Sodbrennen und Reflux – keine Symptome für zuviel Magensäure

Sodbrennen, Protonenpumpenblocker, PPIsMoment – wie? Das geht aber jetzt gegen jede Intuition. Wenn man Sodbrennen hat, stößt man doch Magensäure auf, also ist ganz klar zuviel davon da, oder?

Das ist jedenfalls die Denkweise die dahinter steckt, wenn gegen Sodbrennen sofort Säureblocker genommen werden. Am häufigsten greifen Patienten inzwischen zu Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) (z. B. Omep und Pantoprazol), die es rezeptfrei in der Apotheke gibt, was eigentlich ein Unding ist, wenn man bedenkt, welche fatalen Nebenwirkungen diese Stoffe haben können. Sie führen durch Wirkung an den Belegzellen des Magens zu einer drastischen Säurereduktion.

Weniger häufig werden H2-Blocker angewendet. Vertreter dieser Wirkstoffgruppe sind z. B. Cimetidin und Ranitidin. Auch sie drosseln die Produktion von Säure – allerdings nicht so stark wie PPIs. Als dritte Gruppe kommen Antacida zur Anwendung, das sind aluminium- oder magnesiumhaltige Substanzen sowie Kombinationspräparate (z. B. Maaloxan). Ihre Wirkung beruht auf einer Neutralisierung der Magensäure, ohne jedoch die Säureproduktion zu beeinflussen

Als die PPIs auf den Markt kamen, wiesen die Pharmavertreter die Ärzte darauf hin, dass diese Medikamente eine so starke Wirkung haben, dass sie nur bei Patienten mit gesicherten Magen- oder Darmgeschwüren und für eine Höchstdauer von 6 Wochen verschrieben werden sollten.

Heute habe ich tagtäglich Patienten im OP, die diese Medikamente schon seit Jahren einnehmen. Und sie sind nie darauf hingewiesen worden (weder vom Arzt noch vom Apotheker), dass die Tabletten massiv in die Verwertung von Nährstoffen eingreifen und bei Langzeitanwendung ernsthafte Nebenwirkungen haben können.

Wie gesagt, erfolgt der Einsatz dieser Medikamente unter der Annahme, dass der Magen zuviel Säure produziert. Sie brauchen aber unbedingt eine gewisse Menge an Magensäure, um Nahrungsproteine aufzuspalten (damit der Körper sie aufnehmen kann), Verdauungsenzyme im Dünndarm zu aktivieren, eine bakterielle Besiedlung des Dünndarms zu verhindern und für die Aufnahme wichtiger Nährstoffe wie Calcium, Magnesium und Vitamin B12.

Es wurde aufgezeigt, dass die längerfristige Einnahme dieser Medikamente dazu führt, dass Nahrungsmittel nicht richtig verdaut werden, Vitamin- und Mineralstoffmängel auftreten und Probleme ausgelöst werden wie unter anderem:

  • Reizdarmsyndrom (IBS) (1)
  • Demenz (2)
  • Schenkelhalsfrakturen (3).

 

Was verursacht Sodbrennen und Reflux?

Sehen wir uns doch mal an, was die Hauptursachen für Sodbrennen und Reflux sind und – Spoiler Alert – es ist nicht zu viel Magensäure. Tatsächlich sinkt die Magensäuresekretion im Laufe des Lebens ab. Wenn Sie also über 50 sind und Sodbrennen oder einen Reflux haben, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass etwas anderes dahinter steckt.

  • Falsche Ernährung: Frittiertes Essen, Alkohol, Koffein und Softdrinks können alle einen Reflux auslösen. Sehr gewürzte Nahrungsmittel oder solche auf Tomatenbasis können ebenfalls für einige Menschen zum Problem werden.
  • Rauchen: Zusätzlich zu all den anderen Gesundheitsproblemen, die durch Rauchen ausgelöst werden, kommt es ebenfalls zu vermehrtem Reflux.
  • Übergewicht: Zu viel Bauchfett hat zur Folge, dass Druck auf den Magen ausgeübt wird. Dies führt dazu, dass die Magenentleerung erst verzögert eintritt, was wiederum einen Reflux verursacht.
  • Hiatushernie (= ein Bruch im Zwerchfell, durch den der Magen Richtung Brustraum durch tritt). Es kommt ebenfalls zu Sodbrennen und Reflux. Eine Hiatushernie kann leicht im Röntgenbild gesehen werden.
  • Zu große Mahlzeiten sowie das Essen direkt vorm Zubettgehen: vermehrter Reflux, weil der Magen einfach zu voll ist.
  • Stress: Nahrungsmittel sollen ja eigentlich in eine Richtung durch Ihren Körper gehen – nämlich von oben nach unten. Damit dies auch so geschieht, sind im Verdauungstrakt einige Klappen vorhanden (sogenannte Sphinkter), die kontrollieren, dass die Nahrung in den Magen hinein- und herausgeht. Vor dem Magen sitzt der untere Speiseröhren-Sphinkter und am Magenausgang der Pylorus. Sind Sie gestresst, wird der obere Sphinkter entspannt und der untere wird fest verschlossen (denn auf der Flucht ist keine Zeit für Verdauung). Dies kann dazu führen, dass Nahrungsteile wieder in die Speiseröhre zurücklaufen. Es lohnt sich also, Entspannungsübungen zu erlernen (zum Beispiel Atemtechniken), um dieses Problem zu umgehen.
  • Magnesiummangel: Magnesium sorgt normalerweise dafür, dass der Pylorus am Magenausgang entspannt wird, sodass der Nahrungsbrei weiter in den Dünndarm fließt. Bleibt er geschlossen, können Sie sich vorstellen, was passiert.
  • Helicobacter pylori Infektion: Das Bakterium H. pylori verursacht nicht nur Magengeschwüre sondern auch einen Reflux. Die Diagnose wird über einen einfachen Blut- oder Atemtest gestellt. Wird die Infektion durch Antibiotikagabe ausgeheilt, so verschwindet häufig auch der Reflux. Interessanterweise treten H. pylori Infektionen vor allem bei Menschen mit zu wenig Magensäure auf.
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder -allergien: Hier sind die Hauptverdächtigen Milchprodukte und glutenhaltige Nahrungsmittel wie Weizen, Roggen, Gerste und Hafer. Wenn Sie Nahrungsmittel essen, die Sie nicht vertragen, kann es zu bakteriellen Überwucherungen im Dünndarm kommen, die in einem Reflux resultieren.
  • Zu wenig Magensäure: Tatsächlich benötigt der untere Speiseröhren-Sphinkter einen bestimmten pH-Wert im Magen, damit er schließt. Der normale Ablauf sieht so aus: Sie essen etwas, der pH Wert im Magen sinkt, weil Magensäure ausgeschüttet wird, der untere Speiseröhren-Sphinkter schließt, damit die Nahrung hübsch im Magen bleibt. Haben Sie also zu wenig Magensäure, kommt es zum Reflux (das hätten Sie jetzt nicht gedacht, oder?).

Was können Sie gegen Sodbrennen und Reflux tun?

Der erste Schritt sollte natürlich immer eine Ernährungsumstellung sein – außer wenn Sie vor Stress nicht mehr wissen, wo Ihnen der Kopf steht (dann ist Stressminimierung der erste Schritt). Also, raus mit der verarbeiteten Industrienahrung und richtiges Essen auf den Tisch. Schränken Sie Ihren Zucker- und Alkoholkonsum ein (und ja, dazu gehören auch Nudeln und Pizza) und versuchen Sie wenigstens weniger zu rauchen (klar, am besten hören Sie ganz damit auf).

Essen Sie normale Portionen und nicht das XXL Menü. 2 – 3 Stunden vor dem Zubettgehen sollten Sie gar nicht mehr essen (Sie schlafen dann auch besser, weil der Körper nicht mehr mit der Verdauung beschäftigt ist).

Wie schon gesagt, üben Sie Entspannungstechniken ein. Ein paar mal am Tag einfach tief Durchatmen macht schon eine Menge aus.

Sollte das noch nicht ausreichend sein, dann müssen Sie andere Ursachen ausschließen:

  1. Lassen Sie sich auf eine Infektion mit H. pylori untersuchen. Sollte eine Infektion vorliegen, so besteht die Behandlung in einer 3-fach Antibiotika Therapie.
  2. Lassen Sie sich auf Nahrungsmittelallergien (IgG Bluttest) und Zöliakie untersuchen (der Test auf Zöliakie ist bei einer Glutenunverträglichkeit negativ).
  3. Atemtest oder Urin organische Säuren Test zum Ausschluss einer Bakterienbesiedlung des Dünndarms. Sollte diese Vorliegen, kann sie mit Xifaxan plus einer Ernährungsumstellung (absolut kein Zucker!) behandelt werden.
  4. Bei Pilzbefall kommen Antimykotika (Pilzmittel) wie Nystatin oder Diflucan zum Einsatz. Auf natürliche Weise helfen Oregano oder Caprylsäure, die zum Beispiel im Kokosöl vorkommt.

Weitere Hilfsmittel, die den Darm entlasten:

  • Nehmen Sie zu jeder Mahlzeit 2 – 3 Kapseln Verdauungsenzyme
  • Lassen Sie Ihrem Darm gute Bakterien in Form von Probiotika zukommen oder essen Sie einfach fermentierte Lebensmittel
  • Trinken Sie am besten täglich Knochenbrühe, oder nehmen Sie zweimal täglich 3 – 5 g Glutaminpulver ein, um die Darmschleimhaut zu heilen
  • Nehmen Sie zweimal täglich 200 – 400 mg Magnesiumcitrat.

 

(1) Increased proton pump inhibitor and NSAID exposure in irritable bowel syndrome: results from a case-control study. https://bmcgastroenterol.biomedcentral.com/articles/10.1186/1471-230X-12-121

(2) Proton Pump Inhibitors Linked to Dementia. http://www.medscape.com/viewarticle/858909

(3) Use of proton pump inhibitors and risk of hip fracture in relation to dietary and lifestyle factors: a prospective cohort study. http://www.bmj.com/content/344/bmj.e372

Autor: Simone Bendig

2013 stieß ich auf die Paleo-Diät und damit auf einen völlig neuen Lebensstil. Durch die Paleo Ernährung konnte ich meine seit Jahrzehnten bestehende Migräne heilen. Meine ständige Müdigkeit verschwand, und ich habe heute mehr Energie und fühle mich sehr viel gesünder als mit 30 Jahren. Mein Ziel ist es, möglichst vielen Menschen zu zeigen, wie sie ihren Lebensstil ändern können, um ebenfalls optimale Gesundheit zu erreichen.

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