Cholesterinspiegel

Warum ein niedriger Cholesterinspiegel gefährlich ist

 

Ich bin sicher, Sie haben mehr als genug darüber gehört, warum ein hoher Cholesterinspiegel (angeblich) so gefährlich ist. Sie wissen, dass Sie tierische Fette besser meiden sollten, weil sie das böse, böse Cholesterin enthalten.

Immerhin hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung inzwischen ihre Ernährungsrichtlinien dahingegend geändert, dass der Konsum von Eiern jetzt nicht mehr auf maximal drei pro Woche beschränkt wird. Das ist aber so klammheimlich geschehen, dass die meisten Leute es gar nicht mitbekommen haben.

Cholesterinsenkende Medikamente (Statine) befinden sich weiterhin auf einem Siegeszug und werden von den Ärzten ausgegeben wie Vitaminbonbons. Ich habe immer wieder Patienten mit einem Gesamtcholesterinwert unter 150 mg/dl, auf den der Hausarzt des betreffenden Patienten sehr stolz ist, anscheinend ohne sich darüber bewusst zu sein, dass ein niedriger Cholesterinwert durchaus zu sehr gravierenden Erkrankungen – und sogar zu einem erhöhten Risiko früher zu versterben – führen kann.

Welche Wirkungen hat ein zu niedriger Cholesterinspiegel?

  • Verhaltensprobleme: In Studien wird immer wieder gezeigt, dass niedrige Cholesterinspiegel zu einer ganzen Reihe Verhaltensauffälligkeiten führen. Hierzu gehören Verhaltensweisen wie  Aggressivität, Depressivität, Persönlichkeitsstörungen und Suizidalität (Selbstmordgefährdung) (1). In einer Studie wurde bei 8 – 18 jährigen Kindern/Jugendlichen, die einen Selbstmordversuch unternommen hatten, ein deutlich niedrigerer Serumcholesterinwert gemessen als in einer Kontrollgruppe (2). In Amerika wird gerade darüber nachgedacht, ob man die Indikation für Statine auf Kinder ausweiten sollte. Angesichts dieser Studienergebnisse scheint das nicht so eine wirklich gute Idee zu sein (es sei denn, man steht auf Schießereien in Schulen). Es überrascht sicherlich auch niemanden, dass die Statintherapie inzwischen mit dem Auftreten von Verhaltensproblemen in Zusammenhang gebracht wird (3).

 

  • Gedächtnisverlust: Bleiben wir gleich beim Gehirn. Ein niedriger Cholesterinspiegel führt zu Gedächtnisverlust und Demenz (4). In einer Zeit, in der sich viele Menschen Gedanken darüber machen, ob sie wohl in späteren Jahren an Alzheimer erkranken werden, keine schöne Aussicht. Die amerikanische FDA schreibt inzwischen vor, dass Statine eine Warnung auf der Verpackung haben müssen, dass sie das Gedächtnis negativ beeinflussen können.

 

  • M. Parkinson (Schüttellähmung): Der Cholesterinspiegel kann Aufschluss über die Ausprägung einer Parkinson Erkrankung geben. So zeigte sich in Studien, dass ein inverses Verhältnis zwischen dem Cholesterinspiegel und der Schwere der Symptome besteht (5). Es zeigt sich, dass ein höheres Plasma LDL (also das „böse“ Cholesterin) zu einer Verbesserung der Feinmotorik führt (6).

 

  • Hämorrhagischer Schlaganfall: Es gibt Schlaganfälle durch Gefäßverschlüsse (ischämisch) und durch aufgeplatzte Gefäße (hämorrhagisch). Letztere treten gehäuft bei einem zu niedrigen Cholesterinspiegel auf (7). Die Deutsche Schlaganfallgesellschaft wies 2011 auf diesen Zusammenhang hin und mahnte zum vorsichtigen Gebrauch von Statinen bei Patienten, die bereits eine Hirnblutung hatten. Allerdings ist dieser Zusammenhang bereits seit mindestens 23 Jahren bekannt, als im British Medical Journal eine Untersuchung zu diesem Thema veröffentlicht wurde. Ja ja, nicht nur die Mühlen der Justiz mahlen langsam.

 

  • Infektionen: Schon lange ist bekannt, dass eine cholesterinreiche Ernährung zu einer schnelleren Abheilung einer Tuberkulose führt (8). In einer lang angelegten Studie wurde außerdem nachgewiesen, dass Menschen mit einem höheren Cholesterinspiegel seltener wegen Infektionen im Krankenhaus aufgenommen werden müssen (9).  Der Grund hierfür ist, dass Blutfette – und dazu gehört auch Cholesterin – eine Schlüsselrolle im Immunsystem des Körpers spielen, da sie Mikroben und ihre Toxine binden und unschädlich machen (10).

 

  • Krebserkrankungen: Schon seit Jahrzehnten weiß man, dass das Auftreten bestimmter Krebsarten eine inverse Korrelation mit dem Cholesterinspiegel hat (11). Seit den 80-ger Jahren wurde dieser Zusammenhang immer wieder bestätigt. Wenn man bedenkt, dass Personen mit einem LDL von unter 70 mg/dl ein 15-fach erhöhtes Krebsrisiko haben, dann wird einem schon ein bisschen schwindelig bei der Empfehlung der American Heart Association, das bei einem hohen cardiovaskulärem Risiko das LDL unter 70 mg/dl und bei einem sehr hohen Risiko sogar unter 55 mg/dl gesenkt werden sollte (12). Beachtenswert ist in diesem Zusammenhang eine Studie, die aufzeigte, dass sehr bösartige, Arzneimittel resistente Leukämiezellen (Blutkrebs) durch Zugabe von LDL in ihr Kulturmedium die Resistenz gegen eine Chemotherapie verloren (13). Ist LDL also wirklich so böse, oder sollten wir mit dieser Schwarz-Weiß Malerei vielleicht doch so langsam mal aufhören?

 

  • Langlebigkeit: Untersuchungen haben gezeigt, dass unsere Lebensspanne zu einem großen Teil durch die Länge der Telomere unserer Chromosomen bestimmt wird. Die Telomere sind die Endkappen unserer Chromosomen und schützen diese bestmöglich vor Schäden aller Art (z. B. infolge von oxidativem Stress, freien Radikalen u. a.). Bei jeder Zellteilung werden unsere Telomere naturgemäss kürzer – und wir altern. Wie inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen wurde, leben Menschen mit längeren Telomeren nicht nur länger, sondern sie bleiben auch länger gesund als Menschen mit kürzeren Telomeren. Und was soll ich Ihnen sagen – je höher der Cholesterinspiegel, desto länger sind die Telomere (14). Noch Fragen?

    Fazit

Wenn wir bedenken, dass Cholesterin ein unverzichtbarer Bestandteil für tierisches Leben ist (und auch wenn einige Personen, das nicht gerne hören, aber dazu gehören auch wir Menschen) und dass jede einzelne unserer Zellen in der Lage ist, Cholesterin herzustellen, dann sollte uns eigentlich nicht überraschen, dass ein Cholesterinmangel zu gravierenden Erkrankungen führen kann. Ärzte täten also gut daran, grundlegende biologische Fakten in ihre Überlegungen mit einzubeziehen anstatt nur den Werbeversprechen von Pharmareferenten zu glauben. Es wird Zeit, dass dieser Cholesterin Wahnsinn endlich aufhört!

 

 

 

(1) The Importance of Cholesterol in Psychopathology: A Review of Recent Contributions.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5385736/

(2) Total serum cholesterol levels and suicide attempts in child and adolescent psychiatric inpatients.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20047063

(3) Severe irritability associated with statin cholesterol-lowering drugs.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15028853

(4) Serum Cholesterol Levels within the High Normal Range Are Associated with Better Cognitive Performance among Chinese Elderly.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26892577

(5) The serum lipid profile of Parkinson’s disease patients: a study from China.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25340257

(6) Higher Plasma LDL-Cholesterol is Associated with Preserved Executive and Fine Motor Functions in Parkinson’s Disease.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27330838

(7) http://www.dsg-info.de/presse/pressemeldungen/314-cholesterinsenker-kann-zum-risiko-fuer-hirnblutungen-werden.html

(8) A cholesterol-rich diet accelerates bacteriologic sterilization in pulmonary tuberculosis.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15706008

(9) Cohort study of serum total cholesterol and in-hospital
incidence of infectious diseases https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2809530/pdf/9825784.pdf

(10) Low serum LDL cholesterol levels and the risk of fever, sepsis, and malignancy.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18000291

(11) Serum cholesterol and risk of cancer in a cohort of 39,000 men and women.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/3290396

(12) http://blog.endokrinologie.net/herz-gefaess-risiko-ldl-cholesterin-3306/

(13) Reversal of P-glycoprotein-mediated multidrug resistance by cholesterol derived from low density lipoprotein in a vinblastine-resistant human lymphoblastic leukemia cell line.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17901905

(14) Leukocyte telomere length is associated with HDL cholesterol levels: The Bogalusa heart study  http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0021915009000689

 

5 Gedanken zu „Warum ein niedriger Cholesterinspiegel gefährlich ist“

  1. So ein Schrott habe ich selten gelesen. China Study, die wohl größte Ernährungsstudie, hat in überragender Art und Weise, genau das Gegenteil gezeigt.

    1. Mit dieser Ansicht liegen Sie leider völlig falsch. Die China Study ist inzwischen völlig zerlegt worden. Wenn man sich die Rohdaten ansieht, so zeigen diese zum Beispiel eine starke Korrelation zwischen dem Konsum von Pflanzenproteinen und Krebserkrankungen. Leider haben Campbell und sein Sohn sämtliche Daten aus der Studie herausgelassen, die positive Effekte tierischen Proteins belegt hätten oder – noch schlimmer – einen Hinweis darauf gegeben hätten, dass Cholesterin nicht gefährlich, sondern für unseren Körper sogar notwendig ist. Ich empfehle jeden, der mehr über die schlampige Wissenschaft, die in der China Studie angewendet wurde, das Buch „Death by Food Pyramid“ von Denise Minger. Und sie ist absolut nicht die Einzige, die diese Studie völlig zerreisst.

  2. …..wie recht Sie haben …liebe Frau Bendig!
    Ich war am vergangenen Montag beim Cardiologen…selbst der hat mir KEINE Statine verordnet…obwohl mein Ges.Chol.bei 369 ist….Cholesterin ist sehr wichtig für die Myelinschicht der Gehirnzellen…
    wird Chol.gesenkt durch die vermeintlich „guten Statine“…brauch man sich nicht wundern….wenn Langzeitschäden wie Demenzen entstehen.
    vlg.SCS

    Den Homocysteinspiegel zu bestimmen…wäre viel wichtiger…als dieses ewige Galama mit den hohen Cholesterinwerten!!!

  3. Hallo,

    ein entfernter Verwandter von mir, Mitte 40, arbeitete 22 Jahre als LKW Fahrer in Dauernachtschicht, hat ein Schlaganfall erlitten. Seitdem ein paar Monaten ist er zu Hause, kann nicht arbeiten. Sein Arzt hat bei ihm ein Chlesterinwert von null festgestellt, wie kann sowas sein?

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