Depression

Diagnose Depression passt immer – in den Augen der Ärzte

Überall ist zu hören und zu lesen, Depressionen sind die neue Volkskrankheit. Das klingt zunächst logisch, da in Kliniken und bei Psychologen kaum noch Termine zu haben sind. Was ist aber, wenn das eine Falschmeldung und lediglich die Diagnostik dieser Krankheit falsch oder lückenhaft oder beides ist? Das folgende Beispiel ist garantiert kein Einzelfall.

Davon, der neuen Volkskrankheit Nummer Eins, wäre ich auch betroffen gewesen, da ich bereits mit 27 Jahren einen Zusammenbruch hatte, direkt nach einer sportlichen Hochleistung. Heute würde die Bezeichnung dafür Burnout sein, eingeleitet durch wochenlangen Schlafmangel und berufliche, wie sportliche Überforderung. Stress. Ob das die richtige Diagnose war, bezweifele ich inzwischen, nach drei neuen „Episoden“ innerhalb von zehn Jahren.

Die Zweifel kommen davon, dass offenbar ein Arzt von den anderen abschreibt und eine leichtfertige Diagnose einfach übernimmt, ohne andere Ursachen zu prüfen. Gut, bei Depressionen ist das nicht einfach, weil sich das Krankheitsbild mit den Symptomen anderer Störungen überschneidet. Aber die Frage ist schon, warum nicht ein Focus auf physisch messbare Werte gelegt wird? In diesem Fall auf den Darm, die Grundlage der Gesundheit.

Ob die Erkrankung vor 30 Jahren tatsächlich eine Depression oder ein Burnout war, ist heute nicht mehr zu erkunden. Danach war ich mit Hilfe vieler alternativer Therapien 15 Jahre beschwerdefrei. Aber der Hausarzt hatte mich gewarnt: Setzt Du die Tabletten ab, kommt der Rückfall. Der kam im Herbst 2004, mit gleichen Symptomen. Nach fünfzehn beschwerdefreien Jahren. Der Arzt schaute in die Krankenakte, fand die Diagnose von 1988 und der Stempel Depression stand unumstößlich auf Papier. Folge: Psychotherapie und Pillen. Kein neuer Ansatz nach exakt dreißig Jahren?

Bei meinem ersten Klinikaufenthalt 1988 lag ich sechs Wochen unter starker Medikation im Krankenbett, bevor erst ein EKG, dann ein EEG und schließlich eine Liquorentnahme veranlasst wurden. Ohne Befund, aber fünf Diagnosen, teils sogar widersprüchlich. Nach Borrelien wurde gar nicht gesucht, obwohl ich 1985 einen infektiösen Zeckenstich hatte. Ja, eine Borreliose kann durchaus diese Symptomatik haben. Außerdem offenbart diese Geschichte, wie wenig Ärzte und Fachärzte Disziplin übergreifend zu manchen Krankheiten, Erregern und deren Folgen wissen. Dabei war es niemals zuvor so einfach, sich zu informieren. Aber das hat wohl mit der Überlastung der Ärzteschaft, fehlender Fortbildung und der Ignoranz zu tun, alternative Testverfahren ernster zu nehmen. Die Elektroakupunktur nach Dr. Voll zum Beispiel. Die Schulmedizin verteilt als einzige Therapie weiter fleißig Pillen und Tropfen.

Der Griff zur bewährten Therapie mit Lithium bot sich mir an, da sämtliche Versuche mit diversen Antidepressiva überhaupt keinen Erfolg brachten. Eher eine Verschlechterung. Ein Jahr Lithium und der Spuk schien vorbei zu sein. Doch im fünf-Jahres-Turnus ging es wieder von vorn los. „Das ist nun mal so bei der Krankheit, die verläuft in diesen Wellen“, kommentierte der Hausarzt. Nach der zweiten Episode war ich so sicher gewesen, dass ich das nie wieder durchmachen müsste!

Akzeptieren und damit abfinden?

Mich damit abzufinden, kam überhaupt nicht in Frage. Es stachelte mich noch an, dass der leitende Stationsarzt einer großen Klinik im Raum Hamburg mir 2015 wegen der damaligen Verordnung des Lithiums (das auch bei schwerer Depression und nicht nur bei bipolarer Erkrankung gegeben wird) unbedingt einreden wollte, ich sei bipolar. „Warum wehren Sie sich denn so gegen diese Diagnose“, fragte er genervt. „Weil sie einfach nicht stimmt“, antwortete ich patzig. Ich hatte keine manischen Phasen, habe kein Geld verspielt oder ähnliche Verhaltensstörungen gezeigt. Der Einspruch, ich sei aber doch immer „ein wenig drüber“, erklärt sich viel eher durch mein Temperament.

Leider konnte ich mich in dieser Krankheitsphase einfach nicht durchsetzen und nicht auf eine sonst gute Intuition verlassen. Ich war zu enttäuscht, dass ich doch wieder krank geworden war, dabei hatte ich so viel unternommen, um gesund zu bleiben. Sport in Maßen statt Leistungssport, die Festanstellung gekündigt und Stress reduziert, einen neuen Beruf erlernt, mehr auf die Ernährung geachtet. Mir blieb nichts übrig, also ging ich auf die Pfadfinderarbeit ein, die mich bisher aus jeder Krise geführt hatte: die Suche nach der wahren Ursache. Diese Suche kostete neben Nerven und Lebensmut auch noch eine Menge Geld, da die Schulmedizin und die Krankenkassen das nicht unterstützen. Nicht zuletzt hängt diese Suche auch vom Geldbeutel ab.

Alles, was vorher hilfreich war, versagte inzwischen als Therapie, ich verlor fast alle Hoffnung. Als ich schon kurz davor war, der Fachärztin zu glauben, ich hätte eben eine Therapie resistente Depression und mir könne nur die Elektro-Krampf-Therapie (EKT) helfen, meldete sich die Intuition zurück: „Das ist das letzte Rezept, das Sie mir ausstellen müssen. Das wirkt nicht, weil ich gar keine Depression  habe“. Mit der Hilfe der Heilpraktikerin und der Suche im Netz nach einer Ärztin, die meine Ahnung ernst nimmt, ging es weiter, die Odyssee durch die Arztpraxen auf der Suche nach einer körperlichen Ursache. So wurde die Frage nach einer Fehlfunktion der Schilddrüse von allen Ärzten glatt und oberflächlich abgeschmettert. Mir wurde sogar unterstellt, dass ich nach körperlichen Ursachen suchen würde, um aus der „Psycho-Ecke“ heraus zu kommen. Mag sein, aber was, wenn die Pillen gar nicht wirken können, weil der Darm eben keine Hormone produzieren kann?

Erschwerend kam dazu, dass Facharzttermine schwer zu bekommen sind und eine Wartezeit von bis zu einem Jahr für einen Endokrinologen mich entmutigten. Jeder Anruf kostet enorm viel Kraft und Ausdauer, die ich gerade nicht hatte. Die Einschätzung vieler Ärzte, dass ein TSH Wert von 3,6 Norm sei und keine weiteren Untersuchungen rechtfertigt, entmutigte noch mehr. Zum Glück einigten sich Heilpraktikerin und „Internet-Ärztin“ nach meinem ersten Besuch in der Praxis in Hamburg darauf, die Schilddrüsenwerte neu bestimmen zu lassen und wurden fündig.

Schilddrüsenwerte falsch interpretiert

Nächster Schritt war eine Laboruntersuchung des Darms, wobei ich eine Darmspiegelung nicht für geeignet halte und andere Proben einschicken ließ. Zwei Wochen später rief die Heilpraktikerin an: „Raten Sie mal, was es NICHT ist! Da wären wir alle nicht drauf gekommen“. Bei fünf Parametern, die ich zuerst testen lassen habe, kam eine Rubrik überhaupt nicht in Frage, genau, neurologische Erkrankungen, Depressionen und Angststörungen! Ausgeschlagen hat der Zeiger bei Reizdarm, Autoimmunerkrankungen und metabolischen Erkrankungen. Passt, meine DNA hat durch die genetische Belastung des Vaters mit Diabetes einen Stempel bekommen. Die Gene der Mutterseite bewirken ein Übriges. Einen weißen Hautkrebs bekam ich zwischendurch als Zugabe!

Die Erleichterung bei mir war dennoch groß: Keine Depressionen! Mein zweiter Gedanke war: acht verschwendete Jahre. Ich korrigiere: der zweite Gedanke war der Dank an die mich lange Jahre begleitende Heilpraktikerin, die nie verzweifelte und mir immer Hoffnung machte, und der Dank an die Hamburger Ärztin, die mich auf Kurs brachte, die Ernährung endgültig umzustellen, Defizite aufzufüllen (Nahrungsergänzungen in „Regallänge“) und damit den Hauptverursacher zu stellen: Candida albicans, Hefepilze, die alle Symptome erklärten. Dabei bot sich das geradezu an, hinsichtlich der vielen Allergien, die ich zwischenzeitlich entwickelt hatte. Als Sportlerin hatte ich zwar den Eindruck, dass ich mich bereits gesund ernähre, aber Sportler brauchen Kohlehydrate, genau das, was Hefepilze lieben. Wie fatal eine Fehlinterpretation sein kann, zeigt die Annahme, mein Immunsystem habe meistens gut gearbeitet, denn ich hatte ewig keine Erkältung, Wunden heilen bei mir schnell. Bei zwei Klinikaufenthalten mit Norovirus auf der Station blieb ich „gesund“. Antibiotika hatte ich seit über 20 Jahren nicht mehr genommen.

Doch die Zeichen waren da: Nachdem ich 2006 einen Test auf Lebensmittelunverträglichkeiten und Allergien habe machen lassen, war ich der Überzeugung, dass ich mit der Umstellung der Ernährung auf dem richtigen Weg sei. Die Beschwerden blieben, jetzt auch trotz der Einnahme von Lithium, der Universalwaffe gegen Depressionen bisher. Die Aussicht auf Rückfälle, Chemie zu schlucken und doch nie wieder richtig fröhlich sein zu können, zermürbte mich. Der Rat der Fachärztin, mich damit abzufinden, dass es mir vielleicht nie wieder so gut gehen würde wie früher, gab mir den Rest. Dazu kamen all die guten Ratschläge, wie ich es schaffen könnte, mehr Schlaf zu finden, erholter aufzuwachen. Wobei das Einschlafen nicht das Problem war, sondern das Durchschlafen. Kaum nahm ich die Aminosäure Glycin, schaffte ich es auf sieben, acht Stunden. Das hatte vorher kein Schlafmittel bewirken können, schon gar nicht in einer (besonders nachts) lauten Klinik. Es zeigt aber, dass niemand eine Diagnose einfach hinnehmen sollte, ohne selbst auf die Suche nach den wahren Ursachen zu gehen. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Menschen sich mit der falschen Diagnose „Depression“ aufgegeben fühlen, leiden und ihrem Leben sogar ein Ende setzen.

Doch, ich möchte es wissen, denn ich möchte anderen Mut machen, sich auf die Suche zu begeben. Ich habe mich besonders gefreut, der Fachärztin die EKT abzusagen… es war schwer genug, wieder Freude empfinden zu können.

Kostenvergleich Diagnostik und Therapie

Ärzten, Kliniken und Krankenkassen, dem Bundestag und dem Ministerium für GESUNDHEIT möchte ich gern eines Tages eine Aufstellung vor Augen halten: was kostet eine Packung Lithium und was ein Antidepressivum über viele Jahre, ein Klinikaufenthalt pro Tag im Gegensatz zu einem relativ simplen Test bei einem entsprechend spezialisierten Labor? Laborkosten von rund 150 Euro haben mein Leben nach einem endlos scheinenden Leidensweg verändert, mir wieder Hoffnung gegeben. Bleibt die Frage, warum Schulmedizin und Krankenkassen weiterhin lieber viel Geld verschwenden für die Behandlung psychischer Leiden bei fragwürdiger Diagnostik, ohne greifbare Laborwerte. Die Frage, warum auf einer Station mit z.B. 48 Patienten verschiedenster Störungen alle mit nur drei bis fünf verschiedenen Medikamenten versorgt werden. Ein Schelm, wer denkt, dass dies in Verbindung mit dem Besuch der Pharmavertreter steht?

Auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für soziale Psychiatrie (DGSP) in Bremen 2014 referierten fünf Ärzte, Psychiater und eine Pflegeleiterin zum Thema Absetzen von Psychopharmaka. Dabei wurde mehrfach betont, dass es eben leichter sei, dem unbequemen Patienten alle drei Monate ein Rezept für Antidepressiva in die Hand zu drücken, als sich die Mühe zu machen, ob das wirklich der richtige Umgang mit Krankheit ist. Das dürfte nicht nur für den Bereich Depression Gültigkeit haben.

Schlussendlich noch ein Absatz zu guten Ratschlägen: Sport wird gern als Universalmittel gegen Depressionen aufgedrängt. Wenn aber ein Darm so geschädigt ist, dass er Freie Radikale nicht mehr abbauen und Nahrungsmittel nicht mehr verarbeiten kann, raubt Sport die letzten Reserven. Ich habe mein Leben lang viel Sport getrieben, die „Depression“ damit aber nicht besiegt. Als ich bei der Energietherapie ankam, lief ich folglich „auf dem letzten Tropfen Benzin“ und war völlig alle.

Karola Bady

  1. https://www.medizin.de/ratgeber/lithium-verringert-suizide-bei-depressionen.html
  2. https://www.der-arzneimittelbrief.de/de/Artikel.aspx?SN=7104
  3. https://www.legimi.de/e-book-die-unkultur-in-der-inneren-medizin-rolf-h-fricke,b492188.html
  4. https://www.aerzteblatt.de/archiv/3908/Pilze-im-Gastrointestinaltrakt-Vom-Mythos-der-Candida-Besiedelung
  5. https://www.weiss.de/Candida/Nystatin.htm
  6. candida-info.de/board/viewtopic.php?t=17077&p=135788
  7. https://www.candidapatient.de/uber-candida-albi/symptome/der-die-off-effekt.html
  8. https://www.antipsychiatrieverlag.de/…/bady_symposium_psychopharmaka-absetzen

 

2 Gedanken zu „Diagnose Depression passt immer – in den Augen der Ärzte“

  1. Das kommt mir alles ziemlich bekannt vor … . Habe 20 Jahre lang unter Depressionsschüben, unterschiedlichen Schmerzen „ohne erkennbare organische Ursachen“ sowie einer permanenten extremen Müdigkeit und Erschöpfung gelitten, die mehr als eine Aktion pro Tag unmöglich werden ließ. Zudem war mein Körper derart an chronische Verstopfung gewöhnt, dass es mir gar nicht auffiel und auch kein unangenehmes Druckgefühl verursachte, wenn ich 4 Wochen oder länger gar nicht sch…en konnte. ( Wurde mir zufällig bewusst, als ein Arzt ein Ultraschall machen wollte, aber im überfüllten Bauch nichts mehr zu erkennen war). Im Gegensatz zur Autorin habe ich aber relativ schnell aufgegeben bei Ärzten nach Hilfe zu suchen, da auch bei mir selten näher nachgefragt oder nachgeforscht wurde, nachdem ich als „Psycho“ bekannt war … . Mein Fazit war : Pech, gibt halt niemanden der dir helfen kann oder will. Auch zeigten viele unterschiedliche Versuche über Lebensführung und Ernährung Verbesserungen zu erzielen zu keiner nennenswerten Verbesserung. Bis ich vor rund 1,5 Jahren zufällig bei der Suche nach einer Methode zum Abmehmen, die wirklich funktioniert, auf die Ketogene Ernährung gestossen bin und interessiert auf eine ganze Reihe angeblicher weiterer positiven Auswirkungen gestossen bin. Na ja Ergebnis der Ernährungsumstellung sind u. a. deutlich mehr Energie, keine Schmerzen mehr, Verdauung 2-4 mal pro Woche und von Anfang an ein vollständiges Ausbleiben der Depressionsschübe sowie weiter positive Veränderungen .

    1. Hallo, Anke. Das macht doch Mut, auch wenn der Weg dahin so lang und manchmal aussichtlos erschien. Es wird immer schlimmer mit der ärztlichen (Nicht-) Versorgung und wer die Kraft nicht mehr aufbringt, sich selbst zu hinterfragen und sich den Allerweltsdiagnosen entgegen zu stellen, geht unter. Was ich in der Klinik erlebt habe, war schon fast ein Witz: als ich fragte, ob es denn nicht inzwischen neue Wege gibt, für Diagnostik und Therapie von Depressionen, als Lithium und dass mir das Zeug den frisch sanierten Darm wieder „zerschießen“ würde, tat die Ärztin das nur mit dem Hinweis ab, dass es doch keine Antibiotika seien. Irgendwann fahre ich dort wieder hin, knöpfe mir Stationsleitung und Ärztin vor (die übrigens keinerlei Erfahrung im Fach psychosomatischer Erkrankungen hatte!) – jede Wette, der Oberarzt wird wieder behaupten, ich sei doch nun manisch?
      Schön, dass Sie hier einen Gedanken gelassen haben und ich hoffe, es werden sich noch mehr melden oder es wenigstens lesen. Es gibt einen Weg da raus, auch ich war lange Zeit mit nur einer Sache pro Tag wirklich erschöpft, aber jetzt geht es mit großen Schritten weiter und eines Tages kann ich über all das, was ich erlebt habe in dem Bereich, vielleicht nur lachen…

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