Diabetes

Diabetes – reicht die nüchtern Blutzuckerbestimmung aus?

Der Diabetes nimmt auch in Deutschland in rasantem Maße zu. Laut Angaben aus dem Jahr 2017 leben in Deutschland 7,5 Mio. Menschen mit Diabetes mellitus. Wir belegen damit Platz 2 in Europa und Platz 9 weltweit (1).

In 95 Prozent der Fälle handelt es sich um einen Typ II Diabetes, der früher auch als Altersdiabetes bekannt war, da er erst im mittleren bis höheren Lebensalter auftrat. Das ist inzwischen nicht mehr der Fall. Dank unserer modernen Ernährungs- und Lebensgewohnheiten gibt es inzwischen auch schon Kinder, die an einem Typ II Diabetes leiden.

Zu den 7,5 Mio. diagnostizierten Erkrankten kommt noch eine hohe Dunkelziffer für nicht erkannte Diabetiker, die bei weiteren 2 Mio. Menschen liegt. Leider führt der Diabetes erst in fortgeschrittenem Stadium zu Symptomen, so dass eine Erkrankung häufig unerkannt bleibt.

Wie inzwischen hinreichend bekannt sein dürfte, ist der Diabetes eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung. So zeigt eine Studie auf Basis von Krankenversicherungsdaten auf, dass in Deutschland 137.000 Todesfälle mit einem Typ II Diabetes in Zusammenhang standen (2) – deutlich mehr als bisher angenommen. Zwar sinken die Mortalitätsraten seit mehr als 20 Jahren stetig, trotzdem hat ein 50-jähriger männlicher Diabetespatient im Vergleich zu einem altersgleichen Mann ohne Diabetes eine um 5,8 Jahre reduzierte Lebenserwartung. Bei Diabetikerinnen verkürzt sich die Lebenserwartung geschätzt um 6,5 Jahre. Nicht zu vergessen haben Diabetiker aufgrund von Folgeerkrankungen eine deutlich schlechtere Lebensqualität.

Welche Anzeichen können auf einen Prädiabetes/Diabetes hinweisen?

Es gibt also genügend Gründe, darauf zu achten, ob auch Sie von Diabetes betroffen sein könnten.

Einen ersten Hinweis können folgende Symptome geben:

  • Vermehrte Ansammlung von Bauchfett
  • Müdigkeit nach Mahlzeiten (vor allem, wenn diese Kohlenhydrate beinhalten)
  • Heißhunger auf Süßigkeiten
  • Probleme bei der Gewichtsreduktion
  • Beginnende Herzerkrankungen (ein zu hoher Blutdruck ist ein häufiges Frühsymptom)
  • Libidoverlust (keine Lust auf Sex)
  • Erhöhte Triglyceride
  • Vermindertes HDL (das sogenannte „gute“ Cholesterin)

Aber nicht nur Übergewichtige laufen Gefahr, einen Diabetes zu entwickeln. Sicher kennen Sie auch jemanden in Ihrem Familien- oder Freundeskreis, der schlank ist und trotzdem einen Typ II Diabetes hat. Die Amerikaner nennen diese Menschen TOFI, das bedeutet „thin outside, fat inside“ (außen dünn, innen fett). Diese Form der Fettanlagerung im Bauchraum ist deshalb so gefährlich, weil man von außen nicht vermuten würde, dass sie da ist.

Auch Menschen, die mit einem Cholesterinsenker (Statin) behandelt werden, haben ein erhöhtes Risiko an einem Typ II Diabetes zu erkranken (die Risikoerhöhung kann bis zu 48 Prozent betragen).

Mit diesen Blutwerten bestimmen Sie Ihr Diabetes Risiko

Nüchtern Blutzucker (BZ)

Normalerweise wird Ihr Arzt eine Untersuchung des nüchtern Blutzuckerspiegels durchführen, um zu sehen, ob bei Ihnen ein Diabetes oder die Vorstufe – ein Prädiabetes – vorliegt. Von einem Prädiabetes spricht man allgemein bei Blutzuckerwerten von 100 – 125 mg/dl, ab 126 mg/dl werden Sie als Diabetiker eingestuft.

In der funktionellen Medizin wird ein nüchtern BZ zwischen 70 – 80 mg/dl als optimal angesehen.  Bei höheren Werten wird eine Gewichtsabnahme schwierig, da zu viel Insulin in Ihrem Körper ausgeschüttet wird, das dazu führt, dass Fett nicht mehr aus den Fettzellen freigesetzt werden kann.

Es handelt sich beim nüchtern BZ nur um eine punktuelle Messung, die selbstverständlich nicht mit einbezieht, wie Ihr Blutzucker auf eine Kohlenhydratzufuhr reagiert.

Wichtig ist es auch zu wissen, dass der nüchtern BZ eher ein Spätwarnsystem für eine Diabetes Erkrankung darstellt. Wenn Ihr nüchtern BZ auf diabetische Werte ansteigt, dann dampft es schon gewaltig.

HbA1c

Dieser Wert erlaubt einen Rückschluss auf die Blutzuckereinstellung der letzten 8 – 12 Wochen. Er gibt an, wieviel Prozent der Hämoglobinmoleküle (roter Blutfarbstoff) mit einem Zuckermolekül verbunden sind. Diabetiker kennen ihn auf jeden Fall, denn er dient zur Verlaufskontrolle der Therapie. Bei nicht-Diabetikern wird er normalerweise nicht bestimmt, obwohl er wesentlich aussagekräftiger ist als der nüchtern BZ.

Der HbA1c-Wert liegt bei Gesunden bei etwa 5 Prozent. Das heißt, dass etwa fünf Prozent der Hämoglobinmoleküle „verzuckert“ sind. In der funktionellen Medizin sehen wir Werte bis 5,5 Prozent als optimal an. Bei Werten über 6 Prozent liegt ein Diabetes vor. Diesen diagnostiziert die Schulmedizin erst bei Werten ab 6,5 Prozent.

Nüchtern Insulin

Jetzt wird es richtig interessant. Sie müssen nämlich wissen, dass der Typ II Diabetes im Gegensatz zum Typ I Diabetes nicht durch zu wenig Insulin ausgelöst wird. Im Gegenteil ist bei Typ II Diabetikern der Insulinspiegel sogar zu hoch. Das Problem besteht darin, dass im Körper eine Insulinresistenz vorliegt, die es verhindert, dass der Zucker aus dem Blut in die Körperzellen verschoben werden könnte.

Haben Sie ständig zu hohe Blutzuckerspiegel, so wird Ihr Körper zur Gegenregulierung die Insulinproduktion hochfahren bis er nicht mehr kann. Erst dann kommt es zum messbaren BZ-Anstieg. Im Gegensatz zum nüchtern BZ ist also die Messung eines erhöhten nüchtern Insulinspiegels ein Frühwarnzeichen. Ihr Insulinspiegel kann schon Jahre bis Jahrzehnte vor dem Auftreten eines Diabetes ansteigen. Liegt Ihr nüchtern Insulin über 5 mU/l, dann befinden Sie sich auf dem besten Weg zum Diabetiker.

Oraler Glucose Toleranz Test (oGTT) mit Insulinbestimmung

Das ist wahrscheinlich überhaupt der wichtigste Test, den Sie durchführen lassen können, um Ihr Diabetes Risiko zu bestimmen.

Die erste Blutentnahme erfolgt nüchtern nach mindestens 8 -stündiger Nahrungskarenz. Zu diesem Zeitpunkt wird der nüchtern BZ- und der nüchtern Insulinspiegel gemessen. Danach trinken Sie eine Zuckerlösung, die 75 g Glucose enthält, und es erfolgen weitere Blutentnahmen nach 60 und 120 Minuten.

Wie gesagt, sollte der nüchtern BZ nicht über 80 mg/dl liegen. Während des Tests sollte der BZ nicht über 110 – 120 mg/dl ansteigen. Der nüchtern Insulinspiegel sollte unter 5 mU/l liegen. Die Insulinwerte dürfen während des Tests nicht über 30 mU/l ansteigen.

Steigen bei diesem Test Ihre Insulinwerte auf über 30 mU/l an, laufen Sie in Richtung Diabetes und es gilt herauszufinden, was Ihren Körper außer Balance bringt. Das kann nicht nur ein zu viel an Kohlenhydraten sein, sondern auch zum Beispiel Stress und Schlafmangel.

Wege aus der Insulinresistenz

Folgende Interventionen sollten Sie als erstes in Betracht ziehen:

  • Essen Sie vollwertige, frische Nahrungsmittel
  • Verzichten Sie auf künstliche Süßstoffe
  • Schalten Sie chronische Entzündungen aus (diese werden häufig durch Zucker und Pflanzenöle hervorgerufen)
  • Erhöhen Sie den Ballaststoffanteil Ihrer Nahrung (ich sage nur: Gemüse, Gemüse, Gemüse).
  • Achten Sie darauf, dass Sie genügend Schlaf bekommen, das bedeutet mindestens 7 – 8 Stunden pro Nacht.
  • Gleichen Sie Nährstoffmangelzustände aus. Hierzu gehören Vitamin D, Chrom, Magnesium und alpha Liponsäure.
  • Suchen Sie sich ein Sportprogramm, das Ihnen gefällt. Es sollte sich herumgesprochen haben, dass Sport in der Lage ist, den BZ-Spiegel zu normalisieren und die Insulinresistenz der Körperzellen zu verbessern. Da die meisten Leute immer behaupten, dass Sie keine Zeit für Sport haben, empfehle ich Ihnen HIIT (Hochintensives Intervalltraining). Da sind Sie in 10 – 20 Minuten mit dem Sport durch.
  • Managen Sie Ihren Stress. Für viele Leute ist Stress ein grundlegender Faktor bei der Entstehung eines Diabetes. Stress erhöht die Konzentration des Stresshormons Cortisol, das wiederum zu einer Erhöhung des BZ-Spiegels führt und für den Aufbau von Bauchfett sorgt. Alles Dinge, die Sie überhaupt nicht brauchen können.

Im Endeffekt geht es darum, Risiken rechtzeitig zu erkennen. Sie wissen ja, Vorsorge ist besser als Heilen.

 

 

(1) https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/fileadmin/Redakteur/Stellungnahmen/Gesundheitspolitik/20181114gesundheitsbericht_2019.pdf

(2) https://ddz.de/de/presse-und-oeffentlichkeit/pressemitteilungen/9299-diabetesbedingte-sterblichkeit-in-deutschland-hoeher-als-erwartet

 

 

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