Wie Sie Nahrungsmittelunverträglichkeiten natürlich behandeln

Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Fühlen Sie sich durch Nahrungsmittelunverträglichkeiten in Ihrer Lebensqualität eingeschränkt? Dann wird es Sie freuen zu hören, dass dieses Problem reversibel ist und sogar leichter als Sie denken.

Allergien und Unverträglichkeiten

Zunächst einmal ist es wichtig, dass Sie den Unterschied zwischen einer Allergie und einer Unverträglichkeit verstehen. Die Begriffe werden häufig synonym verwendet, obwohl es in ihrer Pathologie deutliche Unterschiede gibt.

Eine Allergie ist eine spezifische Antwort Ihres Immunsystems auf einen äußeren Reiz (in diesem Fall Nahrungsmittel), die die Produktion von Antikörpern beinhaltet.

Eine Intoleranz oder Unverträglichkeit kann eine Allergie einschließen, aber auch andere auslösende Faktoren. So führen Unverträglichkeiten zu Reaktionen, die von Histamin, Cytokinen und anderen neurologischen Faktoren ausgelöst werden. Sie können auch auf einem Enzymmangel beruhen wie zum Beispiel die Laktoseintoleranz.

Allergien vom Soforttyp – zum Beispiel eine Erdnuss- oder Schalentierallergie – können Sie nicht abstellen. Diese werden Sie in der Regel Ihr Leben lang begleiten. Anders sieht es aber bei Allergien vom verzögerten Typ oder eben auch bei Unverträglichkeiten aus. Hier haben Sie gute Chancen, diese mit einigen Ernährungsumstellungen und einer Darmsanierung in den Griff zu bekommen.

Nahrung und Gesundheit

Schon Hippokrates hat gesagt: „Jede Krankheit beginnt im Darm“. Und so überrascht es nicht wirklich, dass inzwischen immer mehr Studien zeigen, dass Nahrungsmittel einen riesigen Effekt auf unsere Gesundheit haben. Alltägliche Symptome, die durch eine falsche Auswahl von Nahrungsmitteln hervorgerufen werden können, sind zum Beispiel:

  • Blähungen
  • Migräne
  • Akne
  • Müdigkeit und Erschöpfung.

Diese Symptome kommen Ihnen wahrscheinlich sehr bekannt vor, denn es gibt mehr als genug Leute, die ständig unter ihnen leiden. Es können aber auch schwerwiegendere Erkrankungen durch Nahrungsmittel-unverträglichkeiten ausgelöst werden. Das ist der Tatsache geschuldet, dass ein Immunsystem, das ständig auf unverträgliche Stoffe reagieren muss, teilweise auch körpereigene Stoffe angreift. Man bezeichnet dies als Molekulare Mimikry oder auf gut Deutsch ganz einfach als Verwechslung. Wenn es so richtig blöd läuft, kann es dadurch zur Ausbildung von Autoimmunerkrankungen kommen – zum Beispiel einer Hashimoto Thyreoiditis (1).

Nahrungsmittelunverträglichkeiten führen auch zu einer chronischen Entzündung im Körper, die wiederum in einer Fehlregulation der Nebenniere resultieren kann. Das Endergebnis sind dann Erschöpfungszustände und Gewichtszunahme.

Es ist also ziemlich klar, dass Sie sich darum bemühen sollten, Ihr Immunsystem vor zuviel Stress zu schützen.

 

4 Schritte zur Heilung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Schritt 1: Identifizieren und vermeiden

Um Nahrungsmittelunverträglichkeiten behandeln zu können, müssen Sie natürlich zunächst einmal herausbekommen, welche Nahrungsmittel Sie nicht vertragen. Wenn Dinge, die Sie tagtäglich essen, Ihr Immunsystem anschmeißen, dann hat Ihr Körper nie die Chance, sich selbst zu heilen. Der erste Schritt besteht also darin, verdächtige Nahrungsmittel zu identifizieren.

Und das ist gar nicht mal so einfach.
Sie haben vielleicht schon mal davon gehört, dass es sinnvoll ist, Symptome in einem Tagebuch aufzuschtreiben. Eigentlich gut, aber das Problem ist, dass Symptome bei Unverträglichkeiten nicht sofort auftreten (es ist keine Allergie vom Soforttyp), sondern mit einer Latenz von bis zu 72 Stunden. Einige Symptome merken Sie vielleicht nicht einmal (so wie die langsam fortschreitende Arterienverkalkung).
Wenn Sie keine Laborbestimmung durchführen lassen wollen, besteht die Möglichkeit für einige Wochen eine Eliminationsdiät einzuhalten. Hier werden die häufigsten Auslöser von Nahrungsmittelunverträglichkeiten vom Essensplan gestrichen und nach einiger Zeit einzeln wieder eingeführt.
Einen schnelleren Aufschluss über etwaige Unverträglichkeiten gibt eine Laboruntersuchung. Hierbei werden IgG und IgG4 Antikörper untersucht – im Gegensatz zum normalen Allergietest, der nur IgE Antikörper bestimmt. Dieser Allergietest nützt deshalb auch nichts zur Diagnose einer Unverträglichkeit.
Wissen Sie erst einmal, welche Nahrungsmittel Sie nicht vertragen, dann ist es extrem wichtig, diese für 3 – 6 Monate vollständig zu meiden. Das ist manchmal nicht einfach, aber der einzige Weg, der es Ihnen ermöglicht, diese Unverträglichkeiten natürlich zu heilen.

Schritt 2: Therapie chronischer Infektionen

Jetzt wird es Zeit, sich mit Ihrer Flora auseinanderzusetzen. Sie müssen herausfinden, ob Sie irgendwelche unerwünschten „Mitbewohner“ haben, und wenn ja – diese effektiv bekämpfen.

Infektionen, die in diesem Schritt ausgeschlossen werden sollten, sind die folgenden:

  • H. pylori – dieser wird durch Blut- Stuhluntersuchungen oder einen Atemtest diagnostiziert.
  • Pilze – Diagnose durch Stuhluntersuchung oder Hauttest
  • Andere Keime – Diagnose durch Stuhluntersuchung.

Schritt 3: Wiederaufbau der Darmflora

Wenn Sie die ersten beiden Schritte durchgeführt haben, befinden Sie sich schon auf dem besten Weg zum Wiederaufbau der Darmflora. Durch den Verzicht auf unverträgliche Nahrungsmittel  und die Therapie chronischer Infektionen, helfen Sie Ihrem Mikrobiom schon ganz immens.

Sie können Ihre Darmbewohner aber noch weiter unterstützen, und zwar durch den Einsatz von:

  1. Präbiotischen Nahrungsmitteln
  2. Fermentierten Nahrungsmitteln
  3. Polysacchariden
  4. Nahrungsergänzungsmitteln.
Präbiotische Nahrungsmittel

Es handelt sich um Nahrungsmittel, die der Ernährung der Darmbakterien dienen. Präbiotische Nahrungsmittel sind zum Beispiel Inulin, Topinambur aber auch resistente Stärke. Diese Stärke, die unter anderem in gekochten und dann abgekühlten Kartoffeln vorkommt (ich sage nur: Kartoffelsalat) kann von unseren Verdauungsenzymen nicht aufgespalten werden, wohl aber von den Bakterien im Dickdarm (2). Sie sorgt dafür, dass die guten Darmbakterien sich wieder ausbreiten können.

Fermentierte Nahrungsmittel
Diese sorgen dafür, dass die guten Darmbakterien wieder aufgebaut werden. Beispiele hierfür sind:
  • Kimchi
  • Sauerkraut
  • Fermentierte Gemüse
  • Kombucha.

 

Polysaccharide

Polysaccharide (Vielfachzucker oder Glykane) helfen ebenfalls beim Wiederaufbau der Darmflora. Sie finden sich in Nahrungsmitteln wie:

  • Zwiebeln
  • Kohlgemüse
  • Okra
  • Aubergine
  • Aloe vera Gel
Nahrungsergänzungsmittel

Stoffe, die sich positiv auf die Heilung des Darms auswirken, sind:

Wichtig ist eine ausreichende Dosierung. Diese beträgt für:

  • Glutamin mindestens 1200 mg
  • Quercetin mindestens 100 mg
  • DGL mindestens 300 mg
  • NAG mindestens 800 mg.

Die Therapie sollte drei Monate lang erfolgen.

Schritt 4: Desensibilisierung

Vielleicht kennen Sie die Desensibilisierung oder auch Hyposensibilisierung schon als Behandlung für Allergien wie Heuschnupfen. Das gleiche Prinzip funktioniert auch bei Nahrungsmitteln (6). Betroffene erhalten die Nahrungsmittel, auf die sie reagieren, in sehr kleinen Mengen, die dann langsam gesteigert werden. Die Idee dahinter ist, dass das Immunsystem an die Stoffe gewöhnt wird und dann nicht mehr darauf reagiert.

Wenn Sie die ersten drei Schritte durchgeführt haben, können Sie über eine Desensibilisierung nachdenken. Auch hier gilt, sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt, bevor Sie irgendetwas Neues ausprobieren. Und Achtung: Eine Desensibilisierung können Sie nicht bei Nahrungsmitteln durchführen, die anaphylaktische Reaktionen (lebensbedrohlich!) hervorrufen können, wie zum Beispiel Allergien auf Nüsse, Schalen- und Krustentiere. Noch einmal: Sie sollten nicht versuchen Nahrungsmittelallergien alleine zuhause zu behandeln!

 

Desensibilisierung bei Nahrungsmittel-unverträglichkeiten

Für die Behandlung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten stellen Sie sich eine Verdünnung der betreffenden Nahrungsmittel her, die Sie sublingual (unter der Zunge) anwenden können.

So eine Verdünnung hilft natürlich nicht bei essbaren Dingen, die von Natur aus ein Problem für Ihren Körper darstellen – wie Zucker, Konservierungs- und Geschmacksstoffe. Auch Menschen mit einer Zöliakie sollten um Himmels willen keine Desensibilisierung gegen Gluten versuchen.

Durchführung

Die Desensibilisierung läuft über 3 Monate.

  • Wählen Sie bis zu drei Nahrungsmittel aus, auf die Sie besonders reagieren (vielleicht sind es Milchprodukte, Eier und Mandeln).
  • Kochen Sie diese Nahrungsmittel und wiegen Sie von jedem einzelnen mit einer Küchenwaage 1 g ab.
  • Geben Sie die abgewogene Menge in 1 l gefiltertes Wasser
  • Mixen Sie das Ganze 2 Minuten lang in einem Hochleistungsmixer. Sie haben nun eine 1/1000 Verdünnung Ihres Allergens, die 0,001 g des unverträglichen Nahrungsmittels enthält.
  • Füllen Sie diese Verdünnung in einen Glasbehälter. Im Kühlschrank ist sie drei Tage haltbar.
  • Mittels einer Einmalspritze entnehmen Sie zweimal täglich 1 ml dieser Verdünnung und tropfen sie unter Ihre Zunge. Dort behalten Sie sie für 1 Minute und spülen hinterher den Mund aus.
  • Alle drei Tage stellen Sie eine neue Verdünnung her.

Nach 1 Monat stellen Sie die Verdünnung mit 100 ml Wasser her. Es handelt sich dann um eine 1/100 Verdünnung, die 0,01 g des Allergens enthält.

Nach 2 Monaten setzen Sie die Verdünnung mit nur noch 10 ml Wasser an. Sie ahnen es, dies ist eine 1/10 Verdünnung, die 0,1 g des anstößigen Nahrungsmittels enthält.

Ab dem vierten Monat testen Sie, ob Sie immer noch auf die Nahrungsmittel reagieren. Beginnen Sie mit einem Nahrungsmittel zur Zeit, und essen Sie etwas davon. Beobachten Sie, ob irgendwelche Symptome auftreten. Ist das nicht der Fall, können Sie die Menge langsam steigern und weiterhin darauf achten, ob sich Symptome zeigen.

Das zweite Lebensmittel führen Sie 3 Tage später wieder ein und gehen dabei genauso vor. Ist alles in Ordnung folgt wiederum 3 Tage später das dritte Nahrungsmittel.

Worauf warten Sie noch?

Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind ein ernsthaftes Problem (auch wenn Sie auf den ersten Blick nicht so lebensbedrohlich erscheinen wie Allergien). Sie können gravierende Auswirkungen auf Ihre Gesundheit und Ihr Leben haben. Die gute Nachricht ist: Sie könnene kontrollieren, was Sie essen (oder sollten es jedenfalls kontrollieren können), und Entscheidungen treffen, die sich positiv auf Ihre Gesundheit auswirken.

Wie aufgezeigt, müssen Nahrungsmittelallergien nicht grundsätzlich ein Leben lang bestehen. Wenn Sie diesen 4 Schritten folgen, helfen Sie Ihrem Körper dabei, Nahrungmittelunverträglichkeiten abzubauen. Sicher, es dauert etwas, aber es ist eigentlich so einfach. Und das Beste: Es verlässt sich auf die körpereigenen Heilungskräfte – und die sind beträchtlich.

 

 

(1) Celiac Disease and Autoimmune Thyroid Disease  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2111403/

(2) The Impact of Diet and Lifestyle on Gut Microbiota and Human Health  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4303825/

(3) Glutamine and intestinal barrier function.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24965526

(4) Quercetin, Inflammation and Immunity  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4808895/

(5) Protective effect of polyphenols from Glycyrrhiza glabra against oxidative stress in Caco-2 cells.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20041789

(6) A pilot study of N-acetyl glucosamine, a nutritional substrate for glycosaminoglycan synthesis, in paediatric chronic inflammatory bowel disease.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11121904

(7) Oral and sublingual immunotherapy for food allergy  https://waojournal.biomedcentral.com/articles/10.1186/1939-4551-7-35

5 wichtige Schritte damit die Eliminationsdiät klappt

Eliminationsdiät

Viele Leute gehen durchs Leben und fühlen sich nicht wirklich wohl. Sie sind ständig müde, haben Verdauungsprobleme, schlafen nicht gut oder haben Hautprobleme. Und weil sie sich nie so richtig gut gefühlt haben, halten sie diesen Zustand für vollkommen normal.

Die meisten Gesundheitsprobleme entstehen aufgrund einer Entzündungsreaktion im Körper, und diese Entzündung wird häufig durch Nahrungsmittelunverträglichkeiten hervorgerufen.

Wie aber können Sie erkennen, ob Ihre Beschwerden womöglich auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten zurückzuführen sind? Nun, dafür eignet sich eine Eliminationsdiät hervorragend. Durch die Elimination von Triggerstoffen kann die Entzündungsreaktion heruntergefahren werden und der Körper sich selbst heilen.

Wie wirkt eine Eliminationsdiät?

Man muss wissen, dass sich etwa 70 Prozent unseres Immunsystems im Darm befinden. Wenn Sie etwas essen, das von Ihrem Körper als Bedrohung angesehen wird, dann antwortet Ihr Immunsystem auf diesen Trigger mit einer Entzündungsreaktion.

Diese Reaktion wird durch das enterische Nervensystem kontrolliert. Das enterische Nervensystem, im Englischen auch als „zweites Gehirn“ oder „abdominelles Gehirn“ bezeichnet,  ist ein komplexes Geflecht aus Nervenzellen, das nahezu den gesamten Gastrointestinaltrakt durchzieht und den Verdauungstrakt mit dem Gehirn verbindet.

Wenn wir essen, sendet das enterische Nervensystem Botschaften an das Gehirn, das Enzyme, Hormone und eben teilweise auch entzündliche Reaktionen erforderlich sind. Letztere treten auf, wenn unverträgliche Nahrungsmittel gegessen werden, eine mikrobielle Infektion oder ein Nährstoffmangel vorliegt.

Bei der Eliminationsdiät werden verdächtige Nahrungsmittel für eine Weile – in der Regel 3 Wochen – aus dem Speiseplan der betroffenen Person ausgeschlossen. Verdächtige Nahrungsmittel sind dabei solche, von denen man weiß, dass sie häufig Entzündungen oder andere Reaktionen (zum Beispiel Blähungen) hervorrufen.

Nach 3 Wochen werden diese Nahrungsmittel einzeln wieder zugeführt. Die betroffene Person achtet darauf, ob irgendeine Reaktion durch die Wiedereinführung ausgelöst wird. Treten unerwünschte Reaktionen auf, so ist von einer Nahrungsmittelunverträglichkeit auszugehen, und das betreffende Nahrungsmittel sollte nicht weiter konsumiert werden.

5 wichtige Schritte, die Sie bei einer Eliminationsdiät beachten sollten

Bevor Sie mit der Eliminationsdiät anfangen, sollten Sie sich einen Schlachtplan machen. Entfernen Sie die Nahrungsmittel aus Ihrer Speisekammer, die ausgeschlossen werden sollen. Dann ersetzen Sie diese durch Lebensmittel von der unten aufgeführten Liste. Am besten legen Sie sich ein Notizbuch zu, damit Sie einige wichtige Dinge notieren können. Dies wird Ihnen später dabei helfen herauszufinden, welche Nahrungsmittel bei Ihnen zu negativen Reaktionen führen.

Schritt 1: Vermeiden Sie die häufigsten Trigger

Im wesentlichen sind es gerade mal 8 Nahrungsmittel, die für 90 Prozent aller Unverträglichkeiten verantwortlich sind. Dabei handelt es sich um

  • Milch
  • Eier
  • Gluten (vor allem in Weizen, Roggen, Gerste)
  • Soja
  • Erdnüsse
  • Zucker und künstliche Süßstoffe
  • Mais
  • Hülsenfrüchte

Haben Sie ernsthafte Verdauungsprobleme (zum Beispiel ein Reizdarmsyndrom) dann sollten Sie auch sogenannte FODMAPS (Fermentable Oligo-, Di-, Monosaccharides und Polyols = vergärbare Mehrfach-, Zweifach- und Einfachzucker sowie mehrwertige Alkohole) von Ihrem Speiseplan streichen. Zu den FODMAPS zählen:  Lactose (Milchzucker), Fructose (Fruchtzucker), Fruktane und Galactane sowie Polyole (z. B: Sorbitol, Mannitol, Xylitol und Maltitol).

Die Wirksamkeit der LOW FODMAP Diät bei Patienten mit Reizdarmsyndrom wurde 2010 in einer Studie nachgewiesen (1)

 

Schritt 2: Essen Sie saubere, nährstoffreiche Lebensmittel

Hunger sollte während der Eliminationsdiät kein Thema sein. Sie können so viel essen bis Sie satt sind, solange Sie vollwertige, unverarbeitete Lebensmittel essen. Bio-Lebensmittel sind zu bevorzugen.

Zu den Nahrungsmitteln, die Sie essen sollten, gehören:

Gemüse

Essen Sie große Mengen rohes, gekochtes oder gebratenes Gemüse vor allem aus der Familie der Kreuzblütler. Zu diesen gehören zum Beispiel Grünkohl, Brokkoli, Rosenkohl, Weiß- und Rotkohl, Brunnenkresse und Chinakohl.

Auch die Sprossen der Kreuzblütler sollten häufiger gegessen werden. Brokkolisprossen helfen beispielsweise bei der Entgiftung der Leber. Aber auch Sellerie, Fenchel, Gurken, Salate, grüne Bohnen, Pilze, Kürbis und Süßkartoffeln machen sich super.

Protein

Gesunde Proteinquellen sind Bio-Geflügel, Fleisch von Weidetieren, Fisch aus Wildfang (keine Aquakultur) und Wild.

Früchte

Achten Sie darauf, dass Sie möglichst Früchte verwenden, die den Blutzuckerspiegel nicht zu sehr in die Höhe treiben (also mit einer niedrigen glykämischen Last). Hierzu gehören Beeren, Grapefruits, Zitronen, Limetten und Erdbeeren.

Gesundes Fett

Der größte Anteil Kalorien sollte aus gesunden Fetten stammen. Diese beinhalten Avocados, Kokosöl, Weidebutter oder Ghee (Butterreinfett) und Extra Virgin Olivenöl.

Kräuter und Gewürze

Lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf und probieren Sie ein paar neue Kräuter und Gewürze aus wie Kurkuma, Ingwer, Oregano, Koriander, Basilikum, Thymian und vor allem Zimt.

Fermentierte Lebensmittel

Diese stellen einen wichtigen Bestandteil der Eliminationsdiät dar, da sie vorverdaute Nährstoffe und Probiotika (gute Bakterien) enthalten, die bei der Regeneration des Verdauungstraktes unterstützend wirken. In diese Kategorie gehören Lebensmittel wie Sauerkraut, Kimchi, Wasserkefir, Kokosjoghurt und Kombucha.

 

Schritt 3: Lesen Sie die Etiketten

Am besten ist es natürlich, wenn Sie Nahrungsmittel kaufen, die keine Etiketten haben (so wie einen Blumenkohl zum Beispiel). Ansonsten kommen Sie nicht darum herum, die vorhandenen Etiketten sehr genau zu lesen. Einige der häufigsten Triggerstoffe – wie Gluten und Milchproteine – tauchen in Nahrungsmitteln auf, wo man sie nicht erwarten würde. Bei verarbeiteten Lebensmitteln finden Sie sie häufig in der Zutatenliste.
Auch im Restaurant kann es Ihnen schnell passieren, dass sich „verbotene“ Lebensmittel in Ihr Essen verirren. Ich empfehle deshalb immer, während der Eliminationsdiät möglichst auf Restaurantbesuche zu verzichten. Lässt es sich nicht vermeiden, so sollten Sie im Restaurant möglichst übersichtliche Gerichte bestellen wie gegrilltes Fleisch mit gekochtem Gemüse.

 

Schritt 4: Führen Sie eine Essensliste

Es ist wichtig, dass Sie sich während der Eliminationsdiät notieren, was Sie gegessen haben und wie Sie sich fühlen. Am besten ist es natürlich, wenn Sie damit schon vor der Elimination anfangen und diese Liste auch bei der Wiedereinführung der Nahrungsmittel weiterführen.

Schreiben Sie sich vor Beginn der Eliminationsdiät auf, was Ihnen an Ihrem Körper auffällt. Wie sieht Ihre Haut aus? Wie sind Ihre Verdauungsgewohnheiten? Wie schlafen Sie? Haben Sie Schmerzen oder Entzündungen? Wie ist Ihre Stimmung vor und nach dem Essen? Wie sieht es mit Ihrem Gedächtnis aus? Haben Sie jemals das Gefühl, dass sie völlig umnebelt sind? Schreiben Sie sämtliche Probleme auf, die sie durchmachen. Es wird dann einfacher zu erkennen, wenn Veränderungen auftreten.

Schreiben Sie während der Eliminationsphase auf wie Sie sich den Tag über fühlen. Haben Sie mehr Energie? Sind die Symptome schwächer? Schlafen Sie besser? Hat Ihre Haut sich verändert? Sollten Sie eine Reaktion auf ein Nahrungsmittel feststellen, das nicht eliminiert worden ist, so schließen Sie dieses für die Zeit der Elimination ebenfalls aus.

Sie können sich sicherlich vorstellen, dass diese Liste in der Wiedereinführungsphase ebenfalls gute Dienste leistet. Also, je ausführlicher Sie Symptome in der Liste festhalten, desto besser.

Schritt 5: Die Wiedereinführungsphase, jeweils ein Nahrungsmittel und sehr bewusst

Nach 3 Wochen ist es Zeit auszutesten, welche Nahrungsmittel Ihnen Probleme bereiten. Führen Sie jeweils nur ein Nahrungsmittel wieder ein und essen Sie es drei Tage lang, bevor Sie das nächste Nahrungsmittel einführen.

Bemerken Sie in diesen drei Tagen keinen Unterschied, dann stellt das Nahrungsmittel für Sie kein Problem dar und Sie können es weiter konsumieren. Bemerken Sie jedoch eine negative Reaktion auf das wiedereingeführte Lebensmittel, dann müssen Sie den Konsum auf jeden Fall für eine längere Zeit aussetzen – eventuell stellen Sie fest, dass Sie dieses Lebensmittel gar nicht mehr essen können.

Es versteht sich von selbst, dass Sie Nahrungsmittel, die Symptome verursachen, nicht weiter essen. Haben sich die Symptome wieder gegeben, können Sie das nächste Nahrungsmittel wieder einführen. Dieses Vorgehen führen Sie fort, bis Sie alle ausgeschlossenen Nahrungsmittel wieder eingeführt haben (oder eben auch nicht).

Nahrungsmittel, die Symptome verursachen, sollten Sie mindestens für einen Monat vom Speiseplan streichen, bevor Sie noch einmal versuchen, sie wieder einzuführen.

Und bitte nehmen Sie für die Wiedereinführung möglichst einfache Lebensmittel. Also bei Milchprodukten zum Beispiel einen Naturjoghurt und nicht etwa einen Blauschimmelkäse mit Mascarpone. Ansonsten wissen Sie nicht, welcher Nahrungsbestandteil die Reaktion hervorgerufen hat.

Tja, so einfach ist das. Wenn Sie sich an diese 5 Schritte halten, sollten Sie in der Lage sein, Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu erkennen, die bei Ihnen zu gesundheitlichen Problemen führen. Wenn Sie künftig auf diese Nahrungsmittel verzichten, können sich diese Probleme deutlich bessern und in einigen Fällen sogar ganz verschwinden.

Wer sollte die Eliminationsdiät durchführen?

Ganz ehrlich, ich glaube so ziemlich jeder würde davon profitieren mal eine Eliminationsdiät zu machen. Ich kenne einige Leute, die chronische Schmerzen oder auch Hautprobleme hatten, die sich nach einer Eliminationsdiät mindestens deutlich verbessert haben und in vielen Fällen ganz weg waren.

Die Eliminationsdiät hilft nicht nur dabei herauszufinden, welche Nahrungsmittel störende Symptome hervorrufen. Wie gesagt – viele Menschen wissen gar nicht mehr wie „gesund und energiegeladen“ sich anfühlt und sind überrascht, wenn Sie sich nach der Eliminationsdiät auf einmal richtig gut fühlen.

Ganz sicher sollten folgende Personen eine Eliminationsdiät durchführen:

  1. Jeder, der unter einer Autoimmunerkrankung oder dem metabolischen Syndrom leidet.
  2. Menschen, die Schmerzen haben, die auf Entzündungen zurückzuführen sind (hierzu zählt zum Beispiel auch die Migräne).
  3. Menschen mit Kopfschmerzen, Nasennebenhöhlenentzündungen, Allergien.
  4. Personen, die schnarchen oder an Schlafapnoe (Atemaussetzern während des Schlafs) leiden.
  5. Individuen mit Hautirritationen, Akne, Exemen, Nesselsucht.
  6. Jeder, der wenig Energie hat obwohl er sich gesund ernährt.
  7. Leute mit Einschlaf- und Durchschlafstörungen.
  8. Frauen mit Prämenstruellem Syndrom (PMS) und menopausalen Beschwerden.
  9. Jeder, der bekannte Nahrungsmittelallergien und noch bestehende Symptome hat. Es gibt häufig Kreuzallergien – so zum Beispiel zwischen Gluten und dem Milchprotein Casein.

Ich halte es da mit den Amerikanern, die sagen „Test don’t guess“, also Testen, nicht vermuten. In diesem Sinne…

 

(1)Evidence-based dietary management of functional gastrointestinal symptoms: The FODMAP approach. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20136989?dopt=Abstract

Migräne beginnt nicht immer im Kopf

Zwei von drei erwachsenen Deutschen (etwa 66 Millionen) leiden zumindest zeitweilig unter Kopfschmerzen. Das sind rund 47 Millionen Menschen. Von diesen wiederum sind fast 18 Millionen von Migräne betroffen.

Vorurteile über Migräne halten sich hartnäckig. Sie spiegeln sich wider in Sprüchen wie „Erwin ist heute nicht an seinem Arbeitsplatz – hat mal wieder seine Migräne genommen“ oder auch „Migräne ist, wenn Frauen keine Lust auf Sex haben“. Das ist natürlich totaler Blödsinn und kann auch nur von Menschen kommen, die niemals einen Migräneanfall hatten.

Migräne ist etwas ganz anderes: Immer wieder auftretende schwere Kopfschmerzanfälle, bei denen Sie das Gefühl haben, dass jemand ein Schwert durch Ihr Auge bis zum Hinterkopf durchgestochen hat und es pulssynchron immer wieder herumdreht. Vielleicht gehören Sie auch zu den „Glücklichen“, bei denen das Ganze noch von Übelkeit und Erbrechen begleitet wird, sodass Sie sich nur noch ins Bett in ein möglichst dunkles Zimmer verziehen können.

An Arbeiten ist nicht zu denken. Nichts geht mehr, Kinder und Partner bleiben sich überlassen. Jede noch so kleine Bewegung verstärkt den Schmerz ins Unerträgliche. Alles, was man sich vorgenommen hat, alle Pläne, alle Termine, alle Verabredungen, alles wieder umsonst – gestrichen.

Die Attacken kommen, wenn man sie überhaupt nicht brauchen kann. Zweimal, dreimal oder sogar viermal im Monat. Die Anfälle dauern jeweils bis zu drei Tage. Die immense Behinderung durch Migräne ist für Menschen ohne Migräne nur schwer nachvollziehbar. Im Röntgenbild finden sich keine Auffälligkeiten, Blutwerte und andere Untersuchungsbefunde sind normal. Die Ärzte sagen, alles sei in Ordnung, sie könnten nichts finden. Migräne – eine Erkrankung ohne Binde oder Gips, auf die man verweisen könnte

Behandelt wird das ganze dann mit mehr oder weniger gut wirkenden Schmerzmitteln oder Medikamenten, die dafür sorgen, dass die im Migräneanfall weitgestellten Gefäße sich wieder verengen (zum Beispiel Triptane). Ich habe sogar gehört, dass ein Arzt einen Migräneanfall mit Valium behandelt hat. Dies halte ich für eine zumindest recht eigenwillige Therapie und wie die Betroffene mir berichtet hat, ändert Valium auch nichts an den Schmerzen (wie sollte es auch – handelt es sich dabei doch um ein Beruhigungsmittel mit angstlösender Wirkung). Die Verarbeitung dieser Schmerzen wird allerdings schon geändert. Ich zitiere: „Das ist so, du hast dann immer noch Kopfschmerzen, aber es ist dir total egal.“

Bevor Sie jetzt den Eindruck bekommen, ich würde Valium zur Migränetherapie empfehlen. Das ist natürlich nicht der Fall. Im Gegenteil, ich bin der Meinung, dass Valium viel zu häufig und für die falschen Indikationen verschrieben wird (wie auch in diesem Fall). Aber das wird das Thema eines anderen Posts sein.

Zurück zur Migräne. Das wirklich schmerzhafte daran ist, dass die meisten Ärzte nur den Kopf behandeln, aber überhaupt nicht auf dem Zettel haben, dass Migräne durchaus Ursachen haben kann, die mit Ihrem Kopf überhaupt nichts zu tun haben. Und noch einmal: Migräne hat man nicht, weil man keine Lust auf Sex hat, und psychosomatisch ist sie schon mal überhaupt nicht.

Ich weiß wovon ich spreche, denn ich habe selbst über 35 Jahre lang Migräne gehabt. Diese wurde letztendlich durch eine Gluten-unverträglichkeit hervorgerufen. Nachdem ich meine Ernährung auf Paleo umgestellt hatte und damit sämtliches Gluten wegfiel, war auch meine Migräne kein Thema mehr. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie viele Tabletten, Spritzen und Krankheitstage ich hätte vermeiden können, wenn mich vorher jemand auf diesen Zusammenhang hingewiesen hätte.

Häufige Migränetrigger

  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Wie schon gesagt wurde meine Migräne durch eine Glutenunverträglich-keit hervorgerufen. Solange ich keine glutenhaltigen Nahrungsmittel esse, habe ich keine Migräne, halte ich mich nicht daran, kann ich einen Anfall auslösen. Das bedeutet industriell gefertigte Nahrungsmittel sind für mich tabu. Sie können gerne mal nachgucken, ich würde schätzen, dass ca. 90 Prozent dieser Produkte Gluten enthalten (häufig unter irreführenden Bezeichnungen).

Weitere Nahrungsmittel, die bei entsprechend sensiblen Personen eine Migräne auslösen können, sind Eier, Hefe und Milchprodukte (1). Es empfiehlt sich auf jeden Fall, eine Eliminationsdiät durchzuführen. Verzichten sie drei Wochen lang auf die vier oben genannten Nahrungsmittel und beobachten Sie, ob sich in Bezug auf die Dauer und Schwere Ihrer Migräneanfälle etwas ändert.

Nach drei Wochen führen Sie jedes Nahrungsmittel einzeln nacheinander für drei Tage wieder ein und beobachten, ob sich irgendwelche Symptome zeigen. Dabei muss es sich nicht nur um Migräneanfälle handeln, sondern es könnten auch vermehrte Müdigkeit oder Blähungen sein.

In dem Moment, wo Sie nach dem Wiedereinführen eines Nahrungsmittels eine Verschlechterung in Ihrem Wohlbefinden feststellen, müssen Sie sich fragen, ob dieses Nahrungsmittel für Sie das Richtige ist.

 

  • Chemie in Lebensmitteln

Essen Sie häufig industriell verarbeitete Lebensmittel (wie eigentlich die meisten Menschen in der westlichen Welt), dann kommen Sie an so leckeren Dingen wie Aspartam, MSG (Natriumglutamat), Nitraten (in Wurstwaren), Sulfiten (Wein, Trockenfrüchte und Essen aus der Salatbar) nicht vorbei. Tyraminhaltige Nahrungsmittel (Schokolade und Käse) sind auch häufig Trigger.

Verzichten Sie auf Lebensmitteln mit Zusatzstoffen wie Farb- und Süßstoffen, Sulfite, Nitrate und industriell gefertigte Nahrungsmittel. Essen Sie stattdessen Lebensmittel mit möglichst nur einer Zutat (Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch), die nährstoffreich sind.

 

  • Hormonelles Ungleichgewicht

Viele Frauen leiden unter prämenstruellen Migräneanfällen, die häufig durch ein Ungleichgewicht zwischen Östrogen und Progesteron ausgelöst werden – genau genommen zuviel Östrogen und zu wenig Progesteron. Gründe, die zu diesem Ungleichgewicht führen sind:

  1. Stress
  2. Alkoholkonsum
  3. Zu hoher Konsum von Zucker, Mehl und Stärke
  4. Bewegungsmangel
  5. Schlafmangel.

Wenn Sie in diese Gruppe gehören, so empfiehlt es sich für Sie, auf eine Ernährung umzusteigen, die eine niedrige glykämische Last, aber hohe Dichte an Pflanzennährstoffen hat. Dies beinhaltet so leckere Sachen wie Leinsamen, Kreuzblütler – also unter anderem Brokkoli, Kohl, Rosen- und Blumenkohl. Hilfreich sind auch Kräuter wie Vitex, Magnesium und Vitamin B6. Unbedingt verzichten sollten Sie auf Alkohol, Coffein, Zucker und raffinierte Kohlenhydrate. Außerdem lindern Bewegung und Techniken zur Stressreduktion die Symptome.

 

  • Magnesiummangel

Magnesium wirkt entspannend – nicht nur gefühlsmäßig, sondern auch physisch greifbar (zum Beispiel entkrampft es verspannte Muskeln). Ein Magnesiummangel kann häufig zu Kopfschmerzen und Migräneanfällen führen. Es empfiehlt sich für die meisten Menschen, täglich eine extra Dosis Magnesium zu nehmen, denn unsere Nahrung enthält durch intensivierte Landwirtschaft nicht mehr die Nährstoffe, die noch vor 40 – 50 Jahren in ihr enthalten waren.

Zur Supplementierung eignen sich Magnesiumglycinat, -aspartat oder -citrat. Auch hier lohnt es sich, auf die Zutatenliste zu gucken. Magnesiumstearat wird gerne in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet und ist nur gut für die Maschinen des Herstellers, aber nicht für Ihren Darm (im Gegenteil, es verhindert wahrscheinlich die Aufnahme wichtiger Nahrungsbestandteile).

Sollten Sie eine Nierenerkrankung haben, sprechen Sie bitte mit Ihrem behandelnden Arzt, bevor Sie ein Nahrungsergänzungsmittel nehmen.

 

  • Erkrankungen der Mitochondrien

Mitochondrien sind winzige eigenständige Organe innerhalb unserer Körperzellen. Tausend bis zweitausend Mitochondrien arbeiten beispielsweise in einer einzigen Herzmuskelzelle oder in einer Hirnzelle. Sie produzieren aus den Elektronen in unseren Nahrungsmolekülen und aus den Sauerstoffatomen der Atmung unaufhörlich Energie (ATP = Adenosintriphosphat).

Jeden Tag produzieren Billiarden Mitochondrien in uns etwa die Menge an ATP, die unserem Körpergewicht entspricht, also 70, 80 Kilo und mehr. Wenn die Mitochondrien unserer Zellen defekt sind, drohen nach neuesten Erkenntnissen unter anderem Krankheiten wie Alzheimer, Krebs, Muskelschwund, Herzinsuffizienz, Diabetes (2).

Symptome einer Fehlfunktion der Mitochondrien können Müdigkeit, Muskelschmerzen und Konzentrationsstörungen sein. Manchmal ist aber auch eine Migräne das einzige Symptom, das auf eine Störung der Mitochondrien hinweist.

Zur Diagnose wird der Test auf organische Säuren im Urin angewendet. Die Bestimmung der organischen Säuren im Urin ermöglicht einen Überblick darüber, inwieweit mit der Nahrung aufgenommene Nährstoffe verwertet und in Energie (ATP) umgewandelt werden können.

Behandlung: Zweimal täglich 250 mg Riboflavin (B2) und 100 – 400 mg Coenzym Q 10 erweisen sich als sehr hilfreich (3). R-α-Liponsäure unterstützt die Energieproduktion der Mitochondrien. Acetyl-L-Carnitin „füttert“ die Mitochondrien mit energiefreisetzenden Molekülen, verbessert so ihre Effektivität und verhindert Schäden (4).

 

Eventuell ist die Ursache für das Auftreten Ihrer Migräneanfälle auch ein Ungleichgewicht in der Zusammensetzung Ihrer Darmbewohner oder eine Pilzüberwucherungen im Darm. Es kann sehr hilfreich sein, den Darm mit Probiotika und Omega-3 Fetten zu unterstützen.

 

  • Ungleichgewicht im Mund Mikrobiom

Forscher der Universität Kalifornien San Diego haben entdeckt, dass das orale Mikrobiom (die Bakterien im Mund) von Menschen mit Migräne sich von demjenigen von Menschen ohne Migräne deutlich unterscheidet. Personen, die an Migräne leiden, haben wesentlich mehr Bakterien, die Nitrate in Nitrit umwandeln können (5). Es soll jetzt untersucht werden, wie sich verschiedene Bakterienstämme auf unterschiedliche Migräneformen auswirken. Eventuell wäre auch hier eine Therapie mit Probiotika hilfreich.

Fazit: Greifen Sie nicht gleich zur Tablette

Ich empfehle Ihnen, diese Ansätze auszuprobieren, bevor Sie weiter große Mengen Tabletten in sich hineinschütten. Vor allem die Nahrungsmittel-unverträglichkeiten und die hormonellen Probleme sollten Sie auf jeden Fall ausschließen. Was soll ich sagen – das Leben kann so schön sein ohne Migräne.

(1) https://www.foodintol.com/headache

(2) https://ghr.nlm.nih.gov/primer/mutationsanddisorders/mitochondrialconditions

(3) Coenzyme Q10 as a therapy for mitochondrial disease. http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1357272514000375

(4) Optimal micronutrients delay mitochondrial decay and age-associated diseases.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20420847

(5) Migraines Are Correlated with Higher Levels of Nitrate-, Nitrite-, and Nitric Oxide-Reducing Oral Microbes in the American Gut Project Cohort http://msystems.asm.org/content/1/5/e00105-16