E-Zigaretten

E-Zigaretten – verursachen sie Lungenschäden?

E-Zigaretten greifen immer mehr um sich, nicht zuletzt weil die Hersteller sie äußerst aggressiv bewerben und dabei leider auch von Ärzten unterstützt werden. Okay, es hat natürlich früher auch Ärzte gegeben, die Zigaretten für gesund hielten, das war allerdings vor der Zeit, in der man dann zugeben musste, dass Rauchen wohl unter anderem Lungenkrebs auslösen kann.

E-Zigaretten Raucher sind im Allgemeinen der Meinung, dass diese Art des Rauchens – oder besser Dampfens – bei ihnen keine Gesundheitsschäden hervorrufen wird. Für viele ist es auch unverständlich, warum E-Zigaretten zum Beispiel in Restaurants oder Flugzeugen mit Tabakzigaretten in einen Topf geworfen werden und somit auch verboten sind. Ich kann nur sagen, dieses Verbot sollte auch unbedingt aufrechterhalten werden.

Bin ich jetzt einfach nur ein Spielverderber, der nicht einsehen will, dass Vapen (Dampfen) gesundheitlich völlig unbedenklich ist?

Eine kürzlich erschienene Studie wirft da schon Zweifel auf. In ihr wurde gezeigt, dass der Dampf der E-Zigaretten wahrscheinlich zu einer Lungenschädigung führen kann indem er zu einem Anstieg entzündungauslösender Stoffe in den Lungenbläschen führt, die die Aktivität der Fresszellen (Makrophagen) beeinträchtigt (1). Die Forscher gehen davon aus, dass es dadurch zu einer Schädigung lebenswichtiger Zellen des Immunsystems kommt (2).

 

Mehr Lungenerkrankungen durch E-Zigaretten?

 

Ich muss vorausschicken, dass es sich bei der Studie um eine in vitro Studie handelt, das bedeutet, es wurden Zellen im Reagenzglas untersucht (im Gegensatz zu einer in vivo Studie, in der Zellen im lebenden Organismus untersucht werden). Die in der Studie auftretenden Effekte ähneln aber denen, die man bei regelmäßigen Rauchern und Personen mit chronischen Lungenerkrankungen sieht, sodass davon auszugehen ist, dass eine in vivo Studie diese Effekte ebenfalls gezeigt hätte. Trotzdem wird von den Untersuchern selbstverständlich angemerkt, dass weitere Untersuchungen erfolgen müssen.

Die Studie vergleicht die Auswirkungen von E-Zigaretten Liquid vor dem Erhitzen mit jenen des Dampfes der erhitzten Flüssigkeit auf das Lungengewebe. Dafür wurden Nichtrauchern, die weder an chronischen Lungenenerkrankungen (COPD) noch an Asthma litten, Alveolarmakrophagen  aus dem Lungengewebe entnommen. Makrophagen sind spezielle weiße Blutkörperchen, sogenannte Riesenfresszellen, die eine wichtige Rolle in der zellulären Immunität spielen. Die zelluläre Immunität ist die angeborene Immunität (im Gegensatz zur Antikörper-vermittelten gelernten Immunantwort). Die zelluläre Immunität ist praktisch die erste Verteidigungslinie, wenn Fremdkörper oder Bakterien in den Körper eindringen.

Die Zellen wurden auf drei Gruppen verteilt:

  • 1/3 wurde der nicht-erhitzten E-Zigaretten Flüssigkeit ausgesetzt
  • 1/3 wurde verschiedenen Stärken künstlich verdampfter E-Zigaretten Liquids ausgesetzt
  • 1/3 war die Kontrollgruppe, die nicht mit E-Zigaretten Flüssigkeit in Kontakt kam.

Die Auswertung der Daten zeigte, dass die Makrophagen, die mit der verdampften Flüssigkeit in Kontakt kamen deutlich mehr geschädigt wurden als diejenigen, die der nicht-erhitzten Flüssigkeit ausgesetzt waren. Zudem schien die Schädigung mit der Konzentration der verdampften Flüssigkeit zuzunehmen.

Nach 24 Stunden war die Gesamtzahl der lebensfähigen Zellen signifikant vermindert. Zudem sahen die Untersucher, dass Liquid, das Nikotin enthält, diesen Effekt noch einmal verstärkt (3). Aber nicht nur, dass eine Entzündungsreaktion ausgelöst wurde, der Dampf verhinderte auch, dass die Makrophagen Bakterien umschließen konnten, um die Lunge vor Schäden zu schützen. Dadurch wird die Empfindlichkeit der Lungenzellen gegen Staub, Bakterien und Allergene erhöht, was zur Entwicklung einer chronischen Lungenerkrankung führen kann.

 

Entzündungen erhöhen möglicherweise das Infektionsrisiko

 

Ein weiteres interessantes Resultat der Untersuchung war, dass Makrophagen, die einer nicht-tödlichen Dosis des E-Zigaretten Dampfes ausgesetzt waren, vermehrt Sauerstoffradikale (ROS) ausstießen, die zu einer oxidativen Schädigung des Organismus führen (so zu sagen biologisches Rosten). Im Gegensatz zur Kontrollgruppe war die Konzentration in der „Dampfgruppe“ bis zu 50 mal höher.

Diese übersteigerte Produktion von Sauerstoffradikalen sowie anderer Entzündungszellen kann zu einer chronischen Entzündung führen, die die Phagozytose (Auflösung schädlicher Stoffe) verhindert und damit eventuell zu einem höheren Risiko von Infektionen der Lunge führt. Der Hauptautor der Studie, David Thickett, erklärt hierzu (4):

„Es hat eine Menge Unterstützung dafür gegeben, dass die Leute lieber E-Zigaretten als traditionelle Zigaretten rauchen sollten, weil man die E-Zigaretten als deutlich sicherer eingestuft hat. Es gibt eine Agenda, die E-Zigaretten als sicher darstellen möchte. Wir sollten uns einen vorsichtigen Skeptizismus bewahren, dass die E-Zigaretten womöglich nicht so sicher sind wie uns glauben gemacht werden soll.“

Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin weist ausdrücklich darauf hin, dass E-Zigaretten kein gutes Mittel zur Tabakentwöhnung darstellen (5).  Professor Dr. med. Stefan Andreas, Leiter der Lungenfachklinik Immenhausen bei Göttingen, erklärt dazu:

„Wer E-Zigarette raucht, ist keineswegs abstinent – er ersetzt lediglich die eine Abhängigkeit durch eine andere.“ So zeigen die Ergebnisse, dass 80 Prozent der E-Zigaretten-Raucher, denen es gelungen war, auf Tabakzigaretten zu verzichten, nach einem Jahr immer noch regelmäßig E-Zigaretten inhalierten. Nur 9 Prozent derjenigen, die Pflaster und Co.  verwendeten, nutzten diese Produkte ein Jahr später noch.“

E-Zigaretten sind erst seit relativ kurzer Zeit auf dem Markt, das bedeutet, dass wir uns über Langzeitschäden noch gar nicht im Klaren sind. Allerdings finden sich mehr und mehr Studien, die aufzeigen, dass das Gefahrenpotential von E-Zigaretten beträchtlich ist. Nicht zuletzt muss man bedenken,  dass die E-Zigarette zur Einstiegsdroge werden kann, da die Risiken unterschätzt werden. Dies gilt besonders für die Gruppe der Kinder und Jugendlichen, die von der Industrie aggressiv umworben werden.

 

 

(1) Pro-inflammatory effects of e-cigarette vapour condensate on human alveolar macrophages     https://thorax.bmj.com/content/73/12/1161

(2) https://thorax.bmj.com/content/thoraxjnl/suppl/2018/08/10/thoraxjnl-2018-211663.DC1/thoraxjnl-2018-211663_PRESS_RELEASE.pdf

(3) E-cigarette vapor disables key immune cells in the lung and boosts inflammation  https://www.sciencedaily.com/releases/2018/08/180813190148.htm

(4) https://consumer.healthday.com/cancer-information-5/electronic-cigarettes-970/vaping-shuts-off-immune-fighting-cells-in-the-lungs-lab-study-finds-736725.html

(5) https://pneumologie.de/fileadmin/user_upload/Presse/2019-02-14_PM_E-Zigarette_Tabakentwoehnung_F.pdf

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