfügbar. Da Gluten aber einer der Hauptverursacher des Leaky Gut Syndroms ist und dieses eine Vorbedingung für die Entwicklung einer Autoimmunerkrankung darstellt, sollten Sie eh darauf verzichten.
  4. Lassen Sie sich auf Schwermetallvergiftungen untersuchen. Quecksilber (zum Beispiel aus den beliebten Amalgamfüllungen) und andere Schwer-metalle können Autoimmunerkrankungen verursachen.
  5. Sind Sie in Ihrer Wohnung oder an Ihrem Arbeitsplatz Schimmelpilzen ausgesetzt? Auch diese können Autoimmunerkrankungen auslösen.
  6. Heilen Sie Ihre Darmschleimhaut.  Prädestiniert hierfür ist Knochenbrühe, weil Sie sämtliche Bausteine enthält, die Ihr Darm für die Reparatur benötigt. Glutamin (nicht Glutamat) als Nahrungsergänzung ist ebenfalls hilfreich.
  7. Essen Sie vermehrt Nährstoffe, die eine optimale Immunfunktion unterstützen. Hierzu zählen Nahrungsergänzungsmittel wie Fischöl (1 – 3 g DHA und EPA täglich), Vitamin C (2 – 5 g täglich), Vitamin D (5000 – 10000 IE täglich), Selen (200 mcg täglich), Zink (25 mg täglich). Zusätzlich zu hochdosiertem Vitamin D sollten Sie immer auch Vitamin K2 (200 mcg täglich) nehmen, damit es nicht zur Arterienverkalkung kommt.
  8. Essen Sie außerdem Nährstoffe, die ein gesundes Darmmikrobiom (die Bakterien in Ihrem Darm) unterstützen. Hierzu gehören fermentierbare Ballaststoffe aus Obst und Gemüse, die die guten Darmbakterien ernähren sowie fermentierte Nahrungsmittel (zum Beispiel Sauerkraut), die diese guten Bakterien enthalten.
  9. Treiben Sie regelmäßig Sport. Sport wirkt antiinflammatorisch solange Sie es nicht übertreiben. Also besser ein kurzes HIIT Training als langes konventionelles Ausdauertraining. Wichtig ist, dass Sie immer in Bewegung bleiben.
  10. Senken Sie Ihren Stresslevel durch Tiefenentspannung wie Yoga, Tai Chi, Atemübungen, Biofeedback oder Massage.
  11. Gehen Sie in die Sonne, und lassen Sie die Sonne an Ihre Haut. Das verbessert Ihre Versorgung mit Vitamin D , senkt Stress und macht gute Laune.
  12. Stellen Sie sicher, dass Sie rechtzeitig ins Bett gehen und genug Schlaf bekommen. Ihr Körper braucht diese Zeit, um sich zu regenierieren.

Wenn Sie diese Tipps befolgen, werden Sie feststellen, dass Ihr Gesundheitszustand sich deutlich bessert und Medikamente reduziert oder im günstigsten Fall sogar abgesetzt werden können. Es ist sicherlich mehr Arbeit, als nur schnell eine Pille einzuwerfen. Aber das sollten Sie sich wert sein.

 

 

 

 

 

Autoimmunerkrankungen – wenn der Körper Freund und Feind nicht unterscheiden kann

Autoimmunerkrankungen sind chronisch entzündliche Prozesse, bei denen das Immunsystem körpereigene Gewebe angreift und zerstört. Weltweit sind derzeit ca. 5-8% der Bevölkerung von ungefähr 80-100 verschiedenen Autoimmunerkrankungen betroffen. Sie bilden nach Herz-Kreislauf- und Tumorerkrankungen die dritthäufigste Erkrankungsgruppe. Allerdings wurde in den letzten Jahren eine stetige Zunahme der Häufigkeit beobachtet (z.B. Diabetes mellitus Typ 1, Multiple Sklerose, Hashimoto Thyreoiditis).

Einige Fakten zu Autoimmunerkrankungen:

  • Die Symptome einer Autoimmunerkrankung können viele Organsysteme betreffen: Gehirn, Haut, Mund, Lungen, Nasennebenhöhlen, Schilddrüse Gelenke, Muskeln, Nebennieren und Verdauungstrakt.
  • Ein Patient geht im Durchschnitt zu 6 – 10 Ärzten bevor erkannt wird, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handeln könnte.
  • Es vergehen oft bis zu 5 Jahre bis die offizielle Diagnose einer Autoimmunerkrankung gestellt wird.
  • Menschen, die an einer Autoimmunerkrankung leiden, haben ein dreifach höheres Risiko weitere Autoimmunerkrankungen zu entwickeln.

Interessanterweise treten Autoimmunerkrankungen fast ausschließlich in Industrienationen auf. In Entwicklungsländern, wo es keine modernen Annehmlichkeiten wie fließendes Wasser, WCs, Waschmaschinen und sterile Hinterhöfe gibt, bekommen die Menschen diese Krankheiten nicht.

Bekannt ist auch, dass Kinder, die auf Bauernhöfen mit vielen Tieren aufwachsen, sehr viel weniger an diesen entzündlichen Erkrankungen leiden. Das Spielen im Dreck, dreckig (und glücklich) sein und Bakterien und Infektionen ausgesetzt zu sein, bringt unserem Immunsystem bei Freund von Feind zu unterscheiden.

Ich kann mich noch erinnern, dass während meines Medizinstudiums die Hashimoto Thyreoiditis diese exotische Krankheit war, die einige Menschen hatten, die man aber nur extrem selten sah. Heute habe ich fast täglich Patienten, die unter dieser Autoimmunerkrankung leiden. Wie kommt es zu diesem plötzlichen Anstieg?

Wie Autoimmunerkrankungen entstehen

Drei Faktoren müssen zusammentreffen, damit es zur Ausbildung einer Autoimmunerkrankung kommt:

  1. Genetische Veranlagung
  2. Trigger (häufig Umweltfaktoren wie Infektionen, Giftstoffe, Nahrungsmittelallergien u.a.)
  3. Leaky Gut.

Sehen wir uns diese drei Faktoren doch mal genauer an.

Faktor 1. Es gibt eine familiäre Häufung von Autoimmunerkrankungen, die darauf schließen lässt, dass das Auftreten dieser Erkrankungen durch gemeinsame genetische Faktoren beeinflusst wird. Dieses wurde in Zwillingsstudien nachgewiesen. Sie zeigten eine höhere Übereinstimmung für eineiige Zwillinge als für zweieiige Zwillinge auf. In einer großen Untersuchung wurde aufgezeigt, dass Patienten mit Multipler Sklerose (MS) oder Rheumatoider Arthritis (RA) wesentlich häufiger weitere Auto-immunerkrankungen aufwiesen (1,2). Die Konkordanzrate beträgt aber für die meisten Autoimmunerkrankungen nur 10 – 40 %. Das bedeutet, dass Umweltfaktoren eine weitaus größere Rolle spielen (3).

Faktor 2. Zu den Umweltfaktoren, die eine Autoimmunerkrankung auslösen können, gehören chemische Giftstoffe, Schwermetalle, Viren, Bakterien, Stress, Drogen und Medikamente. Hilfsstoffe wie Aluminiumhydroxid, das in Impfstoffen verwendet wird, können zum Beispiel Autoimmunerkrankungen wie das Shoenfeld Syndrom (4) oder eine Autoimmunhepatitis (Zerstörung von Leberzellen) (5) hervorrufen.

Auch infektiöse Stoffe wie Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten können Autoimmunerkrankungen auslösen. Dies geschieht durch Mechanismen wie „Molecular Mimicry“ (praktisch eine Verwechslung, wenn diese Stoffe Körpergewebe ähneln), Dysregulation der Immunhomöostase durch chronische Entzündungen, Verbleiben von Viren im Körper oder Aktivierung des angeborenen Immunsystems. Wichtig ist dabei, dass wahrscheinlich nicht eine Erkrankung allein für die Ausbildung einer Autoimmunerkrankung verantwortlich ist, sondern es mehr auf die Krankheitslast an Infektionskrankheiten von Kindheit an ankommt, die dann zur Autoimmunerkrankung führen (6).

Das Epstein-Barr-Virus (EBV) ist so ein infektiöser Stoff, der zu systemischen Autoimmunerkrankungen (diese betreffen den ganzen Körper, nicht nur ein Organ) wie Systemischem Lupus Erythematosus (SLE), RA, Sjögrens Syndrom und Mischkollagenosen (eine Erkrankung, die einen SLE und eine RA beinhaltet) führt.

Faktor 3. Alessio Fasano veröffentlichte 2012 in Clinical Reviews in Allergy and Immunology eine Studie, die aufzeigte, dass ein Leaky Gut eine Vorbedingung für die Ausbildung von Autoimmunerkrankungen ist (7). Diese Sichtweise wird inzwischen auch von anderen Forschern und Klinikern unterstützt. Der Leaky Gut als Auslöser kann viele Autoimmunerkrankungen ursächlich erklären.

Normalerweise sorgt die Darmschleimhaut dafür, dass nur bestimmte Stoffe in den Blutstrom geraten. Haben Sie aber einen Leaky Gut, so sind die Poren in der Darmwand größer, und es gelangen nur teilweise verdaute Nahrungsbestandteile sowie andere Stoffe in den Blutkreislauf, die dort eigentlich nicht hingehören. Diese werden von Ihrem Immunsystem ganz rechtmäßig angegriffen (dazu ist es schließlich da). Wenn aber diese fremden Eindringlinge Ihren eigenen Körperzellen ähnlich sehen (das ist zum Beispiel bei Gluten und Schilddrüsenzellen der Fall), dann kommt es zur oben beschriebenen Molecular Mimicry, und Ihr Immunsystem greift auf einmal zum Beispiel Ihre Schilddrüse an. Die Folge? Ihr Arzt stellt die Diagnose einer Hashimoto Thyreoiditis. Gluten ist einer der Hauptauslöser für einen Leaky Gut, weshalb Patienten mit einer Autoimmunerkrankung unbedingt eine glutenfreie Ernährung (allerdings ohne glutenfreie Fertigprodukte) einhalten sollten.

Sie haben eine Autoimmunerkrankung – und nun?

Wenn Sie bis hier gekommen sind, sollte es Ihnen inzwischen klar sein, dass eine Autoimmunerkrankung nicht einfach so geschieht, weil Ihr Immunsystem gerade nichts besseres zu tun hat. Es sollte auch klar sein, dass die Therapie nicht darin bestehen kann, das Immunsystem einfach ruhig zu stellen (wie es zum Beispiel im Fall der Rheumatoiden Arthritis gemacht wird), denn es macht schließlich genau das, was es soll. Es schützt Ihren Körper vor Eindringlingen. Dass es dabei Freunde niedermäht, müssen Sie sich vielleicht mal so vorstellen:

Ihr Immunsystem ist der Secret Service, der den Präsidenten (Sie) beschützen soll. Viele Splittergruppen versuchen ihn anzugreifen (Gluten, Schwermetalle, Bakterien u.a.). Der Secret Service ist also sehr nervös und schreckhaft, und die Agenten sagen sich, bevor unserem Präsidenten etwas zustößt, ist das kleinere Übel wahrscheinlich, dass wir einen gewissen Kollateralschaden an Zivilisten (Ihre Organe) in Kauf nehmen. Um den Secret Service davon abzuhalten, im Eifer des Gefechts einmal zu viel zu schießen, wäre es natürlich günstiger, die Angreifer gar nicht erst in die Nähe des Präsidenten zu lassen (dann sind alle gelassener und weniger schießwütig).

Und genau um diesen Status zu erreichen – dass die Eindringlinge vor der Tür bleiben – ist die wichtigste Aufgabe für Patienten mit einer Autoimmunerkrankung, ihren Darm zu heilen. Die Löcher in der Darmwand müssen repariert werden, damit die Eindringlinge nicht in Ihrem Blutstrom, sondern in der Toilettenschüssel landen. Nur so ist eine ursächliche Behandlung möglich, die im Endeffekt immer effektiver sein wird als das medikamentöse Pflaster, das Sie von Ihrem Arzt erhalten.

Dazu kommt natürlich auch eine Expositionsprophylaxe, das heißt, die Ursache für den Leaky Gut muss abgestellt werden. Dies bedeutet in den meisten Fällen ein bisschen Detektivarbeit. Aber die Mühe lohnt sich. Nicht nur, damit Sie Ihre schon bestehende Erkrankung zum Stillstand bringen oder im günstigsten Fall sogar heilen können, sondern auch damit Sie weitere Autoimmunerkrankungen gar nicht erst bekommen.

 

 

(1)Lin J-P, Cash JM, Doyle SZ, et al. Familial clustering of rheumatoid arthritis with other autoimmune diseases. Human Genetics. 1998;103(4):475–482. [PubMed]

(2)Broadley SA, Deans J, Sawcer SJ, Clayton D, Compston DAS. Autoimmune disease in first-degree relatives of patients with multiple sclerosis. A UK survey. Brain. 2000;123(6):1102–1111. [PubMed]

(3)Salvetti M, Ristori G, Bomprezzi R, Pozzilli P, Leslie RDG. Twins: mirrors of the immune system. Immunology Today. 2000;21(7):342–347. [PubMed]

(4)Vera-Lastra O, Medina G, Cruz-Dominguez MDP, et al. Human adjuvant disease induced by foreign substances: a new model of ASIA (Shoenfeld’s syndrome) Lupus. 2012;21(2):128–135. [PubMed]

(5)Hamza H, Cao J, Li X, Li C, Zhu M, Zhao S. Hepatitis B vaccine induces apoptotic death in Hepa1-6 cells. Apoptosis. 2012;17:516–527. [PubMed]

(6)Kivity S, Agmon-Levin N, Blank M, Shoenfeld Y Trends Immunol. 2009 Aug; 30(8):409-14.[PubMed

(7)Leaky Gut and Autoimmune Diseases Clin Rev Allergy Immunol. 2012 Feb;42(1):71-8. doi: 10.1007/s12016-011-8291-x.  ⌊PubMed

 

12 Gründe warum Sie einen leckenden Darm haben könnten

Jede Krankheit beginnt im Darm (Hippocrates)

darmHippocrates hatte Recht, der Darm ist das Tor zur Gesundheit. Wenn Ihr Darm gesund ist, haben Sie gute Chancen auch sonst gesund zu sein.

Heute möchte ich mich mit einem Syndrom beschäftigen, dass unter dem Namen „Leaky Gut“ zusammengefasst wird, und das vielen Menschen eine Menge Ärger bereitet, ohne dass sie überhaupt wissen, dass sie es haben.

Leaky gut, oder in medizinischem Hochdeutsch vermehrte intestinale Permeabilität (= vermehrte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut), ist ein Syndrom, das viele Mediziner für einen Mythos halten. Das verwundert schon sehr, denn eine PubMed Suche ergibt 5119 Ergebnisse für Studien, die nachweisen, dass dieses Syndrom nicht nur absolut real ist, sondern dass es auch vielfältige Auswirkung auf unsere Gesundheit hat.

Im Normalfall lässt die Darmschleimhaut nur sehr kleine Moleküle durch, um lebenswichtige Nährstoffe aufzunehmen. Tatsächlich ist die Regulierung der Durchlässigkeit der Darmschleimhaut eine der wichtigsten Aufgaben der Darmwandzellen. Diese Regulierung erfolgt über sogenannte Tight Junctions, das sind Verbindungen der Epithelzellen der Darmschleimhaut, die eine Barrierefunktion ausüben. Die Tight Junctions werden durch ein Protein namens Zonulin reguliert. Wird Zonulin aktiviert, öfnnen sich die Tight Junctions.

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Durch die Öffnung der Tight Junctions folgt, wie man sich nicht schwer vorstellen kann, eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmwand, also ein Leaky Gut. Wenn der Darm durchlässig ist, gelangen Dinge in den Blutstrom, die dort eigentlich nicht hingehören. Das sind zum Beispiel Giftstoffe, Mikroben, unverdaute Nahrungsmittel und alles, was sich sonst noch so in Ihrem Darm tummelt. Ihr Immunsystem erkennt nun diese „Eindringlinge“ als Krankheitserreger und greift sie an. Handelt es sich bei diesen „Eindringlingen“ zum Beispiel um unverdaute Nahrungsmittel, dann werden Sie nach einiger Zeit eine Allergie auf diese Nahrungsmittel entwickeln. Und wenn Sie dann statt der betroffenen Nahrungsmittel etwas anderes essen, gelangt dies ebenfalls unverdaut in Ihren Blutstrom, und dann weiten sich die Nahrungsmittelallergien aus. So einfach ist das!

Im Lauf der Jahre entwickeln sich aufgrund des durchlässigen Darms dann ernsthafte Beschwerden. So werden besonders die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn und Colitis ulcerosa) mit dem Leaky Gut Syndrom in Verbindung gebracht. Genauso Allergien, Asthma und Autoimmunerkrankungen. Viele dieser Erkrankungen gelten als unheilbar. Wenn man die Ursache versteht, sind sie aber tatsächlich gut zu behandeln.

Was verursacht einen Leaky Gut?

Die Hauptschuldigen sind Nahrungsmittel, Infektionen und Toxine

  1. Gluten: Ist der Nahrungsbestandteil, der mit Abstand am häufigsten einen Leaky Gut auslöst. Das Gliadin Molekül führt zu einer Freisetzung von Zonulin und damit wie oben erklärt zu einer Öffnung der Tight Junctions. Eine 2006 erschienene Studie zeigt auf, dass dieser Effekt nicht nur bei Zöliakie Patienten auftritt, sondern auch bei einer gesunden Kontrollgruppe (1). Also in anderen Worten, Gluten löst – zumindest vorübergehend – bei jedem Menschen einen Leaky Gut aus.
  2. Lectine und Phytate: Sie kommen ebenfalls in Getreide aber auch in Hülsenfrüchten und Nüssen vor. Es handelt sich um Antinährstoffe, die die Nährstoffaufnahme verhindern, sich an die Darmschleimhaut anheften und zu Entzündungen führen. Durch richtige Zubereitung können diese Stoffe zum Teil inaktiviert werden. Wenn Sie Nahrungsmittel konsumieren, die diese Substanzen enthalten, so sollten Sie sie auf jeden Fall einweichen und ankeimen oder fermentieren, um den Schaden für die Darmschleimhaut möglichst gering zu halten.
  3. Milchprodukte: Das Milchprotein Casein weist eine große strukturelle Ähnlichkeit zu Gluten auf und kann vom Immunsystem fälschlicherweise mit diesem verwechselt werden. Dies gilt insbesondere für das in Kuhmilch größtenteils vorkommende A1-Casein (2). Das A2-Casein aus Ziegen- oder Schafmilch und einigen Kuhrassen schneidet besser ab.
  4. Alkohol: Schon Alkohol in Maßen (wie auch immer man das definiert) stört die Zonulinproduktion und verändert die Integrität der Darmschleimhaut. Dies führt zu einer Schwächung der Tight Junctions (3).
  5. Zucker: Darf in dieser Sammlung natürlich nicht fehlen. Zucker richtet im gesamten Körper Schaden an, aber vor allem im Darm. Zucker sorgt für vermehrtes Wachstum von Hefen, Pilzen und schlechten Bakterien, die den Darm schädigen.
  6. Infektionen: Die häufigsten infektiösen Ursachen sind Candidabefall, Darmparasiten und eine bakterielle Überwucherung des Dünndarms (SIBO = Small Intestinal Bacterial Overgrowth). Sie alle verursachen schwere Schäden in der Darmschleimhaut.
  7. Antibiotika: Längerfristige oder häufige Anwendung von Antibiotika kann sich schädlich auf die Darmflora auswirken, denn Antibiotika unterscheiden nicht zwischen guten und schlechten Bakterien sondern töten einfach alle ab. Dies kann dazu führen, dass die schlechten Bakterien die Oberhand gewinnen und es im Darm zu Entzündungen kommt. Um dies zu verhindern sollten Sie, wenn Sie Antibiotika wirklich einnehmen müssen, immer auch Probiotika einnehmen.
  8. NSAR: Nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen oder Diclofenac sind häufig verwendete Schmerzmittel, die auch entzündungshemmend wirken. Sie sind jedoch schwer abzubauen, irritieren den Dünndarm und führen so zum Leaky Gut. Dieser Effekt tritt bei längerer Anwendung von NSAR auf (4). Unter Aspirin tritt keine erhöhte Permeabilität auf.
  9. Antazida: Medikamente, die die Magensäure hemmen und bei Sodbrennen und Reflux eingesetzt werden. Diese führen bei Langzeitanwendung häufig zu SIBO und Darmentzündungen. Beides Ursachen für einen Leaky Gut.
  10. Steroide: Wie zum Beispiel Prednisolon werden bei chronischen Entzündungen und Schmerzen verschrieben, um die Entzündungsreaktion im Körper abzuschwächen. Gleichzeitig erhöhen sie jedoch den Cortisolspiegel, was zu einer Schädigung der Darmwand führt.
  11. Stress: Chronischer Stress beeinflusst die Darmgesundheit (5). Genau wie bei der Einnahme von Steroiden kommt es auch hierbei zu einer Erhöhung der Cortisolkonzentration. Außerdem schwächt Stress das Immunsystem.
  12. Toxine: Umweltgifte wie zum Beispiel Quecksilber, Pestizide und BPA aus Plastik verursachen Entzündungen im Darm und öffnen die Tight Junctions. Leiden Sie außerdem noch unter Verstopfung, so haben die Toxine noch mehr Zeit ihre schädliche Wirkung zu entfalten.

Wie Sie sehen, führen viele ganz alltägliche Dinge zu einer erhöhten Durchglässigkeit im Darm. Es macht Sinn, gerade bei Erkrankungen wie zum Beispiel Allergien, Hashimoto Thyreoiditis (Autoimmunerkrankung der Schilddrüse), Rheumatoider Arthritis, entzündlichen Darmerkrankungen, Typ I Diabetes, aber auch bei Schizophrenie und Autismus einen sehr genauen Blick auf den Darm zu werfen. Ein Großteil dieser Erkrankungen ist mit einer Darmsanierung zumindest deutlich zu Verbessern, wenn nicht sogar heilbar.

 

(1)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16635908

(2)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17666771

(3)http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0107421

(4)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/3780475

(5)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22314561

Antinährstoffe

legumes-665788__180Antinährstoffe sind natürlich vorkommende oder synthetisch hergestellte Stoffe, die in Lebensmitteln vorkommen und die Aufnahme von Vitaminen, Mineralien, Proteinen und anderen Nährstoffen verhindern.

Muss Sie das interessieren? Ich glaube schon. Sehen wir uns einmal um, stellen wir fest, dass nicht nur unsere Nahrung nicht mehr so nährstoffreich ist wie noch vor 100 Jahren (vielen Dank an die Agrarindustrie und Monsanto!), sondern dass es auch gerade durch den stark angestiegenen Verzehr von Nahrungsmitteln, die Antinährstoffe enthalten (Getreide, Soja), bei vielen Menschen zu Mangelerscheinungen kommt, die sich z. B. in Form von Osteoporose oder Muskelkrämpfen/-schwäche, aber auch als Depression und Müdigkeit bemerkbar machen können.

Auf welche Nahrungsmittel sollten Sie ein besonderes Augenmerk haben? Vor allem Getreide, Bohnen, Hülsenfrüchte und Nüsse haben viele Antinährstoffe. Sie stellen einen wichtigen Abwehrmechanismus der Pflanzen gegen Schädlinge und andere Fressfeinde dar. Sehen wir es mal realistisch: Auch Pflanzen wollen leben, und da sie nicht weglaufen können, müssen sie eben die chemische Keule einsetzen, um sich zu verteidigen.

Die wichtigsten Antinährstoffe, die Sie aus Ihrem Speiseplan streichen sollten sind:

  1. Gluten. Ich habe schon an anderer Stelle über die Gefahren geschrieben, die von Gluten ausgehen, aber noch einmal in Kürze: Gluten ist ein Getreideprotein, das von Menschen nicht verdaut werden kann, das aber durchaus schädliche Einflüsse auf unseren Verdauungstrakt und unsere Gesundheit hat. Es kann Löcher in der Darmwand verursachen – und damit einen Leaky Gut – und den Grundstein für Autoimmun-erkrankungen legen.
  2. Phytate. Man findet sie in Getreide, Nüssen und Hülsenfrüchten. Phytate hemmen die Mineralienaufnahme (Calcium, Eisen, Zink, Kupfer, Phosphat und Magnesium). Wer Phytate in seiner Nahrung hat, braucht sich keine Gedanken mehr darüber zu machen, ob er wohl einen Mineralstoffmangel haben könnte. Er hat ihn ganz sicher! Phytate sind in der Lage, die Absorption von Phosphat und Zink um 80 % zu hemmen, die von Magnesium immerhin noch um 40 % (1). Es wird auch diskutiert, dass Pepsin durch Phytate gehemmt wir. Pepsin ist für die Verdauung von Proteinen notwendig. Durch Einweichen in Wasser kann die Phytatkonzentration gesenkt werden. Dieses Verfahren sollte unbedingt bei Nüssen (und wenn Sie es unbedingt essen wollen Getreide) angewendet werden. Bei Hülsenfrüchten empfiehlt es sich, diese zu Fermentieren, um den Gehalt an Phytaten zu vermindern.
  3. Trypsin Inhibitoren. Kommen in Hülsenfrüchten vor und sind Moleküle, die die Wirkung von Trypsin herabsetzen können. Trypsin wird für die Eiweißverdauung benötigt, das bedeutet, dass das Eiweiß aus dem Steak vom Weiderind, das sie gerade zusammen mit Hülsenfrüchten essen, womöglich gar nicht in Ihrem Körper ankommt (und das ist doch wirklich ärgerlich!).
  4. Lektine. Finden sich in großer Menge in Hülsenfrüchten und Weizen. Lektine reduzieren ebenfalls die Nährstoffaufnahme und können, da sie durch Magensäure nicht neutralisiert werden, die Darmschleimhaut schädigen und die Bakterienflora des Darms verändern. So können sie zu Verdauungsproblemen führen, die in ihrer Schwere durchaus einer Nahrungsmittelvergiftung gleichen können. Lektine können zur Verklumpung roter Blutkörperchen und als Folge daraus zu Verstopfungen in Gefäßen führen. Dies kann sich zum Beispiel als Kopfschmerzen bemerkbar machen. Da Lektine für Kleinlebewesen giftig sind, werden sie häufig als Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt. Sollten Sie alle diese Informationen nicht davon abhalten können, Hülsenfrüchte zu essen, so rate ich Ihnen, diese wenigstens sehr gut zu erhitzen. Durch das Erhitzen wird ein Großteil der Lektine inaktiviert.
  5. Oxalate. Kommen in fast allen Pflanzen vor. Hohe Konzentrationen findet man in Sojabohnen, Hirse, Spinatgemüse, Amaranth, Mangold, Rhabarber und Heidelbeeren. Aber auch Kakao weist relativ hohe Oxalatwerte auf. Oxalate binden Calcium und können zu Nierensteinen führen. Außerdem wird die Aufnahme pflanzlichen Eiweißes durch die Anwesenheit von Oxalaten gehemmt, was dazu führt, dass vor allem das Protein in Hülsenfrüchten nur teilweise aufgenommen werden kann, was es zu einem qualitativ schlechteren Protein macht (2).
  6. Saponine. Finden sich in Hülsenfrüchten, Kartoffeln, Auberginen, Zwiebeln, Knoblauch, grünem Paprika und anderen. Sie wirken ähnlich wie Lektine und könnnen Verdauungsprobleme, Leaky Gut und Autoimmunerkrankungen hervorrufen. Sie sind extrem verdauungs-resistent, können in den Blutstrom gelangen und dort eine Immun-antwort auslösen.
  7. Tannine. Sie können Eisen und Zink binden und damit zu einer verminderten Absorption führen. Außerdem hemmen sie Verdauungs-enzyme und führen so zu Problemen wie Blähungen, Durchfall und Verstopfung. Tannine kommen in vielen Pflanzen vor aber vor allem in Hülsenfrüchten wie der Limabohne.
  8. Protease-Inhibitoren. Sie behindern Protein spaltende Enzyme und führen zu einer verminderten Proteinaufnahme.
  9. Isoflavone. Sie gehören zu den Phytoöstrogenen und kommen vor allem in Sojabohnen vor. In geringer Dosierung schreibt man ihnen positive Eigeschaften zu, zum Beispiel antikanzerogene (krebsverhindernde) und lebensverlängernde Wirkungen zu. Bei zu hoher Aufnahme – wie sie unter anderem bei Vegetariern und Veganern vorkommen kann – wird eine erhöhte Anzahl von Hypospadien (Harnleiterfehlbildungen bei Jungen) (3) sowie Menstruationsproblemen und Allergien beobachtet(4).

Es ist ganz klar, dass jedes Lebensmittel den einen oder anderen Antinährstoff enthalten wird. Wie gesagt, es handelt sich um Abwehrmechanismen der Pflanzen. Sie sollten bei der Auswahl Ihrer Lebensmittel darauf achten, dass die Vorteile, die Ihnen ein Lebensmittel bringt, die Nachteile der enthaltenen Antinährstoffe übertrifft. Und ansonsten Vielfalt ist King. Essen Sie möglichst viele verschiedene Nahrungsmittel, um das Risiko der Aufnahme zu großer Mengen eines bestimmten Antinährstoffes möglichst zu umgehen.

 

(1)   Ekholm, Päivi; Päivi Ekholm; Liisa Virkki; Maija Ylinen; Liisa Johansson (Feb 2003). „The effect of phytic acid and some natural chelating agents on the solubility of mineral elements in oat bran“. Food Chemistry. 80 (2): 165–70. doi:10.1016/S0308-8146(02)00249-2

(2)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1455533

(3)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10619956?dopt=Abstract

(4)http://e.hormone.tulane.edu/learning/phytoestrogens.html

Gluten – gefährlich nicht nur bei Zöliakie?

Glutenfreie Ernährung ist in aller Munde (wortwörtlich). Aber ist das jetzt eigentlich nur eine Modeerscheinung, etwas, womit die Nahrungsmit-telindustrie wieder ordentlich Geld machen kann, oder sollten wir alle uns tatsächlich Gedanken darüber machen, welche Auswirkungen der Glutenkonsum für unseren Körper hat?

Aber zunächst einmal: Was ist eigentlich Gluten? Gluten – oder besser gesagt – Glutene, sind eine Familie von Proteinen, die in Getreide vorkommen. Tatsächlich gibt es hunderte verschiedene Glutene, das bekannteste ist jedoch das α-Gliadin, das in Weizen, Roggen und Gerste vorkommt und der Auslöser für die Zöliakie ist. Neuere Forschungen zeigen aber, dass Glutene, die in anderen Getreiden vorkommen, teilweise noch schwerere Krankheitssymptome auslösen können als α-Gliadin. Wir halten also fest, wirklich glutenfrei bedeutet nicht, auf α-Gliadin zu verzichten, sondern es bedeutet einen Verzicht auf sämtliches Getreide.

Jetzt höre ich schon die Hausärzte aufschreien „so ein Quatsch! Die Zöliakie betrifft nicht mal 1 % der Bevölkerung“. Das ist zwar richtig, jedoch ist eine ausgewachsene Zöliakie nur die Spitze des Eisbergs. Und nur weil die Darmbiopsie negativ ausfällt (d. h. die Darmzotten nicht total zerstört sind), bedeutet das nicht, dass der Mensch Gluten verträgt. Dies wird den Patienten aber leider immer noch von den Kollegen versichert. Tatsache ist, dass der betreffende Patient womöglich unter einer sogenannten Non-Celiac-Gluten-Sensitivity (NCGS) leidet. Von diesem durch Gluten hervorgerufenen Symptomenkomplex sind nach neuesten Schätzungen inzwischen 40 – 60 % der Bevölkerung betroffen – Tendenz steigend.

Damit sind wir auch schon beim allergrößten Knackpunkt. Wie Alessio Fasano, Kindergastroenterologe und Chefarzt des Zentrums für Zöliakieforschung und Behandlung des Massachussetts General Hospitals es ausdrückt: „Kein Mensch kann Gluten verdauen.“ (1) Bei jedem einzelnen verursacht der Verzehr von Gluten einen Schaden in der Darmschleimhaut, der allerdings – da die Darmschleimhaut ein sehr regenerationsfreudiges Gewebe ist – innerhalb einiger Stunden wieder repariert wird. Dummerweise werden wir aber nicht müde, den Glutenvorrat immer wieder aufzustocken: Brot und Müsli zum Frühstück, Salat mit Croutons zum Mittagessen (plus Knobibrot), einen Muffin oder Kekse zum Kaffee, Nudeln oder Pizza zum Abendessen und noch ein paar Chips oder Salzgebäck abends zum Fernsehen. Sie können es sich vorstellen, nicht wahr.

Gluten bewirkt praktisch ein Aufbrechen von Tight Junctions in der Darmschleimhaut. Diese Verbindungen werden physiologischerweise z. B. bei einem Darminfekt geöffnet, um Giftstoffe möglichst schnell aus dem Darm zu entfernen. Werden diese Tight Junctions durch Gluten geöffnet kommt es zum sogenannten Leaky Gut oder in Medizinerhochdeutsch zur Erhöhten Intestinalen Permeabilität. Dies bedeutet, dass die Darmschleimhaut ihre Barrierefunktion verliert und Nahrungsbestandteile und Bakterientoxine ungefiltert in den Blutstrom gelangen. Wie man sich vorstellen kann, ist das keine gute Idee.

Dieser Mechanismus tritt wie gesagt bei jedem Menschen bei jedem Verzehr von Gluten auf. Zu Krankheitssymptomen kommt es, wenn es zu einem Verlust der oralen Toleranz kommt. Dieser Verlust tritt bei jedem Menschen früher oder später auf, wenn er nur genug glutenhaltige Nahrungsmittel zu sich nimmt. Und da Gluten nicht nur in den ganz offensichtlichen Nahrungsmitteln wie Backwaren und Nudeln zu finden ist, sondern die Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie Gluten den meisten Produkten hinzusetzt, werden die Mengen, die wir aufnehmen, täglich größer. Wenn man industriell gefertigte Nahrungsmittel kauft, ist es fast unmöglich Gluten aus dem Weg zu gehen. Leider versteckt es sich unter so vielen Bezeichnungen, das es sehr schwer ist, es gleich zu erkennen, oder hätten Sie gewusst, dass Geschmacksverstärker, Stärke Emulgatoren und natürliche Aromen gerne Gluten enthalten?

Das Perfide an Gluten ist, dass es aber außer bei der Zöliakie nicht unbedingt sofort Symptome hervorruft, die man auf den Verzehr von Gluten zurückführen würde. Was das angeht, sind von Zöliakie Betroffene also sogar im Vorteil, weil schneller eine Verbindung zwischen Erkrankung und Symptomen hergestellt wird. Wie Dr. Tom O’Bryan, Experte für Zöliakie und NCGS, erklärt, bricht die Kette immer in ihrem schwächsten Glied, d. h. nur für einen Teil der Individuen ist es der Darm, andere reagieren mit Migräne, Schizophrenie oder MS, wieder andere mit Autoimmunerkrankungen, Allergien oder Infertilität. (2)(3)

Nehmen wir all das zusammen, kommt man nicht umhin festzustellen, dass der Verzehr von Gluten eigentlich niemandem anzuraten ist. Oder macht Ihnen Russisches Roulette Spaß? Hält man dagegen, dass Gluten selbst überhaupt keinen Nährwert hat und dass gerade die glutenhaltigen Getreide künstlich mit Vitaminen und Spurenelementen angereichert werden müssen, damit sie nicht zu einer Mangelernährung führen, dann sollte es eigentlich leicht fallen, auf Getreide zu verzichten. Und wer sich dann über fehlende Ballaststoffe Gedanken macht, sollte es einfach mal mit einem großen Salat versuchen. So viel leckerer und einfach viel gesünder!

 

(1) http://www.massgeneral.org/doctors/doctor.aspx?id=19184#

(2) http://thedr.com/all-about-gluten/articles/the-conundrum-of-gluten-sensitivity-why-the-tests-are-often-wrong-purring-vs-rumbling/

(2) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26260366