Ich schlafe, wenn ich tot bin

Jeder von uns hat diesen Satz wohl schon einmal gehört. Das Erstaunliche ist, dass derjenige, der diese Weisheit von sich gibt, häufig tatsächlich davon überzeugt ist, dass Schlaf überflüssig und dass das Leben viel zu kurz ist, um es schlafend im Bett zu verbringen. Das Traurige ist, dass Menschen mit dieser Einstellung tatsächlich aktiv dazu beitragen, ihr Leben zu verkürzen.

Sehen wir uns mal an warum:

  1. Schlafentzug macht dick. Nicht nur, weil Menschen die nicht ins Bett gehen dazu neigen, nachts noch zu essen, sondern auch weil ein übermüdeter Mensch nach einer Nacht mit zu wenig Schlaf mehr isst. Schlafentzug führt zu Heißhunger auf Kohlenhydrate und Fette, sodass betroffene Individuen eher zu Süßigkeiten als zu Salat greifen. Als Grund dafür wird angesehen, dass der Schlafentzug durch Einfluss auf die Hormone Leptin (Sättigung) und Ghrelin (Hunger) direkt in die Appetitregulation eingreift. Bei zu wenig Schlaf wird weniger Leptin und mehr Ghrelin vom Körper produziert. (1)
  2. Typ II Diabetes. In Studien wurde die Auswirkung eines auf 6 Stunden reduzierten Schlafes (also die Zeit, die viele Leute tatsächlich nur schlafen und die sie für ausreichend erachten) auf die Insulinresistenz untersucht. Insulinresistenz der Zellen ist die Ursache für den Typ II Diabetes. Man hat herausgefunden, dass schon ein moderater Schlafentzug bei gesunden Probanden zu einer erhöhten Insulinresistenz führt. (2)
  3. Schlafentzug führt zu Unfällen. Schuld daran ist der allseits bekannte Sekundenschlaf, der bei Übermüdung auftritt.
  4. Vorzeitiger Alterung. In mehreren Studien wurde inzwischen nachgewiesen, dass zu wenig Schlaf (meistens werden dabei unter 7 Stunden zu Grunde gelegt) zu vorzeitiger Hautalterung führt. Es stimmt also doch, es gibt einen Schönheitsschlaf! (3)
  5. Kognitiven Einschränkungen. Ursache hierfür ist  u. a.  dass das Gehirn während des Tiefschlafs neue Informationen abspeichert und bereits Gelerntes vom Hippocampus in den Neocortex überträgt.  (4)
  6. Eingeschränkte Hirnentgiftung. Wie man inzwischen weiß, arbeitet während des Schlafs das glymphatische System des Gehirns (analog zum lymphatischen System des Körpers), um Giftstoffe auszuscheiden. Diese Entgiftung ist lebenswichtig für eine optimale Hirnfunktion. (5)
  7. Depression. Individuen, die zu wenig Schlaf bekommen, leiden häufig an Depressionen. Tatsächlich können Schlafstörungen das erste Anzeichen für eine beginnende Depression sein.
  8. Cardiovaskuläre Erkrankungen (Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems). Schlafentzug führt zu Erkrankungen wie Herzinfarkt, Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz und Schlaganfall. Über 90 % der Individuen mit Schlafstörungen, leiden außerdem an mindestens einer der obigen Erkrankungen.
  9. Eingeschränkte Urteilsfähigkeit. Chronischer Schlafentzug führt zu Fehlentscheidungen und Einschränkungen in der Urteilsfähigkeit. So sind Menschen, die nur sechs Stunden pro Nacht schlafen, häufig überzeugt, dass diese Schlafdauer für sie ausreichend ist. In kognitiven Tests zeigen sich jedoch Defizite im Vergleich zu „ausgeschlafenen“ Probanden.
  10. Immunsystem. Der Körper braucht ausreichend Schlaf für ein gut funktionierendes Immunsystem.

Fazit: Großmutter hatte Recht. Der gesündeste Schlaf beginnt vor Mitternacht. Um genau zu sein, sollte er sogar schon um 22:00 Uhr beginnen. Hat der Körper einen gut funktionierenden circadianen Rhythmus, so ist dies die optimale Zeit für sämtliche Reparaturvorgänge an Körper- sowie an Immunzellen. Während des Schlafs befindet sich der Körper übrigens in einem anabolen Zustand mit einem höheren Level an HGH (Human Growth Hormone), das zum Gewebeaufbau wichtig ist.

 

(1) www.researchgate.net/profile/Dolores_Malaspina/publication/7473864_Inadequate_sleep_as_a_risk_factor_for_obesity_analyses_of_the_NHANES_I/links/53f4d99f0cf2888a74912841.pdf

(2) http://www.sleephealthjournal.org/article/S2352-7218(15)00188-6/abstract

(3) http://www.huffingtonpost.com/2015/06/11/sleep-deprivation-aging_n_7561304.html

(4) http://www.medscape.com/viewarticle/503105

(5) https://www.nih.gov/news-events/news-releases/brain-may-flush-out-toxins-during-sleep