9 „gesunde“ Lebensmittel, die absolut ungesund sind

Gesunde Lebensmittel, OrangensaftDie meisten Leute, die ich treffe, sind überzeugt davon, dass sie sich gesund ernähren. Zucker isst sowieso niemand (komisch, dass so viele Leute zu dick sind) und auch sonst so – eigentlich ist alles, was sie essen, sehr gesund. Fragt man dann ein bisschen weiter nach, stellt sich sehr schnell heraus, dass die „gesunden“ Nahrungsmittel, die die Leute essen, für die Gesundheit tatsächlich schädlich sind.

Und ich mache ihnen da auch gar keine Vorwürfe. Durch die Medien und die Werbung mit Schlagworten wie „Bio“, „Natürlich“ und „Ohne Zuckerzusatz“ kann man sehr schnell verwirrt sein. Und nur damit Sie es wissen, keiner dieser Begriffe bedeutet, dass diese Produkte tatsächlich gesund sind.

„Gesunde“ Lebensmittel, die alles andere als gesund sind

1. Sojaprotein

Was auch immer Sie gehört haben, Soja – jedenfalls unfermentierte Sojabohnen – sind nicht gesund! Der Verzehr von Sojamilch, Edamame oder Sojaprotein (z. B. auch in Almased) unterscheidet sich gravierend von Miso, Natto, Tempeh oder Tamari (alles fermentierte Sojaprodukte).

Mit Pech enthält das von Ihnen gekaufte Sojaprodukt keine Sojabohnen aus EU-Mitgliedsstaaten. Dann kann es Ihnen passieren, dass Sie genmanipuliertes Soja bekommen, dass so modifiziert wurde, dass es Insekten „auf natürliche Weise“ abwehrt (LOL!).

Außerdem besitzen die meisten Leute nicht die Enzyme, die sie zur Verdauung von unfermentiertem Soja benötigen. Dies führt zu Blähungen, Flatulenz (Furzen) und weiteren gastrointestinalen Problemen.

Und schließlich hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass der längerfristige Gebrauch von Sojaprotein gefährlich ist, weil es mit folgenden Auswirkungen auf den Körper in Zusammenhang gebracht wird:

  • Schlechtere kognitive Funktion (1)
  • Verminderte Spermienanzahl (2)
  • Senkung des Testosteronspiegels (3)
  • Gynäkomastie (Brustwachstum bei Männern) (4)
  • Blasenkrebs (5)
  • Schilddrüsenunterfunktion (6)
  • Brustkrebs (7)
     2. Fruchtsaft:

Ich weiß, das ist für die meisten Menschen ein absoluter Schock. Wie, der Orangensaft zum Frühstück ist nicht gesund? Das kann doch gar nicht sein, schließlich sollen wir doch mehr Früchte essen. Richtig – die Betonung liegt aber auf essen.

Zunächst einmal sind viele der Fruchtsäfte, die man so im Laden findet pasteurisiert worden. Und das bedeutet ganz einfach, dass sie keine Nährstoffe mehr enthalten und eigentlich völlig nutzlos sind. Bei der Pasteurisierung werden die Säfte erhitzt, um Bakterien abzutöten. Dies verändert aber auch wichtige Vitamine. Das Endprodukt ist einfach nur Zuckerwasser mit Geschmack.

Wenn Sie unbedingt Saft trinken müssen, dann machen Sie ihn zuhause frisch, und trinken Sie ihn nur ab und zu. Wenn Sie ihn ständig konsumieren, kann er für hohe Blutzuckerspitzen (mit allen dazugehörigen Problemen) sorgen.

Sehen Sie es mal so 240 ml Orangensaft entspricht vier großen Orangen. Diesen Saft trinken Sie innerhalb von Sekunden aus. Und dann überlegen Sie mal, wie lange Sie brauchen, um vier Orangen zu essen. Hinzu kommt, wenn Sie die Orangen essen, essen Sie auch die in ihnen enthaltenen Ballaststoffe, durch die der Blutzuckeranstieg dramatisch reduziert wird. Und dann stellt sich natürlich noch die Frage: Würden Sie vier große Orangen auf einmal essen, oder wären Sie nicht vorher schon satt. Sehen Sie.

Hier einige Dinge, die Sie überlegen sollten, bevor Sie Fruchtsäfte zu Ihren Grundnahrungsmitteln machen:

  • Früchte essen im Gegensatz zu Früchte trinken erhöht Ihren Blutzuckerspiegel (BZ) langsamer.
  • Wenn Ihr BZ in die Höhe schießt, fällt er auch genauso schnell wieder. Dies kann zu Erschöpfungszuständen führen und Heißhungerattacken (selbstverständlich auf etwas Süßes) auslösen.
  • Unser Körper ist auf diese Zuckermengen nicht eingestellt, und über längere Zeit führen sie zu Insulinresistenz (Vorläufer vom Typ II Diabetes)  und Gewichtszunahme.
  • Die im Fruchtsaft enthaltene Fructose (Fruchtzucker) führt zur Fettleber.
3. Fisch aus Aquakultur

Diesen sollten Sie unbedingt vermeiden. Selbst Lachs, der eigentlich sehr gesund ist, wird schädlich, wenn er in Aquakultur großgezogen wurde. Und warum ist das so?

Wie auch andere Tiere aus Massentierhaltung werden Fische ebenfalls mit gentechnisch verändertem Futter gefüttert. Die gemeinnützige Forschungsorganisation Environmental Working Group (EWG) erklärt dazu (8):

“ Sieben von zehn Lachsen aus Aquakultur, die in Supermärkten in Washington DC, San Francisco und Portland, Oregon gekauft wurden, waren mit polychlorierten Biphenylen (PCBs) in gesundheitlich bedenklichen Konzentrationen kontaminiert.“

Fische aus Aquakulturen:

  • Enthalten bis zu 40-mal mehr PCBs als andere Nahrungsmittel
  • Enthalten 16-mal wahrscheinlicher die Dioxin-ähnlichen PCBs als Fische aus Wildfang, 4-mal höher als Rindfleisch und 3,4-mal höher als andere Meerestiere.

Außerdem wurden folgende bekannten Nervengifte und Karzinogene (krebserregende Stoffe) in Fischen aus Aquakultur gefunden:

  • Dieldrin – ein verbotenes Pestizid.
  • Dioxine – Industrielle Nebenprodukte aus Müllentsorgungsanlagen.
  • Toxaphene – Seit 1982 verbotene Pestizide.

Wenn Sie jetzt sagen, dass das nicht besonders appetitlich klingt, haben Sie total Recht.

4. Margarine

Ist es nicht wahnsinnig, dass Margarine von vielen Leuten immer noch als gesundes Nahrungsmittel betrachtet wird? Viel gesünder als diese cholesterinhaltige Butter und ja rein pflanzlich. Aber was sollen Sie auch denken, wenn selbst die Mayo Klinik diesen Mythos verbreitet, und das in einem Beitrag, den man eigentlich nur in die Tonne treten möchte (9).

Wenn selbst das Time Magazine besser informiert ist als diese hochrangige Klinik, dann ist doch etwas ganz verquer gelaufen.

Ganz einfach gesagt: Margarine ist nicht gesund – Punkt. Der Grund sind gerade die in ihr enthaltenen mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die beim Erhitzen zu Transfetten mutieren. Und noch einmal, es gibt keinen Grund, vor Cholesterin in der Ernährung (und auch anderswo) Angst zu haben. Cholesterin führt nicht zum Herzinfarkt.

5. Pflanzenöle

Auch Pflanzenöle dürfen natürlich bei den sogenannten „gesunden“ Lebensmitteln nicht fehlen. Hier gelten die gleichen Bedenken, die ich schon bei der Margarine geäußert habe. Viele Pflanzenöle werden aus genetisch modifizierten Pflanzen (GMOs) hergestellt, so zum Beispiel Soja-, Raps-, Mais- und Baumwollsamenöl. In einigen Studien wurde gezeigt, dass GMOs als Kanzerogene wirken können (10). Das würde Monsanto natürlich bestreiten.

Außerdem können sowohl während des Herstellungsprozesses als auch später beim Erhitzen dieser Öle Transfette entstehen. Diese Transfette sind Ursache für eine ganze Reihe gesundheitlicher Probleme (11, 12):

  • Adipositas
  • Diabetes
  • Verdauungsstörungen
  • Hautreaktionen
  • Sehschwäche
  • Sterilität
  • Arteriosklerose
  • Geburtsdefekte
  • Niedriges Geburtsgewicht
  • Lernschwierigkeiten
  • Knochen- und Sehnenerkrankungen
  • Krebs
  • Herz-Kreislauferkrankungen
  • Schwächung des Immunsystems
  • Erhöhte Cholesterinwerte
  • Leberprobleme
  • Sexuelle Dysfunktion
  • Minderwuchs.

Wow, gesund sieht jawohl anders aus. Wenn Sie gesunde Fette konsumieren möchten, so empfehle ich Ihnen Kokosöl, Butter, Ghee oder Olivenöl (das allerdings nicht zum Kochen und Braten).

6. Künstliche Süßstoffe

Eigentlich sollte man denken, dass die Bezeichnung „künstlich“ den Leuten schon den Appetit verdirbt – das ist aber leider nicht so. Ist auch ganz einfach zu verstehen, denn sowohl die Ärzteschaft als auch viele Ernährungsberater fahren total auf das Zeug ab. Null Kalorien – Null Problemo! Super für alle, die gerne süße Dinge essen, aber einen Diabetes haben oder mit ihrem Gewicht kämpfen. Die Realität sieht allerdings ganz anders aus.

Wer noch keinen Diabetes hat, hat durch den Gebrauch von künstlichen Süßstoffen gute Aussichten einen entwickeln. Hierzu kommt es, weil die Süßstoffe zu einem Ungleichgewicht in der Darmflora führen (13). Und da ein gesunder Darm der Schlüsselpunkt für eine gute Gesundheit ist, verwundert es auch nicht, dass künstliche Süßstoffe zu einer Vielzahl anderer Gesundheitsprobleme führen (14):

  • Gewichtszunahme
  • Krampfanfälle
  • Hirntumore
  • Bluthochdruck
  • Allergien
  • Brustkrebs
  • Lymphome, Leukämien
  • Kopfschmerzen
  • Blasenkrebs

Wer also immer noch glaubt, dass die Diät Cola gesünder ist als die normale Cola, der sollte nochmal ganz scharf nachdenken.

7. Konventionelle Milch

Milch ist nicht von Haus aus ungesund, sondern wird durch den Herstellungsprozess zu einem ungesunden Nahrungsmittel gemacht. Das fängt schon mit dem Futter der Milchkühe an. Diese erhalten zum Großteil GMO Soja und Mais, was bei den Tieren zu Krankheiten führt und damit ihre Milch nicht gerade gesund macht.

Der zweite ganz große Faktor ist die Pasteurisierung und Homogenisierung der Milch. Es wird uns ja immer wieder erzählt, dass Rohmilch ganz gefährlich ist, weil sie tödliche Bakterien enthalten kann, und dass wir froh sein sollten, dass es so etwas Tolles wie die Pasteurisierung gibt, die uns vor diesen lebensbedrohlichen Infektionen schützen kann. Tatsache ist, dass die Kühe früher unter sehr unhygienischen Bedingungen gemolken wurden und häufig an Euterentzündungen litten. Dieses Problem wurde durch die Pasteurisierung abgeschafft. Die Rohmilch einer artgerecht gehaltenen Kuh, die unter hygienischen Bedingungen gemolken wird, enthält keine tödlichen Keime.

Die Pasteurisierung führt allerdings dazu, dass der Nährstoffgehalt der Milch deutlich verändert wird. Viele der in Rohmilch enthaltenen Enzyme sind hitzeempfindlich und werden einfach abgetötet (unter anderem auch die für die Lactoseverdauung notwendige Lactase), was dazu führt, dass Milch bei vielen Menschen zu Verdauungsproblemen führt.

Durch die Homogenisierung werden die Fettpartikel der Milch in kleinere Einheiten zerschlagen. Auch dieses Verfahren dient eher dem Produzenten. War es früher ein Qualitätsmerkmal der Milch, dass sich oben die Sahne absetzte, so passiert das durch die Homogenisierung nicht mehr. Man kann die Sahne also einfach abschöpfen und anderweitig verwerten (und natürlich nochmal extra Geld damit verdienen). Ist das schlimm? Nur wenn es Sie stört, dass die homogenisierten Fettpartikel dazu neigen an der Entstehung einer Arteriosklerose mitzuwirken (15).

Milch ist gesund, wenn es sich dabei um Rohmilch von artgerecht gehaltenen Kühen handelt. Und sie schmeckt zudem soviel besser als der Gegenpart aus dem Supermarkt. Sehen Sie sich mal um. Womöglich finden Sie einen Bauern, bei dem Sie Rohmilch kaufen können. Ansonsten haben Sie noch die Alternative wenigstens Käse und Joghurt aus Rohmilch zu kaufen. Und übrigens – da Rohmilch Lactase enthält, wird sie auch häufig von Menschen mit Lactoseintoleranz vertragen.

9. Smoothies

Smoothies sind ja zur Zeit der absolute Renner. Und durch sie wird es wirklich einfach die empfohlene Menge Obst und Gemüse zu sich zu nehmen. Oder etwa nicht?

Leider ist das nicht der Fall. Kein Zweifel, der gute Wille ist da. Aber wenn sich der Grünkohl Smoothie dann als ein Getränk entpuppt, das gerade mal 4 Prozent Grünkohl, dafür aber 60 Prozent (sehr süßes) Apfelsaftkonzentrat enthält, dann schießt die Vermarktung als „gesund“ doch weit über das Ziel hinaus.

Lassen Sie die industriell gefertigten Smoothies lieber im Supermarktregal stehen, und machen Sie sich zuhause einen wirklich gesunden Smoothie ohne Fruchtsaftzusatz dafür lieber mit Kokosmilch.

Und die Moral von der Geschicht‘:

Glauben Sie nicht alles, was Sie lesen – schon gar nicht wenn es sich um Produkte handelt, auf deren Verpackung Schlagwörter wie „fettarm“, „natürliche Zutaten“ und „ohne Zuckerzusatz“ stehen. Die Chancen stehen gut, dass diese Produkte für Ihre Gesundheit kein Gewinn sind.

 

(1) Loughborough University research finds tofu linked to poorer memory. http://www.lboro.ac.uk/service/publicity/news-releases/2008/104_tofu.html

(2) Soy food and isoflavone intake in relation to semen quality parameters among men from an infertility clinic. https://academic.oup.com/humrep/article-lookup/doi/10.1093/humrep/den243

(3) The Effects of Soy and Whey Protein Supplementation on Acute Hormonal Responses to Resistance Exercise in Men. http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/07315724.2013.770648

(4) An unusual case of gynecomastia associated with soy product consumption.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18558591

(5) Dietary Soy and Increased Risk of Bladder Cancer. http://cebp.aacrjournals.org/content/11/12/1674

(6) https://www.cambridge.org/core/journals/public-health-nutrition/article/association-between-soya-consumption-and-serum-thyroidstimulating-hormone-concentrations-in-the-adventist-health-study2/6363E77480EA431223E8ECB472D75AA0

(7) https://academic.oup.com/jnci/article/106/9/dju189/907784/The-Effects-of-Soy-Supplementation-on-Gene

(8) http://www.ewg.org/research/pcbs-farmed-salmon

(9) http://www.mayoclinic.org/healthy-lifestyle/nutrition-and-healthy-eating/expert-answers/butter-vs-margarine/faq-20058152

(10) http://responsibletechnology.org/monsanto-hid-evidence-of-roundup-and-cancer/

(11) http://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/high-blood-cholesterol/in-depth/trans-fat/art-20046114

(12) http://www.webmd.com/diet/features/trans-fats-science-and-risks#1

(13) Artificial sweeteners induce glucose intolerance by altering the gut microbiota. http://www.nature.com/nature/journal/v514/n7521/full/nature13793.html

(14) Sugar substitutes: Health controversy over perceived benefits. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3198517

(15) https://www.westonaprice.org/health-topics/know-your-fats/milk-homogenization-heart-disease/

(16) http://www.huffingtonpost.com/dr-jonny-bowden/debunking-the-blue-agave_b_450144.html

Was Sie über Nahrungsmittelunverträglichkeiten wissen müssen

Nahrungsmittelunverträglichkeiten, FischEs sollte inzwischen jedem klar sein, dass nicht Jedermann die gleichen Nahrungsmittel verträgt. Einige Reaktionen passieren sofort, bei anderen dauert es etwas länger, bis sie sich entwickeln. Kennn Sie sich mit Nahrungsmittel-unverträglichkeiten aus? Wenn nicht – kein Problem. Ich erkläre Ihnen, was diese Unverträglich-keiten auszeichnet und welche Nahrungsmittel hier die Hauptverdächtigen sind.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten und -allergien

„Des einen Brot, des anderen Tod“ wurde schon im 1. Jahrhundert vor Christus von Titus Lucretius Carus gesagt. Schon damals haben also wohl nicht alle Menschen das Gleiche gegessen.

Das Problem besteht eigentlich nicht in den Allergien. Diese treten sofort auf, und die meisten Menschen wissen, auf welche Nahrungsmittel sie allergisch reagieren. Häufig sind hier zum Beispiel Erdnuss- oder Fischeiweiß-Allergien. Es gibt aber auch Reaktionen, die nicht sofort sondern mit einer gewissen Latenz auftreten. Da wird es dann schon schwieriger herauszufinden, auf welches Nahrungsmittel Sie reagieren. Diese Art der Reaktion wird als Sensitivität, Unverträglichkeit oder eben auch als Allergie vom Spättyp bezeichnet.

Es ist immer wichtig, an Nahrungsmittelallergien zu denken, aber es ist auch wichtig zu wissen, dass nicht jede Unverträglichkeit eine Allergie ist. Die Laktoseintoleranz, das heißt die Schwierigkeit Milch und Milchprodukte zu verdauen ist hierfür ein Beispiel.

Eine Allergie kann definiert werden als chronische Kondition, die eine anormale Reaktion auf eigentlich harmlose Substanzen beinhaltet. Dabei kann es sich zum Beispiel um folgende Dinge handeln:

  • Hausstaub
  • Schimmel
  • Pollen
  • Nahrungsmittel

Im Gegensatz zu Nahrungsmittelunverträglichkeiten werden Nahrungsmittelallergien von IgE-Antikörpern vermittelt. Das bedeutet, dass Ihr Körper bei Kontakt mit einem Allergen (einem allergie-auslösenden Stoff) große Mengen eines Antikörpers mit Namen Immunglobulin E produziert. Diese IgE-Antikörper „bekämpfen“ den „Feind“ – die Nahrungsmittelallergene – indem sie Histamin und andere Substanzen freisetzen, die die Symptome einer allergischen Reaktion hervorrufen. Diese Reaktion tritt (sehr) schnell auf (teilweise innerhalb von Sekunden) und kann bis zum anaphylaktischen Schock gehen, der zum Tode führen kann, wenn er nicht rechtzeitig behandelt wird.

Unverträglichkeiten hingegen werden von anderen Immunglobulinen und ihren Untergruppen verursacht. Es handelt sich dabei um IgA, IgD und IgG. Außerdem können sie durch eine Reaktion der Darmflora auf einzelne Nahrungspartikel und/oder durch neurologische Antworten auf Nahrungsproteine ausgelöst werden.

Problematisch ist, dass Unverträglichkeiten zunächst vielleicht keinen auffälligen Effekt haben. Trotzdem sind sie sehr schädlich. Viele Menschen, die eine Glutenunverträglichkeit haben, die sich aber nicht als Zöliakie manifestiert, haben womöglich keine Symptome. Oder jedenfalls keine, die sie mit Gluten in Verbindung bringen würden (wie zum Beispiel eine Migräne) – sie haben aber trotzdem ein höheres Risiko an Darmkrebs zu erkranken, wenn sie regelmäßig Weizenprodukte essen (1).

Verspätet einsetzende Überempfindlichkeiten verursachen – wie der Name schon sagt – erst nach Stunden oder Tagen Symptome, aber können dann eben zu so unspezifische Erscheinungen wie Gelenkschmerzen, Müdigkeit, Hautprobleme und Verdauungsprobleme führen. Zu dem Zeitpunkt, an dem diese Symptome auftreten, ist es meist unmöglich eine Zuordnung zu einem bestimmten Nahrungsmittel zu treffen.

Meine Erfahrungen

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass der Verzicht auf Nahrungsmittel, auf die ich mit einer Unverträglichkeit reagiere, dazu geführt hat, dass ich eine Menge der daraus resultierenden Symptome nicht mehr habe. Hierzu gehören:

  • Migräne (und die war extrem heftig)
  • Schmerzen in den Sprunggelenken
  • Müdigkeit
  • Heißhungerattacken
  • Haarausfall.

Und ich kann Ihnen versichern, wäre ich nicht auf die Paleo Diät gestoßen, dann wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass diese Symptome auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten zurückzuführen waren. Schließlich traten sie ja nicht auf, wenn ich glutenhaltige Nahrungsmittel aß.

Und das ist genau die Antwort, die ich von den meisten Leuten bekomme. Ich habe keine Problem mit Gluten. Ich kann Brot essen und fühle mich wohl dabei. Warum sollte ich darauf wohl verzichten? Damit Sie herausfinden, ob Sie wirklich kein Problem haben – darum!

Und machen Sie sich nichts vor. Unverträglichkeit klingt zwar sehr viel netter als eine ausgewachsene Allergie, das bedeutet aber nicht, dass sie nicht große Probleme bereiten kann. Wenn Sie ein Verständnis dafür entwickeln, welche Nahrungsmittel Ihr Körper nicht so gut verträgt – ob Sie es nun wissen oder nicht – dann können Sie eine Strategie entwickeln wie Sie Ihren Körper unterstützen können, indem Sie diese Nahrungsmittel von Ihrem Speiseplan streichen.

Häufigkeit von Nahrungsmittelallergien

Circa 20 bis 45 Prozent der Bevölkerung vermuten, dass sie eine Nahrungsmittelallergie haben. Sicher diagnostizierte, echte Nahrungsmittelallergien treten im Erwachsenenalter jedoch nur in einer Häufigkeit von ungefähr zwei bis drei Prozent auf (2). Wir sprechen hier von richtigen Allergien, die ausgetestet wurden (mittels IgE). Nehmen wir aber doch mal nur zum Spaß an, dass die 20 – 45 Prozent vielleicht Recht haben und womöglich unter einer Nahrungsmittelunverträglichkeit leiden (die nämlich nicht ausgetestet wird).

Bei Kindern sind Nahrungsmittelallergien häufiger. Je nach Alter sind ca. 4 – 8 Prozent der Kinder betroffen. Im Laufe des Reifungsprozesses von Darm, Verdauungs- und Immunsystem verlieren mehr als 20 bis 50 Prozent der Kinder im weiteren Leben die Nahrungsmittelallergie.

Tatsächlich nehmen Nahrungsmittelallergien seit Jahren zu. Das stelle ich auch in der Klinik immer wieder fest. Eine klare Ursache dafür gibt es nicht. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Mischung aus Umwelteinflüssen, Essgewohnheiten und Toxinen.

Teenager und junge Erwachsene haben das höchste Risiko für das Auftreten von anaphylaktischen Reaktionen. Auch Personen, die zusätzlich unter Asthma leiden, müssen mit ernsteren Reaktionen rechnen.

 

Die häufigsten Nahrungsmittelallergene

Tatsächlich sind es gerade mal acht Nahrungsmittel, die für den Großteil der Allergien verantwortlich sind, und zwar:
  • Milch
  • Eier
  • Erdnüsse
  • Baumnüsse
  • Soja
  • Weizen
  • Fisch
  • Schalentiere.

Selbst minimale Mengen dieser Nahrungsmittel können eine Reaktion hervorrufen, die im schlimmsten Fall tödlich enden kann.

 

Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Gewichtszunahme

Wenn Sie ständig Nahrungsmittel konsumieren, die Sie eigentlich nicht vertragen, so verursacht das in Ihrem Körper eine chronische Entzündung (von der Art, die Sie nicht merken). Durch diese chronische Entzündung steigt Ihr Cortisonspiegel an, eine Insulinresistenz entsteht oder wird verstärkt und Ihr Körper geht in den „Speicher“ (= Überlebens) Modus.

Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang folgende Studie: Zwei Probandengruppen aßen genau die gleiche Anzahl Kalorien. Eine Gruppe wurde auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten untersucht und ließ die hierbei festgestellte Nahrungsmittel weg. Die andere Gruppe aß, was immer sie wollte (ohne Testung). Und Überraschung (oder eben auch nicht): Die Gruppe, die auf unverträgliche Nahrungsmittel verzichtete, nahm mehr ab (3).

Für alle, die Diät über Diät probieren und nichts klappt. Ist das nicht ein großartiger Ansatz? Auf diese Weise können Sie abnehmen, ohne lästige Kalorien zu zählen (was sowieso keinen Sinn macht). Sie finden heraus, ob und welche Unverträglichkeiten Sie haben und lassen diese Nahrungsmittel einfach weg. Hurra, einfach, aber nicht leicht. Es ist es aber sicher wert zu überdenken, ob die Sojamilch oder das Vollkornbrot in Ihrem Körper womöglich einen Schaden anrichten, von dem Sie überhaupt nichts ahnen (weil Sie den Zusammenhang nicht sehen).

Nahrungsmittelunverträglichkeiten und die Schilddrüse

Sollten Sie an Autoimmunkrankheiten der Schilddrüse leiden wie Hashimoto Thyreoiditis (Schilddrüsenentzündung) oder Morbus Basedow (Schilddrüsenüberfunktion), dann sollte unbedingt nach Nahrungsmittel-unverträglichkeiten gesucht werden (4). Und auch hier ist Gluten mal wieder ein Hauptverdächtiger. Und es hilft auch nicht gerade, dass das Glutenmolekül dem Schilddrüsengewebe sehr ähnlich sieht. Sie wissen schon, wenn die Bodyguards viele Angreifer abwehren müssen, dann kann es zu Kollateralschäden an völlig Unbeteiligten kommen.

Leider wissen die meisten Patienten mit Hashimoto über diesen Zusammenhang überhaupt nichts (und ihre Ärzte wohl auch nicht). Das ist bedenklich, da Menschen mit einer Autoimmunerkrankung ein höheres Risiko haben, weitere Autoimmunerkrankungen zu entwickeln, wenn die Ursache nicht abgestellt wird.

Kurz zusammengefasst: Nahrungsmittelallergien können im Verdauungstrakt (Hauptsitz des Immunsystems!) eine entzündliche Reaktion auslösen. Hierbei werden Substanzen wie Histamin und Cytokine ausgeschüttet, die im Verdauungstrakt gebildet werden und dann durch den Körper kreisen. Das ist auch der Grund dafür, warum durch Nahrungsmittelunverträglichkeiten so viele verschiedene Symptome hervorgerufen werden können.

 

Symptome, die auf eine Unverträglichkeit hinweisen können

Da gibt es eine Menge völlig unterschiedlicher Symptome (je nachdem, wo Ihr schwaches Glied sitzt), und sie können unterschiedlich schnell nach Aufnahme des Triggers auftreten. Häufige Symptome sind:

  • Gewichtszunahme
  • Bluthochdruck
  • Magenschmerzen
  • Blähungen, Flatulenz (Furzen)
  • Erbrechen
  • Sodbrennen
  • Durchfall
  • Kopfschmerzen (inklusive Migräne)
  • Reizbarkeit, Nervosität
  • Stimmungsschwankungen
  • Chronische Schmerzen (vor allem – aber nicht nur – Gelenke)
  • Verdauungsbeschwerden
  • Hautausschläge
  • Laufende Nase oder vermehrte Schleimbildung
  • Arthritis (Gelenkentzündung).

Ich komme mir zwar vor wie eine kaputte Schallplatte, aber noch einmal: Diese Reaktionen können mit einer zeitlichen Verzögerung auftreten, sodass Sie überhaupt nicht auf die Idee kommen, sie könnten etwas damit zu tun haben, was Sie vor Tagen gegessen haben. Wichtig ist es, bei diesen Symptomen einfach an die Möglichkeit einer Unverträglichkeitsreaktion zu denken.

 

Wer bekommt Nahrungsmittel-unverträglichkeiten?

Das ist genau das Problem: Jeder kann sie bekommen. Gehäuft treten sie bei folgenden Gruppen auf:

  • Menschen, die schon selber an Allergien leiden oder nahe Verwandte haben, die Allergien oder Autoimmunerkrankungen haben
  • Individuen, die unter entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa leiden
  • Patienten, die über lange Zeit bestimmte Medikamente nehmen – vor allem Antibiotika und orale Kontrazeptiva (Pille). Diese können zu Schleimhautschäden im Darm führen

Wenn die Darmschleimhaut beschädigt ist, können Nahrungspartikel (Proteine) in den Blutstrom gelangen, die von einer intakten Schleimhaut zurückgehalten worden wärden. Das Immunsystem reagiert auf diese „Eindringlinge“ mit einer Abwehrreaktion. Es tut also genau seinen Job, weshalb es auch wenig Sinn macht, das Immunsystem durch Tabletten unschädlich zu machen (das ist so, als würden Sie Ihrem Bodyguard Handschellen anlegen – einfach idiotisch).

Da einige Nahrungsmittelproteine schwerer zu zerlegen sind als andere, gibt es für diese Proteine ein größeres Risiko als Allergen zu fungieren. Weizen (Gluten), Milch (Casein) und Eier (Albumin) sind Beispiele für Nahrungsmittel mit schwer zu zerlegenden Proteinen.

 

Wie häufig sind Nahrungsmittelunverträglichkeiten?

Es ist davon auszugehen, dass ca. 50 Prozent der Bevölkerung mindestens eine Nahrungsmittelunverträglichkeit hat (5). Sie sind also um ein vielfaches häufiger als die „richtigen“ Nahrungsmittelallergien. Wenn Sie gerade in geselliger Runde sitzen, können Sie ja mal durchzählen. Erschreckend, oder?

 

Häufige Auslöser einer Nahrungsmittel-unverträglichkeit

Teilweise gibt es Überschneidungen mit Auslösern für Allergien. Achten Sie besonders auf folgende acht Nahrungsmittel:

  • Milch und Milchprodukte
  • Eier
  • Weizen
  • Mandeln
  • Mais
  • Soja
  • Erdnüsse
  • Zucker (UUPS!).

Sie sollten bei Unverträglichkeiten auch immer im Blick haben, welche Auswirkungen ein Lebensmittel auf Ihren Körper hat. Dies ist besonders im Hinblick auf Zucker wichtig (Neurologische Symptome wie Nervosität, ADS, ADHS).

Wie finden Sie heraus, ob Sie eine Nahrungsmittelunverträglichkeit haben?

Da gibt es zwei Möglichkeiten. Sie testen selbst oder Sie lassen testen:
Was Sie selbst testen können
1. Nahrungsmitteltagebuch
Sie notieren sich über eine gewisse Zeit täglich, was Sie gegessen haben und achten darauf, ob Sie irgendwelche Symptome bemerken. Dann gilt es, ein wenig Detektivarbeit zu leisten und herauszufinden, welches Nahrungsmittel der Auslöser sein könnte. Dieses Nahrungsmittel essen Sie dann natürlich nicht mehr.
2. Eliminationsdiät

Bei diesem Test verzichten Sie für mindestens 10 Tage auf die häufigsten Allergene. Nach dieser Zeit werden sie jeweils eins zur Zeit und über einen Zeitraum von drei Tagen pro Allergen wieder eingeführt. So können Sie feststellen, ob ein bestimmtes Nahrungsmittel eine Reaktion hervorruft. Sollten in weniger als drei Tagen Symptome auftreten, essen sie das bestimmte Nahrungsmittel natürlich nicht weiter.

Dieses Vorgehen ist ein bisschen schwierig, weil Sie in Ihrer Nahrungsauswahl etwas eingeschränkt sind (obwohl es sehr gute Tauschoptionen gibt, zum Beispiel Kokosmilch gegen Kuhmilch) und die Wiedereinführung je nach Menge suspekter Nahrungsmittel recht lange dauern kann. Außerdem kann es zu falsch positiven Ergebnissen kommen, weil Ihr Darmtrakt sich auf die eingeschränkte Auswahl einstellt und wieder eingeführte Nahrungsmittel vielleicht zunächst nicht so gut verdauen kann, obwohl er unter normalen Umständen kein Problem damit hätte.

Wenn Sie es ganz genau wissen wollen, kommen Sie also um einen Labortest wahrscheinlich nicht rum.

Labortests

1. EAV (Elektroakupunktur nach Voll). Die „EAV“ ist eine biophysikalische
Untersuchungsmethode der modernen kybernetischen und
ganzheitlichen Medizin. Sie wurde in den 50er Jahren durch
Dr. Reinhold Voll entwickelt und 1956 erstmals einem
breiten ärztlichen Publikum vorgestellt. Sie berücksichtigt
und integriert die Erkenntnisse der neuen wissenschaftlichen
Physik, die gegenwärtige „schulmedizinische“ Human- und Zahnmedizin, das Gedankengut der Homöopathie und die Erfahrungen der alten chinesische Heilkunde in der Akupunktur. Sie dient der Feststellung der eigentlichen Ursachen von akuten, vor allem aber chronischen Erkrankungen, wie auch der schwer zugänglichen, so genannten „vegetativen Syndrome“ (6).

2. Haut Pricktest. Werden von Ärzten immer wieder gerne durchgeführt – vor allem um in der Luft befindliche Allergene zu testen. Ein Nachteil besteht darin, dass der Verdauungstrakt andere Immunglobuline besitzt als die Haut, das heißt das Testergebnis kann nicht 1 : 1 übertragen werden. Der Pricktest zeigt sicherlich die schwerwiegendsten Unverträglichkeiten – wie eine Erdnussallergie – an. Da diese aber eh eine sehr bedrohliche Symptomatik hervorruft, brauchen Betroffene in den seltensten Fällen einen Test, der ihnen bestätigt, was sie ohnehin schon wissen.

3. Bluttests. In den meisten Fällen wird hierbei das IgE getestet. Das ist etwas schade, denn gerade die IgE vermittelte Immunantwort ist schwerwiegend und damit dem Patienten meist bekannt. Was Unverträglichkeiten angeht, so ist ein Bluttest auf andere Immunglobuline (IgA, IgD, IgG) und Cytokine deutlich hilfreicher, weil er versteckte Entzündungsreaktionen aufdecken kann. Je nach Labor kann es jedoch zu erheblichen Schwankungen in den Ergebnissen kommen.

Wenn Sie mich fragen, ich würde mit dem Nahrungsmitteltagebuch plus Symptomerfassung anfangen und mich von dort aus weiter vorarbeiten. Sie glauben gar nicht, wie erhellend es sein kann, diese Daten einfach mal aufzuschreiben. Was die Eliminationsdiät angeht, so macht sie eigentlich nur Sinn, wenn Sie tatsächlich die häufigsten Allergene auf einmal entfernen, denn sonst kann es Ihnen passieren, dass Sie Symptom und Ursache nicht genau zuordnen können.

Der größte Pluspunkt ist aber, dass Sie mal ein Gefühl für Ihren Körper bekommen.

 

(1) Risk of colorectal neoplasia in patients with celiac disease: a multicenter study.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23845233

(2) https://www.allum.de/krankheiten/nahrungsmittelallergie/ausloeser-symptome-und-haeufigkeit

(3) https://www.omicsgroup.org/journals/eliminating-immunologically-reactive-foods-from-the-diet-and-its-effect-on-body-composition-and-quality-of-life-in-overweight-persons-2165-7904.1000112.php?aid=3994

(4) Endocrine manifestations in celiac disease. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27784959

(5) https://de.statista.com/statistik/daten/studie/314821/umfrage/geschaetzte-haeufigkeit-von-lebensmittelunvertraeglichkeit-in-deutschland/

(6) http://www.eav.de/index.php?id=42