Nichtalkoholische Fettleber – essen Sie zu viele Kohlehydrate?

Nichtalkoholische Fettleber, geschwollener BauchMein Medizinstudium ist schon eine Weile her. Damals haben wir gelernt, dass eine Fettleber mit einem zu hohen Alkoholkonsum zusammenhängt. Die Geschichte geht so: Sie trinken zuviel Alkohol, bekommen eine Fettleber (die auf Hochtouren arbeitet), und wenn Sie weiterhin zuviel Alkohol trinken, dann haben Sie irgendwann eine Leberzirrhose (da arbeitet die Leber dann ziemlich schlecht).  Das hat wohl auch noch die Allgemeinheit im Kopf, denn ich höre häufig von Patienten: „Ich habe eine Fettleber, dabei trinke ich gar keinen Alkohol.“ Es gibt aber eben auch eine nichtalkoholische Fettleber.
Der Zusammenhang zwischen einer Fettleber und Kohlenhydraten ist den meisten Menschen (und auch Ärzten) nicht so ganz einsichtig. Und so wird Patienten erzählt, dass sie eine Fettleber unklarer Genese (ungeklärter Ursache) haben. Aber ist die Genese wirklich unklar, oder sollte sie nicht für jeden sichtbar sein?
Haben Sie jemals Foie gras gegessen? Die sogenannte Gänse- oder Enten-Stopfleber ist eine französische Delikatesse, die hergestellt wird, indem man Gänse oder Enten so mit Essen vollstopft, dass sie eine Fettleber entwickeln, was der Leber einen ganz eigenen Geschmack gibt.
Klingt schrecklich, oder? Ich selbst stehe ja nicht wirklich auf Leber (außer auf selbstgemachte Leberwurst), könnte mir aber auch verkneifen, etwas zu essen, das mit soviel Tierleid in Zusammenhang steht.
Aber was genau wird diesen Tieren nun gefüttert, um die Fettleber hervorzurufen? Der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass das wohl eine Menge Fett sein muss, denn Alkohol werden sie doch wohl nicht bekommen. Damit liegen sie aber völlig falsch, denn die richtige Antwort lautet natürlich: Zucker, Mais und Stärke.

Kohlenhydrate verursachen eine nichtalkoholische Fettleber

Wenn Ihnen also Ihr Arzt erzählt, dass Sie eine fettarme Ernährung mit einem hohen Anteil an Kohlenhydraten einhalten sollen, dann sollten bei Ihnen alle Alarmglocken losgehen. Der Grund dafür ist, dass Studien inzwischen belegen, dass Kohlenhydrate – und nicht etwa Fett – in der Ernährung zu Fettablagerungen am Bauch (sehr gefährlich) und in der Leber führen.

Das sind ganz schlechte Neuigkeiten, denn genau diese Ernährung wird uns seit Jahrzehnten angeraten (empfohlen sind immerhin bis 60 Prozent der Kalorien durch Kohlenhydrate abzudecken!!). Und das Ergebnis: Sowohl der Bauchumfang der Bevölkerung als auch die Zahl der Personen mit nichtalkoholischer Fettleber steigt seit Jahren dramatisch.

Wie eine nichtalkoholische Fettleber entsteht

Zuckerkonsum führt dazu, dass in der Leber vermehrt Fett hergestellt wird – ein Prozess, der als Lipogenese (Fettsäuresynthese) bezeichnet wird. Diese Reaktion wird durch Zucker – aber vor allem durch  Fructose (Fruchtzucker) ausgelöst. Fructose ist tatsächlich der Hauptverursacher der nichtalkoholischen Fettleber (1). Und warum ist das so? Nun Glucose kann von allen Körperzellen verwertet werden, das ist aber bei Fructose nicht der Fall. Diese kann nur von der Leber abgebaut werden. Das heißt alle Fructose, die Sie aufnehmen, wandert schnurstracks zur Leber (und erhöht deshalb auch nicht den Blutzuckerspiegel) und schmeißt dort die Lipogenese an.

Um gleich ein Missverständnis auszuräumen – ich spreche hier nicht von der Fructose, die Sie konsumieren, wenn Sie ganze Früchte essen. Mit dieser Fructose kommt unser Körper gut zurecht (es sei denn Sie haben eine Fructoseintoleranz), denn sie gelangt nicht in freier Form in den Körper sondern in Kombination mit Ballaststoffen. Also Entwarnung – Früchte sind unbedenklich (und womöglich sogar gesund!), außer Sie stopfen sich wirklich voll.

Die gefährliche Fructose ist diejenige, die Sie als freie Fructose aufnehmen. Diese kommt vor in:

  • Softdrinks
  • Fruchtsäften
  • Tee (wenn er mit Zucker gesüßt wurde)
  • Energy Drinks (Red Bull u. ä.)
  • Starbucks Kaffeespezialitäten
  • Keksen und Kuchen
  • Schokoriegeln
  • Eiscreme und anderen gefrorenen Süßigkeiten inklusive fettarmer Fruchtjoghurt
  • Frühstücksflocken inklusive Corn Flakes, Müsli und Müsli Riegel
  • Gewürze, Salatsaucen, Balsamico Essig
  • Trockenfrüchte (Rosinen, Datteln, Feigen)
  • Dosenfrüchte, Marmeladen
  • Süße asiatische Saucen
  • Honig, Ahornsirup, Agavendicksaft
  • Brandy und Liköre

Einige Fakten zur nichtalkoholischen Fettleber

Sowohl in Europa als auch in den USA ist die nichtalkoholische Fettleber mittlerweile die am häufigsten diagnostizierte Ursache einer chronischen Lebererkrankung (2).  Etwa 5 bis 20 % der Patienten mit NAFLD entwickeln eine nichtalkoholische Steatohepatitis – NASH (Fettleberentzündung), die in 10 bis 20 % der Fälle in eine höhergradige Fibrose übergeht. Bei < 5 % entwickelt sich aus der Fibrose eine Leberzirrhose. Basierend auf diesen Schätzungen kann von einer Zirrhoseprävalenz von 0,05 bis 0,3 % in der Allgemeinbevölkerung ausgegangen werden. Jährlich erkranken etwa 2 % der Zirrhosepatienten an einem hepatozellulären Karzinom (Leberkrebs). Eine Fettleber kann also einen sehr unschönen Verlauf nehmen. Hinzu kommt, dass die nichtalkoholische Fettleber auch bei Kindern auftritt, sodass der Schaden im Körper schon zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt auftritt.

Außerdem führt NAFLD zu einer chronischen Entzündung, die wiederum Auslöser für eine Insulinresistenz, einen Prädiabetes und die Ausbildung von viszeralem Fett (Fettablagerungen um die inneren Organe im Bauchraum) ist (3).

Das ist aber noch nicht alles, was übermäßiger Zucker- und Stärkekonsum in Ihrem Körper anrichten kann. Zusätzlich kann es zu einer Erhöhung der Triglyzeride und des LDL („schlechtes Cholesterin), einer Erniedrigung des HDL („gutes Cholesterin“) und einem erhöhten Herzinfarktrisiko kommen (4).

Symptome der nichtalkoholischen Fettleber

Eine Fettleber tut nicht weh, und so haben die meisten Leute keine Ahnung, dass sie diese Erkrankung haben könnten. Frühe Warnzeichen sind:

  • Heißhunger auf zuckerhaltige Lebensmittel
  • Hoher Zucker- bzw. Kohlenhydratkonsum (die Pastadiät)
  • Fettpölsterchen über dem Hosenbund.

Wirklich zu denken geben sollten folgende Anzeichen:

  • Geschwollener Bauch
  • Brustvergrößerung bei Männern
  • Milzvergrößerung
  • Rote Handinnenflächen
  • Erweiterte Blutgefäße in der Haut
  • Müdigkeit
  • Gelbfärbung von Haut und Augen (Ikterus).

 

Auswirkung von Nahrungsfetten

Jeder würde denken, dass der Konsum von Fett eine bestehende Fettleber verschlechtert, das ist jedoch absolut nicht der Fall. Im Gegenteil – Nahrungsfette schalten die Fettproduktion in der Leber ab.

Nahrungsfette triggern auch keine Insulinausschüttung in der Bauchspeicheldrüse (außer Sie essen sie zusammen mit Kohlenhydraten zum Beispiel als Chicken Nuggets – dann haben Sie echt ein Problem). Wenn Sie die richtigen Fette essen, können Sie Ihren Stoffwechsel beschleunigen, die Fettverbrennung anregen und Hungerattacken vorbeugen.

Welche Fette sind gesund

Natürlich haben nicht alle Fette eine positive Auswirkung auf die Leber. Pflanzenöle sollten Sie hier lieber nicht konsumieren, denn Sie haben sowohl aufgrund ihres Herstellungsprozesses als auch durch den hohen Anteil an Omega-6 Fettsäuren eine entzündungsauslösende Wirkung.

Heilsame Fette sind:

  • Kokosöl oder mittelkettige Triglyzeride (MCTs)
  • Gesättigte Fette wie solche, die im Fleisch und der Milch von Weidetieren enthalten sind. Gesunde gesättigte Fettsäuren wirken entzündungshemmend, wenn sie als Teil einer low-carb Ernährung gegessen werden, die sowohl viele Omega-3 Fette als auch viele Ballaststoffe enthält.
  • Omega-3 Fettsäuren vor allem tierischen Ursprungs (Fisch, Krill), aber auch aus Pflanzen (Chia-, Leinsamen). Pflanzen enthalten allerdings nur ALA (Alpha-Liponsäure) und nicht die wichtigen Omega-3 Fettsäuren EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure).

 

Vorbeugung und Therapie

Sowohl die Vorbeugung als auch die Therapie bestehen im wesentlichen aus den selben Strategien.

1. Essen Sie mehr Eiweiß

Aber achten Sie darauf, dass Sie hochwertiges Eiweiß essen, also Nüsse, Samen, Eier, Fisch aus Wildfang, Fleisch von Tieren aus artgerechter Haltung (keine Massentierhaltung!). Konsumieren Sie zu jedem Essen eine etwa Handteller große Portion. Besonders wichtig ist das Eiweiß zum Frühstück, denn es hält lange satt und stabilisiert den Blutzucker.

2. Reparieren Sie bereits angerichteten Schaden

Essen Sie entgiftende Nahrungsmittel wie Brokkoli, Blumenkohl und Rosenkohl. Pro Tag sollten Sie ungefähr 1 – 2 Becher Blattgemüse wie zum Beispiel Kohl, Rucola, Salat und Wasserkresse konsumieren. Versuchen Sie auch mehr Knoblauch und Zwiebeln zu essen. Ihr natürlicher Schwefelgehalt unterstützt die Leber dabei, Toxine auszuscheiden. Rote Bete und Karotten sind ebenfalls hilfreich.

3. Nahrungsergänzungsmittel

Die Heilung wird durch Versorgung mit den richtigen Nährstoffen sehr unterstützt. Zur Unterstützung der Leber kommen zum Beispiel folgende Nahrungsergänzungsmittel in Frage:

  • Kräuter wie Mariendistel, Kurkuma und Löwenzahn
  • α-Liponsäure und N-Acetyl-Cystein. Diese erhöhen die Konzentration von Glutathion, dem wichtigsten Antioxidans des Körpers.
  • Vitamine und Mineralien: B-Vitamine und Magnesium sind besonders wichtig.

4. Gesunde Fette

Wie bereits erwähnt, sind gesunde Fette unverzichtbar, wenn Sie eine gesunde Leber haben wollen. Hierbei handelt es sich um:

  • Olivenöl
  • Avocados
  • Kokosöl oder die konzentrierte Form MCT-Öl
  • Butter von Weidetieren (nicht die gute deutsche Markenbutter)
  • Fisch– und Krill-Öl.

Außerdem sollten Sie zuckerarme Früchte wie Beeren essen. Bei sehr zuckerhaltigen Früchten (Banane, Weintrauben) ist eher Zurückhaltung geboten.

Eine Ernährung mit guten Fetten, moderatem Eiweißgehalt – das bedeutet je nach körperlicher Aktivität zwischen 60 – 100 g pro Tag (zuviel Eiweiß wird vom Körper in Zucker umgewandelt) und wenig Kohlenhydraten (100 – 150 g pro Tag) wird Sie dabei unterstützen, Heißhungerattacken auf Zucker zu überwinden und den durch Zucker angerichteten Schaden wieder gut zumachen.

5. Bewegung

Durch Bewegung – und ich spreche hier nicht von einem Marathontraining – verbessern Sie Ihre Stoffwechselleistung und reduzieren eine eventuell vorhandene Insulinresistenz. Wenn Sie damit beginnen, jeden Tag 30 Minuten spazieren zu gehen, haben Sie schon einen guten Anfang. Noch mehr Spaß macht das natürlich mit einem Hund (der ist dann auch noch für die Oxytocin-Ausschüttung gut (Bindungshormon = sehr wichtig).

6. Verabschieden Sie sich von den Kohlenhydraten

Last but not least, ist dies vielleicht der wichtigste Punkt. Wenn Sie von all diesen Vorschlägen nur einen umsetzen können, dann verzichten Sie auf Zucker – und vor allem auf Fructosebomben wie High Fructose Corn Syrup (HFCS) und Agavendicksaft. Auch auf Stärke (wie in Kohlenhydraten, nicht in Muskelkraft) können Sie getrost verzichten. Es gibt essentielle (lebenswichtige) Fette und essentielle Aminosäuren (Proteine). Es gibt keine essentiellen Kohlenhydrate!

Die Leber ist ein sehr regenerationsfähiges Organ. Mit der richtigen Ernährung können Sie sich auch bald von Ihrer Fettleber verabschieden.

 

(1) Carbohydrate intake and nonalcoholic fatty liver disease: fructose as a weapon of mass destruction. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4405421/

(2) Nichtalkoholische Fettlebererkrankung. https://www.aerzteblatt.de/pdf/111/26/m447.pdf

(3) http://www.webmd.com/diabetes/news/20110225/fatty-liver-may-be-linked-to-diabetes-risk#1

(4) Non alcoholic fatty liver disease and metabolic syndrome. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2633261/

Autor: Simone Bendig

2013 stieß ich auf die Paleo-Diät und damit auf einen völlig neuen Lebensstil. Durch die Paleo Ernährung konnte ich meine seit Jahrzehnten bestehende Migräne heilen. Meine ständige Müdigkeit verschwand, und ich habe heute mehr Energie und fühle mich sehr viel gesünder als mit 30 Jahren. Mein Ziel ist es, möglichst vielen Menschen zu zeigen, wie sie ihren Lebensstil ändern können, um ebenfalls optimale Gesundheit zu erreichen.

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