E-Zigaretten

Aromatisierte E-Zigaretten – Eine Gefahr für die Gefäße

Die Zigarettenindustrie ist sehr darum bemüht, E-Zigaretten als Rauchalternative ohne schädliche Nebenwirkungen anzupreisen. Klar – E-Zigaretten verbreiten nicht so einen Gestank wie normale Zigaretten, und wenn sie zudem noch aromatisiert sind, kommt man eigentlich nicht auf die Idee, dass sie gesundheitlichen Schaden anrichten können.  Das denken sich auch viele Kinder und Jugendliche, die aus Neugier zur E-Zigarette greifen und damit ihr Risiko erhöhen, später als Raucher zu enden.

Zu bedenken ist auch, dass es auch bei E-Zigaretten zum Effekt des Passivrauchens kommt. Die Verdampfer geben Nikotin, Schwermetalle, Feinstaub und Formaldehyd an die Umwelt ab.

Forscher beginnen gerade erst, die Toxine in E-Zigaretten zu verstehen, die im Endeffekt wahrscheinlich genauso gefährlich für die Gesundheit sind wie normale Zigaretten. In dieses Bild passt die Entdeckung einer gerade erschienenen Studie, die zu dem Ergebnis kommt, dass die Flüssigkeiten, die benutzt werden, um den Dampf zu aromatisieren, das Herz-Kreislaufsystem schädigen können (1).

Aromatisierter Dampf schädigt die Blutgefäße

Die Studie wurde an der medizinischen Fakultät der Boston University durchgeführt. Sie kommt zu dem Schluss, dass die Aromastoffe im Liquid der E-Zigaretten frühe Anzeichen für Herz-Kreislauferkrankungen hervorrufen können, die im weiteren Verlauf zu Herzinfarkt, Schlaganfall und sogar zum Tode führen können (2). Wirklich bedenklich ist, dass die Untersucher herausfanden, dass diese Veränderungen auf zellulärer Ebene sehr schnell auftreten.

Die Forscher benutzten Endothelzellen, das sind die Zellen, die innen die Blutgefäße auskleiden. Untersucht wurden Zellen von Nichtrauchern, Rauchern von Menthol-Zigaretten und Rauchern von nicht aromatisierten Zigaretten. Die Zellen beider Rauchergruppen waren nicht mehr in der Lage eine Schlüsselfunktion – nämlich die Produktion von Stickoxid (NO) – auszuführen. NO bewirkt eine Weitstellung der Gefäße und damit einen verbesserten Blutfluß sowie eine Senkung des Blutdrucks.

 Die Nichtraucherzellen wiesen diesen Defekt nicht auf. Er konnte aber ausgelöst werden, indem diese Zellen Menthol ausgesetzt wurden.

Es wurden dann neun weitere Aromastoffe auf ihre Wirkung untersucht. Diese Stoffe wurden auf die Temperatur erhitzt, die sie normalerweise in einer E-Zigarette erreichen würden. In den höchsten Konzentrationen führten sie zum Absterben der Zelle. Niedrigere Konzentrationen führten zu einem Funktionsverlust der NO-Produktion sowie zu Entzündungen.

Studienautorin Fetterman kommentiert diese Ergebnisse folgendermaßen (3):

„Unsere Studie gibt Hinweise darauf, dass die Aromastoffe in Tabakprodukten wie E-Zigaretten für sich alleine in Abwesenheit von anderen Verbrennungsprodukten oder -bestandteilen zur Ausbildung von cardiovaskulären Schäden führen können. Das könnte weitreichende Folgen haben, da aromatisierte Tabakprodukte weit verbreitet sind – vor allem bei Jugendlichen.“

Und weiter:

„Verstärkte Entzündungen und Verlust der NO-Produktion sind erste Veränderungen, die letztendlich zu Herz-Kreislauferkrankungen führen und damit zu Ereignissen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Sie werden als frühe Vorboten von Herzerkrankungen angesehen. Unsere Ergebnisse zeigen auf, dass diese Aromastoffe möglicherweise sehr ernste gesundheitliche Konsequenzen haben.“

Die Tabakindustrie will vor allem Kinder als Kunden gewinnen

Da inzwischen doch immer mehr Menschen zu dem Schluss kommen, dass herkömmliche Zigaretten schädlich sind, ist die Tabakindustrie um Schadensbegrenzung und die Erschließung neuer Märkte bemüht. Hier bieten sich vor allem Kinder und Jugendliche an. Hübsche Verpackungen erwecken den Eindruck, dass der Inhalt völlig harmlos ist. Dabei können die in den Liquids enthaltenen Stoffe, wenn sie eingenommen werden, zu Vergiftungen bis hin zum Tode führen – vor allem bei Kleinkindern (4). Schon lange ist bekannt, dass durch die bunte Verpackung Kinder verführt werden, E-Zigaretten auszuprobieren (5).

Die E-Zigarettenwerbung orientiert sich an der Tabakwerbung

Wer kennt ihn nicht – den Marlboro Mann. Ein ganzer Kerl, frei, allein mit seinem Pferd – und natürlich einer Zigarette. Die Tabakindustrie hat es verstanden, mit starken Werbekampagnen Kunden zu gewinnen. Aber die E-Zigaretten Anbieter stehen ihnen in nichts nach – im Gegenteil, sie sind sogar noch schlimmer. Denn wo Tabakfirmen ihre Kunden im Erwachsenenkreis gesucht haben, richten E-Zigarettenhersteller ihre Werbung an Kinder und Jugendliche.

Zum Einsatz kommen zum Beispiel Schauspieler und Musiker. Magazine bringen Anzeigen, in denen coole Typen und glamouröse Frauen auftauchen, sodass Teenager den Eindruck bekommen, dass diejenigen, die männlich, sexy oder rebellisch sind, unbedingt dampfen sollten (6). Und genau wie damals die Tabakindustrie sponsern E-Zigarettenhersteller Sportereignisse und Musikfestivals.

Zudem ruft die Werbung dazu auf zu wechseln und nicht etwa mit dem Rauchen aufzuhören (7). Die Werbekampagnen bauen auf der falschen Vorstellung vieler Teenager (und auch Erwachsener) auf, dass Vapen harmlos ist. Ironischerweise nehmen die gleichen Firmen, die früher Ärzte davon überzeugt haben, dass Rauchen gut für die Gesundheit ist, nun Kinder aufs Korn mit dem Wissen, dass sich eigentlich nur die Verpackung geändert hat, der Inhalt aber nach wie vor schädlich ist. Wo Raucher inzwischen schief angesehen werden, ist Dampfen bisher weitgehend akzeptiert.

Schäden durch Passivrauchen können auch beim Dampfen entstehen

Es ärgert mich schon ziemlich, dass E-Zigaretten Nutzer meinen, Ihre Geräte seien doch sicher vom Rauchverbot in öffentlichen Einrichtungen ausgenommen. Sie riechen doch so angenehm, und schließlich ist es ja nur Dampf. Es geht hier nicht nur um die Geruchsbelästigung (wobei auch diese im Fall von aromatisierten Liquids beträchtlich sein kann), es geht vor allem darum, dass Nichtraucher ebenso von den Gesundheitsgefahren des Vapens betroffen sein können wie die Raucher der E-Zigaretten.

Eine Studie, die im Februar 2018 veröffentlicht wurde, zeigte auf, dass der Dampf der E-Zigaretten erhebliche Mengen Blei, Nickel, Chrom und Mangan enthalten kann (8).  Große Mengen dieser schädlichen Stoffe werden freigesetzt, wenn das Liquid an den Heizspulen erhitzt wird. Fast die Hälfte der getesteten Geräte enthielten in ihrem Dampf Bleikonzentrationen, die über den von der EPA (amerikanische Umweltbehörde) festgelegten Grenzwerten lagen.

Und wie die Studienautorin Dr. Ana Maria Rule erklärt, unterschieden sich die tatsächlichen Schadstoffkonzentrationen zwischen den einzelnen Proben beträchtlich, sodass sie in vielen Fällen die Grenzwerte weit überschritten (9).

Gelangt Blei über die Lunge in den Körper, so greift es das Gehirn, das zentrale Nervensystem, die Nieren, die Leber und die Knochen an. Das Blei lagert sich in Zähnen und Knochen ein und kann zum Beispiel während einer Schwangerschaft reaktiviert werden. Geht es auf den Fetus über, so kann es zu schweren Hirnschäden kommen.

Ein weiterer bedenklicher Fund war Arsen, das in 10 Proben gefunden wurde. Arsen kann eine Reihe von Krankheiten auslösen inklusive Krebserkrankungen. Es ist unklar, wie das Arsen sich im Dampf anreichern konnte.

Das vom Gerät produzierte nikotinhaltige Aerosol enthält ebenfalls Feinstaubpartikel, die von Umstehenden eingeatmet werden können. So befinden sich im Dampf der E-Zigaretten unter anderem Acetaldehyd und Formaldehyd (10), beide als krebserregend bekannt. Selbst Frostschutzmittel konnten in E-Zigaretten nachgewiesen werden – und auch diese sind krebserregend (11).

Der ausgeatmete Dampf enthält mindestens 10 Chemikalien, die in Kalifornien auf einer Liste krebserregender und die Fruchtbarkeit schädigender Stoffe stehen (12). Unter diesen befindet sich auch Diacetyl, das auch in der oben genannten Studie getestet wurde und für das gefäßschädigende Effekte nachgewiesen wurden. Es schädigt aber nicht nur die Gefäße, sondern auch die Lunge (13).

Es wird Zeit, dass an den Schulen Aufklärungskampagnen zu den Gefahren von E-Zigaretten durchgeführt werden. Eigentlich sollten wir aus den Fehlern, die in der Vergangenheit im Umgang mit Zigaretten gemacht worden sind, gelernt haben. Es kann nicht sein, dass Industrieunternehmen aus Gier nach Profit junge Menschen unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in die Abhängigkeit treiben.

 

(1)Flavorings in Tobacco Products Induce Endothelial Cell Dysfunction  http://atvb.ahajournals.org/content/early/2018/06/13/ATVBAHA.118.311156

(2) Tobacco aside, e-cigarette flavorings may harm blood vessels  https://www.sciencedaily.com/releases/2018/06/180614095240.htm

(3) https://gizmodo.com/the-flavoring-chemicals-in-e-cigarettes-may-harm-blood-1826832704

(4) https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/94683/E-Zigaretten-Wie-gefaehrlich-sind-Liquids-fuer-Kleinkinder

(5) http://www.sueddeutsche.de/news/gesundheit/gesundheit-forscher-poppiges-e-zigaretten-design-verfuehrt-kinder-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-141203-99-06485

(6) 7 Ways E-Cigarette Companies Are Copying Big Tobacco’s Playbook  https://www.tobaccofreekids.org/blog/2013_10_02_ecigarettes

(7) https://www.horizont.net/marketing/nachrichten/E-Zigarette-Be-Posh-will-mit-guten-Vorsaetzen-in-das-neue-Jahr-starten-145048

(8) https://www.jhsph.edu/news/news-releases/2018/study-lead-and-other-toxic-metals-found-in-e-cigarette-vapors.html

(9) http://www.dailymail.co.uk/health/article-5424525/Brain-heart-risk-e-cigarette-users-inhaling-lead.html

(10) Aldehyde Detection in Electronic Cigarette Aerosols  https://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/acsomega.6b00489

(11) https://edition.cnn.com/2015/12/31/health/where-we-stand-now-e-cigarettes/index.html

(12) https://no-smoke.org/electronic-smoking-devices-secondhand-aerosol/

(13) Flavorings-Related Lung Disease  https://www.cdc.gov/niosh/topics/flavorings/exposure.html

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