Adaptogene können bei der Stressbewältigung helfen

AdaptogeneStress ist im 21. Jahrhundert etwas, wovon wir alle betroffen sind. Er ist ein Produkt unseres modernen Lebensstils, der uns sehr häufig in unserer Zeit einschränkt und dazu führt, dass die Menschen zu wenig schlafen, keine Zeit haben, gesunde Mahlzeiten zu kochen, Zeit für ihre Familie und auch sich selbst zu haben und dass viele Menschen einfach keine Energie mehr haben.

Wir messen Erfolg als Produktivität – und Produktivität hängt mit Schnelligkeit zusammen. Leider führt dieser wahnsinnig schnelle Lebensstil dazu, dass unsere Gesundheit mehr und mehr abbaut und es zur Entwicklung chronischer Krankheiten kommt.

Was ist Stress

Laut Duden hat Stress zwei Bedeutungen:

  1. erhöhte Beanspruchung, Belastung physischer oder psychischer Art
  2. (umgangssprachlich) Ärger.

Interessant ist, dass vor dem 15. Jahrhundert die Bezeichnung Stress eigentlich nur als akademischer Begriff angewandt wurde, um den Druck, der auf Gegenstände wirkt, zu bezeichnen. Erst im Verlauf der Zeit, wurde der Begriff auch für Widrigkeiten und Erschwernisse, die Menschen betrafen, eingesetzt. Und ab dem 19. Jahrhundert erfuhr er dann die Bedeutungsänderung zu dem Verständnis, das wir heute von Stress – und vor allem chronischen Stress – haben.

Stress und chronische Schmerzzustände

Stress hat aber nicht nur Auswirkungen auf unser Wohlbefinden, sondern kann auch chronische Schmerz- und Erschöpfungssyndrome – inklusive Fibromyalgie – sowohl auslösen als auch verschlimmern. Und das trifft sowohl für körperlichen als auch für seelischen Stress zu. Stress, der über längere Zeit anhält, verwirrt das Zentralnervensystem (ZNS) und führt zu einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit. Auf einmal werden Reize, die eigentlich nicht schmerzhaft sind, vom ZNS als Schmerz wahrgenommen, was bei den Betroffenen zu Schmerzen im gesamten Körper führt.

Immer mehr Menschen führen ein Leben, in dem Statussymbole wichtiger sind als das eigene Wohlbefinden. Sie haben einen Beruf, der ihnen nicht gefällt, einen Chef oder Kollegen, mit denen sie sich nicht verstehen. Vor allem Frauen jonglieren häufig mit Arbeit, Haushalt und Kindern. Wir sind weit entfernt vom Lebensstil der Jäger und Sammler, die zwar auch Stress in ihrem Leben hatten, der aber in der Regel nur von kurzer Dauer war und sich mit Perioden der Entspannung abwechselte. Wann haben Sie das letzte Mal ganz entspannt irgendwo herumgesessen und die Wolken betrachtet oder Kindern oder Hunden beim Spielen zugesehen. Und das Ganze, ohne an den nächsten Termin zu denken. Sehen Sie.

Ich habe schon darüber geschrieben, welche Techniken Sie anwenden können, um Ihren Stress besser zu managen. Eine weitere Möglichkeit, die ich Ihnen vorstellen möchte, sind Adaptogene.

Was versteht man unter Adaptogenen?

Das Konzept der Adaptogene wurde 1947 zuerst von sowjetischen Ärzten eingeführt, die feststellten, dass bestimmte Pflanzen eine stressmindernde Wirkung haben. 1969 definierten die Wissenschaftler Israel Brekhmann und Igor Dardymov was Adaptogene auszeichnet. Sie verwiesen dabei auf folgende drei Punkte (1):

  1. Ein Adaptogen verursacht eine unspezifische Antwort – eine Zunahme der Widerstandskraft gegen verschieden Stressfaktoren inklusive physikalischen, chemischen und biologischen Faktoren.
  2. Ein Adaptogen hat eine normalisierende Auswirkung auf die Physiologie unabhängig davon, in welche Richtung diese durch den Stressor vom Normalen verschoben wird (das heißt bei Erregung beruhigend, bei Antriebsschwäche energiesteigernd)
  3. Ein Adaptogen greift nicht in höherem Maße in die normale Funktion des Organismus ein als für die Zunahme der unspezifischen Widerstandskraft notwendig ist.

Da sehr viele Krankheiten durch Stress (mit)verursacht werden, können Adaptogene also durch ihre stressmodifizierende Wirkung den Heilungsprozess unterstützen.

So, nun schauen wir uns doch mal ein paar dieser Adaptogene an.

Ashwagandha 

Ashwagandha (Withania somnifera) wird als Kräuteradaptogen geschätzt und hat seine Wurzeln in der ayurvedischen Medizin. Es wurde benutzt, um zu stärken, zu beleben und Vitalität zu vermitteln. Genau diese Eigenschaften führen dazu, dass dieses Heilkraut wiederentdeckt wurde. In Studien wurde untersucht, durch welchen Mechanismus Ashwagandha als Adaptogen wirkt.

Eine Studie untersuchte die Wirksamkeit von Ashwagandha in der Behandlung von Angststörungen (Angst ist eines der Hauptmerkmale der Stressreaktion) und kam zu dem Schluss, dass die Behandlung mit Ashwagandha im Gegensatz zu einem Placebo in den Angst-Scoringsystemen zu einer deutlichen Verbesserung führte (2).

Eine weitere Studie zeigte auf, dass Ashwagandha nicht nur in der Lage ist, den empfundenen Stress zu reduzieren, sondern auch zu einer deutlichen Verbesserung der Schlafqualität, von Depressionen, sozialen Interaktionen und der Lebensqualität führte (3).

Ashwagandha entfaltet seine positive Wirkung, indem es die Nebennieren unterstützt. Diese etwa 3 cm großen Drüsen sitzen am oberen Ende der Niere und steuern verschiedene Hormone und physiologische Reaktionen. Sie sind das Herzstück der Stressreaktion und geben beim ersten Anzeichen von Stress sofort Cortison in die Blutbahn ab. Cortison ist absolut lebensrettend, wenn wir vor einer Gefahr davonlaufen (auf der Flucht vor dem Säbelzahntiger), bleibt es aber über längere Zeit im Blut (wie bei chronischem Stress), dann schädigt es das Immunsystem und andere Organe.

Ashwagandhas Wirkung als Adaptogen ist darauf zurückzuführen, dass es in der Lage ist, die zirkulierenden Mengen von Stresshormonen wie Cortisol zu reduzieren (4).

 

Rhodiola rosea (Rosenwurz)

Rhodiola rosea ist ebenfalls ein bekanntes adaptogenes Heilkraut. In Russland, Europa und Asien wird es schon lange wegen seiner positiven Auswirkungen auf die geistige, körperliche und emotionale Widerstandskraft geschätzt.

Am häufigsten wird Rhodiola angewendet, um seelische und körperliche Erschöpfungszustände zu behandeln. Diese Effekte sind in vielen Studien untersucht worden. Eine in Phytomedicine erschienene Übersichtsarbeit kommt zu dem Schluss, dass Rhodiola positive Auswirkungen auf die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit und bestimmte psychische Gesundheitsprobleme hat (5). Eine weitere Studie wies Verbesserungen in sämtlichen Stresssymptomen, Behinderungen, Funktionseinschränkungen und einen allgemeinen therapeutischen Effekt schon nach 3-tägiger Einnahme von Rhodiola Extrakt nach (6). Eine weitere Verbesserung wurde in den vier Wochen, die die Studie durchgeführt wurde, verzeichnet.

Wie auch die anderen Adaptogene wirkt Rhodiola rosea auf das ZNS und verstärkt die Wirkung von Neurotransmittern (Nervenbotenstoffen) wie Noradrenalin, Dopamin und Serotonin (7). Es sorgt auch dafür, dass die Blut-Hirn-Schranke für Vorläufer dieser Neurotransmitter leichter durchlässig wird, so dass auf natürliche Weise ausreichende Mengen gebildet werden können (Psychopharmaka ick hör dir trapsen).

Neurotransmitter beeinflussen unsere Fähigkeit zu denken, zu analysieren, auszuwerten, zu berechnen und zu planen sowie unsere Aufmerksamkeit, unser Gedächtnis und unsere Lernfähigkeit. Da Rhodiola die Hirnfunktion sanft stimuliert, kann es eine wichtige Rolle im Management von chronischem seelischen und körperlichen Stress spielen.

Auch das Limbische System wird durch Rhodiola unterstützt. Dieses reguliert das Affekt- und Triebverhalten gegenüber der Umwelt. Alle eingehenden sensorischen Informationen werden im Limbischen System koordiniert und finden hier ihre emotionale Antwort. Besonders eng ist zum Beispiel der Geruchssinn mit dem Limbischen System verknüpft (so können Gerüche eine ganze Flut von Erinnerungen hervorrufen). Auch überlebenswichtige vegetative Funktionen wie Atmung, Schlaf-Wach-Rhythmus sowie Motivation werden durch das Limbisches System gesteuert. Nicht zu vergessen wäre ohne das Limbische System ein Lernen sowie das Langzeitgedächtnis nicht möglich.

Das Limbische System kommuniziert ebenfalls mit den Nebennieren und sorgt für ausreichende Cortisolspiegel als Antwort auf Stress. Rhodiolas Wirkung auf beide Systeme kann Stärke und Widerstandskraft aufbauen und dadurch die Gesundheit aller Organe im Körper verbessern und zu einem allgemeinen Wohlbefinden beitragen.

Ginseng (Panax ginseng)

Ginseng darf in dieser Aufzählung natürlich nicht fehlen. Besonders der asiatischer Ginseng kann die Stressresistenz fördern und so die geistige Leistungsfähigkeit verbessern. Ginseng hat neben seiner stressabbauenden Wirkung eine lange Liste von nachgewiesenen gesundheitlichen Vorteilen. Da Ginseng als Adaptogen, positiv auf das dopaminerge und serotoninerge System des Körpers, also auf die Wohlfühlhormone wirkt, verbessert er das Wohlbefinden. Er wird daher auch häufig verwendet, um Stimmung, kognitive Leistungsfähigkeit und einen erholsamen Schlaf zu fördern (8).

Wir alle erfahren tagtäglich, dass unser Stresslevel nicht von alleine sinkt, wenn wir nicht aktiv etwas dafür tun. Adaptogene wie Ashwaganda und Rhodiola rosea haben einen festen Platz in der Behandlung von grundlegenden Gesundheitsproblemen wie chronischen Schmerz- und Erschöpfungssyndromen, die in einer Zeit, wo niemand mehr lernt, einfach mal abzuschalten und sich zu regenerieren, immer häufiger auftreten. 

 

(1) New Substances of Plant Origin which Increase Nonspecific Resistance http://www.annualreviews.org/doi/abs/10.1146/annurev.pa.09.040169.002223

(2) An Alternative Treatment for Anxiety: A Systematic Review of Human Trial Results Reported for the Ayurvedic Herb Ashwagandha (Withania somnifera)  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4270108/

(3) A Prospective, Randomized Double-Blind, Placebo-Controlled Study of Safety and Efficacy of a High-Concentration Full-Spectrum Extract of Ashwagandha Root in Reducing Stress and Anxiety in Adults  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3573577/

(4) Ashwagandha root in the treatment of non-classical adrenal hyperplasia.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22987912

(5) The effectiveness and efficacy of Rhodiola rosea L.: a systematic review of randomized clinical trials.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21036578

(6) Therapeutic effects and safety of Rhodiola rosea extract WS® 1375 in subjects with life-stress symptoms–results of an open-label study.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22228617

(7) Brown, RP, Gerbarg, PL & Ramazanov, Z. (2002). Rhodiola rosea: a phytomedical overview. American Botanical Council: HerbalGram. 56:40-52 

(8) Effects of ginseng on stress-related depression, anxiety, and the hypothalamic–pituitary–adrenal axis  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5628357/

Übertraining schädigt den Darm

Übertraining

Ich höre von Leuten, die viel trainieren immer wieder: „Ich mache doch alles richtig, aber ich fühle mich trotzdem lausig.“ Besonders häufig hört man diesen Ausspruch von Menschen in mittleren Jahren und darüber. Und die Leute haben absolut keine Ahnung, warum das so ist. Sie treiben doch Sport (eine Menge sogar), sie essen „gesund“ (was auch immer das für den Einzelnen bedeutet) – immerhin verzichten sie meist auf Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel – mit Glück schlafen sie sogar ausreichend (wobei es immer wieder Leute gibt, für die es eine Auszeichnung ist, wenig zu schlafen). Ja, und Nahrungsergänzungsmittel nehmen sie natürlich auch.

Aber wie sehr sie sich auch anstrengen, sie ärgern sich trotzdem darüber, dass sie einfach nicht abnehmen, ständig müde sind und sie hier und da das Zipperlein plagt. Und ab und an (oder auch häufiger) müssen sie schon einen recht großen inneren Schweinehund überwinden, um das Training überhaupt durchzuhalten.

Viele dieser Athleten erklären ihre Symptome damit, dass sie halt einfach älter werden. Das Problem liegt aber häufig ganz woanders.

Diese Leute wollen mit 40 oder 50 immer noch auf die gleiche Weise trainieren wie mit 20, ohne sich darüber klar zu sein, dass sie ihren Trainingsplan möglicherweise doch ein wenig modifizieren müssen. Und ja, der Begriff Übertraining erntet bei den meisten Leuten nur Kopfschütteln. Wie könnte Training schlecht sein in einer Welt, in der die meisten Leute nicht mehr von ihrem Hintern hochkommen. Beim Training gilt für viele Menschen: mehr ist besser, und sie werden in dieser Überzeugung von anderen häufig unterstützt. Ich kenne einige Leute, die stolz darauf sind, dass sie nach einem langen Arbeitstag täglich noch 15 – 20 km joggen. Was soll ich sagen, von mir gibt es für solche Aktionen keinen Applaus, denn mit Pech können die ganz schön nach hinten losgehen.

Übertraining und der Darm

Es gibt einige interessante Studien zu diesem Thema. So zum Beispiel eine, die 2012 in Medicine and Sport Science veröffentlicht wurde (1).  Durch ein Übertraining kommt es zu einer Veränderung in der Durchlässigkeit der Darmschleimhaut und einer Verminderung der Barrierefunktion des Darms. Dieses Zustand bezeichnet man auch als Leckenden Darm bzw. Neuhochdeutsch Leaky Gut.

Ein Leaky Gut verursacht eine Aktivierung des Immunsystems, die zu einer entzündlichen Reaktion führt  und Symptomen wie  Bauchkrämpfe, Durchfall, Blähungen, Übelkeit und in Extremfällen sogar Blutbeimengungen zum Stuhl hervorruft. Ist die Barrierefunktion gestört, können Giftstoffe, die Bakterien im Darm freisetzen, in den Blutstrom gelangen. Dies führt dazu, dass Betroffene sehr viel anfälliger für Infekte aber auch für Autoimmunerkrankungen sind (2). Weitere Erkrankungen, die durch einen Leaky Gut getriggert werden sind Typ II Diabetes (3) und Depressionen (4). Nur mal so als Fakt nebenbei: Unser Glückshormon Serotonin wird nicht etwa im Gehirn sondern im Darm hergestellt.

Halten wir also fest: Übertraining führt nicht nur zu Muskelkater und Ermüdungsbrüchen, sondern hat auch eine Menge anderer unerwünschter Nebenwirkungen. Ziel sollte es also sein, den Darm wieder auf Vordermann zu bringen, um die Immunantwort und die dadurch hervorgerufene Entzündung zu normalisieren.

Was müssen Sie dazu tun?

Strategien, die den Darm heilen

1. Entzündungshemmug

Übertraining führt zu einem Leaky Gut sowie zu einer chronischen Entzündung. Die Basisbehandlung dieses Problems besteht zunächst in einer entzündungshemmenden Ernährung, das heißt einer Ernährung, die zuckerarm dafür aber reich an Nahrungsmitteln mit antientzündlichen Omega-3 Fetten ist. Ich spreche hier von Nahrungsmitteln wie Wildlachs, Gemüse, aber auch Fischöl. Desweiteren finden Nährstoffe wie Quercetin (Flavonoid zum Beispiel in Zwiebeln, Äpfeln und Brokkoli) und Kurkuma Anwendung, die eine starke antientzündliche Wirkung haben.

Knochenbrühe ist durch das enthaltene Glutamin DAS Heilmittel gegen einen leckenden Darm.

2. Genug Schlaf

Entgegen der Meinung vieler Menschen ist Schlaf keine vertane Zeit. Er ist unter anderem wichtig für

  • die Entgiftung (vor allem auch des Gehirns),
  • die Zellreparatur,
  • die Erholung,
  • das Immunsystem.

Gerade in der Fitnesswelt wird zwar viel von Erholung und Reparatur gesprochen, diesen Prozeduren aber nicht die nötige Zeit eingeräumt. Doch gerade für Menschen in den besten Jahren und darüber werden sie absolut entscheidend für Spitzenleistungen. Ich meine, jeder profitiert von ausreichend Schlaf, aber wenn Sie ein Sportler mit Darmproblemen sind, dann werden sie aus acht Stunden oder mehr Schlaf pro Nacht (jede Nacht) einen großen Gewinn ziehen.

3. Unterstützen Sie Ihre guten Darmbakterien

Sowohl die Ernährung als auch Ihr täglicher Stresslevel haben einen großen Einfluss auf die Zusammensetzung Ihres Darmmikrobioms (Bakterien, Pilze und andere Lebewesen). Zwar haben Sie auch immer einige „schlechte“ Bakterien, die „guten“ Bakterien sollten allerdings im Regelfall in der Überzahl sein. Das Mikrobiom spielt eine entscheidende Rolle in der Regulierung der Durchlässigkeit der Darmschleimhaut.

Sorgen Sie dafür, dass die „guten“ Bakterien durch Probiotika Verstärkung bekommen. Hierzu gehören fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut oder Kefir, aber auch Probiotika, die Sie in Kapselform kaufen können. Und füttern Sie Ihre Darmbakterien mit Präbiotika, also ballaststoffreichen Lebensmitteln wie Topinambur, Zwiebeln und Spargel.

4. Stressmanagement

Chronischer Stress hat eine verheerende Wirkung auf Ihr Darmmikrobiom, führt zur Überlastung der Nebenniere und einem höheren Entzündungslevel. Stress können Sie nicht abschalten, aber Sie können wenigstens dafür sorgen, dass Ihr Training nicht zu einem Stressmarathon wird. Legen Sie sich also einen Plan zurecht. Ersetzen Sie stundenlanges Cardiotraining einfach durch ein kurzes HIIT (High Intensity Interval Training). Das ist genauso effektiv, bedeutet aber für Ihren Körper deutlich weniger Stress.

Und natürlich dürfen hier auch die Praktiken nicht fehlen, die zum Stressmanagement angewendet werden – also Yoga, Meditation, Atemübungen und nicht zuletzt einfach eine optimistische Einstellung. Finden Sie etwas, mit dem Sie sich anfreunden können, und führen Sie es regelmäßig aus.

5. Verzichten Sie auf Zucker und Nahrungsmittel, die Sie nicht vertragen

Ich liebe diesen Punkt. Zucker hatte ich schon unter Punkt 1 angemerkt. Ich möchte es noch einmal sagen: Zuckerkonsum führt zu einer systemischen Entzündungsreaktion im Körper, und die macht krank und alt (im Sinne von vorzeitig gealtert). Zu hoher Zuckerkonsum führt zu einer Insulinresistenz (Vorläufer des Typ II Diabetes) und verändert das Darmmikrobiom (5).

Zu den Nahrungsmitteln, die von vielen Menschen nicht vertragen werden, gehören Getreide und Milchprodukte. Sie können einen Leaky Gut verursachen, die „schlechten“ Bakterien füttern und auch sonst viel Schaden anrichten.

Leider sind vor allem viele Freizeitsportler immer noch der Meinung, dass sie zuckerhaltige Energy Bars oder Drinks konsumieren müssen, um ihre Leistung zu erbringen. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Im Gegenteil, in Amerika gehen inzwischen viele Profisportler zu einer Ketogenen Diät über (60 – 80 Prozent gesunde Fette, sehr wenig Kohlenhydrate), um ihre Leistung zu steigern. Übrigens mit super Erfolg.

Fazit: Gönnen Sie Ihrem Körper Ruhe, damit er sich regenerieren kann. Manchmal ist weniger tatsächlich mehr.

 

 

(1) Exercise, intestinal barrier dysfunction and probiotic supplementation.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23075554

(2) Leaky Gut As a Danger Signal for Autoimmune Diseases.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28588585

(3) Type 2 Diabetes and Bacteremia.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28950280

(4) Breaking down the barriers: the gut microbiome, intestinal permeability and stress-related psychiatric disorders.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26528128

(5) Diet-Induced Dysbiosis of the Intestinal Microbiota and the Effects on Immunity and Disease  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3448089/

Was Tiefenentspannung für Ihre Gesundheit tun kann

TiefenentspannungFür die meisten Menschen ist Stress ein ständiger Begleiter, aber eigentlich sollte es so gar nicht sein. Stress ist eigentlich nur als kurzfristige Antwort des Körpers oder Geistes auf äußere Einflüsse vorgesehen. Er sollte niemals konstant im Hintergrund (und für manche auch im Vordergrund) ablaufen und so unsere Lebensqualität über eine längere Zeit beeinflussen.

Dummerweise befinden sich aber die meisten Menschen in einem Hamsterrad, und der Stress ist immer da und simmert auch unter der Oberfläche von eigentlich positiven Erfahrungen weiterhin vor sich hin. Dieser chronische Stress – ob Sie ihn nun wahrnehmen oder nicht – führt letztendlich zum körperlichen und geistigen Zusammenbruch. Die Folgen sind chronische Krankheiten Depressionen oder ein Burn out.

Für eine Tiefenentspannung ist im modernen Leben kein Platz, und viele Leute zucken schon beim Gedanken daran zusammen. Wir haben einfach zu viel auf unserer To do Liste: die Kinder, manchmal mehr als ein Job, lange Arbeitswege, und dann sind da ja auch noch die alltäglichen Besorgungen und gesellschaftliche Verpflichtungen. Einige Leute wissen nicht einmal mehr wie das geht, einfach mal zurückzutreten und sich vollkommen zu entspannen, mal völlig abzuschalten und sich einen inneren Rückzugsort zu erschaffen. Diese Form der Tiefenentspannung kann tatsächlich heilen und einige der schädlichen Effekte von chronischem Stress umkehren.

Die Stressreaktion

Chronischer Stress hat auf einem biologischen Level sehr schädliche Auswirkungen. Inzwischen weiß man, dass er zu vorzeitiger Alterung auch auf zellulärer Ebene führt.

Steht der Körper unter Stress so schüttet er Hormone und Neurotransmitter (Nervenbotenstoffe) aus, die dafür sorgen, dass das nackte Überleben gewährleistet ist. Nicht lebenswichtige Körperfunktionen – wie zum Beispiel die Fortpflanzung oder die Verdauung – werden einfach mal abgestellt (wer hat Zeit, sich fortzupflanzen, wenn er von einem Säbelzahntiger gejagt wird?). In unserer Entwicklungsgeschichte war dieser Zustand typischerweise eine Fight or Flight Antwort (also abhauen oder kämpfen), die von Cortisol und Adrenalin ausgelöst wurde. Und ganz wichtig – sie hielt jeweils nur für kurze Zeit an.

Akuter Stress gegen chronischen Stress

Ein kurzzeitiger Stress ist gut für den Körper (Eustress). Dieser tritt zum Beispiel bei einem HIIT Training auf und sorgt dafür, dass der Körper zum Beispiel mehr Muskeln aufbaut (wer fliehen will, braucht Muskeln).

Chronischer Stress ist aber eine ganz andere Sache. Stress, der über einen langen Zeitraum besteht (ohne Atempause), verursacht ernsthafte Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, des Verdauungssystems, des Immunsystems und häufig auch eine Infertilität (Unfruchtbarkeit). Denn anstatt sich auf die Aufrechterhaltung all dieser Körperfunktionen konzentrieren zu können, ist Ihr Körper in einem konstanten Fluchtmodus. Und das bedeutet, eine Vielzahl körperlicher Funktionen wird einfach mal vernachlässigt.

Was genau ist Tiefenentspannung

Und wie sieht richtige Entspannung nun aus? Müssen Sie auf einer Yogamatte sitzen und Ohm singen?

Nun, auf jeden Fall sieht sie nicht so aus, dass Sie sich auf Ihr Sofa fläzen und das Dschungelcamp gucken (sorry). Und auch ein stundenlanger digitaler Treff mit Ihren Facebook „Freunden“ gehört nicht dazu.

Tiefenentspannung bezeichnet einen meditativen Zustand, in dem alle Spannungen sowohl auf körperlicher wie geistiger Ebene losgelassen werden. Das heißt, das Gehirn darf mal total abschalten und muss sich nicht mehr mit der nächsten Aufgabe auf Ihrer To do List oder den offenen Rechnungen auseinander setzten.

Was kann Tiefenentspannung für Ihre Gesundheit tun?

Seit Jahrtausenden werden Entspannungstechniken von Völkern auf der ganzen Welt angewendet. Hierzu gehören zum Beispiel die Meditation, Gebete oder auch Yogaübungen. Sie alle können Menschen in einen tiefenentspannten Zustand versetzen. Und in Studien wurde immer wieder aufgezeigt, dass sie sehr positive Auswirkungen auf Körper und Geist haben.

  • Schutz vor Herz-Kreislauferkrankungen

Es überrascht sicherlich niemanden zu hören, dass chronischer Stress das Herz-Kreislaufsystem sehr belastet. Ein Grund hierfür ist, dass die normale physiologische Antwort auf Stress in einer Erhöhung des Blutdrucks und der Herzfrequenz besteht, um den Körper auf eine Fluchtreaktion vorzubereiten. Auf lange Sicht führt Stress jedoch zu einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen und Schlaganfälle.

In Studien wird immer wieder nachgewiesen, dass Meditationstechniken zum Schutz gegen Herz-Kreislauferkrankungen und Schlaganfälle eingesetzt werden können (1).

 

 

  • Stärkung des Immunsystems

Wenn Ihr Körper ständig den Eindruck hat, dass er eine lebensgefährliche Bedrohung abwenden muss, dann verzichtet er verständlicherweise darauf, sich um längerfristige Angelegenheiten – wie ein funktionsfähiges Immunsystem – zu kümmern. Es ist absolut kein Zufall, dass Menschen, die ständig gestresst sind, auch häufig unter Infektionskrankheiten leiden (2).

In einer Untersuchung an HIV-infizierten Erwachsenen wurde nachgewiesen, dass eine tägliche Achtsamkeitsmeditation den Abfall der CD4+ T-Lymphozyten (also der T Helferzellen) deutlich reduzierte (3). Das bedeutet, dass die Zerstörung dieser Zellen durch das HI-Virus verlangsamt wird, da das Immunsystem besser arbeitet.

 

  • Förderung der Fertilität

Immer mehr Paare bleiben ungewollt kinderlos. Um es noch einmal zu sagen, wenn Sie ständig unter Strom stehen, denkt Ihr Körper nicht an die Fortpflanzung, denn die ist für Ihr kurzfristiges Überleben nun wirklich nicht wichtig. Viele Leute merken auch, dass sie eigentlich gar keine Lust mehr auf Sex haben, wenn sie gestresst sind. Bei Frauen, die langfristigen Stress haben, kann es zu einem Aussetzen der Menstruation kommen. Studien zeigen auch auf, dass Frauen mit einem hohen Stressniveau eher unfruchtbar sind (4).

 

  • Höhere Widerstandsfähigkeit gegen Stress

Viele Menschen berichten, dass sie sich nach einer Meditation oder anderen Entspannungstechniken wesentlich ruhiger und ausgeglichener fühlen und eine bessere Kontrolle über ihre Reaktion auf Stressauslöser haben. Die Tiefenentspannung führt zu einer gesteigerten geistigen Gesundheit und einer Reduzierung von Depressionen, Stimmungsschwankunen und sonstigem emotionalen Stress.

 

  • Tiefenentspannung stellt die epigenetische Uhr zurück

In einer gerade neu erschienen Studie wurden Biomarker des biologischen Alterns bei Langzeit Meditierern und Meditationsunerfahrenen gemessen. Es stellte sich heraus, dass die epigenetische Uhr bei den Meditierern deutlich langsamer läuft als bei den Nicht-Meditierern – will heißen: Sie altern langsamer (5). Na, wenn das keine Motivation ist…

Techniken zur Tiefenentspannung

Es ist extrem wichtig, dass Sie die Tiefenentspannungs Technik finden, die genau zu Ihnen passt. Nicht jeder hat Lust auf tägliche Gebete oder Yoga, und es macht natürlich überhaupt keinen Sinn, sich zu etwas zu zwingen – das verursacht nur noch mehr Stress.

Hier sind einige Techniken, die zu einer Tiefenentspannung führen können:

  • Yoga
  • Meditation
  • Tai-Chi
  • Qi-Gong
  • Progressive Muskelrelaxation
  • Geführte Bilder
  • Biofeedback
  • Tiefe Atemübungen (eigentlich auch eine Form der Meditaion)

Egal, wofür Sie sich letztendlich entscheiden, wichtig ist, dass Sie die Übungen täglich wiederholen. Nur so kommen Sie tatsächlich in den Genuss der gesundheitlichen Vorteile. Sie müssen auch keine Stunden damit verbringen. 5 – 10 Minuten reichen aus. Und wenn Sie das sogar mehrmals pro Tag schaffen – super!

 

 

(1) Stress reduction in the secondary prevention of cardiovascular disease: randomized, controlled trial of transcendental meditation and health education in Blacks.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23149426

(2) https://www.aerzteblatt.de/archiv/35552/Psychoneuroimmunologie-Stress-erhoeht-Infektanfaelligkeit

(3) Mindfulness meditation training effects on CD4+ T lymphocytes in HIV-1 infected adults: a small randomized controlled trial.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18678242

(4) Preconception stress increases the risk of infertility: results from a couple-based prospective cohort study—the LIFE study  https://academic.oup.com/humrep/article/29/5/1067/2913997/Preconception-stress-increases-the-risk-of

(5) Epigenetic clock analysis in long-term meditators.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28889075

Bekommen Sie genug Schlaf?

Schlaf - schlafender WelpeGesunde Gewohnheiten machen für die Lebensqualität einen großen Unterschied. Sehen wir uns doch mal die wohl mit wichtigste Gewohnheit an und fragen uns – wie viel Schlaf ist genug Schlaf?

Wenn man genug schläft, so wird dieser Zustand auch als gute Schlafhygiene bezeichnet. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihre Schlafhygiene nicht so gut ist wie sie sein könnte und dieser Zustand schon über einen Monat anhält, dann sollten Sie sich die folgenden Fragen stellen:

1. Fühlen Sie sich gestört, oder haben Sie sich gestört gefühlt, weil Sie nicht genug Schlaf bekommen?
2. Haben Sie beim Schlafen eines der folgenden Probleme gehabt?
  • Schwierigkeiten beim Einschlafen
  • Nächtliches Aufwachen
  • Zu frühes Erwachen
  • Das Gefühl morgens müde und unausgeschlafen zu sein
3. Haben Sie regelmäßig Schlafprobleme (mindestens einmal pro Woche)?
4. Passiert es Ihnen häufiger, dass Sie tagsüber wegnicken oder sogar einschlafen, ohne dass Sie das wollen. Haben Sie Probleme sich wachzuhalten?
5. Haben Sie seit mehr als einem Monat Schlafprobleme?
6. Haben Sie als Kind Schlafprobleme gehabt?

Wenn Sie mehr als eine dieser Fragen mit ja beantwortet haben, dann sollten Sie sich Gedanken darüber machen, warum Sie Schlafprobleme haben.

Welche Ursachen können dazu führen, dass Sie nicht genug Schlaf bekommen?

Da gibt es eine ganze Palette von Gründen:

  • Schnarchen: Manchmal wird Schnarchen durch Allergien, Asthma oder Deformitäten der Nasenmuscheln hervorgerufen. Wenn Sie einschlafen entspannen sich viele Muskeln im Körper. Entspannen sich aber die Muskeln im Rachen zu sehr (zum Beispiel auch unter dem Einfluss von Alkohol), so werden die Luftwege eingeengt, und es kommt zum Schnarchen.
  • Schlafapnoe: Diese manifestiert sich nicht nur in Schnarchen, sondern auch in Atemaussetzern, während des Schlafes. Mit steigendem BMI nimmt die Inzidenz (Auftretenshäufigkeit) der Schlafapnoe zu, aber sie kommt in Einzelfällen auch bei normalgewichtigen Personen vor. Sie tritt auf, wenn die oberen Luftwege zeitweise zum Teil oder vollständig blockiert sind und führt dazu, dass der Betreffende aufwacht. Eine Folge davon ist eine – häufig sehr stark ausgeprägte – Tagesmüdigkeit. Wird sie nicht behandelt, kann die schwere Schlafapnoe zu Bluthochdruck und einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall führen (1). Das Undine Syndrom ist eine seltene Form der Schlafapnoe, die auftritt, weil die Signale vom Gehirn zur Atemmuskulatur abnehmen oder sogar für kurze Zeit ganz aufhören.
  • Alpträume: Diese treten im REM Schlaf auf. Sie werden häufig durch Ängste, Stress oder auch Medikamente ausgelöst.
  • Nachtangst (Pavor nocturnus):  Nachtangst und Schlafwandeln treten ebenfalls im REM Schlaf auf und scheinen am häufigsten bei Kindern im Alter von 3 – 5 Jahren aufzutreten. Diejenigen, die daran leiden, wachen häufig schreiend auf, ohne dass Sie sagen könnten, was ihnen solche Angst einjagt.
  • Angst und Depressionen: Zu wenig Schlaf ist ein Hauptsymptom der Depression aber auch von Angststörungen (2).
  • Melatoninmangel: Melatonin macht uns müde und wird normalerweise mit der Dämmerung ausgeschüttet. Bei Schichtarbeitern kann dieser Zyklus empfindlich gestört sein. Auch ältere Menschen produzieren weniger Melatonin, weshalb Sie häufig über gestörten Schlaf klagen (3).
  • Stress: Stress sorgt für einen hohen Cortisolspiegel. Cortisol ist der Gegenspieler von Melatonin und verhindert dessen Ausschüttung. Stressbedingt kann es also zu einem Melatoninmangel kommen (4).
  • Schichtarbeit: Wie oben angeführt greift Schichtarbeit (jedenfalls im 3-Schicht-System) massiv in den Tag-Nacht Rhythmus ein und führt häufig zu Schlafproblemen (5).
  • Restless Legs Syndrom: Die unruhigen Beine machen sich durch eine quälende Unruhe, ein Kribbeln oder Ziehen in den Beinen bemerkbar.Die unangenehmen Empfindungen treten fast ausschließlich in Ruhe, insbesondere abends sowie in der Nacht auf und rauben den Erkrankten nicht selten den Schlaf (6). In schweren Fällen sind die Betroffenen tagsüber so müde, dass sie sich kaum noch konzentrieren können. Das beeinträchtigt ihr Alltagsleben stark. Das RLS beeinträchtigt natürlich nicht nur den Betroffenen, sondern auch Partner, die mit ihm im Bett liegen. Als Ursachen kommen zum Beispiel Nervenerkrankungen, Nierenversagen, Vitamin- und Mineralienmangelzustände und Medikamente (z. B. Antidepressiva) in Frage.

 

Wie sieht gesunder Schlaf aus?

Der Schlaf eines gesunden Erwachsenden ist gekennzeichnet durch einen 90-minütigen Wechsel von verschiedenen Schlafphasen. Nach einer Einschlafzeit (Latenz), tritt die erste Tiefschlafphase auf, nach 70 bis 80 Minuten beobachtet man eine weitere Schlafphase, die mit Träumen verbunden ist, die erste REM-Phase (REM = rapid eye movement, weil im Schlaf die Augen schnell hin und her bewegt werden). Die Dauer der Tiefschlafphasen wird im Verlauf der Nacht kürzer; die Dauer der REM-Schlafepisoden im Verlauf der Nacht länger.

Bei einem Gesunden werden etwa 4 bis 5 REM-Episoden im Verlauf einer Nacht durchlaufen. Fehlen einzelne Schlafphasen oder ist der Schlaf unterbrochen, liegt eine Schlafstörung vor.

Im Schlaf laufen aktiv geregelte Prozesse ab. Diese Prozesse betreffen insbesondere das Gehirn, das Herz-Kreislaufsystem, die Atmung sowie hormonelle Regulationsvorgänge. Die Erkenntnisse der modernen Schlafmedizin machen verständlich, dass Schlafstörungen zu einer Beeinträchtigung einzelner Funktionen oder ganzer Systeme/Regelkreise führen und dadurch für eine ganze Reihe von Krankheiten von ursächlicher oder aber zumindest beeinflussender Bedeutung sind.

Laut Harvard Medical School kumulieren die Folgen eines Schlafmangels und lösen so chronische Erkrankungen aus.

Tipps für besseren Schlaf

Ich habe schon einmal darüber geschrieben, welche Gewohnheiten für einen guten Schlaf zuträglich sind. Hier also nur die extreme Kurzfassung:

  1. Halten Sie einen zirkadianen Rhythmus ein.
  2. Kaffee oder andere koffeinhaltige Getränke nur bis 16:00.
  3. Alkohol kann bis zu 3 Stunden vor dem Schlafengehen getrunken werden.
  4. 1 – 2 Stunden vor dem Schlafengehen den Fernseher oder digitale Medien ausschalten.
  5. Entfernen Sie alle elektronischen Geräte aus dem Schlafzimmer.
  6. Wenn es draußen dunkel wird, dimmen Sie die Lichter in Ihrer Wohnung.
  7. Benutzen Sie Blaulicht filternde Brillen (Computerbrillen oder Amber glasses).
  8. Verdunkeln Sie Ihr Schlafzimmer.
  9. Das Schlafzimmer sollte kühl sein. Ein heißes Bad vor dem Schlafengehen sorgt ebenfalls für einen Temperaturunterschied.
  10. Bauen Sie Stress ab.
  11. White noise (z. B. Regen, Wellen, ein Ventilator) kann beim Einschlafen helfen.
  12. Ätherische Öle, vor allem Lavendel, wirken sehr beruhigend und helfen einzuschlafen.
  13. Magnesium wirkt bei Stress und entspannt.
  14. Bleiben Sie tagsüber in Bewegung am besten an der frischen Luft!
  15. Führen Sie ein abendliches Entspannungsritual ein (Meditation, Tagebuch..).

Probieren Sie den einen oder anderen Tipp doch mal aus und berichten Sie über Ihre Erfahrungen.

 

 

 

(1) http://www.heidelberger-schlaflabor.de/schlaefstoerungen/obstruktive-schlafapnoe-osa/

(2) https://www.schlafzentrum.med.tum.de/index.php/page/schlafstoerungen-bei-psychischen-erkrankungen

(3) http://www.schlafmedizin-berlin.de/material/38-43_CME_0112_Melatonin%20und%20Schlaf_Kunz.pdf

(4) http://www.dbu-online.de/fileadmin/redakteur/Dokumente/JT_2013_Vortraege/04_DrHuesker_Schlafmangel_und_chronischer_Stress.pdf

(5)Schlafprobleme bei Schichtarbeit.   http://www.dgsm.de/downloads/dgsm/arbeitsgruppen/ratgeber/neu-Nov2011/Schichtarbeit_A4.pdf

(6) https://www.aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/neurologie_psychiatrie/article/422795/schlafmangel-plagt-rls-patienten-besonders.html

Die Biggest Loser – katastrophale Auswirkungen auf den Stoffwechsel

Wieder einmal ist eine Staffel der Biggest Loser zu Ende, und die Gewinnerin Alexandra freut sich (noch) über 53,2 kg Gewichtsverlust (1). Zu diesem Gewichtsverlust kam es über einen Zeitraum von 11 Wochen, in der die Kandidaten ausgehungert und physisch wie psychisch malträtiert wurden.

Jetzt kann man sich natürlich zunächst mal die Frage stellen, ob es wohl gesund ist, so abzunehmen. Ich glaube, wir sind uns alle einig, dass die Antwort hierauf ein ganz klares NEIN! sein muss. Und diese Antwort ist nicht nur deshalb richtig, weil hier Menschen als Freaks absolut zur Schau gestellt werden, sondern vor allem auch aus medizinischer Sicht.

Ich denke, die meisten Menschen haben schon mal eine Diät gemacht, weil die Bikinifigur wieder nicht gepasst hat oder es so lästig ist, wenn die Fettröllchen (oder auch mehr) über den Hosenbund hängen. Und jeder weiß auch, wie schwer es ist, ein durch Hungern erzieltes neues Gewicht zu halten. Wir bezeichnen das als JoJo-Diät, und jedesmal wenn das Ausgangsgewicht wieder erreicht (oder sogar überschritten wird), wird es bei der nächsten Diät ein bisschen schwerer, wieder abzunehmen.

Und das ist auch schon der Knackpunkt. KEINE Diät, bei der Sie hungern müssen, um abzunehmen, wird auf Dauer erfolgreich sein. Aber warum ist das so?

Sie können nicht gegen Ihren Sollwert ankämpfen

Unser Körper hat einen bestimmten Sollwert, was das optimale Gewicht anbelangt (genauso wie wir zum Beispiel einen Sollwert für die Körpertemperatur, für den pH Wert des Blutes und für den Blutzuckerwert haben). Ihr Körper wird alles tun, um diesen Sollwert zu verteidigen.

Jetzt fragen Sie sich, warum hat mein Körper dann einen Sollwert, der im übergewichtigen Bereich liegt? Nun, zunächst einmal ist es wichtig zu verstehen, dass Ihr Körper nichts ohne Grund tut. Weder sagt er, eine Wespentaille ist so hübsch, deshalb setze ich meinen Sollwert einfach mal runter, noch entscheidet er sich dafür, dass eine Fettschicht womöglich einen Überlebensvorteil in einer kommenden Eiszeit darstellt. Er wird den Sollwert aus ganz bestimmten Gründen erhöhen.

Hierzu kann es kommen, weil:

  • Sie nicht genug Nährstoffe essen, da ein Großteil der Kalorien, die sie aufnehmen aus wertlosen Kohlenhydraten (raffiniertes Mehl und Zucker) besteht oder – fast noch schlimmer – Ihre Nahrungsmittel enthalten Antinährstoffe, die die Nährstoffaufnahme verhindern. Ihr Gehirn stellt fest, diese Nahrung enthält nicht die Mineralien und Vitamine, die mein Körper braucht, und meldet: Hunger! Und tatsächlich gibt es häufig dieses Paradox, dass übergewichtige Menschen mangelernährt sind.
  • Sie haben sehr viel Stress, und dabei kann es sich um psychischen Stress durch einen nervigen Chef, aber auch um physischen Stress durch zu wenig Schlaf oder Nahrungsmittelallergien handeln. Für Ihren Körper befinden Sie sich in einem Überlebenskampf. Und um Ihr Überleben zu sichern, wird er jede einzelne Kalorie verteidigen, die Sie in Ihren Fettzellen aufbewahren.
  • Sie nehmen viele Giftstoffe auf. Dies kann sowohl durch die Nahrung als auch zum Beispiel über Körperpflegemittel und Reinigungsmittel passieren (von der Luft mal ganz zu schweigen). Ihr Körper weiß, Giftstoffe im Blutstrom sind sehr ungesund. Die müssen also anderweitig untergebracht werden, wenn Sie sie nicht ausscheiden können (bei einer durchschnittlichen Stuhlfrequenz von 2 – 4 mal pro Woche schwierig). Und was bietet sich da an? Nun, man verpackt diese Giftstoffe einfach in Fettzellen und lagert sie im Fettgewebe ein. Das ist übrigens auch ein Grund dafür, warum viele Menschen sich beim Abnehmen wirklich schlecht fühlen. Sie werden von den freigesetzten Giftstoffen praktisch überrannt.

Wie man sich seinen Stoffwechsel kaputt macht

So, und nun gucken wir uns mal an, was die Biggest Loser machen. Immerhin sieht ihre Diät besser aus als die des Normaldeutschen. Sie sollen auf Kohlenhydrate in Form von raffiniertem Mehl und Zucker verzichten, außerdem viel Gemüse essen. Das ist ja schon mal gut. Aber leider habe ich bei der Diät irgendwie keine gesunden Fette gefunden (okay, Nüsse kamen vor). Das heißt dann wohl, dass die Kandidaten hungern müssen (übrigens bezeichnet man Diäten mit weniger als 1500 kcal täglich als Hungerkur – nicht etwa erst diese irrsinnigen 800 kcal Diäten).

Was macht also der Körper? Wie oben erklärt, bedeutet: Hunger! dass die Schilddrüse die Stoffwechselrate auf ein Minimum reduziert, damit möglichst viel Energie (in Form von Fettreserven) gespeichert werden kann. Damit sichert Ihr Körper, dass Sie eine längerdauernde Hungersnot überstehen können.

Natürlich schafft der Körper das nicht mehr, wenn dazu jeden Tag auch noch ein mehrstündiges Trainingsprogramm kommt. Aber es gibt ihm noch mehr Gründe zu glauben, dass Ihre Umwelt eher lebensfeindlich ist und es nun gilt, genug Kraft aufzubringen, Essen zu finden, um ein Überleben zu gewährleisten bis zu einer Zeit, wo wieder mehr Essen vorhanden ist.

Zu diesem Punkt ein kleiner Exkurs in die Ernährungsphysiologie.

Das Minnesota Experiment

Ancel Keys (das ist der Mann, dem wir den Cholesterin-Schlamassel verdanken) führte 1944/45 ein Semi-Starvation Experiment (zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben) an 36 gesunden Freiwilligen durch (2).

Laut Versuchsaufbau sollten die Männer 25 Prozent ihres normalen Körpergewichts abnehmen. In den ersten drei Monaten erhielten sie 3200 kcal pro Tag, in den nächsten sechs Monaten dann nur noch 1570 kcal, gefolgt von einer dreimonatigen auf 2000 – 3200 kcal eingeschränkten Rehabilitationsphase und schließlich acht Wochen mit uneingeschränkter Kalorienaufnahme.

Während der Hungerphase kam es zu dramatischen Änderungen. Nicht nur, dass die Männer hager aussahen, es gab auch signifikante Abfälle in ihrer Muskelkraft, Ausdauer, Körpertemperatur, Herzfrequenz und im Geschlechtstrieb. Psychologische Veränderungen traten ebenfalls auf. Durch den Hunger beschäftigten sich die Männer zwanghaft mit Essen. Sie träumten sogar vom Essen. Außerdem berichteten die Probanden von Müdigkeit, Reizbarkeit, Apathie und Depressionen. Rein subjektiv hatten sie das Gefühl in ihren kognitiven Fähigkeiten eingeschränkt zu sein, was aber in objektiven Tests nicht nachgewiesen werden konnte.

Während der Rehabilitationsphase mit uneingeschränkter Kalorienaufnahme kam es bei einigen Männern zu Fressanfällen (auch das dürfte vielen Diätveteranen sehr bekannt vorkommen).

Soweit das Experiment und zurück zu unseren Biggest Losern.

Unter diesen Bedingungen hat der Körper also nicht die Gewissheit, dass er gefahrlos den Sollwert nach unten verstellen kann, weil genug Nährstoffe da sind, sondern ganz im Gegenteil. Er wird gezwungen, seine Fettreserven aufzugeben. Aber Sie können sicher sein, er wird nur umso fester an seinem Sollwert festhalten, wenn er nach der „Hungersnot“ (Diät) wieder an Kalorien kommen kann.

Und genau diesen Effekt belegte eine Studie, die letztes Jahr im Journal Obesity veröffentlicht wurde (3). In dieser Studie wurde gezeigt, dass kaum einer, der ehemaligen Biggest Loser Teilnehmer, seine Gewichtsabnahme über sechs Jahre halten konnte. Im Gegenteil, einige waren nach dieser Zeit schwerer als vorher.

Dabei war es den Forschern schon klar, dass fast jeder, der bewusst sein Gewicht reduziert – selbst wenn er mit Normal- oder Untergewicht anfängt – hinterher eine niedrigere Stoffwechselrate hat. Deshalb waren sie auch nicht überrascht, dass die Biggest Loser Teilnehmer am Ende der Staffel einen verlangsamten Stoffwechsel hatten.

Was sie aber schon schockierte war das, was als nächstes passierte. Mit jedem weiteren Jahr, das verging, stiegen die Zahlen auf der Waage, und die Stoffwechselrate der Teilnehmer erholte sich nicht. Sie wurde sogar noch langsamer, und sie nahmen weiter und weiter zu. Es sah so aus, als würden ihre Körper unbedingt wieder ihr Ausgangsgewicht erreichen wollen (der Sollwert lässt grüßen).

Einer der Ärzte der Show, Robert Huizenga, sagte, dass ihm klar gewesen sei, dass die Stoffwechselrate der Teilnehmer nach der Show niedriger sein würde, aber er hätte gehofft, dass die Absenkung geringer ausfallen würde. Er stellte aber in Frage, ob die Messungen nach sechs Jahren tatsächlich akkurat seien. Er erklärte: „Die Gewichtsabnahme zu erhalten ist schwierig. Deshalb sage ich den Teilenehmer, dass sie mindestens neun Stunden pro Woche Sport treiben und ihre Ernährung streng überwachen müssen, um ihr Gewicht niedrig zu halten.

Neun Stunden pro Woche sport und über jede Kalorie nachdenken? Da kann man wohl von stressinduzierter Gewichtszunahme durch Übertraining und psychischen Stress sprechen.

Nur ein Beispiel: Danny Cahill, ein Teilnehmer der 8. Staffel der NBC Serie, nahm mehr als 50 kg wieder zu, und seine Stoffwechselrate war so niedrig, dass er – nur um sein Gewicht von 250 Pfund zu halten – 800 kcal pro Tag weniger essen darf als ein typischer Mann seiner Größe. Alles andere lagert sein Körper sofort als Fett ein. Seine Stoffwechselrate ging in diesen sechs Jahren kontinuierlich nach unten, sodass anzunehmen ist, dass er irgendwann Essen nur noch anzusehen braucht um zuzunehmen (das ist jetzt natürlich ein bisschen überspitzt, aber Sie sehen wohin die Reise geht.

Stress bedeutet für den Körper einen Kampf ums Überleben

Und natürlich fährt sein Körper die Stoffwechselrate immer weiter runter! Dieser Mann ist super gestresst und isst unzureichende Kalorien. Was soll sein Körper denn sonst tun!

Seit 50 Jahren bekommen wir zu hören: Esst weniger und bewegt Euch mehr! Und hat es irgendetwas gebracht, außer dass Jahr für Jahr die Menschen immer dicker werden? Es funktioniert so einfach nicht. Kein Mensch kann nach diesem Paradigma abnehmen, und es wird Zeit, dass wir das endlich einsehen.

„Es ist Wahnsinn wieder und wieder das gleiche Vorgehen anzuwenden und zu erwarten, dass man das nächste Mal ein besseres Resultat bekommt.“ (Albert Einstein)

Abnehmen ist als erstes mal kein Sprint. Diese ganzen Diäten, die Ihnen erzählen, dass Sie innerhalb von 2 – 4 Wochen Ihr Traumgewicht erreichen, sind einfach schwachsinnig. Wie lange hat es denn gedauert, bis Sie das Gewicht erreicht haben, das Sie jetzt loswerden wollen? Ich wette, länger als 1 Monat.

Abnehmen hat vor allem auch mit der richtigen Einstellung zu tun. Sie sollten sich über Ihre Ziele klar werden. Was bringt es Ihnen, wenn Sie 10, 20 oder 30 kg weniger wiegen? Müssen Sie vielleicht weniger Medikamente nehmen, oder fällt es Ihnen leichter, mit Ihren Kindern zu spielen? Dafür lohnt es sich, seine Essgewohnheiten umzustellen.

Richtiges Abnehmen funktioniert nur, wenn Ihr Körper das Gefühl hat, dass es für ihn sicher ist, den Sollwert nach unten zu verstellen. Das hat mit der Aufnahme lebenswichtiger Nährstoffe (ja, auch und vor allem Fette), mit Stressabbau und mit Schlaf (!!!) zu tun. Drei Wochen Almased, Kohlsuppe- oder Schokoladendiät (ungelogen, auch mit der hat schon jemand abgenommen) hilft Ihnen dabei nicht weiter. Im Gegenteil, Sie werden einen Großteil dieser drei Wochen damit verbringen, sich vorzustellen, was Sie als erstes essen, wenn die Diät vorbei ist.

Die westliche Ernährung führt zu Übergewicht

Ich kann es (leider) nur immer wiederholen. Eine Ernährung, die zu über 60 Prozent aus Kohlenhydraten (die meisten davon in Form raffinierter Mehle und Zucker) besteht, in der ranzige Pflanzenöle als herzgesund vermarktet werden und Tierfleischkonsum verdammt wird, weil dadurch die Klimaerwärmung zunimmt (was man umgehen könnte, wenn die Kühe wieder auf der Weide stehen dürften), ist nicht dafür geeignet, ein Wunschgewicht zu erreichen oder zu halten.

Sie brauchen sich nur um zusehen und werden feststellen, dass die meisten Leute heutzutage mit Backwaren in der Hand herumlaufen (wann sind wir eigentlich auf die Idee gekommen, dass wir ständig essen müssen?). Nach wie vor wird Müsli mit fettarmer Milch und Orangensaft (alles Zuckerbomben) als ein gesundes Frühstück verkauft, ohne das Sie den Tag nicht beginnen sollten.

Ärzte, die Diabetiker behandeln, empfehlen diesen eine fettarme Diät mit Vollkornprodukten und als zweites Frühstück ein Stück Obst. Äh, hat schon mal irgendjemand was von Glucose gehört? Die soll für Diabetiker gar nicht mal so gut sein.

Was ich damit sagen will, ist, schmeißen sie die ganzen Ernährungs-empfehlungen der letzten 50 Jahre auf den Müll (dort gehören sie hin). Kramen sie stattdessen mal wirklich alte Fotoalben heraus – ich meine so die von den Großeltern und Urgroßeltern. Hoffentlich haben Sie noch welche. Fällt Ihnen was auf? Diese Menschen waren normalgewichtig. Ja, vielleicht war auch mal ein etwas dickerer dabei, aber nicht in dem Maße wie Sie es heute sehen. Und sie haben Tierfette gegessen und Bio-Gemüse, denn damals haben Chemiekonzerne noch nicht die Äcker vergiftet.

Diese Menschen haben morgens kein Müsli gegessen, sondern ein Bauernfrühstück (für die, die das nicht kennen, das sind Kartoffeln, Speck und Eier gebraten in Butter). Und nicht nur, dass sie nicht zu dick waren, sie sind auch nicht reihenweise am Herzinfarkt gestorben. Und wenn wir schon dabei sind, auch die Zahlen für Diabetes und Krebserkrankungen lagen deutlich niedriger. Aber ich merke schon, da kann ich noch eine ganze Menge Fässer aufmachen.

Letzten Endes läuft es ganz einfach darauf hinaus: Gesundes Abnehmen schaffen Sie nicht mit einer Diät. Gesundes Abnehmen heißt, dass Sie Ihre Essgewohnheiten umstellen – und zwar dauerhaft. Und wenn Sie schon dabei sind, stellen Sie vielleicht Ihre Schlafgewohnheiten und Ihre Stressbewältigungsstrategien gleich mit um – denn dann wird ein Schuh draus. Der Sollwert für ihr Körpergewicht wird von Hormonen gesteuert, und die haben keinen Taschenrechner.

Schade Alexandra, Du hast sehr viel mehr als nur Gewicht verloren.

 

(1) http://www.augsburger-allgemeine.de/panorama/Gewinnerin-Alexandra-nahm-bei-The-Biggest-Loser-53-2-Kilo-ab-id41083326.html

(2) The psychology of hunger. https://www.apa.org/monitor/2013/10/hunger.aspx

(3) Persistent metabolic adaptation 6 years after “The Biggest Loser” competition.   http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/oby.21538/full

 

Das Brett – Beim Core Training einfach essentiell

Sportliche Betätigung ist für Ihre Gesundheit sehr wichtig. Sie hilft, die Flexibilität, Energie und Kraft zu verbessern und kann sogar dafür sorgen, dass Sie weniger Medikamente brauchen. Wir kommen einfach nicht darum herum: Unser Körper ist dazu gemacht sich zu bewegen.

Viele Menschen treiben Sport und sind mit mehr oder weniger Begeisterung bei der Sache. Ich muss zugeben, wenn ich die Jogger an der Alster sehe, dann habe ich bei den meisten nicht das Gefühl, dass Sie Spaß an dem haben, was sie gerade tun. Ganz anders ist da unser Functional Fitness Kurs HIIT, wo alle mit Begeisterung dabei sind.

Was auch immer Sie tun, es sollte Ihnen Spaß machen. Wenn Sie sich jedesmal überwinden müssen, dann werden Sie zum einen nicht die positiven Effekte erreichen, die durch Sport möglich sind (weil Ihnen der Stress in die Quere kommt), und zum anderen wahrscheinlich nicht lange dabei bleiben.

Viele Leute halten konventionelles Ausdauertraining für die Quintessenz von Fitness. Ich stimme mit dem überhaupt nicht überein und habe schon darüber geschrieben, warum ich Kraft- und High-Intensity-Training für wesentlich besser halte. Aber was auch immer Sie machen, Ihre Rumpfmuskulatur (der Core) ist ein ganz wichtiger Bestandteil, wenn es um optimale Gesundheit geht.

Warum der Core so wichtig ist

Das Wort ‚Core‘ bedeutet ‚Kern‘ und Core-Training beschäftigt sich mit der Stärkung der tiefliegenden Rumpfmuskulatur. Ist diese stark, ist der Bauch flach, wir gehen gerader und Rückenschmerzen verschwinden.

Ihre Rumpfmuskulatur umschließt den Thorax, den Rücken und die Bauchwand wie ein Korsett. Entsprechend ihrer anatomischen Lage wird sie in Brust-, Rücken- und Bauchmuskulatur unterteilt. Der Musculus transversus abdominis (Querverlaufender Bauchmuskel) umschließt den gesamten Rumpf, gehört zur Rectusscheide und spannt sich zwischen Rippen und Hüften, um die inneren Organe und die Lendenwirbelsäule zu schützen, wenn Sie sich bücken, drehen oder etwas aufheben. Er ist verantwortlich für das Zusammenpressen des Bauches und das Absenken der Rippen.

Die Becken- und Hüftmuskulatur sorgt dafür, dass Sie aufrecht stehen können, und die gesamte Rumpfmuskulatur arbeitet zusammen um sicherzustellen, dass die Wirbelsäule stabil und stark bleibt.

Sie können sich leicht vorstellen, dass es zu Verletzungen und chronischen Rückenbeschwerden kommt, wenn die Rumpfmuskulatur schwächelt. Wie sie bei Kieser Training so schön sagen: Ein gesunder Rücken kennt keinen Schmerz. Und das ist absolut richtig.

Es reicht nicht aus, dass Sie Ihre Arme und Beine trainieren und darüber die Rumpfmuskulatur vergessen. Ihre Extremitäten können nicht wirklich kräftig werden, wenn der Core nicht stark ist.

Warum es sich auszahlt, Ihren Core stark zu machen

Hier einige Gründe, warum Sie Ihren Core trainieren sollten.

  • Verbesserte Kraft und Flexibilität. Ihre Rumpfmuskulatur sorgt für eine stabile Wirbelsäule, dadurch können Sie sich im Alltag gut bewegen.
  •  Weniger Rückenschmerzen. 50 – 70 % der Deutschen leiden unter Rückenschmerzen. Womöglich sind Sie selbst auch betroffen oder kennen zumindest jemanden, der unter Rückenschmerzen leidet. Rückenschmerzen können die Folge einer geschwächten Rumpf-muskulatur sein. Studien zeigen auf, dass eine starke Rumpfmuskulatur Rückenschmerzen vorbeugen kann bzw. zur Behandlung von Rückenschmerzen eingesetzt werden kann (1, 2).
  • Schutz der inneren Organe und des Zentralnervensystems (ZNS). Ihr Core ist nicht nur da, wo Ihre Organe und das ZNS kräftig am Arbeiten sind, sondern er umschließt auch die größten (und wichtigsten) Arterien und Venen des Körpers. Eine starke Rumpfmuskulatur stellt sicher, dass dies alles gut vor Verletzungen geschützt ist.
  • Bessere Balance, Haltung und Stabilität. Wenn Ihr Core stark ist, fällt es Ihnen tatsächlich leicht, selbstbewußt aufzutreten. Eine gerade Haltung strahlt Stärke aus. Sie erweckt den Eindruck, dass diese Person ihr Leben unter Kontrolle hat. Im Gegensatz dazu wirkt eine eingesunkene Haltung schwach und unterlegen.
  • Bessere sportliche Leistung. Ob es nun nur darum geht, Ihre Einkaufstüten aufzuheben oder Sie tatsächlich einen Freizeit- oder sogar professionellen Sport ausüben: Ausreichende Rumpfmuskulatur macht die Bewegung einfacher (3).
  • Sorgt für einen flachen Bauch. Das freut alle.

Was Sie sonst noch davon haben, körperlich fit zu sein

Studien zeigen immer wieder, dass sportliche Betätigung und körperliche Fitness den Stresslevel senkt (4), die Schlafqualität verbessert (5), körperliche Energie bringt (6) und die Symptome von Angst und Depression mildern kann (7).

Und so ganz nebenbei helfen Sie nicht nur Ihrer seelischen Gesundheit, sondern (die richtige) sportliche Betätigung unterstützt auch bei der Aufrechterhaltung eines gesunden Körpergewichts. Und das bedeutet, Sie mindern Ihr Risiko an Typ II Diabetes, bestimmten Krebserkrankungen, Herzerkrankungen und einem Schlaganfall zu erkranken.

Kleine Übung, großer Effekt

Mit der Plank (dem Brett) trainieren Sie sowohl die Bauch als auch die Rückenmuskulatur. Um einen starken Core zu bekommen, brauchen Sie gar nicht viel Zeit investieren. Gewöhnen Sie sich einfach nur an, mehrmals am Tag für mindestens 1 Minute in die Plank zu gehen. Dies bietet sich vor allem an, wenn Sie berufsbedingt viel sitzen. Stellen Sie sich eine Uhr und lassen Sie sich in 30 – 60 minütigen Abständen daran erinnern, aufzustehen und eine Plank auszuführen.

Sie starten im Vierfüßlerstand und gehen dann auf die Ellbogen runter in den Unterarmstütz. Dann strecken Sie beide Beine nach hinten aus und richten Ihren Körper vom Kopf bis zu den Fersen in einer geraden Linie aus! Die Füße sind im hüftbreiten Abstand und auf den Ballen aufgestellt. Spannen Sie Ihre Rumpfmuskulatur aktiv an, ziehen Sie Ihren Bauchnabel Richtung Wirbelsäule und halten Sie diese Position. Atmen Sie dabei gleichmäßig weiter!

Ist Ihnen diese Übung für den Anfang zu schwer, so setzen Sie einfach die Knie ab. Dadurch wird der Hebel verkleinert und die Intensität reduziert. Geübte heben ein Bein an. Ist das immer noch zu leicht, dann heben Sie dazu noch den Gegenarm an! Sie können auch eine seitliche Plank ausführen.

Achtung, Fehlerquellen!

Die Plank heißt nicht umsonst das Brett. Sie bilden dabei eine absolut gerade Linie. Weder geht der Po nach oben (wir machen kein Yoga und auch keinen herabschauenden Hund), noch nach unten ins Hohlkreuz (das stresst die Lendenwirbelsäule und gibt nur Rückenschmerzen).

Wenn es zu anstrengend wird, dann gehen Sie entweder kurz in den herabschauenden Hund, atmen einmal durch und führen dann wieder eine korrekte Plank aus, oder Sie führen eine leichtere Version aus, indem Sie auf die Knie gehen.

Auch der Nacken gehört mit zum Rücken. Er wird in neutraler Position ausgerichtet, also weder nach oben gebogen noch den Kopf hängen lassen. Ziehen Sie das Kinn leicht ein, um den Nacken lang und neutral zu halten.

Wenn Sie diese Übung regelmäßig ausführen, werden Sie überrascht sein, wie schnell Sie positive Effekte bemerken. Also, los geht’s!

 

 

(1) http://www.cochrane.org/news/new-research-shows-exercise-improve-skill-and-coordination-can-help-reduce-lower-back-pain

(2)  Exercise as a treatment for chronic low back pain.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14749199

(3) The Role of Core Stability in Athletic Function.  http://g-se.com/uploads/blog_adjuntos/kliber.pdf

(4) http://www.mayoclinic.org/healthy-lifestyle/stress-management/in-depth/exercise-and-stress/art-20044469

(5)Exercise and sleep. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12531177

(6) Regular Exercise Plays A Consistent And Significant Role In Reducing Fatigue.  Puetz, T. Psychological Bulletin, November 2006. News release, University of Georgia.

(7) Regular exercise, anxiety, depression and personality: A population-based study. https://web4.uwindsor.ca/users/f/fsirois/personality.nsf/0/c6247d71a3e97a4485257261005da15b/$FILE/Moor_PM_2006.pdf

Was Sie über Schilddrüsenwerte wissen müssen

Schilddrüsenerkrankungen sind deutlich auf dem Vormarsch. Vor allem die Autoimmunerkrankung Hashimoto Thyreoiditis nimmt zu.

Leider wird häufig nicht an die Schilddrüse gedacht, wenn Patienten sich mit oft unerklärlichen Symptomen bei ihrem Arzt vorstellen. Und so passiert es leider häufiger, dass etwa eine frischgebackene Mutter mit einer nicht-diagnostizierten Schilddrüsenunterfunktion von ihrem Arzt mit einem Rezept für ein Antidepressivum nach Hause geschickt wird.

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann sich hinter vielen Symptomen verstecken

Hier nur ein paar der häufigsten Symptome einer Hypothyreose. Tatsächlich kann die Liste auf über 300 Symptome verlängert werden.

  1. Müdigkeit
  2. Verstopfung
  3. Trockene Haut
  4. Kalte Hände und Füße
  5. Unerklärliche Gewichtszunahme
  6. Aufgedunsenes Gesicht
  7. Heiserkeit
  8. Muskelschwäche
  9. Erhöhte Serumcholesterinspiegel
  10. Muskelschmerzen
  11. Schmerzen, Steifigkeit oder Schwellungen der Gelenke
  12. Verstärkte oder unregelmäßige Menstruation
  13. Haarausfall
  14. Bradykardie (langsamer Herzschlag)
  15. Depression
  16. Gedächtnisstörungen
  17. Unfruchtbarkeit und Aborte (Fehlgeburten)

Sie sehen schon, es kann der ganze Körper betroffen sein. Und das ist nur natürlich, denn die Schilddrüse reguliert unseren gesamten Stoffwechsel. Jede einzelne Körperzelle hat Rezeptoren für Schilddrüsenhormone.

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihre Schilddrüse nicht 100 %ig arbeitet, dann sollten Sie einige Labortests durchführen lassen. Hierbei ist es wichtig, dass Sie sich von Ihrem Arzt nicht mit einer einfachen Bestimmung des TSH (= Thyreoidea Stimulierendes Hormon) abspeisen lassen.

Leider glauben viele Ärzte immer noch, dass sie mit Hilfe des TSH eine Aussage über die Funktionsfähigkeit der Schilddrüse treffen können. Das ist aber falsch, und ich werde Ihnen auch erklären, warum das so ist.

Genaugenommen misst das TSH nur den Regelkreis zwischen Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und Schilddrüse. TSH wird in der Hypophyse gebildet und fördert die Hormonproduktion in der Schilddrüse. Ohne TSH würde kein Jod mehr in die Schilddrüse aufgenommen und kein Thyroxin (T4) oder Trijodthyronin (T3) produziert werden. Ist im Blut genug von diesen Hormonen vorhanden, wird wiederum weniger TSH gebildet, da die Schilddrüse nicht weiter stimuliert werden muss.

Es ist also schon logisch, dass man die Vorstellung hatte, dass TSH ein Marker für die Schilddrüsenfunktion ist. Aber wie gesagt, ist das nur die halbe Wahrheit. Mit einem besseren Verständnis der Funktionsweise der Schilddrüse kommt dann auch schon die Ernüchterung.

Konversionsstörungen

Die Schilddrüse stellt vor allem Thyroxin (T4) her. Dieses ist ein Prohormon. T4 muss dann vom Körper durch Enzyme – sogenannte Dejodasen – in Trijodthyronin (T3), die aktive Form des Hormons umgewandelt werden. Funktioniert diese Umwandlung nicht, so kommt es funktionell zu einer Schilddrüsenunterfunktion. Als Auslöser für diese Umwandlungsstörung kommen zum Beispiel ein Selenmangel (die Enzyme benötigen Selen), aber auch verschiedene Medikamente bzw. Röntgenkontrastmittel (Zytokine, Propylthiouracil, Iopan-Säure) in Frage. Vereinzelt wird auch von Antikörpern, die sich gegen die Dejodasen richten, berichtet. Fazit: In diesem Fall wäre TSH normal. Nur wenn zusätzlich die Konzentration der Schilddrüsenhormone bestimmt wird, fällt auf, dass freies T4 normal hoch und freies T3 niedrig ist.

Gesamt T3/T4 vs. freies T3/T4

Es gibt in der Schilddrüsendiagnostik jeweils zwei Messwerte für T4 und T3. Zum einen das Gesamt T3 und T4 und dann auch noch das freie T3 und T4 (fT3, fT4).  Was bedeutet das nun schon wieder?

Schilddrüsenhormone sind fettlöslich und das Blut besteht zum größten -Teil aus Wasser. Damit fettlösliche Hormone durch das Blut schwimmen können, werden sie an Proteine gebunden, die sie dann praktisch wie Taxis durch den Blutstrom befördern. Wenn sie die Zellen erreichen, muss das Protein abgespalten werden, damit die „freien“ Hormone tatsächlich in die Zellen gelangen können, um dort ihre Funktion auszuüben. Deshalb ist eine Bestimmung von freiem T4 und vor allem (da es das aktivste Hormon ist) freiem T3 extrem wichtig.

Stress und Schilddrüsenfunktion

Die Schilddrüse managt unseren Stoffwechsel und so verwundert es nicht, dass sie bei chronischem Stress ins Geschehen eingreift. Hierzu ein paar Anmerkungen. Ihr Körper unterscheidet nicht zwischen verschiedenen Stressursachen (Hunger, Krankheit, Operationen, Trennung etc.) und auch nicht zwischen „nur“ eingebildetem oder tatsächlich vorhandenem Stress. Wenn Sie unter Stress stehen, geht Ihr Körper in den Überlebensmodus. Das bedeutet unter anderem, dass Ihre Schilddrüse den Stoffwechsel herunterfährt, damit lebenswichtige Reserven geschont werden.

Soll Energie gespart werden, so bewerkstelligt Ihre Schilddrüse dies, indem sie statt des stoffwechselaktiven T3 ein stoffwechselinaktives reverse T3 (rT3) herstellt. Dieses besetzt die T3 Rezeptoren der Zelle, ohne eine adäquate Aktion in der Zelle auszulösen. Fazit: Sie haben die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion, obwohl Ihr TSH normal ist. In diesem Fall kommen Sie nur mit einer Bestimmung des rT3 weiter. Traurige Wahrheit ist, diesen Marker kennen die meisten Ärzte nicht einmal.

Hashimoto Thyreoiditis

Dies ist eine Autoimmunerkrankung, bei der der Körper seine Immunabwehr gegen sich selbst richtet und die Schilddrüse angreift. Sie ist inzwischen eine der Hauptursachen für eine Schilddrüsenunter-funktion. Es ist daher eigentlich unbegreiflich, dass normalerweise von Ihrem Arzt Schilddrüsen-Antikörper nicht getestet werden.

Böswillig (aber völlig richtig) wäre es jetzt zu behaupten, dass das nicht getan wird, weil es an der Therapie nichts ändert. Aber genau das ist der Fall. Leider wird dabei völlig übersehen, dass die Hashimoto Thyreoiditis heilbar ist oder zumindest in Remission gebracht werden kann. Das heißt die Zerstörung der Schilddrüse schreitet nicht weiter fort, und Sie behalten ein lebenswichtiges Organ, wenn man die Ursachen abstellt. Ich finde, das ist eine absolut erstrebenswerte Option.

Was aber noch wesentlich schlimmer ist: Wenn die Ursache der Autoimmunerkrankung nicht abgestellt wird, dann besteht ein vierfach erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer zweiten Autoimmunerkrankung. Keine schönen Aussichten, finden Sie nicht?

Bestehen Sie also darauf, dass eine vollständiges Schilddrüsendiagnostik abgenommen wird. Diese besteht aus:

 

Wert Referenzbereich
Freies T4 oder Freies Thyroxin 0.8 – 2.0 ng/dl
Gesamt T3 0,9 – 1,8 ng/ml
Freies T3 oder Freies Trijodthyronin 0,2 – 0,4 ng/dl
Reverse T3 oder rT3 < 15 ng/dl
fT3 zu rT3 Quotient >2
TSH 0,1 – 2,5 mU/l
TPO Antikörper < 20 IU/ml

 

Sie sehen also, eine aussagekräftige Testung geht weit über die Bestimmung des TSH hinaus. Lassen Sie sich nicht mir diesem äußerst unspezifischen Wert abspeisen!

Autoimmunerkrankungen – wenn der Körper Freund und Feind nicht unterscheiden kann

Autoimmunerkrankungen sind chronisch entzündliche Prozesse, bei denen das Immunsystem körpereigene Gewebe angreift und zerstört. Weltweit sind derzeit ca. 5-8% der Bevölkerung von ungefähr 80-100 verschiedenen Autoimmunerkrankungen betroffen. Sie bilden nach Herz-Kreislauf- und Tumorerkrankungen die dritthäufigste Erkrankungsgruppe. Allerdings wurde in den letzten Jahren eine stetige Zunahme der Häufigkeit beobachtet (z.B. Diabetes mellitus Typ 1, Multiple Sklerose, Hashimoto Thyreoiditis).

Einige Fakten zu Autoimmunerkrankungen:

  • Die Symptome einer Autoimmunerkrankung können viele Organsysteme betreffen: Gehirn, Haut, Mund, Lungen, Nasennebenhöhlen, Schilddrüse Gelenke, Muskeln, Nebennieren und Verdauungstrakt.
  • Ein Patient geht im Durchschnitt zu 6 – 10 Ärzten bevor erkannt wird, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handeln könnte.
  • Es vergehen oft bis zu 5 Jahre bis die offizielle Diagnose einer Autoimmunerkrankung gestellt wird.
  • Menschen, die an einer Autoimmunerkrankung leiden, haben ein dreifach höheres Risiko weitere Autoimmunerkrankungen zu entwickeln.

Interessanterweise treten Autoimmunerkrankungen fast ausschließlich in Industrienationen auf. In Entwicklungsländern, wo es keine modernen Annehmlichkeiten wie fließendes Wasser, WCs, Waschmaschinen und sterile Hinterhöfe gibt, bekommen die Menschen diese Krankheiten nicht.

Bekannt ist auch, dass Kinder, die auf Bauernhöfen mit vielen Tieren aufwachsen, sehr viel weniger an diesen entzündlichen Erkrankungen leiden. Das Spielen im Dreck, dreckig (und glücklich) sein und Bakterien und Infektionen ausgesetzt zu sein, bringt unserem Immunsystem bei Freund von Feind zu unterscheiden.

Ich kann mich noch erinnern, dass während meines Medizinstudiums die Hashimoto Thyreoiditis diese exotische Krankheit war, die einige Menschen hatten, die man aber nur extrem selten sah. Heute habe ich fast täglich Patienten, die unter dieser Autoimmunerkrankung leiden. Wie kommt es zu diesem plötzlichen Anstieg?

Wie Autoimmunerkrankungen entstehen

Drei Faktoren müssen zusammentreffen, damit es zur Ausbildung einer Autoimmunerkrankung kommt:

  1. Genetische Veranlagung
  2. Trigger (häufig Umweltfaktoren wie Infektionen, Giftstoffe, Nahrungsmittelallergien u.a.)
  3. Leaky Gut.

Sehen wir uns diese drei Faktoren doch mal genauer an.

Faktor 1. Es gibt eine familiäre Häufung von Autoimmunerkrankungen, die darauf schließen lässt, dass das Auftreten dieser Erkrankungen durch gemeinsame genetische Faktoren beeinflusst wird. Dieses wurde in Zwillingsstudien nachgewiesen. Sie zeigten eine höhere Übereinstimmung für eineiige Zwillinge als für zweieiige Zwillinge auf. In einer großen Untersuchung wurde aufgezeigt, dass Patienten mit Multipler Sklerose (MS) oder Rheumatoider Arthritis (RA) wesentlich häufiger weitere Auto-immunerkrankungen aufwiesen (1,2). Die Konkordanzrate beträgt aber für die meisten Autoimmunerkrankungen nur 10 – 40 %. Das bedeutet, dass Umweltfaktoren eine weitaus größere Rolle spielen (3).

Faktor 2. Zu den Umweltfaktoren, die eine Autoimmunerkrankung auslösen können, gehören chemische Giftstoffe, Schwermetalle, Viren, Bakterien, Stress, Drogen und Medikamente. Hilfsstoffe wie Aluminiumhydroxid, das in Impfstoffen verwendet wird, können zum Beispiel Autoimmunerkrankungen wie das Shoenfeld Syndrom (4) oder eine Autoimmunhepatitis (Zerstörung von Leberzellen) (5) hervorrufen.

Auch infektiöse Stoffe wie Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten können Autoimmunerkrankungen auslösen. Dies geschieht durch Mechanismen wie „Molecular Mimicry“ (praktisch eine Verwechslung, wenn diese Stoffe Körpergewebe ähneln), Dysregulation der Immunhomöostase durch chronische Entzündungen, Verbleiben von Viren im Körper oder Aktivierung des angeborenen Immunsystems. Wichtig ist dabei, dass wahrscheinlich nicht eine Erkrankung allein für die Ausbildung einer Autoimmunerkrankung verantwortlich ist, sondern es mehr auf die Krankheitslast an Infektionskrankheiten von Kindheit an ankommt, die dann zur Autoimmunerkrankung führen (6).

Das Epstein-Barr-Virus (EBV) ist so ein infektiöser Stoff, der zu systemischen Autoimmunerkrankungen (diese betreffen den ganzen Körper, nicht nur ein Organ) wie Systemischem Lupus Erythematosus (SLE), RA, Sjögrens Syndrom und Mischkollagenosen (eine Erkrankung, die einen SLE und eine RA beinhaltet) führt.

Faktor 3. Alessio Fasano veröffentlichte 2012 in Clinical Reviews in Allergy and Immunology eine Studie, die aufzeigte, dass ein Leaky Gut eine Vorbedingung für die Ausbildung von Autoimmunerkrankungen ist (7). Diese Sichtweise wird inzwischen auch von anderen Forschern und Klinikern unterstützt. Der Leaky Gut als Auslöser kann viele Autoimmunerkrankungen ursächlich erklären.

Normalerweise sorgt die Darmschleimhaut dafür, dass nur bestimmte Stoffe in den Blutstrom geraten. Haben Sie aber einen Leaky Gut, so sind die Poren in der Darmwand größer, und es gelangen nur teilweise verdaute Nahrungsbestandteile sowie andere Stoffe in den Blutkreislauf, die dort eigentlich nicht hingehören. Diese werden von Ihrem Immunsystem ganz rechtmäßig angegriffen (dazu ist es schließlich da). Wenn aber diese fremden Eindringlinge Ihren eigenen Körperzellen ähnlich sehen (das ist zum Beispiel bei Gluten und Schilddrüsenzellen der Fall), dann kommt es zur oben beschriebenen Molecular Mimicry, und Ihr Immunsystem greift auf einmal zum Beispiel Ihre Schilddrüse an. Die Folge? Ihr Arzt stellt die Diagnose einer Hashimoto Thyreoiditis. Gluten ist einer der Hauptauslöser für einen Leaky Gut, weshalb Patienten mit einer Autoimmunerkrankung unbedingt eine glutenfreie Ernährung (allerdings ohne glutenfreie Fertigprodukte) einhalten sollten.

Sie haben eine Autoimmunerkrankung – und nun?

Wenn Sie bis hier gekommen sind, sollte es Ihnen inzwischen klar sein, dass eine Autoimmunerkrankung nicht einfach so geschieht, weil Ihr Immunsystem gerade nichts besseres zu tun hat. Es sollte auch klar sein, dass die Therapie nicht darin bestehen kann, das Immunsystem einfach ruhig zu stellen (wie es zum Beispiel im Fall der Rheumatoiden Arthritis gemacht wird), denn es macht schließlich genau das, was es soll. Es schützt Ihren Körper vor Eindringlingen. Dass es dabei Freunde niedermäht, müssen Sie sich vielleicht mal so vorstellen:

Ihr Immunsystem ist der Secret Service, der den Präsidenten (Sie) beschützen soll. Viele Splittergruppen versuchen ihn anzugreifen (Gluten, Schwermetalle, Bakterien u.a.). Der Secret Service ist also sehr nervös und schreckhaft, und die Agenten sagen sich, bevor unserem Präsidenten etwas zustößt, ist das kleinere Übel wahrscheinlich, dass wir einen gewissen Kollateralschaden an Zivilisten (Ihre Organe) in Kauf nehmen. Um den Secret Service davon abzuhalten, im Eifer des Gefechts einmal zu viel zu schießen, wäre es natürlich günstiger, die Angreifer gar nicht erst in die Nähe des Präsidenten zu lassen (dann sind alle gelassener und weniger schießwütig).

Und genau um diesen Status zu erreichen – dass die Eindringlinge vor der Tür bleiben – ist die wichtigste Aufgabe für Patienten mit einer Autoimmunerkrankung, ihren Darm zu heilen. Die Löcher in der Darmwand müssen repariert werden, damit die Eindringlinge nicht in Ihrem Blutstrom, sondern in der Toilettenschüssel landen. Nur so ist eine ursächliche Behandlung möglich, die im Endeffekt immer effektiver sein wird als das medikamentöse Pflaster, das Sie von Ihrem Arzt erhalten.

Dazu kommt natürlich auch eine Expositionsprophylaxe, das heißt, die Ursache für den Leaky Gut muss abgestellt werden. Dies bedeutet in den meisten Fällen ein bisschen Detektivarbeit. Aber die Mühe lohnt sich. Nicht nur, damit Sie Ihre schon bestehende Erkrankung zum Stillstand bringen oder im günstigsten Fall sogar heilen können, sondern auch damit Sie weitere Autoimmunerkrankungen gar nicht erst bekommen.

 

 

(1)Lin J-P, Cash JM, Doyle SZ, et al. Familial clustering of rheumatoid arthritis with other autoimmune diseases. Human Genetics. 1998;103(4):475–482. [PubMed]

(2)Broadley SA, Deans J, Sawcer SJ, Clayton D, Compston DAS. Autoimmune disease in first-degree relatives of patients with multiple sclerosis. A UK survey. Brain. 2000;123(6):1102–1111. [PubMed]

(3)Salvetti M, Ristori G, Bomprezzi R, Pozzilli P, Leslie RDG. Twins: mirrors of the immune system. Immunology Today. 2000;21(7):342–347. [PubMed]

(4)Vera-Lastra O, Medina G, Cruz-Dominguez MDP, et al. Human adjuvant disease induced by foreign substances: a new model of ASIA (Shoenfeld’s syndrome) Lupus. 2012;21(2):128–135. [PubMed]

(5)Hamza H, Cao J, Li X, Li C, Zhu M, Zhao S. Hepatitis B vaccine induces apoptotic death in Hepa1-6 cells. Apoptosis. 2012;17:516–527. [PubMed]

(6)Kivity S, Agmon-Levin N, Blank M, Shoenfeld Y Trends Immunol. 2009 Aug; 30(8):409-14.[PubMed

(7)Leaky Gut and Autoimmune Diseases Clin Rev Allergy Immunol. 2012 Feb;42(1):71-8. doi: 10.1007/s12016-011-8291-x.  ⌊PubMed