Wie Luftverschmutzung Ihre Gesundheit kaputt macht

Wenn wir an häufige Todesursachen denken, dann fallen uns als erstes Erkrankungen wie Krebs, Herz-Kreislaufkrankheiten oder vielleicht auch Infektionen ein. Umweltverschmutzung verbinden da nur wenigen Menschen mit. Eine Gruppe von mehr als 40 Forschern hat nun die Auswirkung der Umweltverschmutzung auf Todesfälle untersucht und kommt zu dem Schluss, dass „Verschmutzung die Hauptursache von umweltbedingten Erkrankungen und Todesfällen darstellt“. Die Untersucher werteten Daten von 130 Ländern aus. Die Studie, die im Lancet veröffentlicht wurde, zeigt auf, dass im Jahr 2015 9 Millionen vorzeitige Todesfälle durch Umweltverschmutzung verursacht wurden (1). Das sind 16 Prozent aller Todesfälle weltweit – dreimal mehr als die Todesfälle durch AIDS, Tuberkulose und Malaria zusammen genommen und 15-mal mehr als die Todesfälle, die auf Kriege und andere gewaltsame Auseinandersetzungen zurückgeführt werden.

Fast alle Todesfälle (92 Prozent) ereigenten sich in Ländern mit niedrigen bis mittleren Einkommen. In den Gegenden mit der höchtsten Umweltverschmutzung war diese für einen von vier Todesfällen verantwortlich. Und bilden wir uns nichts ein, die Umweltverschmutzung ist nicht statisch, sondern wandert von einem Land in das nächste. So kommt zum Beispiel ein großer Teil der Luftverschmutzung in Amerika aus China. Andererseits sind 20 Prozent der Luftverschmutzung in China auf die Produktion von Waren in den USA zurückzuführen (2).

Luftverschmutzung tötet die meisten Menschen

Wasser-, Boden und chemische Verschmutzung sind für einige der Todesfälle verantwortlich, aber den Löwenanteil beansprucht die Luftverschmutzung für sich – 6,5 Millionen Tote. Zu diesen Todesfällen tragen sowohl die Innenraumverschmutzung durch Kochen und das Verbrennen von Holz als auch die Außenverschmutzung vor allem durch Kohlekraftwerke und Autoemissionen bei.

Feinsaub (PM 2,5) bezeichnet Staub-, Schmutz-, Ruß- und Rauchpartikel, die kleiner als 2,5 Mikrometer Durchmesser haben. Diese Art der Luftverschmutzung wird am häufigsten untersucht. Die Partikel gelangen in den Körper und führen zu chronischen Entzündungen. Diese erhöhen wiederum Ihr Risiko für Krebs, Herz- und Lungenerkrankungen.

Die Forscher erklären hierzu (3):

„Die stärkste kausale Assoziation wurde zwischen einer Feinstaubbelastung mit PM 2,5 und Herz-, Lungenerkrankungen gesehen. Hierbei handelt es sich vor allem um Herzinfarkte, Bluthochdruck, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen und Herz-Kreislauf bedingte Todesfälle.

Auch zwischen der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) sowie Lungenkrebs und PM 2,5 Verschmutzung fand sich eine kausale Assoziation. Die International Agency for Research on Cancer (IARC) stuft in der Luft befindliche Feinstaupartikel und die Luftverschmutzung als Klasse 1 Kanzerogene für den Menschen ein.“

Die Studie zeigt jedoch auf, dass dieses nicht die einzigen Gefahren der Luftverschmutzung sind. Es finden sich nunmehr auch Hinweise darauf, dass PM 2,5 eine Rolle in Erkrankungen spielt, die man auf den ersten Blick nicht mit einer Luftverschmutzung in Zusammenhang bringen würde – hierzu gehören:

  • Diabetes
  • Störungen der kognitiven Funktion
  • ADHS
  • Autismus
  • Neurodegenerative Erkrankungen
  • Frühgeburten
  • Geringes Geburtsgewicht
  • Plötzlicher Kindstod

Auf einer Konferenz der American Thoracic Society wurden dieses Jahr Forschungsergebnisse vorgestellt, die aufzeigen, dass eine schlechte Luftqualität zu Schlafstörungen führen kann (4). Die Studie untersuchte die Auswirkungen zweier weit verbreiteter Schadstoffe – Stickstoffdioxid, das auf Verkehrsemissionen zurückzuführen ist, und PM 2,5, das für eine abnehmende Sicht verantwortlich ist. Beide Schadstoffe beeinflussten die Schlafeffektivität der Probanden. Diese ist ein Maß für die Zeit, die tatsächlich schlafend verbracht wird, im Gegensatz zur Zeit, in der der Proband wach im Bett lag.

Die Teilnehmer im oberen Viertel der Stickstoffdioxidbelastung hatten über einen Zeitraum von 5 Jahren ein 60 Prozent erhöhtes Risiko für eine geringe Schlafeffektivität verglichen mit den Teilnehmern im unteren Viertel.  Bei den Probanden mit der höchsten Feinpartikelbelastung fand sich ein 50 Prozent erhöhtes Risiko für niedrige Schlafeffektivität.

Wenn man bedenkt, dass Schlafmangel eine Gesundheitsgefährdung darstellt, dann hätte man sein Bett schon gern an einem Platz stehen, der nicht-verschmutzte Luft aufweist. Leider wird aber die Luftverschmutzung in vielen Teilen der Welt immer schlimmer und ohne ein entgegen gerichtetes aggressives Eingreifen wird geschätzt, dass Todesfälle aufgrund von Luftverschmutzung bis zum Jahr 2050 um mehr als 50 Prozent ansteigen könnten.

Kohleverbrennung ist eine der großen Dreckschleudern

Den weitaus größten Anteil an der weltweiten Luftverschmutzung – 85 Prozent – stellt die Kraftstoffverbrennung dar, wobei Kohle der „weltweit führende Schadstoffe ausstoßende fossile Brennstoff ist“ (5). Allein in den USA wurden 2005 in einer Untersuchung 200.000 vorzeitige Todesfälle auf Verbrennungsemissionen inklusive Autoabgasen und Energiegewinnung zurückgeführt (6). Heute dürften diese Zahlen weitaus höher liegen.

Eine Studie zur Stromgewinnung, die normalerweise sehr kohleintensiv ist, zeigte auf, dass eine Umstellung auf eine Energiegewinnung aus Erdgas zahlreiche positive Auswirkungen hätte (7).  Der Studienautor Jay Apt schreibt zu diesen Ergebnissen in The Conversation (8):

„Eine Umstellung von Kohle auf Erdgas würde den Schwefeldioxidausstoß um mehr als 90 Prozent und die Stickoxidemissionen um mehr als 60 Prozent reduzieren. Diese Substanzen sind die Hauptursachen für die Feinstaubbelastung. Reduktionen in dieser Größenordnung würden die jährlichen Gesundheitsausgaben in den USA um 20 – 50 Milliarden US Dollar senken.“

Die Autoren der Lancet Studie gingen sogar noch einen Schritt weiter und führten an, dass die Umstellung auf erneuerbare Energien wie Wind-, Wasser-, geothermische – und Solarenergie, die sehr viel sauberer sind, sogar eine noch bessere Lösung wäre. Diese Energiegewinnung würde nicht nur die Umweltverschmutzung und die Gesundheit ganzer Populationen verbessern, sondern sich auch sehr positiv auf den Treibhauseffekt auswirken und die Effektivität der Stromerzeugung erhöhen.

Die industrialisierte Landwirtschaft und die Luftverschmutzung

Auch die industrialisierte Landwirtschaft trägt ihren Teil zur Luftverschmutzung in weiten Teilen Europas, der USA, China und Russlands bei. Ein treibender Faktor ist dabei vor allem der hohe Stickstoffgehalt von Düngemitteln, der den Boden mit Nährstoffen anreichern und so für bessere Ernten sorgen soll. Eine Studie aus der Zeitschrift Geophysical Research Letters zeigt auf, dass in einigen dicht bewohnten Gebieten die Emissionen der Landwirtschaft sehr viel mehr zur Umweltverschmutzung beitragen als andere Quellen von Feinstaub (9).

Sowohl durch den Abbau stickstoffhaltiger Düngemittel wie auch durch Ausscheidungen von Tieren wird Ammoniak in die Luft abgegeben. Erreicht dieser Ammoniak  Industriegebiete, so verbindet er sich dort mit Schadstoffen aus der Diesel- und Benzinverbrennung und erzeugt Mikropartikel. Sowohl die Arbeiter aus Anlagen für Massentierhaltung als auch deren angrenzende Nachbarn berichten, dass es zum gehäuften Auftreten von Asthma, Kopfschmerzen, Augenirritationen und Übelkeit kommt.

Dieser Effekt wurde in einer Studie bestätigt, die im Journal of Respiratory and Critical Care Medicine veröffentlicht wurde, und zeigte, dass Lungenfunktionswerte abhängig davon ausfielen, wie weit die Betreffenden von der Massentierhaltung entfernt wohnten (10). Je dichter sie an den Anlagen wohnten und je mehr Tiere dort gehalten wurden, desto größer waren die Einschränkungen in der Lungenfunktion.

Was Sie essen, kann die Effekte der Luftverschmutzung abfangen

Nach einem Bericht der WHO atmen nur 8 Prozent der Weltbevölkerung Luft, die den Standards der WHO entspricht – oder mit anderen Worten 92 Prozent atmen verschmutzte Luft ein (11). Nun kann man  sich nicht immer aussuchen wie es mit der Luftverschmutzung vor der Tür aussieht, aber Sie können bestimmen, was Sie essen und in wiefern dies den Auswirkungen der Luftverschmutzung entgegenwirkt.

Und auch hier schneiden die essbaren Dinge der Nahrungsmittelindustrie eher schlecht ab. Halten Sie sich stattdessen lieber an richtige Nahrungsmittel, entzündungshemmende Gemüse und gesunde Fette. Essen Sie vor allem folgende Nahrungsmittel:

  • Omega-3 Fettsäuren: Sie wirken antientzündlich (entgegen den in Pflánzenölen enthaltenen Omega-6 Fettsäuren). In einer Studie an 29 Personen mittleren Alters wurde nachgewiesen, dass diese Fette die negativen Auswirkungen der Luftverschmutzung auf das Herz reduzieren konnten (Olivenöl hatte diesen Effekt nicht) (12).
  • Brokkolisprossen: In einer Studie wurde nachgewiesen, dass ein Brokkolisprossen Extrakt die allergische Atemwegsreaktion auf Dieselabgase verhindern kann. Die Untersucher gehen davon aus, dass die Sprossen eine Schutzwirkung gegen Asthmaanfälle, die durch Luftverschmutzung ausgelöst werden, haben könnten (13). In einer weiteren Studie wurde gezeigt, dass ein Getränk aus Brokkolisprossen Bewohnern einer sehr von Luftverschmutzung betroffenen Region in China bei der Entgiftung half (14).
  • Vitamine C und E: Bei Kindern mit Asthma konnten durch die Anwendung von Antioxidantien – vor allem der Vitamine C und E- die Auswirkungen einer Ozonbelastung abgefangen werden (15).
  • B Vitamine: Eine kleine Studie zeigte auf, dass hohe Dosen der Vitamine B6, B9 und B12 in der Lage waren Schädigungen durch eine Feinstaubbelastung komplett aufzuheben (16). In der Studie erhielten die Probanden vier Wochen lang hochdosierte Vitamine. Genetische Schäden in 10 Genorten wurden dabei um 28 – 76 Prozent reduziert, die mitochondriale DNA vor den schädlichen Auswirkungen der Luftverschmutzung geschützt und in einigen Fällen solche Schäden sogar repariert.

Wie können Sie die Luftverschmutzung in Innenräumen reduzieren?

Machen wir uns nichts vor, die Luftverschmutzung von Innenräumen ist in vielen Fällen sogar höher als die Luftverschmutzung draußen. Chemische Reinigungmittel, Raumduftsprays, Flammschutzmittel und der gute alte Kamin sind nur ein paar Quellen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass Sie darauf achten, in Ihren Wohnräumen möglichst saubere Luft zu haben.

Ein Ansatz sind Luftfiltersysteme. Es wurde nachgewiesen, dass diese die Konzentration des C-reaktiven Proteins (CRP) und anderer Entzündungsmarker vermindern (17). Wichtig ist eine genaue Recherche, denn nicht alle arbeiten gleich gut, und kein Filter entfernt alle Schadstoffe. Sie müssen also den für Sie passenden Filter finden.

Im Gegensatz zu Filtern, die die Schadstoffe einfach auffangen, gibt es eine Technologie namens Photokatalytische Oxidation. Diese Technologie reinigt die Luft mittels UV-Licht und wandelt die Schadstoffe in ungiftige Substanzen um.

Wer es einfacher mag, der schafft sich einfach ein paar Zimmerpflanzen an. Auch diese reinigen die Luft, indem sie Schadstoffe aufnehmen.

Und nicht zu vergessen – Lüften. Jedenfalls wenn Sie nicht gerade neben einem Kohlekraftwerk wohnen. Im Normalfall dürfen Sie davon ausgehen, dass die Luft draußen deutlich sauberer ist als die Luft drinnen. Gerade Neubauten schließen so dicht, dass ein Luftaustausch praktisch nicht mehr stattfindet. Nur in Altbauten mit einmalverglasten Fenstern braucht man nicht zwingend zu lüften, weil man eigentlich die ganze Zeit einen sehr spürbaren Luftaustausch hat. Richtiges Lüften bedeutet die Fenster mehrmals täglich für 5 – 15 Minuten ganz zu öffnen (keine Kippstellung). Noch besser, wenn Sie tatsächlich Durchzug machen können.

Und natürlich ganz wichtig – verzichten Sie möglichst auf den Einsatz chemischer Reinigungsmittel. Backpulver und Essig wirken genauso gut wie die chemische Keule mit der langen Zutatenliste. Geben Sie noch ein paar Tropfen ätherische Öle hinzu, dann umgeben Sie sich nicht mit synthetischen Duftstoffen, die ungewollte Hormonwirkungen hervorrufen. Das ist nicht nur gut für Sie, sondern auch für die Umwelt.

 

(1) Pollution, health, and the planet: time for decisive action  http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(17)32588-6/abstract

(2) https://www.popsci.com/nine-million-people-killed-pollution

(3) http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(17)32345-0/fulltext

(4) http://www.thoracic.org/about/newsroom/press-releases/conference/2017/billings-and-air-pollution-and-sleep.php?platform=hootsuite

(5) The Lancet Commission on pollution and health  http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(17)32345-0/fulltext

(6) Air pollution and early deaths in the United States. Part I: Quantifying the impact of major sectors in 2005  http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1352231013004548?via%3Dihub

(7) The climate and health effects of a USA switch from coal to gas electricity generation  http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S036054421630322X?via%3Dihub

(8) https://theconversation.com/the-other-reason-to-shift-away-from-coal-air-pollution-that-kills-thousands-every-year-78874

(9) Significant atmospheric aerosol pollution caused by world food cultivation  http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/2016GL068354/abstract;jsessionid=4A7286C797CA0A253DDCF2753702507A.f02t01

(10) Air Pollution from Livestock Farms Is Associated with Airway Obstruction in Neighboring Residents.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28489427

(11) http://www.who.int/mediacentre/news/releases/2016/air-pollution-estimates/en/

(12) Omega-3 Fatty Acid Supplementation Appears to Attenuate Particulate Air Pollution–Induced Cardiac Effects and Lipid Changes in Healthy Middle-Aged Adults   https://ehp.niehs.nih.gov/1104472/

(13) Sulforaphane-rich broccoli sprout extract attenuates nasal allergic response to diesel exhaust particles.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24287881

(14) Rapid and Sustainable Detoxication of Airborne Pollutants by Broccoli Sprout Beverage: Results of a Randomized Clinical Trial in China  http://cancerpreventionresearch.aacrjournals.org/content/7/8/813.long

(15) Antioxidant supplementation and lung functions among children with asthma exposed to high levels of air pollutants.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12204869

(16) B vitamins attenuate the epigenetic effects of ambient fine particles in a pilot human intervention trial  http://www.pnas.org/content/114/13/3503.abstract

(17) http://www.newsweek.com/2016/06/10/indoor-air-pollution-revolution-465531.html

 

 

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