Abnehmen

Abnehmen – Qualität ist wichtiger als Quantität

Eigentlich sollte inzwischen klar sein, dass Abnehmen nicht einfach eine Mathegleichung ist – Kalorien rein < Kalorien raus = Gewichts-abnahme. Leider sehen es die meisten Menschen aber immer noch so und werden in dieser Annahme sowohl von ihren Ärzten als auch von den Medien und der Nahrungsmittelindustrie bestärkt. Immer wieder hören wir das Mantra: Essen Sie weniger und treiben Sie mehr Sport und schon haben Sie Ihr Wunschgewicht. Ach ja, und nicht zu vergessen, essen Sie viel Vollkorngetreide und Pflanzenöle, denn die gehören zu einer gesunden Ernährung unbedingt dazu.

Und – merken Sie was? Das funktioniert nicht. Wenn es das nämlich täte, dann müssten die meisten Menschen eigentlich rank, schlank und fit sein. Und – sind sie das? Die Antwort ist wohl offensichtlich.

Die Qualität Ihrer Nahrungsmittel spielt eine größere Rolle als die Menge, die Sie essen

Unser Körper ist kein geschlossenes System, sondern ein sehr dynamisches, das durchaus unterschiedlich auf die Form der zugeführten Kalorien antwortet. Sie müssen bedenken – Nahrung ist Information. Sie kann Gene an- und abschalten und hat einen riesigen Einfluss auf unser Darmmikrobiom. Dieses wiederum  beeinflusst – wie wir inzwischen wissen – ob es Ihnen gut oder schlecht geht, Sie Depressionen haben oder vor Energie nur so sprühen, Sie dick oder dünn sind. Wenn Sie qualitativ minderwertige Nahrung zu sich nehmen, haben Sie eine gestörte Kommunikation mit Ihrem Körper. Er braucht bestimmte Informationen, um gut arbeiten zu können, die Sie dann einfach nicht liefern. Was heißt das? Ihr Körper kann synthetische Nahrungsprodukte (Zusatzstoffe, genetisch modifizierte Lebensmittel etc.) nicht erkennen und weiß nicht, wie er damit umgehen soll.

Im JAMA erschien gerade eine Studie, die eine fettreiche mit einer kohlenhydratreichen  Ernährung  vergleicht und zu dem Ergebnis kommt, dass zum Abnehmen beide Ernährungsformen geeignet sind, solange es sich um qualitativ hochwertige Nahrungsmittel handelt (also kein Fast Food oder industriell hergestellte Fertigprodukte) (1).  Ist das nicht toll? Wenn Sie  gesunde Nahrungsmittel in möglichst unbearbeiteter Form essen, dann brauchen Sie keine Kalorien zu zählen, weil Ihr Körper die Informationen dieser Lebensmittel versteht und weiß, was er damit anfangen soll.

Gesundes Fett macht nicht dick

Ein weiterer Mythos, der sich hartnäckig hält ist: Fett macht dick! Und das ist eine glatte Lüge.

In einem Crossover Versuch untersuchten Wissenschaftler der Harvard Universität die unterschiedlichen Reaktionen auf verschiedene Ernährungsstile (2). Probanden verbrannten bei einer fetthaltige Ernährung mit wenig Kohlenhydraten 300 kcal mehr pro Tag  als wenn sie eine kohlenhydratreiche Ernährungsform aßen, die die gleiche Anzahl Kalorien aufwies. Und jetzt kommt’s: Die fettreiche Ernährung führte zu positiven Veränderungen im Cholesterinspiegel, der Insulinsensitivität und der Entzündungs-marker. Fazit: Ihr Körper braucht Fett, um richtig zu funktionieren und zu seinem Idealgewicht zu finden. Es muss aber das richtige Fett sein.

Die Zusammensetzung Ihrer Nahrung ist von großer Bedeutung. Die Kohlenhydrate, die in Weißbrot oder Brokkoli enthalten sind, gehören einfach nicht in die gleiche Liga. Bei den Fetten verhält es sich genauso. Sojaöl und Kokosöl sind nicht vergleichbar! Ihr Körper ist sehr schlau. Er kennt den Unterschied und weiß, welche Nahrungsmittel qualitativ hochwertige Informationen beinhalten und welche giftig sind und deshalb zur Gewichtszunahme führen, weil er diese Stoffe möglichst schnell in Fettzellen einlagert, um sie aus dem Blutstrom zu bekommen.

Wie füttern Sie Ihren Körper mit der richtigen Information?

  1. Ihre Ernährung sollte eine möglichst niedrige glykämische Last haben – das heißt, wenig Zucker, Mehl und raffinierte Kohlenhydrate jeglicher Sorte.
  2. Essen Sie vor allem Gemüse und ein wenig Obst. Möglichst viele verschiedene Farben und viel Abwechslung sind wichtig. Dadurch erhalten Sie viele Pflanzennährstoffe, die Sie gegen die meisten Erkrankungen schützen.
  3. Vermeiden Sie Nahrungsmittel, die mit Pestiziden, Antibiotika und Hormonen behandelt wurden und verzichten Sie auf genetisch veränderte Lebensmittel (Mais, Soja).
  4. Halten Sie sich von chemischen Zusätzen, Konservierungs-mitteln, Farbstoffen, Glutamat, künstlichen Süßstoffen und anderen Chemikalien fern, die Sie sich niemals in die Speisekammer stellen würden.
  5. Essen Sie qualitativ hochwertige Fette – vor allem auch Omega-3 Fette (Fisch aus Wildfang). Außerdem viel Olivenöl, Nüsse, Samen und Avocados.
  6. Stellen Sie sicher, dass Sie genug Protein essen, um Ihren Appetit kontrollieren zu können und Muskeln zu erhalten – das ist besonders für ältere Menschen wichtig.
  7. Achten Sie darauf, dass Ihre Nahrungsmittel möglichst biologisch, regional und frisch sind. Wenn Sie tierischen Protein konsumieren, dann achten Sie darauf, dass es sich um Weiderinder oder wenigstens Tiere mit artgerechter Fütterung  handelt (Maissilage ist keine artgerechte Fütterung!).

 

 

 

Wenn Sie qualitativ hochwertige, natürliche Lebensmittel essen, dann sollte Kalorienzählen nicht notwendig sein um abzunehmen. Und was richtig toll ist, Ihr Körper setzt die durch die Nahrung empfangenen Informationen wieder in die richtigen Signale um, das heißt es gibt tatsächlich wieder ein Sättigungsgefühl! Und ist Ihnen schon mal passiert, dass Sie richtig Heißhunger auf Salat kriegen? Mir schon.

(1) Effect of Low-Fat vs Low-Carbohydrate Diet on 12-Month Weight Loss in Overweight Adults and the Association With Genotype Pattern or Insulin Secretion  https://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/2673150?redirect=true

(2) Effects of Dietary Composition During Weight Loss Maintenance: A Controlled Feeding Study  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3564212/

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