Statine ALS

Können Statine eine ALS auslösen?

 

Ärzte entdecken jetzt überraschende Zusammenhänge zwischen ALS und anderen Erkrankungen wie Alzheimer Demenz, Parkinson und frontotemporaler Demenz (Anm.: einer Demenz durch Untergang von Nerven im Stirn- und Schläfenlappenbereich, die eigentlich Emotionen und Sozialverhalten steuern). Bisher war man davon ausgegangen, dass diese Erkrankungen nichts miteinander zu tun haben.

Und was könnte wohl der Zusammenhang zwischen diesen immer häufiger und bei immer jüngeren Patienten auftretenden Erkrankungen sein?

Trommelwirbel: Statine.

Im Februar diesen Jahres erschien ein Artikel in der Zeitschrift Drug Safety, der den Zusammenhang zwischen einer ALS Diagnose und der Anwendung einzelner Statine beleuchtete (3). Die Autoren stützen ihre Untersuchung auf das Adverse Event Reporting System (FAERS) der FDA – also auf eine Datenbank der amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde, die die unerwünschten Nebenwirkungen von Medikamenten aufzeichnet.

Und was fanden sie heraus?

Statine erhöhen das ALS Risiko bis zu 107-fach

Statine erhöhen das Risiko an ALS zu erkranken 9- bis 107-fach, je nachdem welches Statin zum Einsatz kommt. Ja, das haben Sie jetzt richtig gelesen.  Am besten schneidet Crestor (Rosuvastatin) ab, das das Risiko um „nur“ das 9-fache erhöht. Es folgen Lipitor (Atorvastatin) 17-fach, Zocor (Simvastatin) 23-fach und der absolute Horror ist Mevacor (Lovastatin) mit einem 107-fach erhöhten Risiko.

Die Autoren kommentieren dies folgendermaßen:

Diese Ergebnisse erweitern bereits vorliegende Beweise indem sie aufzeigen, dass signifikant erhöhte Berichte von ALS Diagnosen auf einzelne Statine zurückzuführen sind und tragen zu Befürchtungen bei, dass der Einsatz von Statinen zu einem vermehrten Auftreten von ALS-ähnlichen Zuständen führen könnte.

Also, ich muss schon sagen, ich war von diesem Artikel jetzt doch ein bisschen geschockt. Und auch wenn ein Zusammenhang keine Ursache ist, wollen wir doch mal festhalten, dass der Zusammenhang zwischen Statinen und ALS größer ist als der Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs. Bezweifelt hier irgendjemand, dass Rauchen Lungenkrebs verursacht? Hätte ich auch nicht gedacht. Wir glauben also, dass dieser Zusammenhang richtig ist, auch wenn es niemals eine randomisierte-doppelblinde Studie dazu gegeben hat. Warum – weil der Wirkmechanismus einfach überzeugend ist.

So, und hier haben wir nun zwischen Statinen und ALS einen Zusammenhang, der sogar noch stärker ist. Und wie Lungenkrebs ist auch eine ALS eine Erkrankung, die ich sicher nicht haben möchte.

Setzen wir dann noch dagegen, dass Statine für die meisten Patienten überhaupt keinen Nutzen – aber viele Nebenwirkungen – haben, dann sollte eigentlich jedem klar sein, dass diese Pillen nicht einmal ihre Herstellungskosten wert sind – geschweige denn den Verkaufspreis, der den Pharmaunternehmen reichlich die Taschen füllt.

Ich frage mich, wie lange es noch dauern wird, bis unsere Verbraucherschützer Alarm schlagen. Immerhin, die amerikanische FDA sitzt auf diesen Daten sehr bequem, hält es aber nicht für nötig, Konsequenzen zu ziehen. Wir haben schon andere große Arzneimittelskandale gehabt – ich erinnere hier nur an die Contergan-Kinder (Thalidomid) in den 60ger Jahren und Vioxx (2004), das zu Tausenden von Todesfällen führte.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich Statine irgendwann zu diesen berühmt, berüchtigten Substanzen gesellen werden.

 

 

(1) https://www.dgm.org/muskelerkrankungen/amyotrophe-lateralsklerose-als

(2) http://www.macleans.ca/society/health/understanding-als/

(3) Amyotrophic Lateral Sclerosis Associated with Statin Use: A Disproportionality Analysis of the FDA’s Adverse Event Reporting System   https://link.springer.com/article/10.1007/s40264-017-0620-4

 

Ein Gedanke zu „Können Statine eine ALS auslösen?“

  1. Hallo Frau Bendig,
    Ihre Auffassung in Bezug auf Statine teile ich absolut und diese Info zeigt einmal mehr die hohe Wahrscheinlichkeit einer zellstoffwechselschädigenden Wirkung – hier werden wohl in einem schleichenden Prozess die Mitochondrien geschädigt. Damit lässt sich insbesondere der (neurodegenerative) Niedergang bestimmter Zellen herleiten, die durch den Mitochondrien-Schwund einen vorzeitigen programmierten Zelltot auslösen. Ich vermute, dass es wie bei Parkinson aber auf die Konstellation mehrerer Belastungsfaktoren ankommt und ein Statin in einer entsprechend ungünstigen Disposition dann die Krankkeit beschleunigen oder zum Ausbruch bringen kann. Das Interesse, eine ausreichende Studienlage zu erschaffen dürfte allerdings bei den üblichen Institutionen eher dürftig ausfallen… Ich finde Ihre Arbeitsweise und Ihre Philosophie jedenfalls herausragend 🙂

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