Glutenunverträglichkeit

Warum eine Glutensensitivität Probleme mit der Gallenblase hervorruft

Haben Sie Probleme mit der Fettverdauung – vielleicht Rückenschmerzen oder Übelkeit? Möglicherweise arbeitet Ihre Gallenblase nicht ganz so wie sie soll. Neuere Studien zeigen, dass Entzündungen im Darm eine ganz enge Verbindung zur Funktion der Gallenblase haben.

Ein kleiner Exkurs zur Fettverdauung

Die Leber, Gallengänge und Gallenblase werden zusammen als Gallengangssystem bezeichnet. Die Leber stellt die Gallenflüssigkeit her. Diese wird durch den Gallengang in die Gallenblase transportiert, die sie lagert, bis sie für die Verdauung benötigt wird.
Wenn mit der Nahrung aufgenommenes Fett im Dünndarm ankommt, wird von bestimmten Zellen das Hormon Cholecystokinin freigesetzt, dass zur Kontraktion der Gallenblase und damit zur Entleerung der gespeicherten Galle in den Dünndarm führt.
Die Galle umschießt die Fettmoleküle und bildet sogenannte Micellen. Diese Micellen können von der Darmschleimhaut aufgenommen werden. Ohne Galle können Fette nicht resorbiert werden und werden dann mit dem Stuhlgang ausgeschieden. Die Bezeichnung dafür ist Steatorrhoe.
Die Galle ist außerdem extrem wichtig für die Aufnahme von Cholesterin und den fettlöslichen Vitamine A, D, E und K.

Häufige Erkrankungen der Gallenblase

Symptome einer schlecht funktionierenden Gallenblase können ständig bestehen oder episodisch auftreten. Auch wenn sich die Symptome je nach Erkrankung leicht unterscheiden, so treten normalerweise Schmerzen im Oberbauch auf, die von Symptomen wie Gelbsucht, Übelkeit, Erbrechen und Ausstrahlung der Schmerzen in den Rücken begleitet sein können. Die häufigsten Gallenblasenerkrankungen sind:
Cholestase: Gallenstau. Wie der Name sagt besteht ein Rückstau von Galle in der Leber oder den Gallengängen.
Gallensteine: Das sind Steine, die sich in der Gallenblase aus den Bestandteilen der Galle formen. 15 % der Frauen und 7,5 % der Männer in Deutschland sind von Gallensteinen betroffen. Diese Prävalenz steigt auf 30 % an, wenn zusätzlich eine Leberzirrhose oder ein M. Crohn (entzündliche Darmerkrankung) vorliegt (1). Die Erkrankung findet sich häufig in den westlichen Industrieländern und selten in Ostasien, südlich der Sahara und bei Afroamerikanern.
Cholecystitis: Gallenblasenentzündung. Diese stellt eine Komplikation einer länger bestehenden Cholestase oder von Gallensteinen dar. Das Gewebe der Gallenblase weist durch die Cholestase und eine eingeschränkte Durchblutung eine Entzündung auf.
Cholangitis: eine Entzündung der Gallengänge ebenfalls durch Cholestase oder Gallensteine hervorgerufen. Die Infektion kann sich auch auf die Leber ausbreiten, weshalb sie möglichst schnell erkannt werden sollte.
Gallenstein Pankreatitis: wird der Pankreas-Gallengang durch einen Gallenstein blockiert, so kommt es zu einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Es handelt sich um eine sehr ernste Komplikation, die schnellstens behandelt werden muss.

Risikofaktoren, die zur Entstehung von Gallenblasenerkrankungen beitragen

Da haben wir die 3 Fs – Fat, Female, over Forty. Das heißt am häufigsten sind übergewichtige Frauen über 40 Jahre betroffen. Wie oben schon angemerkt, sind Frauen etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Begleiterkrankungen wie das Reizdarmsyndrom, Lebererkrankungen, Zystische Fibrose, aber auch einige Medikamente können Gallenblasen-erkrankungen verursachen (2). Auch eine Schwangerschaft, orale Kontrazeptiva (die „Pille“) und der Einsatz von Antibiotika wurden mit einer Cholestase in Verbindung gebracht (3, 4).

Natürlich spielen auch Lebensstil Faktoren eine Rolle. So ist zum Beispiel fehlende Bewegung mit einem höheren Risiko für eine Gallenblasen OP vergesellschaftet (5). Gallensteine wurden auch mit einer westlichen Ernährung in Zusammenhang gebracht, die sehr viel verarbeitete Lebensmittel und Zucker enthält (6). Keine Angst, auf die Rolle, die Gluten in der ganzen Geschichte spielt, komme ich auch noch zu sprechen.

Leaky gut – der leckende Darm – beeinflusst das Gallensystem

Wenn die Barrierefunktion des Darms beschädigt ist (Leaky Gut), können Darmbakterien, die sich normalerweise nur im Darmlumen aufhalten sollen, in den Blutstrom gelangen. Das Immunsystem betrachtet diese Mikroben und ihre Stoffwechselprodukte als Eindringlinge und geht sofort zum Angriff über. Das Gallensystem kann insofern betroffen, als die durch die Immunantwort ausgelöste Entzündung die Genexpression und Funktion von wichtigen Transportsystem verändert, die an der Aufnahme der Gallensäuren und deren Sekretion in der Leber beteiligt sind (7).

Das bedeutet: Leaky gut → Mikroben im Blutstrom → Gallenerkrankung.

Die Galle hilft bei der Aufrechterhaltung der Darmbarriere

Aber nicht nur ein Leaky gut und der Eintritt von Bakterien in den Blutstrom können zu Gallenblasenerkrankungen führen. Es funktioniert auch anders herum. So ist zu wenig Galle im Darm ein Auslöser für einen Leaky gut und für eine veränderte Besiedlung mit Darmbakterien.

Also auch: Gallenerkrankung → Leaky gut → verändertes Mikrobiom.

In einer Studie untersuchten Forscher wie sich eine Verletzung der Leber auswirkt. Die untersuchten Tiere zeigten sehr schnell eine vermehrte intestinale Permeabilität (Leaky gut). Bemerkenswert war, dass die Veränderungen in der Funktion der Darmbarriere auftraten, bevor es zu irgendwelchen Veränderungen im Mikrobiom kam (8).

Die Gluten Connection – leckender Darm, leckende Gallengänge?Gluten, ein Protein, das in Getreide vorkommt, führt nachweislich zu einem Leaky gut indem es Zonulin aktiviert und Tight Junctions in der Darmwand aufbricht. Die Öffnungen in der Darmwand erlauben es dann Mikroben, aber auch Nahrungsproteinen, aus dem Darmlumen in den Blutstrom zu gelangen. Leberzellen und die Zellen der Gallengänge haben ebenfalls Tight junctions, die eine permeable Membran bilden, die selektiv bestimmte Stoffe durchlässt (9). Auch diese Tight junctions werden durch Zonulin reguliert. Das bedeutet, auch hier kann Gluten Schaden anrichten.

Und tatsächlich wurde ein Zusammenhang zwischen einer Glutenunverträglichkeit und einem vermehrten Auftreten von Gallensteinen und Biliärer Zirrhose nachgewiesen (10).

Die Darmzotten, die im Dünndarm für die Nährstoffaufnahme zuständig sind, sind bei der Zöliakie typischerweise verkürzt und beschädigt. Dies könnte dazu führen, dass Fettsäuren nicht mehr richtig erkannt werden, es nicht zur Ausschüttung von Cholecystokinin und damit auch nicht zur Kontraktion der Gallenblase kommt. Dieser Zustand kann durch eine glutenfreie Ernährung behoben werden.

Gallenblasenentfernung (Cholecystektomie)

Selbstverständlich sollte eine Gallen OP nach Möglichkeit vermieden werden, da sie einige ungewollte Konsequenzen hat und die Physiologie erheblich verändert. Auch ohne Gallenblase produziert die Leber weiterhin Galle (diese wurde in der Gallenblase ja nur gelagert). Ohne Gallenblase kann es nun zu einem Gallestau in der Leber kommen. Außerdem weiß man inzwischen, dass die veränderte Gallensäuresekretion in den Dünndarm sowohl die Darmflora als auch die Darmfunktion beeinträchtigt (11).

Zu beachten ist auch, dass selbst bei Patienten ohne Gallenblase weiterhin Gallensteine entstehen können (dann eben in der Leber oder den Gallengängen), wenn die zugrunde liegende Ursache nicht abgestellt wird (12).

Gallenblasenerkrankungen funktionell behandeln

Die Schulmedizin hat für Gallenblasenerkrankungen zwei Therapieoptionen – Entfernung der Gallenblase oder eine fettarme Diät. Kurzfristig kann die fettarme Ernährung die Symptome sogar verbessern, aber längerfristig führt sie dazu, dass die Kontraktion der Gallenblase verhindert wird. Wie man sich leicht vorstellen kann, können unter diesen Umständen noch leichter Gallensteine entstehen, was man ja eigentlich verhindert wollte.

Da – wie oben ausgeführt – die beste Behandlung darin besteht, die Ursachen auszuschalten, würde ein funktionelles Vorgehen folgendermaßen aussehen:

Laboruntersuchungen: Hinweise auf eine eingeschränkte Gallenblasenfunktion geben AP, CRP, Bilirubin, LDH, GPT und GGT.

Ändern Sie Ihre Ernährung: Bei vielen Menschen lösen sich Probleme mit der Gallenblase ganz von selbst, wenn sie ihre Ernährung umstellen. Dazu gehört der Verzicht auf entzündungsauslösende Nahrungsmittel wie Gluten, verarbeitete Lebensmittel und Zucker.

Bringen Sie Ihren Darm in Ordnung: Sie haben gesehen, es ist ein bisschen die Frage nach der Henne und dem Ei. Ein Leaky gut und Gallenerkrankungen gehen Hand in Hand. Es ist deshalb wichtig beide in Angriff zu nehmen, um den Zirkel von Darmentzündung → Gallenstau → Gallensäuremangel → Zunahme der Darmentzündung zu unterbrechen.

Regen Sie den Gallenfluss an: Bitterstoffe wie Kurkuma, Löwenzahn, Mariendistel und Ingwer sind bekannt dafür, den Gallenfluss zu stimulieren. Diese Stoffe können sie als Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, beim Kochen verwenden oder als Tee trinken.

Lösen Sie die Gallensteine auf: Rote Bete, Taurin, Phosphatidylcholin, Zitrone, Pfefferminze und Vitamin C haben alle eine Wirksamkeit in der Behandlung von Gallensteinen bewiesen (13).

Nehmen Sie Gallensäuren ein: Wenn Sie Probleme mit der Fettverdauung haben, können Sie auch für eine gewisse Zeit Gallensäuren (zum Beispiel Ochsengalle) einnehmen, bis Ihr Gallenfluss sich wieder normalisiert hat.

 

 

1) http://www.gesundheits-lexikon.com/Leber-Gallenblase-Bauchspeicheldruese/Gallensteine-Cholelithiasis/

(2) Thiazide diuretics and the risk of gallbladder disease requiring surgery in women.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15767534/

(3) Severe and Prolonged Cholestasis Caused by Trimethoprim-Sulfamethoxazole: A Case Report.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2671966/

(4) http://www.journal-of-hepatology.eu/article/S0168-8278(00)80139-7/fulltext?refuid=S0190-9622(05)04712-2&refissn=0190-9622

(5) Physical activity reduces the risk of symptomatic gallstones: a prospective cohort study.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20130468/

(6) Role of diet in cholesterol gallstone formation.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17055469/

(7) The role of inflammation in cholestasis – clinical and basic aspects. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3746018/pdf/nihms497411.pdf

(8)Bacterial translocation and changes in the intestinal microbiome in mouse models of liver disease.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3357486/

(9) Regulation of the blood–biliary barrier: interaction between gap and tight junctions in hepatocytes  https://link.springer.com/article/10.1007/s00795-003-0220-5

(10) Gluten sensitivity in patients with primary biliary cirrhosis  http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0002927097001147

(11) Interactions between the intestinal microbiota and bile acids in gallstones patients   http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1758-2229.12319/full

(12) Acute biliary pancreatitis in cholecystectomised patients. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28752146

(13) Phosphatidylcholine-enriched diet prevents gallstone formation in mice susceptible to cholelithiasis  http://www.jlr.org/content/44/12/2297.short

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