Social Distancing

Der Wahnsinn des Social Distancings in Altersheimen

Alle zwei Wochen setzen sich unsere Politiker zusammen, um sich über die Corona Maßnahmen abzustimmen. Und wie nicht anders zu erwarten, kommt dabei heraus, dass der Lockdown verlängert und verschärft werden muss. Wir werden mit „Fallzahlen“ in Panik versetzt, hinter denen größtenteils gesunde Menschen stehen, die Null Symptome haben und das Gesundheitssystem nicht belasten. Aber das ist egal. Die Gesellschaft muss auf eine Impfung vorbereitet werden, die immer weniger Menschen haben wollen.

Und wieder denkt niemand an die alten Menschen in diesem Land, die zur Risikogruppe zählen. Oh ja, Politiker verkünden vollmundig, dass es darauf ankommt, genau diese Gruppen zu schützen. Für ihren Schutz greifen wir doch schließlich zu diesen ganzen Maßnahmen. Ach ja, und natürlich um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern, die seit Monaten wie ein Damoklesschwert über unseren Köpfen schwebt (obwohl die Intensivstationen so viele freie Kapazitäten haben, wie noch nie zu dieser Zeit).

Mir wurde ein Brief zugeschickt, den eine Betroffene, die in einem Altersheim arbeitet, an Melanie Huml geschickt hat, die Staatsministerin im Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege. Diesen Brief möchte ich hier gerne veröffentlichen, denn er zeigt sehr genau auf, was von Politikern und den Medien sehr gerne verschwiegen wird, dass hier ein Krieg gegen die schwächsten Teile der Bevölkerung – die Alten und auch die Kinder – geführt wird unter dem Deckmäntelchen von Solidarität und Menschlichkeit.

Brief einer Betroffenen

Sehr geehrte Frau Huml,

sicher bekommen sie zurzeit viel kritische Post zu den Pandemie-Maßnahmen, die Sie gerade anordnen. Ich für meinen Teil weiß, Sie tun alles, um die Risiko- und sog. Hochrisikopatienten vor der Pandemie zu schützen. Es ist wunderbar, dass endlich an die Alten, Kranken und Schwachen gedacht wird! Wirklich, denn ich arbeite in einem Seniorenheim mit der Hochrisikogruppe. Ich gehöre aber nicht zu den viel beklatschten Pflegekräften, sondern bin Betreuungskraft, das aber mit viel Liebe und Herz.

Ich bin gern Betreuungskraft. Ich nehme die Menschen in den Arm, wenn sie es brauchen. Ich versuche sie aktiv zu halten. Bewegung, nachdenken, miteinander reden, noch etwas tun, gebraucht werden, beieinander sein, miteinander lachen… Das hat meine Arbeit immer ausgemacht. Jetzt ist alles durcheinander, inklusive mir. Und ob meine Meinung in einer Woche noch die gleiche ist wie jetzt, kann ich nicht sagen, tagtäglich ändert sich meine Arbeitsweise, meine Denkweise, neue Anforderungen, andere Anweisungen, Veränderungen begleiten mich tagtäglich. Das ist in Ordnung, ich bin jung, ichbin flexibel, ich kann das (im Gegensatz zu meinen Bewohnern).

Aber was ich nicht kann ist, dass ich gerade dazu angehalten bin, in meinen Augen menschenunwürdig zu handeln. Es liest sich ja auch eingängig. -Absolutes Besuchsverbot für alle Angehörigen, außer es handelt sich beim Besuchten um einen Sterbenden -Mund-Nasen-Abdeckung (der stoffgenähte Mundschutz ist ja kein echter Schutz) des Personals zu jeder Zeit -JEDER in der Einrichtung hält den Abstand von 1,5 Meter, außer er vollzieht eine pflegerische Tätigkeit, bei der der Mindestabstand nicht einzuhalten ist.

Natürlich, wir müssen Abstand halten um den Virus auf Abstand zu halten und eine Ausbreitung im Seniorenheim unter allen Umständen verhindern. Ich möchte Ihnen gerne erzählen, was das genau heißt. Zum einen ist es völlig unrealistisch, dass die Bewohner keinen Kontakt zueinander haben. Diese Menschen leben nicht ohne Grund bei uns. Viele sind dement, mindestens aber kognitiv verändert. In der Zeitung habe ich bezüglich der Schulöffnung die Zeilen gelesen „wir können von Schülern der Oberstufe erwarten, dass sie den Abstand einhalten, von den Grundschülern vielleicht einen Stunde, nicht aber den ganzen Schultag“.

Glauben Sie, man könnte es von unseren Bewohnern erwarten? Die sich oft nicht einmal merken, was und ob sie zum Frühstück gegessen haben? Das könnte ich vielleicht noch managen, wenn ich ständig mit Argusaugen und Engelsgeduld über meine Bewohner wachen könnte. Das stemmt der Personalschlüssel nicht. Und spätestens wenn Sie „demente Läufer“ haben ist das hinfällig. Falls Sie damit nichts anzufangen wissen: Diese Menschen haben einen ungeheuren Laufdrang, die Demenz ist weit fortgeschritten, alltäglich Verrichtungen können nicht mehr durchgeführt werden, meistens gibt es nur noch etwas, was sie wirklich gut können: Laufen. Sie laufen den ganzen Tag, hin und her, durch den Bereich. Um sie zum Sitzen zu bringen muss ich sie bei der Hand nehmen und ins Setzen führen, auch wenn das keine explizite pflegerische Tätigkeit ist, sonst laufen sie bis zur Erschöpfung.

Diese Menschen verstehen nicht, dass es jetzt gut wäre, sich auszuruhen. Sie brauchen Nähe, sie brauchen Körperkontakt, sie brauchen ein gutes Wort, auch wenn sie mich nur fühlen, nicht verstehen können. Diese Bewohner gehen auch zu anderen Bewohnern – natürlich, denn sie gehen einfach, ohne Ziel, ohne eine Aufgabe, ohne eine bestimmte Richtung. Und nicht selten versuchen sie, zu diesem anderen Menschen Kontakt aufzunehmen. Wie soll ich jemandem, dessen Leben aus Gehen besteht, dazu bringen, Abstand zu halten? Wie soll ich ihm vermitteln, dass er der „Bekannten“, die er tagtäglich im Flur trifft, keine Hand mehr geben darf?

Demente Menschen sind ganz besondere Menschen – sie spüren, wenn der andere es gut meint. So entstehen Freundschaften auf einer Ebene, die wir „Normaldenkende“ gar nicht begreifen können. So können sich zwei Menschen miteinander unterhalten, ohne auch nur einen zusammenhängenden Satz gesprochen zu haben. Wie soll ich diese Menschen trennen? Auch andere, nicht demente Bewohner verstehen nicht, dass sie jetzt nicht mehr nebeneinander sitzen können. Es sind Menschen, die sich gern haben, auch wenn sie nur sehr begrenzt miteinander kommunizieren können.

Wir versuchen unseren Bewohnern zu erklären, was gerade los ist und warum wir diese Maßnahmen durchführen. Wie bereits gesagt sind die meisten unserer Bewohner kognitiv verändert, sodass sie die Maßnahmen nicht ansatzweise verstehen können, egal welche Erklärung wir bringen. Am schlimmsten ist es, wenn sie die Erklärungen verdrehen: „Ich habe die Pest, deswegen darf meine Tochter nicht mehr kommen“ Lassen Sie diesen Satz bitte auf sich wirken, bevor Sie weiterlesen, denn das ist nicht nur sodahingesagt, die Dame glaubt das!

Ich schätze außerdem, dass die meisten Heime – so wie das, in dem ich arbeite – nicht darauf ausgelegt sind, jeden Bewohner einzeln im Speisesaal sitzen zu lassen.  Also essen diese Bewohner in den Zimmern. Ist ja nicht schlimm?  Liest man ja zurzeit viel in der Zeitung! Starren Sie einmal 24 Stunden dieselbe Wand an und es kommt alle paar Stunden mal eine gehetzte Pflegekraft vorbei, die Ihnen schnell einen Kaffee eingibt oder Sie auf die Toilette bringt. Mit etwas Glück sind Sie noch in der Lage, eine Klingel zu betätigen. Schön, dann können Sie jemanden holen! Aber wehe Sie klingeln zu oft, die Schwestern haben leider keine Zeit für Sie – nicht aus Böswilligkeit – es gibt einfach zu viele, die Hilfe brauchen.

Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich 24 Stunden in einem 11 qm großen Raum, alleine, starren vielleicht eine Wand an oder aus einem Fenster. Sie können sich vielleicht nicht einmal selbstständig innerhalb dieser 11 qm bewegen. Wenn Sie den Fernseher nicht bedienen können, ist er wahlweise über Stunden an oder über Stunden aus. Sie sind alleine. Isolation wird übrigens immer noch als Foltermethode gebraucht.

Die Bevölkerung aktuell hat Probleme, die Ausgangs-beschränkungen hinzunehmen und die Familie nicht zu besuchen. Die Bevölkerung hat definitiv mehr als ein Zimmer zur Verfügung, darf spazieren gehen und sich sportlich betätigen und das ohne Mindestabstand von 1,5 m zu Personen des eigenen Haushalts.

Sie darf einkaufen gehen und trifft mal den Nachbarn am Gartenzaun. Die Bevölkerung sieht die Straße, sieht andere Menschen, erlebt noch etwas. Unsere Bewohner befinden sich in absoluter Isolation. Sie dürfen weder Kontakt untereinander haben, noch zu uns. Sie sind alleine. Komplett alleine. Das Seniorenheim ist seltsam ruhig geworden. Und wir merken deutlich: Die Bewohner „bauen ab“.  Was bedeutet das?  Die Bewohner werden schwächer. Der kognitive Abbau geht rasant voran – das Gehirn braucht Futter und unsere dementen Bewohner werden innerhalb kürzester Zeit noch dementer. Mit allen Nebenwirkungen. Laufdrang, erhöhter Hilfebedarf – diese Menschen vergessen ja nicht nur, wie Kontakt haben geht, sie vergessen auch, wie essen geht, wie trinken geht, dass sie überhaupt trinken müssen und sogar, dass sie nicht mehr laufen können.

 

Sie brauchen noch mehr Hilfe mit dem gleichen Personal, das durch die Isolation der Bewohner zusätzliche Wege zu laufen hat und noch weniger Zeit für den einzelnen bleibt. Gleichzeit findet eine emotionale Verflachung statt – logisch. Sehr viel unseres Fühlens wird durch den Kontakt mit anderen hervorgebracht – und wer nicht fühlt, fühlt sich tot. Oder die Bewohner stemmen sich dem Nicht-Fühlen entgegen: Mit nerventötenden Stereotypien wie ständigem „Hallo“-Rufen oder Klopfen, mit Aggressionen gegen sich, uns und anderen Bewohnern, mit Laufen bis zur Erschöpfung, mit Ausräumen des Zimmers, mit Schmieren des Stuhlgangs an den Wänden… Man wird kreativ, wenn man sich selbst nicht mehr spürt. Und davon werden wir immer mehr und mehr bekommen, denn der Mensch will sich spüren.

 

Vom körperlichen Verfall ganz zu schweigen. Natürlich muss man mit 90 Jahren keinen Marathon mehr laufen, aber den täglichen Weg vom Zimmer zum Speisesaal und zurück ist immerhin etwas körperliche Betätigung. Wenn wir die Bewohner nur im Zimmer lassen und sie gar nicht mehr laufen oder mit dem Rollstuhl fahren, werden sie früher oder später bettlägerig. Die Anfänge erlebe ich jetzt – und wir haben noch keinen Corona-Fall im Haus!

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich will diese Tragödie nicht erleben und ich verstehe die Maßnahmen bis zu einem gewissen Grad: Aber die Abstandsreglung innerhalb der Personen im Seniorenheim sind weder realistisch, noch angemessen, noch umsetzbar. Wenn ich mir vorstelle, wir arbeiten mit dieser Isolationspraxis noch über Monate, dann bekomme ich Tränen in den Augen. Dann wünschte ich mir, der Albtraum würde beginnen und wir hätten Corona endlich „hinter uns“.  Wenn, ja wenn da nicht diese große Angst vor der Staatsanwaltschaft wäre.

 

Heime mit Corona wurden staatsanwaltschaftlich untersucht: Wurde auch alles richtig gemacht? Wer hat versagt? Wer hat die Schuld?! Wer von diesen teuflischen Mitarbeitern hat nicht hygienisch einwandfrei gehandelt und den Tod so vieler Bewohner auf dem Gewissen!

 

Zum einen: Stellen Sie uns genügend Schutzkleidung zur Verfügung, um so zu handeln? Nein. Der Weltmarkt hat es nicht verfügbar? Gut, dann lassen Sie die Staatsanwaltschaft aus dem Spiel! Und: Wir tun alles, damit es unseren Bewohnern gut geht. Jeder hat Angst, jeder tut sein Möglichstes und hält Hygienebestimmungen ein, gerade jetzt.

Es geht hier um die uns anvertrauten Menschen und das wissen wir. Und ja, auch uns Mitarbeitern kann mal ein Fehler unterlaufen. Und das ist nicht verwunderlich, wenn man sich überlegt, wie viel zusätzliche Arbeit, Druck, Laufwege und Aufgaben sich aus den Maßnahmen ergeben und wie die Bewohner sich entwickeln. Trotzdem geben wir unser Bestes.

Und dann gibt es da noch die menschliche Seite in unserer Arbeit, die uns gegen gewisse Regeln verstoßen lässt. Die mich gegen gewisse Regeln verstoßen lässt, zum Beispiel gegen die Mindestabstandsregel. Lassen Sie mich nur kurz erzählen, wie es dazu kam. Die Tochter einer Bewohnerin kam zum Seniorenheim, um Toilettenartikel abzugeben. Vor der Pandemie kam diese Tochter jeden Tag zu uns, um ihre Mutter zu besuchen, jeden Tag, 365 Tage im Jahr, jeden einzelnen Tag. Und wenn sie nicht kam, weil sie etwa krank war, haben die beiden telefoniert. So eng ist diese Beziehung.

Die Tochter brachte Toilettenartikel ins Heim. Brav zur Schleuse, sie hat keinen Fuß reingesetzt. Aber ihre Mutter hat sie gesehen. Die Bewohnerin ist ans Fenster gefahren, hat gegen die Scheibe geklopft, hat gerufen: „Maria*(*Name verändert), komm rein! Lass mich nicht alleine!“ Sie hat geweint, geflucht, geklopft, noch mehr geweint. Maria* ist nach mehreren an die Glasscheibe gehauchten, unverstandenen Worten traurig gegangen. Ich habe die Bewohnerin in den Arm genommen. Bestimmt eine viertel Stunde lang, weil sie so jämmerlich geweint hat.

Nein, es handelte sich um keine notwendige pflegerische Versorgung, ich habe keinen Mindestabstand gehalten. Es war ein Akt der Menschlichkeit. Genauso wie ich die jetzigen Regeln als Verstoß gegen jede Menschlichkeit erachte und sie – korrekt durchgeführt – als Folter einstufe. Und meine Frage ist: was für ein Leben schützen wir, wenn wir so handeln? Ein Leben ohne jeden Reiz, ohne Bewegung, ohne soziale Kontakte, ohne Erlebnisse, ohne – Leben?

Für die Dementen noch schlimmer: Während sie unsere Nähe suchen (schon immer gesucht haben, demente Menschen brauchen Körperkontakt) müssen wir ihnen ausweichen, sie wegschicken. Was glauben Sie kommt bei den Bewohnern an? Sie fühlen sich aussätzig, als wären sie an der Pest erkrankt. Und was ich nicht zusammenbringe: Wir bringen die Menschen auf die Toilette, waschen sie, geben ihnen etwas zu essen, sind also ganz nahe dran – und wenn wir uns im Flur begegnen, müssen wir einen großen Bogen laufen? Erst auf Tuchfühlung, dann mit Sicherheitsabstand?

Ja, vielleicht zögern wir mit der strikten Einhaltung der Maßnahmen die Erkrankung an Corona heraus, aber wer Nachrichten sieht, der weiß, dass auch wir bald nicht mehr „im Tal der Glückseligen“ sind und auch wir und unsere Bewohner an der Pandemie erkranken werden. Irgendwie wird dieser unsichtbare Gegner auch in unser Haus eindringen.

Noch ist es nicht soweit, aber meine Bewohner leiden bereits darunter. Wir sind kein Zuhause mehr, wir sind ein Gefängnis. Schlimmer als ein Gefängnis, denn im Gefängnis hat man wenigstens eine Arbeit und Hofgang. Und deswegen bitte ich Sie inständig, nicht für mich, sondern für die alten, kranken und schwachen Menschen, die ich betreue: Heben Sie die internen Bestimmungen auf und lassen Sie wieder ein bisschen mehr Normalität einkehren. Wenigstens zwischen den Bewohnern und zwischen uns und den Bewohnern, denn der wahre Horror kommt früh genug auch zu uns ins Heim.

 

Und jagen Sie uns keine Angst ein! Wir machen diesen Beruf, weil wir ihn lieben (anders könnten wir ihn gar nicht machen), weil wir uns gerne um die Menschen kümmern und wir tun dies gewissenhaft und mit viel Gefühl. Und ja, wir sind Menschen und es passieren Fehler. Ich will mir nicht ausmalen, wie es wäre, wenn die Bewohner erkranken und viele daran sterben würden. Wir würden alle leiden und trauern.

Unser Gewissen, unsere eigenen Vorwürfe, unsere eigene Unsicherheit vielleicht nicht korrekt gehandelt zu haben wird Strafe genug sein. Wenn es keinen Anlass gibt, bitte ich Sie, den Ausbruch von Corona nicht strafrechtlich zu verfolgen, sofern kein triftiger Grund oder Hinweis auf prekäres Fehlverhalten vorliegt.

 

Wir wollen keinen Freifahrtschein, wir wollen angstfrei unsere Arbeit machen und für die Menschen da sein, die jetzt wirklich niemanden haben außer uns. Viele sind nicht einmal in der Lage ein Telefon zu bedienen, viele sind jetzt ganz und gar allein.

Die Angehörigen dürfen nicht zu uns. Wir telefonieren regelmäßig mit ihnen, um ihnen die Sorgen um ihre Nächsten zu nehmen. Wie oft äußern sie ihre Angst, ihre Mutter/Schwester/Oma/Opa/Vater/Ehemann/Ehefrau nicht mehr zu sehen! Und die Aussicht, sie wiedersehen zu dürfen, wenn er/sie im Sterben liegt, ist nicht unbedingt ein Trost…

 

Ich bin voll bei Ihnen, wenn Sie die Ausgangsbeschränkungen trotz wirtschaftlichem Druck erst nach und nach lockern, denn es geht um die, die jetzt Schutz brauchen. Ich bin nicht bei Ihnen, wenn es darum geht, „meinen“ Schutzbefohlenen noch mehr Leid aufzubürden, als sie sowieso schon als Hochbetagte haben. Entlassen Sie die dementen Menschen aus der völligen Isolation, lassen Sie uns etwas Normalität leben, hören Sie auf uns Angst zu machen, lassen Sie uns unseren Job machen!

 

Ich danke Ihnen für das Lesen meines Briefes, der Ihnen hoffentlich einen kleinen Einblick in unseren „Alltag“ gegeben hat, der mich, meine Kollegen und vor allem unsere Bewohner in wahre seelische Not bringt. Ich hoffe auf eine positive Rückmeldung.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich habe geweint, als ich diesen Brief gelesen habe. Wo bitte bleibt die Menschlichkeit? Haben wir die abgelegt als wir die Masken angelegt haben?

 

4 Gedanken zu „Der Wahnsinn des Social Distancings in Altersheimen“

  1. Vielleicht sollten Sie, werter Herr, einmal verraten, welchen Beruf Sie ausüben, dass Sie so gut informiert sind über die Lage der Intensivbetten? Frau Dr. Bendig arbeitet ja nun in einer großen Klinik in Hamburg, Sie brauchen ihr daher nicht zu unterstellen, dass sie sich vor der Praxis drücken würde! Panik zu schüren, bringt gar keine Vorteile, denn Angst macht krank. Das gilt in meinen Augen für beide Seiten: Angst machen gilt nicht. Weder seitens der Querdenken-Bewegung, noch von anderer Seite, denn auch dem letzten Denkenden dürfte inzwischen auffallen, wie widersprüchlich die Aussagen sind. Nicht zuletzt gibt es schon sehr lange Notstände beim Personal in Kliniken und Altenheimen, daber da hat weder die Politik gegengesteuert, noch die Personalabteilungen, richtig? Wer heute noch in den Pflegeberuf geht, produziert selbst eine eigene Altersarmut, wer möchte das denn bei der Bezahlung bei dem Arbeitsaufwand? Herr Spahn vielleicht? Der bekommt immer seine Kohle, egal, was er macht

  2. Hatte ich mir vorgenommen, mich nicht mehr so häufig hier zu melden, muss ich es jetzt doch wieder tun: auch ich habe geweint angesichts des Briefes und in mir lief sofort der Film der Frau ab, die am Fenster ihre Tochter sah und weinte. Es nimmt zu, die Menschen, die sich selbst im hohen Alter zur Risikogruppe zählen und die sagen, dass es ihnen egal ist, ob sie sich infizieren, sie möchten nicht alleine sein und sie möchten nicht in Isolation die letzte Zeit ihres Lebens verbringen. Hört das niemand? Ich finde es großartig, dass in Lüneburg Menschen Briefe schreiben, an Menschen im Heim, die sie nicht kennen, darunter sind Schüler*innen, junge Leute, die verstehen können, wie sehr Isolation schadet. Wieso kann das keine/r der Politiker*innen nachvollziehen, dass auch ein Mensch im hohen Alter die Verantwortung selbst tragen und selbst bestimmen möchte, das kann sogar jemand mit Demenz, denn der/die zeigt sehr wohl, dass Kontakt wichtig ist! Wie wir mit unseren Alten, Kranken, Schwachen und Tieren umgehen, sagt viel über unsere Gesellschaft aus, nach wie vor, richtig. Die Menschlichkeit scheint auf der Strecke zu bleiben? Traurig.

  3. Wir haben weder so viele freie Intensivbetten wie nie zuvor, noch genug Personal für die noch freien. Wieder ein Grund mehr, dass Sie mit Ihrer Ausbildung mal vor Ort auftauchen sollten.

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