4 Ursachen warum Ihre guten Darmbakterien geschädigt werden können

Irgendwie haben wir ja schon immer so ein Bauchgefühl gehabt, dass unser Darm wohl ein ganz besonderes Organ ist. Und tatsächlich ist der Darm, bzw. seine Bewohner – das sogenannte Darmmikrobiom ein ganz heißes Forschungsgebiet.

Viele Menschen sind immer noch der Ansicht, dass Bakterien etwas Ekliges sind, das unbedingt bekämpft werden muss (sehen Sie sich nur mal die Reinigungsbomben in Ihrem Drogeriemarkt an). Aber bei Wissenschaftlern setzt sich inzwischen die Erkenntnis durch, dass diese kleinen Lebewesen für uns extrem wichtig sind und wir uns mit ihnen besser auf sehr guten Fuß stellen sollten.

Diese wuselige Gemeinschaft besteht aus Billionen Mikroben wie Bakterien, Viren und Pilzen. Sie bilden das gastrointestinale Ökosystem, das das Darmmikrobiom (oder einfach Mikrobiom) genannt wird. Im engeren Sinn wird hierdurch die Gesamtheit aller mikrobiellen Gene bzw. Genome (DNA) im menschlichen Organismus bezeichnet und vom Begriff der Mikrobiota unterschieden, die die Gesamtheit aller Mikroorganismen beschreibt.

Das Mikrobiom ist praktisch der Gegenpart zu unserem Genom. Es gibt in unserem Körper 100 mal mehr Bakteriengene als menschliche Gene. Vielleicht denken Sie einmal daran, wenn Sie das nächste Mal wieder die chemische Keule gegen diese wiederlichen Bakterien einsetzen wollen.

Den meisten Leuten ist nicht bewusst, dass zum Beispiel die „Schmetterlinge im Bauch“ eine sehr reale Ursache im Wirken unseres Mikrobioms haben. Tatsächlich ist für Ihre Gesundheit und Ihr allgemeines Wohlbefinden ein intaktes und gut funktionierendes Mikrobiom unumgänglich.

Die Balance Iherer Mikrobiota ist extrem wichtig und betrifft fast jedes System in Ihrem Körper (1). Ein Ungleichgewicht (Dysbiose) im Mikrobiom und den Mikrobiota wird mit vielen Erkrankungen in Verbindung gebracht:

  • Krebserkrankungen (2)
  • Autoimmunerkrankungen (3)
  • Allergien (4)
  • Depression (5)
  • Autismus (6)
  • Adipositas (7)
  • Alzheimer Demenz (8)
  • Verdauungsprobleme (Reflux, Reizdarm) (9)
  • Immunschwäche (10)

Was versteht man unter Dysbiose?

Ein „balanciertes“ Miktobiom bezeichnet eine optimale Zusammenarbeit der Mikroben untereinander, eine gute Funktion jedes Einzelnen und wie diese Prozesse auf Ihren Körper wirken. Im Allgeimeinen wird dies durch eine große Vielfalt in den Mikrobiota und eine optimale Anzahl der einzelnen Mikroben erreicht.

Wenn eine Mikrobenart stark zu oder abnimmt, gibt es Auswirkungen auf Ihre Gesundheit. Ein Zuviel an Hefen kann zu einer Pilzüberwucherung führen. Auf der anderen Seite, kann ein Mangel an Hefen Auswirkungen auf andere Bakterien haben, die sich von Hefen ernähren. So kann es zu einem Enzymmangel kommen oder Nährstoffe werden nicht mehr richtig aufgenommen.

Das Mikrobiom ist ein sehr empfindliches Ökosystem, und so überrascht es nicht, dass eine Dysbiose sehr schnell ausgelöst werden kann. So wurde zum Beispiel im Tierversuch gezeigt, dass eine fett- und zuckerhaltige Ernährung (also genau die, die Menschen in der westlichen Welt haben) die Struktur des Mikrobioms innerhalb eines Tages verändern kann (11).

Es ist immens wichtig, dass wir uns klar machen, welchen Schaden wir anrichten können, wenn wir den falschen Lebensstil verfolgen. Auf der anderen Seite ist es positiv zu wissen, dass angerichteter Schaden rückgängig gemacht werden kann (und auch das geht teilweise sehr schnell).

Wodurch kommt es zur Dysbiose?

Verwendung von Sucralose

Künstliche Süßstoffe sind immer wieder Grund für Diskussionen. Die einen sind begeistert, weil Sie Kalorien sparen können, die anderen (so wie ich) halten sie für absoluten Mist, weil sie extrem schädlich für die Gesundheit sind.

Ich möchte hier Sucralose (Splenda) beleuchten. Bisher war ich immer der Meinung, dass wir Sucralose nur in verarbeiteten Lebensmitteln finden, aber tatsächlich kann man sie bei Amazon auch als Streusüße kaufen. Sucralose wird als „natürlicher“ Zuckerersatz beworben, da sie aus richtigem Zucker hergestellt wird.

Bei der Herstellung von Sucralose werden OH-Gruppen von Sucrose (Zucker) in einem ganz „natürlichen“ Verfahren durch Chlor ersetzt (12). Das haben Sie jetzt richtig verstanden. Sie essen damit Chlor – ein Zellgift. Wow!

Aber Sucralose enthält nicht nur Chlor, sondern auch noch andere schädliche Chemikalien, die verhindern sollen, dass sich die Chlormoleküle vom Zuckermolekül lösen. Diese Chemikalien stehen nicht auf der Zutatenliste, weil sie eine zu geringe Konzentration haben als dass sie deklarationspflichtig wären. Es handelt sich um (13):

  • Aceton
  • Essigsäure
  • Acetylalkohol
  • Ammoniumchlorid
  • Benzol
  • Ethylalkohol
  • Formaldehyd
  • Chlorwasserstoff
  • Lithiumchlorid
  • Methanol
  • Schwefelsäuredichlorid.

Die chemische Formel von Splenda ist 1,6-dichloro-1, 6-dideoxy-BETA-D-fructofuranosyl-4-chloro-4-deoxy-alpha-D-galactopyranoside. Glauben Sie, dass Ihre Darmbakterien wissen, was sie damit anstellen sollen?

In einer Rattenstudie wurden 2008 deutliche negative Effekte durch den Konsum von Sucralose nachgewiesen (14). Es kam zu einer Reduktion der „guten“ Mikrobiota, die auch nach einer Erholungszeit von 12 Wochen fortbestand. Außerdem kam es zur vermehrten Expression von Enzymen, die die Bioverfügbarkeit von oral aufgenommenen Medikamenten vermindern.

Alkoholkonsum

Natürlich wissen die meisten Menschen, dass Alkohol nicht gerade gesund ist – auch wenn gerne ins Feld geführt wird, dass Rotwein gut fürs Herz ist. Das lassen wir jetzt mal dahingestellt sein (die Mengen Rotwein, die Sie trinken müssten, um eine ausreichende Menge Resveratrol aufzunehmen, ist beträchtlich), aber ganz klar ist, dass Alkohol Ihr Darmmikrobiom schädigt. Er führt zu Schleimhautschäden, quantitativen und qualitativen Änderungen der Darmflora (SIBO und Dysbiose) und vermehrter intestinaler Permeabilität (Leaky Gut), was zu einer Translokation von Bakterienendotoxinen in den Blutstrom der Portalvene (Lebervene) führt (15). Es wird vermutet, dass dieser Mechanismus für die durch Alkoholkonsum auftretenden Leberschäden mitverantwortlich sein könnte.

Eine Studie aus dem Jahr 2009, die sich mit den Auswirkungen von Alkohol auf Mikrobiota beschäftigte, fand eine signifikante Dysbiose bei Ratten, die mit Alkohol gefüttert wurden. Diese Dysbiose konnte durch Zuführung eines Probiotikums (in diesem Fall Lactobacillus rhamnosus) verhindert werden (16). Umgekehrt war die Menge an Lactobacillus im Darm von Personen mit alkoholinduzierten Lebererkrankungen deutlich vermindert (15).

Alkoholkonsum und SIBO

Schon ein mäßiger Alkoholkonsum kann zu einer Erkrankung führen, die als SIBO bezeichnet wird (17) (Small Intestinal Bacterial Overgrowth). Ein mäßiger Alkoholkonsum ist definiert als:

  • Nicht mehr als zwei alkoholische Getränke für Männer (≅ 24 g Alkohol)
  • Nicht mehr als ein alkoholisches Getränk für Frauen (≅ 12 g Alkohol)
  • Ein alkoholisches Getränk ≅ 300 ml Bier, 150 ml Wein oder 40 ml Spirituosen.

Normalerweise befindet sich der Großteil der Bakterien im Dickdarm und nur sehr wenige siedeln sich im Dünndarm an. Kommt es zu einer bakteriellen Überwucherung des Dünndarms (SIBO), so ist eine Folge davon, dass Nährstoffe, die Ihr Körper eigentlich im Dickdarm aufnehmen sollte, schon von den Bakterien im Dünndarm konsumiert werden, wodurch es dann zu einem Nährstoffmangel kommt. Weitere Symptome sind Flatulenz (Furzen), Blähungen und Bauchkrämpfe.

Mittels H2-Atemtest konnten die Forscher nachweisen, dass ein Großteil der 200 untersuchten Probanden ein positives Testergebnis für das Vorhandensein von SIBO hatten. 95 % der Probanden klassifizierten ihren Alkoholkonsum als leicht bis mäßig. Dies legt nahe, dass schon ein geringer Alkoholkonsum ausreichen kann, eine signifikante Dysbiose auszulösen. Bedinklich ist also nicht nur – wie bisher angenommen – ein hoher Alkoholkonsum.

Und die Moral von der Geschicht‘ (die Takeaway-Message): Wenn Sie Probleme mit Ihrem Darm haben, sollten Sie auch geringe Mengen Alkohol meiden. Außerdem empfiehlt es sich, die Dysbiose mit einer Nahrungsumstellung (Zucker!!!) und dem Einsatz eines Probiotikums zu behandeln.

Schlechte Ernährung

In gewissem Sinne haben die ersten beiden Punkte es natürlich schon angesprochen, aber nochmal ganz ausdrücklich: Eine schlechte Ernährung ist die Hauptursache für eine Dysbiose.

Und vergessen Sie, was Ihnen Ärzte, Ernährungsberater und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung über gesundes Essen erzählen, denn da landen Sie wieder bei Kohlenhydraten und Raps- oder noch besser Sojaöl.

Schlechte Ernährung bedeutet:

  • Zu viel Zucker und ungesunde Fette
  • Zu viele Kohlenhydrate (inklusive Vollkornbrot und Kartoffeln)
  • Zu wenig entzündungshemmende Nahrungsmittel wie vor allem grünes Blattgemüse, aber auch andere nicht stärkehaltigen Gemüse
  • Verarbeitete Lebensmittel, die Konservierungsstoffe, Chemikalien, Pestizide und Antibiotika enthalten
  • Zu wenig fermentierte Nahrungsmittel, die gesunde Probiotika enthalten (und damit meine ich nicht die süßen schlesischen Gurken in Essig, die Sie im Supermarkt finden) (18)
  • Zu wenig Präbiotika (Stoffe, die die „guten Darmbakterien“ ernähren). Präbiotika sind in vielen pflanzlichen Lebensmitteln enthalten. Meistens handelt es sich dabei um gewisse nicht verdauliche Kohlenhydrate, wie z. B. Inulin. Inulin kommt in großen Mengen beispielsweise in Topinambur, Pastinaken, Chicoree, Artischocken, Schwarzwurzeln oder auch in Löwenzahnwurzeln vor.

Antibiotika

Mit dem neuen Verständnis, das Sie hoffentlich inzwischen für Ihre Darmbakterien haben, muss es Ihnen klar sein, dass Antibiotika den Super-GAU für Ihr Mikrobiom darstellen (19). Sie konkurrieren mit schlechter Ernährung um den Titel Hauptverursacher für eine Dysbiose.

Antibiotika werden insgesamt einfach zu häufig eingesetzt. Nicht nur, dass sie oft auch bei viralen Infektionen verschrieben werden (obwohl sie gegen Viren nicht wirken), Sie bekommen sie prophylaktisch (vorsorglich) bei Operationen und nicht zu vergessen, Sie haben sie täglich auf Ihrem Teller

Nach Angaben der Paul-Ehrlich-Gesellschaft haben deutsche Bauern im Jahr 2012 ihren Tieren mehr als 1600 Tonnen Antibiotika gegeben. Menschen dagegen verbrauchten im gleichen Zeitraum nur 700 Tonnen Antibiotika (20).

Ihre tägliche Dosis Antibiotikum hat auf Ihr Mikrobiom verheerende Auswirkungen. Antibiotika unterscheiden nicht zwischen „guten“ und „schlechten“ Bakterien, sie töten wahllos einfach alles ab. So kommt es dazu, dass Ihr Darm nach Abtötung der „guten“ Bakterien von anderen Mikroorganismen überwuchert werden – kann inklusive resistenter Keime (und mit denen haben wir es ja immer mehr zu tun).

Sicherlich haben Sie schon gehört, dass es nach Anwendung eines Antibiotikums häufig zu Pilzüberwucherungen kommt (21). Auch für Pilze gilt: Die richtige Menge brauchen wir, aber zu viele machen uns krank.

4 Strategien, um Ihr Mikrobiom während einer Antibiotika-Therapie zu schützen

Sollten Sie tatsächlich ein Antibiotikum einnehmen müssen, so stellen Sie sicher, dass Ihr Mikrobiom so wenig Schaden nimmt wie möglich. Wie tun Sie das?

  • Nehmen Sie schon während – aber auch noch nach der Therapie mit einem Antibiotikum zusätzlich Probiotika. Diese müssen Sie immer in der Mitte eines Dosierungsintervalls nehmen, weil sie sonst natürlich sofort abgetötet werden. Wenn Sie also das Antibiotikum zum Beispiel morgens und abends einnehmen, dann nehmen Sie das Probiotikum mittags.
  • Verzehr von fermentierten Nahrungsmitteln (Sauerkraut, Kimchi, qualitativ hochwertiger Kefir) versorgt Sie mit hunderten verschiedenen Bakterienstämmen. Achten Sie darauf, dass die Nahrungsmittel nicht erhitzt wurden, ansonsten sind die Bakterien tot.
  • Reduzieren Sie Ihren Alkoholkonsum, oder verzichten Sie am besten eine Weile ganz auf Alkohol.
  • Stellen Sie Ihre Ernährung um. Essen Sie viel Gemüse und schmeißen Sie verarbeitete Lebensmittel (oder sagen wir besser: essbare Dinge) aus Ihrem Ernährungsplan. Vermeiden Sie vor allem Zucker, weil dieser zusätzlich eine Pilzüberwucherung unterstützt (Hefen lieben Zucker!).

Übrigens sollten Sie diese Tipps nicht nur bei einer Therapie mit einem Antibiotikum anwenden. Auch in der übrigen Zeit, weiß Ihr Mikrobiom eine wirklich gesunde Ernährung unbedingt zu schätzen. Und wenn es Ihrem Mikrobiom gut geht, dann geht es Ihnen auch gut.

 

(1) What is the gut microbiota? What is the human microbiome?  http://www.medicalnewstoday.com/articles/307998.php

(2) Cancer and the gut microbiota: An unexpected linkhttp://stm.sciencemag.org/content/7/271/271ps1

(3) Any role for probiotics in the therapy or prevention of autoimmune diseases? Up-to-date review. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23921494

(4) Allergy and the gastrointestinal system. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2515351/

(5) https://www.nytimes.com/2015/06/28/magazine/can-the-bacteria-in-your-gut-explain-your-mood.html?_r=0

(6) The gut-brain axis: interactions between enteric microbiota, central and enteric nervous systems. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4367209/

(7) https://www.scientificamerican.com/article/how-gut-bacteria-help-make-us-fat-and-thin/

(8) Alzheimer’s Disease Histological and Behavioral Manifestations in Transgenic Mice Correlate with Specific Gut Microbiome State. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27911317

(9) Gut health‘: a new objective in medicine?  https://bmcmedicine.biomedcentral.com/articles/10.1186/1741-7015-9-24

(10) Probiotics as efficient immunopotentiators: Translational role in cancer prevention. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3928711/

(11) The Effect of Diet on the Human Gut Microbiome: A Metagenomic Analysis in Humanized Gnotobiotic Mice. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2894525/

(12) http://sucralose.org/your-questions-answered/

(13) http://www.janethull.com/newsletter/0209/weird_science_how_splenda_was_discovered.php

(14) Splenda alters gut microflora and increases intestinal p-glycoprotein and cytochrome p-450 in male rats. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18800291

(15) Alcohol and gut microbiota – the possible role of gut microbiota modulation in the treatment of alcoholic liver disease. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25809237

(16) Lactobacillus GG treatment ameliorates alcohol-induced intestinal oxidative stress, gut leakiness, and liver injury in a rat model of alcoholic steatohepatitis.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19251117

(17) Moderate alcohol consumption is associated with small intestinal bacterial overgrowth. https://www.sciencedaily.com/releases/2011/10/111031114949.htm

(18) Probiotics in man and animals. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2666378

(19) The pervasive effects of an antibiotic on the human gut microbiota, as revealed by deep 16S rRNA sequencing. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19018661

(20) Antibiotikaverbrauch und die Verbreitung von Antibiotikaresistenzen in der Human- und Veterinärmedizin in Deutschland. http://www.p-e-g.org/econtext/germap

(21) Antibiotics Cause Health Problems and Candida Overgrowth. http://www.naturalnews.com/027198_candida_antibiotics_health.html

 

1×1 der gesunden Ernährung

„Lass die Nahrung deine Medizin sein und Medizin deine Nahrung“  (Hippokrates)

Es gibt viele Ansichten wie eine gesunde Ernährung auszusehen hat. In letzter Zeit wird uns immer häufiger erzählt, dass Vegetarier oder sogar Veganer sich gesund ernähren. Verzichten sie doch auf das ach so krebserregende rote Fleisch. Andere Leute wollen uns weismachen, dass eine Ernährung, die aus vielen kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln besteht (also Vollkornbrot, Kartoffeln, Nudeln u.ä.) und wenig Fett enthält zu einer gesunden Lebensweise gehört. Das beste Beispiel hierfür ist ein „gesundes“ Frühstück bestehend aus

  • Vollkornbrot
  • fettarmem Aufschnitt oder Marmelade
  • Früchten
  • Vollkornmüsli mit fettarmer Milch oder fettarmem Joghurt
  • Orangensaft.

Was dieses Frühstück enthält, ist vor allem eine Menge Zucker – sowohl versteckter als auch ganz offensichtlicher. Den wenigsten Menschen (und da sind Ärzte durchaus mit eingeschlossen) ist klar, dass ein Glas Orangensaft mehr Zucker enthält als eine Cola. Und unseren Körper interessiert erst in zweiter Linie, dass der Orangensaft außerdem noch Mineralien und Vitamine enthält. Zunächst reagiert er mit einem ordentlichen Insulinanstieg. Der fettarme Aufschnitt (der dafür aber sicherlich Nitrit enthält) ist tatsächlich bei diesem Beispielsfrühstück das Einzige, das den Blutzuckerspiegel nicht in die Höhe jagt.

Und was passiert, wenn wir mit diesem Überangebot an Zucker unsere Bauchspeicheldrüse (die das Insulin produziert) zu Höchstleistungen antreiben? Sie pumpt eine Menge Insulin in den Blutstrom, um den Zucker zu entfernen (häufig wird dieser dann in Form von Triglyceriden in Fettzellen gespeichert).

Ist der Zucker verräumt und unsere Körperzellen merken, dass sie aber nicht genug Energie haben (denn die befindet sich ja jetzt in den Fettzellen), dann kommt die nächste Hungerattacke. In der Regel tritt diese zwei Stunden nach dem letzten Essen auf. Der Mensch reagiert darauf mit einem Snack (selbstverständlich auch kohlenhydratreich, weil Fett ja fett macht) und die Blutzuckerachterbahn geht wieder los. Ein wirklich teuflischer Kreislauf.

Was aber erwartet unser Körper eigentlich?

 

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Unser Körper erwartet eine Ernährung, die vor allem auch gesunde Fette enthält und nicht zu einem Großteil aus Kohlenhydraten besteht. Im Laufe unserer Menschheitsgeschichte hat es niemals Zeiten gegeben, in denen soviel Zucker gegessen wurde wie heutzutage.

Der Durchschnittsdeutsche konsumiert 36 kg freien Zucker (d.h. der Nahrung zugesetzten Zucker zusätzlich zu bereits in der Nahrung enthaltenem Zucker) (1). Nach neuesten WHO Empfehlungen sollte der freie Zuckeranteil bei weniger als 5 % der Gesamtkalorien (2) liegen. Na dann, Goodbye Müsli, Ketchup, Salatsaucen eigentlich sämtliche industriell gefertigte Nahrung.

Und das ist genau der Knackpunkt. Man kann über die Paleo-Diät denken, was man will, aber das Grundprinzip besteht darin, dass nur Nahrungsmittel konsumiert werden, die man jagen oder sammeln kann (und das Sammeln im Supermarkt zählt nicht dazu). Gibt es einen Snickersbaum? Eben!

Gesunde Ernährung heißt einfach Back to the Roots. Wir müssen uns klar machen, dass sich unsere Ernährungsweise zunächst mit Einführung des Ackerbaus (und der hat schon seine Probleme gebracht) und dann mit der Industrialisierung ganz erheblich verändert hat. Noch unsere Großmütter haben den weitaus größten Teil der Nahrungsmittel selbst zubereitet. Es wurden frische Zutaten gekauft und diese (OMG) SELBST gekocht! Und das nicht etwa in der Mikrowelle!

Fleisch wurde gegessen, aber nun wirklich nicht jeden Tag (ich erinnere hier nur an den Sonntagsbraten), und die Soße zum Braten kam nicht aus der Tüte (versetzt mit Glutamat und – Sie ahnen es – Zucker), sondern aus dem Braten selbst.

Jetzt höre ich schon die ersten stöhnen, ich kann aber gar nicht kochen. Auch dafür gibt es eine Lösung, die heißt chefkoch.de. Überraschung: Kochen kann man lernen. Und man muss auch nicht stundenlang in der Küche stehen, bis das Essen auf den Tisch kommt.

Es ist z. B. zweckmäßig, mehr zu kochen, als man für ein Essen benötigt und die Reste für ein weiteres Essen zu verwenden. Im Gegensatz zu unseren Vorfahren haben wir ja auch die Möglichkeiten moderner Technik, d.h. wir können Essen einfach einfrieren und später nur noch erwärmen (aber bitte nicht in der Mikrowelle).

Zusammengefasst besteht gesunde Ernährung also aus natürlich vorkommenden, nicht industriell bearbeiteten Lebensmitteln (und nein, es gibt auch keinen Mehlbaum). Dazu gehören vor allem Gemüse (soviel sie essen können), Obst (nicht zuviel und nicht unbedingt die süßesten Sorten, aber vor allem nicht als Fruchtsaft ohne Fruchtfleisch), Fleisch, Fisch, Nüsse und Samen. Ob Milchprodukte zu einer gesunden Ernährung gehören, muss individuell entschieden werden. Außer den Menschen mit offensichtlicher Laktoseintoleranz (diese kann in bestimmten Gegenden bis zu 75 % der Bevölkerung betreffen), gibt es auch viele Menschen, die die Milchproteine Casein und Molke nicht vertragen. D. h. im einzelnen Fall einfach ausprobieren.

Der Goldstandard ist hierbei eine Eliminationsdiät von 30 Tagen (in diesen 30 Tagen wird auf Milch und Milchprodukte in jeglicher Form verzichtet) und dann einer schrittweisen Wiedereinführung (am besten beginnend mit Joghurt). Treten dann Symptome auf wie Blähungen, Müdigkeit, verstopfte Nase, häufiges Räuspern, Hautreaktionen (auch Akne), dann ist das ein sicheres Zeichen, dass Milchkonsum für den betreffenden Menschen keine gute Idee ist.

Gleiches gilt übrigens auch für den Verzehr von Getreide. Allerdings ist hier zu berücksichtigen, dass Getreide – und vor allem moderner Weizen – nicht nur aufgrund des Glutengehalts problematisch ist, sondern auch wie oben angemerkt aufgrund des Kohlenhydratanteils, der zu Spitzen im Insulinspiegel führt. Und das ganze für ein Lebensmittel, das so weit industriell verändert worden ist, dass es sämtlicher Nährstoffe beraubt wurde, die es einmal besessen hat. Im Gegenteil – raffiniertem Mehl müssen Vitamine zugesetzt werden, damit es beim Verbraucher nicht zu Mangelerscheinungen kommt. Fazit: Das kann die Natur mit ihrer Fülle an Nahrungsmitteln deutlich besser.

 

Ref.

(1)http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/zucker-who-empfiehlt-nicht-mehr-als-sechs-teeloeffel-pro-tag-a-1021798.html

(2) http://apps.who.int/iris/bitstream/10665/149782/1/9789241549028_eng.pdf?ua=1