Schlafgewohnheiten

Wie Schlafgewohnheiten Ihren Stoffwechsel beeinflussen

Unser Alltag ist sehr stressreich, und die meisten Menschen betrachten Schlafen als absoluten Luxus, den man sich vielleicht am Wochenende mal gönnt. Unter der Woche liegt man eher im Wettstreit, wer mit der kürzesten Schlafdauer auskommen kann. Ich habe schon darüber geschrieben, warum dieser Trend absolut gesundheitsschädlich ist. Jetzt zeigt sich allerdings, dass nicht nur die Schlafdauer sondern auch die Schlafgewohnheiten eine Auswirkung auf die Gesundheit haben.

Studie zeigt Zusammenhang zwischen Schlafgewohnheiten und Stoffwechselerkrankungen

Gerade erschien in Diabetes Care eine Studie, in der man herausfand, dass wechselnde Schlafgewohnheiten – das bedeutet wechselnde Einschlaf- und Aufwachzeiten (meist zwischen Woche und Wochenende) – dazu führen können, dass die Betroffenen ein erhöhtes Risiko für Übergewicht/Adipositas, hohe Cholesterinspiegel, Bluthochdruck und andere Stoffwechselerkrankungen haben (1). Tatsächlich zeigten die Ergebnisse, dass nur eine Stunde Unterschied in den Schlafgewohnheiten zu einem um 27 Prozent erhöhten Risiko für Stoffwechselanomalien führt. Und das ist nur eine Stunde. Überlegen Sie sich mal, auf welche Differenz Sie im Laufe einer Woche kommen.

Es gibt schon viele Studien, die einen Zusammenhang zwischen Schlafdefiziten und der Entwicklung von Übergewicht, Diabetes und anderen Stoffwechselerkrankungen aufzeigen. Diese Studie nun war aber speziell darauf ausgerichtet zu untersuchen, wie sich unregelmäßige Schlafgewohnheiten, hohe tägliche Unterschiede der Schlafenszeiten und Schlafdauer auswirken. Die Studie zeigt, dass selbst wenn man die Schlafdauer, die eine Person erreicht, sowie andere Lebensfaktoren mit einbezieht, jede Stunde Unterschied von Nacht zu Nacht die ungünstigen Stoffwechseleffekte stark erhöht.

Die Studie im Einzelnen

Untersucht wurden 2003 Männer und Frauen im Alter von 45 bis 84 Jahren. Im Mittel wurden die Teilnehmer über einen Zeitraum von sechs Jahren untersucht um herauszufinden, ob ein Zusammenhang zwischen festen Schlafgewohnheiten und Stoffwechsel-erkrankungen besteht. Die Messdaten wurden über Actigraph Armbanduhren, die die Schlafgewohnheiten über Zyklen von sieben Tagen maßen, erfasst. Außerdem verfassten die Probanden ein Schlaftagebuch und beantworten Standardfragebögen über Schlaf- sowie andere Lebensstilgewohnheiten und Gesundheitsfaktoren. Die Actigraph Messdatenerfassung erfolgte von 2010 – 2013 gefolgt von einem Follow-up bis 2016 und 2017.

Die Hypothese der Untersucher, dass es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Schlafgewohnheiten und Stoffwechselerkrankungen gibt, erwies sich als richtig. Probanden, die größere Unterschiede in ihren Schlafenszeiten und ihrer Schlafdauer hatten, hatten auch ein erhöhtes Auftreten von Stoffwechselproblemen. Dieser Zusammenhang bestand weiterhin, auch wenn man die Schlafdauer berücksichtigte. Das heißt, dass die Schlafenszeit an sich ein eigenständiger Faktor war.

Die prospektiven Ergebnisse zeigten, dass die Unterschiede in der Einschlafzeit und der Schlafdauer der Entwicklung von Stoffwechselerkrankungen voranging. Laut den Autoren weist dies darauf hin, dass es einen Zusammenhang zwischen unregelmäßigen Schlafgewohnheiten und Stoffwechselfehlfunktionen gibt.

Die Gruppe der Teilnehmer, deren Schlafenszeiten um mehr als eine Stunde variierten waren häufiger Afro-Amerikaner, die nachts arbeiteten, rauchten und eine kürzere Schlafdauer hatten. Diese Gruppe hatte auch vermehrt depressive Symptome, konsumierte täglich eine höhere Menge an Kalorien und litt vermehrt an Schlafapnoe (Atemaussetzern während des Schlafes, die zu einem Abfall der Sauerstoffkonzentration im Blut führen).

Eine Zunahme der Schlafdauer oder der Unterschiede in der Schlafenszeit zeigte einen starken Zusammenhang mit vielen Stoffwechselproblemen. So kam es zu einem Abfall der HDL Werte (des „guten“ Cholesterins) und zu einem Anstieg im Taillenumfang, Blutdruck sowie bei den Triglyzerid und Nüchtern-Blutzucker Werten. Alles Hinweise auf das Vorliegen eines metabolischen Syndroms.

Wenn Sie sich das Ziel gesetzt haben, Herz-Kreislauf-  und Stoffwechselerkrankungen möglichst zu umgehen, dann ist wahrscheinlich Umdenken angesagt. Wie diese Studie zeigt, ist eine gute Schlafhygiene – und dazu gehören gleichbleibende Einschlaf- und Aufwachzeiten – ein wichtiger Faktor in der Vorbeugung dieser Erkrankungen.

Und glauben Sie mir, ich weiß wie ärgerlich es ist, wenn man am Wochenende früh aufstehen muss, weil man es in der Woche auch tut. Halte ich mich daran? Auf jeden Fall (und tatsächlich nicht erst seit ich diese Studie gelesen habe).

 

 

(1) Cross-sectional and Prospective Associations of Actigraphy-Assessed Sleep Regularity With Metabolic Abnormalities: The Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis.     https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31167888

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