Fleisch

Ist Fleisch wirklich ungesund?

Wenn Sie Fleisch essen, sorgen Sie dafür, dass Ihre Arterien verkalken, Sie Ihr Risiko für Krebserkrankungen wie auch Typ 2 Diabetes erhöhen und können mal generell damit rechnen, ein paar Jahre weniger zu leben. Sicher haben Sie alle diese Sprüche schon in der einen oder anderen Form gehört.

Oh ja, ich vergaß – die Fleischproduktion ist der größte Klimakiller (all die furzenden Kühe), und die wachsende Weltbevölkerung kann nicht mit Fleisch ernährt werden (dafür nimmt man besser Soja).

Und – glauben Sie das? Falls ja, dann sind Sie nicht der Einzige. Viele Menschen halten diese Aussagen für völlig richtig – sowohl diejenigen, die Fleisch essen, als auch die, die darauf verzichten.

Fleisch essen oder nicht, wird für viele Menschen zur Glaubensfrage. Gerne wird behauptet, dass Fleisch verzichtbar ist, denn schließlich enthalten Pflanzen auch Proteine. Aber ist es das wirklich? Wäre die Menschheit ohne Fleischkonsum das geworden, was sie heute ist (ob das nun gut ist oder nicht, lassen wir jetzt mal außen vor).

Die Frage bleibt – ist Fleisch gut oder schlecht für uns? Unter dem Gesichtspunkt, dass wir alle ein langes, gesundes Leben führen möchten, sollten wir da viel, wenig oder doch besser gar kein Fleisch essen?

In der Laienpresse hat man sein Urteil schon gefällt – Fleisch ist ganz einfach schlecht. Es verursacht praktisch alle Erkrankungen, die man nicht haben will. Die Forschung sieht das aber ganz anders. Hier zeigt sich, dass Fleisch ein sehr nährstoffhaltiges Nahrungsmittel ist, dass vorbeugend gegen Krankheiten und Nährstoffmangelzustände wirkt, wenn man es als Beilage zu vielen pflanzlichen Nahrungsmitteln isst. Also genau anders herum als in unserem Ernährungsstil, wo die pflanzlichen Lebensmittel die Beilage zu einem 300 g Steak bilden.

Die folgenden sieben Fakten sollen Ihnen dabei helfen, für sich die Frage zu beantworten, ob Fleischkonsum ja oder nein.

 

Fleisch ist die beste Proteinquelle

Sorry, Veganer und Vegetarier. Auch wenn immer wieder erzählt wird, dass Hülsenfrüchte voller Proteine stecken (stimmt – und zwar Pflanzenproteine), so fehlen ihnen doch ein paar für den Menschen absolut lebenswichtige Vitamine. Will man den Proteinbedarf von 60 – 90 g pro Tag für einen Erwachsenen (manche Menschen brauchen mehr) nur mit Pflanzenprotein abdecken, so bedeutet das eine wirklich gute Planung (für die die meisten Leute weder Zeit noch Lust haben).

Nur zum Vergleich: Für die Menge an Protein, die in 180 g Fleisch stecken, müssen Sie etwas über ein Pfund Bohnen essen (3 Cups). Damit nehmen Sie dann allerdings auch gleich noch 150  – 250 g Kohlenhydrate auf (je nach Bohnenart), die im Fleisch nicht vorkommen.

Hinzu kommt, dass Pflanzenproteine wenig Leucin enthalten. Diese Aminosäure ist limitierender Faktor beim Muskelaufbau. Muss ich noch sagen, dass sie im tierischen Protein selbstverständlich in großer Menge enthalten ist? Mit 20 ist einem das vielleicht noch egal, aber überlegen Sie mal, dass Muskelschwund für die älternde Bevölkerung der größte Verursacher für schnelle Alterung und zunehmende Erkrankungen ist.

Fleisch wird grundlos schlecht gemacht

Vor über 50 Jahren wurde die Entdeckung gemacht, dass gesättigte Fettsäuren den Cholesterinspiegel anheben. Diese Entdeckung führte dazu, dass vom Fleischkonsum abgeraten wurde.

Seitdem wird weniger Fleisch gegessen – und wenn dann bevorzugt magere Stücke und Geflügelfleisch. Sind wir deshalb gesünder als unsere Vorfahren, die viel gesättigte Fettsäuren gegessen haben (Schweineschmalz, Rindertalg, Butter usw.) – wohl kaum.

Tatsache ist, Herzerkrankungen werden nicht durch einen Faktor verursacht. Es ist nicht so, dass Sie nur die schlechten Blutwerte haben müssen, und das war’s. Für die Entstehung von Herzerkrankungen sind viele Faktoren verantwortlich, unter anderem: Entzündungen, Blutzuckerspiegel, Triglyzeride und Lebensstilfaktoren wie Bewegung, Schlaf und Stress.

Auch die Auswirkungen von gesättigten Fettsäuren auf den Cholesterinspiegel sind nicht so einfach. Tatsächlich hat die Stearinsäure, die den Hauptanteil der gesättigten Fettsäuren in Fleisch ausmacht, eher eine positive Auswirkung auf den Cholesterinspiegel (1) – sie senkt ihn nämlich. Noch überraschender ist, dass der Konsum von gesättigten Fettsäuren nicht zu einer Erhöhung der gesättigten Fettsäuren führt, die für die Herzerkrankung verantwortlich gemacht werden.

Und ganz erschwerend kommt natürlich hinzu, dass die Forschung immer klarer aufzeigt, dass verarbeitete Kohlenhydrate und Stärke sowie Zucker die wirklichen Übeltäter sind, die zu einer Erhöhung des schlechten Cholesterins (nämlich des kleinen oxidierten LDLs) führen.

Und das bedeutet – es ist nicht das fettige Fleisch, sondern das fettfreie Müsli, das Ihr Risiko für Herzerkrankungen in die Höhe treibt.

Wie viel gesättigte Fettsäuren sind gesund?

Gute Frage! Die American Heart Association hat da eine ganz klare Antwort: „Gesättigte Fettsäuren sind gefährlich“. Neuere Studien zeigen auf, dass gesättigte Fettsäuren eher neutral sind – sie sind nicht schädlich, aber vielleicht auch nicht gerade gesund.

Vor 50 Jahren wurde eine Studie an 9000 Patienten einer Psychiatrischen Klinik durchgeführt, die diese Frage klären sollte. Anmerkung: So eine Studie würde heute von Der Ethikkommission abgelehnt werden. Sie hat aber den Vorteil, dass diese „Probanden“ unter sehr gut kontrollierten Bedingungen lebten, so dass man tatsächlich Ursache und Wirkung zuordnen konnte. Die meisten Ernährungsstudien haben hier ein Manko, weil einfach zu viele unterschiedliche Variablen auftreten.

Interessant sind die Ergebnisse dieser Studie, die so konträr zur geltenden Meinung waren, dass sie für 40 Jahre in der Versenkung verschwanden. Es zeigte sich, dass bei den Probanden, die Maiskeimöl erhielten, der Cholesterinspiegel tatsächlich sank. Dummerweise wies diese Gruppe aber eine höhere Zahl an Herzinfarkten und eine höhere Gesamtsterblichkeit auf als die Gruppe, die gesättigte Fettsäuren aß (2). Großes Uups! Schon vor 50 Jahren hätte man also wissen können, dass Pflanzenöle nicht so gesund fürs Herz sind wie man uns glauben machte (und hätte damit wahrscheinlich so manch einen Todesfall verhindert).

Fleisch ist ein Ernährungskraftpaket

Tierisches Protein ist für die meisten Menschen die einzige Quelle von Vitamin B12 (Chlorella-Algen enthalten auch Vitamin B12, allerdings je nach Anbauart in sehr unterschiedlichen Konzentrationen). Fleisch enthält außerdem wertvolle Mineralstoffe, weitere Vitamine, Enzyme, die wir zur Aufspaltung von Nährstoffen benötigen, essentielle Aminosäuren und krebsbekämpfende Vitamine wie Vitamin A, das in direkter Form nicht in Pflanzen vorkommt (diese enthalten nur eine Vorstufe des Vitamins). Auch wenn immer wieder angemerkt wird, dass viele dieser Nährstoffe auch in Pflanzen vorkommen, so bleibt doch Fakt, dass die Bioverfügbarkeit aus tierischen Lebensmitteln deutlich höher ist.

Auf die Qualität kommt es an

Seit Jahrzehnten wissen wir (könnten wir wissen), dass das Fleisch von Weidetieren oder wenigstens von Tieren, die eine artgerechte Ernährung hatten (Gras, kein genmodifizierter Mais und Soja) deutlich gesünder ist als das Fleisch von Tieren aus Massentier-haltung. Es enthält mehr Omega-3 Fettsäuren (entzündungshemmend), weniger Omega-6 Fettsäuren (entzündungsfördernd) und mehr CLA (konjugierte Linolsäure), die den Stoffwechsel anregt und vorbeugend gegen Krebserkrankungen wirkt. Nicht zuletzt enthält das Fleisch von Weidetieren mehr Vitamine, Mineralstoffe und andere Nährstoffe.

Fleisch ist eine Beilage, nicht das Hauptgericht

Den größten Raum auf Ihrem Teller sollten pflanzliche Nahrungsmittel einnehmen. Die Aufteilung ist etwa 3/4 Gemüse zu 1/4 Protein. Sie brauchen kein 300 g Steak. Ein Fleisch- oder Fischstück von der Größe Ihres Handtellers ist absolut ausreichend. Der Vorteil, wenn Sie viel Gemüse zu Ihrem Fleisch essen, besteht darin, dass die enthaltenen Antioxidantien und sekundären Pflanzenstoffe etwaige krebserregende Eigenschaften des Fleisches neutralisieren.

Es kommt nicht auf das Label an, sondern auf die Durchführung

Sie können ein kränklicher, fetter Veganer oder ein gesunder, wohlgenährter Fleischesser sein. Vegan oder Fleischesser ist nicht gleichbedeutend mit gesund oder krank.

Ich weiß, es gibt massenhaft Studien, die aufzeigen, dass der Fleischkonsum schädlich ist, und dass Vegetarier gesünder sind und länger leben. Man muss sich aber auch Gedanken darüber machen, dass Vegetarier eine ganz andere Lebenseinstellung haben und mehr auf ihre Gesundheit achten. Und dann ist es natürlich auch interessant, welche Fleischesser untersucht wurden.

Genau da liegt nämlich der Hase im Pfeffer. Studien zeigen immer wieder, dass Menschen, die viel Fleisch essen auch andere Gewohnheiten haben, die nicht unbedingt gesund sind: Sie wiegen mehr, trinken mehr, rauchen mehr, essen weniger Gemüse und Ballaststoffe und sitzen mehr herum als Menschen, die weniger Fleisch essen. Wollen wir da wirklich behaupten, dass der Fleischkonsum an ihren Gesundheitsproblemen Schuld ist?

Nur so nebenbei – vergleicht man Vegetarier und Fleischesser, die in Bioläden einkaufen, dann haben beide Gruppen ein um die Hälfte reduziertes Risiko für Erkrankungen und Tod. Fakt ist: es ist nicht das Fleisch, sondern wovon Sie sich sonst noch so ernähren.

 

(1) http://www.zeit.de/1988/26/erforscht-und-erfunden

(2) Re-evaluation of the traditional diet-heart hypothesis: analysis of recovered data from Minnesota Coronary Experiment (1968-73)  http://www.bmj.com/content/353/bmj.i1246

 

6 Gedanken zu „Ist Fleisch wirklich ungesund?“

  1. Die anderen Kommentare hier verwundern mich schon sehr. Ihren Artikel finde ich sehr gut zusammengestellt, reichhaltig, richtig und wichtig! Studienlage und Presse hierzu sind leider wenig transparent bis irreführend. Warum eigentlich? Wenn man aber mit offenem, ehrlichem Interesse recherchiert, dann bleiben letztlich genau die von Ihnen aufgeführten Hinweise auf den essentiellen Ernöhrungsbeitrag von gutem Fleisch übrig. Aber das muss es dann eben auch sein, Bio und möglichst Weidehaltung. Also natürlich nicht als billige Würstchen oder verwürtzte Berge Grillfleisch, und eben nicht „Hauptsache viel“!

  2. Sehr schlecht argumentierter Beitrag.
    Voller Argumente für die es längst einen Gegenbeweis gibt. Der Konsum von Fleisch und Milchprodukten schadet Umwelt Mensch und Tier. Filme wie Cowspiracy, Forks before Knifs oder what the Health sind bezügluch dieses Themas sehr zu empfehlen. Fleisch ist Krebserregend und voller Giftsstoffe und was das Vitamin b12 das wird in den meisten fällen den Tieren direkt zugefüttert warum dan nicht gleich selbst suplementieren?

    1. Vielleicht wäre es besser, wenn Sie Ihre Informationen nicht nur aus veganen Propagandafilmen beziehen würden. Die Aussage „Fleisch ist krebserregend“ wird von Veganern gerne ins Feld geführt, wird dadurch aber nicht wahrer. Zum einen bezieht sich die WHO auf verarbeitete Fleischprodukte und nicht etwa auf Fleisch von Tieren aus artgerechter (Weide-)Haltung. Und dann sehen wir uns doch einmal die Zahlen an: Laut WHO sind ca. 34.000 Krebstodesfälle pro Jahr weltweit auf eine Ernährung zurückzuführen, die große Mengen verarbeiteter Fleischprodukte beinhaltet. Demgegenüber haben wir 1 Million Krebstodesfälle durch Rauchen, 600.000 durch Alkoholkonsum und mehr als 200.000 durch Luftverschmutzung. Noch Fragen?

  3. Ich finde die Herangehensweise an den Artikel ein wenig daneben. Dieses Stück Text liest sich so als ob er verfasst wurde um den eigenen Verzehr von tierischen Produkten zu rechtfertigen obwohl der Konsum von Fleisch bereits wissenschaftlich zuhaufe untersucht wurde und die Resultate eindeutig waren. Abgesehen von den falschen Informationen und SEHR veralteten Quellen ist es aber auch ein ziemlich schlechtes Argument, dass nicht gerade jeder die Lust und Zeit hat sich mehr Gedanken über die eigene Ernährung zu machen oder diese zu planen. Das ist ein persönliches Problem und keine Rechtfertigung für das was wir mit unserem Körper und den Arten die wir domestizierten anstellen. Der ethische Aspekt fehlt hier komplett, die Auswirkungen der Produktion auf die Umwelt werden mit dem typischen (invaliden) Soja „Argument“ abgetan und ich kann keine Spur von neutraler Beratung oder Wissensvermittlung erkennen.

    Schade, dennoch ein nett (?) gemeinter Versuch die Gewohnheit des Verzehrs von Fleisch zu rechtfertigen.

  4. Und können Sie diese Fakten auch durch Beweise stützen? Zahlreiche Studien, die genau dies beweisen, sind von Menschen gesponsert oder geschrieben, die Tierprodukte verkaufen (motherjones.com/environment/2015/11/milk-companies-market-schools-fast-food). Zeigen Sie mir eine Studie, die das micht ist? Merken Sie sich diese Reihenfolge: Begründung – Behauptung – Beweis. Das mit den Proteinen ist ein Blödsinn, das mit der Umwelt stimmt Studien; https://nutritionfacts.org/video/protein-intake-and-igf-1-production/ ; https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4487594/ ; etc etc . Man kann das alles recherchieren wenn man nur will.

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